Dienstag, 03. August 2021

Gabis Kolumne

Das „starke“ Geschlecht

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Guten Tag!

Heddesheim, 07. Dezember 2009.

Die Weihnachtszeit erinnert neben all dem Kommerz den ein oder anderen auch an den eigentlichen Sinn der Feier: Als das „Fest der Liebe und der Andacht“ an den Mann, der dem Abendland als Sinn- und Religionsstifter das Christentum beschert hat. Unsere Kolumnistin Gabi lässt die Zeit Revue passieren und stellt sich die Frage, wie es ist mit der Liebe und dem Kampf steht und wie wir Menschen miteinander umgehen.

Die Weihnachtszeit ist eine gute Zeit, um über alles noch einmal nachzudenken, findet Gabi. Und neben all dem Glitzer und Geblinke fällt ihr auf, dass es immer wieder um Frauen und Männer geht, um Liebe und Nachsicht, aber auch um Kampf und Härte. Für Gabi ist klar, wer das wahre starke Geschlecht ist.

„Probier es doch mit reden…“

„Wehr dich! Schlag zurück!“, „Gewalt ist keine Lösung“, „Das darfst du dir nicht gefallen lassen“, „Probier es doch mit reden, bevor du zurück haust“ – kommen in Ihnen diese Ratschläge bekannt vor? Wenn Sie eine Frau sind, sicher weniger, sind Sie männlich ist das Ihnen sicherlich vertraut.

Vor kurzem habe ich die Vorschau für eine von diesen deutschen Komödien gesehen – in die ich sicher nicht reingehen werde – in der es mal wieder um Mann und Frau und unser Rollenverständnis ging. In kurzen Sequenzen wurde zusammengeschnitten, wie kleine Jungs von Mutter und Vater gebrieft werden – wie immer mit diametral entgegen gesetzter Botschaft.

Während wir als Mädchen in dem Bewusstsein aufwachsen, alle großen und kleinen Probleme der Welt mit Kommunikation und Verständnis lösen zu können, bekommen unsere kleinen und großen Brüder, die Jungs aus der Nachbarschaft, unsere Ehemänner und Söhne zwei Ãœberzeugungen vermittelt, die weibliche und die männliche.

Folgendes Szenario: Woran denken Sie bei kleinen Jungs und lange Gegenständen? Richtig, aus den langen Gegenständen (Stock) wird ein Schwert, aus dem Rohre eine Knarre. Das Ende der Geschichte sind meist Blessuren und Tränen des Schmerzes und der Wut, unterlegen zu sein oder des Triumphs, der Sieger zu sein.

„Jungs müssen sich prügeln“, sagt der „Buddhist“.

„Jungs brauchen das, sie müssen ihre Kräfte messen, sie müssen sich prügeln“, sagte erst vor kurzem wieder der Mann einer Freundin, der sich normalerweise zu der friedlichen Weltanschauung des Buddhismus bekennt.

Ob beim Fußball oder beim Eishockey – Spieler und Fans scheuen weder vor körperlichen noch vor verbalen Attacken zurück – ein männliches Phänomen. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit Damenfußball als Gegenbeispiel.

Jungs, die sich nicht wehren, sind Looser. Mädchen dagegen Opfer.

Vor zwei Jahren wurde mein Sohn von einem älteren, körperlich eindeutig überlegenen Mitschüler gepiesackt und auch körperlich angegangen. Mein Rat, „rede mit dem Lehrer, rede mit dem Jungen, bleib bei deinen Freunden“. „Ja, ja, alles richtig“, meinte mein Mann, „aber wenn das alles nichts hilft, musst du dich wehren, hau zurück.“

Die kleinen Männer wachsen in ihrem Alltag, zu Hause, im Kindergarten, in der Grundschule zumeist – und das hat sich durch die Emanzipation wenig geändert – unter Frauen auf. Doch ihre Vorbilder suchen sie in der männlichen Welt: Im Sport, beim Vater-Sohn-Campen, in den Heldengeschichten in Büchern und Filmen.

Jungs müssen sich mit ihren Vätern kappeln, Mädchen dürfen schmusen. Schmusende Jungs sind ab einem bestimmten Alter Muttersöhnchen und dürfen es dann erst wieder mit der Freundin, denn das ist ja dann männlich.

