Samstag, 25. November 2017

Schnelles Internet ist einer der wichtigsten Standortfaktoren f├╝r die Wirtschaft

Standortfaktor: Datenautobahn

Rhein-Neckar, 10. Oktober 2014. (red/ms) Die Datenautobahnen Deutschlands sind┬áeine riesengro├če Baustelle: Vielerorts ausbauf├Ąhig und gerade in l├Ąndlichen Gegenden oft┬áin einem katastrophalen Zustand. Langsame Internetverbindungen┬ádrosseln den Datenverkehr und bremsen die Wirtschaft aus – oft mit schwerwiegenden Folgen. Denn f├╝r viele Betriebe┬áist das Internet inzwischen mindestens genauso wichtig wie gute Stra├čen. Doch die Politik hat das lange Zeit verschlafen: Wegen mangelhafter Anschl├╝sse┬áerleiden derzeit fast zwei Drittel der Unternehmen in Baden-W├╝rttemberg Produktivit├Ątsverluste und Wettbewerbsnachteile. Mehr als 15 Prozent denken deswegen sogar ├╝ber einen Standortwechsel nach. [Weiterlesen…]

Vom Anschein einer B├╝rgerbeteiligung

Das Leidbild beim Leitbild

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Nachdem die „beteiligten B├╝rger“ auf die B├╝hne gingen – sa├č fast niemand mehr im Saal.

 

Heddesheim, 21. September 2013. (red/pro) 45 Leits├Ątze sollen die k├╝nftige Entwicklung des Dorfes mitbestimmen. Erarbeitet von rund 80 Personen. Aber ist das wirklich B├╝rgerbeteiligung? Oder nur der Anschein davon? Immerhin – es gibt nun etwas schriftlich, wenngleich die Leitbild-Brosch├╝re viele Fragen aufwirft. [Weiterlesen…]

Ergebnisse des B├╝rgerbeteiligungsprozesses ver├Âffentlicht

Das neue Leitbild der Gemeinde Heddesheim

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Rund 80 B├╝rger/innen haben bei der Entwicklung der Leits├Ątze mitgewirkt.

 

Heddesheim, 21. September 2013. (red/aw) Heddesheim hat 45 Leits├Ątze f├╝r die Zukunft der Gemeinde ver├Âffentlicht. Sie sind das Ergebnis des B├╝rgerbeteiligungsprozesses, der im November 2012 gestartet worden war. Das Leitbild soll vor allem den Gemeinderat in den kommenden Jahren bei verschiedensten Anl├Ąssen begleiten. Ins B├╝rgerhaus kamen am Montag rund 160 B├╝rger/innen zur Pr├Ąsentation. [Weiterlesen…]

Echtzeitinformationstafeln im gesamten RNV-Gebiet ausgefallen

Defekte Anzeigentafeln: Ursache unklar

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Mannheim/Rhein-Neckar, 18. September 2013. (red/ld) Die Anzeigetafeln an den Bus- und Bahnhaltestellen der Rhein-Neckar-Verkehrs GmbH (RNV) sind kaputt. Eigentlich sollten sie den wartenden Fahrg├Ąsten anzeigen, wie lange sie noch auf ihre Stra├čenbahn warten m├╝ssen. Seit gut einer Woche steht dort aber nur „Bitte Fahrplan beachten“ – oder sie sind ganz ausgeschaltet. Die RNV sucht gemeinsam mit dem Hersteller des Systems nach dem Fehler. Bisher ohne Ergebnis. [Weiterlesen…]

Mindestlohn von 8,50 Euro bei ├Âffentlichen Auftr├Ągen

Tariftreuegesetz in Baden-W├╝rttemberg beschlossen

Rhein-Neckar, 11. April 2013. (red/pm) Am Dienstag hat der Landtag in zweiter Lesung das Tariftreue- und Mindestlohngesetz f├╝r ├Âffentliche Auftr├Ąge (LTMG) beschlossen. ÔÇ×F├╝r Besch├Ąftigte, die Kommunen und letztlich auch das Land haben wir mit der erfolgreichen Umsetzung dieses Vorhabens verl├Ąssliche Bedingungen f├╝r effizientes und faires Wirtschaften geschaffenÔÇť zeigte sich der Parlamentarische Gesch├Ąftsf├╝hrer der Gr├╝nen Uli Sckerl erfreut. [Weiterlesen…]

Zeitgem├Ą├čes Design, "neue Ma├čst├Ąbe" (bisher) Fehlanzeige

L├Ąndle mit neuer Homep├Ądsch

Rhein-Neckar, 04. Februar 2013. (red/zef) Seit dem 01. Februar 2013 hat das Land Baden-W├╝rttemberg eine neue Online-Plattform. Die Homepage soll neue Ma├čst├Ąbe setzen, damit ÔÇ×sich die B├╝rgerinnen und B├╝rger mit Politik auseinandersetzenÔÇť, sagt die Silke Krebs, Ministerin im Staatsministerium. Wir haben uns die Seite angeschaut: „Neue Ma├čst├Ąbe“ gilt im Vergleich mit der alten Seite bestimmt, das Design ist frisch und modern ÔÇô inhaltlich und konzeptionell kann die Seite aber durchaus noch zulegen. Immerhin: In den ersten drei Stunden nach dem Start am 1. Februar haben bereits 2.500 Menschen insgesamt 15.000 Seiten aufgerufen – und das innerhalb von drei Stunden.

Von Ziad-Emanuel Farag

Oben sind die f├╝nf strukturierenden Elemtente zu sehen, darunter der anschauliche Slider mit aktuellen Artikeln. Quelle: www.baden-wuerttemberg.de

 

Sofort sticht der ansprechende Slider ins Auge. Dieser pr├Ąsentiert aktuelle politische Themen anschaulich. Hier kommen nicht nur Artikel, sondern auch andere Medien wie Videos oder Fotostrecken zum Einsatz┬á Aktuelle Beispiele w├Ąren: Ein Zeitstrahl dar├╝ber,was die gr├╝n-rote Landesregierung bisher geleistet hat, die Ganztagsschule oder die Bildungsgerechtigkeit. Man kann den Slider automatisch die Artikel abspielen lassen oder einfach bequem per Pfeil in der Mitte oder der Navigationsleiste unten wechseln.

Besonders brisant wirkt der „transparente Landeshaushalt“. Hier gibt es zwar viel Zahlenwerk: Das Regierungspr├Ąsidium Stuttgart erh├Ąlt 8,4 Millionen Euro f├╝r Bundesautobahnen, w├Ąhrend Kalrsruhe 4,4 Millionen Euro erh├Ąlt . Viele Fragen bleiben hier aber v├Âllig unbeantwortet: Wieviel Geld wird in welche Autobahnen investiert? Da stehen viele Zahlen – ohne weitere Informationen sind sie kaum zu nutzen. Da steht gar nichts! Bei den Hochschulen ist der Landeshaushalt auch sehr pauschal: Einzeln aufgeschl├╝sselt werden die aktuellen Zuwendungen f├╝r Bauma├čnahmen. ├ťber die Verteilung der restlichen 336 Millionen Euro erf├Ąhrt man nichts. Blo├č keine Verteilungskritik riskieren, scheint hier die Devise zu lauten. Der „transparente Landeshaushalt“ verspricht mehr als er h├Ąlt. Die Bedienung ist zudem ├Ąu├čerst umst├Ąndlich.

Die Seite unterteilt sich ingesamt in f├╝nf Rubriken: ÔÇťUnser LandÔÇŁ, ÔÇťRegierungÔÇŁ, ÔÇťBW gestaltenÔÇŁ ÔÇťServiceÔÇŁ und ÔÇťBeteiligungsportalÔÇŁ. Die ersten vier erm├Âglichen eine einfache Orientierung. Legt man den Cursor auf einer dieser Buttons, wird eine umfangreiche, aber ├╝bersichtliche Auflistung der Unterpunkte angezeigt. In der Rubrik „Regierung“ gelangt man schnell zu Vorstellungen der Regierungsmitglieder und ihrer Ministerien. „Unser Land“ bietet einen ├ťberblick ├╝ber alles Erdenkliche zu Baden-W├╝rttemberg. Geschichte, Geografie, Landesverfassung, ein Quiz zur Unterhaltung, Traditionen, hier ist alles dabei.

„BW gestalten“ erkl├Ąrt, wie Baden-W├╝rttemberg k├╝nftig aussehen soll:┬á „Erfolgreiches Baden-W├╝rttemberg“ (Wirtschaftspolitik), „Schlaues Baden-W├╝rttemberg“ (Bildungspolitik), „Nachhaltiges Baden-W├╝rttemberg (Energiepolitik)“, „B├╝rgernahes Baden-W├╝rttemberg (B├╝rgerbeteiligung und Integration)“ und „Gerechtes Baden-W├╝rttemberg (Gleichstellung, Inklusion, Gesundheitspolitik)“. Dies liest sich aber zunehmend fade, irgendwann hat man dann genug von Baden-W├╝rttemberg. Wenigstens fasst die Landesregierung hierbei ihre politischen Ziele unter wenigen, verst├Ąndlichen Schlagworten zusammen. In der Rubrik „Service“ erh├Ąlt der Leser viele Informationen, um Kontakt zu ├ämtern aufzunehmen, sich einen ├ťberblick ├╝ber Publiktationen zu verschaffen oder einfach einen Ansprechpartner zu erhalten.

Die Detailansicht in den einzelnen Rubriken. Quelle: www.baden-wuerttemberg.de

 

Das „Beteiligungsportal“ schlie├člich soll k├╝nftig ÔÇťMehr Demokratie klickenÔÇŁ gew├Ąhrleisten. Dem m├╝ssen jedoch au├čer blo├čen Ank├╝ndigungen Taten folgen. Daf├╝r gibt es bereits auf der Startseite einen Textkasten, in dem man schnell eine Frage an die Landesregierung eintippen kann. Wir haben diese Funktion mit einer Frage am Freitag selbst getestet. Bis heute, den 04. Februar 2013, 17:00 Uhr haben wir noch keine Antwort erhalten.┬á Am, Dienstag, den 05. Februar, wurde sie um 14:43 beantwortet.

