Sonntag, 24. September 2023

Franziska Brantner ist Europaabgeordnete und Mutter.

Organisation ist alles

Die Europaabgeordnete Franziska Brantner ist Mutter und Politikerin.

Die Europaabgeordnete Franziska Brantner ist Mutter und Politikerin. Den Arbeitsalltag zwischen Br√ľssel, Stra√üburg und Heidelberg meistert sie mit Organisation und Effizienz.

 

Stra√üburg/Rhein-Neckar, 07. Juni 2013. (red/ld) Wenn ihre Tochter sie braucht, ist Franziska Brantner Mutter. Wenn die EU-Politik sie braucht, ist sie Abgeordnete. Die Gr√ľnen-Politikerin arbeitet im Europ√§ischen Parlament an einer L√∂sung f√ľr die Finanzkrise oder an der Durchsetzung von Frauenrechten. Im September will die 33-J√§hrige in den Bundestag gew√§hlt werden. [Weiterlesen…]

Mariettas Kolumne

Von kleinen Zielen und großer Erschöpfung

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 28. Februar 2011. Marietta hat sich f√ľr’s Neue Jahr vorgenommen, sich kleinere Zielen zu stecken und vor allem Gelassenheit zu √ľben. Das wurde auf eine harte Probe gestellt.

Von Marietta Herzberger

Das Neue Jahr ist ja schon einige Zeit alt und ich habe Gabis Ratschlag, sich kleine Ziele zu setzen, bis jetzt erfolgreich umgesetzt.

Und siehe da: Es funktioniert. Ein kleines Ziel seit diesem Jahr ist f√ľr mich: Gelassenheit √ľben. Nur nicht √ľber Nichtigkeiten aufregen. Ein weiteres ist, gro√üe Ziele in viele kleine aufzuteilen.

Der Weg ist das Ziel.

Fr√ľher sagte ich mir: „Marietta, wenn du die zehn Kilometer nicht in 6 Minuten 30 pro Kilometer l√§ufst, bist du ein Loser. Das muss drin sein.“ Das Resultat war st√§ndige Frustration.

Heute laufe ich entspannt zwei bis dreimal f√ľnf Kilometer die Woche oder auch nur einmal drei Kilometer oder gar nicht – wie gesagt – kleine Ziele. Dabei f√ľhle ich mich gut. Gerade letzte Woche haben mich zwei √ľbergewichtige Walker √ľberholt. Egal. Der Weg ist das Ziel und falscher Ehrgeiz die Bremse dahin. Der Berg ist hoch.

Unl√§ngst absolvierte ich meine gem√ľtliche Runde im „Own-Zone-Bereich“, da lachte mich bei Kilometer F√ľnf eine aparte Gr√ľnfl√§che mit zwei Parkb√§nken an. Ach, dachte ich, da findest du jetzt einen Moment zu dir selbst, und lie√ü mich auf einer der beiden B√§nke nieder.

Die Schaukel, das Kletterger√ľst und die Wippe st√∂rten mich nicht. Auch nicht die beiden kleinen, gar niedlich anzusehenden Kinder, welche friedlich nebeneinander im Sandkasten spielten. Vier Jahre alt mochten sie sein, vielleicht auch f√ľnf.

Ein Mädchen, blond gelockt wie ein Engel. Ein Junge, frecher Haarschnitt, kecke Nase, blaue Latzhose und rotes Halstuch. Niedlich! Sie häuften Sand auf, gruben Löcher, häuften Sand auf und gruben Löcher. Hach, Kinder! Meine Tochter ist schon so groß.

Das Leben ist einfach und schön.

Ihre M√ľtter sa√üen auf der anderen Parkbank nebeneinander, still und im Anblick auf ihre Nachkommenschaft vertieft. Die blonde, dauergewellte, etwas f√ľlligere Dame geh√∂rte dem √É‚Äěu√üeren nach wohl zu dem kleinen Engelchen.

Die rothaarige Mittdreißigerin wahrscheinlich zu dem Jungen. Soweit ich erkennen konnte, hatte sie die Augen geschlossen. Wahrscheinlich war sie vor lauter Entspannung eingenickt. Das Leben ist einfach und schön.

Es war ein Idyll der Ruhe und Entspannung. Genau das brauchte ich jetzt. Der Lauf hatte mich doch etwas erschöpft. Die Sonne kam heraus. Ich schloss meine Augen und döste gelöst vor mich hin.

„Meine Schaufel, du Loch!“ Ich √∂ffnete ein Auge.

