Donnerstag, 23. M├Ąrz 2023

Antrag auf gemeinsame Werkrealschule genehmigt

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 02. April 2010. Der angepasste zweite Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule (WRS) zwischen Hirschberg und Heddesheim wurde vom Regierungspr├Ąsidium Karlsruhe best├Ątigt. Aber dem Schuljahr 2010/11 wird die gemeinsame Schule, die einen Wechsel der Klassen an den beiden Standorten vorsieht, in den beiden Kommunen eingef├╝hrt.

Seit dem 01. April 2010 wissen die Gemeinden Hirschberg und Heddesheim, dass der zweite Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule angenommen wurde.

Urspr├╝nglich wollten die Gemeinden eine Werkrealschule, bei der nur die zehnte Klasse im j├Ąhrlichen Wechsel an beiden Standorten unterrichtet wird. Dieser Antrag wurde abgelehnt.

Jetzt m├╝ssen die Sch├╝ler ab der achten Klasse pendeln. Politisch sind die SPD und B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen gegen die Werkrealschule neuen Typs und fordern ein l├Ąngeres gemeinsames Lernen und die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems.

Die Regierungsparteien CDU und FDP stehen in Sachen Schulreform enorm in der Kritik: Sowohl die Einf├╝hrung des achtj├Ąhrigen Gymnasiums als auch die Werkrealschule gehen nach Meinung der Kritiker zu Lasten der Sch├╝ler und auf der Kostenseite zu Lasten der Kommunen.

Dokumentation: Pressemitteilung der Gemeinden Heddesheim und Hirschberg

„Heddesheim/Hirschberg. Kurz vor Ostern haben die Gemeinden Heddesheim und Hirschberg Post vom Regierungspr├Ąsidium Karlsruhe erhalten: Die Einrichtung der gemeinsamen Werkrealschule ab dem kommenden Schuljahr 2010/2011 wurde nun genehmigt. „Damit wird aus zwei starken Schulen eine noch st├Ąrkere, die gleichzeitig eine verl├Ąssliche Perspektive zum Erwerb des mittleren Bildungsabschlusses bietet“, kommentierten die B├╝rgermeister Michael Kessler (Heddesheim) und Manuel Just (Hirschberg).

Der bisherige Hauptschulzweig der Johannes-Kepler-Schule Heddesheim und die Grund- und Hauptschule der Martin-St├Âhr-Schule wachsen damit ab dem kommenden Schuljahr zusammen. Die Gemeinder├Ąte und Schulgremien hatten sich zuvor daf├╝r ausgesprochen, einen gemeinsamen Antrag auf Einrichtung der neuen Schulform zu stellen. Die Grundschule der Johannes-Kepler-Schule wird eine organisatorisch eigenst├Ąndige Grundschule.

In den n├Ąchsten Wochen und Monaten werde es damit einiges zu tun geben f├╝r die Gemeinden und Schulleitungen: „Wir wollen die neue Schule nun mit gro├čen Engagement mit Leben f├╝llen“, so die B├╝rgermeister. Dabei betonten sie auch, dass die B├╝rgermeister und Gemeinder├Ąte ihren Teil dazu beitragen wollten, damit die gemeinsame Schule sachlich und finanziell gut ausgestattet sei. Auch werde nun die Verbandssatzung f├╝r den geplanten Schulzweckverband, der Schultr├Ąger werden soll, ausgearbeitet. Schlie├člich freuen sich die B├╝rgermeister, dass ihre neuen Werkrealsch├╝ler nun so lange wie es im Rahmen der Vorgaben des Kultusministeriums m├Âglich war in ihrem Wohnort unterrichtet werden k├Ânnen.

Die Klassenf├╝hrung der neuen Schule sieht folgenderma├čen aus: Die Klassenstufen 5 bis 7 der Johannes-Kepler-Schule in Heddesheim und der Martin-St├Âhr-Schule in Hirschberg bleiben einz├╝gig an jedem Standort vorhanden, die Sch├╝ler werden also bis Klasse 7 in ihrem Wohnort unterrichtet. Die Klassenstufen 8 und 9 werden nach den Vorgaben der Schulverwaltung zweiz├╝gig an einem Standort gef├╝hrt. In jedem Schuljahr wechselt der Standort dieser beiden Klassenstufen. Es wird angenommen, dass die Klasse 10 – je nachdem, wie die Sch├╝lerzahlen sind – in der Regel lediglich einz├╝gig gef├╝hrt wird, sodass diese Abschlussklasse ebenfalls im j├Ąhrlichen Wechsel gef├╝hrt wird.

Konkret sollen im kommenden Schuljahr die jetzigen Sch├╝ler der siebten Klassen, die dann in die achte Klasse kommen, gemeinsam in Heddesheim unterrichtet werden. F├╝r die Sch├╝ler, die dann die neunte Klasse besuchen sowie die Sch├╝ler der zehnten Klasse des kommenden Schuljahrs ├Ąndert sich nichts. Die Klasse 10 findet dann wie vorgesehen in Hirschberg statt. F├╝r die F├╝nft- bis Siebtkl├Ąssler ├Ąndert sich dabei nichts – au├čer, dass nach dem neuen p├Ądagogischen Konzept der Werkrealschule unterrichtet wird.

Nun geht es an die Umsetzung und die Mitarbeiter in den Rath├Ąusern und Schulen arbeiten bereits daran, dass die Schule im September einen guten Start hinlegen kann.“

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Drescher oder Rudolf? – MM bl├Ąst zum Halali

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 27. Februar 2010. Die beiden B├╝rgermeister Michael Kessler und Manuel Just sowie die jeweiligen Mehrheiten der Gemeinder├Ąte haben einen „modifizierten“ Antrag auf eine „Werkrealschule neuen Typs“ auf den Weg gebracht. Damit m├╝ssen die Stellen der Schulrektoren neu ausgeschrieben werden. Der Mannheimer Morgen bl├Ąst zum Halali.

Kommentar: Hardy Prothmann

Der Artikel ist kurz und knapp – und formuliert doch eine Entscheidung: Es kann nur einen geben. Durch die gemeinsame Werkrealschule der Gemeinden Hirschberg und Heddesheim wird ein Rektorenteam ├╝berfl├╝ssig.

Der Mannheimer Morgen (MM) hat bei den Schulleitern „am Rande“ Erkundigungen eingezogen – also gewisserma├čen „recherchiert“ oder sich auch „rangeschlichen“ – wie man das auch immer interpretieren will.

Tats├Ąchlich macht der MM etwas anderes: Der Bericht bringt die beiden P├Ądagogen Jens Drescher (Hirschberg) und Hiltrud Rudolf (Heddesheim) in eine Konkurrenzsituation und folgt damit der politischen Logik. Wie immer.

Wer den Kampf gewonnen hat, l├Ąsst sich schon aus der ├â┼ôberschrift erahnen: „Rektor Drescher will sich bewerben“. Oder sp├Ątestens beim Blick auf das Foto. Das zeigt Herrn Drescher – ein Foto von Frau Rudolf gibt es nicht.

Herr Drescher, also der, der kandidieren will, ist ausweislich der Klammer „(34)“ 34 Jahre alt. Frau Rudolf ist ├Ąlter – auf eine Altersangabe verzichtet der MM. W├Ąhrend sich Drescher bewerben will, „mochte sich Frau Rudolf nicht zu ihren Pl├Ąnen ├Ąu├čern“.

Was soll das? Soll hier „Spannung“ erzeugt werden? ├â┼ôber ein Personenkarussell?

Das heddesheimblog hat bereits am 18. Februar 2010 die „Entscheidungsfrage“ aufgegriffen – allerdings mit einer klaren Einsch├Ątzung und nicht mit einer perfiden Andeutung. Dazu mussten wir weder Herrn Drescher fragen, noch Frau Rudolf.

Durch die Entscheidung der Gemeinden war klar, dass eine Schulleitung weichen muss. Es war auch klar, dass sich ein junger Mann wie Herr Drescher selbstverst├Ąndlich bewerben wird. Es ist auch klar, dass sich eine verdiente Schulleiterin wie Frau Rudolf nicht zu einer solch plumpen Anfrage ├Ąu├čern w├╝rde.

Das hat sie ihrem Kollegen Drescher voraus – Erfahrung.

Herr Drescher wiederum ist sein Ehrgeiz ├╝berhaupt nicht vorzuwerfen. Es ist absolut legitim, sich derart zu ├Ąu├čern.

Was die B├╝rgermeister als gute L├Âsung verkauft haben und was vom Gemeinderat in aller Verantwortlichkeit entschieden wurde, dokumentiert der MM jetzt als Konkurrenz zwei Schulleiter, die sich diesen „Kampf um die F├╝hrung“ nicht ausgesucht haben, sondern durch die Verantwortlichen in diese Situation gedr├Ąngt wurden.

Sch├Ân ist das f├╝r keinen der beiden – schon gar nicht, wenn der MM sich dieses „Themas“ in dieser Art „annimmt“.

Vergessen hat der MM zu berichten, dass Herr Drescher sich bewerben will und kann – aber durchaus auch noch andere potenzielle Schulleiter. Das w├Ąre dann noch eine Story wert.

Die Werkrealschule der Politik zeigt nun ihre Auswirkungen.

Lesetipp: „Rudi macht nicht mehr mit“

Anmerkung der Redaktion: „MM“ steht auch f├╝r die Weinheimer Nachrichten, „wn“. Die Redaktionen der beiden Zeitungen tauschen Artikel aus – um sich gegenseitig „auszuhelfen“.
Beide Zeitungen ver├Âffentlichen aber auch durchaus „origin├Ąre St├╝cke„.

Werkrealschule: „Modifizierter“ Antrag beschlossen

Guten Tag!

Heddesheim, 26. Februar 2010. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung vom 25. Februar 2009 dem „modifizierten“ Antrag einer gemeinsamen Werkrealschule unter Leitung von Hirschberg zugestimmt.

Wie zu erwarten war, hat der Gemeinderat den „modifizierten“ Antrag einer gemeinsamen Werkrealschule mit 15:7 Stimmen angenommen.

Zuvor hatte die Fraktion B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen den Antrag gestellt, einen Bestandschutz der Schule in der bisherigen Form zu beantragen. Dieser Antrag wurde mit 15:7 Stimmen abgelehnt.

Am Dienstag, den 23. Februar hatte der Hirschberger Gemeinderat ebenfalls dem „modifizierten“ Antrag zugestimmt.
Lesen Sie dazu unseren Kommentar: „Das Wohl der Kinder oder Knetmasse der Politik – Ein Polylemma.

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(Anm. d. Red.: Weiterer Bericht folgt.)

Fasnacht 2.0 beim MM: „Breites“ oder „Klares“ Ja zur Werkrealschule?

Guten Tag!

Hirschberg/Heddesheim, 25. Februar 2010. Der Mannheimer Morgen hat die Fasnacht noch l├Ąngst nicht beerdigt und bietet ein „Breites Ja“ und ein „Klares Ja“ zur Werkrealschule an.

Fragt sich nur, ob breit vor klar oder ein „Klarer“ vor „breit“ war.

Variante 1 lesen Sie hier, Variante 2 hier.

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Werkrealschule: Mehrheit in Hirschberg f├╝r „modifizierten“ Antrag

Guten Tag!