Wir erinnern uns: Baden-W├╝rttemberg soll gerecht werden. „Menschen mit Behinderung geh├Âren in die Mitte der Gesellschaft. Deshalb bauen wir Barrieren und Benachteiligungen ab.“ Nirgendwo geht das schneller und einfacher als online. Eine Seite, die m├Âglichst alle mit Behinderungen leicht nutzen k├Ânnen, ist unverhandelbar: Nirgendwo gibt es so wenige Barrieren wie am eigenenen Rechner. Hier scheitert die neue Homepage aber: Einige Artikel k├Ânnen zwar vorgelesen werden. Dies geschieht jedoch so blechern, dass man dem nicht folgen kann. Wenn doch, w├╝rde man es nicht wollen. Mit den verbreiteten Leseger├Ąten f├╝r Blinden f├Ąllt es diesen also deutlich einfacher, sich zu informieren. Der Button daf├╝r ist viel zu klein. Sehbehinderte d├╝rften ihn nicht ausmachen k├Ânnen. Hier w├Ąre es ratsam, die entsprechende Funktion in der Zeile der ├ťberschrift zu platzieren anstatt neben der Unter├╝berschrift.

Die Vorlesefunktion ist in dieser Zeile nur schwer zu sehen. Quelle: www.baden-wuerttemberg.de

 

Der neue Ma├čstab muss also noch ordentlich Ma├č nehmen, um tats├Ąchlich ├╝berzeugen zu k├Ânnen. Immerhin, ein Anfang ist gemacht und man darf gespannt sein, was noch folgt.

Wie aus dem Heddesheimblog ein Netzwerk geworden ist

Mit einer Recherche hat alles angefangen…

Das war das "erste" Heddesheimblog - als Unterseite von blogger.de

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 07. Mai 2012. (red) Vor drei Jahren ist das Heddesheimblog.de gestartet. Zun├Ąchst als privates Blog, auf dem der Journalist Hardy Prothmann als B├╝rger seine Gedanken und Recherchen wegen einer umstrittenen Logistik-Ansiedlung ver├Âffentlicht hat. Das Heddesheimblog hat sich in der Branche schnell einen Namen gemacht – als Zukunftsmodell f├╝r einen modernen Lokaljournalismus. Mittlerweile ist daraus ein Blog-Netzwerk geworden – nicht nur in Nordbaden.

Von Hardy Prothmann

Im Fr├╝hjahr 2009 war aus Sicht des Mannheimer Morgens die Welt mehr als in Ordnung. Das Viernheimer Logistik-Unternehmen „Pfenning“ plante eine angebliche 100-Millionen-Euro-Investition in dem beschaulichen Dorf. Bis zu 1.000 Arbeitspl├Ątze, Gewerbesteuer in H├╝lle und F├╝lle, ein gl├╝cklicher B├╝rgermeister – die (bis dato nicht gef├Ąhrdete) Zukunft des Dorfes ist gerettet. So die Botschaft der Zeitung.

Schlechter Zeitungsjournalismus als Anlass

Mir ist selten eine so unkritische Hofberichterstattung untergekommen. Kritische Fragen? Recherchen? Nichts davon war bei dieser Jubelberichterstattung zu erkennen, geschweige denn zu erahnen.

Auch die ARD ist bereits auf das Heddesheimblog aufmerksam geworden. (Klick auf das Bild f├╝hrt zum Artikel)

Weil ich als B├╝rger in Heddesheim selbst vom starken Verkehrsaufkommen betroffen war, fing ich an, ein wenig zu recherchieren. Als erstes im Archiv des Mannheimer Morgens – so wie eigentlich ein Redakteur der Zeitung eine Recherche beginnen sollte. Und ich wurde f├╝ndig: Rund drei Dutzend Artikel gab das Online-Archiv her. Alle negativ ├╝ber dieses „Familienunternehmen Pfenning“, das ohne jeden Bezug zu den kritischen Berichten als „Heilsbringer“ f├╝r Heddesheim gefeiert wurde.

Wohin mit meinen Recherchen? Dem Mannheimer Morgen als „Thema“ anbieten? Sicher nicht. Ich habe meine Texte zun├Ąchst bei blogger.de (siehe Foto oben) eingestellt. Der erste Text erschien am 28. Aprl 2009: „Alles gut oder alles schlecht mit Pfenning in Heddesheim?“ Und ist nach wie vor sehr lesenswert.

Gro├čes Interesse – wachsende Zugriffszahlen

Die Zugriffszahlen gingen binnen weniger Tagen so schnell nach oben, dass die Seite oft nicht erreichbar war. Ich mietete deswegen eigenen Speicherplatz und ver├Âffentlichte auch andere lokale Nachrichten.

Auch das fand Interesse und Anklag und nach wenigen Wochen reifte die Idee, ob es nicht m├Âglich w├Ąre, eine eigene Lokalzeitung im Internet zu gr├╝nden. Ich hatte schon von ├Ąhnlichen Projekten geh├Ârt, aber das waren oft nur „Versuche“.

Ich versuchte mit. Die erste Erfahrung war: „Mein“ Journalismus war in der nordbadischen Provinz eine Zumutung. Es enstanden schnell zwei Lager: Die einen jubelten, die anderen kotzten. Auch, weil ich kurz nach dem Start vom Heddesheimblog in den Heddesheimer Gemeinderat gew├Ąhlt worden war – diese Funktion habe ich nach einem Umzug nach Mannheim aufgeben m├╝ssen.

Auch wir sind Gegenstand von Berichterstattung - gut 300 Berichte wurden ├╝ber das Konzept und die Macher vom Heddesheimblog bereits verfasst.

Kritische Nachfragen? Meinungsstarke Kommentare? Investigative Recherchen? Das war man im Verbreitungsgebiet der Monopolzeitung Mannheimer Morgen nicht gewohnt. Die Zugriffszahlen stiegen rasant und auch bundesweit wurde das Heddesheimblog in der Journalistenbranche ein Begriff. „Was macht der Prothmann da?“, wurde gefragt. Ist das ein Ego-Projekt eines bei├čw├╝tigen Journalisten oder vielleicht ein Zukunftsprojekt f├╝r einen neuen Lokaljournalismus?

Zahlreiche Branchenberichte

Ende 2009 w├Ąhlte mich eine Jury in der Kategorie „Regionales“ auf Platz 3 unter die 100 Journalisten des Jahres 2009. Seit dem Start des Heddesheimblogs wurde ich als Redner, Seminarleiter oder Podiumsteilnehmer engagiert. Bei der Initiative Tageszeitung, dem Deutschen Journalistenverband, dem Bayerichen Journalistenverband, auf Kongresse, an Hochschulen, zu Unternehmer-Workshops.

Mittlerweile gibt es Dutzende von journalisten Studien- und Masterarbeiten, die das Heddesheimblog und andere lokale Internetmedien zum Thema gemacht haben und rund 300 Presse-Ver├Âffentlichungen mit Bezug auf diese Form von Lokaljournalismus. Spiegel Online, FAZ, S├╝ddeutsche, taz, Welt, ARD, NDR, Tagesspiegel, Berliner Zeitung – die Liste der „bekannten“ Medien, die ├╝ber den Journalismus in der Provinz geschrieben haben, ist lang. Auch bei den Nachdenkseiten oder fefes Blog ist das Heddesheimblog Thema.

Oder das Prinzip. Das Heddesheimblog ist l├Ąngst ├╝ber den Ort hinausgegangen. Ende 2009 kam das Hirschbergblog.de dazu, Anfang 2010 das Ladenburgblog.de, Ende 2010 das Weinheimblog.de, Anfang 2011 das Rheinneckarblog.de, das Viernheimblog.de und seit Anfang 2012 sechs weitere Gemeinden des Wahlkreises Weinheim.

Netzwerk weitet sich aus: istlokal

Mit dem Unternehmer Peter Posztos habe ich im Herbst 2011 die Firma Istlokal Medienservie UG gegr├╝ndet, weil wir unsere Erfahrungen auch anderne zur Verf├╝gung stellen wollen. Peter Posztos macht die Tegernseer Stimme, ebenfalls eine lokale Zeitung im Internet. Seit Anfang 2012 vermarkten wir unser Produkt Istlokal OS und haben schnell neue Partner gefunden – beispielsweise in Bretten, Schweinfurt oder Weiterstadt.

Dar├╝ber hinaus gibt es ein Netzwerk von weiteren lokal arbeitenden Journalisten, wie Stefan Aigner in Regensburg oder Hubert Denk in Passau. Auch Philipp Schw├Ârbel in Berlin hat mit seinen Prenzlauer Berg Nachrichten schon viel Aufmerksamkeit erlangt.

Immer mehr Lokaljournalisten gr├╝nden Blogs und nutzen beispielsweise wie wir die Istlokal OS-Software.

 

Uns alle vereint, dass wir guten, seri├Âsen und vor allem kritischen Journalismus anbieten wollen. Einen Journalismus, der sich traut, Fragen zu stellen und nicht nur vorgefertigte Informationen zu erhalten. Keine Wohlf├╝hl-Schwurbelei, sondern eine f├╝r die Demokratie herausragende Aufgabe zu erf├╝llen. Meinungen durch Informationen zu erm├Âglichen. Der Artikel 5 unseres Grundgesetzes ist die Gesch├Ąftsgrundlage.

Um diese Arbeit zu finanzieren, setzen wir auf Werbeeinnahmen – wie eh und je bei den Medien. Wir erzeugen Aufmerksamkeit und verkaufen diese. Das ist ein seri├Âses Gesch├Ąft.

