Montag, 08. August 2022

In eigener Sache: Neue Seiten

Guten Tag,

unter Seiten finden Sie nur rechts in der Spalte drei neue Unterseiten:

Heddesheim: Kommunalwahl 2009

Heddesheim: News

Heddesheim: Politik

Die Seiten enthalten thematisch geordnet die bereits ver├Âffentlichten Artikel zum betreffenden Thema.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

„Man darf gespannt sein“

Offener Brief an den Mannheimer Morgen

von Helle Sema

Liebe Frau G├Ârlitz,

sch├Ân, dass Sie wieder da sind. Waren Sie in Urlaub? Ich denke mal schon und hoffe, Sie haben sich gut erhohlt.

Ge├Ąrgert haben Sie sich sicherlich, dass Sie Urlaub machen mussten, wo doch in unserem Heddesheim so viel los war.

Aber was passiert ist, k├Ânnen Sie ja Gott sei Dank hier auf dem heddesheimblog nachlesen.

Ich habe heute ihren Kommentar gelesen, leider erst jetzt, weil ich vorher keine Zeit hatte. Sie schreiben da: „Die FDP und CDU stehen Gr├╝n und Rot nun in gleicher St├Ąrke gegen├╝ber: eine Elf gegen die andere.“

Das geht so nicht, Frau G├Ârlitz. Also stilistisch schon mal nicht: Entweder stehen Schwarz und Gelb den anderen Farben gegen├╝ber oder die Parteien eben, dann aber korrekt nach der Gr├Â├če: CDU und FDP. Ansonsten denkt man noch, die FDP sagt der CDU wo es langgeht. Soweit sind wir in der Heddesheim nicht, noch nicht.

Und inhaltlich, Frau G├Ârlitz, inhaltlich, geht das ja schon mal gar nicht. So wie der Herr Prothmann seit Wochen die CDU berechtigterweise in der Mangel hat, glauben Sie doch nicht im Ernst, dass es da zu einer „Mannschaft“ kommt?

Vielleicht rechnen Sie aber auch damit, dass Herr Prothmann schnell hinschmei├čt und dann wieder Frau Pilarczyk kommt? Ich habs eben recherchiert, der Prothmann denkt nicht dran. Und haben Sie auch Frau Kemmet gefragt, ob die mit der CDU kicken will?

Wie also soll da eine „Elf“ zusammenkommen?

Auch das mit der Elf…. ist so ne Sache, Frau G├Ârlitz. Ich verstehs ja, aus 11 macht Elf und schon hat man zwei Mannschaften. Die Idee hat was, passt aber kaum zu einem ├╝berwiegend doch ├Ąlteren Gemeinderat, in dem zudem drei Frauen sitzen (nur drei!).

Oder ist ihre n├Ąchste Idee, dass die nicht mehr abstimmen, sondern alles auf dem Platz unter sich ausmachen? Die H├Ąlfte w├╝rde keine 90 Minuten ├╝berleben und die sind doch schlie├člich f├╝r f├╝nf Jahre gew├Ąhlt.

Andererseits, so von Kommentator zu Kommentatorin, also quasi unter KollegInnen: Es f├Ąllt einem halt auch nicht immer was ein. Ist wie beim Fu├čball, der Basti ist ja auch nicht immer torgef├Ąhrlich. Aber er schie├čt auch nicht so viele Eigentore wie…

Nein, das schreib ich jetzt nicht, wer mir alles dazu einf├Ąllt.

Und lesen Sie noch Mal die Schl├╝sse ihres Kommentars: Da bem├Ąngeln Sie, dass es den „├╝brigen Parteien“ nicht passt, dass die „Pfenning-Gegner“ gew├Ąhlt wurden. Das ist unscharf. Eigentlich geht es nur um eine Partei, die CDU. Immerhin ist ein profilierter Pfenning-Gegner Herr Bowien, der sitzt bei der SPD, die Gr├╝nen haben sowieso sechs von sechs Gegnern und der Prothmann ist auch kein Freund des Projekts und ist auf der FDP-Liste gew├Ąhlt worden.
„├â┼ôbrig“ bleibt also nur die CDU oder die ├╝brigen Gemeinder├Ąte. Aber ich will ihnen jetzt ihren Text nicht neu schreiben.

Und Sie schreiben, dass „es zweitens (den „├╝brigen“) nicht gelungen sei, sich mit „sonstigen“ Themen zu „profilieren“. Das stimmt, aber dann schreiben Sie: „Das allerdings muss vielen jener neuen Gemeinder├Ąte….auch erst einmal gelingen.“ Wieso m├╝ssen die jetzt f├╝r die „├╝brigen“ den Karren aus dem Dreck ziehen, frage ich mich da.

Eines ├╝brigens ist den „Neuen“ schon gelungen: Sie haben ein paar der „Alten“ ersetzt. Und ich bin wirklich gespannt drauf, wie der Rest der „Alten“ damit zu Recht kommt.

Ihr Helle Sema

In eigener Sache: Das heddesheimblog, Berichterstattung und Wahlkampf

Guten Tag,

Ende April 2009 ist das heddesheimblog gestartet.

Bis heute sind 149 Artikel erschienen. Rund 60 Kommentatoren haben 380 Kommentare geschrieben, 18 Kommentare wurden wegen Verst├Â├čen gegen Pers├Ânlichkeitsrechte oder verbaler Ausf├Ąlle gesperrt.

Rund 14.000 Besucher haben sich in dieser Zeit f├╝r das heddesheimblog interessiert und rund 115.000├é┬áSeiten wurden aufgerufen. Die Aufrufe der Kommentare nicht mitgez├Ąhlt.

Das heddesheimblog ist aus einem Informationsdefizit entstanden.

In Heddesheim will sich ein Logistik-Unternehmen, die „Pfenning-Gruppe“, niederlassen. Doch die Informationen des Rathauses, der politischen Parteien, des Gemeinderates, des Unternehmens sowie des regionalen Zeitungsmonopolisten Mannheimer Morgen sind mangelhaft.

Aus diesem Grund hat sich der freie Journalist Hardy Prothmann entschlossen, diesem Informationsdefizit, eine Informationsplattform entgegenzusetzen.

Die ├â┼ôberpr├╝fung der Aussagen von Entscheidungstr├Ągern, die Recherche von Hintergr├╝nden, der Blick ├╝ber den Tellerrand, die Dokumentation der Ereignisse sind hier im heddesheimblog nachzulesen.

Das heddesheimblog bedankt sich an dieser Stelle auch bei allen Heddesheimern, die ihre Leserbriefe hier ver├Âffentlicht haben und allen, die mit Informationen zur Ver├Âffentlichung von Artikeln beigetragen haben!

