Samstag, 02. Juli 2022

Mal ganz ehrlich – der Pfenning kriegt meine Stimme

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Glosse

Gastbeitrag: Helle Sema

Also ehrlich, irgendwie werde ich aus dem Pfenning nicht schlau. 100 Millionen Euros wollen die investieren und sind nicht mal in der Lage, ein bisschen gute Stimmung zu machen – außer, wenn das heddesheimblog die dazu auffordert (siehe unten).

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Am 9. Juli schreibt das heddesheimblog, Pfenning sollte vielleicht inserieren, um seine "Dialog"- Bereitschaft zu dokumentieren - am 13. Juli ist es vollbracht, im MM. Fragen hatten die BĂŒrger aber schon seit Anfang April. Pfenning ist zwar ein wenig arg langsam, aber lernfĂ€hig und echt bemĂŒht: Wer hĂ€tte gedacht, das man email rund um die Uhr schicken kann... 😉 Quelle: Anzeige im MM

Zum Vergleich: Die Gemeinde Heddesheim nimmt bestimmt 100.000 Euro (wie viel genau ist geheim…) in die Hand, um gute Stimmung zu machen – mit der IFOK, die uns Heddesheimern zeigt, wie man „sachorientiert“ miteinander redet. Denn das können wir angeblich nicht mehr. Zumindest einige von uns.

FĂŒr den Pfenning wĂ€ren das noch weniger als „peanuts“, also ErdnĂŒsse, denn 100.000 Euro sind verglichen mit 100 Millionen gerade mal 0,1 Prozent von det janze.

Noch mal zum Vergleich: Wenn jemand 2000 Euro im Monat hat, wĂ€ren das gerade mal zwei Euro vom Bugdet. Man stelle sich den Pfenning als Mann vor und uns als die Gattin. Die – also wir –  ist sauer. Der Pfenning kauft also fĂŒr zwei Euro nen schönen Blumenstrauß vom Acker, also Schaaffgabe und Hegekraut und alles ist ganz doll gut.

100.000 Euro fĂŒr den Kessler sind 2 Euro fĂŒr mich.

Das ist natĂŒrlich ein Spaß, denn 100.000 Euro sind was anderes als zwei Euro.

Das ist viel, viel Geld, wo es doch ĂŒberall knapp wird bei den bedĂŒrftigen Gemeinden, vor allem in den KindergĂ€rten, den Schulen, dem Badesee, den Sportanlagen und ĂŒberhaupt ĂŒberall. Und wollen wir Heddesheimer ĂŒberall auf alles verzichten, wie der CDU-Doll uns im Wahlkampf den Teufel an die Wand gemalt hat? Bestimmt nicht.

anzbmw

Im Gegensatz zum Pfenning ist die Gemeinde nĂ€mlich auf Einnahmen angewiesen und nicht darauf aus, ihre Mitarbeiter „außertariflich“ zu beschĂ€ftigen und selbst Golf zu spielen. Gemeinden dĂŒrfen das nicht, die mĂŒssen sich nĂ€mlich an die Vorschriften halten – zumindest bei der Bezahlung.

Naja, nicht alle. Heddesheim könnte ein Ausnahme sein. Die gibt nĂ€mlich einer Firma, die 2007 den Deutschen PR-Preis in der Kategorie „Public affairs“ gewonnen hat, einen lukrativen Auftrag.

„Public affairs“ heißt jetzt nicht, wie manche meinen: „öffentliche AffĂ€ren (=Skandale)“, sondern etwa „öffentliche Angelegenheiten“, also Angelegenheiten, die die Öffentlichkeit angehen, also die BĂŒrger.

„Beteiligungsverfahren sind ein wirksames Instrument.“ Doktor Meister

Und damit ist sie bei der IFOK gut aufgehoben, die wissen nĂ€mlich, wie man öffentliche Angelegenheiten so „gestaltet“, dass am Ende alle „zufrieden“ sind – mindestens die Auftraggeber, die ja auch ein Schweinegeld fĂŒr det janze gezahlt haben.

Der Chef bei IFOK, der Doktor Hans-Peter Meister, hat sich sehr ĂŒber den Preis gefreut: „Die Auszeichnung zeigt, dass Beteiligungsverfahren ein wirksames Instrument fĂŒr Public Affairs und Lobbying sind.“

Vor lauter englischen Wörtern versteht man fast gar nichts mehr, aber wikipedia erklÀrt es eigentlich ganz gut:

„UnternehmensverbĂ€nde, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und andere VerbĂ€nde sowie grĂ¶ĂŸere Unternehmen bringen ihre Interessen gezielt in das Gesetzgebungsverfahren mit ein. Umgekehrt bekommen die Mitglieder der VerbĂ€nde relevante und zubereitete Informationen von ihren Verbandsorganisationen. Damit können politische Entscheidungen vorhergesehen werden und in Entscheidungen der VerbĂ€nde, ihrer Mitglieder, aber auch nicht organisierter Betroffener eingeplant werden.
Lobbyismus ist eine Methode der Einwirkung auf EntscheidungstrĂ€ger und Entscheidungsprozesse durch prĂ€zise Information im Rahmen einer festgelegten Strategie.“

Uff. Das klingt, als wĂ€ren die Heddesheimer Marionetten, die von Lobbyisten so gefĂŒhrt werden, wie die das wollen.

