Samstag, 06. Juni 2020

Plagiator-Formel: Dreist, dreister, Journalist – wie Tageszeitungen tagt├Ąglich „beschei├čen“


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 12. April 2011. (red) Wenn Tageszeitungen ├╝ber die Plagiatsaff├Ąren „zu Guttenberg“ und aktuell Koch-Mehrin berichten, sollten sie allergr├Â├čte Zur├╝ckhaltung ├╝ben. Denn gerade Zeitungsredaktionen plagieren t├Ąglich in gro├čem Umfang. Das Schm├╝cken mit „fremden Federn“ geh├Ârt zum Tagesgesch├Ąft. Ein Unrechtsbewusstsein darf als „nicht-vorhanden“ bewertet werden.

Von Hardy Prothmann

Dem Betr├╝ger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist zu recht die Doktorw├╝rde aberkannt worden. Er hat schamlos und vermutlich vors├Ątzlich fremdes geistiges Eigentum anderer Autoren als sein eigenes ausgegeben.

Aktuell steht die FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin in der Kritik. Auch sie soll sich bei anderen „bedient“ haben. Die Plattrom „Vroniblog Wiki“ hat schon auf 32 von 207 Seiten ihrer Doktorarbeit Plagiate entdeckt. Auch Veronica Sa├č, Tochter von Edmund Stoiber, soll gnadenlos abgeschrieben haben. Und man kann davon ausgehen, dass weitere prominente Namen folgen werden.

Die gr├Â├čten und systematischen Plagiatoren sind die Tageszeitungen

Bei der Suche nach „skrupellosen Abkupferern“ wird ├╝bersehen, dass t├Ąglich massenhaft Plagiate „unters Volk“ gebracht werden – durch Tageszeitungen. Denn die allermeisten Redakteure und freien Mitarbeiter haben ├╝berhaupt keine Probleme damit, fremde Texte als ihre eigenen auszugeben.

Ein Beispiel gef├Ąllig? Heute haben die Weinheimer Nachrichten einen sehr umfangreichen Text auf Seite 11 ver├Âffentlicht: „Wer versiegelt, der zahlt k├╝nftig mehr.“ Es handelt sich dabei zu fast 100 Prozent um eine Pressemitteilung der Stadt Weinheim, die kostenfrei zur Verf├╝gung gestellt worden ist. Zwar steht am Anfang des Artikels, dass die Verwaltung etwas „mitgeteilt“ hat und auch am Ende steht: „…hei├čt es abschlie├čend in der Pressemitteilung.“

Tagt├Ągliches Plagiieren: Die Weinheimer Nachrichten ├╝bernehmen mehr oder weniger 1:1 Pressemitteilungen, ohne diese korrekt als solche auszuzeichnen. Klicken Sie auf die Grafik, um den gesamten Text als PDF anzuzeigen.

Reichen diese „Hinweise“ aber aus, um klar zu erkennen, dass er komplette Text eine Pressemitteilung ist? Weder ein Durchschnittsleser noch ein Textprofi kann unmissverst├Ąndlich erkennen, wer der wahre Urheber ist.

Kennzeichnungspflicht? Fehlanzeige!

Urheber ist in diesem Fall der Pressesprecher der Stadt Weinheim, Roland Kern – ein gelernter Journalist, der sehr flei├čig und kompetent ├╝ber die Aktivit├Ąten der Stadtverwaltung und das Geschehen in der Stadt schreibt. Das ist sein Job und den macht er hervorragend.

Das kann man von der Redaktion der Weinheimer Nachrichten nicht behaupten. Nicht nur heute, sondern st├Ąndig druckt das Blatt die Texte aus der Feder von Roland Kern oder anderen Urheber mehr oder weniger 1:1 ab. Das allein ist noch nicht „ehrenr├╝hrig“, wohl aber das Fehlen einer korrekten Quellenangabe.

Der Pressekodex des Deutschen Presserats verlangt unmissverst├Ąndlich, Ziffer 1, Richtlinie 1.3:

Pressemitteilungen m├╝ssen als solche gekennzeichnet werden, wenn sie ohne Bearbeitung durch die Redaktion ver├Âffentlicht werden.

