Donnerstag, 30. Juni 2022

Entwicklung der Mannschaft ist deutlich erkennbar

FV Fortuna Heddesheim verlÀngert vorzeitig mit Trainerteam

Heddesheim, 06. MĂ€rz 2013. (red/pm) Der FV Fortuna Heddesheim 1911 e.V. hat sich mit seinem Trainerteam RenĂ© Gölz, Melvin Faust und Marc Neef ĂŒber eine Zusammenarbeit auch in der Saison 2013/14 geeinigt. Das Trainerteam hat die 1.Mannschaft der Tabakgemeinde zur laufenden Runde ĂŒbernommen und rangiert aktuell, punktgleich mit dem TSV Sulzbach, auf dem zweiten Platz der Kreisklasse A2.

Information der Fortuna Heddesheim

„RenĂ© Gölz als Cheftrainer wird von seinem Co-Trainer Melvin Faust genauso weiterhin unterstĂŒtzt wie von seinem Torwart-Trainer Marc Neef.

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MM: Trauriger Bericht ĂŒber traurigen Tag

Heddesheim, 06. April 2011. (red) Der Mannheimer Morgen berichtet heute ĂŒber einen „traurigen Tag fĂŒr die Gemeinde“ – und schlĂ€gt ein weiteres Kapitel seiner Non-Sense-Berichterstattung auf.

Von Hardy Prothmann

„Ein StĂŒck Kultur und Tradition“, geht verloren, heißt es heute im Mannheimer Morgen ĂŒber das vermeintliche „Aus“ fĂŒr den Tabakstandort.

Das schreibt die Zeitung, die das Wort „Tabakgemeinde“ in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 248 in 206 Artikeln benutzt hat. Allein in den vergangen Jahren wurde das Synonym „Tabakgemeinde“ fĂŒr Heddesheim in 130 Artikeln insgesamt 159 Mal verwendet.

"HeimattĂŒmelige" Berichterstattung. Quelle: MM

Absurd, denn 2007 waren es noch sieben, zuletzt waren es noch vier landwirtschaftliche Betriebe, die in Heddesheim noch Tabak angebaut haben, vor allem den Badischen Geudertheimer, einen Zigarrentabak und Virgin. ÃƓbrig bleibt Alois Bach, der noch ein wenig Virgin anbaut.

Die ProduktionsflĂ€che fĂŒr den Tabakanbau, der seinen Höhepunkt 1939 (sic!) hatte, lag damals bei gut 300 Hektar und 2007 nur noch bei 55 Hektar. Die 20 Hecktar AnbauflĂ€che, die kĂŒnftig mit einem der grĂ¶ĂŸten Logistizentren der Region („Pfenning“) bebaut sein werden, galten als bester „Tabakgrund“.

Im Ort gibt es noch einige Tabakscheunen, die mehr oder weniger nur zum Trocknen der Pflanzen nutzbar sind. Der Tabakanbau gilt als knochenharte Arbeit – vor allem die Ernte ist krĂ€ftezehrend und aufwendig. Solange das aber gutes Geld brachte, baute man die Pflanze eben an.

Seit vielen Jahren ist der Tabakanbau aber schon lĂ€ngst kein echtes GeschĂ€ft mehr, sondern lebte nur von massiven Subventionen. Rund 6 Euro pro Kilo wĂŒrde der Heddesheimer Tabak auf dem Weltmarkt kosten. Der marktfĂ€hige Preis liegt bei zwei Euro. Der Tabak wurde also bis Ende 2009 mit zwei Dritteln subventioniert. Durch Steuergelder.

Auch von Nicht-Rauchern. Und von einer EuropĂ€ischen Union, die sich dem Nicht-Raucher-Schutz verschrieben hat. Absurd? Ganz sicher. Aber RealitĂ€t. Die Tabakindustrie wurde verpflichtet 3 bis 5 Prozent der Einnahmen fĂŒr Rauchschutzinformationen auszugeben. WĂ€hrend Erzeuger mit zwei Dritteln subventioniert wurden, sagt die Großhandelsfirma Jakob Metz KG im pfĂ€lzischen Herxheim. Dort hat man auch schon reagiert und die Landwirte bauen nun KrĂ€uter an.

