Donnerstag, 18. August 2022

„Die Pressemitteilung ist lückenhaft und falsch“

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Guten Tag!

Heddesheim, 1. August 2009. Der freie Journalist Hardy Prothmann nimmt für das heddesheimblog am so genannten „Dialog„-Kreis teil. Diesem Kreis gehören etwa 20 Personen an, die bis auf einen Bürger alle persönliche, geschäftliche oder politische Interessen verfolgen.

Der Mannheimer Morgen hat über den „zweiten Dialogkreis“ einen Artikel geschrieben und schreibt zum Schluss des Textes: „Am Ende der Sitzung verfassten die Teilnehmer eine gemeinsame Pressemitteilung, mit der sich Hardy Prothmann inhaltlich nicht einverstanden erklärte.“

Das heddesheimblog veröffentlicht hier die kommentierte Pressemitteilung und listet darin die Gründe auf, warum Hardy Prothmann nicht bereit war, dieser zuzustimmen.

Kommentar: Hardy Prothmann

Wie der „Dialog“ abläuft, bestimmt die IFOK, ein von der Gemeinde Heddesheim teuer bezahltes PR-Unternehmen. Das angebliche Ziel dieser Gesprächsrunde steht in der Pressemitteilung:

„Ziel des Dialogkreises ist es, Fakten zu diskutieren und zu sammeln, an die Bürger zurückzugeben und ihnen somit eine Entscheidungsgrundlage in der Frage der geplanten Ansiedlung des Logistik-Unternehmens Pfenning zu geben.“

Diese Behauptung ist nichts anderes als eine massive Täuschung der Öffentlichkeit. Egal, wie viele Fakten die Bürger haben – die Bürger haben nichts zu entscheiden – sie können sich nur eine Meinung bilden. Allein der Gemeinderat entscheidet über das Projekt.

Bei der zweiten Sitzung zeigte sich der Moderator Andreas Ingerfeld heillos überfordert. Manche Gesprächsteilnehmer ließ er über zehn Minuten am Stück reden. Bei anderen ließ er zu, dass diese mehrfach in ihrer Wortmeldung unterbrochen wurden.

Außerdem durften Befürworter des Projekts nach Belieben und nicht in der Reihenfolge der Wortmeldungen das Wort ergreifen. Es handelte sich also nicht um einen moderierten, sondern um einen chaotischen „Dialog“.

Die vorgelegte Pressemitteilung ist ebenfalls als Täuschung der Öffentlichkeit zu bewerten. Entscheidende Teile und Aussagen des „Dialogs“ fehlen, Nebenaspekte werden hervorgehoben.

Dieser „Dialog“ wird nicht kontrovers, sondern chaotisch geführt

Ãœber das Chaos und die Anfeindungen während der Veranstaltung wird nur ein Wort verloren: „Kontrovers“ sei die Diskussion gewesen. Der Inhalt des Textes informiert nicht im Ansatz darüber, wie heftig es teilweise zuging.

Es steht auch nichts darin, wie der Bürger Heinz Franke durch den Bürgermeister und Herr Nitzinger angegriffen wurde. Herr Franke hat Größe gezeigt und Haltung bewahrt.

Der Mannheimer Morgen schreibt: „Am Ende der Sitzung verfassten die Teilnehmer eine gemeinsame Pressemitteilung, mit der sich Hardy Prothmann inhaltlich nicht einverstanden erklärte.

Diese Information ist nur fast richtig. Tatsächlich richtig ist: Eine Mitarbeiterin der IFOK hat die Pressemitteilung verfasst, die an zwei oder drei Stellen von den zitierten Personen ein wenig verändert wurde. Und das nach über drei Stunden Sitzung, gegen 21:45 Uhr – die meisten wollten nur noch nach Hause. Im Krimi unterschreibt in dieser Situation fast jeder ein „Geständnis“.

Fatal ist, dass mit dieser „gemeinsamen Pressemitteilung“ nach außen so getan wird, also herrschte eine „Ãœbereinkunft“ über die Inhalte. Der Tag wird kommen, an dem „interessierte Kreise“ diese „gemeinsamen Pressemitteilungen“ verwendet werden, um zu beweisen, dass es diese „Ãœbereinkünfte“ gab.

Jeder, der dann nicht mehr zustimmen will – macht sich unglaubwürdig. Das ist Teil der Strategie dieses „Dialogs“.

Ebenfalls nur fast zutreffend ist: Ich war nicht nur nicht einverstanden, ich habe die Pressemitteilung abgelehnt.

Warum, hat mich der Mannheimer Morgen nicht gefragt, obwohl die Autorin, Frau Görlitz, dafür ausreichend Gelegenheit gehabt hat.

Lesen Sie dazu auch:
Kommentar: Der Dialog ist keiner – weil er nicht gewünscht ist
Bericht: Zweites „Dialog“-Gespräch – Erregte Diskussion II
Bericht: Zweites „Dialog“-Gespräch – Erregte Diskussion I
Bericht: Das „Pfenning“-Projekt aus Sicht des Planers
Bericht: Zweites „Dialog“-Gespräch mit neuen Programmpunkten

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.