Sonntag, 29. Mai 2022

SchĂŒtzen prĂ€sentieren sich

Kanone, Magnum und Schwedenkuss

//

 

Guten Tag!

Heddesheim, 09. Juni 2010. Im Aktionfilm springen die Helden durch die Szenen und feuern, was das „Zeug“ hĂ€lt. Das hat wenig mit der RealitĂ€t zu tun. Die Heddesheimer SportschĂŒtzen haben zum Tag der offenen TĂŒr eingeladen und die RealitĂ€t prĂ€sentiert – die ist trotzdem spannend.

Von Hardy Prothmann

img_0822schutzen

Selbstversuch mit einer „44-Magnum“ – danach weiß man, warum es „Kanone“ heißt. Bild: heddesheimblog

Der RĂŒckschlag ist gewaltig: Die 44-er Magnum „Smith&Wesson“ haut es beim Schuss nach oben. Obwohl ich sie mit Kraft festhalte.

Obwohl ich einen Gehörschutz trage, ist der Knall beim Schuss aus dieser schweren, kraftvollen Waffe laut und intensiv.

Nach dem Schuss drehe ich den Revolver in der Hand zur Seite, immer den Lauf nach vorne gerichtet, entriegele mit dem Daumen die Trommel und drĂŒcke mit der anderen Hand einen Stift, der wirft die Patrone aus. Dann lege ich die Waffe ab. Die Waffe liegt vor mir, die Trommel ist sichtbar leer, die Übung ist zu Ende.

Scharf geschossen

„Gut gemacht, Sie haben den Ablauf genau beachtet“, lobt mich Stefan Schuhmacher.

Der Jugendtrainer der Heddesheimer SchĂŒtzengesellschaft hat mir zuvor genau erklĂ€rt, wie ich mit den Waffen umgehen muss. Erst bei einer „TrockenĂŒbung“ ohne Munition, dann mit der „scharfen“ Partronen.

Ruhig, bestimmt und klar. Immer mit Augenkontakt – immer aufmerksam, ob ich auch alles verstanden habe. Schon bei der ersten Waffe, einem schwedischen MilitĂ€rgewehr von 1909 – in das Schuhmacher dann eine riesige Patrone einlegt.

Auf die genauen Anweisungen konzentriert, konnte ich keinen Fehler machen. Ein Satz war unmissverstĂ€ndlich: „Ich erklĂ€re Ihnen den Ablauf und wir ĂŒben das. Sollten Sie etwas nicht genau beachten, unterbreche ich sofort.“

Schwedenkuss

Das Gewehr ist schwer und wuchtig. Beim Schuss gibt es einen ordentlichen RĂŒckschlag auf die Schulter. Auch darauf war ich vorbereitet worden, trotzdem hat mich die Wucht ĂŒberrascht: „Na, das war mal ein echter Schwedenkuss“, sage ich, weil mir das gerade so einfĂ€llt. Die anderen SchĂŒtzen lachen.

img_0818schutzen

Gesicherte Sportpistolen. Bild: heddesheimblog

Bevor es zu den Pistolen geht, schieße ich noch mit einer Art „Winchester“, einem Repetiergewehr. Leichter, einfacher zu handhaben, aber auch das eine gefĂ€hrliche Waffe außerhalb einer sportlichen Anwendung. Herr Schuhmacher, ein BĂ€r von einem Mann, steht immer in meiner NĂ€he und ist immer sehr aufmerksam.

Das muss er sein. Er kennt mich nicht, weiß, dass ich das erste Mal mit solchen Waffen schieße und macht das heute schon seit Stunden – BĂŒrger begleiten, die sich fĂŒr den Schießsport interessieren und selbst mal ausprobieren wollen, wie das so ist, mit Gewehren und Handfeuerwaffen zu schießen.

