Montag, 16. Mai 2022

In eigener Sache: Berichte √ľber unsere blogs


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 18. Mai 2011. (Aktualisiert) heddesheimblog, hirschbergblog, ladenburgblog, weinheimblog, rheinneckarblog, viernheimblog sind lokal-journalistische Informationsplattformen im Internet. Weder der Journalismus, noch das Internet sind neu. Neu ist die Kombination von kritischem Lokaljournalismus im „weltweiten Netz“. Dazu gibt es viele Meinungen. Was andere √ľber uns und unseren Journalismus denken – lesen Sie hier. Wir aktualisieren diese Liste seit November 2009 fortlaufend.

sueddeutsche

sueddeutsche.de interviewt Hardy Prothmann.

Der Anspruch ist ein einfacher: Bester Journalismus f√ľrs Lokale. Seit Mai 2009 berichtet das heddesheimblog √ľber Heddesheim und manchmal √ľber die Gemeindegrenzen hinaus. Seit Dezember 2009 gibt es das hirschbergblog, seit Februar 2010 das ladenburgblog, seit November 2010 das weinheimblog, seit Januar 2011 das rheinneckarblog, seit April 2011 das viernheimblog.

Vorbildfunktion.

Diese Arbeit hat die Aufmerksamkeit vieler Journalisten und Medienmacher √ľberall in der Republik auf sich gezogen.

Warum? Ganz einfach.

Obwohl der größte Teil des Journalismus in Deutschland im Lokalen stattfindet, gilt der Lokaljournalismus als qualitativ minderwertig. Kein Wunder, ruhen sich doch die meist monopolistischen Lokalzeitungen auf ihrer konkurrenzlosen Position aus.

Lokal = spannend.

Unsere Redaktion hält dagegen und beweist seit nunmehr zwei Jahren, dass lokale Themen spannende Themen sind. Lokale Berichterstattung ist eine Herausforderung Рdie viele Zeitungen seit Jahren nicht mehr annehmen РRadio und Fernsehen schon gar nicht.

Unsere Blogs genie√üen eine hohe Aufmerksamkeit bei den Leserinnen und Lesern – weil sie seri√∂sen, kritischen und meinungsstarken Journalismus bieten. Weil wir recherchieren und nachhaken – die Bratwurstberichterstattung √ľberlassen wir anderen.

Wir sind davon √ľberzeugt, dass es wichtig ist, das kommunale „Zeitgeschehen“ abzubilden. √ÉŇďberall auf der Welt leben die Menschen lokal – die Nachrichten √ľber das lokale Leben sind der exklusivste Inhalt vor Ort.

Lokal = exklusiv.

Wir berichten auch √ľber gro√üe Themen der Republik, wir holen diese aber ins Lokale. Wir sind im engen Kontakt mit unseren LeserInnen – ganz pers√∂nlich aber auch √ľber neue „Social Media“-Plattformen wie Twitter und Facebook oder Wer-kennt-wen.

„Wir“ sind eine kleine Redaktion mit freien Mitarbeiter, die alle eins verbindet – hohes Engagement.

√ÉŇďber die Kommentarfunktion bringen sich die LeserInnen zudem ein und bereichern (meistens) die Berichterstattung. Aktiver Austausch von Fakten, Argumenten und Meinungen ist wichtig f√ľr das Zusammenleben in der Gemeinde.

Finanziert wird unsere Arbeit durch Werbung und die Beratung von Firmen und Institutionen zum Einsatz von Blogs und „Social Media“ – modernes Marketing ist l√§ngst mehr als die langweilige, teure und passive Zeitungsanzeige. W√§hrend Print kontinuierlich verliert, gewinnt das Internet rasant. Immer mehr Menschen lesen und informieren sich online – alle Markstudien belegen diese Tatsache.

dctp

dctp-Journalist Philip Banse interviewt Hardy Prothmann.

Unsere Blogs bieten also aktiven Journalismus. Und die Arbeit der Redaktion ist transparent.

