Donnerstag, 23. MĂ€rz 2023

Vogelpark: Sieben „Wonneproppen“ beringt


Beringte Jungstörche in Heddesheim - dieses Jahr gibt es sieben Jungvögel. Tolle Leistung der Vogelfreunde: "Wahre Wonneproppen", attestiert Helmut Stein. Bild: VVH

Heddesheim, 31. Mai 2011. (red) Sieben Jungstörche – so viel Nachwuchs gab es noch nie in Heddesheim. Wer die jungen Vögel noch sehen möchte, sollte sich beeilen – in zwei Wochen werden sie anfangen, erste Flugversuche zu machen und dann die Umgebung erkunden, bevor sie vermutlich auf die lange Reise nach Afrika gehen. Dank der Beringung erfahren die Storchen-Paten, wo ihre Vögel gesichtet werden: Der Heddesheimer Nachwuchs tauchte zuletzt in MĂŒnster und Offenbach auf.

Von Kurt Klemm

Am Freitag, den 27. Mai 2011, hat Helmut Stein bei den freilebenden Weißstörchen fĂŒnf Jungstörche mit den Ringnummern: 359 – 363 beringt. Die zwei Jungstörche in der Voliere haben die Ringnummern: 364 – 365.

Helmut Stein, Leiter der Vogelwelt im Mannheimer Luisenpark, befand, dass alle sieben Jungstörche dank unserer ZufĂŒtterung richtige Wonneproppen wĂ€ren. Die Jungstörche werden in etwa 2 Wochen ihren Horst verlassen und die nĂ€chste Zeit mit ErkundungsflĂŒgen der nĂ€heren Umgebung verbringen, ehe sie die lange Reise nach Afrika antreten.

Obwohl, bedingt durch den Klimawandel viele Störche die weite Reise erst gar nicht mehr unternehmen, sondern bei uns in sĂŒdlichen Gefilden ĂŒberwintern.

Von der Vogelwarte Radolfzell „Max-Plank-Institut fĂŒr Ornithologie“ Bird Ringing Centre bekamen wir Nachricht, dass zwei Störche aus unserem Horst, die 2009 und 2010 mit folgenden Ringnummern AE..204 und AE..257 beringt wurden in MĂŒnster „Zoo Rheine“ und Offenbach „Stadion“ gesichtet und abgelesen wurden.

Hat dieses Jahr "ordentlich zu tun": FĂŒnf Jungstörche hat Helmut Sterin allein im "freien" Horst beringt, zwei weitere in der Vogliere. Bild: VVH

Anmerkung der Redaktion:
Kurt Klemm ist Vogelexperte und Naturschutzbeauftragter der Heddesheimer Vogelfreunde und -pfleger.

Von Vögeln und Fischen


Guten Tag!

Heddesheim, 30. MĂ€rz 2011. Kurt Klemm, Vogelkenner und passionierter NaturschĂŒtzer war bei den Heddesheimer Sportfischern zu Gast, um einen Vortrag zu halten. Klemm, alles andere als ein trockener Theoretiker, wĂ€hlte einen ungewöhnlichen Weg, um den Fischern den Naturschutz nĂ€her zu bringen: Er zeigte einen wunderbaren Film.

Von Christiane Eisele

Es ist bereits dĂ€mmrig, als ich das Vereinsheim der Heddesheimer Sportfischer erreiche. Um die Fischer bei ihrer dem Vortrag vorangehenden Mitgliederversammlung nicht zu stören, beschließe ich, noch ein bisschen draußen zu warten.

Ich lehne mich an das GelĂ€nder des VereinsgelĂ€ndes und schaue auf den ruhigen See. Es ist die „blaue Stunde“. Das Licht wirft ein zartes Leuchten auf den See, Wasservögel tauchen nach ihrem Abendessen, in den umliegenden StrĂ€uchern und BĂ€umen singen noch einige Vögel. Ich fĂŒhle, wie ich mich entspanne.

Kurt Klemm, der noch ein bisschen Luft schnappen will, bevor er beginnt, gesellt sich zu mir. Wir beginnen ein leises GesprĂ€ch, in dessen Verlauf ich mit seiner Hilfe vieles entdecke, was mir vorher gar nicht aufgefallen ist. Da ist die Ufer-Steilwand, in der noch vor drei Jahren ein PĂ€rchen Eisvögel gebrĂŒtet hat, bis Unbekannte mit Stöcken in den Brutröhren herumstocherten und das Weibchen auf dem Gelege töteten.

Eisvogel, Haubentaucher, Blessrallen

Die NaturschĂŒtzer haben nun eine kĂŒnstliche, nicht zugĂ€ngliche Wand angelegt und hoffen, dass sich dort wieder ein Eisvogelpaar ansiedelt. Kurt Klemm erzĂ€hlt mir aus dem Leben der vor uns im See ausdauernd tauchenden Haubentaucher, der kleinen schwarzen Blessrallen mit ihrem weißen Hornschildchen auf der Stirn und von dem Stockentenpaar, das ruhig seine Bahnen ĂŒber den See zieht.

Der Vogel, der im Baum ĂŒber uns singt, ist eine Nachtigall, erfahre ich. Kurt Klemm kennt den See und seine Tiere genau, als GrĂŒndungsmitglied des Heddesheimer Sportfischervereins fĂŒhlt er sich den Fischern auch heute noch sehr verbunden und es ist ihm ein BedĂŒrfnis mit ihnen ĂŒber den Erhalt der Artenvielfalt zu sprechen und ĂŒber das, was sie dafĂŒr tun können.

Wundervoller Ausblick

In der Pause nach der Mitgliederversammlung bis zu Kurt Klemms FilmvorfĂŒhrung komme ich im liebevoll ausgebauten, gerĂ€umigen Vereinsheim mit einigen Fischern ins GesprĂ€ch. Ihre Augen leuchten, als sie mir von der Schönheit des Sees erzĂ€hlen und mir den wunderbaren Ausblick aus den großen Fenstern des Vereinsheims zeigen. Weit ĂŒber den See hinaus reicht der Blick, bis zu den beleuchteten Burgen an der Bergstraße, ein Anblick, den sie immer wieder aufs Neue genießen.

Der Film, den Kurt Klemm zeigt, ist vor einiger Zeit im WDR gelaufen: „Die Wupper – Amazonas im Bergischen Land„. Die Wupper, bis 1930 biologisch vollkommen tot durch die Einleitung von Industrie-Unrat, hat sich sich mittels eines einfachen und preisgĂŒnstigen Konzepts wieder zu einem lebendigen Biotop entwickelt: Der Renaturierung.

Eindrucksvoller Naturfilm des WDR: Die Wupper

Der Fluss und die ihn umgebende Landschaft wurde weitgehend sich selbst ĂŒberlassen, es gab kaum Eingriffe mehr, die Einleitung von AbwĂ€ssern wurde verboten. Bis heute hat sich die Flusslandschaft vollkommen erholt, in der Wupper leben beispielsweise wieder Eschen, die nur in den saubersten GewĂ€ssern zu finden sind.

Eindrucksvolle Bilder

Mit wunderbaren, klaren Bildern erzÀhlt der Film von dem einzigartigen Zusammenspiel der Natur, zeigt eindrucksvolle Bilder vom Leben der dort heimischen Fische, Vögel, Insekten, SÀugetiere und Pflanzen. Kurt Klemm kommentiert den Film gelegentlich, macht auf Tiere aufmerksam, denen die Fischer auch am Heddesheimer See begegnen. Als ein Eisvogel zu sehen ist, erzÀhlt ein Fischer, dass der noch am See lebende mÀnnliche Vogel eines Abends auf der Spitze seiner Angel Platz genommen hat, um von dort Ausschau nach Fischen zu halten.

Der Film kommt an, das VerstĂ€ndnis der Fischer fĂŒr das Zusammenspiel der Natur und die Bereitschaft, aktiv zum Naturschutz beizutragen, ist groß.

Nach dem Film bleibt Kurt Klemm sitzen und spricht den Film und sein Anliegen mit den Anwesenden noch einmal durch. Es ist ihm wichtig, dass die Sportfischer beispielsweise ihre AngelplĂ€tze sauber halten, sich mit leisen Schritten den GewĂ€ssern nĂ€hern und das Geschrei zeternder Vögel, die ihr Gelege schĂŒtzen wollen, verstehen und darauf RĂŒcksicht nehmen.

Leidenschaft

Eingestreute Anglerwitze, eigene Naturerlebnisse, Kochrezepte fĂŒr WildkrĂ€uter und Erfahrungen mit einer weitgehend verstĂ€ndnislosen Ortsverwaltung gegenĂŒber den BedĂŒrfnissen der hier heimischen Flora und Fauna machen seine AusfĂŒhrungen ĂŒberaus lebendig, man spĂŒrt die Leidenschaft und Begeisterung, die diesen Mann antreibt.

Bei den Sportfischern ist Klemms Anliegen an diesem Abend auf mehr als fruchtbaren Boden gefallen, denn man bittet ihn, regelmĂ€ĂŸig wiederzukommen und auch der Fischerjugend von der Natur zu erzĂ€hlen. Kurt Klemm hat sich in der Naturverbundenheit dieser Menschen nicht getĂ€uscht.

Kurt Klemm wird sich zunÀchst voraussichtlich mit einem Programm an der Jugendfreizeit der Fischer ab 30. Juli 2011 beteiligen.

Werkrealschule Hirschberg/Heddesheim heißt nun Karl-Drais-Schule


Guten Tag!

Hirschberg/Heddesheim, 18. Februar 2011. Die Martin-Stöhr-Grund- und Hauptschule und die Johannes-Kepler-Schule werden nach der Zusammenlegung zur Grund- und Werkrealschule Hirschberg/Heddesheim kĂŒnftig „Karl-Drais-Schule“ heißen. Der Beschluss fiel nicht einstimmig.

Die beiden BĂŒrgermeister Manuel Just (Hirschberg) und Michael Kessler (Heddesheim) stellten in der gestrigen Sitzung des Schulzweckverbands die Beratungen in den GemeinderĂ€ten dar.

Aus Sicht der Drais-BefĂŒrworter wurde argumentiert: Ein Erfinder passe besser zu einer Werkrealschule, Drais sei auch bei SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern bekannt, es gebe einen Bezug zur Region und zum Aspekt Technik. Peter Johe (Freie WĂ€hler Hirschberg) fand den Namen Domin eher passend fĂŒr ein Gymnasium.

Die Heddesheimer GrĂŒnen Kurt Klemm, Andreas Schuster, sowie die GLH-GemeinderĂ€tin Birgit Knoblauch und die Heddesheimer SPD-GemeinderĂ€tin Karin Hoffmeister-Bugla argumentierten und stimmten hingegen fĂŒr Hilde Domin: Eine Frau wĂ€re gut um, die Rolle der Frauen zu stĂ€rken. Außerdem wĂ€re ein Bezug zur Zeit des Nationalsozialismus und der Verfolgung von Menschen gegeben, ein Thema, dass derzeit in der Region eher stiefmĂŒtterlich behandelt werde. Drais hingegen sei hĂ€ufig vertreten und deshalb etwas abgegriffe und zu naheliegend.

Der Hirschberger Gemeinderat hatte sich vor dem Heddesheimer Gemeinderat auf den Namen Drais in nicht-öffentlicher Sitzung festgelegt, wĂ€hrend der Heddesheimer Gemeinderat mehrheitlich den Namen Domin prĂ€feriert hat, aber auch Drais aufgeschlossen gegenĂŒber stand.

Acht GemeinderĂ€te stimmten dann fĂŒr Drais, vier fĂŒr Domin. Die BĂŒrgermeister, die nur „einig“ Entscheidungen fĂŒr den Verband treffen können, stimmten dann fĂŒr die Benennung in Karl-Drais-Schule.

Insgesamt gab es 85 NamensvorschlĂ€ge aus der Bevölkerung. Die „Namensgeber“ fĂŒr Drais dĂŒrfen sich ĂŒber einen 100-Euro-Einkaufsgutschein freuen, fĂŒr Hilde Domin gibt es einen Gutschein im Wert von 75 Euro und fĂŒr den drittplatzierten Namen „Loki-Schmidt-Schule“ einen im Wert von 50 Euro.

Auch eingesandt Logo-VorschlĂ€ge werden prĂ€miert – auch wenn sie nicht zum Einsatz kommen.

Karl Drais. Quelle: wikipedia

Zur Person:
Wikipedia: Karl Drais wurde am 29. April 1785 in Karlsruhe geboren und ist dort auch am 10. Dezember 1851 gestorben.

Neben seiner TĂ€tigkeit als „Erfinder“ gibt es auch „politische Verwicklungen“, wie man im Online-Lexikon nachlesen kann:
„Zu Drais’ Erfindungen gehören ein Klavierrekorder, der TastendrĂŒcke auf Papierband aufzeichnet; 1821 die erste Tastenschreibmaschine fĂŒr 25 Buchstaben (1829 weiterentwickelt zur Schnellschreibmaschine mit 16 Tasten sowie erstmals mit Lochstreifen); ein Holzsparherd mit frĂŒhester Kochkiste.

Drais’ bedeutendste Erfindung ist der VorlĂ€ufer des Fahrrads die Laufmaschine oder Draisine. Mit ihr wurde zum ersten Mal das Zweiradprinzip, die Bewegung eines Fahrzeugs mit zwei RĂ€dern auf einer Spur, verwirklicht.“

„Nachdem das Oberhofgericht Mannheim unter Vorsitz von Drais’ Vater den Burschenschafter und Kotzebue-Mörder Karl Ludwig Sand zum Tode verurteilt hatte, begannen die AnhĂ€nger des kurz darauf Hingerichteten, Drais wegen des Urteils des Vaters zu verfolgen. Deshalb wanderte er fĂŒr ein paar Jahre als Geometer nach Brasilien aus.

Nach seiner RĂŒckkehr und dem Tod des Vaters wollte man ihm seine Erfinderpension kĂŒrzen, wogegen er erfolgreich prozessierte. Darauf wurde er das Opfer von Privatrache des unterlegenen gegnerischen Anwalts. Man inszenierte eine KneipenschlĂ€gerei mit Konsequenzen.

Daraufhin verlor er seinen Kammerherrenstatus, das heißt, er wurde bei Hofe nicht mehr vorgelassen. Nachdem er sich öffentlich als Demokrat geĂ€ußert hatte, entging er 1838 nur knapp einem Mordanschlag und zog nach Waldkatzenbach im Odenwald.“

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Die Redaktion

Hinweis der Redaktion:
Wir verlinken auf andere Quellen, darunter auf Wikipedia, weisen aber ausdrĂŒcklich darauf hin, dass von uns nicht geprĂŒfte Informationen fehlerhaft sein können.

„FĂŒr die abgefahrensten Ideen sind wir immer zu haben. Udhijng – was sonst?“

Guten Tag!