Morgen wird in Heddesheim ein neuer Gemeinderat gew├Ąhlt. Der neue Rat wird genauso kritisch begleitet wie der amtierende. Unter kritisch versteht das heddesheimblog den urspr├╝nglichen Begriff: kriteia, die Kunst, die Dinge auseianderzuhalten.

Auch nach der Wahl wird das heddesheimblog├é┬á├╝ber die Entwicklungen beim „Pfenning-Projekt“ berichten.

Wie gewohnt, wird kein Terminjournalismus stattfinden, der aufschreibt, was irgendjemand aufgeschrieben haben will.

Die Recherche, also die ├â┼ôberpr├╝fung von Fakten, ist oberstes Gebot. Recherche hei├čt aber auch, neue Aspekte zu finden und Themen zu erweitern.

Der bisherigen Berichterstattung ist von diversen Kommentatoren und auch au├čerhalb dieser website vorgeworfen worden, sie sei „einseitig“, „schlecht recherchiert“, „gesiebt“, „manipulativ“, „interessengesteuert“ oder „eigenn├╝tzig“ usw.

Diese Kritiker hat das heddesheimblog immer wieder aufgefordert, diese Unterstellungen mit Belegen aus den ver├Âffentlichten Artikeln zu belegen. Es blieb bei den Unterstellungen.

Das heddesheimblog hat es sich durch seine f├╝r die Gemeinde Heddesheim ungewohnte Berichterstatttung zun├Ąchst mit allen Parteien, dem B├╝rgermeister, dem Gemeinderat „verscherzt“.

Das war niemals das Ziel der Berichterstattung. Aber die Folge.

F├╝r die weitere Berichterstattung spielen die Anfeindungen und die Informationsverweigerung durch den B├╝rgermeister, die CDU und Teile der anderen Parteien keine besondere Rolle. Es gibt immer auch andere Wege, um an Informationen zu kommen.

Dem heddesheimblog wurde auch vorgeworfen, es wolle „belehren“ oder sich ├╝ber „andere erheben“.
Auch das sind Vorw├╝rfe, die unhaltbar sind und nicht belegt wurden.

Das heddesheimblog informiert und bietet mit zahlreichen Links zu anderen Informationsangeboten im Internet offensiv die Kontrolle der eigenen Informationen an.
Die Informationsfreiheit ist ein sehr hohes Gut und das heddesheimblog f├Ârdert diese, so gut es kann.

Am Anfang der Berichterstattung konnten nur wenige├é┬ádamit umgehen, dass urpl├Âtzlich „irgendjemand“ Fragen stellt und sich nicht „zur Ordnung“ rufen l├Ąsst. Im Mitteilungsblatt und im Mannheimer Morgen gibt es immer nur „Schmuse“-Artikel, die niemandem „weh“ tun.

Das heddesheimblog will auch niemandem aus Prinzip weh tun. Aber wenn es sein muss, scheut es sich nicht davor, die Fakten zu nennen, die dann „schmerzen“ – egal, wer das ist.

Die Gr├╝nen haben als erste verstanden, dass die Berichterstattung hier nur Bericht erstattet – auch wenn der Partei das nicht gef├Ąllt. Auch in der FDP und in der SPD zeigen sich Mitglieder gespr├Ąchsbereit und verst├Ąndig, dass Dinge, die kritisiert werden m├╝ssen, auch kritisiert werden. Bis heute zeigt sich allein die Heddesheimer CDU resistent gegen jede Form von Eigenkritik.

Dabei hat das heddesheimblog von Anfang an jedem der Akteure ein Gespr├Ąchsangebot gemacht. Das gilt auch weiterhin.

Obwohl es viel Aufregung gab, haben sich Heddesheimer ohne Angst bereit erkl├Ąrt, sich im heddesheimblog portr├Ątieren zu lassen. Das verdient Respekt.

Allerdings gab es auch zu ganz unpolitischen Anfragen Ablehnungen: „Mich kennt jeder im Ort, ich brauche von Ihnen kein Portr├Ąt“, erwiderte eine Heddesheimerin eine Portr├Ątanfrage.
Auch hier liegt ein Missverst├Ąndnis vor: Die Portr├Ąts werden nicht geschrieben, weil die betreffende Person das „braucht“, sondern, um den Lesern eine Person vorzustellen. Wenn diese aber schon „jeder kennt“, dann schreibt das heddesheimblog halt nichts dazu. Das w├Ąre ja auch irgendwie Zeitverschwendung.

Andere haben die Berichterstattung zum Anlass genommen, langj├Ąhrige Nachbarschaften und ein gutes Miteinander aufzuk├╝ndigen, nur weil Heddesheimer in irgendeinem Kontakt zum Journalisten Hardy Prothmann stehen. Das ist bedauerlich. Aber es ist zu ├Ąndern, wenn man bereit ist, nochmal nachzudenken.

Das heddesheimblog wird also weiter zum Thema Pfenning berichten. Unabh├Ąngig, ergebnisoffen und ohne R├╝cksichtnahmen auf irgendwelche Befindlichkeiten.
Der Tagesthemen-Moderator Hajo Friedrichs hat immer gesagt: Ein Journalist soll sich nicht mit einer Sache gemein machen – auch nicht mit einer „guten“. So h├Ąlt es auch das heddesheimblog .

Die Berichterstattung ├╝ber andere Themen wird ausgebaut. So die Reihe „Ich bin ein Heddesheimer“ oder Berichte ├╝ber Kultur. Auch ├╝ber Vereine, Sport, die lokale Wirtschaft, soziale Themen wird berichtet werden.

Die enormen Zugriffszahlen zeigen, dass die Heddesheimer ein Bed├╝rfnis nach gut recherchierten und unabh├Ąngigen Informationen haben und dass sie genauso gerne politische Themen lesen wie hintergr├╝ndige und unterhaltende.

Wenn Sie ein Thema haben, ├╝ber das „mal was geschrieben werden m├╝sste…“, dann nehmen Sie Kontakt zu uns auf.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

Spiel mit gezinkten Karten

Kommentar: Hardy Prothmann

B├╝rgermeister Michael Kessler betreibt ein falsches Spiel.

Am 22. Januar beschlie├čt der Gemeinderat unter Leitung Kesslers die Pfenning-Ansiedlung in Heddesheim. Am 4. Februar erf├Ąhrt die ├ľffentlichkeit aus der Presse von diesem Vorhaben. Erst am 18. Februar, also 14 Tage sp├Ąter,├é┬áerf├Ąhrt die ├ľffentlichkeit , also die Heddesheimer B├╝rger, durch die Gemeinde von diesem Vorhaben. Am 21. April pr├Ąsentiert B├╝rgermeister Kessler auf einer „B├╝rgerinformationsveranstaltung“ sichtlich genervt ob des enormen Interesses (├╝ber 500 B├╝rger waren gekommen) die geplante Ansiedlung und macht deutlich, dass „eigentlich alles schon gelaufen“ ist.

