Mittwoch, 28. Juli 2021

Fragen zu "Pfenning" werden von Michael Kessler nicht beantwortet

Der schweigende BĂŒrgermeister

Heddesheim, 16. September 2013. (red) Angeblich sollte „Pfenning“ die Zukunft Heddesheims sichern helfen – aktuell ist die Zukunft des Logistik-Dienstleisters selbst ungewiss. BĂŒrgermeister Michael Kessler hat den BĂŒrger/innen das Blaue vom Himmel herunter versprochen. Auf Nachfragen reagiert er mit Schweigen. Wir dokumentieren unsere Anfrage vom 04. September 2013. [Weiterlesen…]
MM lobhudelt weiter

Neues von der Baustelle: Folge 9. Pfenning informiert „ausgewĂ€hlt“

"Pfenning"-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Nitzinger: Sagt immer nur so viel, wie er muss und hĂ€ufig auch nur irgendwas, was spĂ€ter wieder ganz anders ist. Archivbild.

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 09. MĂ€rz 2012. Der Mannheimer Morgen fĂ€hrt mit seiner unkritischen Jubel-Berichterstattung in Sachen „Pfenning“ fort. Das war nicht anders zu erwarten. Und „Pfenning“ bedient die Zeitung exklusiv – unsere Redaktion wird vom „neuen, guten Nachbarn“ ausgegrenzt und nicht informiert. Folglich gilt das auch fĂŒr unsere Leserinnen und Leser. Der Grund ist einfach: Wir berichten zu kritisch und Kritik ist nicht erwĂŒnscht.

Von Hardy Prothmann

Das ist er also, der neue, gute Nachbar „Pfenning“. Ein Unternehmen, das bewusst in Kauf nimmt, große Teile der Heddesheimer Bevölkerung nicht zu erreichen. NĂ€mlich alle die, die den Mannheimer Morgen nicht abonniert haben und das sind sehr viele.

Dabei weiß GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Nitzinger sehr genau, dass die HĂ€lfte des Ortes gegen die montröse, 650 Meter lange Bebauung auf 20 Hektar bestem AckergelĂ€nde war. Nachdem der Bebauungsplan aber gegen alle klugen und kritischen EinwĂ€ndungen durchgesetzt war, sah und hörte man nichts mehr von Pfenning. Auch der Baustart wurde bis auf eine lĂ€ppische Pressemeldung nicht kommuniziert.

Geschönte Berichte

Ab und an wirft „Pfenning“ mal einen Brocken hin und der MM schnappt ihn dankbar auf – immerhin hat „Pfenning“ ja auch schon einiges an Anzeigen dort geschaltet.

So erfahren die Zeitungsleser also, in welcher Reihenfolge die Hallen gebaut werden. Erst der nördliche Teil, von Ost nach West, dann der sĂŒdliche Teil. DafĂŒr werden Fertigsystemteile des Bayerischen Unternehmens Max Bögl verbaut. Bögl hat sich auf diese Bauweise spezialisiert. Dazu gibt es Informationen, dass ein paar hundert Bauteile, StĂŒtzen und Platten verbaut werden. Und rund 80 Bauarbeiter beschĂ€ftigt sind, bis zu 300 sollen es im Sommer werden.

Wenn man sich Referenzobjekte auf der Bögl-Homepage anschaut, darf man berechtigte Zweifel haben, ob das „Pfenning“-GelĂ€nde tatsĂ€chlich Ende 2013/Anfang 2014 fertig gestellt sein wird, wie Uwe Nitzinger im Mannheimer Morgen behaupten darf.

Im sĂŒdlichen Teil zur Benz-Straße hin wird ein Teil der Hallen 18 Meter hoch – wer hier was einlagern wird? Keine Information. Die Schiene kommt dann, wenn sie jemand braucht – also irgendwann oder nie. Die Schienenandienung war eins der Hauptargumente der CDU fĂŒr die Logistikansiedlung. Jetzt erfĂ€hrt man, dass mindestens „36-Monate“ Vorlauf nötig seien, falls denn mal jemand Interesse haben könnte.

FragwĂŒrdige Äußerungen

Ebenso darf Nitzinger behaupten, niemand hĂ€tte was davon gemerkt, dass „Pfenning schon da ist“ und das mit „Lkw-Verkehr“. Dazu wird unwidersprochen der Bauverkehr mit angeblich bis zu 800 Lkw-Bewegungen in der Spitze verglichen. Das ist hanebĂŒchen.

NatĂŒrlich weiß man schon lange, dass die Bauarbeiten begonnen haben – wir bringen aktuell unsere neunte Folge zur Baustelle. Im Gewerbegebiet werden Laternenmasten umgefahren und die Straßen sind hĂ€ufig verdreckt – wie das halt so ist in der NĂ€he von Baustellen. Wer allerdings fĂŒr die Straßenreinigung aufkommt, ob „Pfenning“ oder der Steuerzahler? Wer weiß, dazu gibt es keine Informationen.

DafĂŒr erhĂ€lt man aber einen Eindruck, wie das sein wird, wenn tĂ€glich hunderte zusĂ€tzliche Lkw hier unterwegs sein werden. Im Hirschberger Kreisel ist der Aspahlt schwer beschĂ€digt und vor der Auf-/Abfahrt auf die A5 auf Hirschberger Seite hat sich eine deutliche Absenkung gebildet, die auf Reparatur wartet. Unsere Recherchen hierzu haben ergeben, dass das RegierungsprĂ€sidium zustĂ€ndig ist, die Sache ans Landratsamt weitergereicht hat, aber keiner weiß oder sagen kann, wann diese SchĂ€den, die auch unfallgefĂ€hrlich sein können, behoben werden.