Seit Anfang Mai 2011 haben wir uns mit anderen Internet-Zeitungen deutschlandweit zusammengeschlossen: istlokal.de ist ein Netzwerk von lokalen Internetmedien, die sich gegenseitig unterst√ľtzen. Zu: Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht. Rund 50 Angebote machen derzeit mit.

Kritik = konstruktiv.

Unsere kritische Haltung gef√§llt nicht jedem – weil viele durch die unkritische Berichterstattung der „etablierten“ Medien nicht mehr mit Kritik umgehen k√∂nnen.

Kritik bedeutet aus unserer Sicht nicht, dass wir „jemanden schlecht machen“, sondern dass wir aufzeigen, wo es „nicht gut l√§uft“, wo etwas zu verbessern ist.

Kritik hei√üt, sich mit einer Sache oder Personen auseinanderzusetzen und kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Falsche R√ľcksichtnahmen sind in unseren Augen die Garantie daf√ľr, dass sich nichts ver√§ndert.

Wir „kritisieren“ aber auch immer gerne „positiv“, wenn es „gute“ Nachrichten zu berichten gibt.

Zukunft des Lokaljournalismus.

Deswegen orientieren sich viele andere Journalisten und Redaktionen bereits an unserer Arbeit – die lokale Berichterstattung im Internet gilt vielen als die Zukunft des Lokaljournalismus.

Hardy Prothmann, verantwortlicher Journalist f√ľr diese neue Form des Lokaljournalismus, ist gern gesehener Gast bei Medientagungen. Ob beim Frankfurter Tag des Onlinejournalismus auf Einladung der Evangelischen Kirche Deutschland und des Hessischen Rundfunks, beim katholischen ifp (Institut zur F√∂rderung publizistischen Nachwuches e.V.) oder bei der Hochschule Darmstadt-Dieburg, um nur drei Beispiele zu nennen.

Diese Zukunft machen wir schon heute. Nachfolgend lesen Sie Artikel, Interviews, Beitr√§ge von anderen Medien √ľber unsere Blogs.
Neueste Beitr√§te wie √ľblich oben.

evangelisch

Porträt bei evangelisch.de

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
Die Redaktion heddesheimblog, hirschbergblog, ladenburgblog

168 Stunden online? – Jugendliche im Internet


Screenshot von YouTube

Screenshot von YouTube

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 12. M√§rz 2011. Facebook, Skype, SchuelerVZ – Jugendliche bew√§ltigen einen Gro√üteil ihrer „sozialen Kontakte“ √ľber diese Internet-Dienste. Aber wie sieht das typische Verhalten von Jugendlichen im Internet eigentlich genau aus? Unser Praktikant Paul Maa√ü hat das f√ľr uns dokumentiert. Eine Woche lang – 168 Stunden. Insbesondere Eltern d√ľrften sehr daran interessiert sein, was ihre „Kids“ im Netz so „anstellen“. [Weiterlesen…]

Wikipedia hat den „Bratwurstjournalismus“ zensiert – ist das gut oder schlecht? Und was hat das mit Heddesheim zu tun?

Guten Tag!

Heddesheim, 16. Januar 2010. Was hat die Debatte √ľber die L√∂schung des „Bratwurstjournalismus“ auf Wikipedia mit dem heddesheimblog zu tun? Sehr viel. Denn auch in Heddesheim gibt es Zensur. Sie ist „politisch“ verordnet und findet statt. Der Zensor hei√üt Michael Kessler und ist B√ľrgermeister. Ob diese Zensur „gut oder schlecht“ ist, m√ľssen Zensor und Zensierte selbst entscheiden.

Kommentar: Hardy Prothmann

„Zensur“ wird von den meisten Menschen eindeutig als etwas „Schlechtes“, „Verwerfliches“ , „Missbr√§uliches“ verstanden. Ist Zensur per se „schlecht“? Welche Zensur ist „schlecht“? √ÉŇďberhaupt, was ist Zensur?