Heddesheim, 17. Februar 2011. Der Mannheimer Morgen berichtet heute in einem Werbetext ĂŒber die neue Homepage der Gemeinde. Der Clou sind die „Wildcards“. BĂŒrgermeister Michael Kessler honoriert die enorme BĂŒrgerbeteiligung von 0,000869 Prozent der Einwohner und hat deswegen eine politische Bewertung beschlossen. Ab 2012 wird der Udhijng-Preis fĂŒr innovative Querdenker ganz offiziell verliehen. Die Patin Ursula Brechtel zeigt sich bescheiden. Das Unternehmen Pfenning ist Sponsoring-Partner.

Von Helle Sema

Manchmal ĂŒberrascht der Mannheimer Morgen mit besonderen Texten. Anja Görlitz hat wieder einmal so einen geschrieben, wofĂŒr wir die Dame ausdrĂŒcklich loben wollen und gleichzeitig hoffen, dass sie nicht mit einem gerichtlichen Mahnverfahren reagiert.

Frau Görlitz hat sich nĂ€mlich investigativ mit der Homepage der Gemeinde beschĂ€ftigt. In ihrem Text ist zu lesen, dass sie weiß, was man frĂŒher unter der „alten homepage“ finden konnte und nun unter der „neuen“.

Investigative Recherche löst Unruhe aus: Bedrohen die Wildcards die Ordnung? Quelle: MM

DafĂŒr muss sie eine schier unglaubliche Rechercheleistung vollbracht haben. Man stelle sich das vor: Seite um Seite, Suchbegriff um Suchbegriff hat sie die „alte Seite“ protokolliert und dann dieselben Routinen auf der neuen Seite angewendet. Das nennt man Handwerk, harte Recherchearbeit.

Das Ergebnis ist „durchmischt“ – auch das ein Beweis fĂŒr ihre unabhĂ€ngige Recherche, die zu dem Ergebnis kommt: „Nutzer finden Seite gelungen, bringen aber auch Ideen ein“.

Weiter heißt es: „Beispiel Sterbefall“. Auf der alten Seite, so die Redakteurin, habe man nur eine „knappe Auskunft“ erhalten. Ganz anders jetzt auf der neuen Homepage: Mitarbeiter, Amt, Verfahrensablauf, ja sogar Kosten und Gesetzestexte findet man da. Wahnsinn. Tolle Recherche.

Doch der neue Service hat auch Schattenseiten. Beispiel AbwassergebĂŒhr: „1,69 Euro je cbm“ informierte die alte Seite kurz und knapp, erlĂ€utert die Reporterin in ihrem Text. „Jetzt hingegen muss man in vier Treffern (sic!), darunter die Abwassersatzung, ziemlich lange suchen.“ „Vier Treffer“ – da muss die Gemeinde dringend nachbessern.

Kleiner Skandal?

Das wird die Gemeinde gar nicht gerne lesen – klingt das doch noch einem Nachteil, wenn nicht gar nach einem kleinen Skandal: Was frĂŒher auf der alten Seite kurz und knapp zu finden war, ist jetzt irgendwo intransparent versteckt. Nicht wenige Skeptiker werden sich bestĂ€tigt fĂŒhlen, dass das „Internet des Teufels“ ist, darunter auch der SPD-Franktionsvorsitzende JĂŒrgen Merx.

Aber: Keine Aufregung. Die BĂŒrger machen mit. Immerhin schon zehn Homepage-Besucher haben Anregungen geschrieben. Das sind immerhin 0,000869 Prozent der Einwohner.

Aufgedeckt: Heddesheim hat die Spezialadresse wehwehheddesheimdee. Kommentar Kessler: "Wir haben das eine W eingespart." Quelle: MM

Die Gemeindeverwaltung nimmt die BĂŒrgerbeteiligung ernst, allen voran BĂŒrgermeister Kessler und der Hauptamtsleiter Julien Christoph.

Denn die stehen bekanntlich fĂŒr Transparenz und sind deswegen auch sehr „dankbar“. Vor allem ĂŒber solche SĂ€tze: „Die neue Internetseite ist ansprechend und informativ gestaltet.“ Das zitiert der Hauptamtsleiter Christoph ganz kritisch aus einem „Verbesserungsvorschlag“.

Mal ganz ehrlich – die Heddesheimer BĂŒrger trauen sich schon was. Der Gemeinde eine „ansprechende und informative Gestaltung“ vorzuwerfen, zeugt schon von einem sehr kritischen Geist und die schonungslose Veröffentlichung weiterer Zuschriften wie „gut gelungen“ und „richtig gut“ zeugen von der demokratischen Grundhaltung in der RathausfĂŒhrung, die sich der Kritik stellt.

Als wĂ€re das nicht schon alles fĂŒr alteingesessene Heddesheimer ganz schön viel progressive Politik, mĂŒssen die nun auch noch das Wort „Wildcards“ lernen. Diese wilden Karten bietet die neue Homepage nĂ€mlich auch an.

Ist www.heddesheim.de kommunistische Propaganda?

Man muss nicht mehr genau wissen, was man eigentlich sucht, sondern gibt eine Wort gefolgt von einem * an. Der Stern * steht fĂŒr das Wilde. Das wissen auch alle, die als gute Demokraten wissen, dass der Stern sonst eher fĂŒr die Russen, den Kommunismus steht.

Doch genau das muss man jetzt eingeben, wenn man nach Buchhandlung sucht. Die Suchmaschine ist nĂ€mlich absolut korrekt und findet nichts, wenn man nur „Buch“ eingibt. Weil die neue Internetseite aber „modular“ aufgebaut ist (noch so ein Unwort), kann man Buch* eingeben und findet… Buchhandlung. Ist das nicht sensationell?

Sicher, man wird sich an solche neumodischen Dinge gewöhnen mĂŒssen. Aber mit ein wenig Spieltrieb gelingt das auch. Und im Gemeinderat gibt es ja einige GemeinderĂ€te, die gerne neues ausprobieren.

Nach meinen Recherchen haben beispielsweise Frau Brechtel, Herr Doll, Herr Hege, Herr Hasselbring und auch Herr Harbarth am vergangenen Wochenende eine Lan-Party veranstaltet.

Nein, das ist nichts unanstÀndiges. Dabei trifft man sich, baut seine Computer auf und vernetzt diese, um dann gemeinsam zu spielen.

Regeln gab es keine, Gewinner sollte der Spieler mit dem „abgefahrensten Treffer sein“.

Abgefahren: Ursula Brechtel zeigt es den anderen.

Also kein Spiel fĂŒr AnfĂ€nger, sondern fĂŒr ganz gewiefte.

Gewonnen hat die 1. stellvertretende BĂŒrgermeisterin Ursula Brechtel. Aber nur, weil Dr. Joseph Doll den „Hot-Spot“ in der demographischen Entwicklungsstudie nicht gefunden hat und Herr Hege nicht wusste, wo man den Diesel in den „Schlepp-Top“ tankt und sich wunderte, dass der Systemstart nach einer vorsorglichen Spritzaktion nicht mehr möglich war.

Herr Harbarth war auch schnell aus dem Rennen, weil er das Vereinsformular nicht gefunden hat. Denn er wollte dem Netzwerk schriftlich beitreten.

UnabhĂ€ngig davon hatte Frau Brechtel leichtes Spiel. Sie ĂŒberlegte sich einen cleveren Suchbegriff und gab Heddesheim ein. Kein Treffer.

Dann setzte sie die „Wildcard“ ein – verschmitzt lĂ€chelnd und „Bingo“. Sie hatte den brutalstmöglichen-abgefahrensten Treffer. An erster Stelle des Ergebnisses stand das „heddesheimblog“.

Brutalstmöglicher Treffer: Heddesheim alleine bringt unter Wirtschaft keine Treffer. Aber plus Wildcard schafft es das "heddesheimblog" auf den ersten Platz unter 146 Suchergebnissen! Macht BM Kessler die beauftragte Firma schadensersatzpflichtig? Sie glauben das nicht? Machen Sie den Test, klicken Sie auf die Grafik und suchen Sie nach Heddesheim*. Quelle: Gemeinde Heddesheim

Auf diese Idee musste erst mal jemand kommen! Frau Brechtel gewinnt deshalb den erstmals ausgelobten Internet- und Social Media-Preis der Gemeinde Heddesheim. Und schnell war man sich einig, dass ihren Namen kĂŒnftig damit verbinden sollte.

Denn wieder einmal hat sie sich beispiellos fĂŒr die Gemeinde eingesetzt. Dieses herausragende Engagement ist Grund genug fĂŒr BĂŒrgermeister Kessler wieder einmal ergriffen festzustellen: „Ursel, des hĂ€tt isch jedzd nett gedacht.“

Ab 2012 vergibt die Gemeinde Heddesheim den Idhijng-Preis fĂŒr innovative Querdenker ganz offiziell. Der Gewinn: Eine Wildcard und ein PortrĂ€t im Mannheimer Morgen von der Star-Journalistin Anja Görlitz.

Die Logistik-Gruppe „Pfenning“ hat sich als Sponsoring-Partner verpflichtet und wird das Konterfei des PreistrĂ€gers fĂŒr drei Monate auf jeden Lkw aufbringen lassen: „FĂŒr die abgefahrensten Ideen sind wir immer zu haben. Udhijng – was sonst?“

Vom Unding zum Udhijng.

Kurz vor Redaktionsschluss haben wir noch erfahren, dass Frank Hasselbring einen Missbilligungsantrag einbringen will, weil ihm als „Liberalem“ diese Form der Einflussnahme „stinkt“: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das mit rechten Dingen zugegangen sein soll. Man muss der Sache auf den Zahl fĂŒhlen, ob nicht der Prothmann seine Finger im Spiel hatte.“

JĂŒrgen Merx beeilte sich in einer Stellungnahme, dem beizupflichten. Reiner Lang forderte eine Klarstellung, Frau Karin Hofmeister-Bugla lĂ€chelte, ebenso Frau Ingrid Kemmet, die sich nicht zur Sache Ă€ußern wollte. Diese Haltung teilten Hans Siegel und Volker Schaaf.

Martin Kemmet „kotzten“ die Lan-Spiele an, was Kielmayer bestĂ€tigte. Walter Gerwien kĂŒndigte an: „Sollte es sich um ein illegales Spiel handeln sollte, werde ich ermitteln.“

Michael Bowien enthielt sich ebenso wie die GrĂŒnen: „Wir stimmen nur zu, wenn erstens klar gestellt ist, dass garantiert niemand atomstromgetrieben auf die Seite surft und zweitens ein Button „Free the hamster“ auf der Homepage angebracht wird.“ Kurt Klemm forderte: „Wildcards mĂŒssen geschĂŒtzt werden.“

Hardy Prothmann erklĂ€rte sich in der Sache fĂŒr „befangen“ und Ă€ußerte sich auf Nachfrage knapp: „Kein Kommentar.“

Unterdessen bestĂ€tigte BĂŒrgermeister Michael Kessler, dass pro Klick ein Euro in die Vereinsförderung fließe und als erster Nutznießer die Fortuna in nicht-öffentlicher Sitzung bestimmt worden sei, die dringend einen neuen Kunstrasen braucht: „Zehn Klicks- zehn Euro sind ein Anfang. Der Zehnte ist schon immer gut gewesen. Das wussten FĂŒrsten vor mir, das weiß auch ich, den ich bin, Ă€h, die Gemeinde, also ich, gehe davon aus, dass wir das Ziel erreichen“, Ă€ußerte sich Kessler zuversichtlich. Die Frage, ob auch er eine „Wildcard“ einsetzen wolle, ließ er offen.

GlÀserner Gemeinderat: Der Schauprozess

Guten Tag!

Heddesheim, 23. Dezember 2010. CDU, FDP, SPD und BĂŒrgermeister Michael Kessler haben in der Gemeinderatssitzung vom 22. Dezember 2010 ihren „SĂŒndenbock-Antrag“ bestĂ€tigt und gegen die Meinungsfreiheit und eine Gleichbehandlung gestimmt.

Was aus Sicht der „Anti-Prothmann-Front“ zunĂ€chst die eigenen „Rache-GelĂŒste“ befriedigt hat, wird sich langfristig als Fehler herausstellen. Die selbsternannte „Allianz der AnstĂ€ndigen“ hat ohne Sinn und Verstand ein Bekenntnis zur Meinungsfreiheit und zur demokratischen Ordnung abgelehnt.

Von Hardy Prothmann

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Hardy Prothmann, freier Journalist. Bild: sap

Der Blick in die Gesichter der GemeinderĂ€te der CDU, FDP und SPD und BĂŒrgermeister Kessler war aufschlussreich. Die Mimiken schwankten zwischen versteinerter HĂ€rte und einer gewissen lustvollen Befriedigung.

Man hatte sich verabredet, einem Mitglied aus dem Rat den „moralischen Prozess“ zu machen.

Absurde ZustÀnde.

Dass der „Missbilligungsantrag“ durchgehen wĂŒrde, war klar. Auch die AbsurditĂ€t zwischen Äußerungen und Abstimmungsverhalten war klar. Der SPD-Fraktionschef JĂŒrgen Merx konnte sich wie die SPD-Fraktion zwar dem Antrag wegen „seiner Art“ nicht anschließen, die vier SPD-GemeinderĂ€te stimmten aber zu (Michael Bowien fehlte in der Sitzung).

Auch CDU-Gemeinderat Martin Kemmet betonte ausdrĂŒcklich, dass er nicht allein mich fĂŒr die „ZustĂ€nde“ im Gemeinderat verantwortlich macht, sondern auch viele andere (ohne Namen zu nennen) und stimmte dann doch fĂŒr den Antrag.

Das muss man nicht verstehen. Das muss man aber zur Kenntnis nehmen.

Gegen das Grundgesetz.

Ebenso das Abstimmungsverhalten zu meinem erweiterten Antrag. CDU, SPD, FDP und BĂŒrgermeister Kessler haben in der Sitzung vom 22. November 2010 ausdrĂŒcklich gegen die Anerkennung von Artikel 5 Grundgesetz, sich frei eine Meinung bilden und diese Ă€ußern zu können, gestimmt. Martin Kemmet hat sich enthalten.

Und sie haben ebenso gegen eine geordnete Gleichbehandlung im Gemeinderat gestimmt. Ganz selbstverstĂ€ndlich. Ohne Zögern. Aus ÃƓberzeugung.

Ist der Schluss also richtig, dass BĂŒrgermeister Kessler und die vierzehn GemeinderĂ€te von CDU, SPD und FDP Antidemokraten sind, weil sie gegen die Anerkennung eines Grundgesetzartikels und gegen die korrekte Einhaltung der Gemeindeordnung stimmen?

Ich hoffe nicht. Ich befĂŒrchte aber, dass in der wĂŒtenden Auseinandersetzung mit meiner Person demokratische Spielregeln und demokratische ÃƓberzeugungen seit geraumer Zeit keine Rolle spielen.