Hirschberg/Heddesheim, 24. Februar 2010. Wie zu erwarten war, hat der Hirschberger Gemeinderat dem „modifizierten“ Antrag zu einer Werkrealschule „neuen Typs“ zugestimmt. Der Grund: Es musste eine „gesetzeskonforme“, sprich zustimmungsf├Ąhige L├Âsung gefunden werden.

Der Hirschberger Gemeinderat hat gestern mit 15 gegen vier Stimmen der Gr├╝nen Liste Hirschberg den „modifizierten“ Antrag f├╝r eine gemeinsame Werkrealschule beschlossen.

Unseren Bericht lesen Sie hier: Mehrheit f├╝r modifizierten Antrag
Unseren Kommentar lesen Sie hier: Das Wohl der Sch├╝ler oder die Knetmasse der Politik? Ein Polylemma

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Gemeinsame Werkrealschule: Antwort der Fraktionen

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 23. Februar 2010. Heute entscheidet der Hirschberger Gemeinderat in ├Âffentlicher Sitzung ├╝ber einen „modifizierten“ Antrag f├╝r eine gemeinsame Werkrealschule der Gemeinden Hirschberg und Heddesheim.

Wir haben gestern eine Rundmail an alle Fraktionen in Hirschberg und Heddesheim geschickt und um Beantwortung bis heute 14:00 Uhr gebeten.

  1. Der urspr├╝ngliche Antrag wollte die Sch├╝ler vor Ort bis zur Klasse 9 unterrichten. Wie beurteilen Sie einen Antrag, bei dem dies ab Klasse 8 nicht mehr der Fall ist?
  2. Wie werden die Schulstandorte aus Ihrer Sicht durch den neuen Antrag gest├Ąrkt?
  3. Was sind aus Ihrer Sicht die Vor-/Nachteile einer Werkrealschule?

Bislang hat die Fraktion B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen geantwortet. Sollten weitere R├╝ckmeldungen eingehen, erg├Ąnzen wir den Artikel.

Ulrich Kettner (B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen)

1. Die Akzeptanz des Modells wird durch den modifizierten Antrag, der eine wechselnde Beschulung ab Klasse 8 an beiden Standorten vorsieht, sicher noch mehr leiden. Der eh bei Eltern der Grundschule schon deutlich erkennbare Trend weg von der HS/WRS zu den anderen weiterf├╝hrenden Schularten wird sich eher noch verst├Ąrken, so dass die dem Modell zugrunde liegende Annahme von 20% ├â┼ôbergangsquote├é┬á auf die WRS in der
Zukunft vermutlich noch geringer wird.

2. Wir sahen auch in der vorausgehenden Fassung des Antrags├é┬áeine Schw├Ąchung beider Schulstandorte, durch d├â┬şe Zusammenlegung├é┬á zu einem Schulbezirk mit Hauptsitz in Hirschberg insbesondere├é┬á aber eine Schw├Ąchung des Standorts Heddesheim. Die St├Ąrkung der Schule vor Ort war aber erkl├Ąrtes Ziel aller Beteiligten.├é┬á Das modifizierte Modell├é┬á wird die Lernbedingungen eher noch verschlechtern. Organisatorische Probleme bei Stundenplangestaltung und Personaleinsatz werden die p├Ądagogische Arbeit bei eh schon mit M├Ąngeln behaftetem Schulkonzept ├╝berlagern. Das vorliegende Modell hat in erster Linie das Ziel, beide Standorte rein numerisch gleichzustellen, was die Anzahl der an beiden Orten unterrichteten Klassen├é┬ábetrifft. Weitere Folgen sind die Frage der Auslastung beider Schulgeb├Ąude unter dem Zwang, hier wie dort R├Ąumlichkeiten vorhalten zu m├╝ssen. Erh├Âhte Kosten f├╝r Sch├╝lerbef├Ârderung kommen hinzu.

3. Die WRS kann Kindern mit Lernproblemen den Weg zu einem mittleren Bildungsabschluss ├Âffnen, der├é┬ásie aber nur├é┬áformaljuristisch├é┬áin Konkurrenz zu Realsch├╝lern oder Gymnasiasten mit mittlerer Reife gleichstellt. In der Praxis werden beide Abschl├╝sse jedoch als Voraussetzung f├╝r Ausbildungsplatzsuche oder weiterf├╝hrende Bildungswege nicht gleichwertig gesehen. Das neue WRS-Konzept wird diesen Nachteil nicht aufwiegen k├Ânnen. Daf├╝r sind die von der Kultusverwaltung├é┬ágeplanten Ma├čnahmen und Ressourcen zu d├╝rftig und f├╝hren zur Zementierung der Dreigliedrigkeit,├é┬ábzw. sogar zur Viergliedrigkeit des baden-w├╝rttembergischen Sonderwegs.

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Kleinb├Âck (SPD) und Sckerl (Gr├╝ne) kritisieren gemeinsame Werkrealschule

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 23. Februar 2010. Heute entscheidet der Hirschberger Gemeinderat in ├Âffentlicher Sitzung ├╝ber einen „modifizierten“ Antrag f├╝r eine gemeinsame Werkrealschule der Gemeinden Hirschberg und Heddesheim.

Wir haben gestern eine Rundmail an alle Fraktionen in Hirschberg und Heddesheim geschickt und um Beantwortung bis heute 14:00 Uhr gebeten.

Au├čerdem wurden die Landtagsabgeordneten Hans-Ulrich Sckerl (Gr├╝ne), Gerhard Kleinb├Âck (SPD) sowie Dr. Birgit Arnold (FDP) angeschrieben.

Geantwortet haben Sckerl und Kleinb├Âck.

  1. Der ursprüngliche Antrag wollte die Schüler vor Ort bis zur Klasse 9 unterrichten. Wie beurteilen Sie einen Antrag, bei dem dies ab Klasse 8 nicht mehr der Fall ist?
  2. Wie werden die Schulstandorte aus Ihrer Sicht durch den neuen Antrag gest├Ąrkt?
  3. Was sind aus Ihrer Sicht die Vor-/Nachteile einer Werkrealschule?

Antwort Gerhard Kleinb├Âck (SPD)

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Gerhard Kleinb├Âck. Bild: SPD

1. Das j├╝ngste Gutachten zur Schulentwicklung in B-W zeigt deutlich, dass die WRS das Hauptschulsterben nicht verhindern wird! Die WRS macht eigentlich das 3-gliedrige Schulsystem -kurzfristig- zu einem 4-gliedrigen System. Dass dieses System ausgedient hat, hat sich mittlerweile auch bei Anh├Ąngern der Regierungskoalition herumgesprochen.

2. Ich habe dazu in verschiedenen Veranstaltungen deutlich gemacht, wie das Schulsterben in den n├Ąchsten Jahren aussehen wird, wenn an der neuen 3-Gliedrigkeit festgehalten wird.

3. Was die konkrete Situation mit Heddesheim-Hirschberg betrifft bleibt zu hoffen, dass keine Gemeinde Investitionen f├╝r die neue WRS t├Ątigen wird! Das w├Ąren ganz sicher Fehlinvestitionen! Ich selbst sehe keine Zukunft f├╝r die HS oder die WRS, wie sie jetzt vom KM geplant ist.
├â┼ôbrigens: Es gibt wohl Beispiele daf├╝r, dass an anderen Standorten die gemeinsame 10.Klasse genehmigt wurde – warum das im Fall Heddesheim-Hirschberg abgelehnt wurde, kann ich nicht sagen.

Antwort Uli Sckerl (Gr├╝ne)

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Uli Sckerl. Bild: GAL

1. Das neue so genannte Rotationsmodell einer Werkrealschule f├╝r Hirschberg und Heddesheim verdeutlicht meiner Meinung nach den b├╝rokratischen Unsinn, zu dem eine halsstarrige Kultusb├╝rokratie die Gemeinden jetzt zwingen will. Die vermeintlich pragmatische Schull├Âsung f├╝r die beiden Nachbargemeinden ist dabei lediglich ein von der Staatlichen Schulaufsicht erzwungenes j├Ąhrliches „Klassen-Wechsel-Modell“ ab dem 8. Schuljahr.
In einer ersten Bewertung muss dies als herber R├╝ckschlag f├╝r die beiden Gemeinden gesehen werden. Da gibt es nichts zu besch├Ânigen. Das von Staatssekret├Ąr Wacker bisher behauptete p├Ądagogische Konzept entschwindet immer mehr in nebul├Âse Sph├Ąren.

2. Offensichtlich ist, dass es bei der neuen L├Âsung in erster Linie um Gesichtswahrung geht. Hauptsache, es passt irgendwie in das verkorkste Schulgesetz. Hauptmotiv war allem Anschein nach das Bestreben, Ausnahmegenehmigungen um Teufel komm raus zu verhindern. Das Wohl der Sch├╝ler steht bei solchen ├â┼ôberlegungen nicht im Mittelpunkt, im Gegenteil. Au├čerdem wird somit auch viel zu wenig R├╝cksicht auf die Arbeitsf├Ąhigkeit einer Schule genommen. Ein weiterer Kritikpunkt aus meiner Sicht ist die Kostenfrage. Die Gemeindekassen werden in einer sowieso schon schwierigen Kassenlage weiter strapaziert, da k├╝nftig kommunale Kosten f├╝r Sch├╝lerbef├Ârderung hinzu kommen.

3. Dabei kann das Modell Werkrealschule schon zahlenm├Ą├čig nur ├╝berleben, wenn in den n├Ąchsten 10 Jahren j├Ąhrlich 20 Prozent der Grundsch├╝ler in beiden Gemeinden auf die WRS wechseln w├╝rden. Dass dies wenig realistisch ist, kann man leicht erkennen. Deswegen bef├╝rchte ich, dass mit solchen Scheinl├Âsungen wie dem Rotationsmodell das Ende von Schulstandorten an der Bergstra├če schneller kommt als es kommunal Verantwortliche heute wahrhaben wollen.
F├╝r mich gibt es deswegen keine Alternative zu neuen Verbundschulen mit dem Ziel des gemeinsamen l├Ąngeren Lernens. Ich werde auch weiterhin daf├╝r eintreten, dass Kommunen als Schultr├Ąger derartige alternative Schulformen durchf├╝hren k├Ânnen.

Weitere Artikel: Werkrealschule

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Was vom Antrag ├╝brig bleibt – die Werkrealschule der Politik

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 18. Februar 2010. Der urspr├╝ngliche Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule ist gescheitert. Das „macht nichts“, denn ein „Alternativantrag“ soll die „L├Âsung“ sein.

Kommentar: Hardy Prothmann

Es geht um das „Wohl unserer Sch├╝ler“. An dieser Aussage lie├čen die B├╝rgermeister Manuel Just (Hirschberg) und Michael Kessler (Heddesheim) keinen Zweifel.

Kein Zweifel? Von wegen.

Das Konzept der Werkrealschule an sich ist verzweifelt.

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Michael Kessler, Georg Wacker, Manuel Just finden "Alternativl├Âsung". Bild: hblog

Nur Baden-W├╝rttemberg und Bayern leisten sich dieses Konzept, w├Ąhrend schon zehn andere der sechzehn Bundesl├Ąnder die Hauptschule abgeschafft haben oder dabei sind, diese abzuschaffen.