Am 02. Juni 2009, erkl├Ąrt Herr Kessler der ├ľffentlichkeit auf einer Pressekonferenz, dass doch noch nicht alles endg├╝ltig entschieden ist und will „in den Dialog mit den B├╝rgern treten“. Also ├╝ber vier Monate nach der ersten Entscheidung.

Im Gespr├Ąch sind die Pfenning-Gruppe und Herr Kessler nach belegten Informationen des heddesheimblogs zu diesem Zeitpunkt schon ├╝ber ein Jahr.

F├╝r die Moderation dieses „Dialogs“ engagiert Herr Kessler das Unternehmen IFOK GmbH aus Bensheim. Die ├╝blichen Beraterhonorare f├╝r eine solches „public relations (PR)“-Unternehmen, das auch Krisen-PR betreibt, liegen zwischen 1000-2000 Euro pro Tag. Das Auftragsvolumen d├╝rfte also ohne weiteres mehrere zehntausend Euro ausmachen. Bezahlt aus der Gemeindekasse, also von uns, den B├╝rgern.

Die B├╝rger zahlen also f├╝r einen „ergebnisoffenen“ Dialog, der hinter verschlossenen T├╝ren gesteuert wird. Das ist, wenn ├╝berhaupt, ein schlechter Witz. Die Karten werden nicht neu gemischt, wie der ├ľffentlichkeit vorgemacht wird.

In der Pokerrunde aus ├ľffentlichkeit, B├╝rgermeister, Gemeiderat, Pfenning-Gruppe und IG neinzupfenning, sind die Bl├Ątter und die Joker schon verteilt.

Durch die Vorabinformation der Pfenning-Gruppe ist klar, wer die Joker in H├Ąnden h├Ąlt: Der B├╝rgermeister, der Gemeinderat und die Pfenning-Gruppe. Gespielt wird um das Vertrauen der B├╝rger. Das ist der Einsatz.

Herr Kessler hat am Dienstag diesen Einsatz erh├Âht, indem er die Moderation des Dialogs, also das Gespr├Ąch an eine angeblich neutrale Firma f├╝r teures Geld vergeben hat. Die Erh├Âhung des Einsatz lautet: Glaubw├╝rdigkeit.

Diesen Einsatz hat Herr Kessler, belegt durch den Anzeigenschwindel im aktuellen Mitteilungsblatt, kaltblütig verspielt.

„Unsere Aufgabe ist, das konstruktive Gespr├Ąch zu erm├Âglichen“

Das heddesheimblog hat nachgefragt, was Gegner und Bef├╝rworter des Pfenning-Projekts von der Moderation der gegens├Ątzlichen Standpunkte zum Thema „Pfenning-Ansiedlung“ erwarten k├Ânnen. Ende Juni soll der Dialog beginnen.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Ingerfeld, eine Moderation hat es in Heddesheim in dieser Form noch nicht gegeben. Wie kann man sich das vorstellen, was Sie da so machen?
Andreas Ingerfeld: „Im ersten Schritt geht es darum, die Fakten zu kl├Ąren. Zum Beispiel: Wie gro├č und wie hoch soll das Logistikzentrum wirklich werden? Welche Zufahrtswege sind betroffen, mit welchen Verkehrsstr├Âmen? Und alle weiteren Fragen, die Teilnehmer, B├╝rgerinnen und B├╝rger f├╝r wichtig erachten.

Ein Blick auf die bisherigen Meinungs├Ąu├čerungen zeigt, dass zu vielen Fragen heute unterschiedliche Informationen kursieren. Wir m├╝ssen also gemeinsam kl├Ąren, was wirklich die Fakten sind und ├╝ber welche Punkte wir genau sprechen. Wo n├Âtig werden wir dabei auch Experten befragen. So n├Ąhern wir uns Schritt f├╝r Schritt mit den Teilnehmern des Dialogs einer gemeinsamen Informationsbasis.

Jede Meinung soll vertreten sein

Zu diesem Dialog werden die wichtigen Akteure aus der Region – darunter Bef├╝rworter und Kritiker – eingeladen. Ganz wichtig dabei: Jede Meinung soll dabei am Tisch vertreten sein, damit wir eine ausgewogene und umfassende Diskussion erreichen.

Im Anschluss wird offen ├╝ber die dargelegten Daten, Darstellungen und Sichtweisen diskutiert. Es gilt, auch die Sichtweise des Gegen├╝bers zu verstehen. Auf dieser Grundlage k├Ânnen dann L├Âsungen gesucht werden oder eben auch Punkte festgestellt werden, an denen die Meinungen nicht vereinbar sind.“

Soll den Streit in ein Gespr├Ąch umwandeln: Andreas Ingerfeld. Bild: pro

Soll den Streit in ein Gespr├Ąch umwandeln: Andreas Ingerfeld. Bild: pro

Wieso sollte durch ihre Moderation mit einem Mal ein Dialog m├Âglich sein, der vorher nicht m├Âglich war?
„Bisher stand der Meinungsaustausch ├╝ber die Presse im Vordergrund, ein Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren fand nur punktuell statt. Dies ist typisch f├╝r einen formalen Genehmigungsprozess, an dessen Ende die einfache Entscheidung „ja“ oder „nein“ steht.

Der Dialog schafft hingegen einen Gestaltungsrahmen, der weit ├╝ber den formalen Prozess hinaus zus├Ątzliche M├Âglichkeiten er├Âffnet und diesen umgekehrt beeinflussen kann.

Unsere Aufgabe beim Dialog ist es, eine offene Arbeitsatmosph├Ąre zu schaffen, in der die Teilnehmer konstruktiv miteinander diskutieren und sich offen ├╝ber die jeweiligen Meinungen und Standpunkte austauschen k├Ânnen. Daf├╝r werden wir feste Spielregeln verabreden und einhalten. Dies setzt nat├╝rlich auch die Gespr├Ąchsbereitschaft der Akteure – Kritiker wie Bef├╝rworter – voraus.

F├╝r den Dialog braucht es feste Spielregeln

Wie k├Ânnen die B├╝rger Ihnen vertrauen, dass Sie auch objektiv mit der Sache umgehen? Schlie├člich bekommen Sie ihr Honorar von der Gemeinde!
Unser Honorar erhalten wir f├╝r die Moderation, nicht f├╝r das Erreichen eines bestimmten Ergebnisses. Als Moderator sind wir der Neutralit├Ąt verpflichtet. Kritiker und Bef├╝rworter des geplanten Logistikzentrums werden sehr genau darauf achten, wie wir uns hier verhalten: Ihre Haltung dem Moderator gegen├╝ber ist dessen beste Referenz.