Offene Fragen

Uwe Nitzinger darf ĂŒber Kekse und Schokolade reden, die der neue Kunde „Kraft Foods“ hier lagern will. Ob der neue Kunde und die damit verbundenen VertrĂ€ge das „Pfenning“-Projekt ĂŒberhaupt erst finanzierbar gemacht haben, wird nicht gefragt.

Es war schon seltsam, wie der strahlende Chef Karl-Martin Pfenning erst eine 100 Millionen-Euro-Investition verkĂŒndete, dann aber trotz Baugenehmigung nichts passierte. Es gab viele GerĂŒchte, ob die Finanzierung geplatzt sei. Harte Fakten gibt es nicht, weil der eigentliche Investor die Phoenix 2010 GbR ist – ein zwei-Mann-„Unternehmen“, das nicht publizitĂ€tspflichtig ist.

Weiter darf Nitzinger behaupten, man halte sich an den Verkehrslenkungsvertrag – dabei werden immer wieder große „Pfenning“-Lkw gesichtet, die durch den Ort fahren. Und die Aussage: „Der Verkehr kommt aus der Ferne und geht in die Ferne“, wird gar nicht erst vom MM aufgegriffen.

Leere Versprechen

Herzig ist die Information, es wĂŒrde keinen regionalen Verkehr geben. Also nicht von Pfenning. Wenn Waren beispielsweise fĂŒr Edeka eingelagert und von Edeka ausgeliefert werden, dann ist das ja kein „Pfenning“-Verkehr. Und wenn die regionalen Versorgungs-Lkw bis zu 12 Tonnen schwer sind, gilt fĂŒr die auch nicht der Verkehrslenkungsvertrag. Wer immer noch an all die „Versprechungen“ glaubt, ist selbst schuld.

Angeblich sollen fĂŒr den Kunden Kraft Foods zweihundert Leute arbeiten – davon aber die HĂ€lfte als LeihkrĂ€fte. Die Zahl „bis zu 1.000 ArbeitsplĂ€tze“, mit der BĂŒrgermeister Kessler, die CDU, SPD und FDP fĂŒr das Projekt geworben haben, fĂ€llt in diesem Zusammenhang nicht mehr. Und – ach ja – vier AusbildungsplĂ€tze halte „Pfenning“ nach wie vor frei fĂŒr Heddesheimer BerufsanfĂ€nger – bislang habe sich aber niemand gefunden, der zu „Pfenning“ passt. Das soll man alles so glauben, denn es steht ja in der Zeitung.

AusgewÀhlte GÀste

Am 23. MĂ€rz gibt es eine „symbolische Grundsteinlegung“ – fĂŒr ausgewĂ€hlte GĂ€ste. Wir sind bislang noch nicht eingeladen worden und vermuten, dass es dabei bleibt. Der Mannheimer Morgen darf sicherlich in der ersten Reihe sitzen, damit man auch jedes Wort exakt so mitschreibt, wie man das von seiten der Verwaltung und Pfenning will.

Das wird so erwartet und auch erfĂŒllt.

Edeka: Heute wird es wieder eine Discount-BĂŒrgerbeteiligung geben

Heddesheim/Rhein-Neckar, 29. Juni 2011. (red) Heute Abend um 19:00 Uhr laden der Handelsriese Edeka und die Gemeinde Heddesheim zu einem „Infoabend“ ein. Der Ablauf ist vorprogrammiert. Es spricht Edeka, es spricht BĂŒrgermeister Kessler und es werden wenige BĂŒrger sprechen, weil es ihnen an Informationen fehlt.

Von Hardy Prothmann

Edeka-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Dr. Detlev Weiler wird sagen, dass Edeka Lebensmittel liebt, das man ganz auf die Region setzt, auf Treue, auf die lange Tradition, dass man zwar enorm investiert, aber die Belastung, beispielsweise durch Verkehr sinkt. Und ja, man verlagert zwar ArbeitsplĂ€tze, aber man schafft auch neue und schaut so in eine gute Zukunft. Man bekennt sich zum Standort Heddesheim.

BĂŒrgermeister Kessler wird die Tradition loben, den grĂ¶ĂŸten Arbeitgeber, die vertrauensvolle Zusammenarbeit, wird auf die Gewerbesteuer verweisen, wird das Unternehmen loben und Sorgen klein reden.

Und dann sind die BĂŒrger dran. Doch was sollen die fragen, wenn sie nur „wissen“, was StĂŒck fĂŒr StĂŒck bekannt gegeben wird?

Warum sollten sie fragen, wenn von vorneherein klar ist, dass Fragesteller damit rechnen mĂŒssen, als Störenfriede zu gelten?

Warum sollte jemand das Risiko eingehen, durch Fragen aufzufallen?

Wer Fragen stellt, macht sich keine Freunde bei denen, die in Heddesheim das Sagen haben. Also BĂŒrgermeister, gewissen GemeinderĂ€ten, Bauern und „einflussreichen Leuten“.

Dennoch sollten die Heddesheimerinnen und Heddesheimer wissen, dass Edeka nicht erst seit kurzem auf die Idee gekommen ist, in Heddesheim zu erweitern. Die vergangene Gemeinderatssitzung hat klar gemacht, dass diese PlÀne schon seit Jahren vorangetrieben werden.

"UnumgĂ€nglich" heißt - es gibt keine Alternativen. Ist das so?

Den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern muss auch klar sein, dass die Schließung des Fleischwerks in Heddesheim und der Wegfall von fast 300 ArbeitsplĂ€tzen ein Grund war, fĂŒr die Ansiedlung von Pfenning zu werben – trotz Kenntnis der Edeka-PlĂ€ne. Dieses Projekt soll bis zu 1.000 ArbeitsplĂ€tze bringen, also mehr als drei Mal so viel, wie durch das Fleischwerk wegfallen werden.

