Donnerstag, 06. Mai 2021

„Es ist ein bissle wie ein Kurzurlaub“ – Lesung mit Petra Durst-Benning

Guten Tag!

Heddesheim, 10. Oktober 2010. Die schwĂ€bische Autorin Petra Durst-Benning war mit ihrem neuesten Roman „Die russische Herzogin“ zur Lesung im BĂŒrgerhaus. Eine Autorin zum Anfassen.

Von Sabine Prothmann

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Gut gelaunte SchwÀbin: Petra Durst-Benning. Bild: heddesheimblog.de

Sie sieht nett aus und ist auch richtig sympathisch. Sie ist SchwĂ€bin und das darf man auch merken. Und sie schreibt BĂŒcher und gibt Lesungen, die die Frauen – und das sind es vor allem – aus dem Alltag fĂŒhren wollen und sollen: „Das ist ein bissle, wie ein Kurzurlaub“.

Petra Durst-Benning gab – jetzt schon zum zweiten Mal – eine Lesung im Heddesheimer BĂŒrgerhaus. Gut 50 Personen – davon ein Mann – waren gekommen, um sich aus ihrem neuen Buch – „Die russische Herzogin“ vorlesen zu lassen.

Die Veranstaltung wurde wie immer gut organisiert von der GemeindebĂŒcherei Heddesheim und der BĂŒcherecke am Rathaus.

Ein angeborener Hang zu historischen Stoffen?

Petra Durst-Benning stellt ihre Frauengestalten immer in einen historischen Kontext. „Meine Eltern hatten einen AntiquitĂ€tenladen und dort habe ich immer GesprĂ€che belauscht. Und ĂŒberhaupt mein Vater ist ein begnadeter GeschichtenerzĂ€hler“, erklĂ€rt sie ihren Hang zu historischen Stoffen.

Ihre Figuren seien immer regional angesiedelt, erfahren die Zuhörer von dem BuchhĂ€ndler Manfred Zeiß bei der EinfĂŒhrung. Dabei bleibt die Autorin meist ihrer Heimat verbunden, viele Geschichten spielen im sĂŒddeutschen Raum, aber sie fĂŒhrt ihre Leser auch in einer Trilogie nach ThĂŒringen, nimmt sie mit nach Amerika oder an den Lago Maggiore.

Zeiß erzĂ€hlt weiter, dass Durst-Benning gern und gut schwĂ€bisch und mediterran kocht und viel liest. 1996 erschien ihr erster Roman „Die Silberdistel“.

Seit dem war Petra Durst-Benning fleißig, 12 Romane hat sie inzwischen geschrieben. Das ist mehr als der Verlag von ihr verlangt, das sind nĂ€mlich nur ein Buch alle eineinhalb Jahre, sagt sie.

„Dann habe ich mich wieder in die Recherche gestĂŒrzt“

Der VorgĂ€ngerroman von „Der russischen Herzogin“ war die „Zarentochter“. Ein Bild habe sie dazu inspiriert, erzĂ€hlt die Autorin.

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Autogramm-Stunde. Bild: heddesheimblog.de

Im ersten Band lernen die Leser die Zarentochter kennen und leben und leiden mit ihr bis zu ihrer Heirat mit dem Kronprinzen von WĂŒrttemberg. Durst-Benning liest daraus vor, von der Ankunft der Zarentochter Olga in Stuttgart.

Das Buch endet mit einem „schönen Happyend, gell fast schon Hollywood-mĂ€ĂŸig“, freut sich die Autorin. Doch sie war damit noch nicht zufrieden, sie wollte wissen, wie geht es weiter in dem Leben der Zarentochter Olga, war sie mit dem Prinzen Karl glĂŒcklich. Und so „habe ich mich wieder in die Recherche gestĂŒrzt, denn meine Neugier und Lust mehr zu erfahren waren groß“, erzĂ€hlt Durst-Benning.

Bei der Recherche stĂ¶ĂŸt sie auf die Nichte der Zarentochter, Wera. Im Fortsetzungsband erzĂ€hlt sie nun die Geschichte Weras, die zu ihrer kinderlosen Tante Olga an den wĂŒrttembergischen Hof nach Stuttgart kommt.