Zensur ist tats√§chlich ein sehr vielf√§ltiges Wort, das mehr als eine „negative“ Bedeutung hat. Wikipedia selbst unterscheidet zwischen verschiedenen Zensur-Formen, beispielsweise politischer Zensur oder der Zensur in der Schule (Benotung).

Die Schulzensur an sich ist aber etwas vollkommen Normales. Sie ist eine Leistungsbeurteilung. Eine schlechte Benotung, eine schlechte Zensur also, wird der betroffene Sch√ľler meist als negativ begreifen und vielleicht als „Aufforderung“, es k√ľnftig besser zu machen. Der „1er“-Sch√ľler wird seine Note aber nicht als Zensur verstehen, sondern als „W√ľrdigung“ der „sehr guten'“ Leistung.

Zensur findet (nicht) statt.

„Politische Zensur“ lehnt instinktiv jeder Demokrat ab. Wie hei√üt es doch so sch√∂n im Artikel 5, Grundgesetz: „Eine Zensur findet nicht statt.“

„(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu √§u√üern und zu verbreiten und sich aus allgemein zug√§nglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gew√§hrleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Das aber ist falsch. Zensur findet sehr wohl, sogar demokratisch legitimiert statt. Ein Widerspruch? Auch hier kommt wieder der Artikel 5, Grundgesetz, zum Tragen:

„(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der pers√∂nlichen Ehre.“

Wer also bei dem „Meinungsrecht“ gegen allgemeine Gesetze usw. verst√∂√üt, darf oder muss sogar zensiert werden. Beispielsweise politisch-extremistische Vereinigungen. Gesetzes- und Verfassungstreue werden auch f√ľr die √ā¬†„freie Wissenschaft und Kunst“√ā¬†vorausgesetzt:

„(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.“

Die freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FsF) der Fernsehsender „indiziert“, sprich „zensiert“ beispielsweise Filme. Danach steht auf der Verpackung: Freigegeben ab Alter X. Pornographie ist generell erst ab 18 Jahren zul√§ssig (FSK 18) – obwohl pubertierende Jugendliche schon in j√ľngeren Jahren unb√§ndig das „Verbotene“ konsumieren wollen.

Halt den Mund!

Zensur findet auch in der kleinsten Einheit unserer Gesellschaft, der Familie statt: „Halt den Mund!“, hat sicherlich fast jeder Elternteil gegen√ľber dem Nachwuchs mindestens ein Mal im Laufe von vielen Erziehungsjahren gesagt. Zu recht?

Die Frage, ob Zensur gut oder schlecht ist, kann man nicht pauschal beantworten. Vermeintlich besser ist die Frage: Ist Zensur gerecht oder ungerecht? Der zensierte Mensch wird meistens zu „ungerecht“ tendieren, der Zensor sein „Recht“ betonen.

Wie komplex der Begriff der Zensur ist, zeigt wiederum Wikipedia selbst. Der Artikel „Zensur (Informationskontrolle)“ ist nicht nur schwach definiert, er ist so irrelevant definiert, dass er sofort gel√∂scht werden sollte. Auch dem „Bratwurstjournalismus“ wurde vorgeworfen, als Begriff irrelevant zu sein.

Ist das so? Sicher nicht. Der Begriff „Zensur“ ist sehr relevant, aber schlechter definiert als die gel√∂schte Fassung √ľber den „Bratwurstjournalismus“.

Vermutlich ist „Zensur“ bei Wikipedia so unzureichend definiert, weil die „Wikipedianer“ selbst damit ein gro√ües Problem haben, wie die L√∂schdebatte nicht nur um den „Bratwurstjournalismus“ zeigte.