Ganz ehrlich bin ich froh um die intensive Begleitung. Denn nicht nur der Anblick, sondern auch das Halten einer Waffe flĂ¶ĂŸt mir Respekt ein. Schon beim „Trockentraining“. Wenn dann die Waffe geladen ist, bin ich gut darauf vorbereitet worden, dass es „ernst“ wird.

Stopp

Dann mache ich einen Fehler – Herr Schuhmacher bleibt freundlich, konzentriert und bestimmt. Die Pistole ist geladen, ich will zum Schuss ansetzen. „Stop, bitte nehmen Sie die Waffe herunter, legen Sie sie ab und setzen Ihren Hörschutz auf“, sagt Herr Schuhmacher. Ich folge. „Nehmen Sie die Waffe wieder auf“, höre ich jetzt gedĂ€mmt. Dann schieße ich. Vier Mal. Ein Schuss geht an den Rand der Scheibe, zwei gehen in die Ringe fĂŒnf und sechs, ein Schuss trifft die Neun.

Insgesamt habe ich elf Schuss abgegeben und weiß nun: Schießen ist sehr anspruchs- und verantwortungsvoll. Atmung, Haltung, Konzentration – ohne eine richtige Technik, ohne eine gute Ausbildung gewinnt man hier keinen Blumentopf. Wie in jedem Sport.

Beim Ostereierschießen habe ich mich am Luftgewehr probiert – dafĂŒr gilt dasselbe.

Waffen ĂŒben auf viele Menschen eine gewisse Faszination aus. Irgendwie geht es dabei sicherlich auch um Macht. Ganz klar. Auch ich nehme mich da nicht aus, wenngleich mir Waffen immer suspekt waren.

Als Sport betrieben, geht es sicherlich darum, ĂŒber sich selbst die Macht zu gewinnen. Sich derer bewusst zu sein, sie zu kontrollieren und sie sportlich um- und einzusetzen.

Herr Schuhmacher hat mir eine sehr gute Anleitung gegeben und ist wie der Rest der SchĂŒtzen ein sehr freundlicher, umgĂ€nglicher Typ Mensch.

DrĂŒckendes Thema

bild

Jugend beim Luftdruckschießen. Bild: privat

Als ich die „Waffenamnestie“ anspreche, werden alle sehr konzentriert und die Stimmung ist eindeutig: „Das ist absolut in unserem Sinne“, sagt Roland Embach, der Vereinsvorsitzende.

Besitzer von „illegalen Waffen“ waren aufgefordert, diese straffrei abzugeben. Viele hundert Waffen konnten seitdem „aus dem Verkehr“ gezogen werden.

Die Haltung der SportschĂŒtzen ist klar: Sie wollen ihren Sport verantwortlich und mit Freude betreiben – schlechte Nachrichten beim Einsatz von Waffen außerhalb des Sports sind auch schlecht fĂŒr die SchĂŒtzengesellschaften, noch schlechter, wenn „SchĂŒtzen“ darin verwickelt sind.

„Offensiver“ Umgang

Deshalb macht ein Tag der offenen TĂŒr wie am Sonntag sehr viel Sinn. Die Besucher können sich davon ĂŒberzeugen, dass die Heddesheimer SchĂŒtzen ein Verein sind, der seine Verantwortung ernst nimmt und sicher keine Trendsportart anbietet, aber eine, bei der man sehr viel mehr ĂŒber sich selbst lernt, als bei manch einem anderem Sport.

Wer Lust und Zeit hatte, konnte sich historische Waffen anschauen, sich diese erklĂ€ren lassen, selbst schießen oder VorfĂŒhrungen beobachten.

Ein neues Mitglied hat der Tag gebracht, rund 30 Personen haben sich teils sehr interessiert. Mit der Resonanz ist der Verein zufrieden. Die Heddesheimer SchĂŒtzen wissen, dass sie keine Massensportart anbieten, sondern einen ausgefallenen Sport. Wer sich dafĂŒr interessiert, ist bei den SportschĂŒtzen gut aufgehoben.

