Dienstag, 03. August 2021

In eigener Sache: Berichte ├╝ber unsere blogs


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 18. Mai 2011. (Aktualisiert) heddesheimblog, hirschbergblog, ladenburgblog, weinheimblog, rheinneckarblog, viernheimblog sind lokal-journalistische Informationsplattformen im Internet. Weder der Journalismus, noch das Internet sind neu. Neu ist die Kombination von kritischem Lokaljournalismus im „weltweiten Netz“. Dazu gibt es viele Meinungen. Was andere ├╝ber uns und unseren Journalismus denken – lesen Sie hier. Wir aktualisieren diese Liste seit November 2009 fortlaufend.

sueddeutsche

sueddeutsche.de interviewt Hardy Prothmann.

Der Anspruch ist ein einfacher: Bester Journalismus f├╝rs Lokale. Seit Mai 2009 berichtet das heddesheimblog ├╝ber Heddesheim und manchmal ├╝ber die Gemeindegrenzen hinaus. Seit Dezember 2009 gibt es das hirschbergblog, seit Februar 2010 das ladenburgblog, seit November 2010 das weinheimblog, seit Januar 2011 das rheinneckarblog, seit April 2011 das viernheimblog.

Vorbildfunktion.

Diese Arbeit hat die Aufmerksamkeit vieler Journalisten und Medienmacher ├╝berall in der Republik auf sich gezogen.

Warum? Ganz einfach.

Obwohl der gr├Â├čte Teil des Journalismus in Deutschland im Lokalen stattfindet, gilt der Lokaljournalismus als qualitativ minderwertig. Kein Wunder, ruhen sich doch die meist monopolistischen Lokalzeitungen auf ihrer konkurrenzlosen Position aus.

Lokal = spannend.

Unsere Redaktion h├Ąlt dagegen und beweist seit nunmehr zwei Jahren, dass lokale Themen spannende Themen sind. Lokale Berichterstattung ist eine Herausforderung – die viele Zeitungen seit Jahren nicht mehr annehmen – Radio und Fernsehen schon gar nicht.

Unsere Blogs genie├čen eine hohe Aufmerksamkeit bei den Leserinnen und Lesern – weil sie seri├Âsen, kritischen und meinungsstarken Journalismus bieten. Weil wir recherchieren und nachhaken – die Bratwurstberichterstattung ├╝berlassen wir anderen.

Wir sind davon ├╝berzeugt, dass es wichtig ist, das kommunale „Zeitgeschehen“ abzubilden. ├â┼ôberall auf der Welt leben die Menschen lokal – die Nachrichten ├╝ber das lokale Leben sind der exklusivste Inhalt vor Ort.

Lokal = exklusiv.

Wir berichten auch ├╝ber gro├če Themen der Republik, wir holen diese aber ins Lokale. Wir sind im engen Kontakt mit unseren LeserInnen – ganz pers├Ânlich aber auch ├╝ber neue „Social Media“-Plattformen wie Twitter und Facebook oder Wer-kennt-wen.

„Wir“ sind eine kleine Redaktion mit freien Mitarbeiter, die alle eins verbindet – hohes Engagement.

Ãœber die Kommentarfunktion bringen sich die LeserInnen zudem ein und bereichern (meistens) die Berichterstattung. Aktiver Austausch von Fakten, Argumenten und Meinungen ist wichtig für das Zusammenleben in der Gemeinde.

Finanziert wird unsere Arbeit durch Werbung und die Beratung von Firmen und Institutionen zum Einsatz von Blogs und „Social Media“ – modernes Marketing ist l├Ąngst mehr als die langweilige, teure und passive Zeitungsanzeige. W├Ąhrend Print kontinuierlich verliert, gewinnt das Internet rasant. Immer mehr Menschen lesen und informieren sich online – alle Markstudien belegen diese Tatsache.

dctp

dctp-Journalist Philip Banse interviewt Hardy Prothmann.

Unsere Blogs bieten also aktiven Journalismus. Und die Arbeit der Redaktion ist transparent.