Gleichzeitig liegen die „Folgekosten“ im mehrstelligen Milliardenbereich bei der Behandlung von Krankheiten durch Tabakmissbrauch.

Was also, bitte schön, ist „traurig“ daran, wenn auf Heddesheimer Gemarkung der Tabakbau nun mehr oder weniger eingestellt ist? Die Gemeinde Heddesheim ist schon seit Jahrzehnten keine Gemeinde mehr, die vom Tabak lebt.

Rupert Bach - auch sein Betrieb baut keinen Tabak mehr an, weil es sich nicht mehr lohnt.

Der Mannheimer Morgen vewendete den Begriff Tabakgemeinde diametral inflationĂ€r zur tatsĂ€chlichen Situation in den vergangenen Jahren. Warum, bleibt sein Geheimnis. Eine ErklĂ€rung wĂ€re, dass er es „heimattĂŒmeln“ lassen will. Selbst im aktuellen Bericht wird am Ende des Textes „ein Funken Optimismus spĂŒrbar“. So sind sie meist konstruiert, die Texte jenseits von Sinn und Verstand – am Ende muss immer alles gut werden oder sein.

Ist es traurig, dass die Bauern keine absurd hohen Subventionen mehr bekommen? Ganz sicher nicht, weil die Subventionspolitik schon lange von vielen als Skandal begriffen wird und es kaum noch vermittelbar ist, warum eine kleine Gruppe von Wirtschaftsbetrieben insgesamt die höchsten Zuwendungen erhÀhlt.

Ist es traurig, dass osteuropĂ€ische Erntehelfe keinen Knochenjob mehr machen mĂŒssen? Das ist sicherlich bedauerlich fĂŒr die Arbeiter, die hier zwar Hungerlöhne erhalten, die aber in ihrer Heimat die Familien ernĂ€hren.

Ist es traurig, dass 20 Hektar bestes Ackerland fĂŒr den Bau eines Logistikzentrums auf alle Zeit vernichtet werden? Das ist eine Frage der Perspektive. Ganz sicher nicht aus Sicht des Heddesheimer BĂŒrgermeisters Michael Kessler und der Mehrheit im Gemeinderat, die durch das Logistikzentrum die „Zukunft Heddesheims“ als „gesichert“ versprechen.

Derselbe BĂŒrgermeister Kessler lobt zu jeder anderen Gelegenheit den Ort als „Sportgemeinde“ – wie man Tabak und Rauchen und Sport als gleichzeitige Identifikationsmerkmale fĂŒr ein und dieselbe Gemeinde unter einen „Hut bekommen soll“, muss niemand verstehen. Es bleibt absurd.

Homepage der Gemeinde Heddesheim. Bretter von Tabakscheunen und eine stilisierte Scheune als Logo halten die "Tradition" des Tabakbaus hoch. Quelle: Gemeinde Heddesheim

„Bald erinnert nur noch der Tabakbrunnen, der als Denkmal gesetzt wurde, an diese vergangene Zeit“, schreibt der MM weiter. Auch das ist ausgemachter Blödsinn. Die Gemeinde Heddesheim hat sich gerade ein „neues“ Corporate Design gegeben – mit stilisierten Tabakscheunen, die an die „gute, alte Zeit“ erinnern sollen.

Klar, es gibt sie noch, vereinzelt, die Tabakscheunen im Ort- unnĂŒtzige GebĂ€ude, die lĂ€ngst ihre Aufgabe verloren haben und fĂŒr kaum einen anderen Zweck zu gebrauchen sind. Selbst ein Landwirt wie Rupert Bach hatte in den vergangenen Jahren seinen Tabak in speziellen Zelten getrocknet. Das war effektiver als in den „traditionellen Scheunen“.

