Donnerstag, 18. August 2022

Die Pressemitteilung zum zweiten „Dialog“-Gespräch

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Guten Tag!

Heddesheim, 30. Juli 2009. Nachfolgend dokumentiert das heddesheimblog die im Anschluss an den „Dialog“-Kreis zur Abstimmung vorgelegte Pressemitteilung. Der Kreis hat den von der IFOK geschriebenen Text zur Veröffentlichung angenommen – mit einer Ausnahme.
Hardy Prothmann ist mit dem Inhalt nicht einverstanden, weil die kontrovers geführten Debatten nur unzureichend abgebildet werden und wesentliche Punkte sowie Zitate anderer Teilnehmer vollständig fehlen.

Einen schönen Tag wünscht
Das heddesheimblog


Pressemitteilung

Dialogkreis diskutiert kontrovers
Dialogkreises Heddesheim tagt gestern zum zweiten Mal – nächstes Treffen im August

Heddesheim, 30. Juli 2009 – Wie sollte eine nachhaltige Entwicklung Heddesheims aussehen? Das war die Leitfrage in der Debatte um die grundsätzliche Ausrichtung der Gemeinde. Ziel des Dialogkreises ist es, Fakten zu diskutieren und zu sammeln, an die Bürger zurückzugeben und ihnen somit eine Entscheidungsgrundlage in der Frage der geplanten Ansiedlung des Logistik-Unternehmens Pfenning zu geben.

Das mit der Planung der Ansiedlung beauftragte Architektenbüro Krüger Consult GmbH aus Burgwedel stellte sich nach einer kurzen Einleitung ins Thema den Fragen des Dialogkreises. Welche Höhe werden die einzelnen Gebäude haben? Werden die Höhen noch nachträglich verändert? Wie wird der Schallschutz während der Arbeitszeit von 6 bis 22 Uhr gestaltet? Wie sehen die Begrünungskonzepte aus? Diese und andere Fragen wurden mit den Experten im Gremium diskutiert.

Von den 100.000 Quadratmetern Bebauungsfläche werden die Gebäude auf einer Fläche von 60.000 Quadratmetern eine Höhe von 12,50 Metern nicht überschreiten. Auf 40.000 Quadratmetern ist eine maximale Höhe der Hallen und Gebäude bis zu 18 Meter vorgesehen. Der Bau der 18 Meter-Hallen hängt allerdings noch von mehreren Faktoren ab – unter anderem von technischen Erfordernissen wie zusätzlichen Sprinkleranlagen oder die geschäftliche Entwicklung – und ist in der Realisierung noch nicht verabschiedet. Ist die Höhe der Hallen und Gebäude im Bau realisiert, kann sie aus Kostengründen nachträglich nicht mehr aufgestockt werden. Die Bebauung startet im Westen des Geländes (Brunnenweg) mit den 12,50 Meter hohen Gebäuden; hier wird auch die einzige Zu- und Abfahrt für LKWs sein. Dann soll nach Osten weitergebaut werden. Insgesamt handelt es sich hier um eine Investition von 100 Millionen Euro; darin enthalten sind alle Kosten für den Grundstückskauf, die Errichtung der Hallen, des Verwaltungsgebäudes, des Parkdecks für die Mitarbeiter, die betriebseigene Tankstelle, die komplette Informationstechnologie, die Betriebs- und Haustechnik und Einrichtungen. Die Zufahrt und der Hof der Lagerhallen werden um 1,30 Meter gegenüber dem Straßenniveau abgesenkt; auch die Schienen beim Gleiszugang sollen tiefergelegt werden.

Der Schallschutz zur Ortsrandlage war ebenfalls ein Thema. Es wurden externe Schallschutzgutachten angefertigt, die auch Bestandteil des Bebauungsplanes sind. Was die Begrünung der Schutzwalls angeht sowie die Farbenwahl der Gebäude gäbe es noch gestalterischen Spielraum – jenseits der Vorgaben des Bebauungsplanes und der Industriebaurichtlinien. Der Vorschlag eines Teilnehmers aus dem Dialogkreis, bei der Gestaltung der Grünflächen zur Nordseite hin die Bürger einzubeziehen, wurde positiv aufgenommen. Bürgermeister Kessler begrüßte die Idee; die Gemeinde habe auch in dieser Frage Einflussmöglichkeiten. Das bis zu sechsgeschossige Verwaltungsgebäude ist mit einer maximalen Höhe von 24 Metern vorgesehen. Geplant ist außerdem zur Autobahn hin ein Werbepylon in Höhe von 30 Metern. „Auch hier ist die Realisierung noch nicht abgeschlossen, über die konkrete Anmutung lässt sich noch reden“, erklärt Uwe Nitzinger.

