Freitag, 01. Juli 2022

BUND Heddesheim engagiert sich auch 2013 fĂŒr den Naturschutz

VermĂŒllte Biotope und ein zerstörtes Insektenhotel

Heddesheim, 20. Februar 2013. (red/zef) Auch fĂŒr das Jahr 2013 stehen bei der Ortsgruppe Heddesheim des Bunds fĂŒr Umwelt und Naturschutz in Deutschland große Herausforderungen an: Die Biotope sind teilweise heftig vermĂŒllt, das Insektenhotel wurde erneut zerstört. Auf der Jahreshauptversammlung stellte die Ortsgruppe die Weichen, um dies zu meistern.

Von Ziad-Emanuel Farag

Am Samstag, den 23. Februar, sĂ€ubert die BUND-Gruppe Heddesheim die Biotope. Maria Landenberger, Vorsitzende der Ortsgruppe, Ă€ußert sich hierzu optimistisch:

Gut 20 Personen aus Heddesheim haben letztes Jahr sehr viel MĂŒll aus den Biotopen entfernt. Es haben sehr viele mit angepackt, die zum Teil gar nicht Mitglied der Ortsgruppe sind. Das hat uns sehr gefreut. Auch in diesem Jahr hoffen wir wieder auf viele tatkrĂ€ftige UnterstĂŒtzung. Besonders in den LandgrĂ€ben können wir jede helfende Hand gebrauchen. Es ist erschreckend, dass jedes Jahr ÖlfĂ€sser auftauchen.

Ihre GrundstĂŒcke möchte die Ortsgruppe pflegen und so weitere FlĂ€chen unberĂŒhrter Natur schaffen. Dabei stören momentan wildwuchernde Brombeeren und Kirschen, die der restlichen Vegetation kaum Platz lassen. Hierbei soll auch das Insektenhotel wieder aufgebaut werden. Wie 2009 wurde es auch 2012 zerstört.

Der Vorstand der BUND-Gruppe Heddesheim (von links nach rechts): Dr. Klaus Wagner (stellvertretender Vorsitzender und Kassenwart) Johanna Fath und Richard Landenberger (KassenprĂŒfer) und Maria Landenberger (Vorsitzende)

Insgesamt kann man aber mit der Bilanz fĂŒr 2012 zufrieden sein: Am 26. Juli 2012 konnten am Badesee in Heddesheim ZwergfledermĂ€use in freier Wildbahn beobachtet werden. Es stand außerdem eine KrĂ€uterwanderung in Hemsbach an. Die reiche Flora und Fauna des Odenwaldes erwies sich hierfĂŒr als reichhaltiger Schatz.

Das Ganze stieß auf so eine große Resonanz, dass es in diesem Jahr auch eine fĂŒr Eltern und ihre Kinder stattfinden wird. Ebenfalls wird es eine Aktion geben, bei der Kinder zusammen mit ihren Eltern PfĂ€hle bauen, die die einzelnen GrundstĂŒcke begrenzen sollen.

Die gute Arbeit 2012 schlug sich auch in den Vorstandswahlen nieder: Maria Landenberger als erste Vorsitzende und Dr. Klaus Wagner als Kassenwart und ihr Stellvertreter wurden einstimmig wiedergewÀhlt.

 

Der Freund der Vögel

Kurt Klemm ist ein leidenschaftlicher Mensch. Seine Begeisterung gilt der Natur. Seine Liebe zu den Vögeln hat er bereits als Junge entdeckt.

von Hardy Prothmann

„Ich versuche, den Menschen die Natur nĂ€her zu bringen“, sagt Kurt Klemm (62). Das klingt bescheiden, ist es auch, aber irgendwie auch nicht. Denn er versucht es nicht nur, sondern er hat Erfolg damit.

Kurt Klemm mit einem Spatz: das das Findelkind hat er groß gezogen. Bild: privat

Kurt Klemm mit einem Spatz: das "Findelkind" hat er groß gezogen. Bild: privat

1960 grĂŒndete sein Vater mit anderen den Verein der Vogelfreunde e.V. in Heddesheim. Heute, 49 Jahre spĂ€ter, unterhĂ€lt der Verein seit 1973 ein Vogelschutzgebiet. 1978 kam der Vogelpark hinzu. Mit viel MĂŒhe hat sich der Verein weiteres GelĂ€nde dazu erkĂ€mpft, eine Streuobstwiese und ein StĂŒck naturbelassen Wald zwischen dem Park und dem Badesee. Der Wald wurde vom Verein erst aufgeforstet.