In Stuttgart wird eine Kirchturmpolitik gemacht, die mit den „Zust├Ąnden“ vor Ort, mit dem Zustand der Hauptschule an sich nichts zu tun hat. Die Werkrealschule ist eine „Zwischenl├Âsung“ auf dem Weg zur Abschaffung der Hauptschule und von Motiven getrieben, denen ganz sicher das „Wohl der Sch├╝ler“ egal ist. Es geht darum, was diese „kosten“.

Das Konzept ist, dass alles noch nicht geregelt ist.

Wenn Staatssekret├Ąr Georg Wacker (CDU) etwas von „p├Ądagogischen Konzepten“ in diesem Zusammenhang erl├Ąutert, darf man mit Fug und Recht behaupten, dass er „schw├Ątzt“.

Denn mit den Konzepten ist es nicht weit her.

Das Gesetz zu dieser „Schulreform“ wurde im Hauruck-Verfahren von der Landesregierung gegen die Empfehlungen der Lehrer und Eltern durchgedr├╝ckt. Die Vorsitzende des Landeselternbeirats Christiane Staab (CDU) ist zusammen mit ihrer Stellvertreterin Sylvia Wiegert aus „Entsetzen“ ├╝ber die Schulpolitik am 20. Januar 2010 von ihrem Amt zur├╝ckgetreten.

Konzepte? Bis heute liegen keine Lehrpl├Ąne f├╝r diese ach-so-tolle Werkrealschule „neuen Typs“ vor. Erst in einigen Wochen wird das der Fall sein: „Die Schulen und Lehrer haben dann ausreichend Zeit, sich darauf einzustellen“, sagt Staatssekret├Ąr Wacker und tut so, als liefe alles wie am Schn├╝rchen.

Hautpsache „gesetzeskonform“.

Das tut es aber nicht. Die AlternativNotl├Âsung Hirschberg-Heddesheim ist ein erstklassiges Beispiel.

Auf der Pressekonferenz wird eine „gesetzeskonforme“ L├Âsung pr├Ąsentiert. B├╝rgermeister Manuel Just machte keinen Hehl daraus, dass man aus der misslichen Lage das Beste machen wollte (erster Antrag) und das Bestm├Âgliche nun beantragen wolle (Alternativantrag).

Kommende Woche wird die zweitbeste aller schlechten L├Âsungen nun durchgeboxt. Am Montag wird der Hirschberger Elternbeirat in Kenntnis gesetzt, am Dienstag soll der Gemeinderat den neuen Antrag abnicken, am Mittwoch wird der Heddesheimer Elternbeirat in Kenntnis gesetzt, am Donnerstag soll der dortige Gemeinderat nicken.

F├╝r die beiden Schulen, die dann k├╝nftig eine sein werden, wird die Schulleitung neu ausgeschrieben. Voraussichtlich wird Jens Drescher, der Leiter der Martin-St├Âhr-Schule der neue Leiter der gemeinsamen Werkrealschule – es k├Ânnte aber auch jemand anderes werden. Die Heddesheimer Rektorin Hiltrud Rudolf wird sich voraussichtlich der Lage beugen und Leiterin einer Johannes-Kepler-Grundschule werden.

Doch auch das ist noch nicht geregelt – voraussichtlich wird die gemeinsame Werkrealschule zum kommenden Schuljahr 2010/11 starten und noch beide Schulleitungen im Amt haben.

Dringende Probleme

Ein neuer Name wird bis dahin auch noch nicht gefunden haben, denn „es gibt dringendere Probleme“ zu l├Âsen, wie B├╝rgermeister Manuel Just sagt.

Beispielsweise die Organisation der verteilten Schule: Wer, wann, wo und wie sind die bislang ungel├Âsten Fragen zum Einsatz der Lehrer.

Auch der Transport der Sch├╝ler ist noch nicht geregelt. Wie sch├Ân, dass das „die Zehntkl├Ąssler nicht betrifft“, wie B├╝rgermeister Michael Kessler sagt, „die k├Ânnen wie bisher auch mit dem normalen ├ľPNV fahren“.

Vier Klassenzimmer stehen k├╝nftig in Hirschberg oder in Heddesheim leer. Was macht man damit? B├╝rgermeister Kessler sagt allen Ernstes: „Die k├Ânnte man dann beispielsweise renovieren. Oder so.“

„Oder so“ also.

Die „Werkrealschule der Politik“ f├╝hrt dazu, dass „zwei starke Hauptschulen“ in ein zweifelhaftes Abenteuer mit unbekanntem Ausgang gest├╝rzt werden.

Der vom Staatssekret├Ąr hoch gelobte „mittlere Bildungsabschluss“ der Werkrealschule, der angeblich dem Realschulabschluss „gleichwertig“ sein soll, ist in den Nachbarl├Ąndern Rheinland-Pfalz und Hessen unbekannt und dementsprechend nichts wert.

Ein guter Abschluss?

Darauf angesprochen sagt Herr Wacker: „Die Kultusministerkonferenz hat diesen Abschluss quasi „zertifiziert“. Hier in Baden-W├╝rttemberg wurde uns versichert, dass dies ein guter Abschluss ist.“

Ein guter Abschluss also? Das wird sich in der Praxis zeigen m├╝ssen. Aus Sicht der Lehrer handelt es sich um einen Etikettenschwindel.

Die Schulnote f├╝r die „Schulreform“ und die Hirschberger-Heddesheimer-L├Âsung hingegen steht fest: Sie ist mangelbehaftet. Ebenso wie die „Einbeziehung“ der Sch├╝ler, Eltern und des Elternbeirats – was kommende Woche passieren wird, hat nichts mit „Einbeziehung“ zu tun, sondern nur mit „Durchboxen“.

Die Alternativl├Âsung ist eine L├Âsung ohne Alternative.

Gemeinsame Werkrealschule: Der „Alternativantrag“

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 18. Februar 2010. Der urspr├╝ngliche Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule der Gemeinden Heddesheim und Hirschberg hatte politisch keine Chance. Ein Alternativantrag soll genehmigungsf├Ąhig sein.

Der Alternativantrag f├╝r eine gemeinsame Werkrealschule sieht vor, dass bereits zum kommenden Schuljahr die Klassen 5-7 der Hauptschulen Heddesheim-Hirschberg einz├╝gig (also nur mit einer Klasse in der Stufe) vor Ort unterrichtet werden (siehe unseren Bericht „Letzte Verhandlungen zur Werkrealschule„).

Die Klassen 8-9 werden zweiz├╝gig an wechselnden Standorten unterrichtet. Die Klasse 10 wird dort absolviert, so zuletzt die Klasse 9 stattgefunden hat.

Auf einer Pressekonferenz in Hirschberg erl├Ąuterten die B├╝rgermeister Michael Kessler (Heddesheim) und Manuel Just (Hirschberg) sowie Staatsminister Georg Wacker (CDU), dass der gemeinsame Schulstandort Hirschberg sein soll. Heddesheim soll als „Ausgleich“ Standort eines noch einzurichtenden „Schulzweckverbandes“ werden.

Am Montag, den 22. Februar 2010, soll der Hirschberger Elternbeirat der Martin-St├Âhr-Schule ├╝ber den „Alternativantrag“ unterrichtet werden. Am 23. Februar 2010 soll der Hirschberger Gemeinderat dem Antrag zustimmen. Am 24. Februar soll der Heddesheimer Elternbeirat der Johannes-Kepler-Schule ├╝ber den „Alternativantrag“ unterrichtet werden. Am 25. Februar 2010 soll der Heddesheimer Gemeinderat dem „Alternativantrag“ zustimmen.

Die Zustimmung der beiden Gemeinder├Ąte ist die Vorraussetzung, dass beide Gemeinden bis zum 15. M├Ąrz 2010 einen neuen „Alternativantrag“ stellen k├Ânnen.

Dokumentation der Pressemitteilung:

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Gemeinsame Werkrealschule: Alternativantrag genehmigungsf├Ąhig

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 17. Februar 2010. Der Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule Hirschberg-Heddesheim ist nicht genehmigungsf├Ąhig. Ein Alternativantrag soll akzeptiert werden.

Die B├╝rgermeister Manuel Just (Hirschberg) und Michael Kessler (Heddesheim) sowie der Staatssekret├Ąr Georg Wacker (CDU) haben heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz bekannt gegeben, dass der urspr├╝ngliche Antrag der beiden Gemeinden f├╝r eine gemeinsame Werkrealschule nicht genehmigungsf├Ąhig ist.

Stattdessen solle ein Alternativantrag gestellt werden, „f├╝r den ich ganz klar die Genehmigung signalisieren kann“, sagte Staatssekret├Ąr Wacker.

Danach verbleiben die Klassen 5-7 an den Standorten Heddesheim und Hirschberg. Jahrgangsstufe 8 wird an einem Standort unterrichtet, Jahrgangsstufe 9 wechselt dann an den anderen Standort, wo auch die zehnte Klasse abgeschlossen wird.

Diesem Modell m├╝ssen aber noch die beiden Gemeinder├Ąte zustimmen.

Der Artikel wird aktualisiert.
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Letzte Verhandlungen zur Werkrealschule

Guten Tag!

Heddesheim/Hirschberg, 12. Februar 2010. In der Hirschberger Martin-St├Âhr-Schule gab es heute ein Gespr├Ąch zwischen B├╝rgermeistern, Schulamt und Schulleitungen sowie dem Staatssekret├Ąr Georg Wacker zur Werkrealschule. Der Vorgang steht unter Druck – eine Entscheidung muss getroffen werden.

Von Hardy Prothmann

Was die B├╝rgermeister Just und Kessler, die Schulleitungen, das Schulamt und der Staatssekret├Ąr Wacker heute besprochen haben, bleibt noch unter Verschluss. F├╝r den kommenden Mittwoch, den 17. Februar 2010, ist f├╝r 17:00 Uhr eine Pressekonferenz angek├╝ndigt.

Soviel ist aus dem Umfeld zu h├Âren: Der Antrag f├╝r eine gemeinsame Werkrealschule klemmt und angeblich soll es noch keine Entscheidung geben – also weder eine Ablehnung, noch eine Zustimmung.

Das k├Ânnte darauf hindeuten, dass „nachgebessert“ werden muss. Wie aus Kreisen der Beteiligten zu erfahren war, k├Ânnte eine L├Âsung so aussehen: Die 5. bis 7. Klassen werden weiterhin vor Ort unterrichtet, im j├Ąhrlichen oder zweij├Ąhrigen Wechsel werden die 8. und 9. Klasse entweder in Hirschberg oder in Heddesheim unterrichtet. Gleichzeitig wird die 10. Klasse Werkrealschule am jeweils anderen Ort unterrichtet.

Welche L├Âsung auch immer kommt: Es wird eine chaotische sein. Bis heute fehlen die Lehrpl├Ąne f├╝r die neue Werkrealschule, die Lehrer wissen nicht, wann sie wo und wie eingesetzt werden. F├╝r die neue Werkrealschule Hirschberg-Heddesheim muss h├Âchstwahrscheinlich die Schulleitung neu ausgeschrieben werden. Es k├Ânnte also sein, dass keine der beiden jetzigen Leitungen die neue gemeinsame Werkrealschule leiten wird.

Auch der Transport der Sch├╝ler ist unklar. Ebenso der Umgang mit den frei werdenden R├Ąumlichkeiten vor Ort.