Die „jungen Landwirte mĂŒssen sich neue Aufgabengebiete suchen“, heißt es weiter in der Zeitung. Auch das ist nur bedingt richtig – die jungen Landwirte haben das lĂ€ngst getan und bauen zur Zeit eine Biogas-Anlage auf dem GelĂ€nde der Familie Rupert Bach.

Dort wird Industriemais zu Biogas verarbeitet werden. Mit Romantik oder „Naturverbundenheit“ hat die moderne Landwirtschaft nur noch in den seltensten FĂ€llen etwas zu tun. Landwirtschaft war lange Zeit eine subventionierte Lebensmittel erzeugende Wirtschaft und wandelt sich nun in Teilen zu einer Energiewirtschaft.

Und mit der Zeit wird die Einsicht wachsen, dass eine „Biogas-Anlage“ nur wenig mit „Bio=Gut“ zu tun hat. Diese Anlagen erzeugen keine „Bio-Lebensmittel“, dafĂŒr aber CO2, besser bekannt als Treibhausgas.

Diese ZusammenhĂ€nge will oder kann der Mannheimer Morgen nicht darstellen. Wenn Sie noch Abonnent der Zeitung sein sollten, schreiben Sie doch mal die Redaktion an und fragen Sie nach. Die Antwort – so sie denn kommen sollte – dĂŒrfen Sie gerne an uns weiterreichen.

„Un Ruh is“ – Pfenning lĂ€sst klammheimlich Acker umgraben, auf dem keine Nutzpflanze mehr wachsen wird

Heddesheim, 29. MĂ€rz 2011. (red) Der „gute Nachbar“, der sich so sehr auf Heddesheim freut, ist ein „seltsamer“ Nachbar. Einer, der Dinge tut, die andere nicht verstehen. Aber das ist nicht schlimm – er tut das als „Nachbar“ nur zum besten von allen. Auch wenn man das nicht versteht.

Von Helle Sema

Irgendwann vor ĂŒber einer Woche zog ein Traktor seine Runden und pflĂŒgte und pflĂŒgte.

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Rund 200.000 Quadratmeter gepflĂŒgte Erde. Zur Saat vorbereitet. Hier wachsen Logistikhallen.

In der ehemalige „Tabakgemeinde“ Heddesheim kennt man das. Der Ort ist umgeben von Feldern, die von ganz wenigen Bauern noch bestellt werden. Es gibt immer weniger Bauern, weil es immer weniger Felder gibt.

An diesem mittelschönen Tag hatte der Bauer, man sagt es sei der „Kemmet“ gewesen, viel zu pflĂŒgen. Rund 200.000 Quadratmeter. DafĂŒr sitzt man lang auf dem Trekker. Nördlich der Benzstraße. Da wo frĂŒher Tabak gepflanzt wurde und irgendwann mal „Pfenning“ oder was auch immer stehen soll.

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UngemĂŒtlich: Hier siedelt sich weder Hamster noch Vogel an.

Der Bauer zog beharrlich seine Runden und der Pflug warf die Erde auf. Dicke Schollen ließ er zurĂŒck. Unebenheit, Unruhe.

WofĂŒr, warum, weshalb?

WofĂŒr? Warum? Weshalb? In der guten Muttererde, einem der besten Böden auf Heddesheimer Gemarkung, wird nie mehr etwas wachsen. Irgendwann wird sie abgetragen und auf irgendeinen Wall geschĂŒttet.

Warum macht der Bauer sich die Arbeit? Ist er sentimental? Hat er den Acker verwechselt? Ist es eine Form von Protest? Vollkommen sinnlos, wie man lĂ€ngst weiß? Oder nur ganz lapidar ein Auftrag? Wie fĂŒhlt man sich als Bauer, wenn man einen Acker pflĂŒgt, auf dem nur noch Logistik wachsen soll?