Ist Zensur „gut oder schlecht?“

Im November gab es dazu eine Tagung, wie Radio Bremen berichtet: „Der Verein Wikimedia, der das Projekt Wikipedia finanziert, sich aber nicht in inhaltliche Diskussionen einmischt, l√§dt nun Wikipedia-Autoren und -Administratoren, Blogger und andere Interessierte ein, am Donnerstag, 5. November, 18 Uhr, in Berlin √ľber Lehren aus der L√∂schdebatte zu diskutieren.“

Zur√ľck zur Ausgangsfrage: Ist es gut oder schlecht (gerecht oder ungerecht), dass ein Wikipedia-Administrator den „Bratwurstjournalismus“ gel√∂scht hat?

Aus meiner Sicht ist es „schlecht“ – weil ich keinen Willen bei den „L√∂schern“ erkennen konnte, dieses relevante „Ph√§nomen“ nachhaltig beschreiben zu wollen. Ob das nun „Bratwurstjournalismus“ hei√üen muss, stelle ich dahin.

Der Hinweis, der „Bratwurstjournalismus“ sei eine Untermenge von „Gef√§lligkeitsjournalismus“ trifft in meinen Augen nicht zu. Vor allem, wenn er so mangelhaft definiert ist, wie bei Wikipedia. Dort steht unter dem Begriff „Lokaljournalismus“ folgende Erkl√§rung:
„Ein weit verbreitetes Vorurteil besagt, dass ein Lokaljournalist in erster Linie einen „Gef√§lligkeitsjournalismus“ produziere, indem er etwa √ľber Vereinsfeste, Firmenjubil√§en oder Geburtstagsfeiern lokaler Politiker berichtet. Berichte dieser Art gibt es h√§ufig, vor allem in kleineren Lokalzeitungen und Anzeigenbl√§ttern. Grunds√§tzlich aber nehmen Lokaljournalisten mit der Berichterstattung √ľber die Kommunalpolitik, √ľber soziale, wirtschaftliche und kulturelle Ereignisse und Entwicklungen vor Ort eine gesellschaftliche Aufgabe wahr. Die Vielfalt, Auflagenh√∂he und Reichweite der Lokalzeitungen ist eine Besonderheit der deutschen Medienlandschaft, ihre Reichweite in der Bev√∂lkerung wird von keinem anderen Medium erreicht.“

Wikipedia ist eine „Quelle“. Mehr nicht.

Ein „weit verbreitetes Vorurteil besagt“, dass ein Lokaljournalist in erster Linie einen Gef√§lligkeitsjournalismus produziere.

Ein Vorurteil also.

F√ľr das allerdings im Wikipedia-Artikel jede Quelle fehlt.

Ein Vorurteil wiederum wird auch gemeinhin unter Demokraten als „schlecht“ verstanden, als „unwahr“. Die Wikipedia-Definition negiert die Aussage sogleich, indem sie best√§tigt, dass es „Berichte dieser Art h√§ufig gibt“. Um dann wieder „grunds√§tzlich“ eine „gesellschaftliche Aufgabe“ herauszustellen. Und die Relevanzbegr√ľndung ist: „Ihre Reichweite in der Bev√∂lkerung wird von keinem anderen Medium erreicht.“

Auch hier sollten die Wikipedianer nacharbeiten. Eine hohe Reichweite ist nicht per se „gut“.

Dazu ein „Totschlagargument“: Adolf Hitler hatte nahezu die „totale Reichweite“. War das gut?

Gerade wenn das „Vorurteil“ keines sein sollte, sondern die „Tatsache“, dass √ľberwiegend „Gef√§lligkeitsjournalismus“ produziert wird, w√§re das extrem „schlecht“ – wegen der gro√üen Reichweite. Die haben auch Pandemien wie die Pest.

„Gef√§lligkeitsjournalismus“ ist eine Pest.

In der Konsequenz hie√üe das n√§mlich, dass eine gro√üe Zahl Menschen mit „Informationen“ versorgt wird, die ihnen „zu gefallen“ haben, tats√§chlich aber vor allem ganz wenigen n√ľtzlich sind.

Ein solcher Journalismus ist viel wert f√ľr die Sender der Botschaft („M√§chtigen“) und nichts f√ľr die Empf√§nger („Leser“). Auch Gef√§lligkeitsjournalismus ist also eine Art von Zensur.