Als Moderator haben wir eine klare Position: Alle Teilnehmer sind gleichberechtigt und alle haben die gleiche M├Âglichkeit, ihre Standpunkte zu erl├Ąutern und Themen zu setzen. Die Gemeinde tritt dabei als ein gleichberechtigter Akteur von vielen auf.“

Schildern Sie doch bitte, was aus ihrer Sicht, wann die Moderation erfolgreich ist.
„Aus meiner Sicht ist die Moderation dann erfolgreich, wenn konstruktiv und mit Respekt vor der Meinung und der Position des Gegen├╝bers diskutiert wird. Und wenn – wo m├Âglich – nach L├Âsungen gesucht wird. Wenn Austausch und L├Âsungsorientierung am Ende wichtiger sind als Positionsk├Ąmpfe und Polemik.
Dieser Erfolg ist nicht an ein bestimmtes Ergebnis gebunden, sondern an die Idee des Gemeinwohls.“

Was k├Ânnte den Erfolg behindern?
„Eine Behinderung entsteht dann, wenn einzelne nicht gespr├Ąchsbereit sind oder die Meinung eines Gegen├╝ber nicht als dessen eigene Sichtweise akzeptieren; auch ein Mangel an Offenheit oder Transparenz kann den Dialog gef├Ąhrden. Da ist dann der Moderator gefragt.“

Wann wird es die ersten Gespr├Ąche geben?
„In den kommenden Wochen werden wir die ersten Gespr├Ąche mit den Akteuren f├╝hren. Die konstituierende Sitzung mit den Dialogteilnehmern ist f├╝r Ende Juni geplant. Danach werden die Sitzungen zun├Ąchst bis Ende September im 4-Wochen Rhythmus stattfinden.“

Zur Person:
Andreas Ingerfeld ist Mitglied der Gesch├Ąftsleitung der IFOK GmbH, Bensheim und von der Gemeinde Heddesheim beauftragt, zwischen Gegnern und Bef├╝rwortern des „Pfenning-Projekts“ zu moderieren.

Kosten-Nutzen-Analyse zum Pfenning-Projekt

Guten Tag,

der SPD-Kandidat bei der Gemeinderatswahl├é┬á Michael Bowien hat dem heddesheimblog eine „vorl├Ąufige Kosten-Nutzen-Analyse zum Pfenning-Projekt“ zur Verf├╝gung gestellt.

Der Diplom-Volkswirt Michael Bowien ist einer der wenigen Kandidaten, die ihre Entscheidung nicht an eine Bedingung kn├╝pfen. Er schreibt, ohne Mitglied der Interessengemeinschaft zu sein, zum Schluss seines Papiers: „Deshalb komme ich zu dem Ergebnis: Nein zu Pfenning!“

Hier k├Ânnen Sie das Dokument downloaden.
(Linksklick ├Âffnet pdf-Dokument in neuem Fenster, Rechtsklick Ziel-speichern-unter w├Ąhlen f├╝r download).

Ausz├╝ge aus dem 10-Seiten-Papier lesen Sie hier:

Zu den m├Âglichen Einnahmen:
„Im einem Interview mit dem Mannheimer Morgen wird der B├╝rgermeister zu einer Frage nach den Kosten, die das Pfenning-Projekt im Einzelnen aufwirft, mit den Worten zitiert: „Ich kann da noch keine belastbaren Zahlen nennen.“ Im selben Interview behauptet er dann, um zu ermitteln, was f├╝r die Gemeinde unterm Strich ├╝brig bleibe, seien alle Kosten, die auf die Gemeinde zukommen, bedacht worden. Was soll man davon halten?“

Die Aussage „gr├Â├čter Gewerbesteuerzahler am Ort“ dagegen ist v├Âllig nichtssagend und wertlos.“ Michael Bowien

Zur erwarteten Gewerbesteuer:
„Schlie├člich muss man als Gemeinde (m├Âglichst in Abstimmung mit dem Investor) eine Aussage treffen, welches Szenario und damit welche Gewerbesteuer man f├╝r wahrscheinlich und realistisch h├Ąlt. Letztlich m├╝ssen diese Betr├Ąge auch in die Haushalts- und mittelfristige Finanzplanung eingehen.
Solche Aussagen ├╝ber Annahmen und Erwartungen haben nichts mit einer Verletzung des Steuergeheimnisses zu tun, sondern sind unabdingbare Planungs- und Entscheidungsgrundlagen. Die Aussage „gr├Â├čter Gewerbesteuerzahler am Ort“ dagegen ist v├Âllig nichtssagend und wertlos.“

„Hinter den nebligen Aussagen von Pfenning selbst sowie von Verwaltung und Gemeinder├Ąten zur Gewerbesteuer aus dem Pfenning-Projekt steckt also sehr wahrscheinlich die schlichteWahrheit, dass aus der Ansiedlung von Pfenning auf absehbare Zeit keine Gewerbesteuer flie├čen wird.“

„Arbeitspl├Ątze sind ein positiver Aspekt, jedoch mit geringem Gewicht.“ Michael Bowien

Zu Arbeitspl├Ątzen:
„Es entsteht kein einziger neuer Arbeitsplatz. Es handelt sich vielmehr um eine reine Verlagerung vorhandener Arbeitspl├Ątze, die innerhalb der Metropolregion Rhein-Neckar verschoben werden. Dennoch wird sich aufgrund der normalen Fluktuation k├╝nftig sicher f├╝r den einen oder anderen Heddesheimer hier die M├Âglichkeit eines Arbeits- oder Ausbildungsplatzes am Wohnort auftun. Insofern ist dies ein positiver Aspekt, jedoch mit geringerem Gewicht als die Zahl „1000 Arbeitspl├Ątze“ beim ersten Hinsehen nahelegt.“

„Eine Sperrung der Ortsmitte
f├╝r den Schwerlastverkehr ist illusorisch.
Hier ist jeder weitere Lkw zuviel.“ Michael Bowien

Zum Verkehr:
„Davon abgesehen ist mit der Fertigstellung der Umgehungsstra├če fr├╝hestens 2016, angesichts der aktuellenWirtschafts-und Finanzkrise wahrscheinlich aber nicht vor 2020 zu rechnen. Im ├â┼ôbrigen muss jedem klar sein, dass die von manchen populistisch ins Spiel gebrachte Forderung nach einer Sperrung der Ortsmitte f├╝r den Schwerlastverkehr mindestens bis dahin illusorisch ist.“