Wir haben nicht den Bauern gefragt, der diese blödsinnige Arbeit gegen Geld gemacht hat, sondern diejenigen, die den Bauern diese blödsinnige Arbeit machen lassen. Also den guten neuen Nachbarn, der sich angeblich so sehr auf Heddesheim freut, das Unternehmen „Pfenning“.

„Verschiedene Personen haben berichtet, dass das komplette GelĂ€nde der geplanten Ansiedlung gepflĂŒgt wurde.

DafĂŒr gibt es sicherlich GrĂŒnde.

WĂŒrden Sie uns die bitte mitteilen?

Weiter sollten angeblich Mitte MÀrz die Bauarbeiten losgehen, tatsÀchlich scheinen aber die ArchÀologen bis Anfang Mai auf dem GelÀnde zu sein.

Können Sie einen Termin angeben, wann die Bauarbeiten tatsÀchlich beginnen?

Und da wir ja nicht so oft Kontakt haben, gestatten Sie mir noch die Frage, ob Sie vom RegierungsprĂ€sidium schon was zum Gleis erfahren haben oder bis wann Sie damit rechnen?“

Das war am 23. MÀrz 2011. Eine Woche spÀter haben wir noch immer keine Antwort.

Als wir ein paar Bauern fragen, welchen Sinn es macht, einen Acker zu pflĂŒgen, auf dem nie mehr etwas wachsen soll, ist die Antwort eindeutig.

Sinnlos

Wir bekommen sie sofort: „Das ist sinnlos.“

Wir fragen nach: „Naja, vielleicht gibt es irgendein Gesetz?“

Und bekommen eine Antwort: „Man muss die Äcker in Ordnung halten. Aber das ist nicht der Grund.“

Wir fragen: „Was ist der Grund?“

Es gibt eine Gegenfrage: „Was denken Sie?“

Wir sagen: „Keine Ahnung.“.

Vielleicht nistet sich sonst was ein

Die Bauern sagen: „Ist doch klar. Solange man die Möglichkeit hat, das zu machen, macht man es auch. Das ist Bauland. Sonst nistet sich vielleicht was ein, was die Bauarbeiten behindert. Jetzt nistet sich nichts mehr ein.“

Wir sagen: „Achso, ja das macht Sinn. Keine Vögel und so. Oder Hamster.“

Die Bauern sagen: „Genau. Aber das geht auch anders. Ich hĂ€tte das nicht so gemacht, denn in der aufgeworfenen Erde zu arbeiten, ist jetzt schwieriger, da kommt man nicht so leicht durch. Und Hamster? Hab ich noch nie gesehen. FrĂŒher hießen die bei uns „Konwörmer“.“

Wieso, wollen wir wissen?

Die Bauern sagen: „Halt KornwĂŒrmer, weil da, wo die GĂ€nge waren, kaum Korn gewachsen ist. FrĂŒher hieß es: Wond Ă€nner sieschd, nemschd de Schbade un Ruh is. Heute ist das anders. Aber Hamster gibt es hier nicht.“

Irgendwie klingt das gar nicht verwunderlich.

Und irgendwie klingt das so, als wenn es weder Hamster noch irgendwelches anderes Viehzeug auf dem Acker geben soll.

„Un Ruh is“

Der Bauer hat seinen „Job gemacht“, dafĂŒr Geld bekommen „un Ruh is“.

SpaziergĂ€nger, die hier langkommen und sich fragen, was hier wohl „wachsen wird“, werden sich in einigen Monate wundern.

FrĂŒher war es Tabak, der zum Wohlstand der Gemeinde Heddesheim beitrug.

Die Zeiten sind vorbei. Morgen wird es Logistik sein, die hier aus dem Boden sprießt.

Angeblich zum Wohl der Gemeinde.