Warum steht nicht einfach am Anfang oder Ende des Textes: „Pressemitteilung der Stadt Weinheim“? Ganz einfach, weil die Redaktion so tut, als handle es sich um einen redaktionellen Text. Denn schlie├člich zahlt der Abonnent nicht f├╝r abgedruckte Pressemitteilungen, sondern f├╝r eigene redaktionelle Inhalte. Die Art und Weise, wie die Weinheimer Nachrichten eine vermeintliche „Kennzeichnung“ vornehmen, darf eindeutig als unzureichend bezeichnet werden.

Blaue Markierungen sind Streichungen, gr├╝ne Einf├╝gungen - mit minimalsten Bearbeitungen "eignen sich Redaktionen" Texte an und ver├Âffentlichen sie als redaktionell-journalistische Leistung.

Korrekt kennzeichnen hei├čt glaubw├╝rdig sein

Auch wir ver├Âffentlichen Pressemeldungen der Stadt Weinheim, die von Roland Kern geschrieben worden sind. Im Unterschied zu den Weinheimer Nachrichten kennzeichnen wir die Texte aber korrekt und unmissverst├Ąndlich und t├Ąuschen den Lesern nicht eine redaktionell-journalistische Leistung vor.

Im Vorspann findet sich bei uns ein K├╝rzel „pm“ – das steht ausweislich unseres Impressums f├╝r „Pressemitteilung“. Weiter stellen wir ├â┼ôbernahmen in voller L├Ąnge eine unmissverst├Ąndliche Zusatzinformatoin voran: Entweder steht „Pressemitteilung von…“ oder „Information von…“ vor einem solchen Artikel.

Manchmal ver├Âffentlichen wir auch Texte unter dem Namen des jeweiligen Autoren. „Von Roland Kern“, steht dann vor dem Text und am Ende des Artikels informieren wir die Leserinnen und Leser dar├╝ber, wer der Autor ist. „Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim“, steht dann da.

Warum wir das tun? Der erste Grund hei├čt Ehrlichkeit. Wir geben nicht etwas als unsere Leistung aus, was nicht unsere Leistung ist. Der zweite Grund: Durch die Nennung der Quelle wird deutlich, welche Interessen hier ver├Âffentlicht werden. Der dritte Grund ist Anerkennung: Wir nennen selbstverst├Ąndlich den geistigen Urheber. Der vierte Grund ist ein gesundes Misstrauen: Wir ├╝bermitteln eine fremde Botschaft in Treu und Glauben – sollte ein Fehler oder gar eine T├Ąuschung vorliegen, ist der Urheber klar benannt.

So wie der MM-Redakteur Hans-J├╝rgen Emmerich „arbeiten“ viele: Eine Pressemitteilung wird ein wenig umgestellt und umformuliert und schwubsdiwups wird daraus ein „Redakteursbericht“. Quelle: MM

„zg“ ist ein Vielschreiber

Die Weinheimer Nachrichten stehen mit dieser Plagiatspraxis nicht alleine da. Besonders dreist sind auch Mitarbeiter des Mannheimer Morgens. Hier werden „umformulierte“ Pressemitteilungen gerne mal als „Redakteursbericht“ ver├Âffentlicht (siehe dazu: „Ist der Mannheimer Morgen ein Sanierungsfall?„)

Einer der flei├čigsten „Mitarbeiter“ des Mannheimer Morgens ist ein Autor, der das K├╝rzel „zg“ benutzt. Das sieht auf den ersten Blick aus wie ein Autorenk├╝rzel, steht aber schlicht und ergreifend f├╝r „zugeschickt“. Das hei├čt, jeder dieser „zg“-Texte ist keine redaktionell-journalistische Leistung, sondern nur eine Text├╝bernahme. Nirgendwo weist die Zeitung darauf hin, welche Art von Urheber sich hinter „zg“ verbirgt. Andere Zeitungen verwenden andere K├╝rzel.

Patchwork-Journalismus – Copy&Paste ist Alltagsgesch├Ąft

Gerne werden auch „Agenturberichte“ zusammengefasst. Das hei├čt, der Journalist bedient sich mehrerer „Quellen“ von Agenturtexten, kopiert die Inhalte irgendwie zu einem Patchwork-Artikel zusammen und schreibt seinen eigenen Namen ├╝ber den Text. Als „ehrlich“ kann schon gelten, wer wenigstens „Mit Material von…“ ans Ende des Artikels schreibt. Welche Teile der Texte aus welchem „Material“ stammen, ob es 10 oder 90 Prozent des Inhalts sind, ist f├╝r den Leser nicht erkennbar. H├Ąufig wird die Nennung des „Materials“ auch gerne mal vergessen.

