Samstag, 28. Mai 2022

Antworten und die passenden Fragen dazu

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Kommentar: Hardy Prothmann

In einem Interview gibt man auf Fragen von anderen die eigenen Antworten.

Eine gute Art und Weise, ein Interview zu f├╝hren, ist die so genannte „Spiegel-Methode“. Die geht so: Man f├╝hrt ein strukturiertes Gespr├Ąch, dass auch gerne etwas ausf├╝hrlicher sein kann. Daraus erstellt man ein Protokoll des gesprochenen Wortes, daraus dann wiederum das Interview in Frage und Antwort.

Damit ist das Gespr├Ąch kein Protokoll mehr, sondern eine Zusammenfassung. Eine Art „Kunstprodukt“, weil nicht mehr dem „wortgetreuen“ Gespr├Ąchsablauf entsprechend. Aber auch ein Produkt, dass der Konsument, also der Leser, besser annehmen kann, weil es nicht den Wirren eines tats├Ąchlichen Gespr├Ąches folgt, sondern strukturiert daher kommt (kein Mensch w├╝rde einen Kinofilm spannend finden, wenn ohne Schnitt nur Szene an Szene gereiht w├╝rde…)

Solch ein Interview wird dem Interviewten nach dem Verfassen vorgelegt – mit der Bitte um „Freigabe“. Das hei├čt, der Zitierte best├Ątigt, seine Zitate so „gesagt“ zu haben.

Die Methode ist fair und gut f├╝r beide Seiten: Das Gespr├Ąch orientiert sich an Frage und Antwort, ohne die typischen „Abzweigungen“ eines lebhaften Gespr├Ąchs.
Der Interviewte kann ├╝berpr├╝fen, ob sein „Gesagtes“ auch richtig wiedergegeben wurde. Falls nicht, erhebt er Einspruch, falls er oder sie „etwas so nicht gesagt haben will“, kann sich die Redaktion entscheiden, ob Passagen „korrigiert“ werden oder ein Versuch von Einflussnahme vorliegt. Dann verzichtet eine standhafte Redaktion die Ver├Âffentlichung.

Dass sich allerdings ein B├╝rgermeister in zitierten Antworten von einem Interessenverband seine Antworten formulieren l├Ąsst, wie beim BdS geschehen, ist ein starkes St├╝ck.

Entweder hat so ein B├╝rgermeister keine eigene Meinung oder ist nicht f├Ąhig, diese auszudr├╝cken oder er ├╝bergibt die Deutungshoheit seiner Worte einem Interessenverband, der zuf├Ąllig seine Interessen vertritt.

F├╝r beide Seiten gilt: Sie vers├Ąumen beide, einen korrekten Weg einzuschlagen und sie vers├Ąumen beide, eine echte Dokumentation zu erstellen. Beide betreiben eine Verkl├Ąrung f├╝r ihre Ziele – wie auch immer die geartet sind.

In beiden F├Ąllen muss klar sein, dass keine Aussage glaubw├╝rdig ist. Weder die „echten“ Zitate des B├╝rgermeisters, noch die „echte“ Darstellung des betreffenden Interessenverbands.

Erstaunlich ist nicht, dass der BdS mit „Argwohn“ auf die Anfrage des heddesheimblogs reagiert. Die Anstrengung, der Anfrage irgendwie aus dem Weg zu gehen, ist in jeder Antwortzeile sp├╝rbar.

Erstaunlich ist aber, wie viel M├╝he sich der BdS macht, den Schein aufrecht zu erhalten, um dann doch einzuknicken und am Ende doch wieder zu behaupten, man habe keinen Fehler gemacht.

Erstaunlich ist auch, dass ein B├╝rgermeister nicht merkt, dass diese Art von „├ľffentlichkeitsarbeit“ nicht zielf├╝hrend ist, sondern mehr und mehr verdeutlicht, wie es um die Wertsch├Ątzung des B├╝rgermeisters f├╝r die ├ľffentlichkeit bestellt ist. Er hat daf├╝r keine Zeit – es ist ihm l├Ąstig.

Deshalb hat er auch eine PF-Firma engagiert, die f├╝r teures Geld „die Kuh vom Eis holen“ soll. Also die ├ľffentlichkeit in dem Sinne herstellen soll, die dem Sinn des B├╝rgermeisters entspricht.

Wer dem nicht entspricht, wird mit vagen Argumenten widerlegt oder ignoriert. Wer dem entspricht, kann sich die Antworten des B├╝rgermeisters so zurecht schreiben, wie er will. Dagegen hat er nichts einzuwenden.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.