Donnerstag, 05. August 2021

Brand in der Viernheimer Straße

KĂŒchenbrand – drei Bewohner, ein Nachbar, drei Feuerwehrleute verletzt

Brand, Heddesheim, Viernheimer Straße

Durch einen KĂŒchenbrand wurden ersten Informationen zufolge drei Bewohner, ein Nachbar und drei Feuerwehrleute verletzt.

 

Heddesheim, 12. Mai 2013. (red) Um kurz nach 23 Uhr wurde Samstagnacht die Feuerwehr wegen eines Brandes in der Viernheimer Straße alarmiert. Laut Angaben der Polizei wurden insgesamt drei Hausbewohner, ein Nachbar und drei Mitglieder der Feuerwehr durch Einatmen von Rauchgas verletzt. [Weiterlesen…]

Großeinsatzlage in Dossenheim – Feuerwehren des Unterkreises Ladenburg ĂŒben gemeinsam


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Ansprache und Zuwendung sind wichtig im Notfall.

Dossenheim/Rhein-Neckar, 27. September 2011. (red) Am vergangenen Samstag heulten Einsatzsirenen in Dossenheim. Feuerwehren aus sechs Orten und zwei Werkfeuerwehren mussten BrĂ€nde löschen und Personen retten. Ein großes Spektakel fĂŒr die Bevölkerung, die die ÃƓbungseinsĂ€tze interessiert verfolgte, aber auch eine notwendige ÃƓbung, um die Zusammenarbeit der Wehren zu verbessern.

Von Hardy Prothmann

WĂ€hrend die Feuerwehren Dossenheim und Schriesheim gerade einen Brand im katholischen Kindergarten in der Wilhelmstraße bekĂ€mpfen, kommt die Meldung, dass ein Fahrzeug feststeckt. Geparkte Autos verhindern das Durchkommen. Eine Katastrophe im Ernstfall. Die wichtigsten AusrĂŒstungsgegenstĂ€nde schleppen die Feuerwehrleute zu Fuß zum Einsatzort. Kostbare Rettungszeit vergeht. Leider nehmen viele Autofahrer keine RĂŒcksicht auf ein gutes Durchkommen der RettungskrĂ€fte.

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Vorbereitung und Team-Work.

Im verrauchten Kindergarten werden zwei vermisste Personen gesucht – ein Erwachsener und ein Kind. ÃƓber das Fenster wird ein Kind gerettet, der Erwachsene wird versorgt und aus dem GebĂ€ude getragen.

Kurz drauf ruft der nĂ€chste Einsatz. Ein Blitzschlag ist auch hier der Auslöser. Brannte im Kindergarten der Stromverteilerkasten, ist es in der Schule ein Kabelbrand. Ein Lehrer steckt mit 25 Kindern im dritten Stock fest, sie flĂŒchten sich auf zwei Dachterrassen der Neuberg-Schule. Das Treppenhaus ist ohne Atemschutz nicht passierbar.

Die Drehleitern aus Schriesheim und Ilvesheim bringen sich in Position und holen die Personen in den Körben vom Dach. Eine Person ist so schwer verletzt, dass sie mit der Trage gerettet werden muss. Außerhalb des Gefahrenbereichs ĂŒbernehmen die Rettungsdienste die Verletzten. Löschfahrzeuge aus Altenbach, Ursenbach und Ilvesheim und der Firma Metzeler (Edingen-Neckarhausen) werden in Stellung gebracht und der Brand bekĂ€mpft, wĂ€hrend parallel die Rettung lĂ€uft.

Als wÀren die Wehren nicht schon genug gefordert, kommt der dritte Notruf. Im Neuberg-Schwimmbad hat es einen Chemikalienunfall gegeben. Es hat sich Chlorgas gebildet, ein Hausmeister muss gerettet werden. Mit einem ABC-Erkundungsfahrzeug wird die Lage gecheckt, aus Edingen, Neckarhausen und von den Chemischen Betrieben Ladenburg kommen Löschfahrzeuge zum Einsatzort. Die Dekontaminierungseinheit aus Neckarhausen ist vor Ort. Die Feuerwehr Ladenburg misst die Schadstoffbelastung. Unter Atemschutz wird der Verletzte gerettet.

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Chemieunfall - die Zeit lÀuft, jede Sekunde zÀhlt.

Der vierte Einsatz findet in der Schulstraße, Ecke Bachstraße statt. Ein Pkw ist wegen ĂŒberhöhter Geschwindigkeit in eine Mauer geknallt. Der Fahrer ist verletzt und eingeklemmt. Betriebsstoffe laufen aus. Die Heddesheimer Feuerwehr muss das Fahrzeug aufschneiden, bevor sie die Person retten kann. Mit hydraulischem Werkzeug spreizen und zerschneiden sie die Karosserie (des Schrottautos). Als das Dach weg ist, wird der Verletzte fĂŒr den Rettung aus dem Auto vorbereitet. Ein Rettungskorsett wird angelegt.

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Rettung - möglichst schonend.

Weit ĂŒber 100 KrĂ€fte sind im Einsatz – die Szenarien vielfĂ€ltig, aber „alltagstauglich“ – so könnte es auch in wirklich sein. Die ÃƓbung ermöglicht es, Schwachstellen zu finden und zu verbessern.

Eine offensichtliche war, dass bei keinem Einsatz alle oder die meisten Wehren des Unterkreises Ladenburg gleichzeitig beteiligt waren – doch nur dann muss man sich auch koordinieren. Sicherlich sind den Fachleuten von den Feuerwehren alle Dinge aufgefallen, die nur Fachleute erkennen können. Immerhin war der stellvertretende Kreisbrandmeister Axel Schuh vor Ort und beobachtete die EinsĂ€tze. Was ihm nicht auffallen konnte – die verletzte Person auf dem Dach der Schule blieb ĂŒber lange Minuten hinweg unversorgt und ohne Ansprache, obwohl bereits FeuerwehrkrĂ€fte auf dem Dach waren. Auch beim Einsatz am Pkw fiel auf, dass ein Feuerwehrmann minutenlang mit einem NothĂ€mmerchen die Frontscheibe bearbeitete, um ein Loch fĂŒr die SĂ€belsĂ€ge zu schaffen, was aber nicht gelang. Ein Schnitt mit der hydraulischen Schere in die A-SĂ€ule erzeugte dann ein Loch. Mit der SĂ€belsĂ€ge (einer Art StichsĂ€ge) wurde die verklebte Scheibe dann herausgetrennt.