Trotzdem werden BĂŒrgermeister Kessler und GeschĂ€ftsfĂŒhrer Weiler die Arbeitsplatzargumentationskarte ziehen. Um die „Zukunft zu sichern, ist der geplante Umbau unumgĂ€nglich“, steht im Prospekt, dass Edeka an die Haushalte verteilen lies. Umgekehrt heißt das, wenn nicht „umgebaut“ wird, ist die Zukunft ungewiss. Dass der Umbau einen enormen Neubau einschließt wird an dieser Stelle nicht erwĂ€hnt.

Erinnert sich noch jemand, dass in Zusammenhang mit Pfenning argumentiert wurde, dass durch die Schließung des Fleischwerks Edeka-Verkehr wegfalle? Das ist durch den Um- und Neubau Vergangenheit – der Verkehr wird mindestens in gleicher StĂ€rke erhalten.

Erinnert sich jemand, wie mit dem Wegfall der Edeka-ArbeitsplĂ€tze fĂŒr die „neuen“ Pfenning-ArbeitsplĂ€tze geworben wurde? Obwohl dem BĂŒrgermeister, gewissen GemeinderĂ€ten und anderen die Edeka-PlĂ€ne schon bekannt waren?

Fragt sich jemand, ob hier eigentlich tatsĂ€chlich offen und transparent Politik gemacht und BĂŒrger einbezogen werden oder doch alles in Hinterzimmern vorher „in trockene TĂŒcher“ kommt?

Fragt jemand nach der QualitÀt der ArbeitsplÀtze? Oder, ob das Logistikmodell wirklich nachhaltig Wirtschaft und Wertschöpfung betreiben wird?

Fragt jemand, welche Entwicklungsmöglichkeiten Heddesheim verbleiben oder ob das Schicksal als Großlogistikstandort besiegelt ist?

Fragt jemand, wie es eigentlich zusammenpasst, dass Edeka zwar ein so regionverbundender „Betrieb“ ist, aber gleichzeitig BĂ€cker, Metzger, LebensmittelhĂ€ndler aufgeben mĂŒssen, weil sie gegen Edeka und seine Billigmarken keine Chance haben?

Fragt jemand, ob tendenziell ArbeitsplĂ€tze erhalten bleiben oder zunehmende Automatisierung dafĂŒr sorgt, dass immer weniger Menschen die Arbeit machen?

Edeka ist nicht nur „QualitĂ€t“ – Edeka ist Deutschland drittgrĂ¶ĂŸter Billigmarktanbieter, nach Aldi und Lidl.

Edeka wird vom Bundeskartellamt beobachtet – Filialen wurden durchsucht. Mitarbeiter wurden bespitzelt, jede „Konzentration“ forderte unbedingte Unterwerfung der Angestellten – ansonsten droht Job-Verlust.

Edeka ist ein Handels-Moloch, ein riesiger Konzern, dessen GeschĂ€ftsmodell spitz gerechnet ist und dessen große Gewinne im Vergleich zum Umsatz lĂ€cherlich sind.

Dabei wird ein gnadenloser Wettbewerb verursacht, der vielen Betrieben die Existenz raubt. Es wird unglaublich viel Verkehr erzeugt, Straßen werden belastet, die aus Steuergeldern bezahlt werden mĂŒssen. Es werden FlĂ€chen versiegelt ohne Garantie eines RĂŒckbaus.

Und es werden ArbeitsplĂ€tze geschafffen, die hĂ€ufig genug eine „Aufstockung“ brauchen, weil man zu wenig fĂŒr den Lebensunterhalt verdient. Und wenn man in die Rente geht, reicht es nicht, sondern muss zum Sozialamt gehen und wieder braucht es Steuergelder, um die „Grundsicherung“ zu geben.

Fragt jemand danach, ob „groß=gut“, „Umsatz=alles“, sich nicht als Wirtschaftsideal lĂ€ngst ĂŒberholt hat? Oder danach, welche Auswirkungen es hat, wenn absolute Monopolisten ĂŒber alles entscheiden?

Frankreich und Großbritannien sind schon weiter als Deutschland. Dort fehlt jeder Wettbewerb fast vollstĂ€ndig – die Konzerne machen, was sie wollen.

Ganz klar wird in Heddesheim nicht ĂŒber europĂ€ische WirtschaftsmĂ€rkte entschieden. Aber doch fĂŒr den Ort und fĂŒr eine langfristige Zukunftssicherung und irgendwie auch ein wenig fĂŒr andere. Wer nur egoistisch handelt, handelt verantwortungslos. Zukunftssicherung könnte in der Förderung traditoneller Berufe bestehen und neue zukunftstrĂ€chtige Ansiedlungen fördern.

DafĂŒr ist ein BĂŒrgermeister Kessler aber nicht zu haben. Der hat es gerne groß und gerne betoniert. Und möglichst automatisch. Und ohne Widerspruch.

BĂŒrgerbeteiligung ist fĂŒr ihn wie fĂŒr einen Mega-Konzern wie Edeka (46 Milliarden Euro Umsatz) ein Greul. Ein gesetzliches ÃƓbel, dass man bĂŒrokratisch erledigen kann.

Herr Kessler inszeniert die „BĂŒrgerbeteiligung“ nur. Er hat kein Herz und keinen Verstand dafĂŒr. Es ist lĂ€stige Pflicht, notwendiges ÃƓbel, aber niemals eine KĂŒr, in der er zeigen wird, dass er wirklich fĂŒr seine BĂŒrgerinnen und BĂŒrger da ist, sie ernst nimmt, sie verstehen will und sich fĂŒr deren Willen einsetzt.

BĂŒrgeranliegen passen fĂŒr ihn dann, wenn es ihm passt. Wenn nicht, dann nicht.

Da muss man sich keine Illussionen machen.