Unter der Ãœberschrift „Zukunftsperspektive Heddesheim“ erörterten die Teilnehmer, welchen Weg die Gemeinde grundsätzlich einschlagen soll. Es wurde kontrovers diskutiert, wie Heddesheim in den nächsten zehn bis 15 Jahre aussehen sollte, damit die Bürger sich auch weiterhin in der Gemeinde wohlfühlen. Szenarien und Themenblöcke wie demographische Entwicklung, Arbeitsplätze, Steuereinnahmen wurden dabei besprochen. In der Debatte ging es vor allem um die Verringerung des Schwerlastverkehrs, die branchenspezifischen Schwerpunkte, die wirtschaftlich bei der Ansiedlung von potenziellen weiteren Arbeitgebern zu setzen wären. „Die Größe des Unternehmens führt zur Skepsis bei den Bürgern. Das ist der Punkt, der vielen Angst macht, weil es wenige Vergleichsmöglichkeiten gibt. Wie können wir vermeiden, dass Heddesheim sich übernimmt – diese Frage höre ich oft bei den Bürgern? Dieser Faktor ist mindestens so wichtig wie der Verkehrsaspekt“, betonte Andreas Schuster von den Grünen. „Bisher ist nur die ältere Generation gegen das Bauvorhaben, ich habe bisher nur wenige der jüngeren Bürger gehört, die sich so vehement dagegen aussprechen“, mahnte Dr. Josef Doll, CDU-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, das Thema nicht zur Generationen-Debatte werden zu lassen. Ziel sei es, für Heddesheim den sozialen Wohlstand zu sichern und dennoch die Lebensqualität für die Heddesheimer der Gegenwart und Zukunft zu sichern.

Ob die Ansiedlung von Edeka nun ein Glücksfall oder ein Unfall für Heddesheim war – auch diese in die Vergangenheit gerichtete Frage wurde debattiert – ebenso wie die klein- oder großflächige Erschließung und Vermarktung des Areals. Auch die Akzeptanz der Bebauung durch die Bürger wurde kontrovers diskutiert. „Es geht auch um eine Belebung des 40 Jahre alten Gewerbegebietes in Heddesheim. Wir brauchen einen Schub. Ohne Pfenning müssten wir viel Geld in die Hand nehmen, um die Fläche zu entwickeln. Und das kann Heddesheim sich nicht zumuten“, betonte Josef Doll. In der Diskussion rund um die Pfenning-Ansiedlung würden meist nur Teilaspekte diskutiert und nie das „große Ganze“. Dennoch ist die grundsätzliche Frage, ob Heddesheim eine Wohngemeinde bleiben sollte oder sich stärker zum Wirtschaftsstandort entwickeln soll, offen. Andreas Schuster warf die Frage auf, wie man mit dem grundsätzlichen Misstrauen in der Bevölkerung umgeht und regte die zeitnahe Unterfütterung getroffener Aussagen seitens des Unternehmens Pfenning durch verbindliche Vereinbarungen an. Nicole Kemmet vom BdS, Ortsverband Heddesheim, schlug vor, die Entwicklung der Gewerbeentwicklung in Heddesheim in die Diskussion einzubringen und zu analysieren, um die Zukunftsperspektiven konkreter bewerten zu können. Außerdem sollte die Kommunikation zu den Bürgern klar und allgemeinverständlich gehalten sein; Fachbegriffe sollten erklärt und Zusammenhänge beschrieben werden – zum Beispiel im Mitteilungsblatt der Gemeinde. „Wir müssen aufpassen, dass wir die Leute in der Diskussion nicht abhängen“.

Der Dialogkreis wird sich das nächste Mal am 26. August treffen. Dann stehen die Themen Verkehr und Umwelt im Mittelpunkt. Bürger können ihre Fragen und Anregungen in eine eigens am Rathaus angebrachte Zettelbox einwerfen. Diese werden dann im Dialogkreis aufgenommen und diskutiert; die Ergebnisse der Diskussion werden dann wieder der Bevölkerung bekannt gegeben. Das vierte Treffen des Dialogkreises im September wird als öffentliche Sitzung und damit als Bürgerveranstaltung angesetzt; dieser Termin wird rechtzeitig öffentlich bekannt gegeben. Konkrete Leitfrage hier wird sein: Wie soll das Gewerbegebiet in Heddesheim in der Zukunft aussehen?

Ansprechpartner: Andreas Ingerfeld, c/o IFOK GmbH: 06251 / 8416-31 oder andreas.ingerfeld@ifok.de

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.