Seit Anfang Mai 2011 haben wir uns mit anderen Internet-Zeitungen deutschlandweit zusammengeschlossen: istlokal.de ist ein Netzwerk von lokalen Internetmedien, die sich gegenseitig unterst├╝tzen. Zu: Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht. Rund 50 Angebote machen derzeit mit.

Kritik = konstruktiv.

Unsere kritische Haltung gef├Ąllt nicht jedem – weil viele durch die unkritische Berichterstattung der „etablierten“ Medien nicht mehr mit Kritik umgehen k├Ânnen.

Kritik bedeutet aus unserer Sicht nicht, dass wir „jemanden schlecht machen“, sondern dass wir aufzeigen, wo es „nicht gut l├Ąuft“, wo etwas zu verbessern ist.

Kritik hei├čt, sich mit einer Sache oder Personen auseinanderzusetzen und kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Falsche R├╝cksichtnahmen sind in unseren Augen die Garantie daf├╝r, dass sich nichts ver├Ąndert.

Wir „kritisieren“ aber auch immer gerne „positiv“, wenn es „gute“ Nachrichten zu berichten gibt.

Zukunft des Lokaljournalismus.

Deswegen orientieren sich viele andere Journalisten und Redaktionen bereits an unserer Arbeit – die lokale Berichterstattung im Internet gilt vielen als die Zukunft des Lokaljournalismus.

Hardy Prothmann, verantwortlicher Journalist f├╝r diese neue Form des Lokaljournalismus, ist gern gesehener Gast bei Medientagungen. Ob beim Frankfurter Tag des Onlinejournalismus auf Einladung der Evangelischen Kirche Deutschland und des Hessischen Rundfunks, beim katholischen ifp (Institut zur F├Ârderung publizistischen Nachwuches e.V.) oder bei der Hochschule Darmstadt-Dieburg, um nur drei Beispiele zu nennen.

Diese Zukunft machen wir schon heute. Nachfolgend lesen Sie Artikel, Interviews, Beitr├Ąge von anderen Medien ├╝ber unsere Blogs.
Neueste Beitr├Ąte wie ├╝blich oben.

evangelisch

Portr├Ąt bei evangelisch.de

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Die Redaktion heddesheimblog, hirschbergblog, ladenburgblog

168 Stunden online? – Jugendliche im Internet


Screenshot von YouTube

Screenshot von YouTube

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 12. M├Ąrz 2011. Facebook, Skype, SchuelerVZ – Jugendliche bew├Ąltigen einen Gro├čteil ihrer „sozialen Kontakte“ ├╝ber diese Internet-Dienste. Aber wie sieht das typische Verhalten von Jugendlichen im Internet eigentlich genau aus? Unser Praktikant Paul Maa├č hat das f├╝r uns dokumentiert. Eine Woche lang – 168 Stunden. Insbesondere Eltern d├╝rften sehr daran interessiert sein, was ihre „Kids“ im Netz so „anstellen“. [Weiterlesen…]

Wikipedia hat den „Bratwurstjournalismus“ zensiert – ist das gut oder schlecht? Und was hat das mit Heddesheim zu tun?

Guten Tag!

Heddesheim, 16. Januar 2010. Was hat die Debatte ├╝ber die L├Âschung des „Bratwurstjournalismus“ auf Wikipedia mit dem heddesheimblog zu tun? Sehr viel. Denn auch in Heddesheim gibt es Zensur. Sie ist „politisch“ verordnet und findet statt. Der Zensor hei├čt Michael Kessler und ist B├╝rgermeister. Ob diese Zensur „gut oder schlecht“ ist, m├╝ssen Zensor und Zensierte selbst entscheiden.

Kommentar: Hardy Prothmann

„Zensur“ wird von den meisten Menschen eindeutig als etwas „Schlechtes“, „Verwerfliches“ , „Missbr├Ąuliches“ verstanden. Ist Zensur per se „schlecht“? Welche Zensur ist „schlecht“? ├â┼ôberhaupt, was ist Zensur?

