Donnerstag, 18. August 2022

MM: Trauriger Bericht ĂŒber traurigen Tag

Heddesheim, 06. April 2011. (red) Der Mannheimer Morgen berichtet heute ĂŒber einen „traurigen Tag fĂŒr die Gemeinde“ – und schlĂ€gt ein weiteres Kapitel seiner Non-Sense-Berichterstattung auf.

Von Hardy Prothmann

„Ein StĂŒck Kultur und Tradition“, geht verloren, heißt es heute im Mannheimer Morgen ĂŒber das vermeintliche „Aus“ fĂŒr den Tabakstandort.

Das schreibt die Zeitung, die das Wort „Tabakgemeinde“ in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 248 in 206 Artikeln benutzt hat. Allein in den vergangen Jahren wurde das Synonym „Tabakgemeinde“ fĂŒr Heddesheim in 130 Artikeln insgesamt 159 Mal verwendet.

"HeimattĂŒmelige" Berichterstattung. Quelle: MM

Absurd, denn 2007 waren es noch sieben, zuletzt waren es noch vier landwirtschaftliche Betriebe, die in Heddesheim noch Tabak angebaut haben, vor allem den Badischen Geudertheimer, einen Zigarrentabak und Virgin. ÃƓbrig bleibt Alois Bach, der noch ein wenig Virgin anbaut.

Die ProduktionsflĂ€che fĂŒr den Tabakanbau, der seinen Höhepunkt 1939 (sic!) hatte, lag damals bei gut 300 Hektar und 2007 nur noch bei 55 Hektar. Die 20 Hecktar AnbauflĂ€che, die kĂŒnftig mit einem der grĂ¶ĂŸten Logistizentren der Region („Pfenning“) bebaut sein werden, galten als bester „Tabakgrund“.

Im Ort gibt es noch einige Tabakscheunen, die mehr oder weniger nur zum Trocknen der Pflanzen nutzbar sind. Der Tabakanbau gilt als knochenharte Arbeit – vor allem die Ernte ist krĂ€ftezehrend und aufwendig. Solange das aber gutes Geld brachte, baute man die Pflanze eben an.

Seit vielen Jahren ist der Tabakanbau aber schon lĂ€ngst kein echtes GeschĂ€ft mehr, sondern lebte nur von massiven Subventionen. Rund 6 Euro pro Kilo wĂŒrde der Heddesheimer Tabak auf dem Weltmarkt kosten. Der marktfĂ€hige Preis liegt bei zwei Euro. Der Tabak wurde also bis Ende 2009 mit zwei Dritteln subventioniert. Durch Steuergelder.

Auch von Nicht-Rauchern. Und von einer EuropĂ€ischen Union, die sich dem Nicht-Raucher-Schutz verschrieben hat. Absurd? Ganz sicher. Aber RealitĂ€t. Die Tabakindustrie wurde verpflichtet 3 bis 5 Prozent der Einnahmen fĂŒr Rauchschutzinformationen auszugeben. WĂ€hrend Erzeuger mit zwei Dritteln subventioniert wurden, sagt die Großhandelsfirma Jakob Metz KG im pfĂ€lzischen Herxheim. Dort hat man auch schon reagiert und die Landwirte bauen nun KrĂ€uter an.

Gleichzeitig liegen die „Folgekosten“ im mehrstelligen Milliardenbereich bei der Behandlung von Krankheiten durch Tabakmissbrauch.

Was also, bitte schön, ist „traurig“ daran, wenn auf Heddesheimer Gemarkung der Tabakbau nun mehr oder weniger eingestellt ist? Die Gemeinde Heddesheim ist schon seit Jahrzehnten keine Gemeinde mehr, die vom Tabak lebt.

Rupert Bach - auch sein Betrieb baut keinen Tabak mehr an, weil es sich nicht mehr lohnt.

Der Mannheimer Morgen vewendete den Begriff Tabakgemeinde diametral inflationĂ€r zur tatsĂ€chlichen Situation in den vergangenen Jahren. Warum, bleibt sein Geheimnis. Eine ErklĂ€rung wĂ€re, dass er es „heimattĂŒmeln“ lassen will. Selbst im aktuellen Bericht wird am Ende des Textes „ein Funken Optimismus spĂŒrbar“. So sind sie meist konstruiert, die Texte jenseits von Sinn und Verstand – am Ende muss immer alles gut werden oder sein.

Ist es traurig, dass die Bauern keine absurd hohen Subventionen mehr bekommen? Ganz sicher nicht, weil die Subventionspolitik schon lange von vielen als Skandal begriffen wird und es kaum noch vermittelbar ist, warum eine kleine Gruppe von Wirtschaftsbetrieben insgesamt die höchsten Zuwendungen erhÀhlt.

