Samstag, 02. Juli 2022

Rhein-Neckar: Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts kontrollieren

Vergiftungen f√ľhren unweigerlich zum Tod

H√ľbsch, aber hochgiftigt - das Jakobskreuzkraut. Quelle, Wikipedia

Heidelberg/Rhein-Neckar, 11. Juli 2012. (red/pm) Das Landratsamt warnt vor dem Jakobskreuzkraut. In den vergangenen Jahren¬† hat sich die Pflanze in der Region ausgebreitet. Sie ist hochgiftig und kann vor allem Pferde zur Bedrohung werden. Fl√§chen mit Jakobskreuzkraut d√ľrfen daher auf keinen Fall beweidet werden.

Informationen des Landratsamts Rhein-Neckar-Kreis:

„Die Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts nimmt im Rhein-Neckar-Kreis wie auch in den benachbarten Landkreisen im Regierungsbezirk Karlsruhe weiterhin zu. Die Pflanzen fallen jetzt an Stra√üenr√§ndern und noch ungem√§hten Wiesen durch ihre leuchtend gelben Bl√ľten, rot angef√§rbten St√§ngel und den hohen Wuchs auf. ‚ÄěEs handelt sich dabei um eine alte heimische Pflanze, die allerdings hoch giftig ist und vor allem bei Pferden zu Vergiftungen f√ľhrt‚Äú, erkl√§rt Klemens Joerger vom Landwirtschaftsamt und Naturschutz im Rhein-Neckar-Kreis.

Die Giftstoffe seien in der ganzen Pflanze und zwar sowohl in frischen Pflanzen als auch in Heu und Silage vorhanden, so Joerger weiter. Junge Pflanzen enthalten keine Bitterstoffe, so dass sie von Weidetieren gefressen werden. Diese Stoffe aus der Gruppe der Alkaloide verursachen Lebervergiftungen, wobei auch die l√§ngere Aufnahme von kleinen Mengen zu Vergiftungen f√ľhrt, weil die Giftstoffe sich in der Leber anreichern. Die Symptome k√∂nnen erst nach Wochen oder Monaten auftreten, f√ľhren dann aber fast unweigerlich zum Tod.

Fl√§chen mit Jakobskreuzkraut d√ľrfen daher auf keinen Fall beweidet werden. Aufwuchs von diesen Fl√§chen darf weder frisch noch als Heu oder Silage verf√ľttert werden. Auch beim Menschen sind schon einzelne Vergiftungsf√§lle bekannt geworden. Sie a√üen das Kraut im verunreinigten Salat oder tranken einen Gesundheitstee.

Die Pflanzen werden √ľber Samen verbreitet, die, wie beim L√∂wenzahn, √ľber den Wind weitergetrieben werden und bis zu 150.000 St√ľck pro Pflanze betragen k√∂nnen. Die Hauptbl√ľtezeit des Jakobskreuzkrauts ist Juli bis August.

‚ÄěEine weitere Ausbreitung muss unbedingt verhindert werden‚Äú, so Joerger. Und jeder Tierhalter sollte seine Tiere vor der Gefahr der Vergiftung sch√ľtzen. Problematisch sind hier extensiv genutzte Wiesen und Weiden, insbesondere Pferdeweiden, sowie Fl√§chen ohne Nutzung wie Stilllegungen, Stra√üenr√§nder und B√∂schungen, weil diese oftmals erst sp√§t gem√§ht werden und dadurch zur Verbreitung beitragen.

Fl√§chen, auf denen das Jakobskreuzkraut stark auftritt, sollten kurz vor oder w√§hrend der Bl√ľte – unter Beachtung naturschutzrechtlicher Bestimmungen – gem√§ht oder gemulcht werden. Zu diesem Zeitpunkt sind noch keine Samen ausgefallen und durch den Wind verbreitet, die Mutterpflanze wird jedoch so stark geschw√§cht, dass sie meist im Folgejahr nicht mehr austreibt.