 

Das sind Details, doch kommt es oft genau darauf an. Im Großen und Ganzen waren die Zuschauer sicherlich beeindruckt vom Einsatzwillen und wie innerhalb kĂŒrzester Zeit eine Rettung geplant, aufgebaut und durchgefĂŒhrt wird. Und man musste nicht zwei Mal hinschauen, um zu sehen, wie anstrengend das ist. Die verschwitzen Gesichter der Feuerwehrleute zeigten die Strapazen eindeutig.

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Rettung aus schwindeleregenden Höhen.

Unsere Bildergalerie zur ÃƓbung finden Sie auf dem Rheinneckarblog.de

JahreshauptĂŒbung der Feuerwehr im Zeichen der Zusammenarbeit


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BrandbekÀmpfung ist Team-Arbeit.

Heddesheim, 16. Mai 2011. Die diesjĂ€hrige HauptĂŒbung der Feuerwehr war auch eine Demonstration der Zusammenarbeit der Wehren im Kreis. Der simulierte Brand im „Badischer Hof“ machte den Einsatz einer Drehleiter notwendig, die von der Ladenburger Feuerwehr in Stellung gebracht worden ist.

Kommandant Dieter Kielmayer kommentierte den ÃƓbungseinsatz ĂŒber Mikrofon und Lautsprecher fĂŒr die rund 50 BĂŒrgerinnen und BĂŒrger, die sich fĂŒr die JahreshauptĂŒbung interessiert am Abend des 13. Mai 2011 am Fritz-Kessler-Platz eingefunden hatten. Direkt gegenĂŒber ist die Einsatzstelle – der Badischer Hof, ein altes, leerstehendes GebĂ€ude in der Schaafeckstraße.

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BrandbekÀmpfung von oben: Die Ladenburger Drehleiter.

Die Situation: Ein Passant entdeckt Qualm und alarmiert die Feuerwehr. Die rast „um die Ecke“ heran, die Einsatzleitung verschafft sich einen ÃƓberblick und entscheidet sofort, dass wegen der großen DachflĂ€che eine Drehleiter gebraucht wird. Deshalb wird nachalarmiert und die Kollegen in Ladenburg rĂŒcken ebenfalls aus, da die Heddesheimer Feuerwehr keine Drehleiter hat.

Vor Ort wird die Ladenburger Drehleiter von den Heddesheimer Feuerwehrleuten eingewiesen und in einem Hof hinter dem GebĂ€ude in Stellung gebracht. WĂ€hrenddessen „greifen die Kollegen an“. Mit AtemschutzgerĂ€ten versehen schaffen sie sich Zugang zum GebĂ€ude und rutschen auf Knien durch die RĂ€umlichkeiten – der Rauch steigt nach oben, deswegen bewegt man sich möglichst tief. Sie suchen mit einer WĂ€rmebildkamera den Brandherd und eventuelle Glutnester. Sie halten Körperkontakt, kontrollieren sich gegenseitig – Selbstschutz ist Ă€ußerst wichtig.

Ein Kamerad muss in Sicherheit gebracht werden – Kreislaufkollaps. Kein unwahrscheinliches Szenario. Hitze und körperliche Anstrengung können enorm sein. Die RettungskrĂ€fte des DRK versorgen den Mann. Derweil regelt die Polizei den Verkehr an der Einsatzstelle vorbei.

Die JahreshauptĂŒbung der Feuerwehr ist eine Demonstration – sie dient aber vor allem dazu, die LeistungsfĂ€higkeit der Freiwilligen Feuerwehr zu zeigen. Kommandant Kielmayer und der stellvertretende Kreisbrandmeister Axel Schuh zeigten sich zufrieden mit dem Einsatz. Wie immer.

Im Anschluss gab es eine Nachbesprechung der Feuerwehr in der Freizeithalle – ohne Öffentlichkeit. Warum eigentlich nicht? Im persönlichen GesprĂ€ch unter dem Eindruck der Demonstration ließe sich sicher gut Werbung fĂŒr die Feuerwehr machen, die dringend auf die freiwillige Mitarbeit angewiesen ist.

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Scheunenbrand: Vermutlich defekte Schaltanlage – „optimale Einsatzbedingungen“ bei der „Spritzparty“


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Heddesheim, 16. April 2011. (red) Die Brandursache fĂŒr den Scheunenbrand war laut PolizeiprĂ€sidium ein defekter Schaltkasten. Bei den Löscharbeiten kamen 149 FeuerwehrkrĂ€fte zum Einsatz. Der Einsatz war erfolgreich – trotzdem bleiben Fragen.

Von Hardy Prothmann

Die Ermittler der Polizei gehen als Brandursache von einem defekten elektrischen Schaltkasten aus. Die „Luftzufuhr“ und das gut brennbare Material hĂ€tten dann ihren Teil dazu beigetragen, dass es zu einem Großfeuer und dem Totalverlust der Scheune gekommen sei.

Doch es bleiben Fragen: Immerhin waren in dieser Scheue auslÀndische Erntehelfer untergebracht. Was, wenn das Feuer einige Wochen spÀter ausgebrochen wÀre und vielleicht zunÀchst unbemerkt mitten in der Nacht? Es hÀtte zu einer schlimmen Katastrophe kommen können.