„Ist ein schwerer LKW alle 18 Minuten nun viel oder wenig? Entscheidend ist, dass dieser Verkehr ja nicht f├╝r sich betrachtet werden kann, sondern zu dem vorhandenen Verkehr hinzukommt. F├╝r die Ortsmitte gilt: auch hier sind wir heute schon in einer im Grunde inakzeptablen Verkehrssituation. Zu Recht wird moniert, dass Kinder, Alte und Radfahrer sich bspw. im Bereich zwischen Edeka und „Schluckspecht“ h├Ąufig praktisch nur unter Lebensgefahr bewegen k├Ânnen. Hier ist jeder weitere LKW einer zuviel.“

„Besonders zu beachten ist dabei auch, dass vor allem im Sommerhalbjahr ein erheblicher Freizeitverkehr, vor allem von Familien und Kindern und wesentlich zu Fu├č oder mit dem Fahrrad, ├╝ber die Ringstra├če Richtung Sportzentrum (und zur├╝ck) erfolgt.
Man denke auch an die Parksituation beim Badesee an hei├čen Sommertagen. Bisher kann es sich die Gemeinde leisten, die „Wild-Parker“ auf der Ringstra├če an solchen Tagen zu tolerieren.Wie sieht das aus, wenn hier die zus├Ątzlichen 40-Tonner der Fa. Pfenning entlangfahren?“

„In der Dikussion des Schwerlastverkehrs wird der zus├Ątzliche PKW-Verkehr leicht ├╝bersehen. Zu beachten ist aber, dass zus├Ątzlich zu den 800 LKW-Bewegungen von den 750 Mitarbeitern vor Ort (die 250 Subunternehmer fahren teilweise die LKWs und sind in den LKW-Fahrten enthalten) nochmals eine wesentliche Anzahl von PKW-Fahrten nach und von Heddesheim verursacht werden.
Je nach Annahme (wieviele Fahrten im Ort werden in Pausenzeiten noch unternommen?) kommen hier nochmals ca. 2.000 Pkw-Fahrten pro Tag hinzu, die sich ebenfalls zu dem bereits vorhandenen Verkehr und zu dem neuen LKW-Verkehr addieren.
Es kann also keine Rede davon sein, dass „keine nennenswerten zus├Ątzlichen Belastungen in Richtung Ortskern“ von dem Projekt Pfenning ausgehen, sondern es wird ganz im Gegenteil vom Pfenning-Projekt eine erhebliche zus├Ątzliche Verkehrsbelastung in Richtung Ortskern ausgehen.“

„Die Gemeinde macht sich von dem Wohlergehen der Pfenning-Gruppe abh├Ąngig.“ Michael Bowien

Zu den Kosten:
„Es wurden der ├ľffentlichkeit keine konkreten Zahlen vorgelegt, wie sich dieser ├â┼ôberschuss errechnet. Aus meiner Sicht ist diese Zahl zweifelhaft, da beispielsweise nicht klar ist, mit welchen Aufwendungen die dauernden Kosten („Ewigkeitskosten“) der Pflege der ├Âkologischen Ausgleichsma├čnahmen, die von der Gemeinde ├╝bernommen werden m├╝ssen, veranschlagt sind.“

„Durch die Ansiedlung von Pfenning w├╝rde die Gemeinde auf einen Schlag ihr gesamtes noch f├╝r Gewerbeansiedlung verf├╝gbares Areal vergeben. Sie w├╝rde sich von einer gro├čen Firma und deren Wohlergehen wesentlich abh├Ąngig machen.
Sie w├╝rde damit auf die M├Âglichkeit der kleinteiligen Gewerbe-Weiterentwicklung und auf die Ansiedlung eines gesunden, krisen-unanf├Ąlligen Branchen-Mix verzichten. Sie w├╝rde auch auf die M├Âglichkeit der Ansiedlung zukunftstr├Ąchtigerer Branchen, als es die Logistik darstellt, verzichten.“

„W├Ąhrend andere Gemeinden froh sind, wenn sie eine diversifizierte Gewerbestruktur haben, w├╝rde sich Heddesheim mit der Ansiedlung der Pfenning-Gruppe f├╝r ihre Verh├Ąltnisse einen Gro├čbetrieb auf die Gemarkung holen, der alles andere dominiert.
Stellt man sich die Gemeinde als ein Mobil├ę vor, in dem B├╝rger, Verwaltung, Kirchen, Vereine und Gewerbe sich in einem schwebenden Gleichgewicht befinden, so stellt Pfenning einen Koloss dar, der dieses Gleichgewicht unwiderbringlich zerst├Ârt. Einmal am Ort, werden Pfenning- Interessen alles andere ├╝berlagern und dominieren.
Es besteht die Gefahr, dass Verwaltung und Gemeinderat k├╝nftig in vorauseilendem Entgegenkommen f├╝r Pfenning entscheiden oder, sollte dies nicht der Fall sein, von einem m├Ąchtigen Interessenvertretungs-Apparat geh├Ârig unter Druck gesetzt werden.“

Zitiert nach Michael Bowien: „Vorl├Ąufige Kosten-Nutzen-Analyse zum Pfenning-Projekt“, Stand: Ende Mai 2009

Das heddesheimblog

Was unzul├Ąssig bedeutet

Guten Tag,

der Antrag der Gr├╝nen-Fraktion in der Gemeinderatssitzung vom 20. Mai 2009 wurde durch die Mehrheit des Heddesheimer Gemeinderats abgelehnt.
Die SPD wollte dem Antrag nicht zustimmen, weil er „rechtswidrig“ sei.

Diese „Rechtswidrigkeit„, die in der rechtlichen Stellungnahme des Kommunalrechtamts nur „unzul├Ąssig“ hei├čt, basiert auf der Annahme, dass „B├╝rgerbegehren gegen beschlossene Bautleitpl├Ąne nach ├é┬ž21, Abs. 2, Satz 6 nicht stattfinden“.

Unklar ist bislang in der Rechtsprechung allerdings, ob ein „Aufstellungsbeschluss“ (den hat der Gemeinderat am 18. Februar 2009 beschlossen) bereits ein „Bauleitplan“ ist. Dazu gibt es noch keine Urteile.

Das Kommunalrechtsamt beruft sich dabei auf die vorliegende „Literatur“, das hei├čt, bereits ergangene Urteile, unter anderem dieses:
VGH Baden-W├╝rttemberg Beschlu├č vom 20.3.2009, 1 S 419/09
B├╝rgerentscheid ├╝ber Bauleitplanung
Leits├Ątze
„Der Ausschlussgrund nach ├é┬ž 21 Abs. 2 Nr. 6 GemO erfasst ├╝ber den Wortlaut der Regelung hinaus grunds├Ątzlich die Bauleitplanung im Sinne des ├é┬ž 1 BauGB. Ob der Aufstellungsbeschluss nach ├é┬ž 2 Abs. 1 BauGB als Grundsatzentscheidung b├╝rgerentscheidsf├Ąhig ist, bleibt offen.“

Das Urteil des VGH beruft sich bei der Ablehnung ausdr├╝cklich auf die verstrichene Frist, innerhalb derer der Antrag h├Ątte gestellt werden m├╝ssen.
Vereine wie Mehr Demokratie e.V., die Basisdemokratie f├Ârdern wollen, kritisieren genau diese in ihren Augen zu kurze Fristen. Auch die Gr├╝nen im Stuttgarter Landtag wollen eine Initiative auf den Weg bringen, um mehr Basisdemokratie m├Âglich zu machen.