Zensur ist tats├Ąchlich ein sehr vielf├Ąltiges Wort, das mehr als eine „negative“ Bedeutung hat. Wikipedia selbst unterscheidet zwischen verschiedenen Zensur-Formen, beispielsweise politischer Zensur oder der Zensur in der Schule (Benotung).

Die Schulzensur an sich ist aber etwas vollkommen Normales. Sie ist eine Leistungsbeurteilung. Eine schlechte Benotung, eine schlechte Zensur also, wird der betroffene Sch├╝ler meist als negativ begreifen und vielleicht als „Aufforderung“, es k├╝nftig besser zu machen. Der „1er“-Sch├╝ler wird seine Note aber nicht als Zensur verstehen, sondern als „W├╝rdigung“ der „sehr guten'“ Leistung.

Zensur findet (nicht) statt.

„Politische Zensur“ lehnt instinktiv jeder Demokrat ab. Wie hei├čt es doch so sch├Ân im Artikel 5, Grundgesetz: „Eine Zensur findet nicht statt.“

„(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu ├Ąu├čern und zu verbreiten und sich aus allgemein zug├Ąnglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gew├Ąhrleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Das aber ist falsch. Zensur findet sehr wohl, sogar demokratisch legitimiert statt. Ein Widerspruch? Auch hier kommt wieder der Artikel 5, Grundgesetz, zum Tragen:

„(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der pers├Ânlichen Ehre.“

Wer also bei dem „Meinungsrecht“ gegen allgemeine Gesetze usw. verst├Â├čt, darf oder muss sogar zensiert werden. Beispielsweise politisch-extremistische Vereinigungen. Gesetzes- und Verfassungstreue werden auch f├╝r die ├é┬á„freie Wissenschaft und Kunst“├é┬ávorausgesetzt:

„(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.“

Die freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FsF) der Fernsehsender „indiziert“, sprich „zensiert“ beispielsweise Filme. Danach steht auf der Verpackung: Freigegeben ab Alter X. Pornographie ist generell erst ab 18 Jahren zul├Ąssig (FSK 18) – obwohl pubertierende Jugendliche schon in j├╝ngeren Jahren unb├Ąndig das „Verbotene“ konsumieren wollen.

Halt den Mund!

Zensur findet auch in der kleinsten Einheit unserer Gesellschaft, der Familie statt: „Halt den Mund!“, hat sicherlich fast jeder Elternteil gegen├╝ber dem Nachwuchs mindestens ein Mal im Laufe von vielen Erziehungsjahren gesagt. Zu recht?

Die Frage, ob Zensur gut oder schlecht ist, kann man nicht pauschal beantworten. Vermeintlich besser ist die Frage: Ist Zensur gerecht oder ungerecht? Der zensierte Mensch wird meistens zu „ungerecht“ tendieren, der Zensor sein „Recht“ betonen.

Wie komplex der Begriff der Zensur ist, zeigt wiederum Wikipedia selbst. Der Artikel „Zensur (Informationskontrolle)“ ist nicht nur schwach definiert, er ist so irrelevant definiert, dass er sofort gel├Âscht werden sollte. Auch dem „Bratwurstjournalismus“ wurde vorgeworfen, als Begriff irrelevant zu sein.

Ist das so? Sicher nicht. Der Begriff „Zensur“ ist sehr relevant, aber schlechter definiert als die gel├Âschte Fassung ├╝ber den „Bratwurstjournalismus“.

Vermutlich ist „Zensur“ bei Wikipedia so unzureichend definiert, weil die „Wikipedianer“ selbst damit ein gro├čes Problem haben, wie die L├Âschdebatte nicht nur um den „Bratwurstjournalismus“ zeigte.

Ist Zensur „gut oder schlecht?“

Im November gab es dazu eine Tagung, wie Radio Bremen berichtet: „Der Verein Wikimedia, der das Projekt Wikipedia finanziert, sich aber nicht in inhaltliche Diskussionen einmischt, l├Ądt nun Wikipedia-Autoren und -Administratoren, Blogger und andere Interessierte ein, am Donnerstag, 5. November, 18 Uhr, in Berlin ├╝ber Lehren aus der L├Âschdebatte zu diskutieren.“

Zur├╝ck zur Ausgangsfrage: Ist es gut oder schlecht (gerecht oder ungerecht), dass ein Wikipedia-Administrator den „Bratwurstjournalismus“ gel├Âscht hat?