Eines aber ist klar: An dem, was hinter den Kulissen nun verhandelt wird, sind weder die Eltern, noch die Sch├╝ler, noch die Lehrkr├Ąfte beteiligt.

Die verworrenen Thesen des Dr. Josef Doll

Guten Tag!

Heddesheim, 05. Februar 2010. Im aktuellen Mitteilungsblatt schreibt Dr. Josef Doll zur Schulpolitik. Reichlich wirr dokumentiert der CDU-Fraktionsvorsitzene darin, dass er, obwohl promoviert, nicht in der Lage ist, wissenschaftliche Studien korrekt wiederzugeben. Bei der Anzahl der Falschaussagen, unkorrekten Bez├╝ge und mangelhaften Schlussfolgerungen muss man sich ernsthaft sorgen, wie die CDU-Fraktion zu ihren Beschl├╝ssen kommt. Die Redaktion dokumentiert den Artikel, dessen Aussagen, Quellen und die massiven Fehler eines heillos wirren Verfassers.

Dokumentation, Faktencheck und Einordnung

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Dokumentation: Dr. Josef Dolls Text im Mitteilungsblatt, Nr. 5/2010. Klicken Sie f├╝r eine gr├Â├čere Darstellung. Quelle: Mitteilungsblatt

Im Mitteilungsblatt Nr. 5/2010 schreibt Dr. Josef Doll auf Seite 22:

„Im Gemeinderat wurde mit 14 zu 7 Stimmen bei einer Enthaltung abgestimmt. Gr├╝ne + GR Prothmann waren dagegen. Das hat mit Ansiedlung Pfenning nichts zu tun. Ein Vorschlag war von der Gegnerseite die Einf├╝hrung der Einheitsschule bis zur zehnten Klasse.“

Zutreffend ist die Darstellung der Abstimmung. Was das allerdings mit „Pfenning“ zu tun oder nicht zu tun haben soll – erschlie├čt sich dem Leser nicht. Vermuten l├Ąsst sich, dass anders als behauptet, f├╝r Herrn Dr. Doll irgendwie doch alles mit „Pfenning“ zu tun hat.

Fixe Idee

Denn direkt im Anschluss benennt er die „Gegnerseite“. Die „Gegner“ scheinen eine fixe Idee bei ihm zu sein. Sieben Gemeinderat haben mit „Nein“ gestimmt. Damit ├╝ben sie ihr demokratisches Recht aus, was sie noch lange nicht zu pauschalen „Gegnern“ macht.

Ganz im Gegenteil befindet sich darunter ein Lehrer an der Johannes-Kepler-Schule. Der Gemeinderat Uli Kettner war zun├Ąchst f├╝r den Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule, stimmte dann aber gegen den Antrag, weil dieser nur noch eine Schulleitung vorsieht. Diese Haltung hat er umfangreich begr├╝ndet.

Zu keiner Zeit haben er oder andere die „Einf├╝hrung der Einheitsschule bis zur zehnten Klasse“ gefordert. Vielmehr wurde f├╝r ein m├Âglichst langes gemeinsames Lernen pl├Ądoyiert. Dieses Pl├Ądoyer betraf eine politische Forderung der Partei der Gr├╝nen und ganz sicher nicht eine Beschlussvorlage des Gemeinderats. Auch wenn Herr Dr. Doll gerne so tut, als w├╝rden doch landespolitische Entscheidungen getroffen.

Weiter schreibt Herr Dr. Doll:
„Dies ist die Forderung der sechziger und siebziger Jahre und wissenschaftlich seit einigen Jahren ├╝berholt. So haben Lehmann und Lenkeit in der wissenschaftlichen Studie ELEMENT (2008) deutlich bei empirischen Untersuchungen nachgewiesen, dass der „Einheitsgedanke bis zur zehnten Klasse“ nicht mehr aufrechtzuerhalten ist, da er sich zum Nachteil der Sch├╝ler auswirkt.“

Erstaunlich ist, wie es Herrn Dr. Doll gelingt, in einem einzigen Satz ein solche F├╝lle von falschen, halbwahren und verdrehten Behauptungen aufzustellen.

Unzul├Ąssige Vergleiche

„Forderung der sechziger und siebziger Jahre“: Tats├Ąchlich lassen sich erste Forderungen f├╝r eine Gesamtschule bis ins 17. Jahrhundert zur├╝ckverfolgen – also noch lange vor der Einf├╝hrung der allgemeinen Schulpflicht im K├Ânigreich Preussen. Bei Wikipedia (siehe unter „Geschichte“) l├Ąsst sich nachlesen: „Die erste ausf├╝hrliche Konzeption f├╝r eine Gesamtschule legte 1809 der preu├čische Leiter der Sektion f├╝r Kultus und Unterricht Wilhelm von Humboldt vor.“
In dem Abschnitt ist sehr ├╝bersichtlich die Geschichte der Gesamtschule erkl├Ąrt.

Was der „Einheitsgedanke bis zur zehnten Klasse“ sein soll, wei├č nur Herr Dr. Doll. Er setzt den Ausdruck in Anf├╝hrungszeichen und tut damit so, als w├╝rde er eine Person oder einen Fachterminus zitieren. Tats├Ąchlich gibt es keinen solchen.

Wieder zitiert Herr Dr. Doll falsch und bem├╝ht daf├╝r die Studie ELEMENT. Dolls Behauptung: Hier sei empirisch nachgewiesen worden, dass gemeinsames Lernen bis zur zehnten Klasse „sich zum Nachteil der Sch├╝ler auswirkt.“.

Tats├Ąchlich handelt es sich bei der Studie um eine „Erhebung zum Lese- und Mathematikverst├Ąndnis Entwicklungen in den Jahrgangsstufen 4 bis 6 in Berlin“. Auch in dieser Studie taucht der Begriff „Einheitsgedanke bis zur zehnten Klasse“ niemals auf, mal abgesehen davon, dass nur bis zur 6. Klasse untersucht wurde. Und: Es geht um den ├â┼ôbergang ins Gymnasium, nicht um eine Werkrealschule. Allein deshalb ist der Vergleich schlicht unzul├Ąssig.

Der Verfasser der Studie, Prof. Dr. Rainer Lehmann, Professor f├╝r Erziehungswissenschaft an der Humboldt-Universit├Ąt Berlin, sieht allerdings die Ergebnisse seiner Studie sehr differenziert, wie dieses Interview mit Deutschlandradio belegt.

Im Kern stellt seine Studie heraus, dass f├╝r etwa zehn Prozent der leistungsst├Ąrkeren Sch├╝ler der ├â┼ôbergang von der 4. Klasse ins Gymnasium von Vorteil ist. „Im Prinzip ist die Berliner L├Âsung bis zur 6. Klasse gar nicht so verkehrt“, sagte uns Professor Lehmann auf Anfrage: „Nur eben f├╝r diese Gruppe der leistungsstarken Sch├╝ler nicht.“ Dabei verweist der Professor auf eine Vielzahl von Einflussfaktoren, beispielsweise dass in der Grundschule fast keine Fachlehrer des Bereichs Mathematik zum Lehreinsatz kommen und es eine „gewisse Infantilisierung der Grundschule in den vergangenen Jahren“ gegeben habe: „Der ├â┼ôbergang zum Gymnasium ist f├╝r viele Kinder dann ein Schock.“

Herr Dr. Doll schreibt:
„Nichts ist ungerechter als die Gleichbehandlung Ungleicher.“ Dieser Satz ist eine Behauptung – weder logisch, noch empirisch begr├╝ndet. Herr Dr. Doll verwendet dieses chiastisch angelegte Postulat als Beleg gegen das Konzept der Gesamtschulen.

Herr Dr. Doll hat vor allem eines – keine Ahnung von dem, ├╝ber das er schreibt

Mal unabh├Ąngig davon, ob man nun f├╝r oder gegen ein solches Konzept ist, verkennt Herr Dr. Doll in krasser Unkenntnis der praktischen Umsetzung von Lerninhalten an Gesamtschulen, dass dort die Kinder keineswegs gleich behandelt werden.

Es gibt Kurs- und F├Ârdersysteme, die Sch├╝ler nach ihren Leistungen in Teilen eben unterschiedlich unterrichten – nur eben ├╝berwiegend zusammen. Herr Dr. Doll behauptet, dass alle Sch├╝ler „gleich“ behandelt w├╝rden. Das ist falsch.

Das gemeinsame Lernen hat vor allem einen sozialen Ansatz und soll die „soziale Trennung“ der Sch├╝ler eind├Ąmmen – etwas, was der Christdemokrat Doll anscheinend ├╝berhaupt nicht will.

Herr Dr. Doll schreibt:
„Die Jugendarbeitslosigkeit ist in Deutschland deutlich niedriger als in den benachbarten L├Ąndern. Dies wird auch auf das gegliederte Schulsystem zur├╝ckgef├╝hrt.“

Knapp vorbei ist auch daneben. So dr├╝ckt sich ein Experte aus: „L├Ąnder mit geringer Jugendarbeitslosigkeit haben zudem ein duales Ausbildungssystem, das den Jugendlichen den ├â┼ôbergang von der Schule in die Arbeitswelt erleichtert. In Frankreich und Spanien, wo die Jugendarbeitslosigkeit besonders hoch ist, gibt es dieses System nicht. Die hierzulande oftmals kritisierte Lehrlingsausbildung gilt dort als Modell“, sagt der Sozialforscher Peter Auer in einem Interview mit der Zeit (28. Oktober 2009).

Wieder bringt Herr Dr. Doll also m├Ąchtig etwas durcheinander.

„Die Gegner des Schulantrages nehmen keine R├╝cksicht auf die Interessen der Heddesheimer Sch├╝ler. Die dahinter stehende Ideologie ist falsch. Siehe die Ergebnisse von PISA und die Tatsache, dass Gesamtschulen bis heute nicht mehr Bildungsgerechtigkeit schaffen als Schulen des gegliederten Schulsystems.“

Auch hier geht Herrn Dr. Doll wieder Einiges durcheinander. „Die Gegner des Schulantrages“ sind nicht gegen die Werkrealschule – sie sind gegen die Zusammenf├╝hrung der Schulen unter eine Leitung. Dahinter steht keine „Ideologie“, sondern der Gedanke, dass eine Hauptschule am Ort mit eigener Leitung besser ist, als eine unter „fremder“ Leitung. Die Hinf├╝hrung auf einen Werkrealschulabschluss w├╝rde auch an dieser Hauptschule stattfinden – nur eben nicht mehr die zehnte Klasse „Werkrealschule“.