„Was ist Erfolg?“

Ganz schön viele Klischeés, meinen Sie? Denn es hat sich doch schon ganz schön viel verändert. Ist das so? Dann frage ich Sie ganz einfach: Wann hat ihr Mann zum letzten Mal mit ihrem Sohn so richtig nett gekuschelt? Oder, wann hat Dich Dein Vater mal so richtig lieb länger als zwei Sekunden in den Arm genommen? Oder einen jungen Mann: Wann bist Du das letzte Mal mit Deinem Freund Hand-in-Hand durch die Stadt gelaufen?

Merken Sie was?

Während meines Studiums- zugegebenermaßen ist das schon eine Weile her -war der Softie groß in Mode, mit ihm konnte man stundenlang quatschen, den Liebeskummer besprechen, er war perfekt beim Zusammenleben, weil er einkaufen ging und auch mal die Waschmaschine betätigte.

Doch die angesagten Typen waren schon immer nicht wirklich WG-tauglich. Die Alpha-Männer waren begehrt und verströmten Erfolg. Und für Erfolg muss man sich ja schließlich durchsetzen können, man muss sich wehren. Verstehen Sie, was ich meine?

Nach diesen Ãœberlegungen betrachte ich die kleinen und großen Männer aus ganz neuen Augen, was müssen sie sich doch beweisen, was müssen sie sich messen.

Bleibt die Frage: Für wen tun sie das alles?

Schließlich wissen wir Frauen: Das einzig wirklich starke Geschlecht sind wir.

Und diese Stärke sollten wir erfolgreicher durchsetzen.

gabi

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

Guten Tag!

Heddesheim, 12. November 2009. Hätte das heddesheimblog keinen Hinweis aus der Bevölkerung bekommen und über den Fall zweier stark alkoholisierten Mädchen im Alter von 12 Jahren auf der Eisbahn berichtet – hätte die Öffentlichkeit nichts über den Vorfall erfahren. Aus Sicht der Gemeinde dient dieses Schweigen „der Rücksicht und dem Schutz der betroffenen Jugendlichen und deren Eltern“. Ist das so?

Kommentar: Hardy Prothmann

Das heddesheimblog musste behaarlich nachhaken, um nähere Einzelheiten von der Gemeinde über den Alkoholmissbrauch zweier 12-jähriger Mädchen am vergangenen Wochenende (07. November 2009) auf der Eisbahn zu erfahren. Warum eigentlich?

Angeblich geht es um die „Rücksicht und den Schutz der betroffenen Jugendlichen und deren Eltern“. „Wir hielten und halten es auf Ihre Anfrage hin weiterhin nicht für ein verantwortliches Handeln, den Vorfall in allen Einzelheiten öffentlich zu machen, zumal die Eltern, die zuallererst die Aufsichtspflicht über ihre minderjährigen Kinder haben, kurz nach dem Vorfall, sowie das Jugendamt am 11.11.09 informiert wurden.“

Inwieweit eine Berichterstattung wie hier im heddesheimblog eine „Bedrohung“ für die betroffenen Jugendlichen darstellen könnte, erschließt sich mir nicht.

Wer soll geschützt werden? Die Kinder oder die Verantwortlichen?

Ganz im Gegenteil habe ich mit vielen Eltern gesprochen, die sehr besorgt ob dieses Vorfalls sind und nunmehr ihre Kinder nicht mehr ohne Aufsicht auf die Eisbahn lassen wollen. Weil sie Sorge haben, dass ihre Kinder vielleicht mit Alkohol in Berührung kommen oder durch alkoholisierte Jugendliche Schaden erleiden.

Nur um „Missverständnissen“ vorzubeugen wurde die Redaktion des heddesheimblogs dann doch mit ein paar Details durch den Hauptamtsleiter und Pressesprecher Julien Christof informiert.

Was ist mit „Missverständnissen“ gemeint? Ganz einfach: Nur durch beharrliches Nachbohren war die Gemeinde überhaupt bereit, wesentliche Informationen über den Vorfall „herauszurücken“. Dass sie letztlich doch informiert hat, soll nun wohl beweisen, dass Presseanfragen „freiwillig“ beantwortet werden.