Und es sind alle Ressorts betroffen: Politik, Wirtschaft, Sport, Lokales, Kultur. Nicht nur Profis k├Ânnen Plagiate relativ leicht erkennen, wenn man auf folgendes achtet: Je weniger Quellen explizit genannt sind, umso h├Âher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Text in Teilen oder komplett plagiiert wurde. So einfach ist das. Denn seri├Âse Journalisten achten sehr sorgf├Ąltig darauf, die Quellen zu benennen.

„Beispiele f├╝r Plagiate in Wissenschaft und Medien gibt es viele“, schreiben die Soziologen der Uni Bielefeld, Sebastian Sattler und Floris van Veen, in ihrem Text „Ver├Âffentliche oder stirb“ f├╝r die Medienfachzeitschrift „Message“:

„Auffallend rar hingegen ist die Forschung zum Textklau im Journalismus. Das verwundert, f├╝hrt man sich den Schaden vor Augen: Leser werden nicht authentisch und transparent informiert, aber trotzdem zur Kasse gebeten.“

Textklau ist kaum erforscht – kein Wunder

Die Forscher wundern sich, dass es kaum Forschung zu dem Thema „Textklau im Journalismus“ gibt. Das aber ist nicht verwunderlich, wenn man wei├č, dass viele Medien-Professuren eng mit Medien-Verb├Ąnden und -Verlagen verbunden sind. Wer also sollte an einem solchen Forschungsvorhaben interessiert sein? Oder anders gefragt: Wer w├╝rde ein niederschmetterndes Ergebnis ver├Âffentlichen? Die, die es selbst betrifft? Wohl kaum.

Die Forscher folgern, dass dies der Glaubw├╝rdigkeit von Journalismus schadet. Umgekehrt gilt: Der Ehrliche ist der dumme. Wer dreist kopiert und abschreibt ist vermeintlich erfolgreicher, als derjenige, der sich nicht mit fremden Federn schm├╝ckt. Und da eine Kr├Ąhe der anderen kein Auge aushakt, wird diese Praxis des institutionalisierten Textklaus schaarenweise und vollst├Ąndig unversch├Ąmt betrieben.

Plagiat = Raub der Seele

So werden tagt├Ąglich in Deutschland Zeitungen und andere Medien von „Journalisten“ gef├╝llt und von Redakteuren verantwortet, die entweder nie einen Funken Berufsehre in sich hatten oder diese im Lauf der Zeit „verloren“ haben. Ganz im Gegenteil handelt es sich um Banditen, um R├Ąuber, wie sich anhand der Definition von „Plagiat“ bei Wikipedia nachlesen l├Ąsst:

Ein Plagiat (von lat. plagium, „Menschenraub“, „Raub der Seele“[1]) ist die Vorlage fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes Werk oder als Teil eines eigenen Werkes. Dies kann sich auf eine wortw├Ârtliche ├â┼ôbernahme, eine Bearbeitung, oder auch die Darstellung von Ideen oder Argumenten beziehen.

Anmerkung:
Zur├╝ck zur „Wissenschaft“: Die Arbeit an diesem Text wurde kurz von 15:00 Uhr begonnen. Zu diesem Zeitpunkt waren 32 m├Âgliche Plagiatsstellen in der Arbeit von Frau Koch-Mehrin martkiert worden. Um 17:30 Uhr fanden sich bereits 37 Stellen. ­čśë

Das Dilemma des Journalismus sind die so genannten Journalisten und vor allem „zg“

Guten Tag!

Heddesheim, 09. Juni 2010. Wir haben vor gut einem Monat schon einmal ├╝ber eine Unsitte des Mannheimer Morgen berichtet und heute m├╝ssen wir das wiederholen. Denn die Zeitung tut oft nur so, als w├╝rde sie journalistisch informieren.

Von Hardy Prothmann

Journalist kann in Deutschland jeder B├╝rger und jede B├╝rgerin sein. Journalist ist n├Ąmlich keine gesch├╝tzte Berufsbezeichnung. Wenn Sie so wollen, k├Ânnte man (Bild)titeln: „Wir sind Journalist“. Wir alle. Jeder einzelne.

Das garantiert Artikel 5 Grundgesetz ├╝ber die Meinungsfreiheit. Danach k├Ânnen alle B├╝rgerInnen ├╝ber alle vorhandenen „Kan├Ąle“ ihre Meinung ├Ąu├čern – eine staatliche Zensur findet nicht statt. Und das ist gut so.

