Sonntag, 26. Juni 2022

Die „sauberste Lösung“

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Es gibt Lösungen, es gibt saubere Lösungen und es gibt die saubersten Lösungen. Die „sauberste Lösung“ glauben die Heddesheimer Grünen gesucht und gefunden zu haben.

Kommentar: Hardy Prothmann

Sie haben sich eindeutig positioniert: Ohne Bürgerentscheid, oder zumindest Bürgerbefragung, so haben sie öffentlich und unmissverständlich erklärt, werden sie alle weiteren Zustimmungen in Sachen Pfenning verneinen.

Die Grünen müssen sich angeschissen fühlen

Dass die Grünen nicht nur eine saubere Lösung suchen, sondern gleich die „sauberste“, muss heißen, dass sie sich selbst ziemlich angeschissen fühlen müssen. Nicht von den Bürgern – die haben sich nur über den Gestank beschwert. Sondern von sich selbst.

Das geht auch in Ordnung. Das kann jedem in jedem Alter passieren, das mal was nicht hält.

Vermisst habe ich Ehrlichkeit. Ein: Es tut mir oder zumindest „uns“ leid. Stattdessen mussten sie noch mal sagen, dass es „Chancen gibt“ und dass sie „Bauchschmerzen hatten“ und dass es „gewichtige Gründe“ für ihre Zustimmung zu einem für Grüne eigentlich nicht denkbaren Projekt gab.

Die Sturheit ist noch nicht überwunden

Das ist schwach und zeigt nur eins: Die Sturheit ist noch nicht überwunden. Die Grünen wollen noch nicht einsehen, dass sie einen kapitalen Fehler gemacht haben: Nämlich, ihre Glaubwürdigkeit auf´s Spiel gesetzt zu haben. Ohne Not.

Ob ohne Verstand, sei dahingestellt. Jeder Mensch hat schon kapitale Fehler gemacht, wenn der Mensch aber „Partei“ wird, wird der Weg zur Einsicht schmaler.

Der Wähler Thomas Wurm hat sich nach der Veranstaltung noch mal an den PC gesetzt und ganz aus dem Bauch heraus mit Verstand seinen Kommentar geschrieben.
Er zitiert darin den Altkanzler Adenauer, der nun nicht wirklich zu den Grünen passt, aber es gibt Weisheiten, die haben keine Farbe: „Werfen Sie mir doch nicht vor, dass ich heute klüger bin als gestern.“

Klüger sein heißt, aus Fehlern zu lernen

Das Zitat ist außerordentlich gut gewählt. Denn Adenauer wird auch gerne so zitiert: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“. Doch geschwätzig wollen sie nicht sein, die Heddesheimer Grünen. Sie wollen ernst genommen werden, eben keine Schwätzer sein, schon gar keine Wendehälse. Und auf keinen Fall einen Fehler begangen haben. Deswegen ist das Zitat von Herrn Wurm gut gewählt: Klüger sein, heißt, aus Fehlern zu lernen.

Das hat auch der ältere Herr vermisst, dessen Frage ich berechtigt fand. Bevor er nach Hause ging, haben wir uns noch etwas unterhalten. Sein Gesicht und seine Augen erzählen, dass er viel erlebt, viel gesehen und viel gehört hat: „Das mit der Bürgerbefragung, dass ist doch nur für die Gefühle. Wirklich zählen tut es nicht, solange die anderen die Mehrheit haben“, sagte er.

Das mit den „saubersten Lösungen“, hat ihn nicht überzeugt. Er wünscht sich anständige Lösungen, denn bei denen ist auch das Gefühl gut.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.