UnterstĂŒtzt wird er dabei von Zirkeln, in denen entschieden wird, was gut ist und was nicht.

Große Medien, wie der Mannheimer Morgen, die wirtschaftlich abhĂ€ngig von den Anzeigen der großen Konzerne sind, werden den Teufel tun und kritisch berichten – das ist lange vorbei. Donnerstag ist Zahltag – da werben Aldi, Lidl und die anderen Discounter und auch Edeka. Ein falscher Bericht und die Einnahmen sind dahin. ÃƓber das Wohlwollen der Zeitung braucht sich deshalb niemand zu wundern.

Schaffen statt streiken: Wie Journalisten der Zeitungskrise entkommen können

Mannheim/Rhein-Neckar, 28. Juni 2011. (red) KĂŒrzungen, Arbeitsverdichtungen, Entlassungen – das sind die Schlagwörter, die seit vielen Jahren die Redaktionen deutscher Zeitungsverlage bestimmen. Die Arbeit wird immer unertrĂ€glicher, das Produkt Zeitung immer banaler. Aktuell wird gestreikt, nicht fĂŒr „mehr“, sondern fĂŒr „nicht noch weniger“. Dabei ist Journalismus ein schöner Beruf, einer, den die meisten aus Leidenschaft ergriffen haben – ohne Idee, dass diese Entscheidung heute „Leiden schafft“. Doch es gibt einen Ausweg: Unternehmerjournalismus.

Von Hardy Prothmann

Ganz ehrlich liebe Redakteure? Wenn ich lese, dass ein Berufseinsteiger mit 3.200 Euro brutto beginnt und nach zehn Jahren bei 4.500 Euro brutto liegt und dann je nach Stellung in der Redaktion noch ein paar tausender drauf gepackt bekommt, kriege ich TrÀnen in den Augen. Denn nach 20 Berufsjahren bin ich weit entfernt von solchen GehÀltern im Vergleich zu einem Zeitungsredakteur. Aber es wird besser.

Ehrlich, transparent, leidenschaftlich

Krise? Na und? Nutzt Eure Chance, sagt Hardy Prothmann Bild: sap

Und ich bin mein eigener Chef, entscheide selbst ĂŒber die Themen, bin ehrlich und transparent sein und „eine Schere im Kopf“ gibt es nicht. Unsere Texte sind so lang wie sie sein mĂŒssen und nicht auf eine feste Zeilenzahl begrenzt. Wir können mit allen Informationen „spielen“ – also experimentieren, wie wir mit unseren Informationen die Menschen am besten erreichen.

Wir sind in engem Kontakt mit unseren Lesern und das macht unsere Angebote aktueller, hintergrĂŒndiger und einfach besser als die unkritische Lobhudel- und Bratwurstberichterstattung, die man tĂ€glich in der Zeitung findet.

Ich habe beim Mannheimer Morgen als freier Mitarbeiter angefangen, habe fĂŒr einen Hungerlohn von damals 55 Pfenning (27 Cent) die Zeile geschrieben und ab 1994 fĂŒr einigermaßen ordentliche Honorare fĂŒr alle möglichen grĂ¶ĂŸeren Medien in ganz Deutschland, habe Hörfunk und Fernsehen gemacht. Ich bin Journalist, mein Schwerpunkt war Print.

Das Blog kommt

Seit nunmehr zwei Jahren baue ich mit einem kleinen Team eine Redaktion auf, deren Angebot sich etabliert hat und ein fester Begriff geworden ist: „Das Blog kommt“, sagen die Leute. Oder: „Hab ich im Blog gelesen.“

Mein kleines Team dreht der „großen Zeitung“ hĂ€ufig eine Nase – obwohl wir vom Gesamtumfang nicht mithalten können. Das wollen wir auch gar nicht. Den kompletten Mantel (also Politik, Wirtschaft, Sport) kann man besser und aktueller bei Nachrichtenportalen wie Spiegel Online oder Sueddeutsche.de oder, oder, oder lesen.

Aktuell, exklusiv, investigativ

Im Lokalen sind wir aber inhaltlich schon fast gleichwertig im Umfang und hĂ€ufig investigativer, aktueller und exklusiver – wir verzichten auf viele GefĂ€lligkeitsnachrichten, die eine Zeitung aus lauter Verzweiflung veröffentlicht, um die Seiten zu fĂŒllen. Das hat mit Journalismus schon lange nichts mehr zu tun.

Unsere Geschichten sind dann fertig, wenn sie fertig sind und nicht, wenn der Andruck beginnt.

Was noch aussteht, ist der wirtschaftliche Erfolg – unser Teammitglieder arbeiten fĂŒr kleines Geld, aber mit großer Leidenschaft fĂŒr die „Blogs“. Unser Ziel ist natĂŒrlich, anstĂ€ndig zu bezahlen – wir können uns aber nicht auf 60 Jahre Lizenzmonopol und Jahrzehnte fettester Gewinne stĂŒtzen, sondern mĂŒssen uns bescheiden zeigen und den GĂŒrtel eng halten. Und von 35 Stunden können wir nur trĂ€umen.

Unternehmerjournalismus

Aber wir sind frei. Wir können ĂŒber alles und jeden berichten, sofern das fĂŒr die Öffentlichkeit interessant ist. Wir können richtigen, echten, leidenschaftlichen Journalismus machen.

ÃƓberlegt es Euch gut – die Verleger werden Euch zu Tode sparen. Das wisst Ihr. Die Fotografen sind schon am Rande Ihrer Möglichkeiten – Euch wird in den nĂ€chsten Jahren dasselbe passieren. Ihr werdet ausgegliedert und mĂŒsst die Brocken fressen, die man Euch hinwirft.