Kleines, engagiertes Team

Zur Zeit arbeitet ein festes Team von sieben Mitarbeitern f├╝r die „Rheinneckarblogs“ – dazu weitere freie Journalisten, Kolumnisten und freundschaftlich verbundene Kollegen. Im Vergleich zur Personalausstattung der anderen Medien im Berichtsgebiet sind wir sehr klein aufgestellt – im Vergleich mit anderen setzen wir aber immer wieder Themen, die Thema sind.

Im Herbst 2011 beispielsweise mit der Fischfutter-Aff├Ąre. Der gr├╝ne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian-Str├Âbele hatte uns f├╝r einen Bericht abgemahnt. S├Ąmtliche Berliner Zeitungen berichteten ├╝ber den Skandal, viele weitere Zeitungen und auch der NDR. Insgesamt wurde unser Bericht innerhalb weniger Tage gut 140.000 Mal aufgerufen, anfangs st├╝rzte gar der Server wegen der massiven Zugriffe ab.

Zuletzt mahnte uns der Gr├╝nen-Bundespolitiker Hans-Christian Str├Âbele ab - und zog die juristische Attacke wieder zur├╝ck. Quelle: Die Welt

 

Die lokalen Zeitungen Mannheimer Morgen, Weinheimer Nachrichten und Rhein-Neckar-Zeitung hielten sich „zur├╝ck“, denn aus deren Sicht gibt es uns nicht. Die Fischfutter-Aff├Ąre mitten im Berichtsgebiet? Kein Thema f├╝r die „unabh├Ąngigen“ Printjournalisten.

Aus unserer Sicht gibt es die Zeitungen – und vor allem viel schlechten Journalismus. Was wir immer wieder thematisieren, wenn deren gesch├Ânte und klientelabh├Ąngige „Berichterstattung“ skandal├Âs wird. So werden umgeschriebene Pressemitteilungen als eigene Berichte ausgegeben oder noch schlimmer – Themen h├Ąufig gar nicht berichtet, wenn sie den Zeitungen nicht „passen“. Und das betrifft beim besten Willen nicht nur uns. Was nicht berichtet wird, ist auch nicht passiert.

Juristische Attacken

F├╝r mich pers├Ânlich hat diese Arbeit auch viele Nachteile gebracht. Seit nunmehr 21 Jahren arbeite ich als Journalist, 18 Jahre ohne jegliche juristische Streitigkeiten. In den vergangenen drei Jahren habe ich 11 Abmahnungen erhalten. Einmal habe ich eine Einstweilige Verf├╝gung wegen widriger Umst├Ąnde „akzeptiert“, einen Vergleich geschlossen, 9 Mal konnte ich die Abmahnung abwehren. Unterm Strich haben diese Prozesse gut 20.000 Euro gekostet, weil man nicht wollte, das publik wird, was ├Âffentlich sein sollte. Und diese Prozesse kosten auch viele Nerven.

Sehr erfreulich ist der Kontakt zu den Leserinnen und Lesern. Viele unserer Artikel entstehen, weil wir Hinweise bekommen. Beobachtungen, Gedanken, Erfahrungen von Menschen, die sich Anteil haben und nehmen an unserer Gesellschaft und nicht gleichg├╝ltig sind. Diesen m├Âchte ich stellvertretend f├╝r das Team danken.

Ebenfalls erfreulich ist die Zusammenarbeit mit vielen Beh├Ârden, die die Meinungsfreiheit hoch achten. Explizit m├Âchte ich die sehr gute Zusammenarbeit mit der Polizei loben und in weiten Teilen auch mit den Feuerwehren. In unserem Berichtsgebiet sind zwei Namen erw├Ąhnenswert, B├╝rgermeister Manuel Just in Hirschberg und B├╝rgermeister Rainer Ziegler in Ladenburg, die sich kommunikativ sehr hervortun. Auch B├╝rgermeister Lorenz in Dossenheim m├Âchte ich gerne als neuen Kontakt erw├Ąhnen, der uns beim Antrittsbesuch sehr freundlich empfangen hat. In den anderen Orten beginnen wir die Arbeit erst und die Kontakte stehen noch bevor.

Den Heddesheimer B├╝rgermeister Micheal Kessler muss ich leider nach wie vor als ausgewiesenen Feind der Pressefreiheit besonders hervorheben. Sein Amtsverst├Ąndnis kommt in diesem Bericht sehr eindeutig zur Sprache: „Ich bin die Gemeinde.“

Unabh├Ąngige Berichterstattung

Wie unabh├Ąngig wir tats├Ąchlich arbeiten, erkennt jeder, der unsere Berichterstattung verfolgt. Wir kritisieren „Gr├╝ne“ ebenso wie „Schwarze“, scheuen uns nicht vor „Rot“ oder „Geld“ oder „Orange“.┬á Aber auch hier bieten wir Meinungen an: Ganz verallgemeinernd stellen wir fest, dass die CDU, die SPD und die FDP in der Region unserer Berichterstattung nicht wohlgesonnen sind.

Explizit die Ladenburger und Weinheimer CDU m├Âchten wir lobend ausnehmen – nicht weil diese mit unser Berichterstattung „zufrieden“ sind, sondern weil sie gespr├Ąchsbereit sind. In Hirschberg explizit die Freien W├Ąhler und in Weinheim explizit Herrn Carsten Labudda (Die Linke) und Weinheim Plus. Die genannten Personen und Parteien suchen den Ausstausch und die Kritik – was gut ist. Explizit muss auch der Gr├╝ne Landtagsabgeordnete Uli Sckerl erw├Ąhnt werden – trotz kontr├Ąrer Meinungen haben er und seine Mannschaft sich immer korrekt auf unsere journalistischen Anfragen hin verhalten.

Mit Recherchen zum Logistik-Zentrum "Pfenning" hat das Heddesheimblog angefangen - unsere Berichte konnten den Bau des Klotzes nicht verhindern, aber zur Aufkl├Ąrung beitragen. "Das hab ich nicht gewusst", kann keiner mehr sagen.

 

Unentschieden ist noch das Verh├Ąltnis zum Landratsamt. Nachdem wir dem stellvertretenden Landrat (Jurist) erst unter Verweis auf ein Bundesverfassungsgerichtsurteil klar machen konnten, dass wir „Presse“ sind, gibt es mittlerweile mit Stefan Dallinger (CDU) einen neuen, sehr kommunikativen (und fraktions├╝bergreifend gelobten) Landrat, der sich aber unser Ansicht nach noch ein wenig scheut, aktiv ├╝ber unsere Blogs mehr in Kontakt mit der Bev├Âlkerung zu treten. Wir werden herausfinden, wie es wirklich ist.

Der Kontakt zum Mannheimer Oberb├╝rgermeister Dr. Peter Kurz basiert auf einer gemeinsamen Vergangenheit – als freier Mitarbeiter f├╝r den Mannheimer Morgen habe ich den damaligen Stadtrat als sehr engagierte Pers├Ânlichkeit kennengelernt und ihn vor seiner Wahl zum OB portr├Ątiert. Zuletzt hat sich dessen Engagement bei der Gegendemo zum NPD-Aufmarsch best├Ątigt (Hierzu unsere Reportage auf dem Rheinneckarblog: „Warten auf den rechten P├Âbel„). Zu seinem Kollegen W├╝rzner in Heidelberg besteht noch kein pers├Ânlicher Kontakt, aber das wird sich ├Ąndern.

Vernetzter Journalismus vor Ort

Die miteinander vernetztenden Ortsblogs haben ein Konzept: Wir ver├Âffentlichen Nachrichten, die f├╝r die Menschen vor Ort wichtig sind. Und wir zeigen auf, wie die Gemeinden miteinander vernetzt sind – auf vielf├Ąltige Weise. Ob zu Verkehrs- oder Umweltschutzthemen, gemeinsamen Verb├Ąnden und Vertr├Ągen – unsere Gemeinden im Berichtsgebiet sind vielf├Ąltig verbunden, ebenso die Leserinnen und Leser.

Vielleicht vermisst man die ein oder andere Nachricht – da bitten wir um Nachsicht. Unsere Redaktion arbeitet sehr engagiert und wir m├╝ssen manchmal den Mut zur L├╝cke haben, weil wir (noch) nicht jeden Termin besetzen k├Ânnen.

Sicher ist es auch Zeit, sich auf wesentliche Dinge zu konzentrieren. ├ťberbordende Berichte in den Zeitungen ├╝ber Vereinsfeste haben Bed├╝rfnisse geweckt, die fraglich sind. Was ist die Nachricht? „F├╝rs leibliche Wohl wurde gesorgt?“ Meinetwegen: Der Satz erz├Ąhlt die gesamte Geschichte. Es gab zu Essen und zu Trinken. Und wenn das nicht reicht, ruft man auch h├Âhrere Instanzen dazu: „Der Wettergott war den G├Ąsten gn├Ądig, der k├╝hle Gerstensaft flo├č in Str├Âmen und die Luft war erf├╝llt vom Duft leckerer Bratw├╝rste“.

Gegen die Bratwurst-Berichterstattung

Das ist fettigster Bratwurst-„Journalismus“ und hat mit Journalismus nichts zu tun. Ganz klar ist es wichtig und richtig ├╝ber Feste zu berichten. Wir machen das auch – bei Vereinsfesten oft nur mit kurzen Texten (Ein Fest hat stattgefunden), daf├╝r aber mit vielen Fotos. Die erz├Ąhlen die Geschichte besser als zusammengeschwurbelte Nonsens-„Berichte“.

Sie, liebe Leserinnen und Leser, k├Ânnen aktiv daran teilhaben, das „Produkt“ Journalismus zu bewerten. Bringen Sie sich ein – schreiben Sie uns und anderen, was gef├Ąllt und was nicht. Journalismus muss man nicht hinnehmen, man kann seit dem Internet daran teilhaben. Sie k├Ânnen Kommentare schreiben und viel einfacher als fr├╝her die Redaktion direkt erreichen, sich mit Hinweisen, Vorschl├Ągen und Kritik einbringen. Jedenfalls bei uns.

