Sonntag, 29. Mai 2022

Gabis Kolumne

Das Kreuz mit der (gesunden) ErnÀhrung

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Guten Tag!

Heddesheim, 29. MĂ€rz 2010. Mit dem Essen ist das so eine Sache – was schmeckt, ist meistens nicht gesund. Und obwohl es DiĂ€ten an jeder Ecke gibt, gab es noch nie so viele Essgestörte, ÃƓbergewichtige und FalschernĂ€hrte, meint Gabi.

Dieser Tage hat im Radio ein Komedian ĂŒber die guten alten Zeiten berichtet, als es bei der Oma noch den fetten Schweinebraten gab, die Torte mit guter Butter gebacken wurde und die Sahne im Kaffee alles andere als „light“ war.

Können Sie sich auch noch dran erinnern?

Gesundes Essen vs. leckeres Essen.

Heute haben wir die ErnĂ€hrungsberatung. Die fĂ€ngt im Kindergarten, nein, eigentlich schon frĂŒher, in der Schwangerschaft an. Unsere Kinder und natĂŒrlich auch wir Eltern lernen von ErnĂ€hrungswissenschaftlern, wie ein gesundes FrĂŒhstĂŒck auszusehen hat: Körnerbrot, Salatblatt, eventuell Gurke und dann gesunde Wurst oder KĂ€se.

Ein No-Go, und da werden Sie mir sicher Recht geben, ist ein Toastbrot mit Nutella oder eine Dampfnudel.

Dummerweise, essen das die meisten Kinder aber richtig gerne. ZusĂ€tzlich wurde uns im Fernsehen von Boris Becker erklĂ€rt, und der war immerhin jahrelang die Nummer Eins auf der Tennisweltrangliste, dass der Schoko-Nuss-Brotaufstrich gesund ist und man bei regelmĂ€ĂŸigem Verzehr damit ganz nach oben kommt.

NatĂŒrlich wissen wir alle, dass man nicht alles glauben darf, was im Fernsehen kommt. Denn es steckt weder in der Milchschnitte die Extraportion Milch, noch in den Fruchtgummis die wichtigen Vitamine – blöd nur, dass diese Dinge unseren Kindern schmecken.

Freude am Essen ist toll – viele haben keine.

Kommen wir jetzt noch mal zurĂŒck zur ErnĂ€hrungsberatung. Nach dieser jahrelangen Beschulung mĂŒsste sich doch der Erfolg zeigen. Doch das Gegenteil ist der Fall, noch nie gab es so viele ĂŒbergewichtige Kinder, noch nie gab es so viele junge Menschen mit Essstörungen.

Meine Kinder bringen regelmĂ€ĂŸig Freunde mit zum Essen. Und das finde ich auch ganz toll.

Dummerweise haben die meisten so ihre Essmacken. Der eine Freund meines Sohnes ist nichts aus Hackfleisch. Der andere ist spezieller, vom HĂŒhnchen ist er nur die BrĂŒste, im Salat mag er keine Zwiebeln, er ist Hackfleisch, aber nicht in der Soße, er ist keinen Fisch, kein Lamm und nur bestimmtes GemĂŒse.

Eine Freundin meines Sohnes ist Vegetarierin. Eine Freundin meiner Tochter isst nur getrennt Gerichte. Also niemals einen Auflauf, kein Fleisch mit Soße, kein gemischtes GemĂŒse. Eine andere isst nichts ÃƓberbackenes.

Diese Liste ist noch beliebig erweiterbar.

FĂŒr viele Kinder zu Kochen ist fast nicht mehr möglich.

Kommen gleichzeitig mehrere Freunde, ist das Unternehmen „Kochen“ fast ein Ding des Unmöglichen. Und in solchen Momenten bedauere ich aufrichtig, dass der Spruch „gegessen wird, was auf den Tisch kommt“, in heutiger Zeit keine Bedeutung mehr hat.

Möchte ich es mir einfach machen, gibt es Pizza – die isst komischerweise auch das MĂ€dchen, das Lebensmittel ansonsten nur getrennt zu sich nimmt, ebenso wie die, die nichts ÃƓberbackenes mag – oder FischstĂ€bchen – die von dem nicht Fisch essenden Freund meines Sohnes immer begeistert begrĂŒĂŸt werden – oder Chicken Nuggets.

Als aufgeklĂ€rte Mutter weiß ich, dass die Gemeinsamkeit dieser Gerichte ist: Sie sind NICHT gesund!

In der Schule meiner Kinder sorgt ein Caterer fĂŒr ausgewogene ErnĂ€hrung. Doch kaum dĂŒrfen die Kinder das SchulgelĂ€nde verlassen, rennen sie zu McDonald, zur Dönerbude oder zu Subway.

Ist das nun der Erfolg der ErnÀhrungsberatung?

Jetzt mal einen Blick weg von unseren Kindern, betrachten wir uns.

SĂŒndige Gedanken vs. Vernunft.

Ich esse gerne ein gesundes Körnerbrötchen zum FrĂŒhstĂŒck, aber ich liebe es, ein duftendes, warmes Croissant mit „guter“ Butter und Marmelade zu bestreichen.

Obstsalat zum Nachtisch ist echt lecker, aber fĂŒr Pannacotta oder CrÚme BrulĂ©e könnte ich sterben.

Kartoffelknödel mit geschmolzener Butter zu einem Sauerbraten mit cremiger Soße, Spaghetti mit KĂ€se-Sahne-Soße, SpĂ€tzle mit Apfelmus, panierte Wiener Schnitzel mit Pommes, Bratkartoffeln mit gebackenem Fisch, Spargel mit Sauce Bernaise, WĂŒrstchen mit Kartoffelsalat – vielleicht ist ja auch ein Gericht dabei, wo Ihnen das Wasser im Munde zusammenlĂ€uft.

Und das passiert sicher nicht bei dem Gedanken an GrĂŒnkernbratling, gedĂŒnstetem Fisch oder GemĂŒse.

Ich weiß, was gesund ist und ich weiß, was mir schmeckt und viele gesunde Gerichte esse ich richtig gerne. Aber bei den ungesunden, habe ich sĂŒndige Gedanken. Wie das ja so immer ist, mit dem UnvernĂŒnftigen und Verbotenen. Es tut meistens nicht gut, aber man kann nicht widerstehen.

Probieren statt diskutieren.

Und damit sind wir beim Maß angelangt. Ich versuche mich und meine Lieben gesund und vernĂŒnftig zu ernĂ€hren. Aber so, wie ich mir ab und an ein zweites Glas Wein erlaube und zeitweise auch beim Essen ĂŒber die StrĂ€nge schlage, gestehe ich das auch meinen Kindern zu.

Ich gebe schon mal das Nutellatoast oder den Schokoriegel mit in die Schule oder gehe mit ihnen Junk Food essen, dafĂŒr mĂŒssen sie aber im Gegenzug auch GemĂŒse, Körnerbrot und Co. akzeptieren.

Nach dem Motto: „PROBIERT wird alles, was auf den Tisch kommt“.

gabi