Die Alternative ist, selbst Unternehmer zu werden und endlich wieder die journalistische Leidenschaft zu spĂŒren. Echte Stories zu machen, genau hinzuschauen, kritisch zu berichten und meinungsstark zu kommentieren. Eben die vierte SĂ€ule unserer Gesellschaft sein. Das wichtige demokratische Gut der Meinungsfreiheit zu befördern.

Verhandelt Abfindungen und grĂŒndet Eure eigene Redaktion – gerne mit uns zusammen. Ihr mĂŒsst ein bis drei Jahre durchhalten, dann werden die GeschĂ€fte laufen. Wenn viele mitmachen, geht es schneller.

Ihr seid kompetent, kennt Euch aus, habt viele Kontakte und das ist ein wunderbares Kapital, dass Ihr selbst nutzen könnt, statt Euch von Verlagsmanagern ausnehmen zu lassen.

Wer sich jetzt dazu entscheidet, braucht sicherlich Mut. Aber es wird die richtige Entscheidung sein, denn spĂ€testens in fĂŒnf bis zehn Jahren habt Ihr nichts mehr zu entscheiden. Dann werdet Ihr sicher entlassen.

Andere, vielleicht ich, vielleicht jemand anders, werden es bis dahin geschafft haben, eigene Redaktionen aufzubauen und sie werden Ihre eigenen Chefs sein und Leute beschĂ€ftigen. Entlassene Redakteure, die bis zuletzt auf die Zeitung statt auf die Information ĂŒbers Internet gesetzt haben, werden garantiert nicht gebraucht werden.

Nutzt Euer Kapital, bevor es wertlos ist

Denn bis dahin kennen sich die neuen Redaktionen auch aus, haben Kontakte und berichten kompetent – Ihr könnt nichts bieten, was die neue Generation nicht schon hat. Und es werden leidenschaftlicher Macher sein, die mit gefeuerten Angestellten nichts anfangen können. Dann seid Ihr raus aus dem GeschĂ€ft.

Schaut Euch an, wie die WAZ vor kurzem 300 Leute entlassen hat, schaut Euch die KĂŒrzungen bei der SĂŒddeutschen an, bei Focus und das elende Schicksal der Frankfurter Rundschau.

Große Chancen gib es aber im Lokalen – da, wo die Menschen leben und jede Geschichte wirklich exklusiv sein kann. Hier ist professioneller Journalismus gefragt, der sich aber gerne neu erfindet, der Teil der Gesellschaft ist, der fĂŒr die Menschen da ist.

Willkommen sind leidenschaftliche Journalisten – ob vom MM, der Rhein-Neckar-Zeitung, der Rheinpfalz, der Stuttgarter Zeitung oder woher auch immer. Redaktionelle Strukturen sind vorhanden, die Themen liegern auf der Straße – im nĂ€chsten Schritt wird es darum gehen, ausreichende bis gute UmsĂ€tze zu generieren. Wenn man sich Aufgaben teilen kann, wird dies schnell möglich sein.

Wer sich dafĂŒr interessiert, kann gerne vertraulich Kontakt mit uns aufnehmen und die Chancen und Risiken erfragen. Noch habt Ihr die Möglichkeit, selbst zu entscheiden. Nutzt sie. Aber bald.

„Pfenning“ wirbt mit Online-Prospekt und Rehen auf KrĂ€uterwiesen

Heddesheim/Viernheim/Rhein-Neckar, 13. April 2011. (red) Die KMP Holding, Muttergesellschaft von „pfenning logistics“, wirbt im Internet mit einer aufwĂ€ndigen PrĂ€sentation des geplanten Logistikzentrums. Die hat sicherlich viel Geld geskostet – und das, obwohl „Pfenning“ heftig sparen muss. Denn der Umsatz 2009 ist abermals eingebrochen – um 7,3 Prozent. Das Unternehmen, das laut BĂŒrgermeister Michael Kessler und der Mehrheit im Gemeinderat die Zukunft Heddesheims sichern soll, hat enorm zu kĂ€mpfen. ArbeitsplĂ€tze wurden abgebaut, die Umsatzrendite liegt bei 0,9 Prozent. Eine Aussicht auf Besserung ist nicht in Sicht.

Von Hardy Prothmann

Vorweg – Sie sollten mindestens ĂŒber DSL 3000 verfĂŒgen, selbst dann wird der Aufruf dieser vollkommen unnötigen Programmierung zum Geduldsspiel. „Pfenning“ prĂ€sentiert unter http://www.bestplace-morespace.com einen Art „Online-Prospekt“ fĂŒr das geplante Logistikzentrum.

Neu ist daran eigentlich nichts. So hat Pfenning seit Jahren exakt 1.850 Mitarbeiter und der Umsatz 2009 liegt nach Prospekt bei 204 Millionen Euro.

Ein kleiner Blick ins Handelsregister verrÀt, dass es 2008 insgesamt 1.852 Mitarbeiter waren und 2009 nur noch 1.810.

Nach „offiziellen“ Angaben behauptete „Pfenning“ im Jahr 2008 insgesamt 220 Millionen Euro Umsatz gemacht zu haben, in der Bilanz stehen nur 169,5 Millionen Euro. FĂŒr 2009 behauptet „Pfenning“ insgesamt 204 Millionen Euro Umsatz gemacht zu haben, in der Bilanz stehen nur 157,1 Millionen Euro.

Zur Bilanz 2008 hatten wir bereits nachgefragt: Die Auskunft war, man habe noch andere Beteiligungen, die fĂŒr die 50 Millionen Differenz beim Umsatz gesorgt hĂ€tten. Weitere Angaben wurden nicht gemacht. Deshalb kann man sich nur auf die vorhandenen Zahlen stĂŒtzen und die sehen mies aus.