Irgendwie ist niemand fĂŒr die Frage zustĂ€ndig, wer denn einen ausreichenden Brandschutz kontrolliert? Weder die Polizei noch die Feuerwehr tun dies. Kontrollen solcher UnterkĂŒnfte schauen oft nur nach hygienischen VerhĂ€ltnissen, nicht aber auf die Sicherheit. Das sind unhaltbare ZustĂ€nde. ÃƓberall wird auf Arbeitssicherheit geachtet – diese Sorgfalt gilt offensichtlich nicht fĂŒr Saisonarbeiter.

Immerhin, das Wohnhaus konnte „gehalten“ werden. Aber mit welchem Einsatz? Drei Drehleitern und 149 Feuerwehrleute waren an diesem Sonntag im Einsatz. Muss man da nicht die Frage stellen, wieviele EinsatzkrĂ€fte und Fahrzeuge man braucht, wenn man was „Großes“ brennt?

FĂŒr Axel Schuh, stellvertretender Kreisbrandmeister, ist das keine Frage: „Wir hatten optimale Bedingungen und konnten aus dem vollen schöpfen.“

Aus Feuerwehrkreisen wurden uns andere Aussagen zugetragen: „Die haben ne Spritzparty gefeiert. Schließlich muss man den Leuten ja auch mal was bieten und so konnte jeder mal ran.“ Heißt: Ein solcher Brandeinsatz ist selten geworden und zur Motivation der freiwilligen Feuerwehrleute nutzte man die Gelegenheit, um mal richtig „Action“ zu haben. Und die drei Drehleitern hĂ€tten „Ballett“ getanzt.

Axel Schuh rechnet anders: „Das ist relativ. Klar hĂ€tte man das auch mit der HĂ€lfte geschafft – dann hĂ€tte es halt nicht drei, sondern fĂŒnf oder sechs Stunden gedauert. Wir konnten die KrĂ€fte schonen. Durch die drei Leitern mussten wir nicht umsetzen.“

Und er rechnet vor, dass ein AtemschutzgerĂ€ttrĂ€ger nach 20-30 Minuten „fertig“ sei. Trotzdem kommt auch er nur auf 50-60 Mann – erklĂ€rt die deutliche ÃƓberzahl aber wieder mit der Beschleunigung des Einsatzes.

Und was, wenn es zeitgleich woanders gebrannt hĂ€tte, wĂ€ren dann noch genug KapazitĂ€ten frei gewesen? Die nĂ€chsten Drehleitern sind in Ilvesheim (18 Meter), Edingen („schon öfter Schwierigkeiten gemacht“) und Weinheim (Freundenberg Werksfeuerwehr): „Es bestand zu keiner Zeit eine ReservelĂŒcke“, heißt die lapidare Antwort.

Und der Einsatz war billig: Da Sonntag war, mĂŒssen keine ArbeitsausfĂ€lle an Unternehmen gezahlt werden. Und natĂŒrlich hatten viele Feuerwehrleute Zeit.

Ebenfalls hinter vorgehaltener Hand sagen Feuerwehrleute: „Unter der Woche am Vormittag wĂ€re das mit „Sicherheit“ ganz anders abgelaufen.“

Medien brauchen Informanten – manche aber nur fĂŒr die Sensation

Guten Tag!

Heddesheim/Rhein-Neckar, 06. Juli 2010. Kreisbrandmeister Peter Michels ist sauer – zu Recht. Entweder haben Angehörige der Feuerwehr widerrechtlich Informationen an Medien weitergegeben und/oder die Feuerwehr wurde abgehört – beides ist nicht in Ordnung. Die Antwort auf die Frage, warum das passiert, ist einfach: Es geht um die Sensationsgier bei manchen Medien.

Kommentar: Hardy Prothmann

Man darf gespannt sein, ob die Zuschauer des Rhein-Neckar-Fernsehens (RNF) darĂŒber informiert werden, dass der Provinzsender entweder „Informanten“ bei der Feuerwehr hat oder die Feuerwehr selbst abhört.

Man darf vermuten, dass dies eher nicht passiert, denn entweder hÀtte der Sender durch das Abhören eine strafbare Handlung begangen oder sich systematisch informieren lassen, was eine Anleitung zu einer Straftat sein könnte.

Die Integrierte Leitstelle der Feuerwehren in Ladenburg jedenfalls hat sich gewundert, wie schnell gewisse Medien, das Rhein-Neckar-Fernsehen und große Tageszeitungen der Region, bei EinsĂ€tzen vor Ort waren.

Deshalb setzte die Integrierte Leitstelle in Ladenburg einen fingierten, also falschen Einsatzbefehl, ab und wenige Minuten spÀter meldete sich das RNF telefonisch und wollte weitere Informationen haben, kurz darauf meldete sich eine Zeitung.

Damit war klar: Entweder waren die betreffenden Medien aus den Reihen der Feuerwehr informiert worden oder hören ab.

Medien und Journalisten sind oft auf „Hinweise“ von Informanten angewiesen. Durch das Zeugnisverweigerungsrecht haben sie die Möglichkeit, diese „Informationsquellen“ zu schĂŒtzen.

Das macht dann Sinn, wenn solche „Hinweise“ Recherchen auslösen, durch die HintergrĂŒnde ans Licht der Öffentlichkeit kommen, die sonst niemals bekannt geworden wĂ€ren. Jeder Journalist, der seinen Beruf ernst nimmt, baut sich solche Netzwerke auf, die ihn mit Informationen versorgen.

Auch in unserem Fall sind wir durch einen Informanten auf das Thema aufmerksam geworden. Uns wurde der interne Brief des Kreisbrandmeisters an die Feuerwehren zugespielt.

Die Motivation, Informationen weiterzugeben, kann vielfĂ€ltig sein. Manchmal sind die Motive Rache, Eifersucht, Missgunst. In den meisten FĂ€llen, in denen mir Informationen zugespielt wurden, ist die Motivation der Informanten aber eine ehrenhafte gewesen: Sie wollten MissstĂ€nde öffentlich machen – aus Sorge um die Firma, die Behörde, das Allgemeinwohl.