Wir freuen uns ├╝ber die Beliebtheit unserer Montagskolumnen, der ausgew├Ąhlten Tipps & Termine und der regen Teilnahme ├╝ber Kommentare auf den Blogs oder bei unseren Facebook-Seiten.

Herzlichen Dank an die Leser und Kunden

Nach drei Jahren Heddesheimblog & Co, m├Âchte ich Ihnen sehr herzlich genau daf├╝r danken. F├╝r Unterst├╝tzung und Kritik – beides gab es zuhauf.

Hardy Prothmann ist seit 21 Jahren als Journalist t├Ątig und seit drei Jahren als "Blogger".

F├╝r die Zukunft w├╝nsche ich mir noch mehr kritische Anteilnahme, weil wir alle gemeinsam mit unserem Interesse f├╝r etwas einstehen, was ein absolutes Privileg ist: Freiheit, vor allem Meinungsfreiheit. Ohne diese ist Demokratie nicht m├Âglich. Da ich viel im Ausland gelebt habe und auch von dort berichtet, wei├č ich unser freiheitliche Grundordnung uneres Heimatlandes sehr zu sch├Ątzen.

Deswegen freue ich mich mit Ihnen und dem Team, wenn Sie uns weiter gewogen bleiben, uns mit Interesse und Informationen unterst├╝tzen. Den anderen „Heddesheimblogs“, egal, ob am Tegernsee, im Prenzlauer Berg, in Regensburg, in Weiterstadt oder Bretten oder Schweinfurt oder in vielen anderen Orten w├╝nschen wir viel Erfolg, immer den richtigen journalistischen Riecher und einen erfolgreichen Aufbau ihrer Angebote.

In diesem Sinne m├Âchte ich mich bei allen Mitwirkenden bedanken, selbstverst├Ąndlich sehr besonders bei meiner Frau und der Familie, f├╝r das Engagement, das Verst├Ąndnis, das Interesse und die aktive Teilnahme.

Im ersten Interview zum „Heddesheimblog“ hat mich der Kollege Thomas Mrazek gefragt, warum ich das mache, was meine Motivation ist?

Meine Antwort: Ich habe den Spa├č meines Lebens.

Das gilt bis heute.

Herzlichst Ihr

Hardy Prothmann

„Niedriges Bildungsniveau“ bei Schlecker-Kunden? Unternehmensbrief sorgt f├╝r ├ärger und Unverst├Ąndnis


Der neue Slogan "For you. Vor Ort." soll "niedrigere und mittlere Bildungsniveaus" ansprechen. Dazu z├Ąhlt Schlecker 95 Prozent seiner Kunden, so Unternehmensprecher Florian Baum in einer ersten Reaktion auf Kritik am denglischen (deutsch-englischen) Werbespruch. Foto: soso

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 29. Oktober 2011. Ein bislang nicht bekannter Briefschreiber beschwert sich bei Schlecker ├╝ber den neuen Werbe-Slogan „For you. Vor Ort“. Der Unternehmenssprecher Florian Baum antwortet auf diesen Brief und sorgt mit seiner Antwort f├╝r das, was man gut und gerne einen Kommunikationsgau nennen kann. Danach haben die meisten Schlecker-Kunden ein „niedriges bis mittleres Bildungsniveau“. Das Unternehmen versucht sich nun in Schadensbegrenzung.

Von Hardy Prothmann

Bekannt wurde der Brief durch die Fachzeitschrift „Deutsche Sprachwelt“, die das Schreiben zugespielt bekommen und ver├Âffentlicht hatte. Daraufhin entwickelte sich im Internet ein „Shitstorm“ – eine w├╝tende Kettenreaktion mit Kritik am Unternehmen. (Hier Reaktionen auf Twitter.)

Wie man die Antwort von Schlecker-Sprecher Florian Baum zu werten hat, bleibt jedem selbst ├╝berlassen. Sehr viele Kundinnen und Kunden haben sich aber mehr als ge├Ąrgert.

In einer Antwort auf eine Kritik am neuen Werbe-Slogan „For you. Vor Ort“ schreibt Baum, dass er pers├Ânlich die Kritik verstehen kann. Immerhin ist er „Geisteswissenschaftler“ und f├╝hlt sich dem „Sprachgebrauch der Latinitas verpflichtet“ – sprich, pers├Ânlich w├╝rde er so einen Slogan nicht verwenden.

Aus Unternehmenssicht aber schon. Und daf├╝r liefert er eine Begr├╝ndung, die wenig schmeichelhaft f├╝r die Kundinnen und Kunden ist:

„Das Motto sollte die durchschnittlichen Schlecker-Kunden, die niederen bis mittleren Bildungsniveaus zuzuordnen sind, ansprechen.“

Und weiter:

„Die Zielgruppe unseres Werbeslogans sind auch nicht die vielleicht 5 Prozent der Bev├Âlkerung, zu denen Sie und Ihre Mitunterzeichner geh├Âren (n├Ąmlich promovierte Akademiker, Philologen und andere reflektierte Sprachverwender) – sondern die ├╝brigen 95 Prozent.“

Wie soll man das verstehen? Dass die „├╝brigen 95 Prozent“ nicht reflektiert mit der Sprache umgehen? Oder das Schlecker die 5 Prozent gar nicht im Blick hat und auch nicht als Kunden gewinnen will, weil denen der „denglische“ Werbeslogan zu bl├Âd ist?

Die Financial Times Deutschland schrieb: „Schlecker h├Ąlt die eigenen Kunden f├╝r bl├Âd.“ Ein Schluss, den wohl viele aus dem arroganten Schreiben des Unternehmenssprechers Baum ├Ąhnlich gezogen haben d├╝rften. Das Handelsblatt formuliert: „Schlecker nennt Kunden ungebildet.“

Das dachten viele nach dem Brief von Schlecker, der f├╝r viel Emp├Ârung gesorgt hat.

Anstatt sich klar zu entschuldigen und Druck aus der Debatte herauszunehmen, legt Schlecker auf seinem Unternehmens-Blog nach kritischen Presseberichten und Protesten aus der Bev├Âlkerung nach:

„Und ja, wir stehen zu diesem Motto, wie wir auch zu einer unserer wichtigsten Zielgruppen stehen: Menschen mit einfachem bis mittlerem Bildungsniveau.“

Vollkommen unverst├Ąndlich, wie ich meine. Denn Schlecker verkn├╝pft das „Bildungsniveau“-Thema ohne Not mit den eigenen Kundinnen und Kunden. Und l├Ąsst auf den ersten Fehler den zweiten folgen. Und selbst ein richtiger Ansatz, um aus dem Desaster rauszukommen, wird wieder mit der Verkn├╝pfung „Bildungsniveau-Dummheit“ verwendet:

„Wer will, mag unser Unternehmensmotto diskutieren, gut finden oder f├╝r d├╝mmlich halten. Unsere Mitarbeiter, die zum ├╝berwiegenden Teil schon seit 15 und mehr Jahren im Unternehmen arbeiten, wie auch unsere Kunden sind es ganz sicher nicht.“

Die andauerende Verkn├╝pfung von Bildungsniveau und Dummheit in bezug auf die eigenen Kundinnen und Kunden ist das Problem dieser Kommunikationspanne, durch die viele unterstellen, Schlecker habe keine besonders gute Meinung von der eigenen Klientel.

Eine positive Formulierung dieser Art h├Ątte Schlecker und der Klientel sicher mehr gedient:

„Wie achten und sch├Ątzen unsere Kundinnen und Kunden als gute Menschen. Wer bei uns einkauft, ist schlau – denn wir bieten gute Ware zu g├╝nstigen Preisen. For you. Vor Ort.“

Das ist aber der „Unternehmenskommunikation“ und dem „Geisteswissenschaftler“ Florian Baum nicht eingefallen. Was man auch indirekt als Beweis anf├╝hren k├Ânnte, dass eine akademische Bildung und eine Zugeh├Ârigkeit zur „Latinitas“ nicht unbedingt vor Dummheit sch├╝tzt.

Diese Aussage sorgte f├╝r jede Menge Ver├Ąrgerung.

Vielleicht sollte sich Schlecker zuallererst einen neuen Unternehmenssprecher suchen, der die Kundenansprache besser beherrscht.

Wer den Brief nachlesen m├Âchte, findet ihn beim Facebook-Account von „Deutsche Sprachwelt.“

Weitere Infos:

Siehe auch einen Bericht des Mediendienstes „meedia“ zum Thema.

Werben und Verkaufen

Scilogs: For you – verbohrt

Stelllungnahme von Schlecker

DIW: Kaufkraft sinkt – Wer wenig hatte, hat noch weniger


Kaufkraft sinkt bei kleinen Einkommen dramatisch.

Rhein-Neckar, 19. Juli 2011. (red) Die Entwicklung ist dramatisch – vor allem f├╝r Besch├Ąftige mit niedrigen Einkommen. In den vergangenen zehn Jahren haben sich „kleine“ Einkommen um bis zu 22 Prozent reduziert. Die Besserverdiener haben kaum verloren oder sogar leicht hinzugewonnen.

Von Hardy Prothmann

Die Zahlen des Deutschen Instituts f├╝r Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin sind ersch├╝tternd. Einkommenbezieher der „unteren Mittelschicht“ sind besonders betroffen, also beispielsweise Sicherheitsleute, Fris├Âre, Verk├Ąufer, Lagerarbeiter, Servicekr├Ąfte, Leiharbeiter.

Personen, die 2010 noch ein Nettoeinkommen von 835 Euro hatten, kommen jetzt gerade mal auf 705 Euro. Absolute Geringverdiener, die 2000 noch 270 Euro hatten, kommen 2010 auf nur noch 211 Euro netto.