Zwar hat die Unternehmensgruppe 2009 laut Bilanz einen Gewinn von knapp 1,4 Millionen Euro gemacht (2008: 20.000 Euro), wer sich aber die Zahlen etwas genauer anschaut, erkennt, dass rund 1,1 Millionen Euro weniger fĂŒrs Personal ausgegeben wurden – und das bei einer Firma, die versprochen hat, neue ArbeitsplĂ€tze nach Heddesheim zu bringen. Was noch nicht mal falsch sein muss, vielleicht werden die neuen ArbeitsplĂ€tze ja so schlecht bezahlt, dass unterm Strich hier nochmals gespart werden kann. Beispielsweise wurde die Aufwendungen fĂŒr die Altersvorsorge um das Doppelte oder eine halbe Million Euro zurĂŒckgefahren.

Bei den Aufwendungen fĂŒr Roh, Hilfs- und Betriebsstoffe wurden ganze sieben Millionen Euro eingespart – ein Hinweis, dass hier Ausgaben nicht getĂ€tigt wurden und der Sparstrumpf ganz eng gezogen wurde. Lapidar ĂŒbersetzt: Man schiebt den Ölwechsel halt ein bisschen raus. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass fast alle „VorrĂ€te“ teils bis um ein Drittel zurĂŒckgefahren wurden.

Auch der Aufwand fĂŒr bezogene Leistungen ging um gut zehn Prozent oder drei Millionen Euro zurĂŒck – sprich. Firmen, die „Pfenning“ als Kunden haben, mussten den GĂŒrtel auch enger schnallen. Auch die sonstigen betrieblichen Aufwendungen gingen um 2,4 Millionen Euro oder ebenfalls knapp 10 Prozent zurĂŒck. Und es wurden rund eine Million Euro weniger Zinsen gezahlt. Vielleicht, weil weniger Schulden da sind, kann aber auch gut sein, dass man die Bank gebeten hat, die Zinsen spĂ€ter zu zahlen.

Insgesamt darf man die Zahlen durchaus so interpretieren, dass sparen, sparen, sparen angesagt war. „Pfenning“ nennt das „Konsolidierung“.

Ein interessanter Satz steht unter „Preisdumping“:

„Parallel zu unserer eigenen Flotte bedienen wir uns schon immer bei entsprechenden Transportunternehmen, um unsere benötigten SpitzenkapazitĂ€ten abdecken zu können.“

ÃƓbersetzt heißt das, Pfenning fĂ€hrt einen Grundfahrzeugpark und bedient sich anderer Logistiker, um „Spitzen“ zu bedienen. Die Heddesheimer BĂŒrgerinnen und BĂŒrger erinnern sich, dass es laut Pfenning  mindestens zwei Spitzen im Jahr gibt: im FrĂŒhjahr und vor Weihnachten. Dann fahren also vermehrt nicht-„Pfenning“-Lkw ĂŒber die Ringstraße und „vielleicht“ auch durch den Ort. Das ist die Zeit fĂŒr die Aufpasser, die sich dann Kennzeichen notieren, um feststellen zu lassen, ob „Pfenning“ den „Verkehrslenkungsvertrag“ bricht. Die Gemeindekasse fĂŒr soziale Zwecke wird sich dann ĂŒber 20 Euro je Verstoß freuen, sofern diese „festgestellt“ werden.

GrĂŒne Wiese als "Ausstiegsperspektive" - sollte "Pfenning" pleite gehen, könnten Rehe kĂŒnftig regengeschĂŒtzt in hochmodernen Hallen weiden. Quelle: KMP Holding

Ebenfalls interessant ist auch dieser Satz zum Personal:

„Aufgrund des Konjunktureinbruches ist jedoch eine Entspannung am Arbeitsmarkt beim gewerblichen Fahrpersonal zu verzeichnen.“

Heißt, die Leute suchen Arbeit und schaffen sicherlich auch fĂŒr wenig Geld.

Als Prognose erwartet der Konzern laut Bilanzbericht fĂŒr 2010 eine „Konsolidierung“ auf dem Niveau von 2009 – sprich, der Umsatz wird nicht wachsen. Da „Pfenning“ den Großkunden Henkel verloren hat, darf man gespannt sein, wie die tatsĂ€chlichen Zahlen aussehen werden.

Mit einer Umsatzrendite von 0,9 Prozent ist Pfenning, naja, nicht gerade das, was man ein „erfolgreiches Unternehmen“ nennt. Anders ausgedrĂŒckt, von 100 Euro Umsatz bleiben nach Abszug aller Ausgaben 90 Cent „Gewinn“ in der Tasche.

ZurĂŒck zur PrĂ€sentation: Geht es nach Pfenning, könnten die Hallen im Notfall auch als „Renaturierungsgebiet“ genutzt werden – aber vielleicht ist das einfach wieder nur eine Fehlinterpretation.

Offener Brief an die CDU: „Das ist Volksverdummung!“

Guten Tag Herr Wittneben, sehr geehrte CDU Heddesheim,

spÀtestens nach Ihrer, vielleicht sogar gutgemeinten, Wurfsendung zum Thema Pfennig ist eine Stimmvergabe an einen CDU Kandidaten nÀchste Woche unmöglich geworden:

Sie werfen der IG Nein-zu-Pfenning „verdrehte oder unwahre Argumente“ (Zitat) vor. Sie selber sind Dank Ihrer Wurfsendung noch viel schlimmer!

Die 7 Fragen / Aussagen sind absolute Volksverdummung!

