Dienstag, 16. August 2022

Saufgelage in Heidelberg – maue Party in Ladenburg


Merian-Realschul-Abg├Ąnger feiern auf der Festwiese. Bild: ladenburgblog.de

Ladenburg/Heidelberg/Rhein-Neckar, 11. Mai 2011 (red/pol) Die Realschulabschlussfeier artete in Heidelberg zu einem Saufgelage aus. 25 Anzeigen, auffallend viele sehr betrunkene Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler besch├Ąftigten Polizei und Rettungsdienste. In Ladenburg kamen rund 80 Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler in der „Hochphase“ am Nachmittag auf die Festwiese – ohne Zwischenf├Ąlle.

Von Hardy Prothmann

Abends um 20:00 Uhr ging es eher ruhig zu auf der Festwiese. Etwas ├╝ber 30 Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler feierten hier noch ihren Realschulabschluss. Die meisten gehen/gingen zur Merian-Realschule, ein Gruppe von Seckenheimer Realsch├╝lern war auch vor Ort.

Und die Polizei schaute regelm├Ą├čig vorbei: „Nervt ein bisschen“, meint ein M├Ądchen, sagt aber auch: „Die sind aber schon nett gewesen.“ Ein Sch├╝ler aus Heddesheim best├Ątigt: „Keine Probleme, die gucken halt, das man nichts „Hartes“ dabei hat. Ist ja auch ok so.“

Viele sind ein wenig entt├Ąuscht und hatten sich eine gr├Â├čere Party erhofft: „Wir haben das extra beim B├╝rgermeister angemeldet und durften dann ja auch, aber vielleicht haben sich einige nicht getraut oder keinen Bock auf Stress gehabt.“

Vergangenes Jahr wurde am sp├Ąten Nachmittag das Rundklo demoliert – mehrere tausend Euro Sachschaden waren das Ergebnis einer alkoholisierten Zerst├Ârungswut von zwei Sch├╝lern. Damit war „Schluss mit lustig“ – seitdem wird st├Ąrker kontrolliert.

Auch Seckenheimer Sch├╝ler feierten auf der Festwiese: "War etwas mau."

Das Konzept des Revierleiters Frank Hartmannsgruber geht auf: regelm├Ą├čige Pr├Ąsenz und aktive Ansprache der Jugendlichen hat f├╝r Ruhe in Ladenburg gesorgt: Hexennacht, Altstadtfest und gestern die Realschulfeier kamen ohne Exzesse und Zerst├Ârungen, Gewalt und Krankenhausf├Ąllen aus: „Die sollen feiern, ich w├╝rde das auch wollen“, sagt der Revierleiter: „Aber es muss im Rahmen bleiben.“

Hei├čt ├╝bersetzt: Party ja – Rambazamba nein. Eigentlich schade, dass viele Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler die Party deshalb „etwas mau“ fanden. Hey – freut Euch. Schule geschafft ist doch toll. Und man kann sich auch ohne Alk freuen. Man kann aber auch ein Bierchen trinken und sich entspannen, Spa├č miteinander haben. Stockbesoffen in der Gegend rumzufallen ist alles andere als cool.

Wie es in Heidelberg zugegangen sein muss, beschreibt dieser Polizeibericht:

„Fr├╝her da – schneller betrunken – fr├╝h wieder weg, so verlief in K├╝rze der „Besuch“ vieler Realsch├╝ler aus Heidelberg und dem gesamten Rhein-Neckar-Kreis nach den schriftlichen Pr├╝fungen am Dienstag ab der Mittagszeit. Und manch einer muss mit einem „Nachspiel“ rechnen.

25 Anzeigen, davon 14 wegen des Genusses von „harten“ Spirituosen (├╝berwiegend Wodka!) und elf wegen Rauchens, sowie in einem Fall der Besitz von Marihuana, diese Bilanz zog die Polizei alleine auf dem Bismarckplatz am Dienstagmittag.

Das Ziel der 15 – 17-J├Ąhrigen war wie alle Jahre das Neckarvorland. Und mancher schaffte es gerade mal bis zum Hauptbahnhof. In einem Warteh├Ąuschen schlief ein 17-J├Ąhriger aus Sandhausen seinen Rausch aus. Er wurde, wie noch viele Andere, von den verst├Ąndigten Eltern abgeholt.