Gestern wurde wieder das ĂŒbliche Rollenspiel von vorab nicht-öffentlich verabredeten Entscheidungen „öffentlich“ aufgefĂŒhrt.

„Sie sind ekelhaft.“ BĂŒrgermeister Michael Kessler zu Gemeinderat Hardy Prothmann.

In nicht-öffentlicher Sitzung darf BĂŒrgermeister Michael Kessler zu mir sagen: „Sie sind ekelhaft“, ohne dass es auch nur den Hauch einer geheuchelten Welle der Empörung gibt. Auch damals war in den Gesichtern der „Allianz der AnstĂ€ndigen“ eine lustvolle Befriedigung zu sehen. Der BĂŒrgermeister hat sich spĂ€ter dafĂŒr „entschuldigt“. Aber nicht offen und ehrlich, sondern nur irgendwie.

Ich habe gestern meine Bemerkung gegenĂŒber Herrn Hasselbring als „unangebracht“ zurĂŒckgezogen und bemĂ€ngelt, dass die Mehrheit im Gemeinderat zweierlei Maß in Sachen Anstand und Moral anlegt.

Dies wurde auch prompt durch das gewohnte Sitzungsverhalten des BĂŒrgermeisters und gewisser GemeinderĂ€te wie Herrn Dr. Doll bestĂ€tigt.

Dreckspatzigkeit.

Und durch den SPD-Gemeinderat Reiner Lang, der das journalistische Angebot des heddesheimblogs als „Dreckspatzigkeit“, als „Sauerei“ und „Schwachsinn“ bezeichnete.

Diese ĂŒble VulgĂ€rsprache fand offensichtlich die stillschweigende Anerkennung sowohl des BĂŒrgermeisters Kessler als auch die der anderen GemeinderĂ€te, die sich im Besitz des Anstands wĂ€hnen.

Unter diesen „AnstĂ€ndigen“ ist auch CDU-Gemeinderat Rainer Hege. Der hat mir gestern am Ratstisch erstmals Gruß und Handschlag verweigert. Warum, hat er nicht gesagt. Auch FDP-GemeinderĂ€tin Ingrid Kemmet verzichtet sein gestern darauf.

Doppelmoral.

Auch der BĂŒrgermeister Michael Kessler verweigert schon seit gut einem Jahr Gruß und Handschlag. CDU-Fraktionschef und Antragsteller Josef Doll sowieso wie auch FDP-Fraktionschef Frank Hasselbring und SPD-Fraktionschef JĂŒrgen Merx.

Auch CDU-Gemeinderat Hans Siegel ist seit kurzem nicht mehr in der Lage der einfachsten und erwartbarsten Form der Respektsbezeugung nachzukommen, ebensowenig wie Reiner Lang und JĂŒrgen Harbarth (beide SPD).

Die Form wahren bis heute Karin Hoffmeister-Bugla und Michael Bowien (SPD), Walter Gerwien, Dieter Kielmayer und Volker Schaaf sowie alle GemeinderĂ€te der GrĂŒnen.

Ich habe dazu gestern deutlich meine Meinung gesagt: Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, wie „Moral“ von Teilen des Gemeinderats öffentlich geheuchelt und nicht-öffentlich gemeuchelt wird.

Die selbstgefÀllige, pharisÀerhafte Doppelmoral vieler GemeinderÀte ist offensichtlich.

Selbst die BrĂŒcken, die die GemeinderĂ€te der GrĂŒnen mit ihren WortbeitrĂ€gen gebaut haben oder der Apell von Martin Kemmet (CDU), dass viele Personen an den „Heddesheimer ZustĂ€nden“ beteiligt sind, erreichte keinen der „Missbilliger“.

Front der VerhÀrtung.

Die Front der VerhĂ€rteten ist derart negativ belastet, dass eine Entspannung ĂŒberhaupt nicht zur erwarten ist.

Das zeigten auch Form, Inhalt und Vortrag des Antrags. Statt eines Apells mit Aussicht auf eine VerÀnderung oder Erneuerung der VerhÀltnisse, ging es um die Festschreibung der verbohrten Stellungen und den innigen Wunsch, mich loszuwerden.

Statt sich dem Bibelsatz „Wer unter euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein“ anzuschließen, gingen die HĂ€nde mit versteinerten Mienen der „AnklĂ€ger“ in diesem „Schauprozess“ hoch.

„Unbequemlichkeit ist wichtig.“ Andreas Schuster

Ich werde es weiter so halten, wie der GrĂŒnen-Gemeinderat Andreas Schuster es formulierte: „Ich halte eine gewisse Unbequemlichkeit fĂŒr wichtig.“

Das haben andere vor mir auch schon so gehalten, beispielsweise Georg BĂŒchner, der wegen seiner politischen Schriftstellerei per Haftbefehl gesucht wurde und nach dem heute der bedeutendste Literaturpreis Deutschlands benannt ist.

Oder Heinrich Heine, der großartige Dichter, der fĂŒr seine Dichtung „Deutschland. Ein WintermĂ€rchen“ ebenfalls per Haftbefehl gesucht wurde und dessen Werk zensiert wurde. Darin heißt es:

„Noch immer das hölzern pedantische Volk,
Noch immer ein rechter Winkel
In jeder Bewegung, und im Gesicht
Der eingefrorene DĂŒnkel.“

Besser als mit diesem Heine-Wort kann man die Haltung von CDU, FDP, SPD und BĂŒrgermeister Michael Kessler mit einer „gewissen Unbequemlichkeit“ nicht wiedergeben.

Download:
Antrag zu Meinungsfreiheit und Gleichbehandlung

hardyprothmann

„Es wurde deutlich, wie schwach und ungenĂŒgend sĂ€mtliche Gutachten sind.“

Guten Tag!

Heddesheim, 19. Dezember 2010. Am 09. Dezember 2010 fand im BĂŒrgerhaus ein Erörterungstermin zum Planfeststellungsverfahren „Gleisanschluss Pfenning“ statt.

GĂŒnther Heinisch, GrĂŒnen-Gemeinderat, sieht seine Zweifel am „Pfenning“-Projekt bestĂ€tigt: „Unterm Strich bleiben Belastungen und summieren sich vielleicht zu untragbaren Situationen“, sagt er und kritisiert im Interview, dass eine ordentliche PrĂŒfung im Gemeinderat nicht stattgefunden hat.

Geleitet wurde die Sitzung von Thorsten Maiwald vom RegierungsprĂ€sidium Karlsruhe. Anwesend waren zudem – zeitweise – BĂŒrgermeister Kessler, Mitarbeiter des Bauamts, Vertreter der „Pfenning“-Gruppe mit zwei AnwĂ€lten, Rolf Breitwieser als Anwohner samt Anwalt und die Einwender GĂŒnther Heinisch und Kurt Klemm, stellvertretend fĂŒr den Naturschutzbund e.V.. Außerdem Vertreter des Verbands Region Rhein-Neckar und des Verkehrsverbunds.

ZunĂ€chst sollte die Sitzung nicht-öffentlich sein, wurde dann aber als öffentlich freigegeben, da keine EinwĂ€nde bestanden, Zuschauer zuzulassen. Rund ein halbes Dutzend BĂŒrgerInnen verfolgten deshalb die Erörtertung, die von 09:00 Uhr bis 16:30 Uhr dauerte.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Heinisch, Sie haben am Erörterungstermin teilgenommen. Warum?

GĂŒnther Heinisch: „Weil ich als BĂŒrger eine Einwendung gegen den Gleisanschluss gemacht habe.“

Moment, sind die GrĂŒnen nicht fĂŒr das Gleis?

Heinisch: „Aber selbstverstĂ€ndlich. Jedoch ist Gleis nicht gleich Gleis, was man auch bei Stuttgart 21 sieht. Uns ist ein sinnvolles S-Bahn-Projekt lieber, als das Wohl einer einzelnen Firma. Meine Eingaben umfassen insgesamt 48 Seiten und kritisieren auch beim Gleisanschluss mangelhafte Gutachten und eine ungenĂŒgende Debatte zum Thema und den Folgen einer solchen baulichen Maßnahme im Gemeinderat.“

Was meinen Sie beispielsweise?

heinisch

GrĂŒnen-Verkehrsexperte GĂŒnther Heinisch. Foto: privat

Heinisch: „Ganz klar das LĂ€rmschutz-Gutachten. Hier wurde beispielsweise deutlich, dass der Gutachter seine Berechnungen auf falschen Angaben erstellt hat.“

Woher wissen Sie das?

Heinisch: „Das wurde wĂ€hrend der Anhörung deutlich. Der Gutachter musste sich wie andere auch auf Angaben von Pfenning als Grundlage seiner Arbeit verlassen. Danach hieß es, es gĂ€be drei Zugbewegungen pro Tag. TatsĂ€chlich wurde festgestellt, dass diese ZĂŒge natĂŒrlich wieder wegfahren und dazwischen rangiert werden muß. Insgesamt ergeben sich pro Tag mindestens 12 Fahrten bei tĂ€glich drei ZĂŒgen. Den Gutachter trifft keine Schuld bei der falschen Bewertung, er wurde falsch informiert. Wörtlich sagte er: „Das ist das erste, was ich höre.“ Und er fand die neuen Informationen sehr interessant.“

Und weiter?

Heinisch: „Auch das Artenschutzgutachten musste ja bereitsnachgebessert werden. Interessant war der Zynismus, der an den Tag gelegt wurde. Kurt Klemm war als UmweltschĂŒtzer anwesend und hat seine Erkenntnisse zum Feldhamstervorkommen vorgetragen. Er musste sich von Pfenning-AnwĂ€lten fragen lassen, ob er „Hamster-Experte“ sei. Die Antwort war eine Gegenfrage: Ob der Gutachter, im Hauptberuf ein Physiotherapeut, ein Hamster-Experte sei. Das hatte schon fast einen Kreuzverhör-Charakter einer Gerichtsverhandlung“.

Kam auch das Feinstaub-Gutachten zur Sprache?

Heinisch: „Aber sicher. Hier stellte sich nachtrĂ€glich heraus, daß nur die Werte der Autobahn berĂŒcksichtigt worden sind, der Pfenning-Verkehr und die Feinstauberzeugung durch die Zuglieferungen und die RangiertĂ€tigkeiten blieben außen vor. Ebenso der Feinstaub, den die Bahnlinie selbst erzeugt.

Gab es ein Ergebnis?

Heinisch: „Aus meiner Sicht schon: Es wurde deutlich, wie schwach und ungenĂŒgend sĂ€mtliche Gutachten sind, mit denen Pfenning hier durchgedrĂŒckt werden soll. Und etwas anderes hat die Anhörung gezeigt, das erschreckende Unvermögen und/oder die Unwilligkeit des Heddesheimer Gemeinderates in seiner 12:9 Mehrheit, das zu erkennen und danach zu handeln.“

Wie meinen Sie das?

Heinisch: „Die Gutachten wurden einfach durchgewunken. Weder die CDU, noch die SPD oder FDP hatten auch nur eine Frage dazu. Und das RegierungsprĂ€sidium ging davon aus, dass der Gleisanschluss im Gemeinerat diskutiert worden sei.“

Er war Thema.

Heinisch: „Das hat BĂŒrgermeister Michael Kessler auch so geantwortet. Es ist darĂŒber geredet worden, dass er geplant sei und mittlerweile ein Antragsverfahren eröffnet wurde. Inhaltlich, in den Details und welche Auswirkungen in Sachen LĂ€rm und Feinstaub das haben wird, darĂŒber wurde aber nicht informiert und debattiert. Eine ernstzunehmende AbwĂ€gung hat nicht stattgefunden.“

Wie war die Reaktion?

Heinisch: „Zumindest der Anwalt von Herrn Breitwieser fand diesen Punkt sehr interessant.“

Was wollen Sie damit andeuten?

Heinisch: „Ganz sicher suchen die AnwĂ€lte, die die Mitglieder der der IG neinzupfenning vertreten, nach Verfahrensfehlern. Vielleicht handelt es sich hier um einen.“

Nochmal zurĂŒck zum Anfang: Ist es nicht ein wenig paradox, dass Sie als GrĂŒner 48 Seiten EinwĂ€ndungen gegen einen Schienentransport schreiben?

Heinisch: „GrundsĂ€tzlich sind wir fĂŒr die Schiene, aber wir sind auch fĂŒr sinnvolle Schienenprojekte. Um ein solches handelt es sich hier nicht, denn es gefĂ€hrdeit die S-Bahn. DarĂŒber hinaus muss man das jeweilige Projekt im gesamten sehen. Auch beim angeblich geplanten Gleis basieren die Gutachten auf teils unzureichenden Daten, das hatten wir auch schon beim Planfestellungsverfahren zum Logistikzentrum. Unterm Strich bleiben Belastungen und summieren sich vielleicht zu untragbaren Situationen. Die GrĂŒnen verlangen eine ordentliche PrĂŒfung und klare und durchschaubare Informationen.“

Sie trennen nicht zwischen Gleis und Logistikzentrum?

Heinisch: „Wieso sollte ich? Ohne Logistikzentrum braucht es kein Gleis. Diese kĂŒnstliche Trennung haben der BĂŒrgermeister und seine Mehrheit vorgenommen. Es ist aber ein Projekt. Ich erinnere da an die CDU, die ganz klar gesagt hat: Pfenning nur mit Gleis. Es handelt sich nicht um zwei Projekte, sondern klar um ein Gesamtprojekt. Der Gleisanschluss muss ebenfalls ordentlich auf seine Vor- und Nachteile und auf mögliche Alternativen abgewogen werden. Im Heddesheimer Gemeinderat hat dies leider nicht stattgefunden.“

Zur Person:
GĂŒnther Heinisch ist ein Sprecher des BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen-Ortsverbands Heddesheim und Mitglied der GrĂŒnen-Gemeinderatsfraktion. Er hat sich fĂŒr die Fraktion umfangreich mit dem Thema Verkehr befasst und bereits das Verkehrsgutachten als „ungenĂŒgend“ und „geschönt“ bewertet.

Hintergrund:
Die Gemeinde Hirschberg an der Bergstraße prĂŒft ein Normenkontrollverfahren gegen den „Pfenning„-Bebauungsplan, unter anderem, weil der „Verkehrslenkungsvertrag“ zu Lasten der Gemeinde Hirschberg gehe. Aber auch, weil im Jahr 2000 ein Verkehrsgutachten dem Hirschberger Kreisel am Gewerbegebiet den „Kollaps“ voraussagt und derselbe Gutachter zehn Jahre spĂ€ter diesem Kreisel auch mit „Pfenning“-Verkehr noch ein ausreichend attestiert.

Anmerkung der Redaktion:
Hardy Prothmann ist verantwortlich fĂŒr das heddesheimblog und außerdem partei- und fraktionsfreier Gemeinderat.

Demo gegen „Pfenningheim“

Guten Tag!