Erst ab einem Nettoeinkommen von 1.421 Euro sinken die Verluste auf -9 bis -4 Euro. Gut verdienende Angestellte ab 3.400 Euro netto haben hingegen als einzige ein leichtes Plus von 27 Euro zu verzeichnen.

Die Statistik umfasst einen Mittelwert von 35,3 Millionen Besch├Ąftigen in Deutschland. Das DIW hat die Daten mittels Umfrage ermittelt den Reallohn errechnet, also Nettoeinkommen abz├╝glich Inflation.

Unterm Strich sind die Kaufkraft insgesamt deutlich – nur die Besserverdienenden kommen vergleichsweise gut weg. Die Zahlen wurden heute vom DIW in Berlin durch den Forscher Markus Grabka vorgestellt.

Laut Spiegel online ist vor allem die „Mittelschicht“ betroffen:

„Laut Grabka ist die untere Mittelschicht von der negativen Entwicklung am st├Ąrksten betroffen. „Das liegt vor allem an der wachsenden Zahl atypischer Besch├Ąftigungsverh├Ąltnisse.“ Dazu z├Ąhlen neben Leiharbeit auch befristete und geringf├╝gige Stellen sowie Teilzeitjobs, in denen die Arbeitszeit unter 20 Stunden pro Woche liegt. Die Zahl dieser Stellen stieg 2010 in Deutschland auf 7,84 Millionen. Von den 322.000 Jobs, die 2010 geschaffen wurden, waren laut Statistischem Bundesamt 182.000 Leiharbeiter-Stellen – also 57 Prozent. Die Zahl der Leiharbeiter stieg auf insgesamt 742.000 und erreichte damit einen neuen H├Âchstwert.“

Regionale Daten waren wegen der Umfragemethode durch das DIW auf Anfrage nicht zu erhalten.

Anmerkung der Redaktion:
Wir suchen f├╝r einen Hintergrundartikel immer noch Aufstocker, die trotz voller Stelle auf Hartz IV angewiesen sind. Wir behandeln alle Informationen vertraulich.

Geprothmannt: Sie wollen Klartext reden? Kein Problem! Wie Thilo Sarrazin das Dumme in manchen Deutschen reaktioniert


Mannheim/Rhein-Neckar, 04. Juli 2011. (red) Die Wirtschaftsjunioren in der Metropolregion wollten unbedingt an Thilo Sarrazin als Redner festhalten. Angeblich, weil es Ihnen um einen „offenen Meinungsaustausch“ geht. Diesen Meinungsaustausch k├Ânnen die verantwortlichen Personen haben – mit einem „Klartext“. Einem offenen Brief an Thomas Steckenborn, Vorstand der Cema AG, an die Wirtschaftsjunioren in der Region Rhein-Neckar und an die Industrie- und Handelskammern.

Von Hardy Prothmann

Sehr geehrter Herr Steckenborn,
sehr geehrte Wirtschaftsjunioren,
sehr geehrte Mitglieder der Industrie- und Handelskammern,

ich schreibe Ihnen diesen offenen Brief, weil ich davon ├╝berzeugt bin, dass Sie einen gro├čen Fehler gemacht haben, der das Ansehen Ihrer Personen, das Ansehen Ihrer Unternehmen und das Ansehen Deutschlands enorm besch├Ądigt hat.

Analytisch betrachtet, haben Sie sich blenden lassen. Sie vermuten, dass der Autor des Buchs „Deutschland schafft sich ab“, Thilo Sarrazin, einen „latenten Diskussionsbedarf aufgegriffen und thematisiert hat“. Zumindest schreiben Sie das in Ihrer Pressemitteilung.

Sie vermuten das, weil sich das Buch des Herrn Sarrazin bislang 1,3 Millionen Mal verkauft hat. Sie schreiben: „Wenn wir Herrn Dr. Sarrazin und seine Gedanken ignorieren w├╝rden, dann w├╝rden wir einem, wie die Verkaufszahlen seines Buches zeigen, gro├čen gesellschaftlichen Thema nicht gerecht“, erkl├Ąrt Michael Sittek, Mitglied im Gesch├Ąftsf├╝hrenden Ausschuss der Wirtschaftsjunioren Mannheim-Ludwigshafen dazu.“

Denkfehler f├╝hren zu falschen Schl├╝ssen

Sie erliegen leider einem eklatanten, mehrfachen Denkfehler, weil Sie, wie viele „Wirtschaftsmenschen“ zu eindimensional denken.

Ihr Denkfehler ist einer der Ausbildung. Ethik geh├Ârt nicht zu den Standardf├Ąchern der BWL, VWL oder Ingenieurswissenschaften. Und Sie bewegen sich nur zum Teil auf einem Produktmarkt (Buch) – der gr├Â├čere Teil ist der Meinungsmarkt (Inhalt).

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Wie viele Kinder haben wohl diese Unternehmerdeutschen gezeugt? 1,3 im Durschnitt?

Sie fragen, „wie es um unsere Diskussionskultur und Demokratie steht, wenn Zensur gew├╝nscht ist“? Auch hier verstehen Sie etwas falsch. Artikel 5 Grundgesetz sagt: „Eine Zensur findet nicht statt.“ Damit ist staatliche Zensur gemeint und Herr Sarrazin ist von keiner Beh├Ârde zensiert worden. Ganz im Gegenteil haben sich von der linken taz bis hin zur konservativen FAZ alle wesentlichen Medien mit seinen Thesen besch├Ąftigt. Das Ergebnis ist eindeutig vernichtend.

Das Grundgesetz garantiert, dass Menschen ihre Meinung frei ├Ąu├čern k├Ânnen. Auch hier ist Ihre Auffassungsgabe beschr├Ąnkt. Sie machen daraus die Selbstverpflichtung, rassistische Meinungen zu bef├Ârdern. Angeblich, um sich einer gesellschaftlich notwendigen Debatte zu stellen. Dabei haben Sie ausnahmsweise gar nicht mal so unrecht: Viele Deutsche haben latent rassistische Einstellungen.

Sie k├Ânnen so viel ├╝ber falsche Zusammenh├Ąnge und falsche Tatsachenbehauptungen diskutieren wie Sie wollen – die Falschheiten werden dadurch nicht richtiger.

Sie rufen zu Kritik und Diskussion auf. Haben Sie die Begriffe in ihrer Bedeutung verstanden. Obwohl Sie angeblich dazu eingeladen, fand dies nicht statt. Herr Sarrazin konnte lang und breit seine kruden Thesen und langweiligen Alltagsanekdoten ausbreiten, ohne sich einer Kritik und Diskussion stellen zu m├╝ssen. Daf├╝r h├Ątte es eines Podiums bedurft. Einen jungen Mann, der sich kritisch ├Ąu├čerte, haben Sie durch Ordner aus dem Saal entfernen lassen.

Faszinierender Erfolg?

Sie sind fasziniert vom „Erfolg“ des Buches. Erfolg ist in Ihren Augen Masse, ist Absatz, ist Umsatz.

Doch wie verh├Ąlt sich das im „Buchmarkt“? Gelten hier die gleichen Gesetze wie f├╝r Katzenfutter?

Warum sollte auch nur einer der rund 400 G├Ąste im Rosengarten den Vortrag besuchen, in dem Herr Sarrazin die „Kernthesen“ des Buches vorstellte, wenn man das Buch schon gelesen hat? W├Ąre das nicht Zeitverschwendung? Oder erhofft man sich neue „Erkenntnisse“, weil man das Buch irgendwie nicht verstanden hat?

Oder wurde das Buch am Ende nur von wenigen und nicht von vielen gelesen? Herr Sarrazin beschwert sich, dass kaum einer seiner Kritiker das Buch gelesen habe. Wie kommt er auf die Idee, dass die K├Ąufer dies getan haben?

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Pseudowissenschaftlicher Erfolgsautor: Thilo Sarrazin.

Das Fetisch-Prinzip

Vielleicht erweitert diese Information Ihren Horizont. Sie wissen sicher nicht, dass die B├╝cher der Literaturnobelpreistr├Ąger mit zu den gut bis sehr gut verkauften, aber am wenigsten gelesenen geh├Âren. Man kauft sich diese B├╝cher, um sie wie einen Fetisch ins Regal zu stellen: „Seht her, was ich f├╝r Literatur lese.“ Oder man verschenkt sie an Leute, die auch Regale haben. Dieses Schicksal teilen diese Autoren mit den Menschen, die an der Bibel mitgeschrieben haben.

Ganz anders Heinz G. Konsalik. Der Autor (Der Arzt von Leningrad) ist einer der kommerziell erfolgreichsten deutschen Schriftsteller mit einer Gesamtauflage von 80 Millionen B├╝chern. Niemand ist je auf die Idee gekommen, ihm daf├╝r den Nobel-Preis zu verleihen oder ihn in literarische Diskussionsrunden einzuladen. Der Gattungsbegriff f├╝r seine B├╝cher ist der Roman. Die Untergattung Trivialliteratur.

Auch er hat vor allem in den Nachkriegsjahren ein „gro├čes gesellschaftliches Thema getroffen“: Die Sinnlosigkeit des Krieges.

Joanne K. Rowling hat von ihren „Zauber-B├╝chern“ (Harry Potter) insgesamt mehr als 400 Millionen Exemplare verkauft. Auch sie trifft ein „gro├čes gesellschaftliches Thema“ – in eine Welt der Fantasie und Zauberer, in den Kampf von Gut gegen B├Âse abtauchen zu wollen, aus der realen, anstrengenden Welt in eine der Fantasie. Man kann dem Alltag entfliehen.