Was PISA und die Bildungsgerechtigkeit angeht, kommt der Aktionsrat Bildung der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. zu folgendem Schluss: „Deutschland erreichte in allen Kompetenzbereichen ein Leistungsniveau, das dem OECD-Durchschnitt entsprach (vgl. Prenzel u. a. 2004, S. 70, S. 99, S. 118; vgl. Abb. 2). Allerdings liegen die durchschnittlichen Leistungen einer ganzen Reihe von Staaten (in mehr oder weniger allen Bereichen) deutlich ├╝ber den in Deutschland beobachteten. Der internationale Vergleich f├╝hrt so vor Augen, dass Jugendliche im Alter von 15 Jahren ein sehr viel h├Âheres Kompetenzniveau als in Deutschland erreichen k├Ânnen. Wenn man will, kann man diesen Befund so interpretieren, dass deutsche Jugendliche im Vergleich zu denen anderer Staaten in gewisser Weise „benachteiligt“ sind, denn sie erhielten offensichtlich nicht die gleichen Chancen, ein entsprechend hohes Kompetenzniveau zu entwickeln.“

Dr. Doll und seine „Ideologien“

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft d├╝rfte eher unverd├Ąchtig sein, einer im Sinne von Dr. Doll unterstellten „Ideologie“ zu folgen, der angeblich die Gr├╝nen und der Gemeinderat Hardy Prothmann (Anm. d. Red.: Verantwortlich f├╝r das heddesheimblog) folgen.

Dr. Doll bef├╝rchtet bei einer „Einheitsschule bis zur zehnten, selbst bis zur sechsten Klasse“, dass „Privatschulen, auch f├╝r die Grundschule aus dem Boden schie├čen. Dies ist nicht Ziel der CDU. Ob dies im Sinne der Ablehner ist, wagen wir zu bezweifeln.“

Was genau Herr Dr. Doll da im pluralis majestatis zu „bezweifeln wagt“, kann man nur erahnen.

Weiter schreibt Herr Dr. Doll:
„In jedem Fall ist das ganze schwach recherchiert und ein erneutes Beispiel daf├╝r, dass von den genannten Gruppierungen Ideologie wissenschaftlicher Erkenntnis vorgezogen wird.“

Dieser Satz ist ausnahmsweise richtig – allerdings nur, wenn man ihn auf die Ausf├╝hrung von Herrn Dr. Doll bezieht.

Als guter Christ sollte Herr Dr. Doll vielleicht ├Âfter mal die Bibel zur Hand nehmen und die zehn Gebote durchgehen. Das achte Gebot sagt: „Du sollst kein falsch Zeugnis ablegen.“

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

„Eines Morgens musste er ein Ventil ├Âffnen, weil es ihn sonst verrissen h├Ątte.“

Guten Tag!

Heddesheim/Stuttgart, 30. Januar 2010. Das heddesheimblog ist ein lokales Medium. Was in Stuttgart oder in Berlin oder in Washington passiert, interessiert uns erstmal nicht. Weil wir ├╝ber das Hier und Jetzt berichten. Wir interessieren uns aber f├╝r Washington, Berlin oder aktuell Stuttgart, wenn „das da drau├čen“ uns genau hier einholt. Das ist am 25. Januar 2010 eingetreten. Mit einem Portr├Ąt in der Stuttgarter Zeitung: „Rudi macht nicht mehr mit.“

Kommentar: Hardy Prothmann

Bis gestern wusste ich nicht, wer Michael Ohnewald ist.

Das wei├č ich bis heute auch nicht so genau, weil ich Herrn Ohnewald nicht pers├Ânlich kenne.

Was ich wei├č: Er wurde in der Kategorie „Regionales, Autoren“ von einer Journalisten-Jury zum Top-Regionaljournalisten 2009 gek├╝rt. Warum ich das wei├č? Weil mich diese Jury auf Platz 3 w├Ąhlte. (Hier finden Sie alle Platzierungen.)

Diese Auszeichnung hatte ich zun├Ąchst ├╝berhaupt nicht mitbekommen: ├â┼ôber zwei Wochen lang lag diese Zeitschrift schon auf einem Stapel anderer Zeitschriften. Zuf├Ąllig entdeckte ich meinen Namen bei Google und las etwas von einer „Platzierung“.

Google brachte die „Erkenntnis“.

In Deutschland gibt es je nach Verbandssch├Ątzung 30-50.000 Journalisten, die mit Journalismus ihr Geld verdienen. Es gibt viele Preise, W├╝rdigungen, Stipendien. Wenn man sich nicht darum k├╝mmert, ist es schwer, einen ├â┼ôberblick zu behalten.

Ein Klick brachte die Erkenntnis: Wochen zuvor wurde ich in der Kategorie „Regionales, Autoren“ als einer von „100 Journalisten des Jahres 2009“ bestimmt, als „Gr├╝nder heddesheimblog.de“.

Dazu haben mir viele Leserinnen und Leser nach einer Nachricht hier ihre Gl├╝ckw├╝nsche ├╝bermittelt, wof├╝r ich mich gerne herzlich bedanke.

Doch, was hei├čt das?

Weder die Redaktion noch die Jury des Mediummagazins haben mich dar├╝ber informiert, dass ich zur erlauchten Runde geh├Âre. Sondern Google.

Das hei├čt viel.

Dort habe ich zuf├Ąllig einen Link angeklickt, der mir zeigte, dass ich unter die Top 10 Journalisten 2009 in der Kategorie „Regionales“ gew├Ąhlt wurde.

Ich war erstaunt, weil ich mit allem, nur nicht damit gerechnet habe. Deshalb habe ich mich erstmal gefreut.

Es ist meine erste „Jury“-Auszeichnung.

Ich habe mich noch nie um Preise bem├╝ht, sondern irgendjemand anderes hat mich vorgeschlagen und dieser Vorschlag hat es tats├Ąchlich aufs „Treppchen“ geschafft.

Als ehrgeiziger Mensch wollte ich nat├╝rlich sofort wissen, warum ich nur auf Platz 3 gelandet bin. Das ist vermessen, man m├Âge es mir verzeihen.

Jede Menge ├âÔÇ×rger.

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Michael Ohnewald hat ein brilliantes Portr├Ąt ├╝ber den "Schulrebell" Rudolf Bosch geschrieben. Bild: Stuttgarter Zeitung

Ich wollte trotzdem gerne wissen, wer da zwei Pl├Ątze vor mir auf dem Siegertreppchen steht.

Michael Ohnewald?

Nie geh├Ârt.

Stuttgarter Zeitung. Aha. Was f├Ąllt mir dazu ein? Wichtig, alteingesessen, Medien-Union, ├â┼ôbernahme S├╝ddeutsche Zeitung. Meine Gedanken fetzten. Wie ordne ich den ein, den ich nicht kenne?

Ich suche bei Google, was oft mit Recherche verwechselt wird.

Da finde ich wenig. Ich gehe auf die Seite der Stuttgarter Zeitung. Und dort finde ich Texte.

Ich klicke einen an: „Der Rudi macht nicht mehr mit“.

Dar├╝ber steht: „Ein passionierter P├Ądagoge.“

Darunter ein gut fotografiertes Bild. Viel Schatten. Aber klare Sch├Ąrfen. Vor allem auf die Augen.

Unter dem Bild steht: „Rudolf Bosch mischt sich in die Bildungspolitik ein. Das gef├Ąllt nicht jedem.“

Diese Text-Bild-Kombination manipuliert sofort mein Interesse.

Das ist interessant.

Dieser Typ.

Rudi.

Der macht nicht mehr mit.

Dabei sieht er gar nicht so aus, wie jemand, „der nicht mehr mit macht“.

Sein Blick ist klar und doch schaut er in die Ferne.

Die Konturen sind scharf, doch gibt es Schatten.

Schatten der Vergangenheit?

Rudi hat Falten. Rudi hat viel gesehen.

Rudi braucht eine Brille – anscheinend sieht er gut mit der.

Seine Augen sind klar.

Ein wenig wirkt er gar wie Paul Newman auf mich.

Ich will wissen, wer Rudi ist. Rudi, „der nicht mehr mit macht“.

Dabei wei├č ich schon viel ├╝ber den „Rebell aus Schwaben“. ├â┼ôber einen, der es gewagt hatte, seine eigene Meinung zu sagen.

Warum ich ├╝ber ihn wusste? Ganz einfach: Auch in Heddesheim soll die Johannes-Kepler-Hauptschule in eine Werkrealschule umgewandelt werden.

Ich habe zur Frage Hauptschule-Werkrealschule recherchiert. Wer das tut, st├Â├čt unweigerlich auf „Rudi“ – den Rebell.

Am Anfang vieler Recherchen steht google, dann habe ich telefoniert. Dann habe ich mich mit Menschen getroffen. Niemand von diesen kannte Rudi pers├Ânlich, aber alle, die mit Hauptschule zu tun haben, wussten von Rudi.

Oder dem, was Rudi sagt.

Das heddesheimblog hat viel ├╝ber die Problematik Hauptschule-Werkrealschule berichtet.

Michael Ohnewald erz├Ąhlt mir in seinem Portr├Ąt davon, wer Rudi ist. Und erkl├Ąrt, warum der Experte Rudi die Werkrealschule ablehnt. Und f├╝r was Rudi sich einsetzt.

Und warum Rudi „nicht mehr mitmacht“.

„Man kann sich das vorstellen, als w├╝rde jemand mit einer stumpfen Nadel gegen einen Luftballon dr├╝cken, der bis zum ├âÔÇ×u├čersten gespannt ist. Das geht eine Weile gut. Irgendwann droht das Ding zu platzen.“

Das „Ding“, also alles, was es zu erz├Ąhlen gibt, ist Rudi.

Der mit dem klaren Blick. Rudi „Newman“.

Und dann folgen S├Ątze, die ein grandioses Portr├Ąt einleiten:

„Es hat sich ganz langsam angestaut bei Rudolf Bosch, der bis vor kurzem ein braver Beamter war, den nur wenige kannten, ein Hauptschullehrer mit Leib und Seele, der seinem Tagwerk leise murrend nachging. Eines Morgens musste er ein Ventil ├Âffnen, weil es ihn sonst verrissen h├Ątte. Seitdem hat der Rektor der Ravensburger Kuppelnauschule eine Menge ├âÔÇ×rger und landesweit einen Ruf wie Donnerhall.“

Michael Ohnewald portr├Ątiert einen Mann, der das Schulsystem kennt.

Jahrelang war Rudi das Schulsystem.

Jetzt ist Rudi ein Mann, der sich dagegen auflehnt. Daf├╝r hat dieser Mann „m├Ąchtig viel ├âÔÇ×rger“ bekommen.

In Heddesheim gibt es keinen Schul-Rudi wie diesen.

Aber auch in Heddesheim gibt es Auflehnung.

Gegen eine desolate Schulpolitik.

Viele Lehrer sind gegen die Reform – sie d├╝rfen als Beamte aber nichts sagen. Sonst droht ├âÔÇ×rger.

In Heddesheim gibt es aber den kesslerischen Wunsch, eine „gemeinsame Werkrealschule“ als L├Âsung aller Probleme zu verkaufen.

Intransparent. Sch├Ân geredet. Unehrlich.

In Heddesheim gibt es auf offizieller Seite keinen Rudi, der sagt: „Sie (Anm. d. Red.: Werkrealschule) ist ein Etikettenschwindel und ein fl├Ąchendeckendes Schulschlie├čungsprogramm, bei dem Kommunen, Schulen und Lehrer gegeneinander ausgespielt werden.“

Denn ein Rudi zu sein bedeutet „m├Ąchtig viele Probleme zu bekommen“.

In Heddesheim gibt es keinen Rudi. Daf├╝r aber einen Michael Kessler.

Der ist B├╝rgermeister, Beamter auf Zeit und weit davon entfernt, ein Rudi zu sein.

Wie Rudi das Schulsystem sieht, beschreibt Michael Ohnewald in einem grandios-n├╝chternem Portr├Ąt, das einem die Tr├Ąnen in die Augen treibt.