Heddesheim, 08. November 2010. Der Ortsverein BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen hatte am Samstag, den 06. November 2010, zu einer Demonstration gegen die geplante Ansiedlung des Logistik-Unternehmens „Pfenning“ aufgerufen. Rund 90 Menschen nahmen an der friedlichen Demonstration durch den Ortskern teil.

Kurz nach 14 Uhr setzten sich gut 70 Menschen zur (der Redaktion bekannten) ersten Demonstration in Heddesheim in Bewegung.

Die von den zustĂ€ndigen Behörden genehmigte Demonstration ging vom Fritz-Kessler-Platz ĂŒber die Beindstraße, Nuiststraße, Vorstadtstraße, Oberdorfstraße und Schaafeckstraße bis zum Dorfplatz. WĂ€hrend des Zuges schlossen sich weitere Menschen an.

Vereinzelt beobachteten Anwohner aus Fenstern oder Hofeinfahrten die Demonstration. Hinter geschlossenen Fenstern konnte man einige Anwohner sehen oder vermuten, die den Zug beobachteten. Im Vergleich zu sonstigen „UmzĂŒgen“ wirkte die Demonstration aber sehr „einsam“.

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BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen haben zur ersten Heddesheimer "Demo" aufgerufen: Gegen Pfenning.

Mit lauter Trommel, Trillerpfeifen und hochgehaltenen Plakaten marschierten die Demonstranten angesichts des schlechten Wetters mit starken Regenschauern recht flott den angemeldeten Demonstrationsweg durch den Heddesheimer Ortskern.

Gegen 15:00 Uhr wurde nach der Ankunft auf dem Dorfplatz eine Kundgebung abgehalten. Der Heddesheimer GrĂŒnen-Gemeinderat GĂŒnter Heinisch, der „IG neinzupfenning“-Sprecher Hans Weber sowie der Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Sckerl (BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen) sprachen zu den mittlerweile gut 90 versammelten BĂŒrgerInnen.

Herr Heinisch sagte: „Pfenning in Heddesheim – eine Wahnsinnsidee, eine Holding ansiedeln zu wollen, die als GeschĂ€ftsmodell hat, möglichst wenig Steuern zu zahlen und zu behaupten, dass diese Firma Gewerbesteuern bringt.“ Herr Heinisch betonte, dass „andere Parteien“ wieder „gegen besseres Wissen“, an dieser „Idee“ hesthalten.

Herr Sckerl betonte das „Demonstrationswochenende“ gegen die „Castor-Transporte“, „Stuttgart 21“ und mittlerweile auch Heddesheim: „Politik dieser Machart, ĂŒber die Köpfe der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger hinwegzuentscheiden, ist an ihrem Ende angekommen. BĂŒrgerinnen und BĂŒrger wollen mitentscheiden. Und das ist gut so.“ FĂŒr Heddesheim betonte Herr Sckerl „wichtige Strukturentscheidungen“: „Pfenning im VerhĂ€ltnis zur Gemeinde muss wie Stuttgart auch von den BĂŒrgerinnen und BĂŒrger mitentschieden werden. Und zwar aus wohlverstandenen kommunalpolitischen GrĂŒnden.“

Sonst blieben BĂŒrgerinnen und BĂŒrger „enttĂ€uscht zurĂŒck“, die einer „Phalanx von Experten“ gegenĂŒbergestanden hĂ€tten, die deren Argumente nicht ernst genommen hĂ€tten.

Herr Sckerl versprach UnterstĂŒtzung aus Stuttgart und forderte die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger auf, den Protest weiter „im Interesse von allen“ zu vertreten. Die Teilnehmerzahl von keinen 100 Demonstranten ordnete er ein: „In Stuttgart waren das anfangs keine 1.000 Demonstranten, mittlerweile sind regelmĂ€ĂŸig ĂŒber 30.000 Demonstranten vor Ort.“

Unter den 90 Demonstranten waren gut zehn Kinder und Jugendliche, sowie die GrĂŒnen-GemeinderĂ€te Kurt Klemm, GĂŒnter Heinisch, Ulrich Kettner sowie Andreas Schuster, samt hochschwangerer Gattin an seiner Seite. Außerdem der SPD-Gemeinderat Michael Bowien mit Familie. Der CDU-Gemeinderat Martin Kemmet, der bislang gegen das „Pfenning“-Projekt gestimmt hatte, hat nicht teilgenommen.

Die Demonstration wurde durch acht Beamte des Polizeireviers Ladenburg vor allem „verkehrstechnisch“ gesichert und verlief friedlich und ohne Zwischenfall.

Fotos: Anne Ewald, local4u, Horst Pölitz

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Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Anmerkung der Redaktion:
Auch der partei- und fraktionsfreie Gemeinderat Hardy Prothmann, verantwortlich fĂŒr das heddesheimblog, war vor Ort und hat die Demonstration als Journalist begleitet.

Gastbeitrag: Circus Maximus lĂ€sst grĂŒĂŸen

Guten Tag!

Heddesheim, 30. Oktober 2010. In der Gemeinderatssitzung vom Donnerstag, den 28. Oktober 2010, ging es (mal wieder) rund. Grund eines heftigen Streits: Die Gift-Aktion der Gemeinde.

Vorbemerkung:
Es schien wie ein abgekartetes Spiel als BĂŒrgermeister Michael Kessler und die CDU-GemeinderĂ€te Dr. Josef Doll, Rainer Hege und Volker Schaaff den Gemeinderat Kurt Klemm (Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen) verbal attackierten. Das erste Ziel: Man wollte es so hinstellen, als sei Kurt Klemm mit der Giftspritz-Aktion einverstanden gewesen. Das zweite Ziel: Man wollte den Gift-Einsatz herunterspielen. BĂŒrgermeister Kessler nannte das Gift denn auch ein „Planzenschutzmittel“, was ungefĂ€hr so sinnig ist, wie Kriegswaffen als „Friedenswaffen“ zu bezeichnen.
Das Theater im Gemeinderat war so absurd, dass sich Herr Klemm entschlossen hat, uns eine Satire dazu zu schicken.
Viel Spaß damit
Redaktion heddesheimblog

Von Kurt Klemm

gaius

Gaius oder gar Nero? Bild: jojo

Difficile est satiram non scribere. – Es ist schwierig keine Satire (darĂŒber) zu schreiben.

Leider lassen sich die Ereignisse, die sich am Donnerstag beim letzten Punkt in der öffentlichen Gemeinderatsitzung abspielten, nicht anders beschreiben. „Panem et circenses“ (Brot und Spiele (Wagenrennen) frei nach diesem Motto durfte jeder mal die Keule schwingen.

FĂŒr mich war es beschĂ€mend wie unterschiedlich unser Gaius CĂ€sar, BĂŒrgermeister Kessler, die (Senatoren), Mitglieder der einzelnen Fraktionen „Ad libitum“ (nach Belieben) bediente. Kollege Prothmann wurde fĂŒr sein „twittern“ wĂ€hrend der Sitzung, sofort zur Ordnung gerufen nach den Motto: „Noli turbare circulos meos“ (Störe meine Kreise nicht), unterdessen der Rest der CDU-Fraktion sein „Cum tacent clamant“ (indem sie schweigen, stimmen sie zu), zum Besten gibt.

Auf mich persönlich hatte es unser Gaius CĂ€sar zusammen mit Senator Josef (Dr. D.) besonders abgesehen gehabt, mit einer bestens einstudierten Nummer, passend zum Circus „Vita brevis, ars longa“ (Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang), versuchte man mich auf schon fast diskriminierter Art zu demontieren. Nur weil ich von meinem Recht, „Salus publica suprema lex“ (Das öffentliche Wohl ist das höchste Gesetz) und damit Schaden von Mensch und Tier fernzuhalten, Gebrauch gemacht habe.

Der CDU-Gemeinderat Hege, bekennender Christ, war plötzlich nicht wiederzuerkennen. Er demonstrierte „Testimonium paupertatis“ ein wahrlich geistiges Armutszeugnis, indem das BrĂŒllen eines Löwen noch leise ist, oder „Ex ungue leonem“ an der Klaue erkennt man den Löwen, bei dem ihm sein Fraktionskollege Schaaf in nichts nachstand. „Manus manum lavat“ eine Hand wĂ€scht die andere.

„O me mierum“ (Oh ich UnglĂŒcklicher), habe nur gewagt, das von unserem CĂ€sar als absolut harmlos eingestufte Gift, „Quod erat demonstrandum“ (was zu beweisen war), als gefĂ€hrliches Herbizid darzustellen, bei dessen Einsatz vor allem Kinder und Tiere zu Schaden kommen könnten.

„Principils obsta!“ (Wehret den AnfĂ€ngen), dass dieses Beispiel der Gemeinde nicht Schule macht, denn „Qualis rex, talis crex“ wie der König so die Herde.

Zu diesem Zeitpunkt war unserem CĂ€sar die Leitung der Sitzung vollkommend aus den HĂ€nden geglitten, auf meinen Zuruf „Sit venia verbo! (Es sei das Wort gestattet) oder „Audiatur et altera pars! (Es möge auch die andere Seite gehört werden), reagierte er nur noch „Duo cum faciunt idem, non est idem“ (Wenn sich zwei streiten freut sich der Dritte).

EhrwĂŒrdiger CĂ€sar „Sapere aude! (Wage es deinen Verstand zu gebrauchen!), denn „Si deus pro nobis, quis contra nos?“ wenn Gott fĂŒr uns ist, wer kann dann gegen uns sein? Ich hoffe das ich durch diese Satire nicht zur „Persona non grata“ (eine ungebetene Person) werde und sollte dieser Circus sich in den nĂ€chsten Gemeinderatsitzungen fortsetzen, kann ich nur rufen „Senatus Populus que Hellese quo vatis“ – Senat und Volk von Heddesheim, wohin gehst du?

Anmerkung:
Kurt Klemm ist ehemaliger „Bediensteter“ der Gemeinde Heddesheim, Vogel- und NatĂŒrschĂŒtzer und ist als parteiloser Gemeinderat Mitglieder der Fraktion BĂŒndnis90/die GrĂŒnen.
Hardy Prothmann ist partei- und fraktionsfreier Gemeinderat und verantwortlich fĂŒr das
heddesheimblog.

Der glÀserne Gemeinderat: Gift-Spritzen oder wenn der Hass einem Dr. D. den Verstand vernebelt

Guten Tag!

Heddesheim, 28. Oktober 2010. Am 26. Oktober 2010 ist im Mannheimer Morgen ein Leserbrief des CDU-Gemeinderats Dr. Josef Doll erschienen – darin sprĂŒht er giftige Kommentare in Richtung des Gemeinderats Kurt Klemm (Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen). Der Beitrag ist dermaßen konfus und wirr, dass man sich ernste Sorgen um die geistige Verfassung des Herrn Dr. Doll machen muss – dessen VerstĂ€ndnis fĂŒr die innere Verfassung unserer Demokratie ist offensichtlich lĂ€ngst vergiftet.

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Giftspritze Leserbrief: Dr. Doll kotzt sich aus. Quelle: MM

Von Hardy Prothmann

Der Leserbrief „Manchmal ist weglassen besser„*** ist eine Replik fĂŒr etwas, das nur Herr Dr. Doll weiß. Man muss vermuten, dass es irgendetwas zwischen ihm und Kurt Klemm gibt, was diesen Dr. Doll tief und andauernd schmerzt, erzĂŒrnt und ihm tollwĂŒtigen Schaum vors Maul treibt.

Denn anders ist diese als Leserbrief getarnte Verbalattacke voller Zorn, HĂ€me und Herablassung bei gleichzeitiger Arroganz nicht zu verstehen.

Vergiftete Reaktion.

Ein Grund könnte sein, dass der „ehemalige Gemeindebedienstete“, wie Herr Dr. Doll den „Kollegen“ Herrn Klemm nennt, bei der vergangenen Kommunalwahl zum ersten Mal angetreten ist und aus dem Stand mit 3.493 Stimmen „locker vom Hocker“ um gut sechs Prozent an dem „langjĂ€hrigen, verdienstvollen“ Gemeinderat Doll (3.305 Stimmen) vorbeigezogen ist.

Das Wahlergebnis darf getrost als „Sensation“ gelten – denn Kurt Klemm wurde auf Anhieb „Stimmenzweiter“ hinter der „langjĂ€hrigen, verdienstvollen“ CDU-GemeinderĂ€tin und „Stimmen-Garantin“ Ursula Brechtel, die mit ihrem Ergebnis von 3.910 Stimmen einen andersrum sensationellen Misserfolg eingefahren hat: -20,93 Prozent an Stimmen gegenĂŒber der vorhergehenden Wahl waren ein mehr als beachtlicher Verlust.

Herr Doll schnitt nur unwesentlich schlechter mit einem Minus von 18,54 Prozent ab. Ebenfalls ein beachtlicher Denkzettel, der kein Nachdenken bewirkt hat.

Das muss ein schmerzhaftes, fast schon traumatisches Erlebnis gewesen sein, fĂŒr einen Mann, dem sein CDU-Kollege Rainer Hege (-17,17 Prozent) nachsagt, er sei ein Mann, „der der Wahrheit am nĂ€chsten kommt„.

TatsĂ€chlich ist Herr Dr. Doll, ein spĂ€t promovierter Physiker, ehemaliger Angestellter ohne jede auch nur nanoskopisch erkennbare Relevanz im „Wissenschaftsbetrieb“, ein Prahlhans und TĂ€uscher vor dem Herrn.

Stur, selbstverliebt und unertrÀglich.

Und leider auch ein Vertreter dieses Typus alter MĂ€nner, denen „Altersweisheit“ abgeht und die ganz im Gegenteil von sich glauben, noch mit jedem Gefasel, das sie von sich geben, rechter als recht zu sein. Stur, selbstverliebt und unertrĂ€glich.

Selbst dem in Sachen Doll mit einer unendlichen Geduld beschlagenen Herrn BĂŒrgermeister Kessler, der sich sonst eher durch barsche Ungeduld auszeichnet, wird der Dr. Doll immer öfter zur Qual.

Aufforderungen, zum Punkt zu kommen, sind keine Seltenheit in Gemeinderatssitzungen, in denen Herr Dr. Doll seit einiger Zeit immer öfter einzunicken scheint, um dann Reden zu schwingen, die im Vergessen dessen enden, was er eigentlich sagen wollte. Wenn er dann versucht einen Witz zu reißen, bleiben nur peinliche Pausen.

In seinem Traktat „Manchmal ist weglassen besser“ ist sein erster Impuls: „Dieser Artikel ist unnötig.“

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Wirkt oft verwirrt und ohne Anschluss: Dr. Josef Doll. (aufgenommen am Abend der Kommunalwahl 2009) Bild: heddesheimblog.de

Werden Artikel nur aus „Not“ geschrieben? Beschreibt Herr Dr. Doll seine eigene Notdurft, der er in seinem Leserbrief einen notdĂŒrftigen Lauf lĂ€ĂŸt?