Einzelne Pflanzen k√∂nnen durch Ausrei√üen beseitigt werden, dabei sollten unbedingt Schutzhandschuhe getragen werden. Gem√§hte oder ausgerissene Pflanzen m√ľssen von Weidefl√§chen unbedingt entfernt werden. Diese k√∂nnen dem Restm√ľll beigegeben oder, solange keine Samen vorhanden sind, kompostiert werden.

Weitere¬†Informationen zum Jakobskreuzkraut gibt es unter www.jacobskreuzkraut.de oder¬†beim Pflanzenschutzdienst des Regierungspr√§sidiums Karlsruhe unter Tel. 0721/926-5173.“

Sport-Event: Voltigieren auf höchstem Niveau


Training f√ľr das Turnierwochenende in der Reithalle des Pferdezucht,- Reit- und Rennvereins Heddesheim - hier bleibt Zeit, um zu probieren. Das Turnier wird ein straffer Wettkampf.

Guten Tag!

Heddesheim/Rhein-Neckar, 26. Mai 2011. (red) In der kommenden Woche√ā¬†veranstaltet der Pferdezucht, – Reit – und Rennverein Heddesheim einen Tag der Offenen T√ľr/Voltigiertag am 2. Juni und ein Voltigierturnier√ā¬† mit Sichtung zur Deutschen Meisterschaft am 4./5. Juni. W√§hrend am Tag der offenen T√ľr die unteren Leistungsklassen ihr K√∂nnen beim Voltigieren zeigen und ein buntes Rahmenprogramm f√ľr die Besucher geplant ist, ist das Turnier am darauf folgenden Wochenende ein reiner Wettkampf mit einem straffen Zeitplan.

Von Christiane Eisele

Gymnastisches Turnen auf einem sich bewegenden Pferd, so k√∂nnte man Voltigieren mit wenigen Worten ganz einfach beschreiben. Tats√§chlich ist es alles andere als einfach. Es erfordert ein gro√ües Ma√ü an K√∂rperbeherrschung, Beweglichkeit und pr√§zisem Timing. In flie√üenden Bewegungsfolgen werden auf dem Pferder√ľcken Figuren kombiniert, die Elemente aus dem Turnen, der Gymnastik und der Sportakrobatik enthalten.

Besonders die höheren Leistungsklassen und die Gruppen-Voltigierer zeigen Leistungen, die schon am (festen) Boden ein enormes akrobatisches Geschick erfordern. Bis diese Leistungen erreicht werden können, vergehen Jahre mit intensivem Training.

Fr√ľh √ľbt sich f√ľr die hohe Leistungsklasse

Im Heddesheimer Pferdezucht-, Reit- und Rennverein fangen die j√ľngsten Voltigierer schon im Alter von sechs Jahren an. Vorrausetzung ist ein so junger Start aber nicht. Zuerst lernen alle Anf√§nger einfache Pflicht√ľbungen im Schritt, die in Pr√ľfungen im Einzel oder in Gruppen auf Turnieren bewertet werden.

Diese Pr√ľfungen in den unteren Leistungsklassen (A und L) sind Grundvoraussetzung f√ľr das Erreichen h√∂herer Leistungsklassen, bei denen dann immer kompliziertere Pflicht√ľbungen und eine frei kombinierbare K√ľr gezeigt werden muss. Auch die Gangart der Pferde steigert sich vom Schritt zum Trab bis zum Galopp.

Ein kompliziertes Regelwerk schreibt bei jeder Pr√ľfung vor, welche Figur wie und in welcher Gangart gezeigt werden muss, welche Punktzahl man erreichen und welches Turnier man besuchen muss, um danach in einer h√∂heren Leistungsklasse starten zu d√ľrfen. F√ľr Au√üenstehende ist das anfangs nur schwer durchschaubar.