Aus meiner Sicht ist es „schlecht“ – weil ich keinen Willen bei den „L├Âschern“ erkennen konnte, dieses relevante „Ph├Ąnomen“ nachhaltig beschreiben zu wollen. Ob das nun „Bratwurstjournalismus“ hei├čen muss, stelle ich dahin.

Der Hinweis, der „Bratwurstjournalismus“ sei eine Untermenge von „Gef├Ąlligkeitsjournalismus“ trifft in meinen Augen nicht zu. Vor allem, wenn er so mangelhaft definiert ist, wie bei Wikipedia. Dort steht unter dem Begriff „Lokaljournalismus“ folgende Erkl├Ąrung:
„Ein weit verbreitetes Vorurteil besagt, dass ein Lokaljournalist in erster Linie einen „Gef├Ąlligkeitsjournalismus“ produziere, indem er etwa ├╝ber Vereinsfeste, Firmenjubil├Ąen oder Geburtstagsfeiern lokaler Politiker berichtet. Berichte dieser Art gibt es h├Ąufig, vor allem in kleineren Lokalzeitungen und Anzeigenbl├Ąttern. Grunds├Ątzlich aber nehmen Lokaljournalisten mit der Berichterstattung ├╝ber die Kommunalpolitik, ├╝ber soziale, wirtschaftliche und kulturelle Ereignisse und Entwicklungen vor Ort eine gesellschaftliche Aufgabe wahr. Die Vielfalt, Auflagenh├Âhe und Reichweite der Lokalzeitungen ist eine Besonderheit der deutschen Medienlandschaft, ihre Reichweite in der Bev├Âlkerung wird von keinem anderen Medium erreicht.“

Wikipedia ist eine „Quelle“. Mehr nicht.

Ein „weit verbreitetes Vorurteil besagt“, dass ein Lokaljournalist in erster Linie einen Gef├Ąlligkeitsjournalismus produziere.

Ein Vorurteil also.

F├╝r das allerdings im Wikipedia-Artikel jede Quelle fehlt.

Ein Vorurteil wiederum wird auch gemeinhin unter Demokraten als „schlecht“ verstanden, als „unwahr“. Die Wikipedia-Definition negiert die Aussage sogleich, indem sie best├Ątigt, dass es „Berichte dieser Art h├Ąufig gibt“. Um dann wieder „grunds├Ątzlich“ eine „gesellschaftliche Aufgabe“ herauszustellen. Und die Relevanzbegr├╝ndung ist: „Ihre Reichweite in der Bev├Âlkerung wird von keinem anderen Medium erreicht.“

Auch hier sollten die Wikipedianer nacharbeiten. Eine hohe Reichweite ist nicht per se „gut“.

Dazu ein „Totschlagargument“: Adolf Hitler hatte nahezu die „totale Reichweite“. War das gut?

Gerade wenn das „Vorurteil“ keines sein sollte, sondern die „Tatsache“, dass ├╝berwiegend „Gef├Ąlligkeitsjournalismus“ produziert wird, w├Ąre das extrem „schlecht“ – wegen der gro├čen Reichweite. Die haben auch Pandemien wie die Pest.

„Gef├Ąlligkeitsjournalismus“ ist eine Pest.

In der Konsequenz hie├če das n├Ąmlich, dass eine gro├če Zahl Menschen mit „Informationen“ versorgt wird, die ihnen „zu gefallen“ haben, tats├Ąchlich aber vor allem ganz wenigen n├╝tzlich sind.

Ein solcher Journalismus ist viel wert f├╝r die Sender der Botschaft („M├Ąchtigen“) und nichts f├╝r die Empf├Ąnger („Leser“). Auch Gef├Ąlligkeitsjournalismus ist also eine Art von Zensur.