In der Branche nennt man Informanten „Whistleblower“. Leider werden Informanten immer noch als „Petzen“ oder als „VerrĂ€ter“ verunglimpft. Je brisanter die Information, je grĂ¶ĂŸer die Folgen fĂŒr „bestimmte“ Personen, umso grĂ¶ĂŸer ist der Hass und die Wut auf die vermeintlichen „VerrĂ€ter“. Selbst dann, wenn der „Verrat“ dazu dient, Systeme der Korruption, Mobbing, GeldwĂ€sche oder andere schlimme Sachen aufzudecken, bleibt in den Augen vieler Menschen eine Schuld beim „VerrĂ€ter“ haften. Deswegen ist es gut und richtig, dass Journalisten ihre Informanten schĂŒtzen können, damit diese keine Nachteile erfahren.

Im vorliegenden Fall geht es aber nicht um Fragen des Allgemeinwohls oder der IntegritÀt einer Firma oder einer Behörde.

Im vorliegenden Fall geht es schlicht und einfach um Sensationsgier.

Es geht darum, die besten Bilder von lodernden Flammen zu machen. Oder Opferbilder, Blut, Chaos, Zerstörung exklusiv zu haben, um damit Auflage zu machen.

Das KalkĂŒl ist einfach: Je sensationeller die Bilder, umso grĂ¶ĂŸer wird das Interesse sein.

Wenn Medien sich nur noch um die Sensation bemĂŒhen und nicht mehr um die Information, muss sich kein Journalist und keine Redaktion wundern, wenn es viele Menschen gibt, die das anekelt. Die das nicht mehr wollen. Auch wenn es genug Menschen gibt, die gerade diese Sensation interessiert.

Journalisten und Redaktionen entscheiden selbst ĂŒber ihre Haltung, ihren Umgang mit den Themen. Und ĂŒber ihre Methoden.

Der Kreisbrandmeister Peter Michels ist an einem offenen Umgang mit den Medien interessiert – auch im vorliegenden Fall war er noch nach Dienstschluss fĂŒr uns erreichbar. Aber er ist zu recht sauer.

Weil er sich hintergangen fĂŒhlt – vielleicht denkt er gerade darĂŒber nach, was es bedeutet, dass er an einem guten VerhĂ€ltnis zu den Medien interessiert ist, manche Medien aber das gute VerhĂ€ltnis zu ihm egal ist.

Es wĂ€re bedauerlich, wenn sich bei Herrn Michels das GefĂŒhl einschleicht, dass er Medien nicht mehr vertrauen kann. Denn das Ergebnis wĂ€re eine „verbrannte Erde“, ein gestörtes VerhĂ€ltnis. Weil einzelne sich schlecht verhalten, mĂŒssen oft alle darunter leiden. Den grĂ¶ĂŸten Schaden nimmt dabei die Öffentlichkeit, die nicht mehr offen informiert wĂŒrde. Vor allem Boulevardmedien sind bekannt dafĂŒr, „verbrannte Erde“ zu hinterlassen.

Winnenden und Erfurt sind dafĂŒr leider „eindrĂŒckliche“ Beispiele.

Der Kritik, dass die Feuerwehren Daten unverschlĂŒsselt ĂŒbertrĂ€gt, wird sich der Kreisbrandmeister stellen. Zur Ehrenrettung der Feuerwehren muss man feststellen, dass der „Datenschutz“ bei der EinfĂŒhrung der Systeme noch keine wahrgenommene Bedeutung hatte.

Heute ist das anders. Der Datenschutz ist ein zu recht wichtiges Thema. Von den Feuerwehren kann und muss man erwarten, dass sie das Manko der unverschlĂŒsselten ÃƓbertragung schnell beheben.

Und von manchen Medien sollte man erwarten können, dass sie innehalten und ĂŒberlegen, ob das, was sie tun, tatsĂ€chlich „in Ordnung“ ist.

Leider kann man davon ausgehen, dass sich die „ĂŒblichen VerdĂ€chtigen“ darĂŒber keine Gedanken machen werden. Ihr GeschĂ€ft ist die Sensation. Was anderes kennen sie nicht und wollen es auch nicht kennen.

Das beste Korrektiv dafĂŒr sind die Menschen selbst. Sie sind mit dafĂŒr verantwortlich, welche Medien sie nutzen. Fehlt die Akzeptanz fĂŒr die Sensationsgier, dann werden die Medien sich neu orientieren oder wegen Misserfolgs eingestellt.

UngeschĂŒtzter Datenverkehr: Datenschutzskandal bei Feuerwehr und Rettungsdiensten

Guten Tag!

Heddesheim/Rhein-Neckar, 06. Juli 2010. In einem „Brandbrief“ weist der Kreisbrandmeister Peter Michels die Feuerwehren darauf hin, dass „Informationen zu den RettungseinsĂ€tzen abgefangen werden und per SMS an Personen außerhalb der Feuerwehr“ weitergeben werden. Auf eine fingierte Meldung hin meldete sich als erstes das Rhein-Neckar-Fernsehen.

Von Hardy Prothmann

Der interne Brief hat es in sich: Die Feuerwehr vermutet „Lecks“ in den eigenen Reihen. Sprich: Mitglieder der Feuerwehr informieren „Dritte“, also Medien, aktuell und exklusiv ĂŒber EinsĂ€tze. Vielleicht sogar gegen Geld oder andere GefĂ€lligkeiten.