Das ist ein Naturschutzgebiet.“ Kurt Klemm

Die Gemeinde nennt das GelĂ€nde „Naherholungsgebiet“. Kurt Klemm sagt: „Das ist ein Naturschutzgebiet.“ Dieser Unterschied ist ihm sehr wichtig.

Kurt Klemm als Junge mit einer KrÀhe auf dem Arm. Bild: privat

Kurt Klemm als Junge mit einer KrÀhe auf dem Arm. Bild: privat

Das heddesheimblog trifft Kurt Klemm im Vogelpark. „Sehen Sie unsere Storchenkinder? Die sind jetzt drei Wochen alt. In zwei, höchstens drei Wochen werden sie flĂŒgge und das erste Mal ihr Nest verlassen“, sagt Kurt Klemm. Weiter erzĂ€hlt er, dass die Jungstörche, solange sie noch im Netz hocken, „beringt“ werden mĂŒssen: „Die Jungen bekommen dann eine Nummer und zum Tag des Storchs können die Heddesheimer Kinder dann eine Patenschaft fĂŒr den Storch erhalten. Sie erfahren dann, wie es ihrem Storch so geht und wo er gesichtet wird.“

Drei Junge hat das Paar, die werden bald beringt. Bild: pro

Drei Junge hat das Paar, die werden bald "beringt". Bild: pro

Allerdings mĂŒssen die Paten Geduld haben: „Wenn die Jungstörche groß genug sind und ihre lange Reise nach Afrika antreten, werden sie wahrscheinlich erst in drei Jahren wieder zurĂŒckkommen, dann sind sie geschlechtsreif und suchen sich hier einen Partner.“

Faszinierende Vogelwelt

Kurt Klemm fĂŒhrt durch den Park. Zu jedem Vogel hat er mindestens eine Geschichte zu erzĂ€hlen. Manche Vögel hat der Verein angeschafft, andere wurden gebracht, manchmal verletzt in der Natur gefunden, oft aber abgegeben von ehemaligen Besitzern, die mit den Tieren ĂŒberfordert waren.

„Guten Tag“, begrĂŒĂŸen uns die Mittelbeos. „Hallo.“ Beos sind die „SprachkĂŒnstler“ unter den Vögeln und können erstaunlich echt andere Stimmen imitieren: „Was wenige wissen, fast alle Vögel sind sogenannte Spötter. Selbst ich falle manchmal drauf rein, wenn ich vermeintlich einen Pirol höre und in Wirklichkeit ist es ein Star, der den Pirol nachahmt.“

Der prachtvollste Heddesheimer: der Pfau im Vogelpark. Bild: pro

Der prachtvollste Heddesheimer: der Pfau im Vogelpark. Bild: pro

Plötzlich lacht der „lachende Hans“, der eigentlich in Australien lebt: „Die Aborigines sagen ĂŒber den Hans, dass er die Aufgabe hat, den Menschen gute Laune zu bringen. Außerdem verehren sie ihn, weil er Giftschlangen frißt.“ Kurt Klemm hofft, dass zutrifft, was er vermutet: „Wenn mich nicht alles tĂ€uscht, hat das PĂ€rchen ein Nest gebaut und brĂŒtet.“

Intensive Beziehungen zwischen Mensch und Tier

Kurt Klemms Augen leuchten – sie sind halt seine Leidenschaft, die Vögel. „Hier haben wir den Tschilp. Den Spatz habe ich aufgepĂ€ppelt. Wir versuchen zwar, Wildvögel wieder auszuwildern. Bei dem Piepmatz hat das nicht geklappt. Der ist nun schon drei Jahre bei uns und will einfach nicht mehr weg.“ Vögel können intensive Bindungen an den Menschen entwickeln. Umgekehrt gilt das auch, wenn man sich Kurt Klemm anschaut.

„Kennen Sie die? Das ist ein ganz ungewöhnlicher Vogel, die Streifengans. Die hĂ€lt den absoluten Höhenrekord. Bei ihren Wanderungen ĂŒberfliegt sie den Himalaya und schafft ĂŒber 9000 Höhenmeter, weil sie es irgendwie hinkriegt, ihr Blut zu verdĂŒnnen und dadurch in der Lage ist, da oben noch zu atmen.“ Kurt Klemm schĂŒttelt den Kopf: unvorstellbar, aber so faszinierend ist die Natur.