Schon um 14 Uhr wurde ein 16-j├Ąhriger Sch├╝ler mit ├╝ber 1,2 Promille auf die Wache gebracht, es sollte nicht der letzte sein. Einem 17-J├Ąhrigen aus Wiesloch wurde um 13.40 Uhr die Wodkaflasche weggenommen, der informierte Vater „verlangte“, dass die Flasche ausgesch├╝ttet wird. Im Endeffekt ohne Erfolg, um 17.00 Uhr fiel der Jugendliche mit ├╝ber 1,1 Promille wieder auf dem Bismarckplatz auf.

Gegen 15 Uhr erreichte die Party auf dem Neckarvorland mit etwa 600 Sch├╝lern den H├Âhepunkt. Durch zu starken Alkoholkonsum kam es bei vielen Jugendlichen zu „Totalausf├Ąllen“. Drei Jugendliche mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ein M├Ądchen musste not├Ąrztlich versorgt werden, um die anderen Sch├╝ler k├╝mmerten sich die Sanit├Ąter. Insgesamt hatte das DRK – zwei Not├Ąrzte und ├╝ber 20 Sanit├Ąter – bis zum Abend 21 Eins├Ątze zu leisten, ab 17 Uhr musste das DRK ein Einsatzzelt auf dem Neckarvorland aufbauen.

Etwa ab 15.30 Uhr setzte die Abwanderungswelle ein, kurz nach 19 Uhr waren noch etwa 100 Feiernde auf der Neckarwiese.

Zur├╝ck blieb eine „M├╝llhalde“, zahlreiche Bewohner beschwerten sich ├╝ber erbrechende und pinkelnde Sch├╝ler in ihren Vorg├Ąrten. Die Toilettenanlage unterhalb der Theodor-Heuss-Br├╝cke musste mehrfach kurzfristig geschlossen werden und konnte erst nach erfolgter Reinigung wieder ge├Âffnet werden.

Auch die Feuerwehr war im Einsatz, direkt am Neckarufer musste ein brennender Abfalleimer gel├Âscht werden.
Die Polizei hatte in den Spitzenzeiten etwa 40 Beamte im Einsatz.“

Fazit eines solchen Einsatzes: Jede Menge Kosten f├╝r den Staat. Geld, dass man besser in Schulbildung einsetzen kann. Jede Menge Anzeigen. Jede Menge ├âÔÇ×rger. Und ganz sicher ein Grund, ├╝ber ein Verbot solcher „Parties“ nachzudenken.

Das Nachsehen haben die, die in den n├Ąchsten Jahren feiern wollen. Die d├╝rfen nicht oder nur unter Auflagen. Die diesj├Ąhrigen Abg├Ąnger haben das „leidvoll“ erfahren. Die Party war in ihren Augen leider „mau“ – Schuld daran, dass weniger los war, waren vor allem zwei Randalierer, die allen anderen den Spa├č verderben.

Den Jugendlichen kann man nur w├╝nschen: Feiert Eure Parties – aber nicht bis zum Anschlag. Denn irgendwann ist leider Schluss mit lustig. Und das ist schade. F├╝r alle.

Hexennacht ohne besondere Vorkommnisse


Guten Tag!

Ladenburg, 02. Mai 2011. (red) Die Polizei war gut vorbereitet – vor allem pr├Ąventiv sollte verhindert werden, dass es Straftaten und „├╝blen Streichen“ in der Hexennacht kommt. Das Ergebnis ist erfreulich: Die Polizei musste nur in ein paar F├Ąllen „eingreifen“ – insgesamt verlief die Nacht zum ersten Mai sehr ruhig.

Von Hardy Prothmann

Im „Lagezentrum“, einem Geb├Ąude hinter dem eigentlichen Revier, haben Revierleiter Frank Hartmannsgruber und Einsatzleiter Steffen Hildebrand zun├Ąchst eine Besprechung mit den insgesamt 26 Beamten, die zus├Ątzlich zur normalen Schichtst├Ąrke von sechs Beamten, im Einsatz sind, darunter drei Jugendsachbearbeiter.

