Freitag, 07. Mai 2021

Großkunde hat nach nur einem Jahr gekĂŒndigt

Pfenning hat Kraft verloren

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Angeblich sollen die Hallen fast vollstĂ€ndig ausgelastet sein – tatsĂ€chlich hat einer der Großkunden, Kraft Foods, nach nur einem Jahr gekĂŒndigt.

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 02. September 2013. (red) Einer der Großkunden, die Firma Kraft Foods, Tochter der Mondelez Deutschland Services GmbH & Co. KG, hat nach nur einem Jahr den Vertrag mit Pfenning Logistics gekĂŒndigt. Nach unseren Informationen endet das VertragsverhĂ€ltnis am 30. September. Kraft teilte uns auf auf Anfrage exklusiv mit, dass eine „Übergangslösung“ vereinbart worden ist, bis die GeschĂ€ftsbeziehtung erlischt.

Von Hardy Prothmann

Entwickelt sich der Multicube zum wirtschaftlichen Desaster? „Pfenning“ warb 2009 zunĂ€chst damit, dass der Großkunde Henkel mit nach Heddesheim umziehe. Und hierfĂŒr sollte auch die Schiene gebraucht werden. Dann war Henkel weg und der Schienenanschluss auch.

Großkunden kĂŒndigen

Dann warb Pfenning damit, dass man die Firma Kraft Foods als Großkunden gewinnen konnte. Und auch Kraft Foods lobte die modernen Logistik-Möglichkeiten ĂŒber den Klee. Nach nur einem Jahr ist von der Euphorie nichts ĂŒbrig geblieben. Kraft Foods hat gekĂŒndigt, wie das Unternehmen uns exklusiv auf Nachfrage mitteilte. Pfenning ist auch diesen Kunden los.

Bleiben noch die BASF und ein „Lebensmitteldiscounter“. Wie man hört, sind hunderte von ZeitarbeitskrĂ€ften durch Pfenning in den vergangenen Wochen gekĂŒndigt worden. Vermutlich als Folge der KĂŒndigung durch Kraft.

Nur 16 ArbeitsplÀtze mehr als 2010

Von den bis zu 1.000 neuen ArbeitsplĂ€tzen, die „Pfenning“ ehemals versprochen hatte, ist nichts zu sehen. BĂŒrgermeister Michael Kessler verweist bei Anfragen an die Firma „Pfenning“ – so, als hĂ€tten er und die Gemeinderatsmehrheit nun nichts mehr mit dem Doppelriegel im Gewerbegebiet zu tun.

Tatsache ist: Laut Bilanz waren 2007 insgesamt 1.865 Personen  bei Pfenning beschĂ€ftigt. Davon rund 230 in der Verwaltung, der Rest sind eher einfache bis sehr einfache ArbeitsplĂ€tze. Nach der aktuellen Bilanz von 2011 sind es noch 1.740 BeschĂ€ftigte – ganze 16 ArbeitsplĂ€tze mehr als 2010, 2 davon in der Verwaltung 14 bei den „Gewerblichen Mitarbeitern“.

Verkehrschaos bleibt aus

Immerhin: Das befĂŒrchtete Verkehrschaos bleibt bislang ĂŒberwiegend auch. Logisch: Wenn die Kunden ausbleiben, tun das auch die Lkws.

Die Lage des Unternehmens verschlechtert sich Jahr fĂŒr Jahr. Da die „Pfenning“-Muttergesellschaft KMP Holding GmbH bis April nicht ihrer Berichterstattungspflicht nachgekommen war, haben wir dies amtlich beantragt. Die nun vorliegenden Zahlen sind alarmierend.

Gewerbesteuerzahlungen bleiben ebenfalls aus

Zu Beginn der „Pfenning“-Planung gab das Unternehmen an, 210 Millionen Euro Umsatz zu machen. Belegen konnte das Unternehmen die Zahlen nie – BĂŒrgermeister Kessler und die Mehrheit im Gemeinderat haben immer auf die Angaben vertraut.