Intensive Ausbildung

Die Voltigierpferde werden sorgf√§ltig ausgew√§hlt. Die Pferde m√ľssen eine solide Grundausbildung haben „bis Kategorie L, denn sie m√ľssen sehr gut ausbalanciert sein, um die Reiter tragen zu k√∂nnen“, sagt Liane Furche, Leiterin der Voltigierabteilung im Heddesheimer Pferdezucht,- Reit- und Rennverein.

Die Weiterbildung der Pferde f√ľrs Voltigieren dauert etwa ein bis eineinhalb Jahre. Dass die Pferde beim Longieren immer „auf der linken Hand“ also gegen den Uhrzeigersinn einen 18 m Kreis laufen m√ľssen, belastet sie aber auf Dauer nicht einseitig, zumindest nicht in Heddesheim. Denn dort laufen die Pferde im Training nur zweimal die Woche und dann auch immer mal wieder auf der „rechten Hand“.

Pflicht und K√ľr

Am Tag der offenen T√ľr/Voltigiertag treten die unteren Leistungsklassen zu Pr√ľfungen mit Pflicht√ľbungen an. Bereits um 7.30 Uhr starten die ersten Gruppen-Voltigierer im Schritt. Nach der Mittagspause werden um 12:30 Uhr und um 13:30 Uhr die ersten Einzel-Voltigierer in der Leistungsklasse L zeigen, was sie k√∂nnen. Gefolgt werden sie um 14:10 von den Einzel-Voltigierern der Leistungsklasse A und um 15:45 Uhr von den Galoppgruppen. Die letzte Siegerehrung findet um 19:00 Uhr statt.

Der Tag der offenen T√ľr soll aber vor allem auch den Besuchern Spa√ü machen. Deswegen hat sich das Organisationsteam um Doris Molitor und Liane Furche ein Spielprogramm f√ľr die Besucherkinder ausgedacht. Auch Ponyreiten wird angeboten – bei sch√∂nem Wetter drau√üen, bei Regen in der zweiten Halle des Vereins. Und nat√ľrlich h√§lt das K√ľchenteam etwas zu essen zu trinken f√ľr alle Besucher bereit.

Sichtung f√ľr die Deutsche Meisterschaft

Das Voltigierturnier am 4./5. Mai (Samstag und Sonntag) mit Sichtung f√ľr die Deutsche Meisterschaft Voltigieren (26.-28 August in Elmshorn)√ā¬† ist ein reiner Wettkampf ohne Rahmenprogramm. Daf√ľr bliebe bei dem sehr straffen Zeitplan auch gar keine Zeit. Gegen√ľber dem Vorjahr haben sich mit 134 Meldungen etwa ein Drittel mehr Voltigierer angemeldet. Das Organisationsteam hofft, dass der Zeitplan eingehalten werden kann.

An diesen beiden Tagen treten neben nur wenigen A und L√ā¬† Klassen fast ausschlie√ülich Voltigierer der h√∂chsten Leistungsklassen (M1, M2, Junior, S) an. Gezeigt werden Pflicht, K√ľr und Technik, es treten Einzel,- Doppel- und Gruppenvoltigierer an – f√ľr Liebhaber des Sports also ein „Pflicht“-Termin. Gestartet wird am Samstag um 7.30 Uhr, die letzte Siegerehrung ist kurz nach 20:00 Uhr, am Sonntag wird ebenfalls schon um 7:30 Uhr gestartet, die letzte Siegerehrung findet um 17:00 Uhr statt.

An einem der beiden Tage wird ein Sichtungsteam des Landesverbands anwesend sein, dass die Voltigierer der Leistungsklasse S auswählt, die bei den Deutschen Meisterschaften antreten werden.

Das Turnier am 4./5. Mai verspricht nicht nur f√ľr die Zuschauer Voltigieren auf h√∂chstem Niveau. Wer diesen Sport in akrobatischer Perfektion erleben m√∂chte, der sollte dieses Turnier nicht verpassen – erstklassige Leistungen werden ziemlich sicher geboten.