Die TonalitĂ€t des Textes ist von solch einer herablassenden Art gekennzeichnet, die Herr Dr. Doll sonst bei anderen zu erkennen glaubt, von denen er meint, sie kippten „KĂŒbel voller Dreck und Unrat“ ĂŒber anderen aus.

Hass und Verachtung.

Drei Viertel des Textes sind von Hass und Verachtung geprĂ€gt – dafĂŒr mĂŒsste der bekennende Christ und angebliche Demokrat Doll vor dem Herrn viele Beichten ablegen, was ihn dazu „getrieben“ hat. Zweifellos darf man die Frage stellen, was in jemandem, der so voller Hass und HĂ€me ist, noch christlich sein könnte?

Die Natur gilt Herrn Dr. Doll nichts mehr. Statt ein wenig nachzudenken und sich tatsĂ€chlich zu informieren, was man von einem promovierten Physiker erwarten können sollte, wischt er jeden Zweifel beiseite, verhöhnt den anerkannten Einsatz eines Herrn Klemm fĂŒr die Natur und verfĂ€lscht wiederum die Tatsachen: „Experten beobachten beim ÃƓbergang von landwirtschaftlich bewirtschaftetem GelĂ€nde zu extensiver Nutzung Bewirtschaftung sehr oft dominierende und störende Pflanzenarten“, schreibt er.

Dabei verschweigt er die Kausalkette: Die „dominierenden“ Pflanzenarten, in diesem Fall die Ackerkratzdistel, wurde ĂŒberhaupt erst durch die industrialisierte Landwirtschaft begĂŒnstigt, sie folgt ihr geradezu. Die implizite Schlussfolgerung, diese Pflanze (und jede Menge andere) zu vergiften, ist eher eine GemĂŒtsbeschreibung des Herrn Dr. Doll, als eine Lösung fĂŒr das Problem hoffnungslos ĂŒberdĂŒngter Böden.

UnerwĂŒnschtes beseitigen.

Hier kann nur die Zeit Heilung verschaffen – ein alter Mann wie Herr Dr. Doll hat keine Zeit mehr. Er will die derangierte Natur nur noch mehr vergiften, um sich der Illussion eines „Wildblumenfeldes“ hinzugeben, das dann entstehen könnte, wenn „UnerwĂŒnschtes“ erst beseitigt ist.

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In der Summe aller Faktoren der absolute Wahlsieger: Kurt Klemm. Bild: heddesheimblog.de

In einer komplett absurden gedanklichen Volte schwenkt er um: Von der Eleminierung des „UnerwĂŒnschten“ hin zu „erfreulichen Informationen“, nĂ€mlich „Mehreinnahmen von 2 Millionen Euro“, die „BĂŒrgermeister, Gemeindeverwaltung und die Mehrheit des Gemeinderats zu gut darstellen“.

Erwartet Herr Dr. Doll ernsthaft, dass da noch jemand mitkommt?

Was hat die Kritik eines aus seiner Sicht „selbsternannten“ NaturschĂŒtzers (gibt es eigentlich staatlich anerkannte NaturschĂŒtzer?, mal abgesehen davon, dass Herr Klemm schon mehrfach fĂŒr seinen Einsatz fĂŒr die Natur geehrt wurde, wĂ€hrend Herrn Dr. Doll solche Ehrungen fehlen) an einer „Giftspritz-Aktion“ bitte schön mit kommunalen Finanzen zu tun?

Verschwörungstheorien und weiße MĂ€use.

Vielleicht eine „Verschwörungstheorie?“, die er selbst „in allen Bereichen Ã¥ la mode“ erkennt, wie er im Text schreibt? Ist Herr Dr. Doll am Ende selbst das Opfer dessen, was er um sich herum erkennt? Verschwörungstheorien? Sieht er vielleicht sogar schon weiße MĂ€use?

Herr Dr. Doll ist mit vielen dieser wirren Artikel in der jĂŒngsten Vergangenheit nicht nur fĂŒr sich selbst lĂ€ngst zur Schande geworden, sondern auch fĂŒr die Kirche und die Kirchengemeinde, fĂŒr die er einsteht und fĂŒr eine angeblich christliche Partei, dessen Fraktionsvorsitz er im Gemeinderat inne hat.

TatsĂ€chlich geht Herrn Dr. Doll auch das VerstĂ€ndnis dafĂŒr ab, dass sich Menschen aufregen, die eventuell mit einer giftigen Wiese in Kontakt kommen könnten und sich zu Recht sorgen, ob ihnen, ihren Kindern oder Tieren oder Wildtieren ein gesundheitlicher Schaden droht. Man muss Sorge haben, dass er all diese Menschen und ihre Bedenken auch als „dominierend und störend“ empfindet und sie am liebsten wegspritzen wĂŒrde.

Hohe GĂŒter besser weglassen?

klemm

Stinksauer ĂŒber Gifteinsatz: Kurt Klemm. Bild: privat

Der Schlussakkord seines wirren Leserbriefs muss aber alle aufrechten Demokraten in Heddesheim und hier zuförderst in der CDU alarmieren: „Pressefreiheit ist wie Meinungsvielfalt ein hohes Gut in der Demokratie. Manchmal ist weglassen besser.“

ÃƓbersetzt heißt das: „Es ist manchmal besser, hohe GĂŒter wegzulassen.“

Diese Aussage ist zutiefst verstörend und eines echten Demokraten nicht nur unwĂŒrdig – es ist demokratisch nicht denkbar. Wer in Sachen Pressefreiheit und Meinungsfreiheit (Meinungsvielfalt nach Doll) empfiehlt, man solle sie „manchmal besser weglassen“, muss sich fragen lassen, wie es um die eigene, innere, demokratische Verfassung bestellt ist.

Die demokratische Gesinnung des Herrn Dr. Doll ist, so muss man leider vermuten, vergifteter als jeder Acker, fĂŒr dessen fortgesetzte Vergiftung er eintritt.

hardyprothmann

P.S.
Im Mannheimer Morgen sind zum Thema heute zwei Leserbriefe erschienen, die sehr aufschlussreich sind.

***
(Anmerkung der Redaktion: Die Texte im Mannheimer Morgen sind nur fĂŒr eine begrenzte Zeit kostenfrei abrufbar. Sofern diese ĂŒberschritten ist, mĂŒssen Sie die aktuelle Ausgabe kaufen und einen Tagescode eingeben, um die im Text enthaltenen Links aufrufen zu können. Sofern Sie keine Möglichkeit dazu haben, können Sie gerne uns kontaktieren, wir ĂŒbermitteln Ihnen dann einen Zugangs-Code.)

Anmerkung der Redaktion:
Hardy Prothmann ist partei- und fraktionsfreier Gemeinderat und verantwortlich fĂŒr das heddesheimblog.

Zu Risiken und Nebenwirkungen

Guten Tag!

Heddesheim, 23. Oktober 2010. Wie aus einem „Wirbel“ eine „wĂŒnschenswerte Warnung“ werden kann, prĂ€sentiert uns der Mannheimer Morgen. Innerhalb einer Woche lernt die Zeitung, dass Hofberichterstattung kein gutes Mittel ist, um die öffentliche Meinung zu bekĂ€mpfen.

Von Hardy Prothmann

Das Thema ist ein leidiges. Kurt Klemm prangert immer und ewig einen zu radikalen Heckenschnitt durch die Gemeinde an, der den Lebensraum von Vögeln „beschneidet“ – der BĂŒrgermeister Michael Kessler nimmts zur Kenntnis und lĂ€sst die Gehölzer weiter auf das Maß roden, das ihm gefĂ€llt. Alles ĂŒber „HĂŒfthöhe“ scheint im suspekt, alles, was zu „wild“ wĂ€chst, lĂ€sst er „begradigen“, hat man den Eindruck.

Kurt Klemm redet ĂŒber „Futterpflanzen“, damit meint er nicht agrarwirtschaftlich-industriell angebaute „Superpflanzen“, sondern schlicht und einfach Brennessel und Disteln und andere KrĂ€uter. Krautige Pflanzen, die viele als „Un“kraut verstehen, die aber fĂŒr die Natur „Nutz“kraut sind.

Eine „Un“zahl von Raupen lieben die Brennessel und die Distel. Sie fressen sich satt und reif daran. Die Menschen freuen sich ĂŒber die flatternden Schmetterlinge, die BlĂŒte um BlĂŒte besuchen und bestĂ€uben. Dabei sind diese Schönheiten höchst gefĂ€hrdet. Sie werden als Raupen oder als Schmetterlinge von Vögeln gefressen oder an die Brut verfĂŒttert. Das nennt man „natĂŒrlichen Kreislauf“. Oder auch „Öko-System“.

Es gibt aber auch ein anderes System.

FĂŒr den Heddesheimer BĂŒrgermeister Michael Kessler sind diese „Natur“-KrĂ€uter einfach nur SchĂ€dlinge. Die lĂ€sst er wegspritzen. Abtöten. Kaputt machen. Ohne RĂŒcksicht auf Verluste. Dabei orientiert er sich vielleicht an den BedĂŒrfnissen von gewissen Bauern.

Wie auch immer.

Wie konsequent er das tut, konnte man in der vergangenen Woche erleben. NaturschĂŒtzer Kurt Klemm warnte mit „Gift-Schildern“ vor einer vergifteten Wiese, die BĂŒrgermeister Kessler mit „U46“ spritzen lies. Das Gift ließ Kessler spritzen und die Warschilder sofort entfernen.

Der Mannheimer Morgen berichtete zunĂ€chst: „VerblĂŒht seien die Disteln, sonst nichts.“

Das heddesheimblog stellte das in Frage, schrieb die Gemeinde an und forderte weitere Informationen und stellte die Berichterstattung des MM in Frage.

Gestern „legte“ der MM nach: „Öko-Institut: Warnung wĂ€re sinnvoll“ , ĂŒberschreibt die Zeitung einen Bericht, der sich mit einem Mal ganz anders liest. Plötzlich ist vom Gift die Rede, von „Hautreizungen“ und „ernsten AugenschĂ€den“.

Was ist passiert?

Ganz einfach. Das heddesheimblog hat Fragen gestellt und sich nicht „abwimmeln“ lassen.

Behörden, also auch die „Gemeinde Heddesheim“, mĂŒssen meistens Fragen der Presse beantworten.

Der MM, der erst von einem „Wirbel“ berichtet hat, stellte nun fest, dass eine „Warnung sinnvoll“ gewesen wĂ€re. Warum? Aufgrund eigener Fragen und Zweifel oder gar Recherche?

Oder aufgrund unserer Nachfragen, die oft viele Tage bis zu einer Antwort brauchen, wĂ€hrend der MM quasi eine Art „Standleitung“ ins BĂŒrgermeisteramt hat und so tut, als wĂŒrde die Zeitung „kritisch“ berichten?

Nun haben die Zeitung und ihre Re(d)akteurin Anja Görlitz so getan, als ob sie wirklich „aufklĂ€ren“ wollten. TatsĂ€chlich ist nur ein quasi-„kritischer“ Bericht dabei herausgekommen.

WĂ€hrend die erste Meldung noch so tat, als sei „alles in Ordnung“, tastet sich die zweite Meldung daran an, dass „wegen der möglichen Haut- und Augenreizungen“, die Öko-Institut-Expertin Rita Groß „einen Warnhinweis auf öffentlichen FlĂ€chen fĂŒr wĂŒnschenswert“ hĂ€lt. Also genau das bestĂ€tigt, was Kurt Klemm mit dem Einschlagen der Warnschilder getan hat und die Gemeinde Heddesheim, respektive ihr BĂŒrgermeister Kessler sofort wieder hat entfernen lassen.

Vermissen Sie eine Nachfrage der Zeitung gegenĂŒber der Gemeinde in der Sache? „Die Zeitung“ hat nicht nachgefragt, denn sie will „kein Fass aufmachen“.

BĂŒrgermeister Kessler und der MM beschreiben nie ohne Aufforderung, was die Risiken und Nebenwirkungen ihres Handelns bedeuten.

Um das zu erkennen, braucht es Experten wie Kurt Klemm und freie Medien wie das heddesheimblog.

Der Gift-Einsatz ist sicherlich aus Sicht des MM und der verantwortlichen Redakteurin Anja Görlitz „ausreichend“ berichtet. Aus Sicht des heddesheimblogs aber nicht.

Wir werden am Montag unsere Story dazu veröffentlichen, die mehr Fakten und Informationen ĂŒber U-46 und was die Gemeinde davon hĂ€lt, berichten wird.

Soviel ist sicher: Die anbiedernde Hofberichterstattung des MM und die „Pseudo“-Recherche der Redakteurin Anja Görlitz beweisen einmal mehr, dass der MM weit davon entfernt ist, eine journalistisch neutrale und qualitativ hochwertige Berichterstattung zu liefern.

Die Risiken und Nebenwirkungen sind bekannt.

Die konrekte Nebenwirkung heißt: Aktuell hat der MM wie schon seit Jahren zuvor an Auflage verloren.

Das Risiko heißt: Man möchte der Zeitung glauben, es gibt aber begrĂŒndete Zweifel, dass man das ohne Sorge tun kann.

„VerblĂŒht“ seien die Disteln? „Und sonst nichts“?

Das ist leider nicht so.

Frau Görlitz hat das Datenblatt vorliegen. Darin steht alles und mehr als „sonst nichts“. Ihre Berichte lassen vermuten, dass sie selbst nie in Augenschein genommen hat, worĂŒber sie „wertend“ berichtet.

Wir berichten am kommenden Montag ĂŒber „sonst nichts“.

Und das ist durchaus wörtlich gemeint.

Gift-Anfrage: Warten auf Antwort

Guten Tag!

Heddesheim, 19. Oktober 2010. WĂ€hrend wir immer noch auf Antwort durch die Gemeinde Heddesheim zu deren Spritzaktion auf der Wiese am neuen WegstĂŒck um den Badesee warten, hat uns der NaturschĂŒtzer Kurt Klemm Bilder der Wiese geschickt – inklusive Disteln. Die Aufnahmen wurden in der zweiten SeptemberhĂ€lfte gemacht.

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Ist das Unkraut auf einer Wildblumenwiese?

Bis heute ist unbekannt, was fĂŒr ein Gift die „Gemeinde“, respektive BĂŒrgermeister Michael Kessler, hat auf der Wiese verspritzen lassen. Wir haben am Freitag eine email an die Gemeinde gesendet – bislang ohne Antwort.

Typischerweise argumentiert BĂŒrgermeister Kessler gerne, die Verwaltung habe auch andere Arbeiten zu tun und unsere Anfrage belasteten die Gemeinde. Ist das so?

Der Mannheimer Morgen hat freien Telefonzugang zu Gemeindemitarbeitern – auf Anordnung von BĂŒrgermeister Kessler dĂŒrfen Gemeindemitarbeiter nicht mit unserer Redaktion sprechen.

Wir haben nur den „Ansprechpartner“ gemeinde@heddesheim.de und der ist Ă€ußerst trĂ€ge.