Sicher haben Sie auch schon von „B├╝rgerjournalisten“ geh├Ârt. Vorreiterin und Erfinderin dieser neuen journalistischen Spielart ist die Bildzeitung. Der geht es nicht um B├╝rger und schon gar nicht um Journalismus, sondern vor allem um „exklusive“ Dinge – vornehmlich Fotos, die die Zeitung gerne mit gutem Geld bezahlt, vor allem dann, wenn es um „Exklusives“ geht – B├╝rger und Journalismus sind der erfolgreichsten Zeitung Europas dabei egal. Es geht um Auflage, Werbeeinnahmen, ums Gesch├Ąft.

Bild-Insider wissen, was sich gut verkauft: TTT- Tiere, Titten, Tote.

Ob man dieses „Gesch├Ąftsmodell“ nun gut findet oder nicht – Journalismus ist ein „Business“, ein Gesch├Ąft. Typischerweise finanziert ├╝ber Werbung – wobei die Trennung zwischen Anzeigen und Redaktion als Status quo gilt, was aber fl├Ąchendeckend nur ein Mythos ist.

Wer guten Journalismus machen will, muss personalintensiv arbeiten. Von ├╝berall her gibt es Informationen. Professioneller Journalismus pr├╝ft diese, ordnet sie ein, gibt ihnen ein Gewicht.

Informationen sind sehr vielf├Ąltig und das macht auch den Reiz des Journalismus aus. Was steht fest? Was muss man anzweifeln? Was tiefer recherchieren? Was wie darstellen?

Fragen zu stellen und Antworten zu finden – das ist Journalismus. Ein Job, den jeder B├╝rger erledigen kann – wenn er bereit ist, sich viel Arbeit zu machen.

Aber es geht auch einfacher. Vor allem f├╝r so genannte Journalisten – die lassen n├Ąmlich die Arbeit machen.

Zum Beispiel bei Vereinen. Dort gibt es „Pressewarte“ – die schreiben auf, was im Verein passiert oder was der Verein vorhat. Das ist absolut richtig und legitim. Man informiert die ├ľffentlichkeit und das nat├╝rlich „positiv“.

Das machen Gemeinden, Regierungen und Firmen nicht anders. Alle machen das.

Auch wir ├╝bernehmen redaktionell immer wieder ungepr├╝ft „Informationen“ – wenn diese eindeutig sind.

Es gibt allerdings einen eklatanten Unterschied zwischen unserer redaktionellen Arbeit und der der Tageszeitungen, speziell der des Mannheimer Morgens.

Wir tun nicht so, als ob. Wir k├Ânnen nicht ├╝berall an jedem Ort zu jedem Thema pr├Ąsent sein. Trotzdem k├Ânnen wir zu jedem Thema an jedem Ort berichten – indem wir recherchieren.

Ungepr├╝fte Informationen werden von uns niemals als redaktionelle, also gepr├╝fte, Informationen dargestellt. Der MM bedient sich hier eines „Tricks“. Texte von Vereinen, Institutionen, Beh├Ârden oder Firmen werden mit „zg“ gekennzeichnet.

Der unbedarfte Leser denkt vielleicht, dass das K├╝rzel f├╝r einen Journalisten steht – dem ist aber nicht so. „zg“ hei├čt „zugeschickt“.

Jeder Artikel – und davon hat es heute viele – im MM, der das K├╝rzel „zg“ tr├Ągt, ist eine mehr oder weniger 1:1-├â┼ôbernahme eines nicht journalistisch ├╝berpr├╝ften Textes, der so tut, als sei er ein redaktioneller Text, denn immerhin steht ein „K├╝rzel“ darunter.

Ganz konkret und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, werden damit die LeserInnen „verarscht“.

Sie glauben das nicht? Dann machen Sie sich einen Spa├č draus.

Fragen Sie Ihre Kinder, Nachbarn, Kollegen, wen auch immer, was „zg“ hei├čt.

Wir verfahren anders. „zg“ ist f├╝r uns ein „No-Go“.

Auch wir ver├Âffentlichen ab und an „zugesandte Mitteilungen“ – von der Gemeinde, von Vereinen oder von anderen.

Wir nennen die Quelle und wenn es notwendig ist, recherchieren wir nach und ver├Âffentlichen zus├Ątzliche Informationen.