„Gut“ an der L√∂schdiskussion um den Bratwurstjournalismus ist die hohe Aufmerksamkeit, die diese nicht nur in Journalistenkreisen gefunden hat.

Denn dadurch werden die Kolleginnen und Kollegen mit der Frage konfrontiert, ob das, was sie tun, „ethisch“ vertretbar ist oder nicht. Ich danke deswegen allen Kollegen, die dar√ľber berichtet haben. Und allen „Konsumenten“, die sich f√ľr diese Frage interessieren.

Tats√§chlich verlinkt das heddesheimblog oft auf Wikipedia. Die Begr√ľndung ist einfach: Wikipedia ist aus Sicht der Redaktion eine „Quelle“. Hier gibt es Informationen – ob die „stimmen“, haben wir damit nicht beantwortet. Jede Verlinkung ist nur ein Hinweis auf eine andere „Quelle“. Ob Meinungs√§u√üerung oder „faktische“ Information.

Wir verlinken auch auf andere Medien, Institutionen usw.. Alle Verlinkungen sind „Informationsquellen“. Mehr nicht.

Dar√ľber informieren wir unsere Leserinnen und Leser immer wieder.

„Gef√§lligkeitsjournalismus“ ist Zensur.

Der Heddesheimer Bratwurstjournalismus Gef√§lligkeitsjournalismus des Mannheimer Morgens ist aus meiner Sicht auch eine Form der Zensur. Und das ist mehr als bedauerlich – weil die Abonnenten des MM vors√§tzlich mit minderwertigen Informationen „versorgt“ werden, f√ľr die diese auch noch bezahlen m√ľssen.

Wie „gef√§llig“ der MM dabei ist, zeigt seine „Nicht-Berichterstattung“ √ľber die „politische Zensur“.

Die freie Journalistin Miriam Bunjes hat beispielsweise f√ľr das Internet-Portal der Evangelischen Kirche, „evangelisch.de“ ein Portr√§t √ľber das heddesheimblog geschrieben. Sie schreibt im September 2009:
„Seine Texte sind unbequem. Die Kritisierten wollen deshalb √∂ffentlich am liebsten gar nichts √ľber Hardy Prothmann und das „heddesheimblog“ sagen. „Wir beobachten das Blog aufmerksam und kritisch“, sagt ein Sprecher der Gemeinde Heddesheim, der namentlich nicht zitiert werden will. Mehr m√∂chte er nicht √ľber das „neue Medium in der Stadt“ sagen.“ (Anm. d. Redaktion: Unterstreichung durch die Redaktion heddesheimblog)

Ein „Sprecher“, der namentlich nicht zitiert werden will? Ist so jemand ein Sprecher?

Die Redaktion des heddesheimblogs wurde sp√§ter dar√ľber unterrichtet, dass „Presseanfragen“ an die Gemeinde nicht mehr an einzelne Mitarbeiter, sondern an „gemeinde@heddesheim.de“ zu richten seien. Wenn geantwortet wird, dann vom B√ľrgermeister Kessler oder seinem Sekretariat.

In Heddesheim wird „politische Zensur“ aktiv angewendet.

Aus „am liebsten gar nichts sagen“ soll eine Dienstanweisung geworden sein: B√ľrgermeister Michael Kessler hat nach unseren Informationen angeordnet, jede Anfrage des heddesheimblogs nicht zu beantworten, sondern an ihn weiterzuleiten. Wir haben dazu die Gemeinde angeschrieben und werden √ľber die Antwort berichten.

Wenn dies zutrifft, w√§re das „politische Zensur“ in Reinkultur. Antidemokratisch. Nicht akzeptabel. Aber „rechtlich“ absolut zul√§ssig.

Mitarbeitern w√§re per Ukas (auch unzureichend definiert bei Wikipedia) der „Mund verboten“. Jede Recherche (=Frage) soll „zentral“ (=B√ľrgermeister) kontrolliert werden.