„Wir trennen das, damit der Betrieb in der Zentrale nicht gest├Ârt wird“, sagt Frank Hartmannsgruber.

Lagezentrum der Polizei. Bild: ladenburgblog.de

Polizeioberkommissar Steffen Hildebrand erl├Ąutert die Strategie: „Wir werden schon sehr fr├╝h zu Fu├č und mit Streifen Pr├Ąsenz zeigen und au├čerdem aktiv auf die Jugendlichen zugehen. Das Motto ist klar: Die Jugendlichen sollen gerne feiern – aber ohne Folgen f├╝r sich und andere.“

Deshalb sprechen die Beamte die Jugendlichen an, kontrollierten bei Verdacht auch.

Ebenfalls im „Einsatz“: Streetworkerin Esther Wichers und der ehrenamtliche Streetworker Kurt Mumme. Die beiden sprechen sich nat├╝rlich mit der Polizei ab, machen ihren „Job“ aber unabh├Ąngig von den Beamten: „Wir sind f├╝r die Jugendlichen da und holen sie runter, falls das sein muss“, sagt Frau Wichers. Die Sozialp├Ądagogin kennt die „Szene“. „Wir setzen uns daf├╝r ein, dass sie keinen Stress bekommen.“

Kurt Mumme erkl├Ąrt, warum er sich so engagiert: „Ich hatte es nicht einfach in meiner Jugend und deswegen kann ich die Jugendlichen gut verstehen. Ich finde, die sollen ihre Jugend genie├čen. Reden, zuh├Âren und verstehen, hilft.“ Als es 2007 „├âÔÇ×rger in der Weststadt“ gegeben hatte, stand sein Entschluss, sich f├╝r die Jugend einzusetzen.

Kurt Mumme unterst├╝tzt Sozialp├Ądagogin Esther Wichers. Bild: ladenburgblog.de

Nach dem Pressetermin bin ich am Neckar. Drei Heddesheimer Jungs warten dort auf Freunde. Six-Packs stehen neben ihnen. Ich will wissen, ob sie schon „Kontakt“ zur Polizei hatten. „Ja, die waren sehr freundlich. Wir k├Ânnen uns nicht beschweren.“ Der andere sagt: „Naja, sie haben uns einen „Feigling“ abgenommen, aber das ist schon ok, der war eh f├╝r einen Kumpel, der nicht kommt.“ Sie finden die Kontrollen in Ordnung: „Wir haben keinen Bock auf Stress, sondern wollen gepflegt feiern. Die Polizei macht nur ihre Arbeit, es gibt ja leider Leute, wegen denen das n├Âtig ist.“

Es ist 20:30 Uhr. Und nur wenige Jugendliche sind unterwegs. Mit 15 Grad ist es nicht gerade warm. Die drei ├╝berlegen auch, ob sie nach Heidelberg weiterziehen. Am Bahnhof ist ordentlich Betrieb – die Idee haben viele.

Die Bilanz am Sonntag nach dem Einsatz: Zwei mal wurden Zigaretten abgenommen, f├╝nf Mal hochprozentiger Alkohol bei unter 18-j├Ąhrigen. Ein betrunkener Radfahrer, der seinen F├╝hrerschein schon zuvor hatte abgeben m├╝ssen, durfte seine Wackelfahrt nicht fortsetzen. Au├čerdem wurde eine EC-Karte sichergestellt, die ein Jugendlicher dabei hatte und zu der er keine plausiblen Angaben machen konnte.

In Seckenheim schlichtete die Polizei eine Rangelei. Dank der Information durch einen Busfahrer war man schnell zur Stelle. „Einen 14-j├Ąhrigen mit „Artikulationsschwierigkeiten“ haben wir den Eltern ├╝berstellt“, sagt Frank Hartmannsgruber.

In den Vorjahren waren Eier an Hausw├Ąnde geworfen worden – solche oder andere Sch├Ąden waren gestern noch keine gemeldet worden. Insgesamt ist die Polizei mit ihrem Einsatz und dem Verhalten der Jugendlichen sehr zufrieden. Auch in Heidelberg verliefen die Mai-Feiern „st├Ârungsfrei“.