Es ist ein Jugendbuch, das von vielen Erwachsene gelesen worden ist – das kann man aus der Auflage schlie├čen. Sie wissen schon: Statistik. Wie viele Kinder gibt es im Alter zwischen 10 und 14 Jahren? Bei weitem nicht so viele, um diese Auflagen zu erreichen.

Sie als Wirtschaftsjunioren haben mit solchen B├╝chern vermutlich nicht viel zu tun. Sie stehen auf „Sachb├╝cher“. Sie haben mit Auftr├Ągen, mit Kostenrechnung, mit Gesetzeslagen, mit Normen mit all der B├╝rokratie zu tun, die Ihnen das Leben schwer macht. Auch dazu gibt es viele B├╝cher.

Und jetzt dieses „Sachbuch“ von Herrn Sarrazin, der sich ebenfalls als Zauberlehring bet├Ątigt: Er mixt Psycholgie, Neurobiologie, Gentechnik, Sozialwissenschaften, Politikwissenschaften zu einem Gifttrank. Er will niemanden aus dem Alltag entf├╝hren, sondern er will vergiften.

Neue Dolchsto├člegende

Auch Herr Sarrazin bedient Sehns├╝chte. Auch bei ihm geht es um den Kampf zwischen „Gut und B├Âse“. Zwischen den Intelligenten und den Dummen, zwischen denen, die aussterben und denen, die sich ungez├╝gelt vermehren und die Intelligenten bedrohen.

Der Erfolg seines Buches zeigt, dass er ein Bed├╝rfnis befriedigt, das viele Deutsche in sich tragen. Das Ressentiment gegen├╝ber anderen. Eine tief sitzende, latente Fremdenfeindlichkeit. Die Lust an der Diffamierung. Die Neid-Neurose.

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Kann ein Herr Steckenborn seine Probleme, Fachkr├Ąfte zu finden, mit den Sarrazinschen Thesen l├Âsen?

Im Kern schafft er eine neue Dolchsto├člegende. Wenn es den Deutschen „schlecht geht“, muss irgendjemand anderes daran schuld sein.

In Ihrer Pressemitteilung schreiben Sie, Herr Steckenborn, die Veranstaltung sei „korrekt und mutig“. Merken Sie etwas?

So f├╝hlen Sie sich. Mutig und korrekt. Und wenn Sie „mutig und korrekt“ sind, was sind dann die anderen?

Sie strampeln, sie m├╝hen sich ab und es geht nicht voran.

Mit all den Instanzen von der Kapitalbeschaffung ├╝ber die politischen Kontakte, die Wissenschaft, diese verkorksten Gesetzte, diese Arbeitsvorschriften, Normen, Kontrollen – es ist zum Wahnsinnig werden.

Und dann lesen Sie ├╝ber einen, der sagt, was angeblich falsch ist und wer angeblich schuld hat. Und egal, was der sagt, der hat recht, denn es l├Ąuft so viel falsch.

Weil die Deutschen nicht daran schuld sein k├Ânnen, muss es eben jemand anderes sein.

Mit dieser Rhetorik hat jeder Populist schon immer genau das Dumme in den Deutschen getroffen.

Kinder oder Leistung?

Und Ihnen geht das Messer im Sack auf, wenn sie daran denken, wie viele Leute es gibt, die „Kinder produzieren“ und daf├╝r „Unterst├╝tzung“ erhalten, w├Ąhrend die Leute mangels Zeit oder wegen zu viel Stress oder Karriere nicht in der Lage sind, Kinder zu machen, geschweige denn, sich um sie zu k├╝mmern.

Und zwar so, wie man sich das vorstellt, mit gl├╝cklicher Miracoli-Familie:“Hm, ist das lecker“, Lachen, Freude, Beisammensein, Erf├╝llung. Das alles in schmeichelwei├čes Licht getaucht, die Frau liebevoll, der Mann trainiert, die (1,3) Kinder liebreizend gl├╝cklich, gerne darf es auch etwas Rasen geben, ein Teich, mindestens einen Audi, gerne auch einen X5, wobei der Trend bei Unternehmer-Prolls eindeutig zu AMG-Mercedes-Modellen geht. Ein Golden Retriever passt immer gut ins Bild.

Wenn der Unsinn grassiert, wird es Zeit, „Tacheles“ zu reden. Zur├╝ck zu den „Fakten“. Und die sind hart. Die bildungsfernen T├╝rken und die Araber produzieren zu viele „Kopftuchm├Ądchen“. Zocken alle die ab, die „Gas geben“, die Deutschland voranbringen wollen.

Deutsches Unternehmertum

Kein Wort ├╝ber Unternehmer, die ins Ausland abhauen, weil sie die B├╝rokratie in Deutschland nicht mehr ertragen. Kein Wort ├╝ber deutsche, „geachtete“ Unternehmen, die sich l├Ąngst aus jeder sozialen Verantwortung verabschiedet haben und billiger im Ausland produzieren lassen – zu teils menschenunw├╝rdigen Bedingungen f├╝r die dortigen Arbeiter. Ohne jeden Skrupel. Kein Wort ├╝ber beispielsweise den „Saubermann“-Konzern Siemens, der mit arabischen und anderen Gesch├Ąftemachern ein ausdifferenziertes „Schmiergeldsystem“ perfektioniert hat.

Daf├╝r aber viele Statistiken, die „eindeutige Fakten“ versprechen – von einem Mann, der sich anma├čt, multiple Wissenschaften zu verstehen. Und jeder, der ihm beipflichtet, ist mindestens ebenso „schlau“ und h├Ątte eigentlich auch 1,3 Millionen Mal f├╝r seine Ansichten verkauft werden k├Ânnen. (Sie erinnern sich – das Nobel-Preistr├Ąger-Buch-im-Regal-Prinzip.)

Ist die griechische Staatspleite auch auf muslimische, integrationsunf├Ąhige Einwanderer zur├╝ckzuf├╝hren? Gilt das auch f├╝r Spanien, Portugal, Irland? Oder die USA?

Leimg├Ąnger

Herr Steckenborn, Sie sind, wie viele andere auch, ein Leimg├Ąnger? Ihr t├Ąglicher Frust braucht ein Ventil. Das ist verst├Ąndlich. Aber es ist fatal, wenn sich die Leistungselite, oder die, die sich daf├╝r h├Ąlt, nicht den St├Ąrkeren, sondern den „Abschaum“ als Vergleichsbasis sucht. Wie „mutig und korrekt“ ist das?

Ist Ihnen das eigentlich klar? Ist Ihnen klar, dass Sie sich, wenn Sie Sarrazin folgen, nicht mehr an eigener Leistung, sondern an der Abgrenzung zur „Nicht-Leistung“ orientieren? Ist Ihr Selbstbewusstsein schon derart verformt?

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Diskussionswilliger "St├Ârer" wird entfernt.

„Die Veranstaltung „Klartext der Wirtschaftjunioren der Metropolregion“ will gerade in solch umstrittenen Zusammenh├Ąngen als Diskussionsplattform und nicht als Forum der Stimmungsmache oder der Agitation verstanden werden“, lassen Sie in der „Pressemitteilung“ schreiben.

Als erfahrener Journalist lese ich das Gegenteil heraus. Ihren Frust. Ihre Verzweiflung. Ganz klar wollen Sie Stimmung machen. Und das kann ich sogar verstehen. Es geht Ihnen schlecht – Sie m├╝ssen „Umsatzziele“ korrigieren, weil Sie keine „Fachleute“ finden.

Glauben Sie ihm Ernst, dass Ihre unternehmerische Notlage durch die kruden Thesen eines Thilo Sarrazin erkl├Ąrt werden k├Ânnte? Oder Sie durch die Auseinandersetzung mit dessen Thesen einen Schritt vorankommen?

Die ostasiatische Endl├Âsung

Wenn Sie logisch denken, ist Ihr Gebrauch der Begriffe „Toleranz und Respekt“ reichlich absurd. Herr Sarrazin toleriert keine Muslime und er hat keinen Respekt vor ihnen. Und er unterstellt ihnen, dass sie weder genetisch noch kulturell in der Lage sind, sich in unsere deutsche Gesellschaft zu integrieren.

Indem Sie sich damit gemein machen, teilen Sie diese Haltung und m├╝ssen verstehen, dass Sie unter den Muslimen keine der so dringend ben├Âtigten Fachkr├Ąfte bekommen werden. Denn das ist die Aussage von Herrn Sarrazin.

Hardy Prothmann: "Ein Fehler ist vor allem dann fatal, wenn er wiederholt wird."

Nur Ostasiaten k├Ânnten Ihre Probleme l├Âsen. Die sind, laut Sarrazin, klug und flei├čig. Leider so klug, dass sie nach und nach die Macht ├╝bernehmen werden. Sagt Herr Sarrazin am Beispiel USA. Das nur als Hinweis, wie viel „deutsche Gesellschaft“ es dann noch in einigen Jahrzehnten geben wird.

Wenn die Wirtschaftsjunioren all das glauben, sollten sie den ersten „L├Âsungsvorschlag“ von Herr Sarrazin sofort befolgen und mit einer intelligenten deutschen Frau zur Zeugung schreiten. Die Zeit dr├Ąngt. Denn, wer heute ein Kind zeugt, kann erst in 25 Jahren f├╝r rund 15 Jahre die „H├Âchstleistung ernten“. Denn Herr Sarrazin hat eindeutig erkl├Ąrt, dass es danach mit den „Intelligenz“-Leistungen bergab geht. Denn laut Sarrazin verdummt Deutschland auch mit den Alten.

Man sollte nicht schwul werden, was Herr Sarrazin ja auch als Gefahr angebracht hat, sondern es lieber auf die „arabische“ Art tun, also mit m├Âglichst vielen Frauen viele Kinder machen.

Vielleicht habe ich mit meinem offenen Brief einen kleinen Erfolg. Ganz sicher kann ich nicht erwarten, dass Sie oder andere eingestehen, einen Fehler gemacht zu haben.