Und das heddesheimblog? Macht unfreiwillig mit. Kaum gibt das Portal dem Pfenning den Tipp, dass der seine „Dialogbereitschaft“ per Anzeige mal anzeigen sollte, macht der das auch.

Pfenning vermarktet Hallen, die er (noch) nicht hat – die anderen sind Nörgler.

Obwohl dem sonst nichts, aber auch nichts einfĂ€llt, um die Öffentlichkeit zu informieren. Naja, stimmt nicht ganz. Einfallen tut dem schon was, nĂ€mlich seine Hallen, die es noch gar nicht gibt, schon eifrig zu vermarkten.

Und der Mannheimer Morgen? Der macht alles mit. Denn vom Pfenning bekommt er Anzeigen. Und eine mittelgroße Anzeige ist mehr wert als ein paar Dutzend Abos.

Zwar verliert die Zeitung kontinuierlich an Auflage (ungefÀhr so wie manche im Ort an Ansehen), aber solange die Anzeigen stimmen, ist das zu verschmerzen. Deswegen recherchiert sie er ja auch nicht. Man sÀgt ja nicht auf dem Anzeigenast, auf dem man sitzt. Das wÀre ja so, als wenn man sich selbst wegrationalisiert.

Die IFOk sitzt zur Zeit auf dem Ast der Gemeinde. Dabei hat das so „neutrale“ Unternehmen frĂŒher schon mal gerne mit dem Pfenning gekuschelt. Etwa 2006 beim Projekt „Jugend denkt Zukunft“, dass Pfenning auch gerne als eines seiner „sozialen Engagement“ verkauft – freilich ohne zu erwĂ€hnen, dass man sich da mit der IFOk schon bekannt gemacht hat. Denn, wenn schon, hat die IFOk, sich „sozial engagiert“, indem sie das Projekt entworfen hat – fĂŒr alle, die dafĂŒr keine Zeit haben, aber gerne fĂŒr „ihr“ soziales Engagement zahlen.

Wir Heddesheimer lassen uns davon nicht beirren. Wir sind froh, dass uns jemand unter die Arme nimmt und uns hilft, „ergebnisoffen“ und „sachorientiert“ und „entemotionalisiert“ zu entscheiden. Und gut ist, dass wir wissen, dass unser Gemeinderat am Ende die Entscheidung trifft.

Unser Gemeinderat entscheidet.

Wir Heddesheimer vertrauen darauf, dass unser Gemeinderat, auch wenn sich nur vier von 22 fĂŒr Pfenning interessieren, am Ende eine Entscheidung trifft.

Wahrscheinlich wussten die vier, die beim Pfenning-Termin Fragen stellen, noch nicht so genau Bescheid. Die anderen, die waren bestimmt vorbereitet und hatten deshalb keine Fragen. Deswegen vertrauen wir auch auf deren Entscheidung. Wem sollen wir sonst vertrauen? Uns selbst? Sicher nicht – sonst hĂ€tten wir ja nicht unsere GemeinderĂ€te, sondern uns selbst gewĂ€hlt.

Oder habe ich jetzt was nicht ganz verstanden?

Der Pfenning will fĂŒr uns immerhin nur das Beste: 24 Stunden am Tag ist er fĂŒr uns da, per email. Das finde ich total engagiert. Und am Samstag macht er offene TĂŒr. Also ich geh dann mal beim Karl-Martin rein und rede mit dem.

Denn der ist ein absoluter Familienmensch und achtet auf Tradition und ĂŒberhaupt ist der heimatverbunden und sorgt fĂŒr ArbeitsplĂ€tze. Das ist kein Nörgler, sondern ein Schaffer.

Von Kerlen und solchen, die es werden wollen.

Aber so, wie ich den kenne, reicht dem bald der ganze Firlefanz und dann stellt er sich selbst die Beine vor der Edeka in den Bauch und erklÀrt jedem, der es wissen will, was er in Heddesheim und mit Heddesheim vor hat. Der ist halt ein echter Kerl.

Der Kessler, der braucht dafĂŒr die IFOK und den Moderator und viel Geld.

Der Pfenning, der bringt hinterher wieder die Kohle, die der Kessler vorher ausgegeben hat. So denkt der Kessler. Und wenn nicht? Ist ja nicht sein Geld. Und wenn er nicht wieder gewĂ€hlt wird? Auch egal, nach zwei Mal BĂŒrgermeister ist seine Rente sicher.

Wer mich fragt, kriegt klar zu Antwort: Wenn der Pfenning BĂŒrgermeister in Heddesheim werden will, meine Stimme hat er.

P.S. Ich hÀtte da auch noch den ein oder anderen Acker zu verkaufen. Kann ich mein Anliegen auch an heddesheim@pfenning-logistics.de schicken oder muss ich mich an die Gemeinde wenden?

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.