Wir warten also weiter auf Antwort auf die folgenden Fragen:

  • Welches Gift wurde dort ausgebracht?
  • Warum wurde das Gift verspritzt?
  • Welche Pflanzen werden von dem Gift angegriffen?
  • Ist nur „Unkraut“ betroffen oder auch nĂŒtzliche Pflanzen?
  • Warum wurde jetzt gespritzt – in wenigen Wochen dĂŒrften die Pflanzen witterungsbedingt absterben?
  • Was kostet der Gifteinsatz?

Fotos: Kurt Klemm

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Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Kurt Klemm „hat die Schnauze voll“

Guten Tag!

Heddesheim, 15. Oktober 2010. Kurt Klemm, Vogelfreund und NaturschĂŒtzer, hat „die Schnauze voll“. Wieder einmal hat „die Gemeinde“, respektive BĂŒrgermeister Michael Kessler, wider die Natur gehandelt, sagt er. Deswegen handelt er nun gegen die „Vergiftung“.

Von Hardy Prothmann

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Kurt Klemm protestiert gegen aus seiner Sicht unnötigen Gifteinsatz. Bild: privat

Der Gemeinderat (parteilos, Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen) Kurt Klemm ist „sauer“, so richtig sauer. Auf der Wiese hinter dem Vogelpark, wo das neue TeilstĂŒck des Rundwegs um den Badesee angelegt wurde, ist „Gift gesprĂŒht worden“, sagt er.

„Seit ewigen Zeiten prangere ich das an“, sagt Klemm. Er meint das Spritzen von „Unkrautvernichtungsmitteln“. Diese „UnkrĂ€uter“ seien wichtige Nahrungsgrundlage fĂŒr viele Insekten und die wiederum fĂŒr die Vögel. „Aber der will nichts verstehen und macht, was er will“, sagt Klemm und meint BĂŒrgermeister Michael Kessler.

Kurt Klemm hat sich deshalb zu einer privaten Protestaktion entschlossen. Auf der gespritzten Wiese hat er Warnschilder aufgestellt: „Vorsicht Gift“.

GlĂ€serner Gemeinderat: Im FrĂŒhjahr gibt es einen Markt – was fĂŒr einen ist unklar

Guten Tag!

Heddesheim, 13. Oktober 2010. Ab dem kommenden FrĂŒhjahr wird es auf dem Dorfplatz einen Wochenmarkt geben – mit welchen Angeboten ist noch unklar. Der Markt wird freitags stattfinden, weil angeblich Samstag kein guter Tag ist. ÃƓber einen Mittwoch oder Donnerstag wurde nicht diskutiert – ebensowenig ĂŒber die BedĂŒrfnisse der Heddesheimer BĂŒrgerInnen.

Von Hardy Prothmann

Wenn man im Gemeinderat Herrn Hasselbring (Fraktionsvorsitzender FDP) zuhört, was der so sagt, dann weiß man genau, wo der Mann einkauft: Bevorzugt in Ladenburg und Umgebung, nur nicht in Heddesheim: „In Schriesheim, Hirschberg und Ladenburg gibt es oder entsteht eine EinkaufsqualitĂ€t, die wir hier nicht mehr kriegen.“ „Super, toll, klasse“, sagt der Mann mit einer Lebendigkeit, die sonst so gar nicht an den Tag legt.

Herr Hasselbring kauft gerne in der Nachbarschaft ein.

Herr Hasselbring lĂ€sst sich so ausfĂŒhrlich schwĂ€rmend ĂŒber die tollen Standorte in der Nachbarschaft aus, dass BĂŒrgermeister Kessler kommentiert: „Bitte keine Werbung Herr Hasselbring.“ DarĂŒber wird gelacht. Haha. Dabei ist es ein ernstes Thema.

In Ladenburg ist mit der Kombination aus Edeka, Aldi und DM, ausreichend ParkplĂ€tzen und Gastronomie an der Wallstadter Straße eine Einkaufsgelegenheit entstanden, die viele Heddesheimer anzieht – seit einiger Zeit sowieso, da die Viernheimer BrĂŒcke noch bis Jahresende Baustelle ist. Zudem lockt die Altstadt – vergangenen Freitag war dort Einkaufsnacht mit ordentlich Betrieb – im krassen Gegensatz zur Heddesheimer Einkaufsnacht, die ganz klar ein Misserfolg war und das bleiben wird, solange es keinen besonderen Anreiz gibt.

In Hirschberg wird im Neubaugebiet „Sterzwinkel“ ebenfalls ein moderner Edeka-Markt entstehen – der aus Sicht der angeblich „bis zu 1.000 Arbeitnehmern“ der geplanten „Pfenning“-Ansiedlung bei weitem einfacher zu erreichen sein wird, als der Heddesheimer Edeka-Markt, der nun wahrlich keine Augenweide ist. Sofern die „bis zu 800“ Lkw tĂ€glich die Strecke nicht komplett verstopfen.

GerĂŒchte.

In Heddesheim hat die Metzgerei Schmich zugemacht, bekanntermaßen ist der Discount Treff schon lange zu und glaubt man den GerĂŒchten, die viele kennen, wird das auch so bleiben. Treff gehört ebenfalls zum Edeka-Konzern und man sagt, die Miete wĂŒrde fĂŒr den leeren Laden weiterbezahlt, damit sich dort keine Konkurrenz ansiedelt. Das ist ein GerĂŒcht, fĂŒr das Argumente sprechen. Andererseits kann man genauso gut glauben, dass da niemand rein will, weil Heddesheim und die Lage im Speziellen nicht attraktiv genug sind – es mangelt an ParkplĂ€tzen und die wollen alle haben.

Meinen Einwurf, dass man auch in Heddesheim bei einem Wochenmarkt auf ausreichend ParkplĂ€tze achten mĂŒsse, wollte niemand zur Kenntnis nehmen. Mein Antrag, ĂŒber das Internet die WĂŒnsche der Heddesheimer Bevölkerung einzusammeln, um ein möglichst zielgenaues Angebot entwickeln zu können wurde nur von den Gemeinderatskollegen Reiner Edinger und Kurt Klemm unterstĂŒtzt.

Nun hat der Gemeinderat einstimmig den Antrag der SPD auf einen Wochenmarkt beschlossen – also auch ich. Warum? Von meiner Seite als Signal. Ich glaube nĂ€mlich, dass ein attraktiver Markt ein positives Signal setzen kann. Das Angebot und die Preise mĂŒssen stimmen. Wenn man Herrn Kessler im Mai genau zugehört hat, wĂŒnscht der sich KĂ€se, Bio und Fisch und „was man sonst nicht im Ort finden kann“.

Angebote.

Naja, es gibt einen Fischwagen, im Edeka gibt es auch Bio und eine solide KĂ€setheke – irgendwie verstehe ich den BĂŒrgermeister nie so recht. Ein Angebot mit GemĂŒse und Obst ist nicht explizit besprochen worden und wird meiner Meinung nach nicht kommen. Denn das wĂ€re eine Konkurrenz fĂŒr den CDU-Vorsitzenden und Gemeinderat Rainer Hege, der einen Scheunenladen betreibt und sich demonstrativ fĂŒr befangen erklĂ€rt hat. Die Mehrheit der CDU-Mitglieder stimmte denn auch gegen den Antrag der SPD: „Wir sehen eine Konkurrenz fĂŒr die bestehenden Betriebe“, sagte Dr. Josef Doll, der CDU-Fraktionsvorsitzende. NĂ€her erlĂ€utert hat er das nicht.

Und KĂ€se, Bio, Fisch? Das sind eher hochpreisige Angebote, die sich nicht jeder leisten können wird – vielleicht wusste Herr Kielmayer schon mehr als andere, als er meinte: „Da holt man sich Appetit, aber eingekauft wird im Supermarkt.“ Ich fand das Argument absurd – da guckt man vielleicht ein- zwei Mal und beschließt dann, dass es zu teuer ist. Sicherlich geht niemand freiwillig dahin, wo er sich nichts leisten kann.

Fragen darf man aber schon, was Herr Doll denn meinen könnte? Können Brillen, BĂŒcher, Blumen, OrthopĂ€die-GerĂ€te, Schuhe, Zahnpflege, Friseurdienstleistungen, ReisebĂŒro, Sonnenstudio, Kiosk und BĂŒrobedarf Konkurrenz durch einen Wochenmarkt bekommen? Keines dieser GeschĂ€fte dĂŒrfte einen „Lebensmittel-„Markt als Konkurrenz betreiben. Der Edeka-Markt kann das verschmerzen, weil er noch andere Artikel anbietet. Der Tschibo-Laden mit Backwaren wĂ€re schon eher „betroffen“, doch der ist im Gemeinderat nicht vertreten. Der Hege-Laden noch mehr und das hat die CDU ja auch ein klares Signal gegeben.

Bereits Ende 2009 wurde der Markt von der SPD erstmals in den Gemeinderat gebracht – jetzt entschieden und frĂŒhestens in weiteren sechs Monaten soll es losgehen. Auch das ist „Standortpolitik“. Man muss sich nur wundern, wie schnell „Pfenning“ dageben vorangebracht wurde.

Geheimnisse.

Als großes Geheimnis bleibt, was denn so an Standbetreibern kommen wird. Schließlich liebt Herr Kessler Geheimnisse und hasst es, das Volk zu fragen – das hat er mit vielen ReprĂ€sentanten im Gemeinderat gemein.

WĂ€hrend der BĂŒrgermeister 2009 noch sehr unentschlossen war, gibt er sich nun zuversichtlich, dass der Markt „Kaufkraft im Ort gehalten oder zurĂŒckgeholt werden kann“.

Kurt Klemm begrĂŒĂŸte den Markt als „Ort der Begegnung“, „GrĂŒnen“-Specher Klaus Schuhmann ebenso, vor allem wegen der „Ă€lteren Leute“: „Man darf die, die nicht so mobil sind, nicht vergessen.“

CDU-Enthaltung.

Frau Brechtel, Herr Doll, Herr Kielmayer und Herr Schaaf (alle CDU) enthielten sich der Stimme, trotz des „Alten“-Arguments, das sie sonst immer hochhalten.

Auch ich finde eine Markt in Heddesheim gut, weil er den Ort attraktiv macht und den leblosen Dorfplatz wenigstens einmal die Woche mit Leben fĂŒllen kann. TatsĂ€chlich befĂŒrchte ich, dass der Bauernmarkt vor dem Rhein-Neckar-Zentrum und in Ladenburg, die zeitgleich stattfinden, eine harte Konkurrenz sind und somit der Freitag kein gut gewĂ€hlter Tag ist.

Und dann kommt es noch auf das Angebot an – man darf gespannt sein, was das sein wird.

Bevor der Markt ĂŒberhaupt starten wird, ist eines aber klar: FĂŒr die WĂŒnsche der Heddesheimer BĂŒrgerInnen haben sich weder Herr Kessler noch die Mehrheit im Gemeinderat interessiert.

Und das finde ich bedauerlich.

hardyprothmann

Anmerkung der Redaktion:
Hardy Prothmann ist partei- und fraktionsfreier Gemeinderat und verantwortlich fĂŒr das heddesheimblog.

Download:
Gemeinderat-Protokoll Mai 2010 ĂŒber die Diskussion zum Markt-Antrag der SPD.

Gastbeitrag: Der MĂ€rchenonkel

Guten Tag

Heddesheim, 28. September 2010. Der NaturschĂŒtzer Kurt Klemm, der parteiloser Gemeinderat in der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen ist, hat uns einen Gastbeitrag zum aktuellen Mitteilungsblatt geschickt – als Antwort auf einen dort veröffentlichten Artikel von Dr. Josef Doll, CDU-Fraktionsvorsitzender.

Von Kurt Klemm

In frĂŒherer Zeit und ganz besonders im Orient war der MĂ€rchenerzĂ€hler ein angesehener Beruf. Doch wie alles so im Leben, geriet dieser Beruf in Vergessenheit, weil sich niemand mehr fĂŒr MĂ€rchen interessierte.

Doch seit geraumer Zeit liest man in unserem Mitteilungsblatt der Gemeinde nach jeder Gemeinderatssitzung wieder MĂ€rchen ĂŒber die böse Fraktion der GrĂŒnen. Was ist geschehen?

Ein MĂ€rchenonkel Namens Dr. D. erzĂ€hlt von einer Zeit des Reichtums, in der lauter Pfenninge in goldene Euro fĂŒr die Gemeinde umgewandelt wĂŒrden. Großer Reichtum werde ĂŒber uns alle kommen und keiner werde mehr arm bleiben, heißt es in seiner Geschichte, die er ganz neu erzĂ€hlt.

So wird aus einer traurigen Burg ein schönes Schloss, um das die RebhĂŒhner voller Freude in einem extra fĂŒr sie geschaffenen Korridor ihr sorglosen Leben genießen und vor GlĂŒck jauchzen.

Auch RotkĂ€ppchen wird neu eingekleidet und trĂ€gt nun ein schwarz, rot, gelbes MĂŒtzchen. Die neuen bösen Wölfe sind nun die GrĂŒnkittel.

Die haben ihre Trabanten (so heißen die Kobolde) P-B-K stets in ihrem Schlepptau. Und, hört, hört, die bösen GrĂŒnkittel haben es mit ihren Kobolden zusammen tatsĂ€chlich gewagt, gegen das verheißungsvolle Schloss und dessen Belieferung auf sagenhaften Schienen zu stimmen, um die uns angeblich das ganze Königreich beneiden wird.

All das ist leider viel zu fantastisch, um wahr zu sein.

Unser MĂ€rchenonkel verbreitet voller Fabulierlust weitere fantastische Dinge, beispielsweise, dass die GrĂŒnen gegen den Bau einer Biogasanlage bei einer Zusammenkunft der Weisen im Bauausschuss gewesen seien. Das mag im MĂ€rchenbuch der CSLPUD (Christlich Sozial Liberale Parteien unter D.) stehen, die Wirklichkeit sieht anders aus.

Kein GrĂŒner wird je gegen eine Biogasanlage, einen Gleisanschluss oder erneuerbare Energien sein. Aber wenn zu den Baubestimmungen die der Sicherheit einer solchen Anlage dienen, ungenĂŒgende Vorarbeit geleistet wird, hat man nicht eine Glaskugel, sondern sein Gewissen und Wissen zu befragen.

Das gilt beispielsweise zum Verkehrsaufkommen zu der Biogas-Anlage, wo keine Seite eine verbindliche Aussage treffen konnte. Aber immerhin hat am Ende ein GrĂŒner fĂŒr diese Anlage gestimmt, wĂ€hrend einer sich enthalten und einer wegen der unzureichenden Informationen mit Nein gestimmt hat.

Und kurz darauf muss fĂŒr unseren MĂ€rchenerzĂ€hler ein weiteres Kapitel, die Gemeinderatsitzung, nicht mehr stattgefunden haben, denn sonst hĂ€tte er die Frage des Trabanten P. (im MĂ€rchen mal Kobold, mal Giftzwerg) an unseren Bgm. sicherlich noch mitbekommen.