Und ich weiß eins, was ich schon vorher vermutet habe: Was man in Actionfilmen sieht, hat mit der RealitĂ€t wenig zu tun.

[nggallery id=112]

In eigener Sache: Glosse, Satire, Kommentar, Artikel…

Guten Tag!

Liebe Leserinnen und Leser,

in den vergangenen Tagen haben wir sehr, sehr viele RĂŒckmeldungen zum heddesheimblog bekommen. Das freut uns und alle, auch Sie, die daran beteiligt sind.

Was uns nicht freut, ist, dass nicht alle verstehen, was hier wie veröffentlicht wird. Das heddesheimblog ist ein journalistisches Angebot. Das heißt, alle Veröffentlichungen unterliegen dem Presserecht und dem Grundgesetz.

Die Veröffentlichungen verwenden unterschiedliche Stilmittel, auch Darstellungsformen genannt. Obwohl wir in einer „Mediengesellschaft“ leben, scheinen viele Menschen diese Feinheiten nicht zu kennen. Deswegen fasse ich die wichtigsten hier zusammen, zum besseren VerstĂ€ndnis und als Argumentationshilfe, wenn Sie mit anderen ĂŒber das heddesheimblog diskutieren.

Journalistische Stilmittel (hier gehts zur ÃƓbersicht auf Wikipedia)

Artikel:
Dieser Begriff trifft auf alle journalistischen Texte zu. Also die Nachricht oder Meldung, den Bericht, die Reportage, das Interview, den Kommentar, die Glosse, die Satire, das Feature, das PortrĂ€t…
Journalisten nennen einen Artikel auch „StĂŒck“ oder „Riemen“ (besonders langer Text)

Meldung, Nachricht, Bericht:
Das sind kurze Formen journalistischer Texte. Sie beantworten die sogenannten W-Fragen (Wer hat wann was warum mit welcher Wirkung usw. getan), die beliebig erweiterbar sind.

Artikel:
Eigentlich der Oberbegriff fĂŒr alle Texte. Wird aber hĂ€ufig fĂŒr einen umfassenden Text verwendet, der deutlich lĂ€nger als ein Bericht ist.

Reportage, Feature:
Das sind sehr bildhafte Darstellungen auch mit persönlichem Blick des Journalisten. Eine Reportage muss vom Journalisten selbst „erlebt“ sein, das heißt, er ist vor Ort gewesen. Die Berichterstattung kann subjektiv sein.
Beispiel: SPD-Kandidatenvorstellung lÀuft aus dem Ruder

PortrÀt:
Bei Personen eine sehr persönliche Darstellung mit Elementen der Reportage, des Interviews, des Features. Bei Unternehmen oder Institutionen etwas sachlicher.
Beispiel: Unser Mann von der Tankstelle

Kommentar:
Subjektiver Artikel, in dem entweder das FĂŒr und Wider von Argumenten abgewogen wird oder eine eigene Meinung pointiert dargestellt wird.
Beispiel: Herr Kessler ist in Not oder Die „sauberste Lösung“

Glosse:
aus Wikipedia: „Ein Sammelbegriff fĂŒr besonders kurze Meinungsartikel mit einer sehr spitzen Argumentation. In einer Glosse können aktuelle Themen jeder Art behandelt werden, sie werden allerdings aus sehr subjektiver Sicht gesehen. Meist ist ihr Unterton heiter und ironisch…“
Beispiel: Das Gesetz der Omerta

Satire:
aus Wikipedia: „…ist eine Spottdichtung, die mangelhafte Tugend oder gesellschaftliche MissstĂ€nde anklagt. Historische Bezeichnungen sind im Deutschen auch Spottschrift, Stachelschrift und Pasquill (gegen Personen gerichtete satirische SchmĂ€hschrift).
Beispiel: +++Verschlusssache+++

Einen schönen Tag wĂŒnscht

Das heddesheimblog