 

 

Mariettas Kolumne: Einmal Haustier, bitte!


Guten Tag!

4. April 2011. Verl√§uft das Leben gleichm√§√üig und ohne gro√üe √ÉŇďberraschungen, wiegt man sich in Sicherheit. So kann es bleiben, so ist es gut. Gelegentlich jedoch wird der Mensch leichtsinnig und setzt die geliebte Ordnung aufs Spiel. Beispielsweise dann, wenn Kinder vorhanden sind und man pl√∂tzlich auf den Hund kommt.

Von Marietta Herzberger

Die grunds√§tzliche Aussage, welche nach zw√∂lf Jahren tierloser Ehe zu treffen ist, und bis heute unverr√ľckbare G√ľltigkeit hat und von mir niemals in Frage gestellt wurde, ist folgende: Ich bin eine gl√ľckliche Ehefrau. Mein Mann ist nicht einfach nur mein Mann, sondern auch Partner, guter Freund und gelegentlich auch Leidensgenosse. Aber das ist eine andere Geschichte. Wir sind ein eingespieltes Team und stolze Eltern eines liebreizenden, gelegentlich aufm√ľpfigen Kindes mit Namen Ella.

Wir bewohnen ein Haus im behaglichen Weinheim. Ruhige Lage und erstrebenswerte Spuckn√§he zur Autobahn inklusive. M√∂chte ich mit der Stra√üenbahn fahren, ben√∂tigt es lediglich ein paar leichtf√ľ√üige Schritte rechts aus unserer Haust√ľre heraus und -√ā¬† rein ins Gef√§hrt.

Zur Bushaltestelle wende ich mich leicht nach links. Das ist praktisch. Nur nachts nicht. Da n√§mlich st√∂rt das Bimmeln der OEG-Ampel-Warnanlage, das uns alle halbe Stunde mitteilt, dass die Zeit bis zum Weckerklingeln nahe r√ľckt. Wir haben uns daran gew√∂hnt und schlafen mit Ohrst√∂pseln. Das blecherne Surren der Schranke, das ert√∂nt, wenn sich diese herabl√§sst und nach einigen Minuten- untermalt vom Bimmeln – wieder √∂ffnet, versuchen wir noch irgendwie in unsere Tr√§ume einzubauen.

Träume vom Transsibirien-Express

In einer dieser schlaflosen N√§chte hatte mein Mann die rettende Idee: „Schatz, lass uns vom Transsibieren-Express tr√§umen. Da l√§sst sich das Bimmeln so sch√∂n einbetten.“ Ich fand „einbetten“ gut und passend. Seitdem steigen wir ab Einbruch der Dunkelheit beseligt ins Bett und treten unsere gemeinsame Reise an, bis es wieder hell wird.

Unsere Nachbarn sind gr√∂√ütenteils netter, aufger√§umter Durchschnitt und jeder pflegt seinen kleinen Reihenhausgarten mit Hingabe ohne bieder zu sein. Nein, nicht ganz. Am Ende der Stra√üe wohnt ein √§lteres Ehepaar. Dieses ist stolzer Besitzer eines √ľbersichtlichen, mit Inbrunst gepflegten Vorgartens, der sicherlich drei Bierk√§sten fasst und geometrisch einwandfrei mit kleinen, akkurat rund geschnittenen Buchsbaumk√ľgelchen best√ľckt ist.

Damit dieses Kunstwerk niemand zerst√∂rt, wurde ein Stahlzaun in unauff√§lligem Braun, welches vorz√ľglich mit dem Altrosa des Hauses harmoniert, darum gezogen. Aber auch diese Nachbarn sind angenehm h√∂flich und bis auf den Gartenzaun noch nicht straff√§llig geworden.

Kommt Zeit, kommt Wandel

Auf den Hund gekommen?

Wir sind also, wie schon gesagt, eine gl√ľckliche, kleine Familie. Ganz die Norm, nichts Au√üergew√∂hnliches. Nett, normal, beruhigend.