Ist es traurig, dass osteuropĂ€ische Erntehelfe keinen Knochenjob mehr machen mĂŒssen? Das ist sicherlich bedauerlich fĂŒr die Arbeiter, die hier zwar Hungerlöhne erhalten, die aber in ihrer Heimat die Familien ernĂ€hren.

Ist es traurig, dass 20 Hektar bestes Ackerland fĂŒr den Bau eines Logistikzentrums auf alle Zeit vernichtet werden? Das ist eine Frage der Perspektive. Ganz sicher nicht aus Sicht des Heddesheimer BĂŒrgermeisters Michael Kessler und der Mehrheit im Gemeinderat, die durch das Logistikzentrum die „Zukunft Heddesheims“ als „gesichert“ versprechen.

Derselbe BĂŒrgermeister Kessler lobt zu jeder anderen Gelegenheit den Ort als „Sportgemeinde“ – wie man Tabak und Rauchen und Sport als gleichzeitige Identifikationsmerkmale fĂŒr ein und dieselbe Gemeinde unter einen „Hut bekommen soll“, muss niemand verstehen. Es bleibt absurd.

Homepage der Gemeinde Heddesheim. Bretter von Tabakscheunen und eine stilisierte Scheune als Logo halten die "Tradition" des Tabakbaus hoch. Quelle: Gemeinde Heddesheim

„Bald erinnert nur noch der Tabakbrunnen, der als Denkmal gesetzt wurde, an diese vergangene Zeit“, schreibt der MM weiter. Auch das ist ausgemachter Blödsinn. Die Gemeinde Heddesheim hat sich gerade ein „neues“ Corporate Design gegeben – mit stilisierten Tabakscheunen, die an die „gute, alte Zeit“ erinnern sollen.

Klar, es gibt sie noch, vereinzelt, die Tabakscheunen im Ort- unnĂŒtzige GebĂ€ude, die lĂ€ngst ihre Aufgabe verloren haben und fĂŒr kaum einen anderen Zweck zu gebrauchen sind. Selbst ein Landwirt wie Rupert Bach hatte in den vergangenen Jahren seinen Tabak in speziellen Zelten getrocknet. Das war effektiver als in den „traditionellen Scheunen“.

Die „jungen Landwirte mĂŒssen sich neue Aufgabengebiete suchen“, heißt es weiter in der Zeitung. Auch das ist nur bedingt richtig – die jungen Landwirte haben das lĂ€ngst getan und bauen zur Zeit eine Biogas-Anlage auf dem GelĂ€nde der Familie Rupert Bach.

Dort wird Industriemais zu Biogas verarbeitet werden. Mit Romantik oder „Naturverbundenheit“ hat die moderne Landwirtschaft nur noch in den seltensten FĂ€llen etwas zu tun. Landwirtschaft war lange Zeit eine subventionierte Lebensmittel erzeugende Wirtschaft und wandelt sich nun in Teilen zu einer Energiewirtschaft.

Und mit der Zeit wird die Einsicht wachsen, dass eine „Biogas-Anlage“ nur wenig mit „Bio=Gut“ zu tun hat. Diese Anlagen erzeugen keine „Bio-Lebensmittel“, dafĂŒr aber CO2, besser bekannt als Treibhausgas.

Diese ZusammenhĂ€nge will oder kann der Mannheimer Morgen nicht darstellen. Wenn Sie noch Abonnent der Zeitung sein sollten, schreiben Sie doch mal die Redaktion an und fragen Sie nach. Die Antwort – so sie denn kommen sollte – dĂŒrfen Sie gerne an uns weiterreichen.

Gastbeitrag: Der MĂ€rchenonkel

Guten Tag

Heddesheim, 28. September 2010. Der NaturschĂŒtzer Kurt Klemm, der parteiloser Gemeinderat in der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen ist, hat uns einen Gastbeitrag zum aktuellen Mitteilungsblatt geschickt – als Antwort auf einen dort veröffentlichten Artikel von Dr. Josef Doll, CDU-Fraktionsvorsitzender.

Von Kurt Klemm

In frĂŒherer Zeit und ganz besonders im Orient war der MĂ€rchenerzĂ€hler ein angesehener Beruf. Doch wie alles so im Leben, geriet dieser Beruf in Vergessenheit, weil sich niemand mehr fĂŒr MĂ€rchen interessierte.

Doch seit geraumer Zeit liest man in unserem Mitteilungsblatt der Gemeinde nach jeder Gemeinderatssitzung wieder MĂ€rchen ĂŒber die böse Fraktion der GrĂŒnen. Was ist geschehen?