Dem ist nicht so. Ganz im Gegenteil hat die Redaktion handfeste Informationen, dass auf Anordnung des Bürgermeisters Michael Kessler das heddesheimblog bewusst und vorsätzlich immer wieder beim Versand von Informationen an die Presse übergangen wird.

Die Gemeinde hätte den Vorfall am liebsten verschwiegen.

Dieser neuerliche Vorfall aber geht weiter. Nicht nur das heddesheimblog wird nicht informiert – überhaupt keine „Öffentlichkeit“ wurde informiert, weil die Gemeinde den Vorfall am liebsten verschwiegen hätte.

Zum „Schutz der Jugendlichen“? Wer´s glaubt, wird selig.

Natürlich zum eigenen Schutz. Denn ab der Berichterstattung wird die Öffentlichkeit aufmerksam darauf achten, wie die Gemeinde sicher stellt, dass die anderen Jugendlichen „geschützt“ werden – notfalls auch vor sich selbst.

Um es noch mal ganz deutlich zu sagen: Es geht um Kinder – zwölf Jahre alt! Betrunkene Kinder! Das sind Sechstklässler. Noch dazu Mädchen, nicht etwa „Jungs“ – für deren Fehlverhalten manche noch eher Verständnis hätten, obwohl fraglich ist, wieso das „eher verständlich“ sein sollte.

Fünf Tage nach diesem Vorfall hatte die Gemeinde immer noch keine detaillierten Informationen und begründete dem heddesheimblog gegenüber diese desinteressierte Haltung damit, dass die Mitarbeiter der Eisbahn „im Schichtdienst“ arbeiten und deswegen eine „vertiefende Stellungnahme“ bislang nicht möglich gewesen sei.

Geht es noch kälter?

Eine „vertiefende Stellungnahme“ also. Geht es noch bürokratischer, desinteressierter, kälter?

Im Gegenteil beschwert sich die Gemeinde über einen Vorabbericht, in dem „Informationen weggelassen worden sein sollen“ – nämlich, dass es „seit Jahren“ ein Alkoholverbot während der Eisdisco gibt.

Was soll das heißen? „Wir haben es verboten und damit darf das nicht sein?“ Zumindest liest sich das in der „vertiefenden Stellungnahme“ dann so, in der die Gemeinde auf die Hausordnung verweist.

Anstatt sich zu fragen, wie man solche Exzesse möglichst etwa durch Aufklärung in den Griff bekommen kann, spielen die Verantwortlichen der Gemeinde die „beleidigte Leberwurst“.

Ist das angebracht angesichts dieses dringlicheren Problems besoffener Jugendlicher, die immer jünger werden?

Was nicht sein darf, ist auch nicht passiert.

Ãœber die man aber nichts weiß oder wissen will, weil Mitarbeiter Schichtdienst haben und deswegen zunächst keine bürokratisch-juristisch-korrekten „vertiefenden Stellungnahmen“ möglich sind?

Worum handelt es sich hier? Um eine Farce? Um eine Episode aus Schilda? Um Inkompetenz? Um Desinteresse? Um die unverantwortliche Haltung einer Gemeinde, die nicht wissen will, wie es zu dem Vorfall kam und lieber alles unter den Teppich kehrt? Nach dem Motto, was nicht sein darf, ist auch nicht passiert?

Oder handelt es sich schlicht und einfach um eine Ãœberforderung der Verantwortlichen, die vermeintlich abseits der sozialen Brennpunkte der Großstädte denken, auf dem Land sei noch alles in Ordnung?

„Der verantwortliche Mitarbeiter der Eisbahn hat angemessen auf den Vorfall reagiert“, teilt Herr Christof in seiner „Stellungnahme“ mit.

Davon bin ich überzeugt: Ich habe mehrere Stunden mit diesen Mitarbeitern auf der Eisbahn verbracht, um im Vorfeld der Eröffnung über deren Arbeit zu berichten. Die nehmen ihren Job sehr ernst und füllen ihn mit großem Engagement und Verantwortungsbewusstsein aus.  Diese Frage steht also überhaupt nicht zur Debatte.

Paranoide Verschwörungstheoretiker.

Zur Debatte steht das Verhalten der Gemeinde, die lieber verschweigt, statt zu informieren. Das ist in meinen Augen ein „verantwortungsloses und unangemessenes Verhalten“.