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Kreisbrandmeister Michels ist stinksauer. Entweder gibt es Informanten innerhalb der Feuerwehren oder der Datenfunk wird abgehört. Bild: Feuerwehr

Kreisbrandmeister Michels schreibt: „Dieser Tage haben wir die Information erhalten, dass Alarmierungen fĂŒr die KreisfĂŒhrung abgefangen werden und per SMS letztlich auch an Personen außerhalb der Feuerwehr weitergeben werden. Dies war der Anlass, dass wir ĂŒber die Leitstelle einen fingierten Alarm haben aussenden lassen. Bereits innerhalb der ersten fĂŒnf Minuten, gab es eine erste RĂŒckmeldung in der Integrierten Leitstelle. Ca. weitere fĂŒnf Minuten spĂ€ter meldete sich eine weitere Person aus dem Bereich der Presse.“

Ein Skandal erster GĂŒte, denn es wird gleich gegen mehrere Gesetze verstoßen und Schutzpflichten werden verletzt, wie der Kreisbrandmeister auflistet: § 201 StGB (Verletzlichkeit der Vertraulichkeit des Wortes), § 203 StGB (Verletzung von Privatgeheimnissen), § 331 StGB (Vorteilsnahme), § 332 StGB (Bestechlichkeit), § 353 b StGB (Verletzung des Dienstgeheimnisses und einer besonderen Geheimhaltungspflicht), § 358 StGB Nebenfolgen.

Kreisbrandmeister Peter Michels bestĂ€tigt uns das Problem auf Nachfrage und sagt: „Wir haben mit unserem Schreiben die Feuerwehren auf die gesetzlichen Bestimmungen aufmerksam gemacht. Bei weiteren VerstĂ¶ĂŸen solcher Art mĂŒssen die Betroffenen mit einer Strafanzeige rechnen.“

Pikant: Als erstes meldete sich das Rhein-Neckar-Fernsehen bei der Einsatzstelle und wollte weitere Informationen ĂŒber den Einsatz haben: „Das kann ja wohl gar nicht sein“, empört sich Michels: „Ich habe ĂŒberhaupt nichts gegen die Arbeit der Medien, aber ich habe sehr wohl etwas dagegen, dass Informationen, die an die Feuerwehr gerichtet sind, an Dritte weitergegeben werden.“

Ob das „Leck“ in den eigenen Reihen zu finden ist oder der Funkverkehr durch das Rhein-Neckar-Fernsehen abgehört wurde, konnte die Integrierte Leitstelle bislang nicht herausfinden. Nach Informationen der Redaktion hat sich auch eine große Zeitung aus dem Raum diese Informationen beschafft.

Das Problem: Die sensiblen Daten könnten verschlĂŒsselt ĂŒbertragen werden, wenn alle Beteiligten ĂŒber dieselben GerĂ€te verfĂŒgen wĂŒrden. Tun sie aber nicht – damit man sich „versteht“, muss unverschlĂŒsselt ĂŒbertragen werden.

Deswegen ist es auch ein Datenschutzskandal der Rettungsdienste und Feuerwehren. Denn die Funkdaten werden ĂŒberwiegend unverschlĂŒsselt ĂŒbertragen und können mit geringem Aufwand von jedem „mitgehört“ werden – das verstĂ¶ĂŸt zwar gegen das Gesetz, aber diesen Verstoß ermöglichen die Rettungsdienste selbst durch die ungeschĂŒtzte ÃƓbertragung der Daten. Eine koordinierte Anschaffung der GerĂ€te hĂ€tte dies verhindert.

Was das in der Konsequenz bedeutet, zeigt ein Beispiel aus Österreich. Auf der Internetseite heise.de wird die Problematik der ungeschĂŒtzten DatenĂŒbertragung eindrĂŒcklich geschildert:

„Ein Österreicher hatte in der Gegend von Tirol einen handelsĂŒblichen Funkscanner mit der Soundkarte seines Rechners gekoppelt und mit frei im Internet erhĂ€ltlicher Software das völlig unverschlĂŒsselte POCSAG-Signal der Pager in einer Datenbank mitprotokolliert. Bei rund 400.000 EinsĂ€tzen pro Jahr im Bundesland Tirol kamen innerhalb weniger Tage unzĂ€hlige DatensĂ€tze mit zum Teil sehr sensiblen Informationen zusammen.

Ein Alarmierungsdatensatz der Tiroler Leitstelle umfasst nicht nur den Namen der jeweiligen Einheit und ein Einsatzstichwort, wie es im analogen BOS-Funknetz ĂŒblich war, sondern die Leitstelle ĂŒbertrĂ€gt bei RettungseinsĂ€tzen auch den vollstĂ€ndigen Namen des Patienten, den genauen Einsatzort, das etwaige Transportziel sowie einen Code fĂŒr eine detaillierte Erstdiagnose, der sich anhand einer von der Leitstelle veröffentlichten Liste, problemlos entschlĂŒsseln lĂ€sst. So steht etwa Code 26A22 fĂŒr ein Penisproblem, 25A2 fĂŒr eine SelbstmordgefĂ€hrdung, 23C5 fĂŒr eine Kokainvergiftung, 4B2S fĂŒr eine starke Blutung nach Sexualdelikt, 12C1E fĂŒr eine schwangere Epileptikerin mit Krampfanfall und so weiter. Die Feuerwehr verwendet Ă€hnlich detaillierte Codes.“

Auch im Rhein-Neckar-Kreis werden Adresse, Name sowie Einsatzstichworte ĂŒbermittelt: Dabei erfĂ€hrt man, ob es sich beispielsweise um ein internistisches, gynĂ€kologisches Problem handelt, erfĂ€hrt Informationen zur Dringlichkeit. BET heißt beispielsweise Behandlung (BE) und „T“ steht fĂŒr „terminiert“. Oft werden hier auch weitere Informationen ĂŒbertragen.

Ob die verunglĂŒckte Person damit einverstanden ist, dass medizinische Details und andere Informationen an die Öffentlichkeit gelangen, interessiert dabei nicht. Es geht darum, als erster vor Ort zu sein und „exklusive Bilder“ machen zu können, es geht um Sensationsjournalismus.