Das w√§re der Versuch einer zensierten „Informationskontrolle“. Jeder Mitarbeiter, der dagegen verst√∂√üt, muss mit „arbeitsrechtlichen Konsequenzen“ rechnen. Mehr noch: Mit Druck, mit nicht-Bef√∂rderung, also mit Nachteilen.

Das heddesheimblog erf√§hrt trotzdem viel. Weil die Unzufriedenheit der Mitarbeiter der Verwaltung mit ihrer „F√ľhrung“ enorm hoch ist. Sie lassen sich nicht „das Maul verbieten“ und vertrauen darauf, dass die Redaktion des heddesheimblogs diese Informanten sch√ľtzt. Das tun wir.

„Quellen“, also Menschen, die etwas erz√§hlen wollen, werden von uns gesch√ľtzt. Was hei√üt das? Ganz einfach: Eine Quelle erz√§hlt uns etwas und wir sorgen daf√ľr, dass die „Spur“ zwischen Quelle und Bericht nicht zur√ľckverfolgt werden kann. Wenn das nicht m√∂glich ist, verzichten wir auf den Bericht.

Wenn die Redaktion des heddesheimblogs √ľber eine √§hnliche Behinderung der „Redaktion“ des Mannheimer Morgen erfahren w√ľrde – wir w√ľrden sofort solidarisch den Sachverhalt pr√ľfen und uns sofort f√ľr die Informationsfreiheit und die M√∂glichkeit einer freien Recherche einsetzen. Konkurrenzgedanken spielen dabei keine Rolle. Informationsfreiheit ist ein hohes Gut, das das heddesheimblog ungeachtet der Umst√§nde vor alles andere stellt.

Der MM denkt da anders. Er ist ja schon l√§ngst nicht mehr an „freier Berichterstattung“ interessiert, sondern betreibt aktiv „Gef√§lligkeitsjournalismus“.

Der Mannheimer Morgen ist ein Zensurorgan.

Damit stellt sich wieder die Frage: „Gut oder schlecht“? Als Beh√∂rdenleiter darf ein B√ľrgermeister seinen Mitarbeitern einen „Maulkorb“ verordnen. Er hat das Recht dazu. Er ist berechtigt, seinen Besch√§ftigten die freie Meinungs√§u√üerung in Bezug auf ihre Arbeit zu zensieren. Er h√§tte aber auch das „Recht“, dies zuzulassen.

Die Frage war: „Ist das gut oder schlecht?“

Das muss jeder, der davon weiß, selbst beurteilen.

Der Redaktion kann der „B√ľrgermeister“ Kessler nichts anordnen. Er kann versuchen, Recherchen zu behindern und sich damit zu einem Verhinderer von „Informationsfreiheit“ zu definieren.

Unseren Leserinnen und Lesern kann der „B√ľrgermeister“ Michael Kessler nichts „anweisen“. F√ľr die Leserinnen und Leser gilt Artikel 5 des Grundgesetzes: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu √§u√üern und zu verbreiten und sich aus allgemein zug√§nglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“ (Anm. d. Red.: Unterstreichung durch die Redaktion.)

Das heddesheimblog ist eine „allgemein zug√§ngliche Quelle“, aus der sich alle B√ľrger „ungehindert unterrichten k√∂nnen“.

Und das ist ganz eindeutig „gut so“.

Zensur findet √ľbrigens in Heddesheim und auch in anderen Gemeinden √ľber „nicht-√∂ffentliche“ Gemeinderatssitzungen statt.

Dar√ľber wird das heddesheimblog exklusiv in den kommenden Tagen berichten.

Bratwurstjournalismus bei Wikipedia gelöscht РLang lebe der Bratwurstjournalismus

Guten Tag!

Heddesheim, 15. Januar 2010. Nach einer heftigen Debatte auf Wikipedia wurde heute der Begriff „Bratwurstjournalismus“ als eigenst√§ndige Definition gel√∂scht. Im Artikel „Heddesheim“ ist er aber weiterhin vorhanden – fragt sich nur, wie lange noch.