Informationen zu dieser historischen Figur findet sie im Tagebuch der Baronin Eveline von Massenbach, Olgas Hofdame.

„Ich hab mir die Finger wund geschrieben.“

Die Passage von der Ankunft Weras in Stuttgart liest sie dann auch vor. Die Zuhörer hören von einem bockigen, schwierigen neunjĂ€hrigen Kind – und das wird schnell klar -, das es seiner Tante nicht so einfach machen wird.

GestĂŒtzt auf das Tagebuch der Baronin kommt Petra Durst-Benning zu dem Schluß, so ein Verhalten wĂŒrde man heute mit ADS oder ADHS diagnostizieren. „Aber ich kann nicht beweisen, dass die Wera ein ADS-Kind war“. Durst-Benning will auch nicht die historisch verbriefte Wahrheit ĂŒber ihre Figuren schreiben, sondern sie will sich diesen annĂ€hern, der Rest ist die kĂŒnstlerische Freiheit, ihre Sicht der Geschichte.

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Vor allem Frauen sind Fans von Durst-Benning-Romanen. Bild: heddesheimblog.de

Was haben sie als nĂ€chstes vor“, will eine Zuhörerin wissen. Die Autorin lacht: „Ich weiß es, aber es wird nicht verraten“.

Die Romane von Petra Durst-Benning sind sicherlich kein großer literarischer Wurf, aber diesen Anspruch hat sie auch nicht. Die blonde, sympathische SchwĂ€bin möchte unterhalten, möchte ihre Leser auf einen Kurzurlaub mitnehmen, denn: „Sie sollen sich nicht anstrengen, sondern der Autor“. Sie möchte ihre Geschichten und Figuren „selbst erspĂŒren“ und bei den tragischen Verwicklungen, die sich in ihren BĂŒchern ergeben, sagt sie, „muss man auch was aushalten können“.

Lesungen machen ihr Spaß – das spĂŒrt man

Lesungen machen ihr richtig Spaß, das spĂŒrt man. Sie plaudert mit ihren Lesern, beantwortet Fragen. Ihre Romangestalten liegen ihr am Herzen sowie das Wohl ihrer Zuhörer.

In der Pause konnten die Besucher des BĂŒrgerhauses, Pflug, ihre BĂŒcher kaufen und signieren lassen, gerne auch mitgebrachte Ă€ltere Exemplare. Das macht sie gerne und schwĂ€tzt dabei mit ihren Fans.

Sie sagt, „ich gehe gerne in kleine BuchlĂ€den“, da könne man stöbern und sich beraten lassen. Wenn sie sagt: „Amazon hat Ihnen noch nie eine Lesung organisiert“, und wenn sie erzĂ€hlt, dass sie Reisen mit ihren Fans zu den Handlungorten ihrer Romane veranstaltet, weiß man, worauf es ihr ankommt, nĂ€mlich auf den persönlichen Kontakt.

Die Veranstaltungsbesucher haben zwar keine Weltliteratur gehört, aber einen persönlichen Abend mit einer sehr sympathischen Autorin erlebt.

521 NeubĂŒrger in Heddesheim – rund 50 beim Empfang

Guten Tag!

Heddesheim, 12. Januar 2010. „Gehen Sie aufeinander zu. Beteiligen Sie sich in der Gemeinde. Sie werden schnell integriert. Sie sollen sich wohlfĂŒhlen in ihrer neuen Heimat. Es gibt viele Möglichkeiten zur Einbringung“, sagte BĂŒrgermeister Michael Kessler beim NeubĂŒrger-Empfang am Montagabend im „Pflug“.

Text und Fotos: Horst Pölitz

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"Aufeinander zugehen" sollen NeubĂŒrger und BĂŒrger. Bild: hblog

BĂŒrgermeister Kessler lĂ€dt zum Jahresbeginn NeubĂŒrger in den „Pflug“ ein, um sie in der Gemeinde zu begrĂŒĂŸen und die Angebote der Gemeinde vorzustellen, wie auch leitende Mitarbeiter der Verwaltung.