Aber vielleicht tr├Ągt dieser Brief dazu bei, dass Sie diesen Fehler nicht wiederholen. Das w├Ąre, so meine ganz pers├Ânliche Meinung, ein bescheidener Gewinn.

Dokumentation:
Die Pressemitteilung der Wirtschaftsjunioren als PDF.

Edeka plant Umbau und Neustrukturierung in Heddesheim

Heddesheim, 27. April 2011 (red) Die Edeka S├╝dwest plant einen Umbau und eine Neustrukturierung des Standorts Heddesheim nach der Schlie├čung des Fleischwerks. Das Unternehmen will der Bev├Âlkerung die Pl├Ąne kommende Woche Mittwoch vorstellen.

Pressemitteilung der Edeka S├╝dwest:

„Edeka S├╝dwest ist seit vielen Jahren im Gewerbegebiet Heddesheim ans├Ąssig. Von hier aus werden t├Ąglich fast 600 Edeka-M├Ąrkte im Umkreis beliefert, ein
Betrieb der Edeka S├╝dwest Fleisch produziert au├čerdem frische Fleisch- und Wurstwaren. Auch nach dem bevorstehenden Wegzug des Produktionsbetriebs setzen wir weiter auf den Standort inmitten der Metropolregion Rhein-Neckar und planen dessen Umbau und Neustrukturierung.

Im gro├čen Saal des B├╝rgerhauses findet am Mittwoch, 04. Mai 2011, von 18:00 Uhr bis 19:30 Uhr, ein Informationsabend statt, bei dem wir die ├ľffentlichkeit ├╝ber unser Vorhaben informieren werden.“

Ãœber die Inhalte der Planung wird zuvor die Presse informiert, Details wurden noch nicht mitgeteilt.

Der Handelsriese Edeka (Hamburg) ist Marktf├╝hrer im Bereich Gro├č- und Einzelhandel in Deutschland vor Aldi und Lidl. Der Gruppen-Umsatz lag 2009 bei rund 42 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern aber nur bei mageren 1,4 Milliarden Euro, also rund 3 Prozent.

Durch die ├â┼ôbernahmen der Discounter wie Treff, Plus, Spar, Tengelmann und anderer M├Ąrkte ist die Edeka-Gruppe in den vergangenen Jahren zum Marktf├╝hrer aufgestiegen. Edeka h├Ąlt eine Vielzahl von Markennamen, beispielsweise die B├Ąckerei K&U oder den Getr├Ąnkehandel A. Kempf.

Edeka ist in sieben Regionalgesellschaften gegliedert. Edeka S├╝dwest beliefert Baden-W├╝rttemberg, das Saarland, Rheinland-Pfalz, Teile von Unterfranken und S├╝dhessen. Der Stammsitz ist in Offenburg. Bis 2001 war die Hauptverwaltung in Heddesheim ans├Ąssig.

Zu Edeka S├╝dwest geh├Âren 1.450 Verkaufsm├Ąrkte. Zum Jahresende 2009 waren 23.668 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Konzern angestellt, das waren 773 weniger als im Jahr zuvor.

In Heddesheim betreibt die Edeka ein Frische- und Getr├Ąnkelager sowie ein Fleischwerk, das zum Sommer 2011 aber den Betrieb einstellt. Die Fleischproduktion wird nach Rheinstetten (bei Karlsruhe) verlagert. Dadurch fallen in Heddesheim rund 270 Arbeitspl├Ątze weg.

Der Umsatz von Edeka S├╝dwest lag 2009 bei 5,02 Milliarden Euro. Insgesamt zahlte der Konzern Edeka S├╝dwest etwa 17 Millionen Euro Steuern. Der Jahres├╝berschuss lag nach Steuern bei 6 Millionen Euro. Das entspricht einer Umsatzrendite von 0,12 Prozent.

Hintergrund „Fleischwerk“:

Da das Fleischwerk einen hohen Wasserverbrauch hat und dieser ebenfalls wegf├Ąllt, steigen die Wasserpreise in Heddesheim.

Das Fleischwerk sollte urspr├╝nglich auf dem „Pfenning“-Gel├Ąnde neu gebaut werden, bis Edeka sich Anfang 2008 „├╝berraschend“ entschlossen hatte, diesen Standort nicht zu w├Ąhlen. Edeka ist auch ein Kunde von „Pfenning“. Der Gro├č- und Einzelhandel ist zwar das Hauptgesch├Ąft, wegen der Lagerung der Waren und der vielf├Ąltigen Transporte in die Verkaufsbetriebe ist Edeka aber auch ein sehr gro├čes Logistikunternehmen.

Der Mannheimer Morgen berichtete am 26. Januar 2008: „Der Abzug der Mitarbeiter ├Ąndere auch nichts an Heddesheims hohem Stellenwert f├╝r Edeka: „Heddesheim bleibt unser Logistikzentrum.“ Sprecher Duschan Gert verwies auf die Investition von 22 Millionen Euro f├╝r das neue Frischkost-Lager.“

Gegen das neue Fleischwerk in Rheinstetten gab es erheblichen Widerstand aus der Bev├Âlkerung. Vor allem die B├╝rgerinitiative „IG Rheinstetten“ und „Die Siedler von Ka“ hat gegen das Projekt mobil gemacht. Der BUND wollte klagen, sah sich aber „ausgetrickst“ durch beh├Ârdliche Vorg├Ąnge und die Rechtssprechung des Verwaltungsberichtshof in Mannheim.

Die Gegner beklagten vor allem eine mangelnde B├╝rgerbeteiligung und b├╝rokratische Entscheidungen „von oben“ herab. Vor Ort berichten die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN), die vergleichbar mit dem Mannheimer Morgen ein Berichterstattungsmonopol haben. Von Seiten der BNN gab es so gut wie keine kritischen Berichte zur Fleischwerk-Ansiedlung.

Die BNN waren 2005 selbst in die Schlagzeilen geraten. Nach einem kritischen Bericht ├╝ber Arbeitsbedingungen bei Lidl wurde einer Redakteurin gek├╝ndigt. Die Lidl-Gesch├Ąftsleitung soll Druck auf die Chefredaktion ausge├╝bt haben. Angeblich ging es Anzeigenums├Ątze von 1,4 Millionen Euro.

Der fr├╝here Landwirtschaftsminister Peter Hauk gilt als Initiator der Fleischwerk-Ansiedlung in Rheinstetten. Der „schwarze Peter“ unterlag Stefan Mappus im Machtkampf um den Ministerpr├Ąsidentenposten und ist CDU-Fraktionschef im Stuttgarter Landtag.

Der Heddesheimer Hauptamtsleiter Julien Christof (CDU) unterh├Ąlt beste Beziehungen zu Hauk und hat dessen Landtagswahlkampf 2011 (Neckar-Odenwald-Kreis) aktiv mitgestaltet. Peter Hauk (50) sitzt seit 1992 im Landtag und gilt als der neue starke Mann der gerupften CDU und hat gegen den von der k├╝nftigen Gr├╝n-Roten Landesregierung angek├╝ndigten Volksentscheid in Sachen Stuttgart21 bereits eine Klage angek├╝ndigt.

Dokumentation: Winfried Kretschmann in Weinheim – Teil 5: Kinderbetreuung und solide Finanzen


Winfried Kretschmann (rechts) und Uli Sckerl arbeiten gut zusammen. Bild: weinheimblog.de

Weinheim/Rhein-Neckar, 23. M├Ąrz 2011. Winfried Kretschmann, Gr├╝nen-Spitzenkandidat in Baden-W├╝rttemberg, will neue und bessere Formen der Kinderbetreuung im Land. Solide Finanzen sind auch daf├╝r wichtig – ohne Einschnitte wird es nicht gehen.

Wir dokumentieren die Rede von Winfried Kretschmann in f├╝nf Teilen.

Anschlie├čend an die Aussagen zur Bildung sagte Winfried Kretschmann, dass die Gr├╝nen die Kinderbetreuung und Gleichstellung von Frauen voranbringen wollen: „Wir machen aus dem Kindergarten einen Bildungsgarten“, sagte Kretschmann, „den Kindern lassen wir selbstverst├Ąndlich ihre Kindheit.“

Die Sparanstrengungen m├╝ssten dringend jetzt begonnen werden, was zu Einschnitten f├╝hre, „man kann keinen Haushalt sanieren, ohne das das jemand merkt.“

Au├čerdem will er die Einnahmenseite verbessern, beispielsweise durch zus├Ątzliche Steuerpr├╝fer: „Das kann bis 400 Millionen Euro mehr bringen.“

Abermals kritisiert er die CDU-Politik: „Hier werden Monopolisten ├╝ber die Atompolitik riesige Gewinne zugeschanzt, statt neue Energien zu f├Ârdern.“ Das sei ├Âkonomisch und ├Âkologisch eine Katastrophe: „Das ist ein v├Âllig falscher Kurs.“

Winfried Kretschmann gibt sich zuversichtlich, dass die CDU-gef├╝hrte Landesregierung nach 58 Jahren erstmals abgel├Âst werden kann.

Alle Videos finden Sie in unserem youtube-Portal.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das weinheimblog

In eigener Sache: rheinneckarblog istlokal.de


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 25. Januar 2011. Ende 2010 haben die Journalisten Stefan Aigner und Hardy Prothmann sowie der Diplom-Medienp├Ądagoge Thomas Pfeiffer das Netzwerk istlokal.de gestartet. Das Netzwerk unterst├╝tzt journalistische Angebote im Internet, die lokal oder regional informieren.

Von Hardy Prothmann

Die lokale Berichterstattung bietet die exklusivsten Nachrichten der Welt. Was vor Ort passiert, betrifft die Menschen, die dort leben. Egal ob in M├╝nchen, Berlin, K├Âln, Stuttgart, auf dem platten Land oder in einem Ballungsraum. Oder in New York, Los Angeles, Paris, London, Mailand, Barcelona.