Ein MĂ€rchenonkel Namens Dr. D. erzĂ€hlt von einer Zeit des Reichtums, in der lauter Pfenninge in goldene Euro fĂŒr die Gemeinde umgewandelt wĂŒrden. Großer Reichtum werde ĂŒber uns alle kommen und keiner werde mehr arm bleiben, heißt es in seiner Geschichte, die er ganz neu erzĂ€hlt.

So wird aus einer traurigen Burg ein schönes Schloss, um das die RebhĂŒhner voller Freude in einem extra fĂŒr sie geschaffenen Korridor ihr sorglosen Leben genießen und vor GlĂŒck jauchzen.

Auch RotkĂ€ppchen wird neu eingekleidet und trĂ€gt nun ein schwarz, rot, gelbes MĂŒtzchen. Die neuen bösen Wölfe sind nun die GrĂŒnkittel.

Die haben ihre Trabanten (so heißen die Kobolde) P-B-K stets in ihrem Schlepptau. Und, hört, hört, die bösen GrĂŒnkittel haben es mit ihren Kobolden zusammen tatsĂ€chlich gewagt, gegen das verheißungsvolle Schloss und dessen Belieferung auf sagenhaften Schienen zu stimmen, um die uns angeblich das ganze Königreich beneiden wird.

All das ist leider viel zu fantastisch, um wahr zu sein.

Unser MĂ€rchenonkel verbreitet voller Fabulierlust weitere fantastische Dinge, beispielsweise, dass die GrĂŒnen gegen den Bau einer Biogasanlage bei einer Zusammenkunft der Weisen im Bauausschuss gewesen seien. Das mag im MĂ€rchenbuch der CSLPUD (Christlich Sozial Liberale Parteien unter D.) stehen, die Wirklichkeit sieht anders aus.

Kein GrĂŒner wird je gegen eine Biogasanlage, einen Gleisanschluss oder erneuerbare Energien sein. Aber wenn zu den Baubestimmungen die der Sicherheit einer solchen Anlage dienen, ungenĂŒgende Vorarbeit geleistet wird, hat man nicht eine Glaskugel, sondern sein Gewissen und Wissen zu befragen.

Das gilt beispielsweise zum Verkehrsaufkommen zu der Biogas-Anlage, wo keine Seite eine verbindliche Aussage treffen konnte. Aber immerhin hat am Ende ein GrĂŒner fĂŒr diese Anlage gestimmt, wĂ€hrend einer sich enthalten und einer wegen der unzureichenden Informationen mit Nein gestimmt hat.

Und kurz darauf muss fĂŒr unseren MĂ€rchenerzĂ€hler ein weiteres Kapitel, die Gemeinderatsitzung, nicht mehr stattgefunden haben, denn sonst hĂ€tte er die Frage des Trabanten P. (im MĂ€rchen mal Kobold, mal Giftzwerg) an unseren Bgm. sicherlich noch mitbekommen.

Der Trabant fragte den Bgm. was dieser zu unternehmen gedenke, gegen einen Professor, der behauptet, dass es in der BĂŒrgerversammlung in Heddesheim durch die Gegner der geplanten Pfennigansiedlung, zuging „wie bei den Taliban“. Immerhin wurden hierbei fast 50 Prozent aller ehrbarer BĂŒrger dieser Gemeinde, auf eine Stufe mit den GrĂ€ueltaten dieser „selbsternannten Gotteskrieger“ gestellt, worauf der Bgm. lapidar antwortete, er habe keine Kenntnis von diesem Artikel.

Meine Frage an den MĂ€rchenonkel lautet: „Wer bedient hier welche Klientel?“

Lieber MÀrchenonkel, merkst du nicht, dass man deine MÀrchen nicht mehr hören will?

Die „Untertanen“ wollen die Wahrheit hören, keine MĂ€rchen.

Die Zeit der MĂ€rchenerzĂ€hler ist doch wirklich lĂ€ngst vorbei. Dazu gehört auch deine Aussage im Mitteilungsblatt, das „erstmals nach 25 Jahren eine wichtige ökologische Entscheidung möglich war“. Lag das Reich im Dunkeln und haben sich edle Ritter aufgeschwungen, um es wieder ans Licht zu fĂŒhren. Ist es nicht so, dass du uns hinters Licht fĂŒhren willst?

Denn wer hat denn in dieser Zeit die Mehrheit gehabt und sie nicht fĂŒr eine solche Entscheidung genutzt? Das spricht doch eher fĂŒr die negative Arbeit der CSLPUD in dieser dunklen Zeit.

Im MĂ€rchen kann man die Wahrheiten verdrehen, wie man will, in der Wirklichkeit nicht.

Anmerkung der Redaktion:
GastbeitrĂ€ge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Autoren sind fĂŒr die Inhalte selbst verantwortlich.