„Ihr seid so herrlich normal“, beneidete mich j√ľngst eine Freundin. Ich gebe ihr Recht. Allerdings hat sie nett und beruhigend vergessen. Bei Gelegenheit werde ich sie darauf ansprechen.

Doch zu einer Zeit des Wandels bestimmte meine kleine sanfte Tochter unerwartet energisch: „Mama, ich will ein Haustier!“

So ist das eben. Wenn die Zeiten pädagogisch wertvollen Spielzeugs vorbei sind, sucht man nach anderen Dingen.

Diverse Forschungen belegen, dass Kinder mit Haustieren, vor allem mit Hunden, √ľber eine gr√∂√üere soziale Kompetenz verf√ľgen und schneller bereit sind, Verantwortung zu √ľbernehmen, als Kinder ohne direkten Tierbezug.

Sie sind meist bewegungsfreudiger, zugleich ruhiger und ausgeglichener. Sie sind also zu Unzeiten ged√§mpft aktiv und das kann bisweilen erstrebenswert sein. Au√üerdem ist erwiesen: Einzelkinder k√∂nnen vereinzelt Defizite im Sozialverhalten aufweisen. Auch reiben sie sich nicht an Geschwistern, sondern an den Eltern, vorzugsweise an der Mutter. Im Prinzip war ich bereits √ľberredet.

„Und was schwebt dir da vor?“ wollte ich von meinem blau√§ugigen Kind wissen.
„Ein Pferd!“
„Ein Pferd ist kein Haustier!“ widersprach eine m√§nnliche Stimme hinter dem Computer.
„Ist es doch! Es kann im Garten leben!“

„Wie w√§re es mit einer Katze?“ warf ich ablenkend in die Runde. „Schatz!“, vorwurfsvoll wandte sich der Vater unserer√ā¬† Tochter mir zu, „du wei√üt, dass ich allergisch gegen Katzen, Hasen und Meerschweinchen bin√Ę‚ā¨¬¶!“

„Mir egal!“ br√ľllte es jetzt von dem tierlosen Einzelkind, „Ich (!) bin aber nicht algerisch! Papa kann ja ausziehen!“
„Ich ziehe nirgendwo hin. Soweit kommt es noch√Ę‚ā¨¬¶!“

Schmollend pulte unser kleiner Sonnenschein mit dem gro√üen Zeh L√∂cher in den Teppich. W√§hrend ich verzweifelt gr√ľbelte, welcher tierische Artgenosse in Frage kommen k√∂nnte, zupfte mich etwas am √É‚Äěrmel.

„Wenn Papa tot ist, krieg ich dann einen Hasen?“

„Du Mama, wenn der Papa tot ist, krieg ich dann einen Hasen?“
„Ja klar, dann kriegst du einen Hasen, S√ľ√üe.“

Mein Herzblatt schaute mich dankbar an. Warum? Was hatte ich gerade gesagt? Was lautete noch gleich ihre Frage? Katze? Hase? Wer ist tot? „Papa?“, s√§uselte unser Liebchen zart, „wann stirbst du denn?“

„Du stirbst?“, irgendwie hatte ich den Faden verloren. Ella schaute ihren Vater durchdringend an. Ja, fast schon hypnotisch. Offenbar erwartete sie nun, dass ihr Erzeuger tot vom Stuhl fallen w√ľrde. Der beschloss jedoch spontan, jetzt noch nicht abzutreten, trat stattdessen zu uns an den Tisch und gab seinem Unmut lautstark Raum: „Seid ihr noch zu retten!?“

Ich versuchte, das Gespr√§ch weg von Tod und Teufel auf ein anderes Gleis zu lenken: „Ein Fisch w√§re toll, oder? So ein Nemo in einem Glas“, und l√§chelte gleichzeitig vers√∂hnlich meinem Mann zu: War nicht so gemeint, verzeihst du mir?

