Samstag, 19. Juni 2021

Medienkompetenz

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Guten Tag!

Heddesheim, 22. Juli 2009. Das heddesheimblog steht f├╝r Transparenz. Deswegen hat die Redaktion des heddesheimblogs auch seit dem Beginn der eigenen Berichterstattung Ende April 2009 immer auch auf konkurrierende oder erg├Ąnzende Angebote hingewiesen.
Und deshalb bieten wir unseren Lesern auch keine Terminberichterstattung an, sondern Hintergr├╝nde, Analysen und Recherchen.

Kommentar: Hardy Prothmann

Das machen wir auch heute wieder und empfehlen die Artikel des Mannheimer Morgen zum politischen Geschehen in der Gemeinde Heddesheim zur vergleichenden Lekt├╝re.

Auch wenn der Mannheimer Morgen die Erw├Ąhnung unseres neuen und zus├Ątzlichen Informationsangebots auf dem heddesheimblog bislang meidet wie der Teufel das Weihwasser.

Geschenkt. Trotzdem sind wir dar├╝ber sehr entt├Ąuscht. Nicht weil wir kindisch gerne vom „gro├čen MM“ anerkannt werden w├╝rden. Das ist Quatsch.

Es gibt mehr als eine Meinung in der Welt.

Im Gegenteil geht es darum, dass wir anerkennen, dass es au├čer uns noch mehr gibt in der Welt und wir hoffen, dass unsere Leser das wissen und uns trotzdem gerne lesen. Alles andere w├Ąre sture Ignoranz.

Sei├é┬┤s drum. Interessierte Leser werden Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche Unterschiede in der Berichterstattung durch das heddesheimblog und den MM feststellen k├Ânnen und bilden sich daraus, hoffentlich nicht nur f├╝r einen Tag, ihre eigene Meinung.

Dadurch wird man kompetent: Wenn man nicht nur eine Quelle nimmt, sondern mehrere und vergleicht. Nicht einmal, sondern immer wieder, am besten regelm├Ą├čig. Dadurch erlangt man Kompetenz, wie ├╝berall, in diesem Fall: Medienkompetenz.

Der MM hatte zum Beispiel vor sechs, mmhhh oder acht Wochen? Egal, irgendwann hatte der MM jedenfalls mal einen kleinen Artikel zu Arbeitsmarktzahlen im Blatt und da haben wir uns echt ├╝ber uns selbst ge├Ąrgert, weil wir die Informationen auch hatten, aber sie nicht „gebracht“ haben. Uns ist unser „Vers├Ąumnis“ aufgefallen – wem noch?

Lesen Sie den MM und das heddesheimblog und hoffentlich noch mehr.

Aktuell empfiehlt das heddesheimblog die besondere Aufmerksamkeit in Richtung der zitierten Aussagen des Bürgermeisters Michael Kessler durch den MM.

Haben Sie das Gef├╝hl, dass der MM auch nur im Ansatz die Frage gestellt hat, ob der B├╝rgermeister eigentlich eine B├╝rgerbefragung will oder gut f├Ąnde? Nein? Dann geht es uns wie Ihnen. Wir h├Ątten das gefragt, aber deswegen redet der BM ja auch nicht mit uns.

Im Gegenteil verweigert er dem heddesheimblog jegliche Ausk├╝nfte auf journalistische Anfragen ├╝ber das absolut notwendige Ma├č hinaus, deswegen lesen Sie hier wenig Zitate des B├╝rgermeisters.

Den Mannheimer Morgen hingegen informiert Herr Kessler gerne „exklusiv“, auch wenn er dabei in Kauf nimmt, geltende Presse-Gesetze zu verletzten. Geschenkt.

Der „BM“ wei├č: Wo kein Kl├Ąger ist, da ist auch kein Urteil. Eine kleine Redaktion wie das heddesheimblog hat nicht die Mittel vor den Verwaltungsgerichthof zu ziehen – wir k├Ânnen nur ├╝ber das vollkommen unzumutbare Verhalten dieses „B├╝rgermeisters“ berichten. Und das tun wir – ├╝brigens genauso verantwortlich, wenn er dann mal mit uns redet.