Auch bei den Feuerwehren werden diese Informationen im Klartext ĂŒbermittelt. Noch – zur Zeit laufen vorbereitende Arbeiten zur Digitalisierung des Funks, der dann kĂŒnftig verschlĂŒsselt ĂŒbertragen werden soll. Auf dem Königsstuhl wird eine Station auf dem ehemaligen AFN-Mast errichtet, weitere Basisstationen werden im Gebiet Rhein-Neckar-Kreis, Heidelberg und Mannheim im Laufe des nĂ€chsten Jahres errichtet.

Bis das neue System lĂ€uft, ist es offen – dass heißt, jeder, der technisch ein wenig versiert ist, kann mit einer Investition unter 100 Euro in entsprechende GerĂ€te mithören.

Absurd: Zwar wird kĂŒnftig irgendwann, voraussichtlich in eineinhalb bis zwei Jahren, die Kommunikation der BOS, also der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, verschlĂŒsselt ĂŒbertragen. Aber im Gegensatz zu Hessen, wo eine Alarmierung ĂŒbers digitale Funknetz angestrebt wird, bleibt Baden-WĂŒrttemberg beim POCSAG – das kann theoretisch auch verschlĂŒsselt werden, aber nur, wenn alle EmpfĂ€nger darauf abgestimmt wĂ€ren. Das ist nur bedingt möglich, deshalb mĂŒssten neue GerĂ€te angeschafft werden, das kostet Geld – ob es zur VerfĂŒgung gestellt wird, bleibt abzuwarten.

Feuerwehr berichtet zeitnah – jedes Foto muss auf den PrĂŒfstand

Guten Tag!

Heddesheim, 07. Mai 2010. Die Feuerwehr Heddesheim berichtet zeitnah im Internet ĂŒber ihre EinsĂ€tze. Dabei veröffentlicht sie Fotos und Texte. Die mĂŒssen auf den PrĂŒfstand, damit es keinen Ärger gibt.

Von Hardy Prothmann

Vor ein paar Tagen erreichte uns ein Leserhinweis: Darf die Feuerwehr eigentlich Fotos von EinsÀtzen veröffentlichen?

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Homepage der Freiwilligen Feuerwehr Heddesheim.

Wir haben uns die Veröffentlichungen der Feuerwehr angeschaut – tatsĂ€chlich finden sich darunter Fotos, die das Innere von GebĂ€uden zeigen. Das ist eigentlich nicht erlaubt – außer, es wurde erlaubt.

Beispielsweise beim Einsatz in einer Halle der Edeka, bei der Anfang der Woche ein LadegerĂ€t fĂŒr Stapler-Batterien durchgeschmort war. Die Feuerwehr war schnell vor Ort und der Schmorbrand schnell gelöscht – auf Anfrage teilte die Edeka mit, dass der Schaden sehr gering geblieben war.

Kommandant Dieter Kielmayer sagte uns auf Anfrage: „Wir achten sehr sorgfĂ€ltig darauf, was wir veröffentlichen. Ganz klar wird es bei uns keine Fotos von verunfallten Personen zu sehen geben oder andere Bilder, die ĂŒber die Dokumentation eines Einsatzes hinausgehen. Bei der Edeka haben wir selbstverstĂ€ndlich das EinverstĂ€ndnis eingeholt.“

Hintergrund: Im vergangenen Jahr wurden Bilder eines Unfallopfers durch eine Feuerwehr im Kreis veröffentlicht. Kreisbrandmeister Peter Michels (Ladenburg): „Das hat jede Menge Ärger gegeben. Ich habe daraufhin die Feuerwehren darĂŒber informiert, dass diese darauf achten sollten, keine Fotos zu veröffentlichen, auf denen Opfer zu sehen sind, Nummernschilder zu pixeln und aus GebĂ€uden nur Fotos zu zeigen, wenn dafĂŒr eine Erlaubnis vorliegt. Berichte und Fotos mĂŒssen die Persönlichkeitsrechte berĂŒcksichtigen. Das gilt besonders fĂŒr Personen in AusnahmezustĂ€nden.“

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Kommandant Kielmayer. Bild: hblog

Verantwortlich fĂŒr die Berichterstattung ist die jeweilige Feuerwehr selbst, der Hinweis des Kreisbrandmeisters ist nur eine „Empfehlung“.

„Bei uns koordiniert Stefan Koschel die Berichte. Mein Sohn Tobias ist fĂŒr die Texte zustĂ€ndig, Robin Birr fĂŒr die Fotos“, sagt Kommandant Kielmayer: „Meist haben wir bereits eine Stunde nach dem Einsatz einen Bericht fertig im Internet.“

Das Mehr-Augen-Prinzip soll gewĂ€hrleisten, dass die Berichte und Fotos „in Ordnung“ sind: „Meine Leute und ich nehmen das sehr ernst und wissen um unsere Verantwortung“, sagt Dieter Kielmayer.

„Unsere Kontrollen sind sinnvoll und wichtig“

Kreisbrandmeister Peter Michels hat die Rechtsaufsicht ĂŒber alle Feuerwehren im Rhein-Neckar-Kreis. Im GesprĂ€ch mit dem heddesheimblog erklĂ€rt Peter Michels, wie die Feuerwehren arbeiten, warum sie noch gut gerĂŒstet sind und warum die Zahl der EinsĂ€tze zunimmt.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Michels, warum wird man eigentlich Feuerwehrmann?
Peter Michels: „Die meisten haben eine gewisse Neigung, helfen zu wollen. Und es hat mit Tradition zu tun, mein Großvater und Vater waren Feuerwehrmann, ich bin es und mein Sohn auch.“

Peter Michels ist der Kreisbrandmeister im Rhein-Neckar-Kreis. Bild: pro

Peter Michels ist der Kreisbrandmeister im Rhein-Neckar-Kreis. Bild: pro

Als Kreisbrandmeister haben Sie die Rechtsaufsicht ĂŒber die Feuerwehren im Kreis. Was bedeutet das?
„Nach der Gemeindeordnung ist der Unterhalt einer Feuerwehr eine „weisungsfreie Pflichtaufgabe der Gemeinde“. Das heißt, der BĂŒrgermeister ist der organisatorische Oberleiter der Feuerwehr, die fachlich von einem Kommandanten gefĂŒhrt wird.
Ich ĂŒberwache, ob die Gemeinden ihrer Verpflichtung nachkommen. Was das im Einzelnen ist, hĂ€ngt von der GrĂ¶ĂŸe der Gemeinde und der örtlichen Gefahrenlage ab. Außerdem stehe ich beratend zur Seite und bin sozusagen in Person die PrĂŒfstelle fĂŒr ZuschĂŒsse aus Landesmitteln.“

Ohne ZuschĂŒsse ist eine Beschaffung nicht möglich

Welche Mittel stehen zur VerfĂŒgung?
„Das variiert natĂŒrlich. Die Einnahmen werden ĂŒber die Feuerschutzsteuer bei den Versicherern bundesweit erhoben.
30 Prozent dieser Einnahmen verwendet Baden-WĂŒrttemberg beispielsweise, um seiner Aufgabe im Katastrophenschutz nachzukommen. Die feuerwehrtechnischen Beamten der Landkreise werden von diesen bezahlt.
In vielen FĂ€llen, wie auch im Rhein-Neckar-Kreis, wird diese Aufgabe ehrenamtlich wahrgenommen.“

Trifft die Finanzkrise auch die Feuerwehren?
„Es ist keine Frage, dass Fahrzeuge und Technik nicht so beschafft werden können, wie wir uns das wĂŒnschen.
Die Gemeinden sind gehalten, alle Möglichkeiten auszunutzen, um entsprechende ZuschĂŒsse zu bekommen.
In den meisten FĂ€llen sind die Beschaffungen ohne die ZuschĂŒsse nicht möglich. Manchmal mĂŒssen Investitionen warten. Das hĂ€ngt von den verfĂŒgbaren Mitteln und den vorgelegten AntrĂ€gen ab.“

Mit wem arbeiten Sie noch zusammen?
„NatĂŒrlich mit der Polizei sowie Rettungs- und SanitĂ€tsdiensten.“

„Unsere ehrenamtlichen Feuerwehrleute sind unbezahlbar.“

Ein Großteil der Feuerwehrleute ist ehrenamtlich tĂ€tig. WĂ€re eine Berufsfeuerwehr nicht sinnvoller?
„Das könnte niemand bezahlen. Um eine Funktionsstelle, sprich einen Feuerwehrmann, 24 Stunden ĂŒber das ganze Jahr zur VerfĂŒgung zu haben, brauchen Sie sechs Leute. Sagen wir mal, einer wĂŒrde 50.000 Euro verdienen, kommen Sie auf eine Summe von 300.000 Euro.
Die kleinste taktische Einheit bei der Feuerwehr sind 9 Personen und eine Person in der Funkzentrale. Da reden wir dann von Personalkosten in Höhe von 3 Mio. Euro. Das verdeutlicht das Finanzproblem.“

Bekommen Sie denn genug Freiwillige zusammen?
„Der Arbeitgeber muss die Leute theoretisch frei stellen. Theoretisch ist das, weil natĂŒrlich die Mitarbeiter im Betrieb gebraucht werden. Da muss man FingerspitzengefĂŒhl haben.
Gemessen an den steigenden Einsatzzahlen mache ich mir fĂŒr die Zukunft schon ein wenig Sorgen, was den Stamm der Freiwilligen angeht, weil die Belastungen steigen.
Zurzeit sind wir aber personell in der Lage die EinsatztĂ€tigkeit gut abzuwickeln.“

„Die Belastung ist enorm.“

Warum steigen die Einsatzzahlen?
„Das hat vielfĂ€ltige Ursachen. Ganz klar ist eine Ursache die verkĂŒmmerte Nachbarschaftshilfe. Wenn ein Baum im Garten oder vor dem Haus umfĂ€llt, wird nicht der Nachbar zu Hilfe gerufen, wie frĂŒher, sondern die Feuerwehr.
Viele Menschen haben zudem keine geeigneten Hilfsmittel mehr, beispielsweise eine Pumpe, wenn der Keller voll lÀuft.
Und das eigene Engagement ist in den Hintergrund getreten, weil man sich auf technische Hilfsmittel des Staates verlĂ€sst.“

Hier lÀuft alles zusammen, hier wird alles koordiniert: Die integrierte Einsatzzentrale in Ladenburg. Bild:pro

Hier lÀuft alles zusammen, hier wird alles koordiniert: Die integrierte Einsatzzentrale in Ladenburg. Bild:pro

Wie meinen Sie das?
„Es ist sinnvoll, ĂŒberall im Haus Rauchmelder zu haben. Die meisten Menschen, die Opfer eines Brandes werden, ersticken nĂ€mlich, bevor sie verbrennen.
Rauchmelder verringern aber nicht die Gefahr, dafĂŒr muss man schon selbst mitdenken und darauf achten, dass elektrische Anlagen und Verbraucher technisch einwandfrei sind, Kerzen nur an geeigneten Stellen aufgestellt werden usw.“

Die Feuerwehren sind manchmal in viele Abteilungen aufgeteilt. Warum?
„Das ist meist historisch so gewachsen, dass Ortsteil fĂŒr Ortsteil eine Feuerwehr bekam, gerade, wenn sie entfernt voneinander liegen. Sinsheim hat beispielsweise dreizehn Abteilungen.“

„Wir prĂŒfen alle drei bis jĂŒnf Jahre.“

In Heddesheim plant die Pfenning-Gruppe ein riesiges Logistikzentrum. Sind Sie bei den Planungen involviert?
„Kurzfristig war ich das. Das wird dann intensiviert, wenn die konkreten Bauplanungen fĂŒr die Objekte vorliegen.
Dann komme ich dazu und stelle meinen Forderungskatalog als Notwendigkeiten fĂŒr die betroffenen Feuerwehren auf. Der teilt sich in vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz.“