Kommentar: Hardy Prothmann

bratwurst

Angeblich "keine Relevanz" und einem Eintrag bei Wikipedia "nicht w√ľrdig": Bratwurstjournalismus. Autor: Raimund Hocke

Eine Woche lang wurde bei Wikipedia heftig diskutiert, ob der Artikel „Bratwurstjournalismus“ bleiben darf oder gel√∂scht werden soll. Die L√∂schfraktion hat sich durchgesetzt und heute den Artikel aus der Online-Enzyklop√§die entfernt. Grund genug, meinen Senf dazu zu geben.

Autor der ersten Fassung war Markus Schwarze, Redakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ). „Ich gebe zu: Mir sa√ü der Schalk im Nacken, als ich gestern nach einem Wortwechsel mit Daniel Schultz aus Berlin den Begriff des Bratwurstjournalismus bei Wikipedia verfasste. Es geht dabei um eine Aufgabe, die vermutlich jeder Journalist irgendwann in seiner Berufslaufbahn erlebt: ein Ereignis zu beschreiben, das sich als weniger gravierend als gedacht herausstellt; ein Ereignis, das eigentlich ein Nichtereignis war“, schreibt der Journalist Schwarze.

Und: „Hardy Prothmann hat daf√ľr diesen etwas b√∂sen, aber auch augenzwinkernden Begriff des Bratwurstjournalismus gefunden, benutzt und ver√∂ffentlicht. Es gab f√ľr diese Methode zu allen Zeiten geeignete Bezeichnungen und Abwandlungen, etwa den Schnittchenjournalismus, den Gef√§lligkeitsjournalismus, das Runterschreiben, den PK-Abschreiber, den PR-Journalismus. Und es gab zu allen Zeiten auch Interesse f√ľr solche Artikel.“

Nur wenige Minuten nach der Ver√∂ffentlichung gab es einen Eilantrag, den Text wieder zu l√∂schen. Pikant: Einige der L√∂sch-Bef√ľrworter sind selbst (Lokal-)Journalisten, die sich offenbar als „Bratwurstjournalisten“ wiedererkannt haben, dies aber abstreiten und es trotzdem pers√∂nlich nehmen. So auch „Scooter“: „Noch einmal zum Mitschreiben: Dass – vor allem auf lokaler Ebene – solche Stilmittel verwendet werden, ist wei√ügott keine neue Erkenntnis und ist auch nicht durch die Sch√∂pfung des hier zur L√∂schung anstehenden Lemmas erstmals dokumentiert worden. Nur weil jemand seinen Frust √ľber gewisse Tendenzen im Journalismus in Worte kleidet (die auch mir nicht gefallen, das sei einger√§umt), ist das noch lange nicht enzyklop√§dietauglich bzw. -w√ľrdig. Dies √ľbrigens auch im Namen meiner s√§mtlichen Redaktionskollegen, die – von mir ergebnisneutral befragt – allesamt noch nie von dieser Begriffsbildung geh√∂rt haben. Und das sind alles, so viel kann ich versichern, keine Bratw√ľrste.“

Wegen des großen Interesses hatte ich einen Definitionsvorschlag an den Autor gesendet:

Der Begriff „Bratwurstjournalismus“ bezeichnet einen meist durch lokale, journalistische Medien verbreiteten Sachverhalt ohne jeglichen Nachrichtenwert und von untergeordnetem Informationswert.

Kennzeichnend f√ľr „Bratwurstjournalismus“ sind floskelhafte, belanglose oder auch metaphorische Formulierungen, die h√§ufig durch Adjektive erg√§nzt werden.

Dabei werden selbstverst√§ndliche Handlungen und Geschehnisse √ľberstilisiert und als Pseudo-Nachricht dargestellt.