„Nemo ist doof!“
„Eine Maus“, kam der m√§nnliche Vorschlag. Er zwinkerte zur√ľck: Wei√ü ich doch, schon okay.
„Maus ist auch doof!“
„Hamster?“, warf ich tr√§ge in die Runde.
„Total bl√∂d!“

Eine Weile sa√üen wir uns schweigend gegen√ľber und suchten nach Alternativen. Doch weder Fu√üboden, Geheimschublade noch Zimmerdecke gaben etwas Brauchbares her. Schlie√ülich, sich endlos ziehende zweieinhalb Minuten sp√§ter, fand unsere Tochter als erste eine neue Idee: „Ein Hund?“ Sie verbl√ľffte mich mit ihrer Raffinesse, die sie nat√ľrlich von mir hat, und richtete diese Frage mit engelsgleichem Blick an ihren Vater: „Einen Hund, Papa. Bitte, bitte, bitte.“

F√ľnfundzwanzigtausend Mal „Bitte“

Alle „Bittes“ hier aufzuz√§hlen w√ľrde zu weit f√ľhren, also belasse ich es bei drei. Es waren aber deutlich mehr. Gef√ľhlte F√ľnfundzwanzigtausend.

Mein Mann und ich schauten uns skeptisch an. Ein Hund. Dreimal am Tag Gassi. Fusselige Haare im ganzen Haus. Ein dreck- und fellverlierendes, sabberndes Betteltier, welches unserer klinisch reinen Ella genie√üerisch das Gesicht ableckt, wenn wir gerade nicht hinsehen? Konnten wir uns vorstellen, gelassen und heiter zu bleiben, wenn unser Goldl√∂ckchen eintr√§chtig mit einem verfressenen Kl√§ffer vor dem Napf sitzen w√ľrde und die beiden sich das Trockenfutter teilen? Und √ľberhaupt, was so was kostet!

In stiller √ÉŇďbereinkunft nickten wir uns zu. Wer von uns w√ľrde den, nach sorgf√§ltigem Abw√§gen getroffenen Beschluss dem kleinen, voll banger Erwartung erstarrten Wesen √ľberbringen?

Seufzend falteten wir die H√§nde. Ellas Augen wuchsen auf die Gr√∂√üe von Billardkugeln. Sie krallte sich in die Stuhllehne, w√§hrend sie heiser fl√ľsterte:“ Ein Hund√Ę‚ā¨¬¶bitte√Ę‚ā¨¬¶ein kleiner Hund√Ę‚ā¨¬¶nicht viel√Ę‚ā¨¬¶.sooo klein!“ Sie formte mit ihren H√§nden und Fingern sowas in der Gr√∂√üe wirklich sehr, sehr kleinen Hundes.

„Also, wenn, dann ein richtiger Hund! Mit so einer Stra√üenratte kann ich nichts anfangen“, brummte mein geliebter, weiser Mann und zwinkerte unserem siebenj√§hrigen Wonneproppen zu.

Ich richtete mich zu voller Sitzgr√∂√üe auf, um dem Begeisterungsturm standhalten zu k√∂nnen, der nun eigentlich folgen musste. Gespannte Vorfreude lie√ü uns Eltern erzittern. Gleich w√ľrde sie uns um den Hals fallen, Freudentr√§nen ihre unverdorbenen Wangen ben√§ssen.

„Ich dachte schon, ihr k√∂nnt euch nie entscheiden“, unser ausgesprochen wohlgeratener Spr√∂ssling verdrehte kurz die Augen, sprachs, stand auf und stellte unger√ľhrt fest: “ Ich hab Hunger. Wann gibt‚Äôs Essen?“
„Gleich!“, hauchte ich m√ľtterlich gefasst.
„Was gibt es denn?“
„Hot Dogs!“

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen √ľber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos √ľberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer k√§mpft, kann verlieren. Wer nicht k√§mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir w√ľnschen unseren Lesern viel Lesespa√ü mit ihren Texten!