Der Heddesheimer Filmemacher Robert Gerstner zeigte ein rund 20-minĂŒtiges Video ĂŒber die Gemeinde, dessen Bilder der BĂŒrgermeister kommentierte. Der Film dokumentiert die wesentlichen Attraktionen der Gemeinde wie Badesee, Eisbahn und Sportzentrum, Feste und Veranstaltungen, aber auch Betreuungseinrichtungen wie die Kinderkrippe, KindergĂ€rten, die Schulen oder das Seniorenzentrum. Außerdem prĂ€sentierte der Film aktuelle Projekte, beispielsweise Baugebiete.

Anwesend waren auch die GemeinderĂ€te Ursula Brechtel und Hardy Prothmann. Frau Brechtel (CDU) ist 1. stellvertretende BĂŒrgermeisterin, Hardy Prothmann (Anm. d. Red.: verantwortlich fĂŒr das heddesheimblog) ist partei- und fraktionsloser Gemeinderat.

„Die ruhige Dorflage sowie das Freizeitangebot waren fĂŒr mich der ausschlaggebende Punkt, um nach Heddesheim zu ziehen“, sagte einer der NeubĂŒrger auf Nachfrage des heddesheimblogs. Ein NeubĂŒrgerin sagte: „Mir gefĂ€llt die zentrale Lage. Man kommt schnell nach Mannheim oder ins Rhein-Neckar-Einkaufszentrum (RNZ), naja, dieses Jahr nicht so leicht wegen der BrĂŒckensperrung.“ Ein anderer NeubĂŒrger kritisierte allerdings den Nahverkehr: „Wann gibt es endlich eine Verbindung direkt ins RNZ?“ Der NeubĂŒrgerempfang wurde insgesamt gelobt: „Das ist ein gutes Angebot von der Gemeinde, weil man schnell einen ÃƓberblick bekommt und die persönliche BegrĂŒĂŸung eine freundliche Geste ist.“

Zum Emfpang kamen rund 50 NeubĂŒrger, darunter zwei BĂŒrger aus Togo und ein BĂŒrger aus Tansania. Insgesamt verzeichnete die Gemeinde 521 NeubĂŒrger im vergangenen Jahr. Etwa dieselbe Zahl hat die Gemeinde verlassen. Zu- und WegzĂŒge von BĂŒrgern halten sich seit Jahren in etwa die Waage.

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Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

„Ein Ich wird man nicht allein.“ Renan Demirkan liest aus ihrem neuen Buch

Guten Tag!

Heddesheim, 24. Oktober 2009. Am Freitagabend las Renan Demirkan aus ihrem neuen Buch „Septembertee oder das geliehene Leben“. Gut 70 Zuhörer waren fasziniert von der PrĂ€senz der deutsch-tĂŒrkischen Autorin und Schauspielerin im „Pflug“. Eine zierliche Frau stellt ein starkes Buch vor, das biographisch, politisch und poetisch ist.

Von Sabine Prothmann

Sie kommt herein, ist klein, zierlich, bildhĂŒbsch und prĂ€sent. Sie bringt eine WĂ€rme mit, denen sich die gut 70 Zuschauer im voll besetzten „Pflug“ von der ersten Minuten an nicht entziehen können.

Renan Demirkan ist heute Abend in Heddesheim, um aus ihrem aktuellen Buch „Septembertee oder das geliehene Leben“ zu lesen. Und das tut die Schauspielerin gekonnt – die eineinhalbstĂŒndige Lesung wird zur AuffĂŒhrung.

„Man wollte keine Akademiker – man wollte starke MĂ€nner.“

Doch bevor sie liest, berĂŒhrt sie.

Sie erzÀhlt von ihrer Jugend in den Siebzigern, als Betroffenheit noch eine Lebenseinstellung war. Sie bekennt sich, radikal humanistisch zu sein und dass sie Unrecht nicht zulassen kann.

Sie erzĂ€hlt von einem Handelsabkommen in den 60-er Jahren, als man Geld fĂŒr tĂŒrkische MĂ€nner bezahlte, damit sie nach Deutschland kommen. „Man wollte keine Akademiker, man wollte starke MĂ€nner“.