„Nein, die rote ist doch meine. Dir ist die gelbe“, sagte der kleine Junge kleinlaut und zeigte auf eine gelbe Schaufel, die einsam im Sand lag.

„Piss dich, du Arsch!“

Ich öffnete das andere Auge. Kamen diese unflätigen Worte von dem putzigen Mädchen?

Blau√§ugig, blondgelockt und rosige B√§ckchen? Mein Blick erhaschte Unfassbares. Die kleine S√ľ√üe hatte sich in eine Furie verwandelt.

Hasserf√ľllt schaute sie den Jungen an; die blonde M√§hne hing ihr wirr ins vor Wut ger√∂tete Gesicht, w√§hrend sie flei√üig dabei war, ihrem Gegenspieler etwas Rotes aus den H√§nden zu rei√üen.

Mit Erfolg. Doch damit war dem noch kein Ende gesetzt. Das Herzchen begann, wild mit der Schaufel auf den Jungen einzudreschen. Der wiederum versuchte erfolglos, sich zu wehren.

Ich lass mich nicht aus der Ruhe bringen.

Wie gesagt, ich war sehr ersch√∂pft und √ľbte mich in Gelassenheit. Kinder, dachte ich.

Jaja, die Mama wird das schon regeln und helfend einspringen.

Ich beschloss, mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und senkte meine Lider wieder hinab.

„Naomi“, ert√∂nte es donnerschlaglaut von nebenan, „lass den verdammten Balg in Ruh√ā¬ī.“

Mein Idyll verabschiedete sich und ging schon mal heim.

Die kleine Blonde hatte jedoch nicht die Absicht, aufzuh√∂ren. Nun folgte eine etwas massivere, gar dr√∂hnende Aufforderung: „Naomi Schw√∂bel, h√§r soford uff oder isch knall dir √§ni!“

Erziehung wird hier √ľber Zuruf geregelt.

Offenbar regelt man hier die Erziehung √ľber Zuruf. Die Dame dachte n√§mlich nicht daran, aufzustehen, lehnte sich zur√ľck und z√ľndete sich erst einmal eine Zigarette an.

In diesem Moment wachte wohl ihre Banknachbarin auf, erkannte die prekäre Situation sofort und eilte zu ihrem Sohn.

L√∂ckchen hieb immer noch auf den Kleinen ein und schrie dabei wiederholt: „Meine Schaufel. Meine Schaufel.“

Die Mutter des Jungen nahm dem kleinen Biest die Schaufel weg und zog ihren Sohn aus der Gefahrenzone. W√§hrend sie ihrem Spr√∂ssling den Sand aus dem Mund pulte, wandte sie sich halb zu Mutter Schw√∂bel um und sagte folgende Worte: „Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn mein Lars-Olaf weiterhin mit ihrer Tochter spielt.“

Wie gesagt, ich war sehr erschöpft. Zu erschöpft, um mich zu erheben. Vielleicht aber auch zu neugierig, um zu gehen. Es versprach, interessant zu werden.

Mama Schw√∂bel wurde verd√§chtig rot im Gesicht und st√ľrzte sich gleich darauf mit Kriegsgeheul auf Lars-Olafs Erziehungsberechtigte. Diese lie√ü √ľberrumpelt die Schaufel fallen und von ihrem Kind ab. Die kleine blonde Bratze sa√ü im Sand und schrie nach ihrer roten Schaufel.

Das war ein Gewusel und Gemenge vor dem Herrn. Irgendwann hatte Engelchen die rote Schaufel wieder und Lars-Olaf saß gefesselt und geknebelt auf der Wippe. Die alte Schwöbel kniete auf der Rothaarigen und war gerade dabei, deren Aufbegehren mit Sand zu ersticken. Sie nahm dazu die gelbe Schaufel. Die rote hatte ja ihre Tochter.

Nun, ich war immer noch sehr ersch√∂pft. Voller Vertrauen auf die Vernunft und Weitsicht erwachsener Menschen, atmete ich tief durch. Der Berg ist hoch. √ÉŇďbe Gelassenheit.

Jemand musste wohl die Polizei gerufen haben. Ich hörte das typische Sirenengeheul. Aber da war ich schon längst zu Hause.

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen √ľber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos √ľberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer k√§mpft, kann verlieren. Wer nicht k√§mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir begr√ľ√üen sie herzlich und freuen uns auf die Zusammenarbeit. Wir w√ľnschen unseren Lesern viel Lesespa√ü mit ihren Texten!