Freitag, 14. Mai 2021

Was „üblich“ ist

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Der Journalismus, insbesondere der Lokaljournalimus, muss übel verkommen sein. Sonst wäre es nicht vorstellbar, dass ein „Turnierleiter“ ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass ein Gruppenbild so gemacht wird, wie er das will.

Kommentar: Hardy Prothmann

Einen eigenen Willen hat der „Leiter“ dabei nicht. Denn er denkt nur an den Sponsor. Bei Turnieren geht es diesen Leuten nicht um den sportlichen Wettkampf, sondern nur darum, dass einer zahlt, der Sponsor, und der andere erfolgreich ein Turnier ausrichtet. Beide gewinnen.

Die Opfer sind die Teilnehmer, die an etwas anderes glauben, nämlich, dass es um Sport geht. Um Leistung, um Kampf, um Sieg oder Niederlage.

Das ist zumindest Herrn Fuchs als Turnierleiter egal. Das ist auch dem Sponsor egal. Die Sportler, in diesem Fall Kinder, dienen nur der Inszenierung und Bestätigung der Veranstalter.

Das ist nicht nur schade, sondern eklig. Vor allem, weil der Sponsor und sein Vollstrecker auch nicht den Hauch einer Anstrengung unternehmen – anders als die Kinder, die um jeden Punkt kämpfen – ihre Gleichgültigkeit gegenüber der Leistung der Kinder zu verbergen, dafür aber umso mehr ihr eigenes Interesse in den Vordergrund zu stellen.

Das sei so „üblich“, meinen diese Herren und haben wahrscheinlich recht. Ganz selbstverständlich erwarten sie von Presseleuten, dass diese knipsen, was sie sich vorstellen.

Der Journalismus liegt im Lokalen offensichtlich genauso am Boden wie die Auffassung von Sport bei diesen Herren.

Ändern wird sich nichts, im Gegenteil. Es wird noch bodenloser werden. Denn die U10, die sonst angeblich kein Turnier bestreiten könnten, sind angeblich auch schon auf „Sponsoring“ angewiesen.

Ist das so?

Wer hat denn festgelegt, dass Jugendliche in diesem Alter schon hochwertige Preise erhalten müssen? Na klar, die Sponsoren. Und ohne die gibt es keine Preise. Und ohne Preise tritt niemand mehr an.

Irgendwann noch nicht mal mehr U10.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.