„Gut“ an der L├Âschdiskussion um den Bratwurstjournalismus ist die hohe Aufmerksamkeit, die diese nicht nur in Journalistenkreisen gefunden hat.

Denn dadurch werden die Kolleginnen und Kollegen mit der Frage konfrontiert, ob das, was sie tun, „ethisch“ vertretbar ist oder nicht. Ich danke deswegen allen Kollegen, die dar├╝ber berichtet haben. Und allen „Konsumenten“, die sich f├╝r diese Frage interessieren.

Tats├Ąchlich verlinkt das heddesheimblog oft auf Wikipedia. Die Begr├╝ndung ist einfach: Wikipedia ist aus Sicht der Redaktion eine „Quelle“. Hier gibt es Informationen – ob die „stimmen“, haben wir damit nicht beantwortet. Jede Verlinkung ist nur ein Hinweis auf eine andere „Quelle“. Ob Meinungs├Ąu├čerung oder „faktische“ Information.

Wir verlinken auch auf andere Medien, Institutionen usw.. Alle Verlinkungen sind „Informationsquellen“. Mehr nicht.

Dar├╝ber informieren wir unsere Leserinnen und Leser immer wieder.

„Gef├Ąlligkeitsjournalismus“ ist Zensur.

Der Heddesheimer Bratwurstjournalismus Gef├Ąlligkeitsjournalismus des Mannheimer Morgens ist aus meiner Sicht auch eine Form der Zensur. Und das ist mehr als bedauerlich – weil die Abonnenten des MM vors├Ątzlich mit minderwertigen Informationen „versorgt“ werden, f├╝r die diese auch noch bezahlen m├╝ssen.

Wie „gef├Ąllig“ der MM dabei ist, zeigt seine „Nicht-Berichterstattung“ ├╝ber die „politische Zensur“.

Die freie Journalistin Miriam Bunjes hat beispielsweise f├╝r das Internet-Portal der Evangelischen Kirche, „evangelisch.de“ ein Portr├Ąt ├╝ber das heddesheimblog geschrieben. Sie schreibt im September 2009:
„Seine Texte sind unbequem. Die Kritisierten wollen deshalb ├Âffentlich am liebsten gar nichts ├╝ber Hardy Prothmann und das „heddesheimblog“ sagen. „Wir beobachten das Blog aufmerksam und kritisch“, sagt ein Sprecher der Gemeinde Heddesheim, der namentlich nicht zitiert werden will. Mehr m├Âchte er nicht ├╝ber das „neue Medium in der Stadt“ sagen.“ (Anm. d. Redaktion: Unterstreichung durch die Redaktion heddesheimblog)

Ein „Sprecher“, der namentlich nicht zitiert werden will? Ist so jemand ein Sprecher?

Die Redaktion des heddesheimblogs wurde sp├Ąter dar├╝ber unterrichtet, dass „Presseanfragen“ an die Gemeinde nicht mehr an einzelne Mitarbeiter, sondern an „gemeinde@heddesheim.de“ zu richten seien. Wenn geantwortet wird, dann vom B├╝rgermeister Kessler oder seinem Sekretariat.

In Heddesheim wird „politische Zensur“ aktiv angewendet.

Aus „am liebsten gar nichts sagen“ soll eine Dienstanweisung geworden sein: B├╝rgermeister Michael Kessler hat nach unseren Informationen angeordnet, jede Anfrage des heddesheimblogs nicht zu beantworten, sondern an ihn weiterzuleiten. Wir haben dazu die Gemeinde angeschrieben und werden ├╝ber die Antwort berichten.

Wenn dies zutrifft, w├Ąre das „politische Zensur“ in Reinkultur. Antidemokratisch. Nicht akzeptabel. Aber „rechtlich“ absolut zul├Ąssig.

Mitarbeitern w├Ąre per Ukas (auch unzureichend definiert bei Wikipedia) der „Mund verboten“. Jede Recherche (=Frage) soll „zentral“ (=B├╝rgermeister) kontrolliert werden.