„Bildungsferne Menschen produzieren bildungsferne Kinder.“

Den Vorwurf, dass sich tĂŒrkische Frauen nicht integrieren wollten und wollen weist sie zurĂŒck. Wie soll man sich integrieren, wenn man die Sprache nicht spricht? Wie soll man eine Sprache lernen, wenn man nicht lesen und schreiben kann? Wenn man oft die eigene Sprache nicht mal richtig kann. Sie sagt, sicherlich in Bezug auf die Debatte um die Aussagen von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarazzin: „Bildungsferne Menschen produzieren bildungsferne Kinder.“ Und das betreffe alle Nationen.

Sie erzĂ€hlt von ihrer Arbeit in einem Kinderheim, sie erzĂ€hlt von dem Projekt „MĂŒtter fĂŒr MĂŒtter“ in Berlin Moabit, wo Integration zwischen MĂŒttern auf Augenhöhe betrieben wird. Wo sich MĂŒtter aus dem Haus wagen und ihre Kinder von der Straße zurĂŒckholen. Wo das Kopftuch keine Rolle mehr spielen soll.

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Renan Demirkan bewegt das Publikum mit WĂ€rme und Weisheit. Foto: hblog

Mutter zu sein in der Migration sei ein Galeerenjob, wenn man die Außenwelt nicht versteht, wenn man den Kindern die Gesellschaft nicht erklĂ€ren kann. Das ist kein „Nicht-Wollen“, sondern ein „Nicht-Können“.

„Ich gehöre hierher.“

Als 2005 ihre Mutter starb, „endete meine Migration“, sagt sie. Renan Demirkan hat ihre Mutter zurĂŒckgebracht und in der TĂŒrkei beerdigt, so wie diese es sich gewĂŒnscht hat. „Ich war nicht mehr Kind, ich habe den Ort der Trauer verloren.“ Es schloss sich ein Kreis und sie sagt: „Ich gehöre hierher.“

Das Buch „Septembertee“ ist in 5 Essays gegliedert. Es ist politisch, poetisch, persönlich, nein, es ist schon fast privat. Sie widmet es „denen, die geblieben sind und sich weggesehnt haben, und denen, die weggingen, aber nicht bleiben konnten. Und alle jenen, die das nicht verstehen können, und jenen, die es verstehen wollen. Und den zwei Menschen, die so verschieden waren wie das Schwarz und Weiß auf einem Schachbrett. Ich widme es meiner Mutter. Meinem Vater.“

Der Vater ist Akademiker, Ingenieur und Bewunderer von Hegel, Kant und Schopenhauer. Er liebt Beethoven und das Land der Denker und Komponisten. Er kam nach Deutschland, um hier zu bleiben.

Die Mutter war dem Mann gefolgt, aber „sie hatte die RĂŒckfahrkarte in der Seele“. Und wartete darauf, dass es vorĂŒbergeht.

FĂŒr sie selbst sei es das reinste GlĂŒck gewesen, hier aufgewachsen zu sein. „Ich habe nur profitiert.“

In dem Kapitel „Semihas Tochter“ erzĂ€hlt sie von dem Tod ihrer Mutter, durch den sie „abgeschnitten wurde von der eigenen Geschichte“. „Sie war mein Planet, mein Almanach, ñ€© wenn ich jetzt ohne Anfang leben muss, wie sieht dann meine Zukunft aus?“

Als sie nach dem Tod innerhalb 24 Stunden in die TĂŒrkei gebracht und beerdigt werden sollte, wie der Koran es vorsieht, wird diese Frau zum ersten und letzten Mal nicht als AuslĂ€nderin behandelt, als gebe es keine NationalitĂ€ten, erledigen sich die FormalitĂ€ten wie von selbst – eine „verkehrte Welt“.

„Bevor wir ĂŒberhaupt einen KĂŒhlschrank hatten,
besaßen wir die Brockhaus-EnzyklopĂ€die.“

„Ich wieder sĂŒrĂŒk nach Hause“, erklĂ€rte sie immer wieder stolz und jetzt wurde sie zurĂŒck gebracht zu ihrem Ursprung, zu ihrer Erde, zurĂŒck auf den „RĂŒcken ihrer Ahnen.“
Demirkan beschreibt ihre Mutter als Frau, die offen war fĂŒr dieses fremde Land, sie war neugierig auf Kuchenrezepte, darauf wie Geburtstage, wie Hochzeiten gefeiert wurden. „Der „Grund fĂŒr ihr Basisdeutsch war, dass sie auch nur ein BasistĂŒrkisch sprach ñ€© meine Mutter beherrschte eigentlich keine Sprache.“