Der Mannheimer Morgen tut so, als w├╝rde er seine LeserInnen aus eigener redaktioneller Kompetenz informieren – heute ├╝berwiegend mit „zg“.

Ich pers├Ânlich finde es schade und bedenklich, dass eine Zeitung, die journalistisch ernst genommen werden will, nicht in der Lage ist, seine offensichtlichen Quellen zu nennen, sondern sich hinter einem „Pseudo“-K├╝rzel wie „zg“ versteckt.

Das ist armselig, schwach und feige.

Leider gilt diese Einsch├Ątzung f├╝r viele der Journalisten in unserem Berichtsgebiet, f├╝r deren Redaktionsleitungen und f├╝r deren Produkte.

Ein aufrechter Journalismus benennt seine Quellen – au├čer, wenn er diese sch├╝tzen muss, weil die „Quelle“ Nachteile bef├╝rchten muss.

Journalismus ist das Gesch├Ąft mit Informationen. Glaubw├╝rdiger Journalismus lebt von Transparenz.

Es gibt f├╝r kein Medium dieser Welt einen Grund, unproblematische Quellen zu verschweigen.

Au├čer f├╝r Tageszeitungen, die schon seit vielen Jahren ihre Inhalte nicht journalistisch, sondern „zugeschickt“ best├╝cken und so tun als ob es „journalistisch-erarbeitete“ Informationen seien.

Dazu geh├Ârt der Mannheimer Morgen, der einen sehr „flei├čigen Mitarbeiter“ hat, dessen „K├╝rzel“ „zg“ ist.

Wie aus einer Pressemeldung ein „Artikel“ wird und wer hinter dem K├╝rzel „zg“ steckt

Guten Tag!

Heddesheim, 03. April 2010. Aufmerksame Zeitungsleser wundern sich ├╝ber einen sehr flei├čigen Autoren, der anscheinend f├╝r den Mannheimer Morgen, die Weinheimer Nachrichten, die Rhein-Neckar-Zeitung und viele andere Zeitungen arbeitet. Sein K├╝rzel: zg.

Von Hardy Prothmann

pm

Kein Journalist hat f├╝r diesen Artikel nennenswert recherchiert - eine Pressemitteilung wurde ein wenig umgeschrieben und fertig ist ein "redaktioneller Artikel" im Mannheimer Morgen, der so tut als ob. Die durchgestrichenen Passagen fallen weg, die unterstrichenen Stellen sind Einf├╝gungen oder Umstellungen. Klicken Sie, um das gesamte Dokument und die Ver├Ąnderungen zu sehen.

Es gibt in Deutschland einen Vielschreiber, der niemals unter seinem Namen auftritt, sondern nur mit dem K├╝rzel „zg“.

„zg“ ist vielseitiger Schreiber: Vereine, Sport, Politik, Kultur, Wirtschaft, Verb├Ąnde – kein Thema ist vor ihm sicher. Er berichtet einfach zu allem und jedem.

Noch verwunderlicher ist: „zg“ schreibt f├╝r jede Menge Zeitungen – auch f├╝r solche, die miteinander „konkurrieren“, wobei die Konkurrenz meist nur in den Au├čenbezirken an den R├Ąndern der Erscheinungsgebiete stattfindet.

Und „zg“ ist meistens bestens informiert und liefert immer Informationen „aus erster Hand“.

So auch heute wieder im Mannheimer Morgen. Hier berichtet „zg“ ├╝ber den genehmigten Antrag zur gemeinsamen Werkrealschule von Hirschberg und Heddesheim.

Wer genau hinschaut und die Pressemitteilung der Gemeinden zum Thema kennt, stellt fest: So flei├čig ist „zg“ gar nicht. Mit ein paar K├╝rzungen, Umstellungen und marginalen Einf├╝gungen macht „zg“ flugs aus einer Pressemitteilung einen „eigenen“ Artikel.

„zg“ ist das K├╝rzel f├╝r „zugesandte“ Texte.

Das R├Ątsel um den Vielschreiber „zg“ ist schnell gel├Âst. Es gibt ihn nicht. Das K├╝rzel „zg“ steht f├╝r „zugeschickt“ oder „zugesandt“.

Das bedeutet: Alle „Artikel“ (und das sind jede Menge), die das K├╝rzel „zg“ tragen, sind nicht von Journalisten der jeweiligen Redaktion verfasst worden, sondern in den meisten F├Ąllen Pressemitteilungen oder Vereinsnachrichten, die ein wenig „aufgeh├╝bscht“ werden und dann so tun, als seien sie eigenst├Ąndige redaktionelle Leistungen der Zeitung.