Das w├Ąre der Versuch einer zensierten „Informationskontrolle“. Jeder Mitarbeiter, der dagegen verst├Â├čt, muss mit „arbeitsrechtlichen Konsequenzen“ rechnen. Mehr noch: Mit Druck, mit nicht-Bef├Ârderung, also mit Nachteilen.

Das heddesheimblog erf├Ąhrt trotzdem viel. Weil die Unzufriedenheit der Mitarbeiter der Verwaltung mit ihrer „F├╝hrung“ enorm hoch ist. Sie lassen sich nicht „das Maul verbieten“ und vertrauen darauf, dass die Redaktion des heddesheimblogs diese Informanten sch├╝tzt. Das tun wir.

„Quellen“, also Menschen, die etwas erz├Ąhlen wollen, werden von uns gesch├╝tzt. Was hei├čt das? Ganz einfach: Eine Quelle erz├Ąhlt uns etwas und wir sorgen daf├╝r, dass die „Spur“ zwischen Quelle und Bericht nicht zur├╝ckverfolgt werden kann. Wenn das nicht m├Âglich ist, verzichten wir auf den Bericht.

Wenn die Redaktion des heddesheimblogs ├╝ber eine ├Ąhnliche Behinderung der „Redaktion“ des Mannheimer Morgen erfahren w├╝rde – wir w├╝rden sofort solidarisch den Sachverhalt pr├╝fen und uns sofort f├╝r die Informationsfreiheit und die M├Âglichkeit einer freien Recherche einsetzen. Konkurrenzgedanken spielen dabei keine Rolle. Informationsfreiheit ist ein hohes Gut, das das heddesheimblog ungeachtet der Umst├Ąnde vor alles andere stellt.

Der MM denkt da anders. Er ist ja schon l├Ąngst nicht mehr an „freier Berichterstattung“ interessiert, sondern betreibt aktiv „Gef├Ąlligkeitsjournalismus“.

Der Mannheimer Morgen ist ein Zensurorgan.

Damit stellt sich wieder die Frage: „Gut oder schlecht“? Als Beh├Ârdenleiter darf ein B├╝rgermeister seinen Mitarbeitern einen „Maulkorb“ verordnen. Er hat das Recht dazu. Er ist berechtigt, seinen Besch├Ąftigten die freie Meinungs├Ąu├čerung in Bezug auf ihre Arbeit zu zensieren. Er h├Ątte aber auch das „Recht“, dies zuzulassen.

Die Frage war: „Ist das gut oder schlecht?“

Das muss jeder, der davon wei├č, selbst beurteilen.

Der Redaktion kann der „B├╝rgermeister“ Kessler nichts anordnen. Er kann versuchen, Recherchen zu behindern und sich damit zu einem Verhinderer von „Informationsfreiheit“ zu definieren.

Unseren Leserinnen und Lesern kann der „B├╝rgermeister“ Michael Kessler nichts „anweisen“. F├╝r die Leserinnen und Leser gilt Artikel 5 des Grundgesetzes: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu ├Ąu├čern und zu verbreiten und sich aus allgemein zug├Ąnglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“ (Anm. d. Red.: Unterstreichung durch die Redaktion.)

Das heddesheimblog ist eine „allgemein zug├Ąngliche Quelle“, aus der sich alle B├╝rger „ungehindert unterrichten k├Ânnen“.

Und das ist ganz eindeutig „gut so“.

Zensur findet ├╝brigens in Heddesheim und auch in anderen Gemeinden ├╝ber „nicht-├Âffentliche“ Gemeinderatssitzungen statt.

Dar├╝ber wird das heddesheimblog exklusiv in den kommenden Tagen berichten.

Bratwurstjournalismus bei Wikipedia gel├Âscht – Lang lebe der Bratwurstjournalismus

Guten Tag!

Heddesheim, 15. Januar 2010. Nach einer heftigen Debatte auf Wikipedia wurde heute der Begriff „Bratwurstjournalismus“ als eigenst├Ąndige Definition gel├Âscht. Im Artikel „Heddesheim“ ist er aber weiterhin vorhanden – fragt sich nur, wie lange noch.