Ach – und als Nachtrag an die AnwĂ€lte der Firma Pfenning, die ja schließlich auch das Feld der Abmahnungen bestellen wollen: Wir nehmen nur an, dass ein (ehemaliger) Bauer von Ihnen beauftragt wurde, das „weite Feld“ zu pflĂŒgen. Eventuell hat er ja nur den Acker verwechselt oder hat aus nostalgischen GrĂŒnden seine Runden gezogen. Quasi als nette Geste, damit der neue, gute Nachbar wegen blöder Hamster oder Vögel auch ja keinen Ärger bekommt.

So ist das in Heddesheim. Hier wird alles klammheimlich vorgepflĂŒgt. Seien Sie willkommen.

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Blöde Kurve, da kommt ein 40-Tonner kaum rum. Deswegen macht die Gemeinde die Kreuzung auch besser befahrbar. Denn bald sollen tÀglich dutzende 40-Tonner möglichst ohne Tempoverlust hier schnell durchkommen.

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„Die Pflanzen leiden unter der Hitze“ – dĂŒrftige Weizenernte, der Heddesheimer Tabak vor dem Aus

Guten Tag!

Heddesheim, 21. Juli 2010. Die Wetterbedingungen bringen den Heddesheimer Bauern fĂŒr dieses Jahr keine guten Ernten – der Mai war zu feucht und zu kalt, die Hitze der vergangenen Wochen bei gleichzeitigem Wassermangel hat den Weizen frĂŒher reifen lassen.

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ÃƓberall wird zur Zeit der Weizen eingebracht - zurĂŒck bleiben die Strohballen. Bild: heddesheimblog.de

Seit einigen Tagen wird der Weizen geerntet, „8-10 Tage zu frĂŒh“, sagt Rupert Bach: „Das Korn ist notreif. Durch die Hitze hat es sich zu frĂŒh entwickelt.“ Das heißt: Nicht Ähren konnten voll ausreifen, der Ertrag liegt 5-10 Prozent unter der Erwartung. Die QualitĂ€t reicht nur fĂŒr Futterweizen, was nochmals einen Preisabschlag bedeutet. Das Korn konnte nicht genug Eiweiß einlagern.

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Landwirt Rupert Bach: "Zu viel Hitze, zu wenig Wasser." Bild: heddesheimblog.de

Weizen wird je nach GĂŒte in die Klassen A und B eingeteilt – alles darunter ist Futterweizen mit entsprechenden PreisabschlĂ€gen.

„Wir kommen dabei noch glimpflich weg“, sagt Bach, „gerade entlang der Bergstraße, wo spĂ€ter angebaut wird, werden die ErtrĂ€ge noch schlechter sein.“ Die Erwartung war zunĂ€chst eine andere: „Wir rechneten mit SpitzenertrĂ€gen, doch dann kam die Hitzeperiode.“

Auch beim Tabak sieht es nicht gut aus: „Die Pflanzen leiden unter der Hitze.“ ÃƓberhaupt der Tabak: Nachdem die Regulierung fĂŒr Tabakpreise mit dem vergangenen Jahr ausgelaufen ist, befinden sich die vier Heddesheimer Tabakbauern „im ersten Jahr der Marktordnung“, sagt Alois Bach (nicht verwandt mit Rupert Bach), der Vorsitzende der Tabakbauern: „Der Markt wird die Preise richten.“

Wie knallhart das GeschĂ€ft ist, zeigen die Preise: „Am Markt wird das Kilo teils mit 1,80 Dollar gehandelt. Wir brauchen 3,50 Euro, um wirtschaftlich arbeiten zu können.“ FĂŒr die Tabaksorte Burley war das das Aus. Der wird hier nicht mehr angebaut. ÃƓbrig geblieben sind der Badische Gaudertheimer und Virgin: „DafĂŒr haben wir einen zwei-Jahres-Vertrag zu noch akzeptablen Preisen. Ob es einen Anschluss gibt oder wir als Unternehmer das Risiko des Anbaus eingehen werden, ist derzeit völlig offen“, sagt Alois Bach.

