Dienstag, 18. Mai 2021

GlĂ€serner Gemeinderat: Im FrĂŒhjahr gibt es einen Markt – was fĂŒr einen ist unklar

Guten Tag!

Heddesheim, 13. Oktober 2010. Ab dem kommenden FrĂŒhjahr wird es auf dem Dorfplatz einen Wochenmarkt geben – mit welchen Angeboten ist noch unklar. Der Markt wird freitags stattfinden, weil angeblich Samstag kein guter Tag ist. ÃƓber einen Mittwoch oder Donnerstag wurde nicht diskutiert – ebensowenig ĂŒber die BedĂŒrfnisse der Heddesheimer BĂŒrgerInnen.

Von Hardy Prothmann

Wenn man im Gemeinderat Herrn Hasselbring (Fraktionsvorsitzender FDP) zuhört, was der so sagt, dann weiß man genau, wo der Mann einkauft: Bevorzugt in Ladenburg und Umgebung, nur nicht in Heddesheim: „In Schriesheim, Hirschberg und Ladenburg gibt es oder entsteht eine EinkaufsqualitĂ€t, die wir hier nicht mehr kriegen.“ „Super, toll, klasse“, sagt der Mann mit einer Lebendigkeit, die sonst so gar nicht an den Tag legt.

Herr Hasselbring kauft gerne in der Nachbarschaft ein.

Herr Hasselbring lĂ€sst sich so ausfĂŒhrlich schwĂ€rmend ĂŒber die tollen Standorte in der Nachbarschaft aus, dass BĂŒrgermeister Kessler kommentiert: „Bitte keine Werbung Herr Hasselbring.“ DarĂŒber wird gelacht. Haha. Dabei ist es ein ernstes Thema.

In Ladenburg ist mit der Kombination aus Edeka, Aldi und DM, ausreichend ParkplĂ€tzen und Gastronomie an der Wallstadter Straße eine Einkaufsgelegenheit entstanden, die viele Heddesheimer anzieht – seit einiger Zeit sowieso, da die Viernheimer BrĂŒcke noch bis Jahresende Baustelle ist. Zudem lockt die Altstadt – vergangenen Freitag war dort Einkaufsnacht mit ordentlich Betrieb – im krassen Gegensatz zur Heddesheimer Einkaufsnacht, die ganz klar ein Misserfolg war und das bleiben wird, solange es keinen besonderen Anreiz gibt.

In Hirschberg wird im Neubaugebiet „Sterzwinkel“ ebenfalls ein moderner Edeka-Markt entstehen – der aus Sicht der angeblich „bis zu 1.000 Arbeitnehmern“ der geplanten „Pfenning“-Ansiedlung bei weitem einfacher zu erreichen sein wird, als der Heddesheimer Edeka-Markt, der nun wahrlich keine Augenweide ist. Sofern die „bis zu 800“ Lkw tĂ€glich die Strecke nicht komplett verstopfen.

GerĂŒchte.

In Heddesheim hat die Metzgerei Schmich zugemacht, bekanntermaßen ist der Discount Treff schon lange zu und glaubt man den GerĂŒchten, die viele kennen, wird das auch so bleiben. Treff gehört ebenfalls zum Edeka-Konzern und man sagt, die Miete wĂŒrde fĂŒr den leeren Laden weiterbezahlt, damit sich dort keine Konkurrenz ansiedelt. Das ist ein GerĂŒcht, fĂŒr das Argumente sprechen. Andererseits kann man genauso gut glauben, dass da niemand rein will, weil Heddesheim und die Lage im Speziellen nicht attraktiv genug sind – es mangelt an ParkplĂ€tzen und die wollen alle haben.

Meinen Einwurf, dass man auch in Heddesheim bei einem Wochenmarkt auf ausreichend ParkplĂ€tze achten mĂŒsse, wollte niemand zur Kenntnis nehmen. Mein Antrag, ĂŒber das Internet die WĂŒnsche der Heddesheimer Bevölkerung einzusammeln, um ein möglichst zielgenaues Angebot entwickeln zu können wurde nur von den Gemeinderatskollegen Reiner Edinger und Kurt Klemm unterstĂŒtzt.

Nun hat der Gemeinderat einstimmig den Antrag der SPD auf einen Wochenmarkt beschlossen – also auch ich. Warum? Von meiner Seite als Signal. Ich glaube nĂ€mlich, dass ein attraktiver Markt ein positives Signal setzen kann. Das Angebot und die Preise mĂŒssen stimmen. Wenn man Herrn Kessler im Mai genau zugehört hat, wĂŒnscht der sich KĂ€se, Bio und Fisch und „was man sonst nicht im Ort finden kann“.

Angebote.