Der Trabant fragte den Bgm. was dieser zu unternehmen gedenke, gegen einen Professor, der behauptet, dass es in der BĂŒrgerversammlung in Heddesheim durch die Gegner der geplanten Pfennigansiedlung, zuging „wie bei den Taliban“. Immerhin wurden hierbei fast 50 Prozent aller ehrbarer BĂŒrger dieser Gemeinde, auf eine Stufe mit den GrĂ€ueltaten dieser „selbsternannten Gotteskrieger“ gestellt, worauf der Bgm. lapidar antwortete, er habe keine Kenntnis von diesem Artikel.

Meine Frage an den MĂ€rchenonkel lautet: „Wer bedient hier welche Klientel?“

Lieber MÀrchenonkel, merkst du nicht, dass man deine MÀrchen nicht mehr hören will?

Die „Untertanen“ wollen die Wahrheit hören, keine MĂ€rchen.

Die Zeit der MĂ€rchenerzĂ€hler ist doch wirklich lĂ€ngst vorbei. Dazu gehört auch deine Aussage im Mitteilungsblatt, das „erstmals nach 25 Jahren eine wichtige ökologische Entscheidung möglich war“. Lag das Reich im Dunkeln und haben sich edle Ritter aufgeschwungen, um es wieder ans Licht zu fĂŒhren. Ist es nicht so, dass du uns hinters Licht fĂŒhren willst?

Denn wer hat denn in dieser Zeit die Mehrheit gehabt und sie nicht fĂŒr eine solche Entscheidung genutzt? Das spricht doch eher fĂŒr die negative Arbeit der CSLPUD in dieser dunklen Zeit.

Im MĂ€rchen kann man die Wahrheiten verdrehen, wie man will, in der Wirklichkeit nicht.

Anmerkung der Redaktion:
GastbeitrĂ€ge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Autoren sind fĂŒr die Inhalte selbst verantwortlich.

Befangenheitsfrage, Sitzungsunterbrechung, 12:9 fĂŒr Bebauungsplan „Pfenning“

Guten Tag!

Heddesheim, 14. September 2010. (red/pöl) Der Heddesheimer Gemeinderat hat in seiner außerplanmĂ€ĂŸigen Sitzung von Montagabend den Bebauungsplan „Nördlich der Benzstraße“ („Pfenning“) erwartungsgemĂ€ĂŸ als Satzung mit 12:9 Stimmen beschlossen. Zuvor war die Sitzung gut eine Stunde unterbrochen worden, um die Frage zu prĂŒfen, ob der SPD-Gemeinderat Michael Bowien möglicherweise befangen ist.

GĂŒnter Heinisch, Gemeinderat der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen, wollte eigentlich nur eine Frage stellen, wurde aber von BĂŒrgermeister Kessler aufgefordert, diese in einem Antrag zu formulieren. Inhalt: Der SPD-Gemeinderat Michael Bowien hatte gegen den Bebauungsplan „Pfenning“ Einwendungen erhoben und trotzdem bei den entsprechenden BeschlĂŒssen mitgestimmt.

Im Januar hatte der GrĂŒnen-Sprecher Klaus Schumann sich beim Kommunalrechtsamt erkundigt, ob er als Gemeinderat Einwendungen verfassen dĂŒrfe. Das Kommunalrechtsamt antwortete, dass er dann bei Abstimmungen darĂŒber befangen sei. Also formulierten die Mitglieder der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen keine Einwendungen, damit sie unbefangen blieben.

BĂŒrgermeister Kessler warf den GrĂŒnen daraufhin vor, diese seien nicht verantwortungsvoll mit dem Schreiben umgegangen und hĂ€tten die Verwaltung informieren können. Die GrĂŒnen wiesen dies zurĂŒck, weil sie erst jetzt auf die mögliche Befangenheit des Ratsmitglieds Bowien aufmerksam geworden seien.

Nach einer heftig gefĂŒhrten Debatte unterbrach BĂŒrgermeister Kessler die Sitzung fĂŒr eine gute Stunde. Die NervositĂ€t war den Vertretern von „Pfenning“, darunter GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Nitzinger deutlich anzusehen. Mit solch einer Entwicklung hatte man nicht gerechnet.

WĂ€hrenddessen beriet sich BĂŒrgermeister Kessler mit dem Anwalt Dr. Thomas Burmeister und Verwaltungsangestellten. Sie kamen zu dem Schluss, dass Herr Bowien nicht befangen gewesen sei – also zur gegenteiligen Auffassung des Kommunalrechtsamts. Auch Michael Bowien sah das so. Letztlich wurde vom Gemeinderat darĂŒber abgestimmt: Die GrĂŒnen sahen ihn als befangen an, der partei- und fraktionsfreie Gemeinderat Hardy Prothmann enthielt sich wegen mangelnder Informationen und die restlichen 13 Stimmen sahen keine Befangenheit.

Nach mehreren Diskussionen verlas BĂŒrgermeister Kessler die AbwĂ€gungen der Verwaltung zu den Einwendungen der zweiten Offenlage, die nur an einer Stelle durch den Gemeinderat Kurt Klemm kommentiert wurde, der die Umweltgutachten als „untauglich“ zurĂŒckwies. Die AbwĂ€gung wurde mit 12:9 Stimmen angenommen.

Der Gemeinderat Reiner Edinger (BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen) stellt dann den Antrag, ein neues Verkehrsgutachten zu erstellen, fĂŒr den Fall, dass ein Gleisanschluss nicht kommen wĂŒrde (Anm. d. Red.: Dadurch wĂŒrden bis zu 100 Lkw-Fahrten zusĂ€tzlich pro Tag entstehen): Der Antrag wurde mit 12:8 Stimmen abgelehnt, bei einer Enthaltung durch den Gemeinderat Martin Kemmet (CDU).

Der Bebauungsplan fĂŒr das Logistikvorhaben wurde dann erwartungsgemĂ€ĂŸ mit 12:9 Stimmen beschlossen.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Anmerkung der Redaktion: Hardy Prothmann ist verantwortlich fĂŒr das heddesheimblog und ist partei- und fraktionsfreier Gemeinderat.

Argumente zum Wochenmarkt – machen Sie mit

Guten Tag!

Heddesheim, 25. Januar 2010. Die Mehrheit des Gemeinderats lehnte eine Befragung der BĂŒrger und eine schriftliche Liste mit Pro- und Kontra-Argumenten zu einem Wochenmarkt auf dem Dorfplatz ab. Trotzdem wurden schon in der Sitzung entsprechende Argumente vorgebracht. Wir dokumentieren die wichtigsten nach dem Verlauf der Sitzung. Haben Sie weitere Ideen, WĂŒnsche, Argumente? Machen Sie mit!

Dokumentation der Argumente:

Dieter Kielmayer (CDU):

  • Familien holen sich Appetit und kaufen dann beim Discounter
  • Umsatzrisiko fĂŒr Heddesheimer Firmen
  • Bestand der Firmen bedroht
  • 2 Obst- und GemĂŒsehĂ€ndler haben bereits aufgegeben
  • Heddesheimer HĂ€ndler, die selbst anbieten, haben doppelte Kosten (Personal+Stand)
  • Umsatz wird nicht steigen
  • „Themenmarkt“, vier Mal im Jahr, beispielsweise Spargelmarkt, Weihnachtsmarkt, Ostermarkt

Ulrich Kettner (GrĂŒne):

  • Leute gehen nicht zum Discounter, wenn die Ware ĂŒberzeugt
  • Nachteile fĂŒr lokale HĂ€ndler möglich. Lösung: Sollen sich beteiligen

Martin Kemmet (CDU):

  • Sachverhalt grĂŒndlich erörtern
  • HĂ€ndler mit ins Boot nehmen
  • Bei aller Liebe zur „AtmosphĂ€re“ muss man die zusĂ€tzliche Konkurrenz sehen

Andreas Schuster (GrĂŒne):

  • Impuls fĂŒr die Ortsmitte
  • Aufwertung der Ortsmitte
  • Investition in den Wert des Gemeindelebens

Karin Hoffmeister-Bugla (SPD):

  • BĂŒrger gehen sowieso woanders auf den Markt

GĂŒnther Heinisch (GrĂŒne):

  • Meinungsbild ist wichtig

BĂŒrgermeister Kessler:

  • Bund der SelbststĂ€ndigen unterstĂŒtzt den Markt

Frank Hasselbring (FDP):

  • Jede Menge Heddesheimer gehen in Ladenburg einkaufen

JĂŒrgen Merx (GrĂŒne):

  • Es geht um Vielfalt
  • Wichtiger Impuls

Reiner Edinger (GrĂŒne):

  • Keine Konkurrenz zu Edeka schaffen – wichtig fĂŒr Ă€ltere Menschen
  • Welche Waren sollen angeboten werden?
  • Keine GroßmarkteinkĂ€ufer
  • Erinnert an „Standort“-Politik: Pflug abgerissen, um CafĂ© zu etablieren – nicht gelungen

Andreas Schuster (GrĂŒne):

  • Edeka sicherlich nicht durch einen Wochenmarkt bedroht
  • Eigenes „Heddesheimer GeprĂ€ge“ – Waren anbieten, die es woanders nicht gibt.

Dieter Kielmayer (CDU):

  • BlumenhĂ€ndler und BĂ€cker bedroht

Andreas Schuster (GrĂŒne):

  • Zumindest ein BlumenhĂ€ndler am Rand der Ortsmitte positioniert sich anders, keine Gefahr

Volker Schaaf (CDU):

  • FrĂŒhere AnlĂ€ufe gescheitert
  • Themenmarkt vorstellbar

Hardy Prothmann (partei- und fraktionsfrei):

  • Belebung des GeschĂ€fts auch fĂŒr andere HĂ€ndler und GeschĂ€fte
  • Flankierende Maßnahmen wie Parkordnung anpassen auf eine halbe Stunde
  • Markt darf die Gemeinde nichts kosten
  • Pro- und Kontraliste mit BĂŒrgerbeteiligung erstellen

BĂŒrgermeister Kessler:

  • Marktordnung kann das Angebot regeln
  • BĂŒrgerbeteiligung verzögert das Angebot

Kurt Klemm (GrĂŒne):

  • Die Gemeinde vergibt sich nichts mit dem Versuch.

Reiner Edinger (GrĂŒne):

  • Markt steht und fĂ€llt mit der Akzeptanz durch die Kunden – Meinungsbild wichtig

Frank Hasselbring:

  • RĂ€t dringend von BĂŒrgerbefragung ab

Welche Argumente haben Sie? Bringen Sie sich mit ein und schreiben Sie einen Kommentar zum Thema. Wir sammeln WĂŒnsche und Ideen sowie Pro- und Kontra-Argumente.

Anmerkung der Redaktion:
Hardy Prothmann ist partei- und fraktionsloser Gemeinderat und verantwortlich fĂŒr das heddesheimblog.

Diskussion um BegrĂŒnungskonzept – „Ich bin die Gemeinde“

Guten Tag!

Heddesheim, 23. April 2010. Die FlĂ€chen um den neu erstellten nördlichen Teil des Wegs um den Badesee sollen durch ein BegrĂŒnungskonzept aufgewertet werden. Im Gemeinderat gab es eine Diskussion um die Beauftragung der Landschaftsarchitektin Warneke und nicht nur eine bemerkenswerte Aussage des BĂŒrgermeisters.

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Die Umgebung des neuen TeilstĂŒcks des Wegs um den Badesee soll begrĂŒnt werden. Bild: hblog

 

Die FlĂ€chen am nördlichen Teil des Weges um den Badesee sollen im Herbst durch ein BegrĂŒnungskonzept als Biotop aufgewertet werden. Nach Angaben der mit der Planung beauftragten Landschaftsarchitektin Ilsmarie Warnecke werden dadurch dem Öko-Konto der Gemeinde 400.000 Punkte oder umgerechnet 140.000 Euro zugeschlagen.

Auf den FlÀchen links und rechts des Weges sollen Gehölze, KrÀuter und Blumen angepflanzt werden. Weiter ist eine Benjes-Hecke geplant.

TatsĂ€chlich mĂŒssen noch Bodenproben genommen werden, um das Konzept und mögliche Anpflanzungen in Einklang zu bringen. Der Gemeinderat Kurt Klemm (BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen) erkundigte sich, ob unter den Anpflanzungen auch genĂŒgend Futterpflanzen fĂŒr Vögel vorgesehen sein, was Warnecke bestĂ€tigte.

Die GemeinderĂ€te Rainer Hege und Dieter Kielmayer (beide CDU) erinnerten daran, dass ursprĂŒnglich gedacht war, dass der Weg durch Baumpflanzungen beschattet werden solle – nach dem BegrĂŒnungskonzept sehe das aber anders aus.

BĂŒrgermeister Kessler fĂŒhrte aus, dass die BĂ€ume keinen Schatten werfen wĂŒrden, wenn die Sonne den Weg entlangs zöge. Der freie Gemeinderat Hardy Prothmann wunderte sich darĂŒber und sagte, da der Weg nord-sĂŒdlich verlaufe und die Sonne im Osten aufgeht und im Westen unter, sei sehr wohl mit Schattenwurf zu rechnen.

Die GemeinderĂ€te Kurt Klemm und Rainer Hege diskutierten ĂŒber den Weg, der an der Streuobstwiese entlanglĂ€uft. Klemm behauptete, das sei kein echter Weg, Hege hingegen, das sei ein Wirtschaftsweg.

„Ich bin die Gemeinde.“ BĂŒrgermeister Kessler

konzept

Erstes Konzept fĂŒr die BegrĂŒnung um das WegstĂŒck nördlich des Badesees. Quelle: Gemeinde Heddesheim

Der Gemeinderat Prothmann gab mit Hinweis auf das Protokoll eine ErklĂ€rung ab: „Ich halte es fĂŒr Ă€ußerst unglĂŒcklich, Frau Warnecke, die auch das GrĂŒngutachten fĂŒr die geplante Pfenning-Ansiedlung gemacht hat, mit diesem Auftrag zu betreuen. Das hat nichts mit der Person von Frau Warneke zu tun, kann aber als Belohnung missverstanden werden.“

„Ich erlaube, was Frau Warneke sagt.“ BĂŒrgermeister Kessler

Zuvor hatte sich Prothmann erkundigt, wie viele AuftrĂ€ge Frau Warneke denn schon vor dem „Pfenning“-Auftrag fĂŒr die Gemeinde gehabt hĂ€tte. Frau Warneke konnte sich nicht erinnern, ebenso wenig BĂŒrgermeister Michael Kessler: „Ich erinnere mich nicht.“ Als Herr Prothmann dann nochmals Frau Warneke fragen wollte, verbot BĂŒrgermeister Kessler sowohl die Frage an Frau Warneke als auch eine Antwort durch Frau Warneke.