WĂ€hrend der Brutzeit werden die Störche mit EintageskĂŒken versorgt. Bild: pro

WĂ€hrend der Brutzeit werden die Störche mit "EintageskĂŒken" versorgt. Bild: pro

Jetzt kommt Ulrich Landenberger, im Hauptberuf Schulhausmeister, auch seine Leidenschaft gilt den Vögeln. Und mit ihm kommt der Papa Storch angeflogen. Die beiden MĂ€nner lachen: „Guck ihn Dir an, wahrscheinlich hat er schon mein Auto erkannt und weiß genau, dass es Futter gibt“, sagt Landenberger.
Er hat einen Eimer mit „EintageskĂŒken“ dabei. Er fĂŒttert KĂŒken und manchmal Fische in der Brutphase zu, „damit die kleinen Störche auch genug von ihren Eltern bekommen, falls die Jagd mal nicht so erfolgreich ist“, sagt er.

Ulrich Landenberger bringt die Beute fĂŒr die Störche: EintageskĂŒken.

Ulrich Landenberger bringt die "Beute" fĂŒr die Störche: EintageskĂŒken. Bild: pro

Und tatsĂ€chlich, kaum sind die (toten) KĂŒken in einem speziellen Eimer gelandet, kommen die Störche zum Fressen: „Wir mussten uns diese Lösung mit dem Eimer ausdenken, weil sonst die KrĂ€hen und die Elstern sich ĂŒber die KĂŒken hermachen wĂŒrden“, sagt Landenberger. Der Eimer ist hoch und mit einem Deckel verschlossen. In der Mitte gibt es ein Loch, sodass nur die Störche mit ihren langen SchnĂ€beln die „Beute“ am Boden erreichen können.

Natur pur: das Biotop der Vogelfreunde

Jetzt geht es weiter ins „Biotop“, einem Feuchtgebiet hinter dem Vogelpark. Kurt Klemm redet unaufhörlich, kann zu jeder Pflanze, an der wir vorbei kommen, etwas erzĂ€hlen: „Wir lassen das tote Holz liegen. Denn darin entwickeln sich Insekten, die wiederum sind die Nahrung fĂŒr die Vögel.“

Kennt sich aus: Kurt Klemm im Feuchtgebiet. Bild: pro

Kennt sich aus: Kurt Klemm im Feuchtgebiet. Bild: pro

Wir kommen am Seeufer an, hier hat die Jugendgruppe der Vogelfreunde Bruthöhlen fĂŒr den Eisvogel, den Vogel des Jahres 2009, Bruthöhlen gebaut: „Unsere Jugend ist wirklich klasse, die sind sehr aktiv“, sagt Klemm.

Irgendwelche Idioten schaden dem Eisvogel

„Vor zwei Jahren haben irgendwelche Idioten im geschlossenen Teil des Sees mit einem Stock ein Eisvogelweibchen erschlagen und die Brut zerstört. Dabei ist auch das Ufer abgerutscht, wo sie gebrĂŒtet haben, deswegen haben wir das hier gebaut. Allerdings zu spĂ€t fĂŒr die diesjĂ€hrige Brutzeit. Wir hoffen, dass im nĂ€chsten Jahr der Eisvogel kommt.“

Die Vogelfreunde-Jugend hat fĂŒr den Eisvogel Bruthöhlen gebaut. Bild: pro

Die Vogelfreunde-Jugend hat fĂŒr den Eisvogel Bruthöhlen gebaut. Bild: pro

Dann erzĂ€hlt er, dass die Eisvögel „SchachtelbrĂŒter“ sind. Sie haben immer zwei Brutröhren, das Weibchen legt ihre Eier in die eine und 14 Tage spĂ€ter nochmal welche in die zweite Höhle: „Das ist eine ÃƓberlebensstrategie. Viele Eisvögel kommen nicht durch einen strengen Winter. Weil die Eltern sich die Aufzucht teilen, gibt es mehr Jungvögel und das sichert den Fortbestand.“ Natur ist eben nicht nur schön, sondern auch gnadenlos.

ÃƓberall ist Kuckucksspucke

Nach dem Biotop geht es in die Streuobstwiese. Das GelĂ€nde hat der Verein ebenfalls von der Stadt gepachtet und „renaturiert“ es seit 1999. „Mittlerweile wachsen hier wieder verschiedenste Pflanzen, die wichtig fĂŒr den ökologischen Kreislauf sind“, sagt Kurt Klemm und erklĂ€rt unaufhörlich redend, welcher Vogel welche GrĂ€ser und Beeren frisst und freut sich ĂŒber die „Kuckucksspucke“, Nester, die ĂŒberall bevozugt an Disteln hĂ€ngen. Dort kleben sie und sind durch die Distel geschĂŒtzt: In den Nestern entwickelt sich die Blutzickade. Die heißt so, weil ihre Farbe eben „blutrot“ ist und ist das Insekt des Jahres 2009.