Am 20. April 2009 berichtet die ka-news ├╝ber das Urteil:
„Stets betont hatte die Stadt auch, dass es sich bei Ablehnung des B├╝rgerbegehrens nicht um eine politisch motivierte Ermessensentscheidung, sondern um das Ergebnis aus zwingenden gesetzlichen Vorschriften handle. Auch dies werde durch die VGH-Entscheidung untermauert und die immer wieder aufgekommenen Vorw├╝rfe an den Gemeinderat und die Verwaltung seien damit entkr├Ąftet.“

Hintergrund ist die Ansiedlung des Edeka-Fleischwerks in Rheinstetten, gegen die sich die B├╝rgerinitiative „Die Siedler von KA“ richtet. Der Vorgang, wie B├╝rgermeister und Gemeinderat einerseits und die Gegner des Projekt andererseits sich ├╝ber das Bauvorhaben auseinandersetzen, hat erstaunliche Parallelen zur geplanten Pfenning-Ansiedlung in Heddesheim.

Wir berichten in den kommenden Tagen weiter zum Thema B├╝rgerbegehren.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht

Das heddesheimblog

„Wir kommen hier nicht weg.“

In zwei Wochen sind Kommunalwahlen. Die Themen, f├╝r die sich die Parteien einsetzen wollen, sind vielf├Ąltig. Die „Jugend f├Ârdern“ wollen alle. In den Programmen steht das zumindest drin. Nur wie genau die Jugend gef├Ârdert werden soll, dazu steht wenig bis gar nichts drin.

Das heddesheimblog hat sich mit Jugendlichen getroffen und sie gefragt, wie es f├╝r sie so ist in Heddesheim.

Das heddesheimblog: Gibt es genug Angebote f├╝r die Jugend in Heddesheim?
Dominic (15): „Es gibt fast gar nichts in Heddesheim f├╝r uns. Klar, im Sommer gehen wir an den Badesee und im Winter auf die Eisbahn. Das ist schon gut. Aber sonst? Bleibt nur die Stra├če.“
Okan (16): „Es gibt auch kaum Caf├ęs oder irgendwas, wo wir uns treffen k├Ânnen. Kneipen sind sowie nichts f├╝r uns.“
Mohammed (17): „Es gibt nur wenig Pl├Ątze, wo wir uns treffen k├Ânnen, wie hier an der Schule. Ab 22:00 Uhr kommt aber meistens die Polizei und schickt uns weg.“

„Wir f├╝hlen uns ungerecht behandelt.“

Das heddesheimblog fragt nach, wie die Jugendlichen das erleben. Einer sagt: „Wir f├╝hlen uns ungerecht behandelt, wenn wir weggeschickt werden und echt leise waren. Wir w├╝rden es ja kapieren, wenn wir laut gewesen w├Ąren, sind wir aber meistens nicht. Und wenn dann noch ein Polizist kommt und uns richtig bl├Âd anmacht, dann k├Ânnen wir das nicht verstehen. Es gibt aber auch Polizisten, die sagen das so, dass wir uns nicht bl├Âd f├╝hlen m├╝ssen.“

Es gibt kaum Angebote f├╝r uns, sagen Jugendliche.

"Es gibt kaum Angebote f├╝r uns", sagen jugendliche Sch├╝ler und Azubis. Bild: pro

Katrin (17): „Eigentlich k├Ânnen wir nirgendwo hin. Spielpl├Ątze sind nicht erlaubt, ab 22:00 Uhr gehts nicht mehr hier an der Schule.“
heddesheimblog: „Aber es gibt doch das JUZ?“
Alle lachen. Der Witz muss gut gewesen sein.
Mohammed: „Montag, Mittwoch und Freitag. Mittwoch ist ab 20:00 Uhr Schluss.“
Marvin (17): „Und in den Ferien ist es zu.“
Danny (16): „Ab und zu gehen wir mal hin. Billard spielen. Aber ehrlich, dass Angebot ist nicht gerade toll.“

Party? Fehlanzeige!

Alle stimmen zu. Diskutieren ein wenig, dann ist klar: Das JUZ ist nicht wirklich das, was ihnen gef├Ąllt.
„Seit der Schl├Ągerei vor zwei Jahren oder so gibt es auch keine Partys mehr“, sagt einer. „Genau, das waren aber nicht wir, das waren die vor uns. Egal, f├╝r uns gibts das halt nicht mehr“, sagt ein anderer. „Vielleicht f├╝r die 10-12j├Ąhrigen, aber nicht f├╝r uns.“

Wer „Party machen will“, muss raus aus Heddesheim. Manche gehen nach Heidelberg, zum Beispiel in die Diskothek „Nachtschicht“: „Hinkommen ist nicht so schlimm, aber zur├╝ck geht es nur mit dem Taxi.“ Das kostet 40 Euro. Plus Eintritt und Getr├Ąnke sind da schnell 20-30 Euro weg – aber nur, wenn vier sich das Taxi teilen, sonst wird es richtig teuer.

„Wir kommen hier nicht weg.“

„Wir kommen hier nicht weg“, sagen alle. Der letzte Bus nach Ladenburg f├Ąhrt um sechs Uhr, sagen sie: „Angeblich, damit es keinen Dreck und Stress gibt. Durch Heddesheimer, die nach Ladenburg fahren oder andersrum. Das ist doch Quatsch. Wir k├Ânnen auch laufen oder mit dem Rad fahren. Wer Stress machen will, macht den. Wir wollen keinen Stress machen, sondern einfach nur mal raus, was erleben.“

Dann erz├Ąhlen sie Geschichten. Wie sie immer wieder weggeschickt werden. Dass sie keinen Platz haben. Die Pl├Ątze, wo sie├é┬ákeinen Stress – von wem auch immer haben -├é┬áwollen sie nicht sagen: „Sonst schicken die uns da auch weg.“ Die, das sind die „Wegschicker“, irgendwer halt, der die Polizei ruft.

Die Vereine, ja klar, die sind da und jeder war mal schon in einem oder ist es noch: „Aber das ist nicht alles. Wir kicken, turnen, machen sonst was, aber wir wollen uns auch einfach nur treffen, abh├Ąngen oder Spa├č haben und daf├╝r gibt es hier f├╝r uns nichts“, sagt einer.