Daraufhin fragte Prothmann: „Ist es nicht möglich, Frau Warneke eine Frage zu stellen, auf die sie selbst antwortet?“ BĂŒrgermeister Kessler: „Ich erlaube, was Frau Warneke sagt.“ Es entwickelte sich eine kurze Diskussion, an deren Ende BĂŒrgermeister Kessler feststellte: „Ich bin die Gemeinde.“

Das BegrĂŒnungskonzept wurde bei einer Enthaltung durch Prothmann angenommen.

Hinweis der Redaktion: Hardy Prothmann ist verantwortlich fĂŒr das heddesheimblog.

Kurt Klemm erhÀlt VDW-Naturschutzpreis 2010

Guten Tag!

Heddesheim, 19. April 2010. Kurt Klemm, Naturschutzbeauftragter der Heddesheimer Vogelfreunde, ist fĂŒr „herausragende Leistungen“ in Sachen Naturschutz und Erhalt der Vogelwelt ausgezeichnet worden.

Von Horst Pölitz

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Herbert Geitner ĂŒberreicht "Vogeluhr" an Kurt Klemm (rechts). Bild: heddesheimblog/pöl

„Der diesjĂ€hrige PreistrĂ€ger ist in Heddesheim und Umgebung eine bekannte Persönlichkeit, die sehr viel fĂŒr den Naturschutz und die Erhaltung der Vogelwelt getan hat und tut“, sagte Herbert Geitner, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbandes Deutscher Waldvogelpfleger und VogelschĂŒtzer (VDW) am Samstag, den 17. April 2010 zur Feierstunde im Vereinshaus der KleintierzĂŒchter.

„Kurt Klemm ist immer noch sehr aktiv im Naturschutz. Im Rahmen der Vereinsarbeit hat er im Kampf um das Schutzgebiet beim Vogelpark, in zĂ€hem Ringen mit der Gemeinde, einen Konsens herbeigefĂŒhrt und sogar eine Erweiterung des Schutzgebiets erreichen können.“

Geitner lobte den vielfĂ€ltigen Einsatz von Klemm: Ob Birdwatching, Informationen zur FĂŒtterung von Vögeln, die Arbeit mit Kindern, das Vogelbeobachtungsprogramm. „Kurt Klemm hat als Initiator vieler NaturschutzaktivitĂ€ten den diesjĂ€hrigen VDW-Naturschutzpreis mehr als verdient.“

Zum Preis gab es eine Vogeluhr – die speziell fĂŒr den VDW gefertigt wurde.

Der Preis wurde im Rahmen der Jahreshauptversammlung des VDW-Landesverband Baden-WĂŒrttemberg ĂŒbergeben, die dieses Jahr in Heddesheim stattfand.

Der Verein der Vogelfreunde und -pfleger hatte bereits 2005 den Naturschutzpreis des VDW erhalten.

„Die Vögel brauchen uns.“

Guten Tag!

Heddesheim, 14. April 2010. Der FrĂŒhling kommt, wenn auch regnerisch. Die Vögel zwitschern. Alles scheint wie immer zu sein. Die Natur erwacht, die Jahreszeiten nehmen ihren Lauf. Ist das so? Der Naturschutzbeauftragte der Vogelfreunde und -pfleger, Kurt Klemm, sagt: Nein. „Die Vögel brauchen uns.“

Interview: Hardy Prothmann

Herr Klemm, der FrĂŒhling ist da, die Vögel zwitschern. Finden die schon genug zu fressen?

Kurt Klemm: „In einer Feldflur wie Heddesheim, die dermaßen ausgerĂ€umt ist, gibt es so gut wie keine Wildpflanzen mehr, die manche abschĂ€tzig als „Unkraut“ bezeichnen. Diese Wildpflanzen sind die ErnĂ€hrungsgrundlage fĂŒr viele körnerfressenden Vögel. Die Vögel haben MĂŒhe, genug zum Fressen zu finden.“

Welche Vögel sind das beispielsweise?

Klemm: „Der GrĂŒnfink, der BluthĂ€nfling, Girlitz, Stieglitz. Diese Vögel sind auf halbreife SĂ€mereinen bei der Aufzucht ihrer Jungvögel angewiesen. Sie brauchen Löwenzahn, Vogelmiere, Spitzwegerich, Breitwegerich, Wiesenknopf, Wegwarte. Diese Samen sind ein prĂ€chtiges Futter, die alles enthalten, was die Jungen brauchen.“

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Specht und Meisen im Winter werden durch "ZufĂŒtterung" unterstĂŒtzt - auch im Sommer brauchen viele Vögel "UnterstĂŒtzung". Bild: privat

Wollen Sie damit sagen, dass Gartenbesitzer kein Unkraut mehr jĂ€ten dĂŒrfen?

Klemm: „SelbstverstĂ€ndlich können die Menschen ihre Blumen und Beete pflegen, aber es ist sicherlich möglich, eine kleine naturbelassene Ecke im Garten fĂŒr unsere Vögel zur VerfĂŒgung zu stellen. Was fĂŒr die Menschen „Unkraut“ ist, ist fĂŒr die Vögel Futter, also Nahrung.“

Eine „Unkrautecke“ im Garten liefert Nahrung.

Soll oder muss man die Vögel auch in der Zeit von FrĂŒhjahr bis Herbst fĂŒttern oder werden diese dadurch vom Menschen abhĂ€ngig?

Klemm: „Man spricht nicht von FĂŒttern, sondern von ZufĂŒttern. Das ist sehr sinnvoll, damit genug Futter zur Jungenaufzucht zur VerfĂŒgung steht. Die Vögel werden dadurch nicht abhĂ€ngig. In England beispielsweise ist das ZufĂŒttern weit verbreitet. Die Folgen sind nur positiv, weil der ArtenrĂŒckgang gestoppt werden konnte und gefĂ€hrdete Vogelarten dadurch gerettet werden konnten.“

Welches Futter sollte man anbieten?

Klemm: „Auf jeden Fall kein Winterfutter, dort sind zu große tierische Fettanteile enthalten, die leicht ranzig werden können. Die Industrie hat auch durch die positiven englischen Erfahrungen ein Sommerfutter entwickelt. Das gibt es seit vier Jahren und ist im Fachhandel erhĂ€ltlich, in Heddesheim beispielsweise beim Raiffeisenmarkt.“

In vielen BaumĂ€rkten gibt es jetzt das Winterfutter sehr gĂŒnstig?

Klemm: „Damit sollen die LagerbestĂ€nde verkauft werden. Dieses Futter ist ungeeignet und ich empfehle, dieses nicht zu kaufen. Auf meine Intervention hin hat ein Marktleiter sich auf meine Argumente eingelassen und das Futter nicht mehr angeboten. Diese Einsicht fand ich sehr respektabel. Alternativ kann man sich auch Schrotfutter bei einer MĂŒhle besorgen. Das ist gĂŒnstig zu bekommen und ideal fĂŒr unsere Spatzen.“

Der Hunger treibt es rein – und die Vögel verenden daran.

Kann man auch aus dem Haushalt Reste verfĂŒttern?

Klemm: „Auf keinen Fall, alle gĂ€ngigen Lebensmittel sind fĂŒr die Vögel ungeeignet. GewĂŒrzte Lebensmittel sind das reine Gift. Vögel fressen nicht, was Menschen essen.“

Man kann doch aber immer wieder Vögel an MĂŒlleimern sehen, die fressen sogar Pommes.

Klemm: „Daran erkennt man die Not der Vögel, die so groß ist, dass sie aus schierem Hunger auch ungeeignete Nahrung aufnehmen. Was man nicht sieht, ist, wie viele daran elendig zugrunde gehen. Durch das Salz, GewĂŒrze und ranziges Fett.“

Was ist mit den Insektenfressern?

Klemm: „Hier gibt es ein dramatisches Problem, das wiederum mit dem Öko-Kreislauf zu tun hat. Viele Insektenfresser brauchen Schmetterlings- und Falterraupen. Die wiederum legen ihre Eier bevorzugt an die Brennnessel. Die aber wird mit UnkrautbekĂ€mpfungsmittel vernichtet. Und damit auch die Raupen und damit die Nahrung fĂŒr die Vögel. Das ist ein Riesenproblem.“

Wie kann man es lösen?

Klemm: „Wenn jeder Gartenbesitzer einen Quadratmeter fĂŒr Brennnessel zur VerfĂŒgung stellt, wĂ€re den Vögeln sehr geholfen. Auch Gemeinden könnten Brennnesselfelder stehen lassen und nicht immer sofort mĂ€hen. Ich kĂ€mpfe seit Jahren dafĂŒr, dass die Gemeinde sich hier einsichtig verhĂ€lt.“

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Kurt Klemm hat in seinem Garten alles gemacht, damit sich der Vogel an sich, aber auch viele Insekten als Vogelfutter wohl fĂŒhlen. Bild: heddesheimblog

Soll man auch zufĂŒttern?

Klemm: „Das kann man. Viele Meisen und Finken beispielsweise ziehen ausschließlich mit Raupen ihre Jungen groß. Wer vermutet, dass ein Nest in der Umgebung besteht, kann beispielsweise lebende MehlwĂŒrmer anbieten, das ist ein Festschmaus fĂŒr die Vogeljungen. Der Spatz wiederum ist ein nĂŒztlicher SchĂ€dlingsbekĂ€mpfer und hat sich auf BlattlĂ€use spezialisiert. Ein Nistkasten im Garten fĂŒr den Sperling ersetzt die Giftspritze.“

Der Spatz ersetzt die Giftspritze.

Wo und wie sollte man Futter anbieten?

Klemm: „Lebendfutter immer an einem trockenen, ĂŒberdachten Platz. Doch Achtung: Auch die MehlwĂŒrmer mĂŒssen gefĂŒttert werden. Wer sich dafĂŒr interessiert, kann sich fĂŒr eine Beratung an die Vogelfreunde wenden, hier erhĂ€lt man auch die WĂŒrmer zu gĂŒnstigen Preisen.“

Und was gibt es beim Körnerfutter zu beachten?

Klemm: „Ich empfehle hier nicht aus WerbegrĂŒnden, sondern aus KompetenzgrĂŒdnen den Raiffeisenmarkt. Hier gibt es alles, was der Vogelliebhaber braucht. Dazu gibt es eine kostenfrei eine gute Beratung, weil der Markt von uns, also den Vogelfreunden, gut und gerne beraten worden ist.“

Link:
Vogelfreunde und -pfleger 1960 e.V.

Video: Merino-Schafe zu Gast in Heddesheim

Guten Tag!

Heddesheim, 11. April 2010. In Heddesheim sind fĂŒr einige Wochen Schafe zu Gast – fĂŒnf Jungschafe beweiden die Streuobstwiese am Vogelpark. Hier haben sie Ruhe und können sich stĂ€rken – das mĂŒssen sie auch, denn noch vor kurzem wurden sie so schlecht gehalten, dass das VeterinĂ€ramt den alten Betrieb „zumachte.

Von Hardy Prothmann

Ungewohnter Betrieb auf der Streuobstwiese. Am Samstagmorgen fahren Michael Finkbeiner sowie Annette und Michael Pfeiffer einen HÀnger ins GelÀnde.

FĂŒnf Merino-Schafe sind darin, alle etwa ein halbes Jahr alt. Die Schafe werden einzeln vom HĂ€nger geholt, dann werden die Hufe der Tiere zurecht geschnitten.

Das ist nötig, denn die jungen Schafe sind zwar erst einige Monate auf der Welt, haben aber schon ein schlechtes Leben hinter sich. Nicht artgerecht wurden sie gehalten. Eng zusammengepfercht. Die Pfoten standen im eigenen Kot. Kein Auslauf war ihnen möglich.

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Michael Finkbeiner und Annette Pfeifer bereiten ein Merino-Schaf fĂŒr die Weide vor. Bild: heddeseheimblog

Das VeterinĂ€ramt Weinheim hat einen Schafzuchtbetrieb geschlossen und die rund 60 Schafe neuen Besitzern zugefĂŒhrt. Michael Finkbeiner, Silvia Singer, Annette und Michael Pfeifer sind HobbyschĂ€fer und haben fĂŒnf Merino-Schafe ĂŒbernommen.

Eigentlich sind Merino-Schafe fĂŒr ihre sehr gute QualitĂ€t der Wolle bekannt – die Wolle der jungen Schafe ist verfilzt und dreckig: „So sehen die normalerweise nicht aus“, sagt Annette Pfeifer nĂŒchtern. Man merkt, dass die Verwaltungsangestellte sauer ist.

Und sie ist fest entschlossen, dass zu Ă€ndern. Resolut schneidet sie den Schafen die Hufe und freut sich, dass diese hĂ€rter geworden sind – das Stehen im Kot hatte sie mĂŒrbe gemacht. Die Schafe waren in einem schlechten Zustand, als die HobbyschĂ€fer vom „Fuchshof Rippenweier“ die Tiere „ĂŒbernommen“ haben.

Fuchshof heißt das private Projekt, weil die vier Hunde- und Schafliebhaber eigentlich „Coburger FĂŒchse“ zĂŒchten wollen – jetzt aber auch Merino-Schafe haben. Die „FĂŒchse“ gelten als gefĂ€hrdete Haustierrasse.

Sie schneiden das Filz am RĂŒcken weg, um danach ein Mittel direkt auf die Haut aufzubringen, das Parasiten, beispielsweise WĂŒrmer abtötet. Die Arbeit am Schaf ist anstrengend, die HobbyschĂ€fer sind engagiert und beherzt dabei.

Zwei bis drei Wochen werden die Schafe die eine HÀlfte der Streuobstwiese beweiden, danach noch einmal so lange den anderen Teil. Danach geht es zur nÀchsten Weidestelle.

TĂ€glich werden die SchafzĂŒchter, die im Hauptberuf Verwaltungsangestellte, Controller, LandschaftsgĂ€rtner und Sozialarbeiterin sind, die Schafe mit Wasser versorgen und schauen, „ob alles in Ordnung ist“.

Damit die Schafe nicht ausbĂŒchsen, haben sie die Wiese eingezĂ€unt. Auf dem Zaun liegt Strom: „Eine Lektion reicht, dann wissen die Schafe, dass sie sich davon verhalten sollten. Der untere Teil des Zaunes ist ohne Strom, damit Hasen, RebhĂŒhner, Fasane und andere bodennahe Tiere unbehelligt hindurch schlĂŒpfen können.

Hundebesitzer, die am Rand der Streuobstwiese spazieren gehen, sollten also ihre Hunde angeleint lassen, damit sich diese keinen „Schlag abholen“ – abgesehen davon sollten Hunde entweder gut geschult sein oder an der Leine gefĂŒhrt werden.

FĂŒr die HobbyschĂ€fer und den Vogelverein ist es eine „Win-Win-Situation“: Die tierischen „RasenmĂ€her“ erledigen ruhig und zuverlĂ€ssig das MĂ€hen der Wiese – die Schafe können hier gutes Futter finden und sich nach ihrem Martyrium stĂ€rken.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog