Mittwoch, 19. Mai 2021

Gl├Ąserner Gemeinderat: Im Fr├╝hjahr gibt es einen Markt – was f├╝r einen ist unklar

Guten Tag!

Heddesheim, 13. Oktober 2010. Ab dem kommenden Fr├╝hjahr wird es auf dem Dorfplatz einen Wochenmarkt geben – mit welchen Angeboten ist noch unklar. Der Markt wird freitags stattfinden, weil angeblich Samstag kein guter Tag ist. ├â┼ôber einen Mittwoch oder Donnerstag wurde nicht diskutiert – ebensowenig ├╝ber die Bed├╝rfnisse der Heddesheimer B├╝rgerInnen.

Von Hardy Prothmann

Wenn man im Gemeinderat Herrn Hasselbring (Fraktionsvorsitzender FDP) zuh├Ârt, was der so sagt, dann wei├č man genau, wo der Mann einkauft: Bevorzugt in Ladenburg und Umgebung, nur nicht in Heddesheim: „In Schriesheim, Hirschberg und Ladenburg gibt es oder entsteht eine Einkaufsqualit├Ąt, die wir hier nicht mehr kriegen.“ „Super, toll, klasse“, sagt der Mann mit einer Lebendigkeit, die sonst so gar nicht an den Tag legt.

Herr Hasselbring kauft gerne in der Nachbarschaft ein.

Herr Hasselbring l├Ąsst sich so ausf├╝hrlich schw├Ąrmend ├╝ber die tollen Standorte in der Nachbarschaft aus, dass B├╝rgermeister Kessler kommentiert: „Bitte keine Werbung Herr Hasselbring.“ Dar├╝ber wird gelacht. Haha. Dabei ist es ein ernstes Thema.

In Ladenburg ist mit der Kombination aus Edeka, Aldi und DM, ausreichend Parkpl├Ątzen und Gastronomie an der Wallstadter Stra├če eine Einkaufsgelegenheit entstanden, die viele Heddesheimer anzieht – seit einiger Zeit sowieso, da die Viernheimer Br├╝cke noch bis Jahresende Baustelle ist. Zudem lockt die Altstadt – vergangenen Freitag war dort Einkaufsnacht mit ordentlich Betrieb – im krassen Gegensatz zur Heddesheimer Einkaufsnacht, die ganz klar ein Misserfolg war und das bleiben wird, solange es keinen besonderen Anreiz gibt.

In Hirschberg wird im Neubaugebiet „Sterzwinkel“ ebenfalls ein moderner Edeka-Markt entstehen – der aus Sicht der angeblich „bis zu 1.000 Arbeitnehmern“ der geplanten „Pfenning“-Ansiedlung bei weitem einfacher zu erreichen sein wird, als der Heddesheimer Edeka-Markt, der nun wahrlich keine Augenweide ist. Sofern die „bis zu 800“ Lkw t├Ąglich die Strecke nicht komplett verstopfen.

Ger├╝chte.

In Heddesheim hat die Metzgerei Schmich zugemacht, bekannterma├čen ist der Discount Treff schon lange zu und glaubt man den Ger├╝chten, die viele kennen, wird das auch so bleiben. Treff geh├Ârt ebenfalls zum Edeka-Konzern und man sagt, die Miete w├╝rde f├╝r den leeren Laden weiterbezahlt, damit sich dort keine Konkurrenz ansiedelt. Das ist ein Ger├╝cht, f├╝r das Argumente sprechen. Andererseits kann man genauso gut glauben, dass da niemand rein will, weil Heddesheim und die Lage im Speziellen nicht attraktiv genug sind – es mangelt an Parkpl├Ątzen und die wollen alle haben.

Meinen Einwurf, dass man auch in Heddesheim bei einem Wochenmarkt auf ausreichend Parkpl├Ątze achten m├╝sse, wollte niemand zur Kenntnis nehmen. Mein Antrag, ├╝ber das Internet die W├╝nsche der Heddesheimer Bev├Âlkerung einzusammeln, um ein m├Âglichst zielgenaues Angebot entwickeln zu k├Ânnen wurde nur von den Gemeinderatskollegen Reiner Edinger und Kurt Klemm unterst├╝tzt.

Nun hat der Gemeinderat einstimmig den Antrag der SPD auf einen Wochenmarkt beschlossen – also auch ich. Warum? Von meiner Seite als Signal. Ich glaube n├Ąmlich, dass ein attraktiver Markt ein positives Signal setzen kann. Das Angebot und die Preise m├╝ssen stimmen. Wenn man Herrn Kessler im Mai genau zugeh├Ârt hat, w├╝nscht der sich K├Ąse, Bio und Fisch und „was man sonst nicht im Ort finden kann“.

Angebote.

Naja, es gibt einen Fischwagen, im Edeka gibt es auch Bio und eine solide K├Ąsetheke – irgendwie verstehe ich den B├╝rgermeister nie so recht. Ein Angebot mit Gem├╝se und Obst ist nicht explizit besprochen worden und wird meiner Meinung nach nicht kommen. Denn das w├Ąre eine Konkurrenz f├╝r den CDU-Vorsitzenden und Gemeinderat Rainer Hege, der einen Scheunenladen betreibt und sich demonstrativ f├╝r befangen erkl├Ąrt hat. Die Mehrheit der CDU-Mitglieder stimmte denn auch gegen den Antrag der SPD: „Wir sehen eine Konkurrenz f├╝r die bestehenden Betriebe“, sagte Dr. Josef Doll, der CDU-Fraktionsvorsitzende. N├Ąher erl├Ąutert hat er das nicht.

Und K├Ąse, Bio, Fisch? Das sind eher hochpreisige Angebote, die sich nicht jeder leisten k├Ânnen wird – vielleicht wusste Herr Kielmayer schon mehr als andere, als er meinte: „Da holt man sich Appetit, aber eingekauft wird im Supermarkt.“ Ich fand das Argument absurd – da guckt man vielleicht ein- zwei Mal und beschlie├čt dann, dass es zu teuer ist. Sicherlich geht niemand freiwillig dahin, wo er sich nichts leisten kann.

Fragen darf man aber schon, was Herr Doll denn meinen k├Ânnte? K├Ânnen Brillen, B├╝cher, Blumen, Orthop├Ądie-Ger├Ąte, Schuhe, Zahnpflege, Friseurdienstleistungen, Reiseb├╝ro, Sonnenstudio, Kiosk und B├╝robedarf Konkurrenz durch einen Wochenmarkt bekommen? Keines dieser Gesch├Ąfte d├╝rfte einen „Lebensmittel-„Markt als Konkurrenz betreiben. Der Edeka-Markt kann das verschmerzen, weil er noch andere Artikel anbietet. Der Tschibo-Laden mit Backwaren w├Ąre schon eher „betroffen“, doch der ist im Gemeinderat nicht vertreten. Der Hege-Laden noch mehr und das hat die CDU ja auch ein klares Signal gegeben.

Bereits Ende 2009 wurde der Markt von der SPD erstmals in den Gemeinderat gebracht – jetzt entschieden und fr├╝hestens in weiteren sechs Monaten soll es losgehen. Auch das ist „Standortpolitik“. Man muss sich nur wundern, wie schnell „Pfenning“ dageben vorangebracht wurde.

Geheimnisse.

Als gro├čes Geheimnis bleibt, was denn so an Standbetreibern kommen wird. Schlie├člich liebt Herr Kessler Geheimnisse und hasst es, das Volk zu fragen – das hat er mit vielen Repr├Ąsentanten im Gemeinderat gemein.

W├Ąhrend der B├╝rgermeister 2009 noch sehr unentschlossen war, gibt er sich nun zuversichtlich, dass der Markt „Kaufkraft im Ort gehalten oder zur├╝ckgeholt werden kann“.

Kurt Klemm begr├╝├čte den Markt als „Ort der Begegnung“, „Gr├╝nen“-Specher Klaus Schuhmann ebenso, vor allem wegen der „├Ąlteren Leute“: „Man darf die, die nicht so mobil sind, nicht vergessen.“

CDU-Enthaltung.

Frau Brechtel, Herr Doll, Herr Kielmayer und Herr Schaaf (alle CDU) enthielten sich der Stimme, trotz des „Alten“-Arguments, das sie sonst immer hochhalten.

Auch ich finde eine Markt in Heddesheim gut, weil er den Ort attraktiv macht und den leblosen Dorfplatz wenigstens einmal die Woche mit Leben f├╝llen kann. Tats├Ąchlich bef├╝rchte ich, dass der Bauernmarkt vor dem Rhein-Neckar-Zentrum und in Ladenburg, die zeitgleich stattfinden, eine harte Konkurrenz sind und somit der Freitag kein gut gew├Ąhlter Tag ist.

Und dann kommt es noch auf das Angebot an – man darf gespannt sein, was das sein wird.

Bevor der Markt ├╝berhaupt starten wird, ist eines aber klar: F├╝r die W├╝nsche der Heddesheimer B├╝rgerInnen haben sich weder Herr Kessler noch die Mehrheit im Gemeinderat interessiert.

Und das finde ich bedauerlich.

hardyprothmann

Anmerkung der Redaktion:
Hardy Prothmann ist partei- und fraktionsfreier Gemeinderat und verantwortlich f├╝r das heddesheimblog.

Download:
Gemeinderat-Protokoll Mai 2010 ├╝ber die Diskussion zum Markt-Antrag der SPD.