Kommentar: Hardy Prothmann

bratwurst

Angeblich "keine Relevanz" und einem Eintrag bei Wikipedia "nicht w├╝rdig": Bratwurstjournalismus. Autor: Raimund Hocke

Eine Woche lang wurde bei Wikipedia heftig diskutiert, ob der Artikel „Bratwurstjournalismus“ bleiben darf oder gel├Âscht werden soll. Die L├Âschfraktion hat sich durchgesetzt und heute den Artikel aus der Online-Enzyklop├Ądie entfernt. Grund genug, meinen Senf dazu zu geben.

Autor der ersten Fassung war Markus Schwarze, Redakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ). „Ich gebe zu: Mir sa├č der Schalk im Nacken, als ich gestern nach einem Wortwechsel mit Daniel Schultz aus Berlin den Begriff des Bratwurstjournalismus bei Wikipedia verfasste. Es geht dabei um eine Aufgabe, die vermutlich jeder Journalist irgendwann in seiner Berufslaufbahn erlebt: ein Ereignis zu beschreiben, das sich als weniger gravierend als gedacht herausstellt; ein Ereignis, das eigentlich ein Nichtereignis war“, schreibt der Journalist Schwarze.

Und: „Hardy Prothmann hat daf├╝r diesen etwas b├Âsen, aber auch augenzwinkernden Begriff des Bratwurstjournalismus gefunden, benutzt und ver├Âffentlicht. Es gab f├╝r diese Methode zu allen Zeiten geeignete Bezeichnungen und Abwandlungen, etwa den Schnittchenjournalismus, den Gef├Ąlligkeitsjournalismus, das Runterschreiben, den PK-Abschreiber, den PR-Journalismus. Und es gab zu allen Zeiten auch Interesse f├╝r solche Artikel.“

Nur wenige Minuten nach der Ver├Âffentlichung gab es einen Eilantrag, den Text wieder zu l├Âschen. Pikant: Einige der L├Âsch-Bef├╝rworter sind selbst (Lokal-)Journalisten, die sich offenbar als „Bratwurstjournalisten“ wiedererkannt haben, dies aber abstreiten und es trotzdem pers├Ânlich nehmen. So auch „Scooter“: „Noch einmal zum Mitschreiben: Dass – vor allem auf lokaler Ebene – solche Stilmittel verwendet werden, ist wei├čgott keine neue Erkenntnis und ist auch nicht durch die Sch├Âpfung des hier zur L├Âschung anstehenden Lemmas erstmals dokumentiert worden. Nur weil jemand seinen Frust ├╝ber gewisse Tendenzen im Journalismus in Worte kleidet (die auch mir nicht gefallen, das sei einger├Ąumt), ist das noch lange nicht enzyklop├Ądietauglich bzw. -w├╝rdig. Dies ├╝brigens auch im Namen meiner s├Ąmtlichen Redaktionskollegen, die – von mir ergebnisneutral befragt – allesamt noch nie von dieser Begriffsbildung geh├Ârt haben. Und das sind alles, so viel kann ich versichern, keine Bratw├╝rste.“

Wegen des gro├čen Interesses hatte ich einen Definitionsvorschlag an den Autor gesendet:

Der Begriff „Bratwurstjournalismus“ bezeichnet einen meist durch lokale, journalistische Medien verbreiteten Sachverhalt ohne jeglichen Nachrichtenwert und von untergeordnetem Informationswert.

Kennzeichnend f├╝r „Bratwurstjournalismus“ sind floskelhafte, belanglose oder auch metaphorische Formulierungen, die h├Ąufig durch Adjektive erg├Ąnzt werden.

Dabei werden selbstverst├Ąndliche Handlungen und Geschehnisse ├╝berstilisiert und als Pseudo-Nachricht dargestellt.