Deswegen kann eine „gro├če“ Redaktion, wie der Mannheimer Morgen eine hat, auch solche S├Ątze schreiben: „Theoretisch m├Âglich sei eine zus├Ątzliche Ratssitzung immer, wollte sich B├╝rgermeister Michael Kessler gestern aber noch nicht auf ein bestimmtes Vorgehen festlegen, sondern erst einmal „h├Âren, wie sich die anderen Fraktionen am Donnerstag dazu stellen.“

Journalistische Pflichten gibt es keine – au├čer,
man legt sich diese selbst auf.

Haben Sie das verstanden? So in etwa? Gut. Richtig ist, dass der MM seiner Pflicht nicht nachkommt und wenigstens ansatzweise das tut, was man von einer anst├Ąndigen Redaktion erwarten kann: Recherche.

Wenn n├Ąmlich ein Viertel der Gemeinder├Ąte eine solche Sitzung will, ist dieser „Verhandlungsgegenstand unverz├╝glich“ zu behandeln – ohne dass der B├╝rgermeister da mitreden kann. Genauso kann der B├╝rgermeister den Gemeinderat immer, wenn er davon ├╝berzeugt ist, dass es die Lage erfordert, einberufen. Das ist nicht nur „theoretisch“ so, sondern das ist Gesetz – das Herr Kessler, wenn er will, ganz praktisch und nicht nur „theoretisch“ anwenden kann oder auch muss.

Herr Kessler wurde beispielsweise auch dar├╝ber informiert, dass ein Gemeinderat in der ├ľffentlichkeit k├Ârperlich angegangen wurde. Die Bitte, dem durch seine Stellung und seinen vermittelnden Einsatz entgegenzutreten, wies er ab: „Was habe ich damit zu tun? Kl├Ąren Sie das doch selbst. Ich sehe mich da nicht involviert.“

Sichtweisen

Soviel zu Sichtweisen – theoretisch wie praktisch.

Was prek├Ąr an der Berichterstattung (=Sichtweise) im MM ist, zeigt die Art der Berichterstattung: Danach richtet sich der B├╝rgermeister nach dem Gemeinderat. So sieht das die Gemeindeordnung auch vor.

Tats├Ąchlich ist es anders. Nicht nur in Heddesheim, in den meisten Gemeinden ist der B├╝rgermeister der starke Mann und sagt, wo es langgeht.

Der MM k├Ânnte diese Analyse auch klar in seine Artikel hineinschreiben, immer dann, wenn die Gemeinder├Ąte an ihre Aufgabe und ihre Stellung erinnert werden m├╝ssen oder vielleicht ein wenig Unterst├╝tzung brauchen.

Sie sind das gew├Ąhlte Hauptgremium, das entscheidet, der B├╝rgermeister f├╝hrt „nur“ den Vorsitz und muss sich au├čer in „Notsituationen“ dem Gremium beugen.

Doch das findet nicht statt: Im Gegenteil fragt man sich bei den Zeilen des MM, ob man es beim BM Kessler mit einem starken Mann oder mit einem kollektiven Funktionsapparat zu tun hat, zumindest legt diese Aussage das nahe: „dann werden wir die entsprechenden Schritte einleiten“.

Der MM informiert einfach falsch und nicht transparent ├╝ber einen B├╝rgermeister, der im allgemeinen „Ich“ sagt und „wir“ folgert, aber immer dann, wenn es eng wird, sich mit „wir“ zitieren l├Ąsst, obwohl er und der MM wissen, dass „er“ gemeint ist, der „schaut“, woher der Wind weht.

Vergleichen Sie – je mehr, desto besser.

Die Redaktion des heddesheimblogs ist andererseits ├╝berzeugt davon, dass es f├╝r alle Menschen von Vorteil ist, wenn es mehr als nur eine „Quelle“ gibt, aus der man sich informieren kann – deswegen nennen wir sehr gerne den MM als Vergleichsquelle und hoffen, dass unsere Leser diesen Vergleich suchen.

Je mehr Informationen, desto besser, je freier und unzensierter, desto besser – auch wenn man dadurch Gefahr l├Ąuft, viel Informationsm├╝ll akzeptieren zu m├╝ssen – beispielsweise durch die IFOK. Den kann man aber durch Nachdenken und ├â┼ôberpr├╝fen filtern – auch wenn es „Arbeit“ macht.