Ganz anders der Vater. In dem Kapitel „Rochade ins Land des LĂ€chelns“ beschreibt Renan Demirkan ein Schachspiel mit ihrem Vater. Schach wird zum ÃƓberlebenstraining. Und wĂ€hrend die 12-jĂ€hrige in der Erinnerung auf den ersten Zug des Vaters ungeduldig wartet, erklĂ€rt ihr der Liebhaber der deutschen Denker „der Anfang, der erste Zug entscheidet ĂŒber das Spiel.“

„Bevor wir ĂŒberhaupt einen KĂŒhlschrank hatten, besaßen wir die Brockhaus-EnzyklopĂ€die“, erinnert sich Demirkan.

„Ein Ich wird man nicht allein“

BerĂŒhrtsein sein als innere Handlung beschreibt sie im Kapitel „Ein Ich wird man nicht allein“ zum Ende der Lesung.

„Ich war abwechselnd und zuweilen auch gleichzeitig Tochter und SchĂŒlerin, Schwester und Freundin, Geliebte und Mutter, TĂŒrkin und Deutsche. Dabei war und ist keines dieser Ichs eine Solistin.“ Das menschliche Bewusstsein vergleicht sie mit einem Symphonieorchester, mit einem chaotischen Ich-Potpourri, das sich teilweise in Freejazz verwandelte und im Laufe der Jahre zu einem Swing wurde.

„Wir brauchen ein GegenĂŒber, das antwortet, das uns will.“

„Wir brauchen ein GegenĂŒber, das antwortet, das uns will. Und wir sind nur Teil der Gesellschaft, wenn die Gesellschaft antwortet“, sagt sie. Ein weiser Satz, der kurz und bĂŒndig das Problem des Scheiterns und den Weg des Erfolgs von Integration beschreibt.

Renan Demirkan hat gut 90 Minuten erzĂ€hlt und gelesen, die Zuhörer im Pflug sind berĂŒhrt, sind erwĂ€rmt. Es werden Fragen gestellt. „Was ist heute mit dem Vater?“ „Er lebt in Köln und hat sich dort schon ein Grab ausgesucht“, antwortet Renan Demirkan. Ihr Vater hatte keine RĂŒckfahrkarte und auch Demirkans Migration ist beendet.

Nicht beendet ist, dass sich Renan Demirkan viel zu sagen hat: Sie ist politisch, sie ist poetisch, sie ist persönlich und manchmal ist sie auch privat.

Ein Großteil der Zuhörer hat sich ein Buch gekauft und lĂ€sst es sich signieren. Sie nimmt sich Zeit fĂŒr GesprĂ€che. Die AtmosphĂ€re ist ganz warm und die Menschen sind berĂŒhrt. Ein Ich ist man nicht allein.

Zur Person:

Renan Demirkan kam im Jahr 1962 siebenjĂ€hrig mit ihrer Familie nach Hannover, wo sie nach ihrem Abitur bis 1980 Schauspiel studierte. Es folgten jeweils zweijĂ€hrige BĂŒhnenengagements in NĂŒrnberg, Dortmund und Köln; sie steht – neben ihren sonstigen TĂ€tigkeiten – bis heute auf der BĂŒhne. Seit 1981 unternimmt sie auch Soloprogramme und Lesungen.

1982 erhielt sie ihre erste Rolle in einem Film. Bekannt wurde sie durch ihre Rolle in dem Schimanski-Kinofilm „Zahn um Zahn“ (1985). Seitdem spielt sie vor allem in Fernsehfilmen.

1991 erschien mit „Schwarzer Tee mit drei StĂŒck Zucker“ ihr erster Roman. Bis heute folgten vier weitere BĂŒcher. Demirkan schrieb auch fĂŒr die BĂŒhne.

Seit den 1990er Jahren ist sie eine gefragte Moderatorin und Laudatorin von Veranstaltungen u. a. von amnesty international und UNICEF.

1998 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.

Renan Demirkan war im Jahr 2004 Mitglied der 12. Bundesversammlung. Sie wurde von der SPD nominiert und vertrat das Land Nordrhein-Westfalen.

Sie ist Mutter einer Tochter.