Naja, es gibt einen Fischwagen, im Edeka gibt es auch Bio und eine solide KĂ€setheke – irgendwie verstehe ich den BĂŒrgermeister nie so recht. Ein Angebot mit GemĂŒse und Obst ist nicht explizit besprochen worden und wird meiner Meinung nach nicht kommen. Denn das wĂ€re eine Konkurrenz fĂŒr den CDU-Vorsitzenden und Gemeinderat Rainer Hege, der einen Scheunenladen betreibt und sich demonstrativ fĂŒr befangen erklĂ€rt hat. Die Mehrheit der CDU-Mitglieder stimmte denn auch gegen den Antrag der SPD: „Wir sehen eine Konkurrenz fĂŒr die bestehenden Betriebe“, sagte Dr. Josef Doll, der CDU-Fraktionsvorsitzende. NĂ€her erlĂ€utert hat er das nicht.

Und KĂ€se, Bio, Fisch? Das sind eher hochpreisige Angebote, die sich nicht jeder leisten können wird – vielleicht wusste Herr Kielmayer schon mehr als andere, als er meinte: „Da holt man sich Appetit, aber eingekauft wird im Supermarkt.“ Ich fand das Argument absurd – da guckt man vielleicht ein- zwei Mal und beschließt dann, dass es zu teuer ist. Sicherlich geht niemand freiwillig dahin, wo er sich nichts leisten kann.

Fragen darf man aber schon, was Herr Doll denn meinen könnte? Können Brillen, BĂŒcher, Blumen, OrthopĂ€die-GerĂ€te, Schuhe, Zahnpflege, Friseurdienstleistungen, ReisebĂŒro, Sonnenstudio, Kiosk und BĂŒrobedarf Konkurrenz durch einen Wochenmarkt bekommen? Keines dieser GeschĂ€fte dĂŒrfte einen „Lebensmittel-„Markt als Konkurrenz betreiben. Der Edeka-Markt kann das verschmerzen, weil er noch andere Artikel anbietet. Der Tschibo-Laden mit Backwaren wĂ€re schon eher „betroffen“, doch der ist im Gemeinderat nicht vertreten. Der Hege-Laden noch mehr und das hat die CDU ja auch ein klares Signal gegeben.

Bereits Ende 2009 wurde der Markt von der SPD erstmals in den Gemeinderat gebracht – jetzt entschieden und frĂŒhestens in weiteren sechs Monaten soll es losgehen. Auch das ist „Standortpolitik“. Man muss sich nur wundern, wie schnell „Pfenning“ dageben vorangebracht wurde.

Geheimnisse.

Als großes Geheimnis bleibt, was denn so an Standbetreibern kommen wird. Schließlich liebt Herr Kessler Geheimnisse und hasst es, das Volk zu fragen – das hat er mit vielen ReprĂ€sentanten im Gemeinderat gemein.

WĂ€hrend der BĂŒrgermeister 2009 noch sehr unentschlossen war, gibt er sich nun zuversichtlich, dass der Markt „Kaufkraft im Ort gehalten oder zurĂŒckgeholt werden kann“.

Kurt Klemm begrĂŒĂŸte den Markt als „Ort der Begegnung“, „GrĂŒnen“-Specher Klaus Schuhmann ebenso, vor allem wegen der „Ă€lteren Leute“: „Man darf die, die nicht so mobil sind, nicht vergessen.“

CDU-Enthaltung.

Frau Brechtel, Herr Doll, Herr Kielmayer und Herr Schaaf (alle CDU) enthielten sich der Stimme, trotz des „Alten“-Arguments, das sie sonst immer hochhalten.

Auch ich finde eine Markt in Heddesheim gut, weil er den Ort attraktiv macht und den leblosen Dorfplatz wenigstens einmal die Woche mit Leben fĂŒllen kann. TatsĂ€chlich befĂŒrchte ich, dass der Bauernmarkt vor dem Rhein-Neckar-Zentrum und in Ladenburg, die zeitgleich stattfinden, eine harte Konkurrenz sind und somit der Freitag kein gut gewĂ€hlter Tag ist.

Und dann kommt es noch auf das Angebot an – man darf gespannt sein, was das sein wird.

Bevor der Markt ĂŒberhaupt starten wird, ist eines aber klar: FĂŒr die WĂŒnsche der Heddesheimer BĂŒrgerInnen haben sich weder Herr Kessler noch die Mehrheit im Gemeinderat interessiert.

Und das finde ich bedauerlich.

hardyprothmann

Anmerkung der Redaktion:
Hardy Prothmann ist partei- und fraktionsfreier Gemeinderat und verantwortlich fĂŒr das heddesheimblog.

Download:
Gemeinderat-Protokoll Mai 2010 ĂŒber die Diskussion zum Markt-Antrag der SPD.