Ich kenne den Journalisten-Kollegen Michael Ohnewald nicht.

Sein Text „Rudi macht nicht mehr mit“ aber ist ein herausragendes St├╝ck.

Ein Beispiel f├╝r Qualit├Ątsjournalismus.

Eines, das ber├╝hrt und nachdenklich macht und sicher ├╝ber die Region hinausreichen wird.

Sofern eine Jury darauf st├Â├čt, wird er damit mit Sicherheit wieder einen Preis oder eine Platzierung gewinnen.

Sicherlich keinen Preis bekommt die Schulpolitik im Lande. Da gilt es „Mauern einzurei├čen“.

Und alle, die es „besser“ wissen wollen, also die Vertreter von SPD, CDU und FDP in Heddesheim, sollten erst diesen Text lesen, bevor sie weiter irgendetwas zu einem Thema sagen, von dem sie keine Ahnung haben.

Stuttgarter Zeitung, Michael Ohnewald: Der Rudi macht nicht mehr mit.

Acht Monate heddesheimblog. Das war 2009. Teil II – Politik

Guten Tag!

Heddesheim, 31. Dezember 2009. So viel Interesse der B├╝rgerinnen und B├╝rger an den Sitzungen des Gemeinderats wie 2009 soll es noch nie oder zumindest lange nicht mehr gegeben haben. Der neu gew├Ąhlte Gemeinderat spiegelt die Stimmung im Ort wieder. Diese reicht von rau und gereizt bis aufbrausend.

Die Kommunalwahl 2009 brachte eine ├â┼ôberraschung: B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen werden mit sechs Sitzen zweitst├Ąrkste Fraktion hinter der CDU mit acht Sitzen (-2). Die SPD ist nun drittst├Ąrkste Kraft mit f├╝nf Sitzen (-1) vor der FDP mit zwei Sitzen (-1). Ein Gemeinderat ist partei- und fraktionslos.

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├â┼ôber Wochen wurde an den St├Ąnden vor der Edeka informiert. Bild: hblog

So, wie sich in der ├ľffentlichkeit ein Graben der „Pfenning“-Bef├╝rworter und -gegner durchs Dorf zieht, sind auch die Linien im Gemeinderat zu erkennen. Bei CDU ├Ąu├čert sich ├╝blicherweise Dr. Joseph Doll, bei der SPD ab und an J├╝rgen Merx, aber auch Michael Bowien, bei der FDP gibt Frank Hasselbring einzelne Statements ab. Nur die Gr├╝nen und der freie Gemeinderat Hardy Prothmann sowie der SPD-Gemeinderat Michael Bowien stellen Fragen. Ab und an platzt Rainer Hege (CDU) der Kragen. Die anderen Gemeinder├Ąte schweigen ├╝berwiegend.

Nicht nur zur Pfenning-Ansiedlung. Auch die aktuelle Debatte um die Werkrealschule ist eigentlich keine. Statt dem Austausch von Argumenten werden Statements abgegeben. Die Bef├╝rworter finden alles fraglos gut, die Kritiker fragen und bekommen nur unzureichende Antworten.

Um die IG neinzupfenning, die f├╝r viel Wirbel durch Flugbl├Ątter und Infost├Ąnde gesorgt hat, ist es ruhig geworden. Man h├Ârt, dass die Interessengemeinschaft sich auf die kommenden Schritte vorbereitet und deswegen zur├╝ckh├Ąlt. Man darf gespannt sein, was 2010 von der IG neinzupfenning kommt.

Der H├Âhepunkt der Spannungen aber war sicherlich die letzte Gemeinderatssitzung vom 18. Dezember 2009. B├╝rgermeister Michael Kessler kommentierte einen Redebeitrag mit „Jetzt reichts aber“. Genau das dachte auch Reiner Edinger (Gr├╝ne): „Herr B├╝rgermeister, ich appelliere dringend an Sie, die Souver├Ąnit├Ąt des Gemeinderats zu achten, damit diese gewahrt bleibt. Spr├╝che wie „Jetzt reichts aber“ verbitte ich mir. Im Gegenteil fordere ich Sie dazu auf: Sie haben auch andere Meinungen zu respektieren.“

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Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

Haupt- Zweig- Werkrealschule – Von Profis und Dilletanten

Guten Tag!

Heddesheim, 11. Dezember 2009. Was der Heddesheimer Gemeinderat am kommenden Donnerstag beschlie├čen wird, steht heute schon fest. Eine gemeinsame Werkrealschule unter der Leitung von Hirschberg. Soweit das Protokoll.
Die Frage ist, warum sich der Heddesheimer Gemeinderat ├╝berhaupt noch die M├╝he macht, dar├╝ber eine Sitzung abzuhalten. Die Entscheidung ist l├Ąngst durch den B├╝rgermeister Michael Kessler getroffen – der wei├č eine Mehrheit f├╝r all seine Entscheidungen hinter sich. Ohne Wenn und Aber.

Kommentar: Hardy Prothmann

Der Heddesheimer Gemeinderat wird am kommenden Donnerstag, den 17. Dezember 2009, zusammen kommen und ├╝ber dies und jenes „beraten“, zumindest so tun als ob und der Stimmung wegen sich wahlweise gegenseitig beschimpfen. Was tats├Ąchlich passiert, h├Ąngt von den Tagesordnungspunkten und den jeweiligen Launen ab.

Ganz sicher aber wird es einen Tagesordnungspunkt geben, der da hei├čt: „Gemeinsame Werkrealschule„. Zu diesem Tagesordnungspunkt wird die Mehrheit des Heddesheimer Gemeinderats ganz sicher im Sinne der Verwaltung abstimmen.

In Heddesheim regiert der Gehorsam.

Der „Sinn“ ist keine Frage nach Sinn oder Unsinn, sondern nach dem Willen des B├╝rgermeisters Michael Kessler. Der hat im Schulterschluss mit seinem Kollegen Manuel Just, B├╝rgermeister in Hirschberg, beschlossen, dass der Hauptsitz der beantragten „gemeinsamen Werkrealschule“ in Hirschberg sein soll.

Und nat├╝rlich erwartet der B├╝rgermeister wie auch sonst strengsten Gehorsam im Rat – also von dem Gremium, dass die Verwaltung und damit auch den B├╝rgermeister kontrolliert.

In Heddesheim ist das nicht der Fall. Das mit der „Kontrolle“.

Das mit dem „Gehorsam“ schon eher.

Im dortigen Gemeinderat wird nicht nach dem Gewissen freier Gemeinder├Ąte entschieden, sondern im Bewusstsein, ob man „dazu geh├Ârt“ oder nicht.

„Dazu geh├Ârt“, wer mit dem B├╝rgermeister stimmt, also „gehorcht“. Alle anderen sind „ekelhaft„.

Als der Hirschberger Gemeinderat vor ein paar Wochen per Beschluss den Hauptsitz der „gemeinsamen Werkrealschule“ f├╝r sich beschloss – gab es keinerlei Aufregung in Heddesheim. Weder haben sich die politischen Parteien noch der B├╝rgermeister Kessler ├╝ber diesen „Beschluss“ ge├Ąu├čert.

Zumindest „offiziell“. Ein paar Tage sp├Ąter gab es eine gemeinsame Pressemitteilung, die den „Skandal“ (ein „unbemerkter“) weich sp├╝len sollte und betonte, dass man „partnerschaftlich“ an einer gemeinsamen L├Âsung arbeite.

Aber es gab „inoffiziell“ eine kurzzeitige Verwirrung unter den Heddesheimer Gemeinder├Ąten, die bislang davon ausgingen, dass doch die Hauptstelle sicher nach Heddesheim kommt.

Kessler wird der Leiter der Leitung.

Nachdem der B├╝rgermeister Kessler den verwirrten Gemeinder├Ąten erkl├Ąrte, dass alles seine Ordnung habe und er als k├╝nftiger Chef des „gemeinsamen Schulverbands“ Herr ├╝ber „Finanzen und Ausstattung der Schule“ sei, waren die „Verwirrten“ beruhigt.

Das klingt gut: „Herr ├╝ber…“ Das klingt wie: „Herr Kessler ist Herr ├╝ber Herrn Just.“ Damit ist aus Sicht einfach gem├╝teter Gemeinder├Ąte die Ordnung wieder hergestellt.

Ihr Kessler, das hatten sie verstanden, wird somit der Leiter der „Leitung“ einer „gemeinsamen Werkrealschule“ sein.

Die Frage, was es langfristig bedeutet, die eigenen Schulleitung zu opfern, hat keiner gestellt.

Hinter den Kulissen wetterte der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler ├╝ber den Hirschberger Kollegen Just: „Der hat halt noch nicht viel Erfahrung. Ich schreibe diese Entscheidung (die des Hirschberger Gemeinderats) der Unerfahrenheit des Kollegen zu. Das war wenig professionell, sogar dilletantisch“, ├Ąu├čerte sich der „erfahrene“ Kessler ├╝ber den „unerfahrenen“ Dilletanten und Amtskollegen Just gegen├╝ber den Heddesheimer Gemeinder├Ąten: „Sie k├Ânnen mir glauben, da hat es heftig gerumst.“ (In Klammern): „Dem habe ich den Marsch geblasen.“

Wer auch immer wer wem was geblasen hat und wo es auch immer „gerumst“ haben sollte – die politischen Seismographen haben kein bisschen ausgeschlagen.

Abnicker werden gelobt ├é┬á– Kritiker niedergemacht.

Der Hirschberger Gemeinderat hat beschlossen und der Heddesheimer wird sich per Abnick-Entscheidung am 17. Dezember 2009 diesem Beschluss beugen. Ohne jegliche f├╝r die ├ľffentlichkeit wahrnehmbare Beratung und Diskussion im Vorfeld.

Denn egal ob „erfahren“ oder „dilletantisch“, beide B├╝rgermeister haben ihre „Stimmmehrheiten“ hinter sich. Koste es, was es wolle.

Die „Abnicker“ werden schon lange nicht mehr kritisiert, sondern nur gelobt. Teils ├╝berschwenglich. Meistens durch die B├╝rgermeister. Best├Ątigt durch die Rhein-Neckar-Zeitung, die Weinheimer Nachrichten, den Mannheimer Morgen. Und immer durch die Mitteilungsbl├Ątter der Nussbaum-Medien.

Abweichler werden zunehmend gerne kritisiert. Allen voran derzeit der Gr├╝ne Ulrich Kettner. Von ihm „sei man entt├Ąuscht“, habe sich doch gerade er urspr├╝nglich f├╝r den Antrag eingesetzt, wird dem Lehrer an der Johannes-Kepler-Schule vorgeworfen.

„Urspr├╝nglich“ war Kettner tats├Ąchlich f├╝r den Antrag. Doch gab es damals, also „urspr├╝nglich“ noch kein Gesetz. Das gibt es erst seit Sommer 2009. Und vorher war nicht von einer „Haupt- und Zweigstelle“ die Rede. Vorher fehlten die vielen Einschr├Ąnkungen. „Vorher“ hatte der Lehrer Kettner noch an echte Reformen geglaubt.

Heute wei├č er, dass es nicht um Reformen geht, sondern um ein Einsparmodell zu Lasten der Sch├╝ler.