Zur Debatte steht, wie die „Eismänner“ bei ihrer Arbeit besser unterstützt werden können, damit es möglichst nicht zu solchen Vorfällen kommt.

Werden die Verantwortlichen der Gemeinde diesen Kommentar verstehen? Eher nicht. Denn die gehen nach eigener Aussage davon aus, dass das heddesheimblog „auf jeden Fehler der Verwaltung lauert“.

So gesehen, also aus Sicht „paranoider Verschwörungstheoretiker“, verstehe ich das eigene „Schutzbedürfnis“ der Verantwortlichen.

Da ich als Journalist nicht zu Verschwörungstheorien neige, sondern mich für Tranzsparenz einsetze, kann ich allerdings über dieses Verhalten und diesen Standpunkt nur den Kopf schütteln.

Interview: Die Eisbahn ist ein sozialer Ort.

Vorfall auf der Eisbahn: Alkoholisiertes Mädchen wurde in Weinheimer Klinik eingeliefert

Guten Tag!

Heddesheim, 12. November 2009. Am Wochenende kam es bei der „Eisdisco“ am Samstag zu zwei Fällen von Alkoholmissbrauch durch Kinder auf der Eislaufbahn Heddesheim. Wir berichteten bereits gestern über zwei alkoholisierte Mädchen im Alter von 12 Jahren. Heute hat die Gemeinde auf unsere Anfrage vom 10. November 2009 Details zu dem Vorfall mitgeteilt.

Nach Angaben der Gemeinde Heddesheim bemerkte einer der Eismeister am Samstag, den 07. November 2009, „dass sich ein 12-jähriges Mädchen im Beisein von anderen Jugendlichen auf dem Gelände der Eisbahn an einer Sitzbank übergeben hatte“. Das Mädchen sei nicht ansprechbar gewesen, weswegen der Eismeister den Rettungsdienst gerufen habe, der das alkoholisierte Mädchen in eine Klinik nach Weinheim gefahren habe.

Ein weiteres Mädchen habe ebenfalls Alkohol getrunken und sich auf der Toilette der Eisbahn übergeben. Der Eismeister informierte die Eltern der beiden Mädchen, die später auf der Eisbahn erschienen sind.

In beiden Fällen wurde das Jugendamt durch die Gemeinde am 11. November 2009 informiert. Zunächst hatte die Gemeinde am 10. November 2009 mitgeteilt, dass „zuständige Stellen“ informiert worden seien.

Gemeinde sieht die beiden betrunkenen 12-jährigen Mädchen als „Einzelfall“.

Auf Nachfrage der Redaktion schrieb die Gemeinde, dass sie den Alkoholmissbrauch der Kinder als „Einzelfall“ betrachte und keinen Anlass sehe, „die Organisation unserer Eisdisco grundsätzlich in Frage zu stellen, da allen Besuchern bekannt ist, dass der Alkoholkonsum während der Eisdisco verboten ist und sie mit dem Kauf der Eintrittskarte die Eislaufordnung der Kunsteisbahn der Gemeinde Heddesheim anerkennen.“

Nach dieser bestehe während der Zeiten der Eisdisco absolutes Alkoholverbot. Die Gemeinde könne nicht verhindern, „dass Personen die Eisdisco besuchen, bei denen nicht erkennbar ist, dass sie bereits im Vorfeld Alkohol getrunken haben.“ Bei Verdacht auf Alkoholkonsum vor und während der Eisdisco würden stichprobenhaft Kontrollen durchgeführt und Personen unter Umständen aufgefordert, mitgebrachte Taschen oder Rucksäcke zu öffnen.

Die Eismeister beobachteten das Geschehen permanent. Sollte sich ein Verdacht bestätigen, würden die Personen der Eisbahn verwiesen, bei Jugendlichen zudem die Eltern informiert. Man wolle die Besucher nicht pauschal unter „Generalverdacht“ stellen und alle beim Einlass kontrollieren, was „übrigens organisatorisch gar nicht zu leisten wäre“.

Trotzdem wolle die Gemeinde in den nächsten Wochen einen „speziellen Augenmerk“ in dieser Hinsicht auf die Besucher richten.

Lesen Sie auch unseren Kommentar: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog