Dienstag, 26. September 2023

Gabis Kolumne

Das System Katze und was ich ├╝ber mich gelernt habe

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Guten Tag!

Heddesheim, 12. April 2010. Schmusekatze, Haustiger, Kratzb├╝rste – Katzen haben viele Synonyme und wahrscheinlich alle zu Recht. Katzen sind l├Ąngst keine Nutztiere mehr, sondern leben in der Familie. Zu Recht? Irgendwie schon, meint Gabi – auch, wenn sie das System Katze erst lernen musste.

Ich habe hier schon viel ├╝ber meine Kinder und meinen Mann geschrieben, aber zwei Mitglieder unserer Familie habe ich bislang verschwiegen. Und das ist eigentlich str├Ąflich, haben sich die beiden doch einen festen Platz in unserem Leben erobert: Ich meine unsere beiden Katzendamen.

Als ehemalige Hundebesitzerin war mir das System „Katze“ zun├Ąchst fremd.

katzen

Das System Katze musste Gabi erstmal lernen. Bild: privat

Eine Kollegin erz├Ąhlte mir vor drei Jahren von jungen K├Ątzchen auf einem Bauernhof, die keiner wollte. Als die Kinder nicht zuhause waren, fuhren mein Mann und ich eine gute halbe Stunde zu diesem Hof, um uns die K├Ątzchen anzuschauen.

Hund und Katze?

Dort angekommen sahen wir sofort die Katzenmutter mit drei Jungen und einen riesigen Hofhund. Komisch, dachte ich, die sind wie „Hund und Katze“ hei├čt doch, dass man sich nicht versteht? Ich fragte meinen Mann. Der sagte das, was ich so an ihm „liebe“: „Das kommt darauf an.“

Gemeinsam fra├čen Hund und Katzen aus einem sehr gro├čen Napf.

Es kommt also darauf an. Auf was? „Ob die sich kennen und miteinander aufgewachsen sind.“ Aha, dachte ich. Wie im richtigen Leben.

Uns gefiel sofort ein kleines wei├čes K├Ątzchen mit einem graugestreiften Schwanz und einem grau-braunen Fleck auf dem R├╝cken, der so aussah, als w├Ąre der Schwanz in Farbe getunkt worden und h├Ątte dann den R├╝cken gestreift.

Das wei├če K├Ątzchen k├Ânnten wir gerne mitnehmen, sagte uns der Sohn des Hauses, die anderen beiden seien schon vergeben.

Nutztiere.

In der Scheune sei noch ein weiteres K├Ątzchen, von dem er uns aber nur abraten k├Ânne, es sei das j├╝ngste aus dem Wurf, w├Ąre aggressiv, scheu und w├╝rde sofort zubei├čen. Der etwa achtj├Ąhrige Junge guckte uns herausfordernd an – anscheinend hatte er nicht zum ersten Mal K├Ątzchen weggegeben. Ich dachte: Wie kann der so cool sein und erinnerte mich, dass wir auf einem Bauernhof waren, wo die meisten Tiere einen „Nutzen“ haben.

Wir wollten aber gerne zwei Katzen. Der Junge seufzte nach dem Motto: Die wissen nicht, was sie tun – zog sich Arbeitshandschuhe an und machte sich auf die Suche. Mit einem kleine Etwas am Handschuh kam er zur├╝ck aus der Scheune.

Wie angek├╝ndigt, hatte sich die kleine Katze in den Handschuh verbissen und zappelte und kratzte. Auf dem Boden abgelegt fauchte sie, was das Zeug hielt.

Liebe auf den ersten Blick.

Und ich sah es genau, schon beim ersten Blick hatte sich mein Mann unsterblich verliebt.

Mit zwei v├Âllig ver├Ąngstigten Katzen im Auto machten wir uns auf den R├╝ckweg.

Die n├Ąchsten Tage verbrachten wir damit, die beiden unter dem Sofa oder hinter dem Schrank hervorzulocken. Und schon nach kurzer Zeit wurde das wei├če K├Ątzchen sehr zutraulich und war bald der Liebling der Kinder. Die kleine „Wilde“, war ein vollkommen versch├╝chtertes Tier, das sich kaum ans Futter traute und ├╝ber Wochen sofort anfing zu fauchen, wenn sich ihr jemand n├Ąherte.

Das ist jetzt drei Jahre her. Und von Sch├╝chternheit keine Spur mehr. Hat man einen Hund, ist man sein „Herrchen/Frauchen“, hat man Katzen so ist man ihr „Diener“.

Denn obwohl eine Katzenklappe den beiden „Damen“ erm├Âglicht jederzeit von Drinnen nach Drau├čen und umgekehrt zu gelangen, sorgen die beiden mit lautem Miauen und vorwurfsvollem Blick daf├╝r, dass wir t├Ąglich unz├Ąhlige Male die Haus- oder die Terrassent├╝r ├Âffnen, um sie raus oder rein zu lassen.

Jammern geh├Ârt zur Liebe.

Wenn ich morgens die K├╝che betrete, muss ich innerhalb der n├Ąchsten 5 Sekunden die Futtern├Ąpfe f├╝llen, denn das j├Ąmmerliche Miauen und das Umstreifen meiner Beine, erinnert mich daran, dass hier zwei kurz vorm Verhungern sind – dramatischer gehtÔÇÖs nicht. Keins meiner Kinder hat je diesen Nerv getroffen, der mich fernsteuert wie eine Puppe.

Katzenk├Ârbchen? Fehlanzeige. Beide haben sich inzwischen Pl├Ątze auf dem Sofa erobert. Dies wiederum geschieht nahezu lautlos raffiniert. Erst kuscheln sie sich an, wenn man auf dem Sofa sitzt oder liegt – und wer br├Ąchte es da ├╝bers Herz, sie da zu verscheuchen – und dann liegen sie zuf├Ąllig auch mal dort, wenn keiner von uns dabei ist. Und irgendwann ist klar, dass es ├╝berhaupt keine Diskussion dar├╝ber gibt, dass das ihr Platz ist.

Und jetzt noch was zum Thema Jagd. Wer Katzen hat, darf nicht zimperlich sein.

Grausame Natur?

Unsere wei├če Katze ist eine hervorragende J├Ągerin. Sobald der Fr├╝hling kommt, bringt sie uns kleine und gro├če M├Ąuse, mit s├╝├čen Augen. Meistens lebend, denn Katzen sind ja „verspielt“.

Als Liebesbeweis bekam unser Sohn letzten Sommer einen Vogel ins Zimmer nicht ge-, sondern zerlegt. Bett und Boden waren ├╝bers├Ąt mit Federn, es sah aus wie ein Schlachtfeld.

Aber auch die Reste eine M├Ąusemahls sind nicht wirklich lecker.

Unsere J├Ągerin ist nicht nur gro├čartig im Fangen, sondern – und das k├Ânnen Sie mir jetzt glauben oder nicht – sie imitiert auch Vogelstimmen. Sie sitzt vor der Terrassent├╝r, beobachtet die V├Âgel im Garten und gibt gurrende Ger├Ąusche von sich, die sich manchmal auch anh├Âren wie ein Gackern.

Die ehemals „Wilde“ ist sich f├╝r die Jagd meist zu fein oder es ist ihr einfach zu anstrengend, weil man ja auch sonst nicht verhungern muss.

Katzen lassen lieben.

Und w├Ąhrend man von seinem Hund treu geliebt wird, lassen Katzen lieben.

Trotzdem: Kommen wir nach Hause, sind sie meist sofort zur Stelle. Schon von Weitem erkennen sie das Ger├Ąusch des Autos und sobald wir in den Hof fahren, kommen sie angetrottet.

W├╝rde man jetzt erwartet, freudig begr├╝├čt zu werden, w├╝rde man entt├Ąuscht. Katzen haben eine andere Sprache – sie ist oft zur├╝ckhaltender, manchmal aber auch unerbittlich herzerw├Ąrmend, vor allem, wenn sie voller Zufriedenheit schnurren.

Der Blick, mit dem wir begr├╝├čt werden, sagt: „Gut, dass ihr wieder da seid“. Dann drehen sich unsere Katzen um, und gehen wieder ihren Weg.

Sie sind Teil der Familie, l├Ąngst keine „Nutztiere“ mehr, nicht wild, aber irgendwie doch.

Auch nach drei Jahren lerne ich immer noch das „System Katze“ – und das gibt einem etwas f├╝rs Leben mit.
gabi