Andersherum ist es so: Wenn man nichts erf├Ąhrt, kann man auch nichts Informatives herausfiltern – egal, wie sehr man sich anstrengt.

Meinungsvielfalt ist wichtig. Monopole sind fast immer schlecht.

Vielfalt ├Âffnet den Horizont – in alle Richtungen.

Auch die Information der nicht-gestellten Nachfragen im MM-Artikel ├Âffnet Horizonte.

Ist die Befragung eindeutig, so die Zeitung, wolle sich die SPD danach richten: „Bei einem knappen Votum werde es indes „sehr schwierig“, r├Ąumt Merx ein. „Dann werden wir sicher noch einmal abw├Ągen m├╝ssen.“

Was hei├čt das? Ist 60%-40% Prozent ein „knappes Votum“ oder erst 53%-47%? Wo fangen die „Schwierigkeiten“ an? Keine Nachfragen vom MM.

Und wie verh├Ąlt sich diese „schwierige“ Entscheidung vor dem Hintergrund einer Wahlbeteiligung bei den Gemeinderatswahlen von 55,6%? Ist ein Gemeinderat mit einer so geringen Wahlbeteiligung zur Entscheidung f├Ąhig? Oder sollten dann die B├╝rger nochmals „abw├Ągen“? Keine Nachfrage vom MM.

Was ist legitim?

Ist dementsprechend jede B├╝rgerbefragung, sagen wir ab 52 Prozent eindeutig und „man“ (SPD) m├╝sste nicht mehr abw├Ągen m├╝ssen? Keine Nachfrage vom MM.

Und wenn wir schon beim Thema sind: Ist es so, dass die „SPD gr├╝nes Licht gibt“, wie der MM schreibt? Oder ist es so, dass die Gr├╝nen ein „Signal“ geben und vorbereitet haben, dem sich die SPD „anschlie├čt“?

So wie der MM das schreibt, liest es sich, als entscheide die SPD. Tats├Ąchlich haben sich die Gr├╝nen „entschieden“ und einen „Antrag erarbeitet“ und die „kleinere, vorher gr├Â├čere“ Fraktion der SPD schlie├čt sich dem an.

Das ist eine gute Entscheidung der SPD, weil sie verstanden hat, dass die B├╝rger das von dieser „b├╝rgernahen“ Partei erwarten. Geschrieben hat der MM etwas anderes.

Seine Meinung? Ihre Meinung? Einen objektiven Bericht?

Sicherlich w├╝rde der MM immer behaupten, seine Berichterstattung sei objektiv. Soll er. Dann h├Ątte er/sie aber auch die CDU und die FDP anfragen m├╝ssen. Hat er/sie aber nicht.

Das heddesheimblog steht daf├╝r ein, dass es subjektiv berichtet, dabei aber professionell und transparent. Immer dann, wenn es „subjektiv“ wird, bietet das heddesheimblog andere Quellen zur ├â┼ôberpr├╝fung an und freut sich, wenn diese und die eigenen des Lesers genutzt werden.

Fragen m├╝ssen nicht nur erlaubt sein, sondern gestellt werden.

Das heddesheimblog hat niemals „Recht“ – das haben nur Richter. Das heddesheimblog informiert nur und gibt sich dabei die gebotene M├╝he.

Das heddesheimblog h├Ątte dementsprechend der SPD anstelle des MM genau ein Schlupfloch gelassen: „Wenn es 50:50 steht, w├Ąre das eine schwierige Entscheidung.“ Diese logische Aussage h├Ątten wir akzeptiert.

Ansonsten h├Ątten wir auf eine Antwort der Frage gedrungen: „Sind 51 zu 49 Prozent genauso entschieden wie 49 zu 51 Prozent oder sehen Sie das anders, Herr XYZ?“ Solche Fragen stellt der MM aber nicht.

Solche Fragen m├╝ssen aber erlaubt sein und von verantwortungsvollen Journalisten gestellt werden – denn in der Politik ist man schlie├člich mit solchen Ergebnissen auch zufrieden und leitet daraus eine absolute demokratische Legitimation ab – beispielsweise bei der CDU, obwohl die trotz „Sieg“ auf der komplette Linie verloren hat.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.