„Um 04:15 Uhr aufstehen, ist hart, aber ich muss um 5:00 Uhr die Bahn bekommen.“

Das heddesheimblog fragt nach, wie ihre Berufsw├╝nsche sind. Und welche M├Âglichkeiten sie haben.
Mohammed: „Ich habe nach der Schule ein Praktikum gemacht. F├╝nf von 80 Bewerbern um eine Lehrstelle sind genommen worden, ich habe eine bekommen. Hart ist nur, dass ich f├╝r die Arbeit um 04:15 Uhr aufstehen muss, weil ich um 5:00 Uhr die Bahn zur Arbeit bekommen muss.“
Katrin: „Ich hatte keine Schwierigkeiten, eine Ausbildungsstelle zu bekommen.“
Marc (17): „Ich habe eine Ausbildung als Speditionskaufmann angefangen, das war aber gar nichts. Ich mache jetzt wieder Schule.“

„Die Politiker sagen doch sowieso alle dasselbe.“

Das heddesheimblog fragt nach, ob die Jugendlichen Politiker kennen oder denken, dass diese etwas f├╝r sie tun und ob sie sp├Ąter w├Ąhlen wollen?
Max (Name ge├Ąndert, d. Red.) (18): „Wei├č noch nicht. Die Politiker sagen doch sowieso alle dasselbe. Ich wei├č noch nicht, ob ich w├Ąhlen gehe.“
Die anderen sagen nichts. Sie k├Ânnen ja noch nicht w├Ąhlen und sind ├Ąhnlich unsicher.

Zum Text:
Das heddesheimblog hat Jugendliche auf der Stra├če angesprochen und um ein Gespr├Ąch gebeten und darum, Freunde mitzubringen. Wer Lust und Zeit hatte, sollte kommen. Gekommen sind rund ein Dutzend Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahre alt.
Der Treffpunkt war schnell gew├Ąhlt. Weil es nicht viel gibt, treffen sie sich oft an der Johannes-Kepler-Schule. Hier ist f├╝r sie sp├Ątestens um 22:00 Uhr Schluss, dann werden sie vertrieben.
Das JUZ bietet zu wenig und raus aus Heddesheim kommen sie zwar, aber nicht mehr zur├╝ck: Das ist ihr dringendstes Problem: Busverbindungen.
Gerne w├╝rden Sie auch im Ort ab und zu „eine Party machen“. Aber daf├╝r gibt es keine M├Âglichkeiten.
Sie warten also, bis sie 18 Jahre alt sind, den F├╝hrerschein und ein Auto haben. „Was sollen wir sonst tun?“, fragt einer und zuckt mit den Schultern.

+++Verschlusssache+++ III

Satire

An den B├╝rgermeister K.
Ratlosplatz
Pfenningheim

Betreff: Ihre Anfrage
Int. Z. 08/15, Gutachten, nur f├╝r den internen Gebrauch bestimmt
empfohlen als +++Verschlusssache+++

Sehr geehrter Herr K.,

haben Sie besten Dank f├╝r Ihren an uns vergebenen lukrativen Auftrag.

Weisungsgem├Ą├č haben wir eine Pers├Ânlichkeitsanalyse aufgrund der uns vorhandenen Daten erstellt. Eine ausf├╝hrliche Expertise mit ├╝berzeugenden Grafiken und Bildern lassen wir Ihnen dieser Tage auf dem Ihnen bekannten Weg zukommen. Hier die Zusammenfassung:

Herr B. ist ein kleiner Mann. Vermutlich strebt er deshalb Gr├Â├če an. Deswegen will er auch „repr├Ąsentativ“ sein. Daf├╝r spricht auch, dass er gerne bedeutungsvolle W├Ârter wie „systemisch“ verwendet.
Allerdings ist er nicht zu untersch├Ątzen. Seine Aussage, „alle systemischen und vern├╝nftigen Gr├╝nde sprechen dagegen“, hat eine innere Logik:
„Ein System (von griechisch ├ĆĂĺ├Ć┬Ź├ĆĂĺ├ĆÔÇ×├Ä┬Ě├Ä┬╝├Ä┬▒, altgriechische Aussprache s├â┬Żstema, heute s├â┬şstima, „das Gebilde, Zusammengestellte, Verbundene“; Plural Systeme) ist eine Gesamtheit von Elementen, die so aufeinander bezogen sind und in einer Weise wechselwirken, dass sie als eine aufgaben-, sinn- oder zweckgebundene Einheit angesehen werden k├Ânnen und sich in dieser Hinsicht gegen├╝ber der sie umgebenden Umwelt abgrenzen.“

Das wiederum entspricht n├Ąmlich den Tatsachen, wenn Sie das Gremium, also den GR, als System einer „Einheit“ betrachten, die auf sich bezogen ist und sich gegen├╝ber der Umwelt, also den Proletariern, abgrenzt. Diese Einheit, systemisch betrachtet, zu gef├Ąhrden, w├Ąre nicht „vern├╝nftig“, wenn das System selbstreferentiell die Vernunft an sich darstellt.

Herr W. hingegen ist ein schwer einzusch├Ątzender Fall. Nach langen internen Debatten m├╝ssen wir „mit Bauchschmerzen“ feststellen, dass es sich bei seiner Weltanschauung um einen wahrscheinlich fast aussichtslosen Fall von Determinismus handelt, was aber durchaus zu ihren Gunsten ist:
„Dem Determinismus liegt die Annahme zugrunde, dass alle Ereignisse, die geschehen, eine zwangsl├Ąufige und eindeutige Folge aus vorangegangenen Ereignissen sind (seine Partei hatte schon immer das Sagen, d. Verf.). Wenn der gesamte Zustand eines Systems zu einem beliebigen Zeitpunkt definiert ist und die darin geltenden Gesetze eindeutig sind – d. h. dass sie bei identischen Anfangsbedingungen immer das gleiche Ergebnis hervorbringen -, so ist der Zustand des Systems zu jedem zuk├╝nftigen Zeitpunkt festgelegt.“

Herrn W. ├╝ber diese Einsichtsgrenze zu bringen, halten wir f├╝r ein nahezu aussichtsloses Unterfangen, weil er das D in seinem Parteinamen eben „deterministisch“ definiert und als „demokratisch“ ├╝bersetzt. Aber es ist ja auch nicht gew├╝nscht, dass er den „Grenzsprung“ wagt.