Das GeschĂ€ftsjahr 2011 schließt Pfenning nur noch mit 159,76 Millionen Euro Umsatz ab. Das ist zwar eine Steigerung gegenĂŒber 2010 (154,68 Millionen Euro). Allerdings muss man hier 5,77 Millionen Euro „außerordentliche UmsĂ€tze“ herausrechnen – solche UmsĂ€tze werden ĂŒblicherweise durch GrundstĂŒcks- oder AnlagenverkĂ€ufe erzielt und haben mit dem eigentlichen GeschĂ€ft nichts zu tun.

WĂ€hrend 2010 noch magere 613.148,37 Euro „Überschuss“ ausgewiesen worden sind, sind es 2011 nunmehr 2.409.598,36 Euro Verlust. Das ist auch fĂŒr die Gemeinde Heddesheim eine Horrorzahl – schließlich versprach „Pfenning“ jĂ€hrliche Gewerbesteuerzahlungen im „hohen sechsstelligen“ Bereich. Daraus wird auf absehbare Zeit nichts.

Dramatische Entwicklung wird als Konsolidierung verkauft

Heddesheims BĂŒrgermeister Michael Kessler Foto: Gemeinde Heddesheim

BĂŒrgermeister Michael Kessler hat sein politisches Schicksal mit „Pfenning“ verknĂŒpft. Er bewarb die Ansiedlung als „Zukunftssicherung der Gemeinde“ – bedroht die schlechte GeschĂ€ftsentwicklung des Logistikunternehmens nun den Ort? Foto: Gemeinde Heddesheim

Die GeschĂ€ftsleitung „verkauft“ die dramatischen Zahlen als „Konsolidierungsprozess“ – der hĂ€lt nunmehr seit ĂŒber fĂŒnf Jahren an. Doch die Talsohle ist vermutlich noch lĂ€ngst nicht erreicht.

Die Zahlen fĂŒr 2012 wird „Pfenning“ erst im kommenden Jahr kurz vor der Gemeinderatswahl veröffentlichen mĂŒssen. Nach dem verlust des Großkunden Kraft werden diese mit hoher Wahrscheinlichkeit noch bedrohlicher aussehen – wenn es „Pfenning“ bis dahin ĂŒberhaupt noch gibt.

BĂŒrgermeister Kessler, der zur Wiederwahl antritt, sowie die Fraktionen der CDU, SPD und FDP, die bis auf zwei Ausnahmen, geschlossen die Ansiedlung durchgekĂ€mpft haben, werden sich vermutlich warm anziehen mĂŒssen. Denn die Pfenning-Ansiedlung, das weiß jeder in Heddesheim, wurde als „Zukunftssicherung“ fĂŒr die Gemeinde beworben. DafĂŒr wurde ein absolutes FiletstĂŒck im Gewerbegebiet geopfert.

kmp

Hat seinen Gewinn bereits gemacht: Logistik-Unternehmer Karl-Martin Pfenning. Archivbild: Heddesheimblog.de

Fein raus ist hingegen der Unternehmer Karl-Martin Pfenning. Der tat so, als wĂŒrde seine Familie auf „Generationen“ hinaus hier eine 100 Millionen Euro Investition stemmen. TatsĂ€chlich verkaufte Herr Pfenning den Komplex vor gut einem Jahr fĂŒr gut 90 Millionen Euro an den Hamburger Immobilienfonds Union Investment Real Estate GmbH – die Immobiliengesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, die nach unseren Informationen das Projekt vorfinanziert hatten. Nach unseren Berechnungen hatte der Deal ein Potenzial von 12 Millionen Euro Gewinn – nach unbestĂ€tigten Informationen aus Insiderkreise soll Herr Pfenning bis zu 15 Millionen Euro Gewinn aus dem GeschĂ€ft gezogen haben.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.