Vorher war von vielen anderen Dingen die Rede, zur├╝ck blieb wenig. Das hat der Gemeinderat Kettner kritisiert.

Weil er Kritik ├╝bt, steht er selbst in der Kritik. So banal das klingt: Weil er Kritik ├╝bt.

Denn „Kritik“ ist nicht erw├╝nscht. Zumindest nicht von einem B├╝rgermeister Michael Kessler.

Dieser Mann hat scheinbar „panische Angst“ vor Kritik – anders sind seine Ausf├Ąlle und seine „ordnungspolitischen Anordnungen“ beispielsweise gegen├╝ber Gemeindebediensteten nicht zu erkl├Ąren.

Denn der Mann macht sich Sorgen um seine eigenen Ordnungen.

Ab sofort sind alle „Presseanfragen“ (also die des heddesheimblogs, denn sonst fragt niemand) ├╝ber ihn selbst zu beantworten.

Konkret: Presseanfragen m├╝ssen an die „Gemeinde“ gerichtet werden – denn sonst k├Ânne eine ordnungsgem├Ą├če Beantwortung nicht gew├Ąhrleistet werden. Schreibt eine Sekret├Ąrin im Auftrag des Chefs.

Und die „Antworten“ k├Ânnen lange dauern. „Presseanfragen“ (also Anfragen durch das heddesheimblog) sind ab sofort keine Chefsache mehr, sondern ein Verwaltungsakt.

Das trifft schon lange f├╝r die Heddesheimer Verh├Ąltnisse zu. „Chefsache“ hei├čt: Vermeidung von transparenter ├ľffentlichkeit.

Fast alle Diskussionen zum Thema „Werkrealschule“ sind in Heddesheim im Hinterzimmer getroffen worden. Mindestens sieben Mal wurde das Thema behandelt – allerdings nur einmal „├Âffentlich“.

Wie auch immer ├╝ber den Antrag ├╝ber eine „gemeinsame Werkrealschule“ entschieden wird. Dieser Antrag ist ein Verwaltungsantrag und hat mit der Lebens- und Schulwirklichkeit der Gesellschaft nichts zu tun.

Er ist ein Verwaltungsakt.

„Er“ steht dabei synonym f├╝r den B├╝rgermeister Michael Kessler.

JKS soll „Zweigstelle“ der Werkrealschule Hirschberg werden

Guten Tag!

Heddesheim, 11. Dezember 2009. In einer gemeinsamen Pressemitteilung begr├╝nden die B├╝rgermeister der Gemeinden Heddesheim und Hirschberg einen Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule. B├╝rgermeister Kessler favorisiert Hirschberg als Hauptstelle.

Die Gemeinden beantragen, dass in der neuen gemeinsamen Werkrealschule die Klassen 5 bis 9 je einz├╝gig und die Klasse 10 j├Ąhrlich alternierend unterrichtet werden. Dies sei nach Meinung der B├╝rgermeister Manuel Just (Hirschberg) und Michael Kessler (Heddesheim) das „beste, ortsnahe Konzept f├╝r die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler“. Die B├╝rgermeister begr├╝nden den Antrag durch „die schon vorhandene intensive Kooperation und die r├Ąumliche N├Ąhe der Schulen“.

Der „Grundgedanke“ der Kooperation zwischen Heddesheim und Hirschberg sei „eine Partnerschaft auf Augenh├Âhe“.

Tats├Ąchlich wird eine der Schulen Hauptstelle und die andere Zweigstelle werden. Dazu informieren die B├╝rgermeister:

„F├╝r Hirschberg als Hauptstelle spricht die zentrale Lage an der Bergstra├če mit mehreren Nachbargemeinden. Dadurch besteht die M├Âglichkeit, dass die neue Schule f├╝r weitere Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler von der Bergstra├če und dem vorderen Odenwald attraktiv wird und ein h├Âheres Einzugsgebiet haben kann. Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler aus Bergstra├čengemeinden haben nach Hirschberg durch die OEG-Anbindung sehr gute ├ľPNV-Verbindungen. Im Sinne einer langfristigen Sicherung der notwendigen Sch├╝lerzahlen sind dies wichtige Argumente, die f├╝r Hirschberg sprechen.“

Weiter hei├čt es in der Pressemitteilung:
„Heddesheim hat ebenfalls gute Argumente, den Sitz der Schulleitung f├╝r sich zu reklamieren. So hat Heddesheim h├Âhere Einwohner- und Hauptsch├╝lerzahlen und eine gleichwertige r├Ąumliche Ausstattung der Schule. Das Schulgeb├Ąude wurde zudem umfassend saniert – zuletzt mit der Sanierung des Schulhausdaches.“

Die B├╝rgermeister betonen einen „Geist der partnerschaftlichen Zusammenarbeit“. Unter „Ber├╝cksichtigung einer langfristigen Strategie zur St├Ąrkung der notwendigen Sch├╝lerzahlen“. Ihr Vorschlag: Der Sitz der Schulleitung wird in Hirschberg angesiedelt. Ein „zu bildender Schulverband“ solle den Sitz und Vorsitz in Heddesheim haben.

Dieser Schulverband verwalte „unter anderem die Finanzen und Sachmittel der Schule“. Au├čerdem solle geregelt werden, dass „das Heddesheimer Schulgeb├Ąude gezielt auch f├╝r schulorganisatorische Veranstaltungen, beispielsweise Lehrerkonferenzen, Elternabende und so weiter genutzt“ werde.

Der Gemeinderat in Heddesheim werde dieses Thema in seiner Sitzung am 17. Dezember behandeln.

Pfenning, Demenz, WRS, Bl├╝menk├╝bel und hochwertige Feuerzangenbowle

Guten Tag!

Heddesheim, 04. Dezember 2009. Im Mitteilungsblatt stehen mitunter kuriose „Informationen“. Auch im aktuellen. Besonders lesenswert: Die Beitr├Ąge der Parteien.

Von Helle Sema

Die beste Nachricht zuerst: Der CDU ist nichts eingefallen oder sie hat schlicht und ergreifend den Redaktionsschluss verbummelt oder vergessen (siehe SPD)?. Vielleicht hat der Leitartikelverfasser auch eine Schreibblockade – dann w├╝nsche ich gute Besserung.

Die Knallernachricht kommt von den Jusos in der SPD: „Wir d├╝rfen nicht zulassen, dass der „Schavansinn“ weitergef├╝hrt wird.“ Dem Jungsozialisten Michael Holler reicht diese Kreation aber noch nicht, deswegen spielt er das Wort weiter und hollert ein „raues Klima“ im Bereich der Bildung hervor. Damit zeigt er Kultusminister Rau, wo der Hammer h├Ąngt, denn Holler fordert nichts anderes als „die Machtverh├Ąltnisse in unserem Land zu ├Ąndern“. 2011 – denn dann sind Landtagswahlen.

Die zweite Knallernachricht kommt ebenfalls von Jusos in der SPD: Sie erteilen dem Werkrealschulkonzept des Landes Baden-W├╝rttemberg knallhart eine Absage und verpassen damit den gro├čen, also der SPD, einen Tritt vors Schienbein. Denn die Heddesheimer SPD will die Werkrealsschule – anders als die Landes-SPD, die ebenso wie die Jusos mit der „Reform“ nicht einverstanden ist.

B├╝ndnis 90/Die Gr├╝nen berichten aus dem Gemeinderat und wundern sich, dass die Vertreter der „gro├čen Volksparteien“ (nimmt man 30 Prozent plus als Definition an, gibt es nur noch eine) ├╝blicherweise „jeden Bl├╝menk├╝bel (oder K├╝bel voller Dreck und Unrat, Anm. d. Red.) vor dem Rathaus intensiver diskutieren“ als die geplante „Pfenning“-Ansiedlung.

Au├čerdem berichten die Gr├╝nen von einer Zusammenkunft der „Pfenning“-Gegner und k├╝ndigen an: „Der Widerstand gegen Pfenning geht weiter“. In der n├Ąchsten Zeit im Untergrund: Projektgruppen, Arbeitskreise und B├╝rgerinitiativen erarbeiten Papiere, die Bedenken und Argumente sammeln. Die sollen dann „ihren Niederschlag“ im Bebauungsplan finden oder noch besser, ich versuch mal den Holler: „Pfenning niederschlagen.“

Die FDP sieht eine „zunehmende Bedeutung des Platzes f├╝r unsere Gemeinde“. Gemeint ist der Dorfplatz. Sonst ein Ort der Ruhe und der inneren Einkehr, freut sich die FDP, dass sich „ihr Einsatz“ gelohnt hat und sie froh Kunde geben kann, dass der Weihnachtsmarkt, organisiert vom BDS (sic!), in der „Ortsmitte platziert“ worden ist und damit auch dort stattfindet. Und weil die FDP nicht nur fordert, sondern sich auch beteiligt, ist sie – ja, genau, mit dabei: „Dieses Jahr werden wir eine hochwertige Feuerzangenbowle anbieten“, schreibt Frank Hasselbring. Was hei├čt das nun wieder? Vielleicht: Das minderwertige Zeugs der Vorjahre kam halt nicht an.

Ach vergessen: Demenz. „Wir, der SPD-Ortsverein Heddesheim, erhielten von der AWO Rhein-Neckar eine Einladung zur Veranstaltung mit dem Thema „Ist es nur Vergesslichkeit oder ist es Demenz?“. Das steht da so. Warum? Das hat die SPD vergessen hinzuschreiben.

Z├╝ndstoff: CDU-Politiker Wacker erteilt Kessler und Just eine Backpfeife

Guten Tag!

Heddesheim, 27. November 2009. Der Mannheimer Morgen ver├Âffentlicht heute ein Interview, dass jede Menge lokalpolitische Sprengkraft in sich tr├Ągt. Der CDU-Politiker Georg Wacker, Staatssekret├Ąr im Kultusministerium, erteilt den Gemeinden Heddesheim und Hirschberg eine deutliche Absage in Sachen gemeinsame Werkrealschule.

Kommentar: Hardy Prothmann

Die Ohrfeige sitzt und zwar auf den Ohren der CDU, der SPD und der FDP in Heddesheim. Und auf denen der B├╝rgermeister Kessler und Just. Was Georg Wacker, CDU-Politiker, Mitglied des Landtags und Staatssekret├Ąr in einem kurzen Interview dem Mannheimer Morgen gesagt hat, muss den Fraktionen und den B├╝rgermeistern wie eine enorme Watsche auf den Backen gl├╝hen.

Die von den Gemeinden Heddesheim und Hirschberg ausgedachte „Ausnahmeregelung“ hat dem Interview zufolge „wenig Chancen“.

Das kann der CDU-Grande Wacker so einfach sagen, weil er wei├č, dass es weder in Hirschberg noch in Heddesheim eine ├ľffentlichkeit gegen eine solche Aussage gibt. Denn die wurde durch Hinterzimmergespr├Ąche verhindert. Kessler und Just dachten, sie k├Ânnten das unter sich ausmachen und haben sich und ihren Einfluss wahrscheinlich masslos ├╝bersch├Ątzt.

Wenn Wacker Recht hat – und davon ist auszugehen – m├╝ssen sich Heddesheim und Hirschberg einer L├Âsung beugen, die sie angeblich nie wollten. Einer gemeinsamen Werkrealschule auf Wanderschaft. Die Klassen 5-7 in der einen, die Klassen 8-10 in der anderen Schule.