K├Ânnte man auch sagen, hier t├Ąusche jemand eine eigene redaktionelle Leistung vor? So weit will ich nicht gehen (in Zeiten, in denen man ganz schnell f├╝r Meinungs├Ąu├čerungen abgemahnt wird, muss man vorsichtig sein). Immerhin werden die „zg“-Texte ja ein bisschen bearbeitet, was aus Sicht von Zeitungen dann doch eine redaktionelle „Leistung“ darstellt. Das ist eben Ansichtssache.

Der Schein der Vielfalt.

Leider, leider, werden aber die Leserinnen und Leser nicht ├╝ber dieses Verfahren aufgekl├Ąrt und k├Ânnen nicht erkennen, ob sie einen eigenst├Ąndig recherchierten Artikel oder eine umgeschriebene Pressemitteilung vor sich haben.

Das wollen die Zeitungen nicht. Sie wollen etwas anderes erreichen: Sie suggerieren eine gro├če Vielfalt von „eigenen“ Autoren, die aber keine eigenen sind. Es sind „als ob“-Autoren.

So auch im Text ├╝ber die Werkrealschule, in den die Redaktion besonders dreist noch eingef├╝gt hat: „…in einer Pressemitteilung“, obwohl der Text selbst zu gesch├Ątzten 90 Prozent aus eben dieser Pressemitteilung besteht. (Klicken Sie auf das Bild, um sich selbst ein Bild zu machen.)

Korrekt w├Ąre, wenn die Zeitungen einfach dr├╝ber oder drunter „Pressemitteilung von xy“ schreiben w├╝rden – dann w├╝ssten die Leser Bescheid, wie sie den Text einzuordnen haben.

Zeitungen tauschen aber auch gerne Artikel untereinander aus. Beispielsweise schreibt im Mannheimer Morgen ├╝ber Hirschberg h├Ąufiger ein Autor, der mit „hr“ zeichnet.

Ausgeschrieben ist das Hans-Peter Riethm├╝ller, Redakteur bei den Weinheimer Nachrichten. Umgekehrt erscheint in den Weinheimer Nachrichten auch mal „ag├“, richtig Anja G├Ârlitz vom Mannheimer Morgen.

Und im Mannheimer Morgen gibt es auch mal die Kombination WN/ag├ – das ist dann eine Text├╝bernahme der Weinheimer Nachrichten mit „redaktioneller Bearbeitung“ durch ag├Â.

Auch durch diese Praxis wird so getan als ob. Korrekt w├Ąre ein Hinweis, dass hier Artikel aus anderen Zeitungen ├╝bernommen wurden. Wie Redaktionen ihre Leserinnen und Leser ├╝ber die Inhaltsstoffe informiert, die im Produkt Zeitung drin sind, entscheiden die Redaktionen selbst.

Umgeschriebene Pressemitteilungen sind g├Ąngige Praxis.

F├╝r Recherche bleibt keine Zeit – schlie├člich muss „zg“ jede Menge „Artikel schreiben“. Diese Praxis, umgeschriebene Pressemitteilungen als eigene Artikel zu verkaufen, ist Gang und G├Ąbe in deutschen Zeitungsredaktionen. Journalisten, die eigentlich bei einer Nachrichtenagentur angestellt sind, werden so schnell auch mal zu „Von unserem Mitarbeiter xy“.

Das heddesheimblog arbeitet anders: Nat├╝rlich ├╝bernehmen wir wie jede Redaktion manchmal Informationen aus Pressemitteilungen und anderen Informationsquellen. Das machen wir in den allermeisten F├Ąllen durch die Nennung der Quelle deutlich. Die Informationen f├╝gen wir neu und eigenst├Ąndig zusammen und erg├Ąnzen sie durch eigene Recherche. Das Ergebnis ist ein echter redaktioneller Artikel und nicht eine Mogelpackung, die so tut als ob.

Dar├╝ber hinaus verlinken wir zu Informationsquellen oder dokumentieren die Originalpressemitteilungen – dadurch erm├Âglichen wir eine gro├če Transparenz f├╝r unsere Leserinnen und Leser.

Zum Vergleich k├Ânnen Sie hier nachlesen, wie wir zum selben Thema berichtet haben.