Sein Kollege Rupert Bach baut den Zigarrentabak Badischer Gaudertheimer an: „Nur noch auf 50 Prozent der sonstigen FlĂ€che.“ Virgin wird fĂŒr Zigaretten gebraucht: „Ob und wie wir hier auf dem Weltmarkt mithalten können, mĂŒssen wir sehen“, sagt Alois Bach: „Ich finde es sehr schade, dass diese Kulturpflanze nach ĂŒber 400 Jahren Anbau in unserer Region vor dem Aus steht. Aber das ist politisch so gewollt.“

„Tabak ist mit nichts zu vergleichen“, sagte Bach: „Vielleicht noch mit Wein oder Spargel. Auch hier ist der Anbau sehr arbeitsintensiv, was die Preise ausmacht, aber auch Gewinn bringt.“ Da die staatliche Preisregulierung aber weggefallen ist, weiß niemand, wie sich die Preise entwickeln werden: „Und es braucht entsprechende Investitionen. Jeder Landwirt muss als Unternehmer selbst entscheiden, ob er das Risiko eingehen will.“

Vier Pflanzhelfer arbeiten mit.

Pflanzhelfer beim Setzen der Tabakpflanzen. Bild: heddesheimblog.de

Der Kreislauf der Globalisierung macht also auch nicht vor Heddesheim halt und erstreckt sich in weitere LĂ€nder – aus denen die Hilfsarbeiter und SaisonkrĂ€fte kommen: „Wir haben schon Stellen reduziert, wie alle“, sagt Alois Bach. 100 Tonnen Tabak haben die Heddesheimer Landwirte bis vergangenes Jahr produziert, dieses Jahr noch die HĂ€lfte. Im kommenden Jahr wird es in Heddesheim vielleicht keinen Tabakanbau mehr geben.

„Tabakbau ist harte Arbeit“

Rupert Bach ist Bauer in der 3. Generation. Der Landwirtschaftsmeister bestellt rund 100 Hektar AckerflĂ€che rund um Heddesheim. Der Tabak bringt am meisten Geld – aber auch die meisten RĂŒckenschmerzen, sagt Rupert Bach. Ein echter Hellesemer.

PortrÀt und Fotos: Hardy Prothmann

Generationen: Rupert Bach, Schwiegervater Otto Schmidt, Sohn Stefan Bach.

Generationen: Rupert Bach, Schwiegervater Otto Schmidt, Sohn Stefan Bach.

Am 2. Mai 2009 hat Rupert Bach (Jg. 1957) den ersten Tabak gepflanzt: „Jedes Jahr Ende April, Anfang Mai ist die Pflanzzeit“, sagt er. Dann geht es schnell: Innerhalb von vierzehn Tagen mĂŒssen die jungen Pflanzen gesetzt werden.

Mit von der Partie ist sein Sohn Stefan (26), ebenfalls Landwirtschaftsmeister und auch der Schwiegervater Otto Schmidt, der trotz seiner 79 Jahre noch rĂŒstig mithilft.

Aussiedlerhof

1969 sind die Bachs raus gezogen, aus dem Ort in die Aussiedlerhöfe hinterm Badesee in den Brunnenweg: „Im Ort war zu wenig Platz. Gerade fĂŒr Betriebe mit Viehwirtschaft ging das nicht mehr“, sagt Bach, dem es hier draußen im friedlichen Idyll gut gefĂ€llt.

 Rupert Bach fÀhrt den Traktor, hinter im sitzen vier Pflanzhelfer, die den Tabak in die

Rupert Bach fÀhrt den Traktor, hinter im sitzen vier Pflanzhelfer, die den Tabak in die Pflanzmaschine einsetzen.

Rund 100 Hektar AckerflĂ€che bewirtschaften die Bachs, rund 90 Prozent davon sind gepachtet. Getreide, ZuckerrĂŒben, Mais, Tabak, Spargel und andere Pflanzen bestimmen die Fruchtfolge auf den Feldern.