Angeblich wollten beide Gemeinden „ihren Schulstandort“ st├Ąrken. Und angeblich sei es eine Schw├Ąchung, wenn die Sch├╝ler auf Reisen geschickt w├╝rden.

Doch genau das zeichnet sich aber ab.

Die Verlierer sind aber nicht die B├╝rgermeister Kessler und Just – die werden nach Stuttgart zeigen und ihr Haupt beugen. Die Verlierer sind die Hauptsch├╝ler.

Gymnasiasten w├Ąre das nicht passiert – die haben eine st├Ąrkere Lobby.

Heddesheim und Hirschberg haben eine Chance, sich gegen den Willen Stuttgarts zu positionieren – wenn sie die Eltern mobilisieren. Doch dazu ben├Âtigt es eine offene Strategie, einen offenen Austausch und den Willen, sich nicht von oben herab etwas diktieren zu lassen.

Auf den B├╝rgermeister Kessler und seine vollmundigen Versprechungen muss niemand mehr etwas geben.

Wenn es noch eine Wende in diesem Schuldrama geben kann, dann nur aus der Bev├Âlkerung heraus.

Dem stehen aber vollkommen verharzte Fraktionen bei CDU, SPD und FDP gegen├╝ber – Hinterzimmermauschlern, die nichts mehr f├╝rchten, als einen offenen Austausch ├╝ber Argumente. Ein offensiver Einsatz f├╝r die Johannes-Kepler-Schule w├╝rde diese Parteien dazu zwingen, sich zu ├Âffnen.

Das wird nicht stattfinden. Es werden beschwichtigende Worte gesucht werden – hart an der Grenze zur L├╝ge – um ja nicht das aus Sicht dieser ├Ârtlichen Parteifunktion├Ąre „bew├Ąhrte“ eigene System zu gef├Ąhrden.

Doch jedes Wort in der Sache wird gelogen sein. Am Ende verlieren die Schulen und vor allem die Sch├╝ler – die lokalen Politgr├Â├čen haben schon l├Ąngst verloren. Die CDU zwei Sitze, die SPD einen und die FDP auch einen. Profitiert haben die Gr├╝nen.

An denen ist es jetzt – die Hoffnung der W├Ąhler auf eine anst├Ąndige Politik umzusetzen.

Die Gr├╝nen in Heddesheim haben sich mit drei neuen Sitzen um 100 Prozent verdoppelt. Die W├Ąhler haben ihnen ihr Vertrauen geschenkt – freilich mehr in Sachen „Pfenning“, als in anderen Fragen.

Tats├Ąchlich gibt es au├čer „Pfenning“ aber noch andere sehr wichtige Themen in Heddesheim.

W├Ąhrend die CDU, die SPD und die FDP immer noch (wegen „Pfenning“) beleidigt sind und eigentlich nichts zustande bekommen, bleibt als letzte Hoffnung, dass die Gr├╝nen die ├âÔÇ×rmel hochkrempeln.

Heddesheim darf gespannt sein, ob die Gr├╝nen diese Erwartung erf├╝llen.

Die Sch├╝ler der Johannes-Kepler-Schule brauchen Unterst├╝tzung – ohne stehen sie sehr alleine da.

W├╝nschenswert w├Ąre, dass die Parteifunktion├Ąre ihre Parteibindung mal au├čen vor lassen k├Ânnten und sich f├╝r ihren Ort und ihre Sch├╝ler einsetzen – im Zweifel auch gegen ihre Parteifreunde im Kreis oder im Land.

Das aber ist eine Hoffnung, die weniger Chancen hat, als ein Dreier im Lotto.

Antrag auf gemeinsame Werkrealschule umstritten

Guten Tag!

Heddesheim, 20. November 2009. Zun├Ąchst herrschte Einigkeit, was den Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule der Gemeinden Heddesheim und Hirschberg angeht. Immerhin kooperieren die beiden Schulen schon seit langem und diese Kooperation ist fruchtbar. Am 31. Juli 2009 trat das neue Landesschulgesetz in Kraft – seitdem herrscht in vielen Orten der schulische Ausnahmezustand.

Das Kultusministerium informiert: „Zweiz├╝gige Hauptschulen und zweiz├╝gige Hauptschulen mit Werkrealschulzug werden zu Werkrealschulen weiterentwickelt. F├╝r die Frage der Zweiz├╝gigkeit sind die Regelungen des Organisationserlasses ausschlaggebend. Von einer anzustrebenden stabilen Zweiz├╝gigkeit ist jedoch erst bei einer Mindestsch├╝lerzahl von 36 auszugehen.“

Die S├Ątze haben es in sich. Werkrealschule soll nur sein, wer „Zweiz├╝gigkeit“ anbieten kann, also zwei Klassen pro Jahrgangsstufe – f├╝r viele Hauptschulen mit sinkenden Sch├╝lerzahlen ein K.O.-Kriterium. Aus diesem Grund wollen Heddesheim und Hirschberg mit je einem Zug zu einer „Zweiz├╝gigkeit“ fusionieren. Das n├Ąchste Problem: Das Ministerium will, dass die Klassen 5-7 an einer Schule und die Klassen 8-10 an der andere Schule unterrichtet werden.

Die Heddesheim-Hirschberg-L├Âsung war gut – bis das Gesetz kam.

Heddesheim und Hirschberg glauben, dass sie weitermachen k├Ânnen wie bisher, n├Ąmlich „vertikal“, also an beiden Standorten von der f├╝nften bis zur neunten Klasse unterrichten und die „Werkrealschuleklasse“ 10 dann im Wechsel. Daf├╝r braucht es aber eine Ausnahmegenehmigung.

Beide Standorte k├Ânnen aber auch Hauptschule bleiben – dort wird so unterrichtet, dass Sch├╝ler nach der 9. Klasse auf eine Werkrealschule gehen k├Ânnen. Aber „Hauptschule“ klingt nicht so gut wie „Werkrealschule“ – auch wenn weniger als ein Drittel der Sch├╝ler ├╝berhaupt die zehnte Klasse absolviert.

Der Spiegel schrieb deswegen schon im Herbst des vergangenen Jahres von einem Etikettenschwindel. Gewerkschaften und Elternbeir├Ąte protestieren ebenso wie Handwerkskammern gegen das neue Gesetz – das ficht das Kultusministerium nicht an und auch nicht die Heddesheimer Politik: „Wir k├Ânnen hier an der Landespolitik nichts ├Ąndern“, sagt B├╝rgermeister Michael Kessler und bekommt Unterst├╝tzung von der CDU, der SPD und der FDP.

Ignoranz auf fast allen Ebenen.

CDU und FDP ignorieren dabei vollst├Ąndig das Chaos, dass ihre Landesparteien angerichtet haben. Und die Heddesheimer SPD, allen voran deren Vorsitzender J├╝rgen Merx, ignoriert die Haltung der Genossen auf Landesebene. Die Stuttgarter Zeitung schreibt bereits am 31.07.2009:

„In der Sache sind die Positionen unver├Ąndert. Norbert Zeller, der Bildungsexperte der SPD, warnte, „die Werkrealschule bringt keinerlei Verbesserungen“. Stattdessen seien knapp 800 einz├╝gige Hauptschulen von der Schlie├čung bedroht. Er kritisierte das Konzept als Einsparprogramm der Landesregierung.“

Auch das Problem der Schulleitung ist in Heddesheim pl├Âtzlich ein neues Thema. Erst hie├č es, beide Standorte behielten ihre Rektoren – das aber geht nicht nach dem neuen Gesetz. Deswegen schreibt B├╝rgermeister Kessler folgerichtig, aber im Widerspruch zu fr├╝heren Aussagen in seinem Antrag: „Eine der Gemeinden wird jedoch am Ende in dieser Frage zur├╝ckstecken m├╝ssen.“

F├╝r den Gr├╝nen-Gemeinderat Ulrich Kettner und seine Fraktionskollegen passt hier nichts mehr zu dem, wie es mal gedacht war: eigenst├Ąndige Standorte kooperieren partnerschaftlich und bilden gemeinsam aus: „In der jetzigen Form geht es nicht um das Wohl der Sch├╝ler, sondern um ein Sparprogramm. Deswegen werden wir dem Antrag nicht zustimmen.“

Der Lehrer ist kritisch, der B├╝rgermeister wundert sich, die CDU warnt, die SPD bleibt vor Ort.

Der B├╝rgermeister hingegen will nicht „in die Details gehen“, der CDU-Fraktionschef Dr. Josef Doll sagt „vor dem Verlust der Hauptschule ist zu warnen“, FDP-Mann Frank Hasselbring lobt „die notwendige Flexibilit├Ąt“ und SPD-Fraktionschef Merx meint: „Wir m├╝ssen vor Ort Politik machen.“

Das Argument, vorgebracht von Kettner, dass in anderen Orten intensiv ├╝ber andere M├Âglichkeiten beraten wird und es keinen Drang zur Eile gibt, wird beiseite geschoben: „Ich muss mich schon sehr wundern, Herr Kettner, dass gerade Sie jetzt dagegen sind“, sagt der B├╝rgermeister – der einfach nicht verstehen will, dass sich die fr├╝heren Annahmen ge├Ąndert haben k├Ânnten oder sogar haben.

Im Gegenteil meint B├╝rgermeister Kessler, dass „wir das im vergangenen Herbst schon diskutiert haben, wo es das Problem noch nicht gab“. Das Problem gab es damals zwar schon, aber bis zur Sitzung am 19. November 2009 nur ein einziges Mal in einer ├Âffentlichen Gemeinderatssitzung. Dar├╝ber hinaus hat sich der Gemeinderat f├╝nf Mal mit dem Thema befasst – immer nicht-├Âffentlich.

Hintergrund:
Stellungnahme Fraktion B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen zur Werkrealschule
Stuttgarter Zeitung: Neue Werkrealschule ist Gesetz
Gewerkschaft GEW: Meldungen und Berichte zur Werkrealschule
Stellungnahme Handwerk
Pressemeldung Kultusministerium
Spiegel: Baden-W├╝rttemberg pappt neues Etikett an Hauptschulen
Stuttgarter Zeitung: Werkrealschule kommt nicht an

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

Werkrealschule wird beantragt


Guten Tag!

Heddesheim, 20. November 2009.

Meldung Gemeinderatssitzung

Der Heddesheimer Gemeinderat hat mit 14:4 Stimmen bei einer Enthaltung dem Antrag auf eine gemeinsame Werkrealschule zugestimmt, nach dem „die Klassen 5 bis 9 jeweils an beiden Standorten und die Klasse 10 im j├Ąhrlichen Wechsel gef├╝hrt werden“.

Die Verwaltung ist nunmehr „beauftragt, gemeinsam mit Hirschberg einen entsprechenden Antrag bei der zust├Ąndigen Schulbeh├Ârde zu stellen“. Ebenso soll die „bis zum 31.07.2016 m├Âgliche Einrichtung eines Schulbezirks, der sich ├╝ber die beiden Gemeindegebiete erstreckt – vorbehaltlich anderweitiger Beratung durch die Schulverwaltung – in Anspruch genommen werden.“

Wir informieren Sie ausf├╝hrlich im Laufe des Tages.

Redaktion heddesheimblog