Typische Beispiele f√ľr „Bratwurstjournalismus“ finden sich bei √ľberwiegend nachrichtenarmen Ereignissen, beispielsweise Festen und Veranstaltungen auf lokaler Ebene:

„Die Luft war vom Duft von dampfendem Gl√ľhwein, leckerer Bratwurst und k√∂stlichen Pl√§tzchen geschw√§ngert√Ę‚ā¨¬¶“, „der Wettergott hatte letztlich ein Einsehen und zeigte sich gn√§dig√Ę‚ā¨¬¶“, „das Tanzbein wurde ausgiebig geschwungen√Ę‚ā¨¬¶“, „f√ľr das leibliche Wohl war wie immer bestens gesorgt√Ę‚ā¨¬¶“, „voll des Lobes und des Dankes zeigte sich ein zufriedener B√ľrgermeister√Ę‚ā¨¬¶“, „erfreute die von der herrlichen Musik beseelten G√§ste√Ę‚ā¨¬¶“.

„Bratwurstjournalismus“ ist somit ein systemkritischer Begriff, der alle Formen einer pseudo-informierenden journalistischen Darstellung umfasst.

Gepr√§gt wurde der Begriff 2009 durch den Journalisten Hardy Prothmann, der selbst lokaljournalistische blogs betreibt. Andere Journalisten griffen das Wort „Bratwurstjournalismus“ schnell auf und verbreiteten es √ľber Online-Medien, Nachrichtenagenturen, Fachdienste, „social networks“ sowie blogs.

gluehwein

Dampfender Gl√ľhwein - dankbare Abnehmer. Quelle: MM

wohl

F√ľrs leibliche Wohl ist gesorgt. Quelle: MM

wettergott

Wohlwollender Wettergott - bunte Vielfalt. Quelle: MM

Ins Internet kam der Begriff durch ein Interview des Journalisten Peter Viebig, N√ľrnberger Zeitung, mit mir: „Was ist ein Bratwurstjournalist?“. Als mich der Kollege befragte, wusste ich noch nicht, welche Folgen das eher spa√üige Interview haben w√ľrde. Viebig forderte zur L√∂schdebatte: Rettet den Bratwurstjournalismus. Damit meinte er hoffentlich nat√ľrlich den Begriff und nicht diese Form von „Journalismus“. Die Twitter Aktion „Rettet den Bratwurstjournalismus“ wurde zuvor von Daniel Schultz auf „Presseschauer“ ins Leben gerufen.

Teile davon wurden in den Wikipedia-Artikel eingearbeitet, aber auch in anderen „Wikis“, beispielsweise hier: http://marjorie.wikia.com/wiki/Bratwurstjournalismus und hier http://franken-wiki.de/index.php/Bratwurstjournalist.

Obwohl also der Begriff bei Wikipedia als Definition gel√∂scht wurde, lebt er im Netz weiter. Denn merke: Was hier einmal drin steht, ist fast nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Der Bratwurstjournalismus wird als Begriff also √ľberleben. Als Methode wird er weiterhin t√§glich im Lokaljournalismus angewendet – besonders auf den Rhein-Neckar-Seiten des Mannheimer Morgen durch „Freie Mitarbeiter“ wie Dietmar Thurecht oder Redakteurinnen wie Anja G√∂rlitz.

Ich bin gespannt, wann der Begriff auch im Artikel zu „Heddesheim“ gel√∂scht wird. Doch das w√§re schade. Denn N√ľrnberg ist f√ľr die gleichnamigen Bratw√ľrste bekannt, ebenso leihen Th√ľringen und die Pfalz ihren Bratw√ľrsten ihren Namen. Wie auch immer: Heddesheim ist jetzt auch √ľberregional bekannt, weil hier der Bratwurstjournalismus „erfunden“ wurde.

Als „Erfinder“ des Worts gebe ich es aber frei: Es darf in jedem Ort verwendet werden, um die Lokalpresse damit zu bezeichnen – sofern diese Bratwurstjournalismus betreibt.

Und ob es bei Wikipedia einen Artikel dazu gibt oder nicht, ist mir ehrlich gesagt, ziemlich Wurscht.