Hier meine BegrĂŒndung:

1) „ArbeitsplĂ€tze sind mir wichtig.“: Clevere Formulierung, da jeder normal denkende Mensch zuerst anerkennend nicken wird. Was hat dies mit der Ansiedlung der Firma Pfenning zu tun? NatĂŒrlich nichts. Mit der Ansiedlung dieser Firma kommt es, betriebswirtschaftlich absolut sinnvoll, zu gewĂŒnschten Synergieeffekten, so dass zumindest in der Verwaltung sogar ArbeitsplĂ€tze wegfallen könnten. ArbeitsplĂ€tze werden hier nicht neu geschaffen, die jetzigen Arbeitnehmer fahren morgens anstatt nach Viernheim halt nach Heddesheim. Dies gilt auch fĂŒr die AusbildungsplĂ€tze (siehe Punkt 5) Von den Sub-Unternehmen, die ĂŒberhaupt keinen Mehrwert bringen und nur die Luft mit Ihren Trucks verpesten, ganz zu schweigen.

2) „Der Erhalt unserer öffentlichen Einrichtungen ist mir wichtig.„: NatĂŒrlich, dieser Hinweis suggeriert, dass a) in Heddesheim alle öffentliche Einrichtungen geschlossen werden mĂŒssen, wenn Pfenning nicht kommt und b) Pfenning ĂŒberhaupt nennenswerte Steuern zahlt.

3) „Solide Gemeindefinanzen sind mir wichtig.“: Was soll eigentlich immer diese AnhĂ€ufung von SelbstverstĂ€ndlichkeiten? NatĂŒrlich sind solide Finanzen im Gemeindehaushalt immer wichtig. Warum stellen Sie sich als CDU nicht hin und sagen: Die Firma Pfenning zahlt uns auf Jahre konstante und hohe Steuern, so daß die Gemeindefinanzen stets solide sind. Dies können Sie nicht, da Sie es ja nicht wissen, ob dies der Fall ist. Hier spielt nur das Prinzip Hoffnung eine Rolle.

Nach meinem Recherchen tritt die Firma Pfenning im Gewerbegebiet als Mieter(!) auf, zahlt also an eine (Tochter-)firma Miete, so dass es hier zu einer Gewinnverrechnung kommt. Sehr clever von diesem Logistik-Unternehmen. Aber die Gemeinde geht, was Gewerbesteuer betrifft, hier wahrscheinlich auf Jahre leer aus.

4) „Ich akzeptiere eine Erhöhung des Durchgangsverkehrs auf der Ringstraße.“ Wenigstens hier bleiben sie ehrlich. Als direkter Ringstraßenbewohner kann ich hier natĂŒrlich nur dagegen sein. Alle Immobilien in 100 Meter Radius zur Ringstraße werden quasi ĂŒber Nacht weniger wert sein. Die Ringstraße wurde damals nicht fĂŒr so viele Lkw entworfen. Ansonsten hĂ€tte man entweder den LĂ€rmschutz verstĂ€rkt oder einer Ansiedlung bis zur Straße seitens der Gemeinde gar nicht zugestimmt.

Sehr geehrte CDU-Gemeinderatsmitglieder und die, die es werden wollen:
Haben Sie an die untragbare GefĂ€hrdung der FußgĂ€nger gedacht?
Schon jetzt ist es fĂŒr Ă€ltere MitbĂŒrger und Kinder lebensgefĂ€hrlich von der Ahornstrasse z.B. zum Hallenbad, Baggersee oder Eislaufbahn zu kommen. Ein Wunder, dass hier noch nicht mehr passiert ist. Hier fehlt (und dies wird durch die Zunahme des LKW Verkehrs noch verstĂ€rkt) entweder eine UnterfĂŒhrung oder eine ÃƓberfĂŒhrung fĂŒr Radfahrer und FußgĂ€nger. Und kommen sie mir nicht mit der Ampel bei der Kepler-Schule. Von der Ahornstrasse ist diese ĂŒber 300 Meter weiter weg und keine Alternative.

5) „ArbeitsplĂ€tze fĂŒr unsere Jugend sind mir wichtig.“: Dasselbe Problem wie oben: Ein allgemeiner Hinweis, dem jeder zustimmen kann, wird hier auf den Einzelfall ĂŒbertragen. Billig, billig!

Ich gehe hier mit jedem von Ihnen eine Wette ein: Es wird aufgrund der Ansiedlung kein Azubi mehr eingestellt als frĂŒher. Ich wĂŒnsche zukĂŒnftigen Auszubildenden aus Heddesheim eine erfolgreiche Bewerbung bei der Firma Pfennig in Viernheim! Ich denke die Entfernung nach Viernheim nimmt jeder Auszubildende gerne in Kauf. Warum sollte die Ansiedlung mehr AusbildungsplĂ€tze bringen? Dies unterstellt ja wohl Ihre Aussage.

6) „Eine, fĂŒr die Gemeinde risikofreie Entwicklung….ist mir wichtig.“: Ja, aber Gewerbetreibende, die weniger FlĂ€che
verbrauchen sind mir noch wichtiger. Ein Beton-Schandfleck fĂŒr Heddesheim ist kilometerweit sichtbar. Ein Gewerbemix mit vielen kleineren Unternehmen unterschiedlichster PrĂ€gung ist mittelfristig finanziell sogar besser, da das Risiko breiter gestreut wird. Bei kleineren Unternehmen werden auch nicht so horrende Erschließungskosten zu zahlen sein.