Typische Beispiele f├╝r „Bratwurstjournalismus“ finden sich bei ├╝berwiegend nachrichtenarmen Ereignissen, beispielsweise Festen und Veranstaltungen auf lokaler Ebene:

„Die Luft war vom Duft von dampfendem Gl├╝hwein, leckerer Bratwurst und k├Âstlichen Pl├Ątzchen geschw├Ąngert├óÔéČ┬Ž“, „der Wettergott hatte letztlich ein Einsehen und zeigte sich gn├Ądig├óÔéČ┬Ž“, „das Tanzbein wurde ausgiebig geschwungen├óÔéČ┬Ž“, „f├╝r das leibliche Wohl war wie immer bestens gesorgt├óÔéČ┬Ž“, „voll des Lobes und des Dankes zeigte sich ein zufriedener B├╝rgermeister├óÔéČ┬Ž“, „erfreute die von der herrlichen Musik beseelten G├Ąste├óÔéČ┬Ž“.

„Bratwurstjournalismus“ ist somit ein systemkritischer Begriff, der alle Formen einer pseudo-informierenden journalistischen Darstellung umfasst.

Gepr├Ągt wurde der Begriff 2009 durch den Journalisten Hardy Prothmann, der selbst lokaljournalistische blogs betreibt. Andere Journalisten griffen das Wort „Bratwurstjournalismus“ schnell auf und verbreiteten es ├╝ber Online-Medien, Nachrichtenagenturen, Fachdienste, „social networks“ sowie blogs.

gluehwein

Dampfender Gl├╝hwein - dankbare Abnehmer. Quelle: MM

wohl

F├╝rs leibliche Wohl ist gesorgt. Quelle: MM

wettergott

Wohlwollender Wettergott - bunte Vielfalt. Quelle: MM

Ins Internet kam der Begriff durch ein Interview des Journalisten Peter Viebig, N├╝rnberger Zeitung, mit mir: „Was ist ein Bratwurstjournalist?“. Als mich der Kollege befragte, wusste ich noch nicht, welche Folgen das eher spa├čige Interview haben w├╝rde. Viebig forderte zur L├Âschdebatte: Rettet den Bratwurstjournalismus. Damit meinte er hoffentlich nat├╝rlich den Begriff und nicht diese Form von „Journalismus“. Die Twitter Aktion „Rettet den Bratwurstjournalismus“ wurde zuvor von Daniel Schultz auf „Presseschauer“ ins Leben gerufen.

Teile davon wurden in den Wikipedia-Artikel eingearbeitet, aber auch in anderen „Wikis“, beispielsweise hier: http://marjorie.wikia.com/wiki/Bratwurstjournalismus und hier http://franken-wiki.de/index.php/Bratwurstjournalist.

Obwohl also der Begriff bei Wikipedia als Definition gel├Âscht wurde, lebt er im Netz weiter. Denn merke: Was hier einmal drin steht, ist fast nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Der Bratwurstjournalismus wird als Begriff also ├╝berleben. Als Methode wird er weiterhin t├Ąglich im Lokaljournalismus angewendet – besonders auf den Rhein-Neckar-Seiten des Mannheimer Morgen durch „Freie Mitarbeiter“ wie Dietmar Thurecht oder Redakteurinnen wie Anja G├Ârlitz.

Ich bin gespannt, wann der Begriff auch im Artikel zu „Heddesheim“ gel├Âscht wird. Doch das w├Ąre schade. Denn N├╝rnberg ist f├╝r die gleichnamigen Bratw├╝rste bekannt, ebenso leihen Th├╝ringen und die Pfalz ihren Bratw├╝rsten ihren Namen. Wie auch immer: Heddesheim ist jetzt auch ├╝berregional bekannt, weil hier der Bratwurstjournalismus „erfunden“ wurde.

Als „Erfinder“ des Worts gebe ich es aber frei: Es darf in jedem Ort verwendet werden, um die Lokalpresse damit zu bezeichnen – sofern diese Bratwurstjournalismus betreibt.

Und ob es bei Wikipedia einen Artikel dazu gibt oder nicht, ist mir ehrlich gesagt, ziemlich Wurscht.