In den weißen Spucke-Tropfen entwickelt sich die Blutzickade, das Insekt des Jahres 2009. Bild: pro

In den weißen "Spucke"-Tropfen entwickelt sich die Blutzickade, das Insekt des Jahres 2009. Bild: pro

„Es gibt zu wenig naturbelassene Wiesen. Die Bauern mĂŒssen auch ihr Brot verdienen, das ist ganz klar. Aber dadurch, dass sie die Wiesen wegen der Heugewinnung mĂ€hen, zerstören sie zwangslĂ€ufig auch viele Nester der Insekten“, sagt Klemm. Und rauben Schutzraum: „Wir haben in Heddesheim auch Feldrehe, das wissen nicht viele. Ich vermute, dass die auch gerne hier auf der Wiese vorbeikommen.“ Deswegen wird hier nur einmal im Jahr gemĂ€ht und zwar Ende August.  Dann ist die Brutzeit vorbei.

Dankbar fĂŒr „LĂ€rchenfenster“

Besonders freut er sich, wenn die Bauern seiner Bitte folgen, und auf ihren Feldern ein wenig Natur unberĂŒhrt lassen: „Rainer Hege bin ich sehr dankbar, weil er ungefĂ€hr ein Dutzend „LĂ€rchenfenster“ stehen gelassen hat“, sagt Kurt Klemm, der sich besonders darĂŒber freut, dass die Vögel diese BrutrĂ€ume sofort „bezogen“ haben. Die Fenster sind unbewirtschaftete, ein paar Quadratmeter große Stellen auf den Äckern, wo die Jungvögel Raum haben, sich zu entwickeln.

Hier auf der Streuobstwiese gibt es viele Angebote: „Sitzwarte“ fĂŒr die Greifvögel, ein weiterer Horst fĂŒr Störche, eine Trockenmauer fĂŒr Eidechsen, Bienenstöcke, Nester fĂŒr Hornissen und Erdhummeln. „Die sind noch nicht angenommen worden“, sagt Kurt Klemm. „Bei den Hornissen- und Hummelnestern werden wir nachhelfen mĂŒssen und den Imker fragen, ob er uns Völker da rein setzen kann.“

Vier Bienenvölker leben auf der Streuobstwiese. Hornissen und Erdhummeln sollen sich hier auch ansiedeln. Bild: pro

Vier Bienenvölker leben auf der Streuobstwiese. Hornissen und Erdhummeln sollen sich hier auch ansiedeln. Bild: pro

Umgeben ist die Wiese mit vielen BeerenstrĂ€uchern. „Das ist unglaublich wichtig fĂŒr die Vögel. Das ist alles Nahrung. Der Holunder, der Sanddorn, der Feuerdorn und der Weißdorn beispielsweise. Ohne ein solches Angebot kommen die Vögel nicht durch den Winter.

Nach drei Stunden ist der Rundgang mit Kurt Klemm zu Ende. Und er hat wieder mal erreicht, was ihm das Wichtigste auf der Welt ist: Die Natur den Menschen nÀher zu bringen. Mit Leidenschaft.

Die Vogelfreunde im Internet: hier.

Zur Person:
Kurt Klemm (62) ist ein gebĂŒrtiger Hellesemer, verheiratet und hat einen Sohn. Der gelernte Dreher arbeitete spĂ€ter als Kontrolltechniker und war die vergangenen 32 Jahre Angestellter der Gemeinde Heddesheim. 20 Jahre lang verwaltete er die Nordbadenhalle. Sein frĂŒheres Hobby Marathonlauf ĂŒbt er nicht mehr aus, aber die Fotografie ist immer noch „sein liebstes Hobby“. NatĂŒrlich sind seine Lieblingsmotive die Vögel und andere Tiere.

Anmerkung der Redaktion:
Kurt Klemm ist Kandidat fĂŒr die Gemeinderatswahl auf der Liste von BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen. Rainer Hege ist Kandidat auf der Liste der CDU.
Dieser Artikel steht in keinem Zusammenhang mit der Kommunalwahl 2009.