7) „Der Wandel von Ackerland hin zu gewerblich genutzter FlĂ€che ist fĂŒr mich akzeptabel.“: Und wieder: ja im allgemeinen schon (zumal diese FlĂ€che, schon immer als Gewerbegebiet ausgewiesen war). Im besonderen aber nein! Diese Betonburg ist einfach 10 Nummern zu groß. Schauen Sie bitte mal Richtung Bergstraße. Schon die Erweiterung der EDEKA war grenzwertig. Mit der Firma Pfennig setzt man sogar noch einen drauf. BetonwĂ€nde soweit das Auge reicht. Aber ich kann ja dann nach Ladenburg fahren, wenn ich die Bergstraße sehen möchte…

Fazit: Die Firma Pfennig ist fĂŒr Heddesheim eine Nummer zu groß. Die Nachteile ĂŒberwiegen bei Weitem. Um eines klar zu stellen: Ich habe nichts gegen die Firma Pfenning an sich. Betriebswirtschaftlich kann man zu Standortfrage nur gratulieren. Durch den neuen geplanten Standort verschafft man sich Wettbewerbsvorteile gegenĂŒber den anderen Logistik Firmen. Nur die Auswirkungen fĂŒr die Heddesheimer BĂŒrger sind nicht akzeptabel. Verbaute FlĂ€che, zersiedelte Landschaft, mehr Dreck mehr LĂ€rm. Viele Minuszeichen, die Sie als Vertreter der BĂŒrger einfach ĂŒbergehen.

Deshalb sage ich: Nein zu Pfennig und nein zur CDU Heddesheim!!

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen

Steffen Warmuth

Mehr ArbeitsplÀtze durch Pfenning?

Guten Tag,

das heddesheimblog ist der Frage nachgegangen, ob durch die Pfenning-Ansiedlung in Heddesheim tatsĂ€chlich mehr ArbeitsplĂ€tze vor Ort entstehen. DafĂŒr haben wir einen der „Top“-Logistikexperten in Deutschland befragt.
Der bezeichnet das geplante Pfenning-Projekt als „Riesending“ – ArbeitsplĂ€tze könnten entstehen – bundesweit, aber nicht unbedingt in Heddesheim.

FĂŒr BĂŒrgermeister Kessler, die FDP und Josef Doll (CDU) und auch die SPD sind die ArbeitsplĂ€tze ein gewichtiges Argument: „Es werden durch die Pfenning-Ansiedlung 0,6 bis 0,8 ArbeitsplĂ€tze zusĂ€tzlich entstehen, laut einer Studie des Regionalverbands“, sagte Josef Doll auf einer CDU-Veranstaltung am 22. Mai 2009 in Heddesheim.

Diese konkrete Aussage ist falsch. Herr Doll hat zwar einen Doktor, was aber nicht heißt, dass er Statistiken richtig lesen und interpretieren kann.

Ebenfalls falsch: Es gibt keine „Studie des Regionalverbands (Rhein-Neckar-Kreis, d. Red.)“ zu diesem Thema. Korrekt ist: Es gibt eine Studie des Fraunhofer-Instituts in NĂŒrnberg: „Die Top 100 der Logistik“ (Klick öffnet pdf-Dokument)

Falsch interpretiert hat Josef Doll auch die Ergebnisse der Studie: „Bis 0,9 ArbeitsplĂ€tze“ zusĂ€tzlich entstehen dabei fĂŒr jeden „neu geschaffenen“ Arbeitsplatz, nicht aber fĂŒr bereits bestehende ArbeitsplĂ€tze. Da die Firma Pfenning rund 500 bestehende ArbeitsplĂ€tze „umzieht“, entstehen dadurch keine neuen ArbeitsplĂ€tze.

Das heddesheimbloghat mit einem der Autoren der Studie, Christian Kille, gesprochen. Er ist Leiter der „Fraunhofer Arbeitsgruppe fĂŒr Technologien der Logistik-Dienstleistungswirtschaft ATL“:
Was bedeutet die Zahl 0,9?
„Der Faktor 0,9 ist bezogen auf die Summe aller „echten ArbeitsplĂ€tze“, die neu entstehen“, sagt Christian Kille.
Entstehen die ArbeitsplÀtze vor Ort?
„Ja und Nein. Es entstehen ArbeitsplĂ€tze vor Ort, aber viele auch woanders. Das können ArbeitsplĂ€tze im Lkw-Bau sein, BeratertĂ€tigkeiten, sonstige Dienstleistungen. Dieser Wert ist auf Gesamtdeutschland bezogen.“
Ist die Zahl 0,9 ein verlÀsslicher Faktor?
„Das ist ein Durchschnittswert. Er kann sehr viel besser sein, aber auch sehr viel schlechter.“

Das heddesheimbloginteressiert auch das Argument, dass Pfenning viele Transporte „ĂŒber die Schiene“ abwickeln wird:
Ist der Anteil der Transporte ĂŒber die Schiene bedeutend?
„Nein. Der Anteil ist gering.“
Wird sich der Anteil in Zukunft vergrĂ¶ĂŸern?
„Ja, definitiv. Relativ gesehen wird der Anteil sich gegenĂŒber dem Transport auf der Straße vermutlich deutlich steigern. Absolut gesehen, bleibt der Anteil aber in naher Zukunft gering.“
Trifft diese Aussage fĂŒr alle Logistik-Unternehmen zu?
„Nein. Das einzelne Logistik-Unternehmen richtet sich auf seine Kunden ein. Hat ein Kunde einen großen Schienenverkehr, wird das Logistik-Unternehmen dementsprechend sich darauf einstellen.“

Das heddesheimbloginteressiert auch, wie der Logistik-Experte Christian Kille die GrĂ¶ĂŸe des Pfenning-Projekts im Vergleich zu anderen Logistik-Zentren einordnet:
Wo wĂŒrden Sie das Pfenning-Projekt mit zunĂ€chst 200.000 und spĂ€ter fast 400.000 Quadratmetern bebauter FlĂ€che einordnen?
Das kann man schon als „Riesending“ bezeichnen. Wir ordnen kleinere Standorte unter 10.000 Quadratmetern ein, dann 20-50.0000 und ĂŒber 100.000 Quadratmetern. 2008 gab es zum Beispiel keinen Neubau in Deutschland ĂŒber 100.000 Quadratmetern.“

Einen schönen Tag wĂŒnscht

Das heddesheimblog