Jedes Jahr wird gewechselt, bis frĂŒhestens nach vier bis jĂŒnf Jahren eine Pflanze wieder auf denselben Acker kommt: „Das muss so sein. Die meisten Pflanzen wachsen sonst nicht gescheit“, sagt Rupert Bach, der auch SachverstĂ€ndiger im Verband sĂŒddeutscher ZuckerrĂŒbenbauern ist.

Vierzehn Tage, dann ist der Tabak gepflanzt.

Vierzehn Tage, dann ist der Tabak gepflanzt.

Noch 17 Landwirtschaftsbetriebe in Heddesheim

Und Vorsitzender der 17 Landwirtschaftsbetriebe, die Heddesheim noch hat. In den vergangenen Jahren haben 15 Betriebe geschlossen – meist, weil es keine Nachfolge gab.

Als einziger Betrieb haben die Bachs mit rund 30 Mastbullen noch Schlachtvieh auf dem Hof. Und 350 HĂŒhner. Ein Huhn wird etwa 1 3/4-Jahre alt und legt in dieser Zeit rund 450 Eier bevor es in den Suppentopf kommt. Ein paar in den eigenen, der Großteil wird verkauft.

„Spargel und Tabak sind am eintrĂ€glichsten.“

„Am eintrĂ€glichsten sind fĂŒr uns der Spargel und der Tabak“, sagt Rupert Bach. Auf einem Hektar zieht er Spargel, auf sechs Hektar Tabak. Die Jungpflanzen kultivieren die Bachs selbst. Auch die Ehefrau und die Schwiegermutter arbeiten mit – die ganze Familie eben.

„Der Tabak ist eine unglaubliche Pflanze“, sagt er leidenschaftlich. „Im Mai gesetzt ist er im Sommer reif zur Ernte. Es gibt kaum eine andere Pflanze, die das schafft. Hinzu kommt die riesige BlattoberflĂ€che des Tabaks.“

Vier Pflanzhelfer arbeiten mit.

Vier Pflanzhelfer arbeiten mit.

„Tabak ist die grĂ¶ĂŸte Sauerstofffabrik“

So paradox das fĂŒr Nichtraucher klingen mag: „Tabak ist mit Abstand die grĂ¶ĂŸte Sauerstofffabrik unter allen Kulturpflanzen.“

FĂŒnfzehn bis zwanzig BlĂ€tter bildet eine Pflanze aus. Geerntet wird in Handarbeit: „DafĂŒr gibt es noch keine Maschinen.“ Dabei helfen vier rumĂ€nische Gastarbeiter. Erst wird er gebrochen, dann bĂŒndelweise zusammengenĂ€ht, dann zum Trocknen aufgehangen. Auf die typischen Tabakscheunen, wie sie noch in Heddesheim stehen, ist der Bauer nicht mehr angewiesen. Er hat seit einiger Zeit Trockenzelte.

„Die Arbeit ist sehr hart. Im August in der Hitze, alles von Hand – da tut abends der RĂŒcken mĂ€chtig weh“, sagt Rupert Bach.
Er erinnert sich: „FĂŒr mich war das als Kind nicht so schön, denn mit der Tabakernte, bei der ich helfen musste, war die schönste Zeit im Jahr, der Sommer, vorbei.“

RĂŒstig: Schwiegervater Otto Schmidt hilft mit 79 Jahren noch mit.

RĂŒstig: Schwiegervater Otto Schmidt hilft mit 79 Jahren noch mit.

Der Badische Geudertheimer, so heißt die Sorte, wird nach dem Trocknen als Schnittgut fĂŒr Zigarren verwendet. Entsprechend gut ist die QualitĂ€t und damit der wirtschaftliche Ertrag.

In den kommenden Jahren wird der Sohn Stefan den Hof vom Vater ĂŒbernehmen. Er ist dann die 4. Generation und wie der Vater mit Leib und Seele Landwirt: „Das ist meine Arbeit“, sagt er. Und lacht.