Herr M. hingegen ist einfach nur eitel, das zeigt sein ├âÔÇ×u├čeres ohne jeden Zweifel. Sie ben├Âtigen keine besonderen Strategien, um ihn bei der Stange zu halten. Loben Sie ihn und alles ist gut. Seine Zeit ist abgelaufen, was er allerdings noch nicht wei├č. Danach kommt ein Ersatz:
Eitelkeit hat auch die abweichende, urspr├╝ngliche, aber heute veraltete Bedeutung: Verg├Ąnglichkeit, Nichtigkeit, Leere und Vergeblichkeit (vgl. engl. idle oder dt. etwas vereiteln). Insbesondere im Barock war das Lebensgef├╝hl der Vergeblichkeit (siehe z.B. das Barocksonett Es ist alles eitel) jedes irdischen Strebens eine der zentralen Motive der Literatur.

Soviel zu den „Leadern“ der Gruppen. Die Einzelmitglieder ben├Âtigen keiner differentiellen Betrachtung. Ihr Herdentrieb ist ordentlich ausgepr├Ągt, Widerst├Ąnde sind nicht zu erwarten.

Haben Sie nochmals besten Dank f├╝r ihr Vertrauen in unsere Arbeit.

Mit freundlichen Gr├╝├čen

Lauterwein und Partner

Anhang:
Rechnung
Analyse zur internen Verwendung
Spesenabrechnung

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+++Verschlusssache+++ II

Satire

Die Fraktionsvorsitzenden im
Pfenningheimer Gemeinderat e.V. (eingeschworene Vereinigung)

An
den Herrn B├╝rgermeister K.

Nicht f├╝r die ├ľffentlichkeit / Status: +++GEHEIM+++
Az: 08/15/2, +++Verschlusssache+++

Ihr Betreff: Geschlossenheit und Nachrichtensperre

Sehr verehrter Herr B├╝rgermeister K.,

wir wissen um das Problem und haben auch schon die notwendigen Schritte eingeleitet. Sozialem Druck ist auf Dauer niemand gewachsen. Das wissen wir am besten. Deswegen haben wir die Maschen enger gezogen. Denn eines ist klar: Wer nicht f├╝r uns ist, ist gegen uns.

Das wird ab sofort jedem klargemacht. Ohne Ansehen der Person. Vor dem Gesetz, also uns, sind schlie├člich alle gleich.
Wir wissen, wie sehr Sie um unser aller Wohl besorgt sind. Ihre Entscheidung, keine Informationen an diesen Schmierfink zu geben, haben Sie ja bereits in die Tat umgesetzt und jegliche Interviewanfragen verweigert.

Wie so oft, bewundern wir Sie dabei f├╝r ihre Geschicklichkeit. Das Argument, dass der angeblich so unabh├Ąngige Journalist ja ein Kandidat sei, ist gerissen f├╝r alle gut nachzuvollziehen.

Wir wollen schlie├člich das Beste f├╝r alle – auch wenn viele zu beschr├Ąnkt versaut verdorben bescheuert aufgewiegelt sind, um das zu verstehen.

Heute Abend├é┬ágibt es die einmalige Gelegenheit, dem Heuchler sein Fell abzuziehen. Doch was tun? Wir mutma├čen, dass er sich gut vorbereitet hat.

Sie wissen doch immer, was zu tun ist, also werden wir das auch tun. F├╝r ein einig Pfenningheim.

Es gr├╝├čen Sie herzlichst

Ihre Fraktionsvorsitzende und alle auf Linie gebrachten vom Guten, Wahren, Sch├Ânen ├╝berzeugten Kandidaten. Wir sagen: F├╝r ein einig Pfenningheim. Wir wissen, was gut ist. Wir sind f├╝r alle da. Wir.

Dr. D.
J.M.
F.H.

F├╝rs Protokoll: Nicht unterzeichnet hat R.E. Das kostet ihn was.

Wir haben ├╝brigens folgende Botschaft abfangen k├Ânnen: Was hat das zu bedeuten?
„Quid ergo dicendum ? Quod Deo quidem substantialis est Filii productio, nec tamen de Deo substantialiter praedicatur. Nihil enim substantialiter praedicari potest, nisi quod per se et absolute praedicabitur. Sed Patris productio ad aliam refertur personam. Pater namque respectu filli pater dicitur. ‚Pater‘ ergo non per se, sed alterius personae respectu de Deo praedicabitur. Non ergo substantialiter … Si quis ergo quaesierit, an Deo substantialis sit paternitas et consimilia, nec concedendum esse hoc nec negandum putamus, ne forte vel ipsa negatio falsitatis periculum incurrat, vel concessio propter novitatem verborum intellectum in aliquo pravum constituat.“

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Satire

B├╝rgermeister K.
Rathausplatz
Pfenningheim

An
die Gemeinder├ĄtInnen 18. Mai 2009

Nicht f├╝r die ├ľffentlichkeit / Status: +++GEHEIM+++
Az: 08/15, +++Verschlusssache+++

Betreff: Geschlossenheit und Nachrichtensperre

Liebe Gemeinder├Ątinnen und Gemeinder├Ąte,

wie Sie wissen, haben wir ein Problem in unserer Gemeinde. Seit einigen Wochen treibt sich hier ein sogenannter Journalist herum und macht die Leute verr├╝ckt. Leider ist „dieses Problem“ nicht zu ├╝bersehen, erreicht dieser Schmierfink doch zum Teil sein Ziel. Wir m├╝ssen deswegen Geschlossenheit zeigen. F├╝r ein einig Pfenningheim.

Deshalb bitte ich Sie, meine lieben Gemeinder├Ątinnen und Gemeinder├Ąte, um Haltung. Lassen Sie sich nicht beirren oder gar verr├╝ckt machen.

Die Journalisten schreiben eh nur dummes Zeug. Mit ihnen zu reden hat ├╝berhaupt keinen Sinn. Erstens verstehen sie nicht, was man ihnen sagt und zweitens, egal ob sie es verstehen oder nicht, schreiben sie nur Bl├Âdsinn.

Das allerletzte ist, dass sie auch noch behaupten, sie w├╝rden informieren. Das Gegenteil ist der Fall. Manipulation, Desinformation, Agitation: Nur das haben diese Berufsn├Ârgler und Wadenbei├čer im Sinn. Hauptsache, sie kriegen Aufmerksamkeit. Nur darum geht es ihnen in Wirklichkeit.

Deswegen sollte man sie ignorieren. Einfach ├╝bersehen. Irgendwann geben sie dann auf. Haben eh keine Steherqualit├Ąten, sonst w├Ąren sie auch nicht Journalisten geworden, sondern was Anst├Ąndiges, zum Beispiel B├╝rgermeister. Verdammtes Pack.

Aus dem Dorf jagen, k├Ânnen wir ihn leider nicht. Aber wir k├Ânnen ihn aushungern. Geben Sie deshalb auf keinen Fall Interviews, geben Sie keine Informationen heraus und warnen Sie die Leute vor diesem Wortverdreher.

Es gr├╝├čt Sie herzlichst

Ihr B├╝rgermeister K.

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