Samstag, 21. Mai 2022

Der Kleinkrieg des Herrn K. und sein „heddesheimblog-Erlass“

Guten Tag!

Heddesheim, 30. Januar 2010. Der Heddesheimer Bürgermeister Michael Kessler ist fest entschlossen, sich selbst und den Ruf seiner Gemeindeverwaltung zu beschädigen. Anders lässt sich die peinliche Absurdität seines Kleinkriegs gegen das heddesheimblog und jeden, der mutmaßlich damit zu tun hat, nicht erklären.

Kommentar: Hardy Prothmann

Während landauf, landab Journalisten mit kritischem Blick auf das heddesheimblog schauen und überlegen, ob unsere Arbeit die „Zukunft des Lokaljournalismus“ sein könnte, wünscht sich der Heddesheimer Bürgermeister Michael Kessler die glorreiche Vergangenheit zurück.

Glorreich war diese, weil er darin so glorreich war. Kein Wort der Kritik wurde über ihn geschrieben. Im Mitteilungsblatt bestimmt er bis heute selbst, wie glorreich er ist, das Verlautbarungsorgan Mannheimer Morgen transportiert bis heute unkritisch und gefolgsam seine Heilsbotschaften fürs Heddesheimer Volk.

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Verengter Blick: Jedes bürokratische Register wird gezogen. Bild: hblog

Seit Mai 2009 ist Herr Kessler in Not. Seitdem berichtet das heddesheimblog kritisch auch über ihn und die Arbeit der Verwaltung. Kritisch heißt: Wir schreiben das Positive genauso auf wie das Negative.

Dem Bürgermeister schmeckt das nicht, weil er keine Kontrolle darüber hat. Für einen Kontrollfreak wie ihn muss das eine Qual sein.

Bürokratische Hürden

Also versucht er in einem absurden Stellungskrieg das heddesheimblog einzukesslern und sich so Erleichterung zu verschaffen, indem er es uns schwer macht. Dabei zieht er alle bürokratischen Register, die ihm einfallen.

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Artikel vom 28. Januar 2009. Wolfgang Unverricht wird ausgiebig zitiert. Quelle: MM

Die Mitarbeiter lässt er eine Verwaltungsanordnung unterschreiben, mit der diese in Kenntnis gesetzt werden, dass Presseanfragen künftig nicht beantwortet werden dürfen, sondern ans Rathaus, also ihn, weitergeleitet werden müssen.

Der Anlass: Unsere Berichterstattung über die Öffnung der Eisbahn.

Konsequenterweise müsste er deshalb den Leiter des Bauhofs, Wolfgang Unverricht, abmeiern. Denn der hat mit dem Mannheimer Morgen geredet, wie dieser Artikel vom 28. Januar 2010 beweist (siehe Bild rechts).

Herr Unverricht wird nicht abgemeiert werden – denn der Ukas in Sachen Presse gilt nicht für das Haus- und Hofblatt Mannheimer Morgen oder andere. Es gilt ausschließlich für das heddesheimblog. Es handelt sich um den „heddesheimblog-Erlass“.

Vasallen werden vorgeschickt

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Artikel-Ausschnitt. Zum Vergrößern bitte klicken. Quelle: MM

Auch das heddesheimblog wollte gerne zum selben Thema mit dem Bauhofleiter sprechen und wandte sich an die Gemeinde. Dort verlangte man die schriftliche Einreichung unserer Fragen.

Journalistische Anfragen darf das heddesheimblog nur noch an diese Adresse richten: gemeinde@heddesheim.de.

Meist antwortet dann mit großer Verzögerung, die eine aktuelle Berichterstattung praktisch unmöglich macht, das Sekretariat des Bürgermeisters. Diese Antworten sind meist so unzureichend, das sie für eine Berichterstattung nicht verwendet werden können. Manchmal wird auch gar nicht erst geantwortet. Und wörtliche Zitate? Fehlanzeige. (siehe hierzu unsere Dokumentation)

Der Sinn des Verfahrens: Auskünfte sollen so mühsam werden. Sollten wir eine Nachfrage haben, geht das Verfahren wieder von vorne los.

Vollständig absurd wird es, wenn Herr Kessler seine Vasallen vorschickt.

So wies vor kurzem der Leiter des Bürgerservices, Franz Winkler, eine Rathaus-Mitarbeiterin an, ihn zu informieren, wenn unsere Mitarbeiterin donnerstags das Mitteilungsblatt im Rathaus holt.

Als unsere Mitarbeiterin eintraf, wurde sie von der Angestellten gebeten, kurz zu warten. Die Angestellte informierte ihren Chef. Herr Winkler kam und fragte: „In welcher Funktion holen Sie das Blatt? Privat oder für die Redaktion des heddesheimblogs?“ „Selbstverständlich für die redaktionelle Arbeit“, antwortete die Mitarbeiterin. Sie durfte das Blättchen mitnehmen.

Vielleicht hat Herr Kessler mit diesem Vorgang auch nichts zu tun. Vielleicht praktizierte Herr Winkler auch nur vorauseilenden Gehorsam.

Kleingeistiges Verhalten

Unserem freien Mitarbeiter Horst Pölitz, der als freier Journalist auf eigene Rechnung arbeitet, wurde das Mitteilungsblatt aktuell verweigert. Das Kesslersche Sekretariat „informierte“:

„Sehr geehrter Herr Pölitz,
in den Verteiler für Pressemitteilungen des Rathauses werden Sie aufgenommen.
Entgegen der gestrigen Auskunft erhalten nur Redaktionen unser Mitteilungsblatt kostenlos. Sie können sich dieses zukünftig von der Redaktion des Heddesheimblogs geben lassen. Alternativ erhalten Sie anbei ein Bestellformular.“

Lächerlicher kann man sich eigentlich kaum machen.

Immer dann, wenn Herr K. will, das seine Botschaft unters Volk kommt, lässt er das Mitteilungsblatt an alle Haushalte verteilen – auch an Nicht-Abonnenten. Es kann sich also nicht um „Kostengründe“ handeln.

Einem Journalisten, der über die Gemeinde berichtet, dieses zu verweigern, ist nicht nur kleinlich, sondern kleingeistig. Es ist pedantisch.

Der Sinn dieses Verhaltens liegt erkennbar einzig und allein darin, die Arbeit und alle Zuarbeiten des heddesheimblogs wie auch immer zu behindern. Den Mitarbeitern der Gemeinde ist vordergründig kein Vorwurf zu machen. Sie müssen den Dienstanweisungen ihres Chefs folgen. Manche müssens, andere folgen gerne von sich aus.

Was Herr K. seinen Mitarbeitern aber nicht anordnen kann, ist, was sie über sein Verhalten und ihn denken.