ErlÀutern Sie das bitte.
„Alle baulichen Maßnahmen sind vorbeugend und die Abwehr erfolgt ĂŒber die örtliche Feuerwehr und selbstverstĂ€ndlich die Nachbarfeuerwehren.“

Können Sie zum Projekt schon sagen, was vorbeugend getan werden muss und ob die Feuerwehr in Heddesheim gut gerĂŒstet ist?
„Pauschal kann ich sagen, dass die GebĂ€ude parzelliert werden mĂŒssen, was auch so vorgesehen ist.
Dann sind stationĂ€re Löschanlagen, also Sprinkler erforderlich, die mĂŒssen eine FunktionalitĂ€t ĂŒber 90-120 Minuten garantieren.
Außerdem mĂŒssen vor Ort Sonderlöschmittel wie Schaum und andere Dinge, je nach GefĂ€hrdung, vorgehalten werden.“

Wie oft prĂŒfen Sie das und werden die Vorschriften immer eingehalten?
„Wir prĂŒfen je nach Objekt alle drei bis fĂŒnf Jahre. Ob die Anlagen technisch in Ordnung sind und BrandbekĂ€mpfungsmittel erneuert wurden zum Beispiel.
Meinen Erfahrungen nach mĂŒssen Verbesserungen und Anpassungen gemacht werden, um den verĂ€nderten Gegebenheiten und neuen Erkenntnissen gerecht zu werden. Deswegen sind unsere Kontrollen sinnvoll und wichtig.“

Dabei sollten die Unternehmen doch schon aus GrĂŒnden der Haftbarkeit darauf achten?
„Sollten sie, denn wenn etwas passiert, ĂŒbernimmt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen mit allen juristischen Konsequenzen und die können enorm sein.“

„Bei einem Brand werde ich keinen da reinschicken.“

ZurĂŒck zum Pfenning-Projekt. Die Hallen werden bis 18,5 Meter hoch sein. Kommen Sie da ĂŒberhaupt hoch?
„Wir kommen mit den Drehleitern da noch gut ran. Ins GebĂ€ude kann ich bei solchen Höhen niemanden mehr reinschicken, deswegen mĂŒssen die baulichen FeuerbekĂ€mpfungsanlagen entsprechend installiert sein.“

Wie wissen Sie vor Ort, mit welchen Mitteln Sie löschen mĂŒssen, also Wasser oder Schaum?
„Wichtig sind Daten der EDV des Betriebs. Die muss uns sagen, was sich in der Halle befindet. Wir dĂŒrften aber immer vor großen Aufgaben stehen, weil in solchen Hallen oft unterschiedlichste Stoffe gelagert werden, dass hĂ€ngt mit der fĂŒr den Betrieb durchaus vernĂŒnftigen „chaotischen Lagerhaltung“ zusammen. Alles schön getrennt zu lagern ist nicht so effizient, wie das „Chaos“, das man natĂŒrlich aber kontrollieren muss.“

Muss die Feuerwehr in Heddesheim neue GerÀtschaften erwerben?
„Eigentlich nicht. In einem Brandfall wird man auf die Möglichkeiten der anderen Feuerwehren in der Nachbarschaft zurĂŒckgreifen. Das gilt aber allgemein fĂŒr alle.“

Auf welche Szenarien muss sich die Feuerwehr einstellen und wie wird das geĂŒbt?
„Wenn die GebĂ€ude errichtet sind, wird man entsprechende AlarmierungsplĂ€ne zusammenstellen.
Wenn es zu einem Alarm kommt, wird entsprechend der PlĂ€ne gehandelt.“

Zur Person:
Peter Michels (57) ist gelernter Starkstromelektriker und staatlich geprĂŒfter Elektrotechniker. Der gebĂŒrtige Leimener ist verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter.
Er ist seit 1964 Feuerwehrmann und seit 1992 beim Rhein-Neckar-Kreis als feuerwehrtechnischer Beamter im „Vorbeugenden Brandschutz“ beschĂ€ftigt.
Seit vier Jahren leitet er das Amt fĂŒr Feuerwehr und Katastrophenschutz im Landratsamt. In dieser Funktion war er auch maßgeblich am Aufbau der Integrierten Leitstelle in Ladenburg beteiligt.
In dieser Leitstelle arbeiten die Feuerwehren des Rhein-Neckar-Kreises und die Hilfsorganisationen wie DRK, MHD, Johanniter und ASB zusammen. Von hier aus werden auch die KrÀfte des Technischen Hilfswerkes alarmiert und in den Einsatz gebracht.

Die integrierte Leitstelle Rhein-Neckar-Kreis
In Ladenburg befindet sich die „integrierte Leitstelle“ der Feuerwehren im Rhein-Neckar-Kreis. Hier gehen die Notrufe ein, von hier aus werden die EinsĂ€tze koordiniert.
Die Leitstelle ist seit drei Jahren in Betrieb. Dort arbeiten 30 Festangestellte: Disponenten, die fĂŒr die Koordination zustĂ€ndig sind, Systemadministratoren, die fĂŒr die komplexen Computer- und Telefonanlagen zustĂ€ndig sind und Mitarbeiter in der Verwaltung. Peter Michels: „Weil unsere Leitstelle so jung ist, sind wir auf dem neuesten Stand der Technik.“

499.000 Notrufe in 2008

Insgesamt gibt es im Rhein-Neckar-Kreis 54 Gemeinden mit 54 Feuerwehren, die in 107 Abteilungen untergliedert sind. Rund 4500 freiwillige Feuerwehrleute sind im Kreis aktiv.
Rund drei Millionen Euro wurden in die moderne Leitstelle investiert. 2008 nahm die Leitstelle insgesamt 499.000 Anrufe entgegen. Innerhalb von 24 Stunden sind das rund 1400 Anrufe. „Darunter sind auch Spaßanrufe, was sehr Ă€rgerlich ist und manchmal „einsame Seelen“, um die wir uns kĂŒmmern, wie wir das in der Situation können.“