In den vergangenen zwei Jahren sind in vielen Orten Deutschlands lokale „Blogs“ oder digitale Internet-Zeitungen entstanden und auch 2011 werden viele neue Angebote dazukommen. Mal sind es politisch engangierte B├╝rger, mal Journalisten, die das „nebenbei“ machen. Aber immer mehr Angebote werden mit dem Anspruch der Herausgeber betrieben, von dieser Arbeit auch leben zu k├Ânnen.

Kritischer Zustand des Journalismus.

Jeder, der ein kommerzielles Angbot betreibt, steht dabei vor denselben Problemen: Der lokale und regionale Werbemarkt im Internet ist noch nicht befriedigend entwickelt, noch nicht einmal ausreichend.

Das Portal von istlokal.de bietet vernetzten Journalismus.

Aus gutem Grund. Die Presselandschaft in Deutschland ist ├╝berwiegend monopolisiert. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es fast nur noch „Einzeitungskreise“ – sprich, es gibt keinen journalistischen Wettbewerb mehr vor Ort. Die Monopolzeitungen bestimmen, ├╝ber wen was wann wie berichtet wird.

Wozu das f├╝hrt, zeigt das Beispiel Stuttgart21 deutlich. Die Stuttgarter Zeitung hat kaum kritisch berichtet – aus gutem Grund. Wie der stern mit dem Hintergrundbericht „Fahrt auf schw├Ąbischem Filz“ offenlegte, geh├Ârt die Zeitung zur S├╝dwestdeutschen Medienholding (SWMH), die vor einiger Zeit die S├╝ddeutsche Zeitung gekauft hat.

„Fahrt auf schw├Ąbischem Filz.“

Ein schwerer finanzieller Brocken, der das Unternehmen in Schwierigkeiten brachte. Ãœber die Landesbank Baden-Württemberg nahm man ein Schuldscheindarlehen über 300 Millionen Euro auf, so der Bericht.

Darin hei├čt es: „Die LBBW war hierf├╝r ein idealer Partner. Vorsitzender ihrer Tr├Ągerversammlung ist Ministerpr├Ąsident Mappus. In ihrem Verwaltungsrat hat die Politik das Sagen. Vorsitzender ist der CDU-Landtagsabgeordnete Peter Schneider, Pr├Ąsident des baden-w├╝rttembergischen Sparkassenverbands. Mitglieder des Verwaltungsrats sind unter anderem der Stuttgarter OB Wolfgang Schuster, die CDU-Landesminister Wolfgang Reinhart (Berlin/Europa) und Willi St├Ąchele (Finanzen), die Unternehmer Heinz D├╝rr und Dieter Hundt und Claus Schmiedel, Chef der SPD-Fraktion im Landtag. Der hielt Stuttgart 21 bis vor kurzem f├╝r „menschenfreundlich, umweltfreundlich und relativ schnell realisierbar.“

Solche Verbindungen lassen vermuten, dass eine objektive Berichterstattung nicht mehr gegeben ist.

Der stern berichtet ├╝ber die Verfilzung von Medien, Politik und Wirtschaft.

Zur├╝ck zum Werbemarkt – der wird von Zeitungen dominiert. Und jede Anzeige, die von Print nach Online abwandert, ist ein Verlust, der die Zeitungen trifft. Die haben folglich ├╝berhaupt kein Interesse, den Online-Werbemarkt zu entwickeln. Denn Online-Anzeigen sind g├╝nstiger, sprich, bringen den Zeitungen weniger Einnahmen.

Dramatische Entwicklung.

Und wer sich online informiert, auch durch Werbung, braucht keine Zeitung mehr – die teils dramatisch zur├╝ckgehenden Auflagen- und Abozahlen zeigen deutlich, unter welchem wirtschaftlichem Druck Zeitungen stehen.

Mit dramatischen Folgen f├╝r die B├╝rgerinnen und B├╝rger: Die Berichterstattung wird zunehmend flacher, da die Zeitungsverlage in den vergangenen Jahren hunderte Journalisten entlassen haben. Es gibt Regionen in Deutschland, ├╝ber die ├╝berhaupt keine Berichterstattung mehr stattfindet. Die ungepr├╝fte ├â┼ôbernahmen von „PR-Artikel“ ist an der Tagesordnung.

Wer aufmerksam die Zeitung liest, stellt fest, dass der ├╝berwiegende Teil der Artikel nicht mehr redaktionell vor Ort erarbeitet wird, sondern au├čerhalb der Zeitung. Ob als Agenturmeldung oder PR-Text.

Und es gibt jede Menge Lokalredakteure, die eine Pressemitteilung ein wenig umschreiben und dann unter ihrem Namen als eigenen Artikel ver├Âffentlichen. Das ist Betrug am Leser. Und der findet t├Ąglich ├╝berall statt.

Journalismus ist wichtig f├╝r die Demokratie.

Und es schadet der Glaubw├╝rdigkeit des Journalismus, der eigentlich die „4. Macht“ im Staate sein soll. Durch kritisches Pr├╝fen von Informationen, durch Recherche von Hintergr├╝nden und Verbindungen, durch eine objektive Berichterstattung. Diese Aufgabe ist enorm wichtig, um eine Demokratie stabil zu halten.

Engagierte B├╝rger und freie Journalisten gr├╝nden deshalb ihre eigenen Medien – aus Frust ├╝ber die unzul├Ąngliche „Lobby“-Berichterstattung der Zeitungen, die oft mehr verschweigen, denn berichten. Aus der ├â┼ôberzeugung heraus, dass dort immer weniger echter Journalismus stattfindet.

Die Alternative hei├čen Blog oder Internet-Zeitung – die Namensgebung spielt keine Rolle, sondern der Inhalt. Hier finden Dokumentation und kritische Berichte statt.

Vielf├Ąltige Herausforderungen.

„B├╝rgerjournalisten“ stehen dabei vor der Herausforderung, wie sie diese journalistische T├Ątigkeit wahrnehmen. Journalismus ist ein Handwerk, das man lernen kann und muss. Ohne Kenntnisse in Sachen Recherche, Schreiben und auch Medienrecht werden wichtige Informationen nicht gefunden oder es drohen Abmahnungen von denen, die sich durch die Berichte „gest├Ârt“ f├╝hlen – sei es die Kirche, seien es Unternehmen oder Politiker oder ├âÔÇ×mter.

Hardy Prothmann ist verantwortlicher Redakteur f├╝r die Angebote des rheinneckarblogs. Bild: sap

Professionelle Journalisten brauchen Einnahmen, von denen sie leben k├Ânnen und mit denen sie ihre Arbeit finanzieren. Also Werbeeinnahmen. Manche gr├╝nden auch F├Ârdervereine, die die Arbeit ├╝ber Mitgliedsbeitr├Ąge und Spenden finanzieren.

Das Netzwerk istlokal.de will eine Genossenschaft gr├╝nden, in der unabh├Ąngige Internet-Medien, die lokal und/oder regional berichten, sich organisieren. Um journalistische Aus- und Fortbildung anzubieten. Um sich bei technischen L├Âsungen zu unterst├╝tzen, um sich rechtlich wehren zu k├Ânnen und nat├╝rlich, um den lokal-regionalen Onlinewerbemarkt voranzubringen.

Wir stehen dabei in Konkurrenz zu den Tageszeitungen. Journalistisch und auch gesch├Ąftlich.

Vernetzter Journalismus.

Wo es schon teils herausragende lokale Angebote gibt, k├Ânnen Sie auf unserer Seite istlokal.de nachschauen. Wenn Sie selbst ein Angebot planen, k├Ânnen Sie sich gerne an uns wenden. Wenn Sie schon ein Angebot in Betrieb haben, schlie├čen Sie sich uns an. Die notwendigen Informationen finden Sie auf unserer Website.

istlokal.de wird seine Mitglieder, egal ob hauptberufliche Journalisten oder B├╝rgerjournalisten, unterst├╝tzen. Zum einen zur F├Ârderung der Presse- und Meinungsfreiheit, zum anderen als „Unternehmer“-Verband f├╝r professionelle Journalisten. Und wir sind ├╝berzeugt davon, dass wir auch die Wirtschaft, die Vereine, die Forschung und andere Bereiche der Gesellschaft mit einem verantwortungsvollen Journalismus unterst├╝tzen.

F├╝r das erste Halbjahr 2011 ist eine Informationsveranstaltung geplant. Wir werden Sie ├╝ber unsere Fortschritte zeitnah informieren.

Hintergrund:

Hardy Prothmann ist verantwortlich f├╝r das rheinneckarblog und betreibt zudem die lokalen Angebote heddesheimblog.de, hirschbergblog.de, ladenburgblog.de und weinheimblog.de. F├╝r seine Arbeit wurde er 2009 und die „100 Journalisten des Jahres“ durch eine unabh├Ąngige Jury der Fachzeitschrift „MediumMagazin“ auf Platz 3 in der Kategorie „Regionales“ gew├Ąhlt.

Er arbeitet seit 1991 als freier Journalist. W├Ąhrend des Studiums von 1991-1994 f├╝r den Mannheimer Morgen, ab 1995 ├╝berregional f├╝r fast alle gro├čen Medien sowie die ARD. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von netzwerk recherche und Mitglied des Frankfurter Presseclubs. Im Mai 2009 startete er das heddesheimblog.de.

Stefan Aigner ist freier Journalist in Regensburg. Er betreibt die Seite regensburg-digital.de und ist bundesweit durch seine kritische Berichterstattung bekannt geworden, die ihm schon drei Prozesse eingebracht hat. Aktuell hat ihn die Di├Âzese Regensburg verklagt, weil er die Zahlung von Geldern an die Eltern eines Missbrauchsopfers in Anlehnung an einen Spiegelbericht als „Schweigegeld“ benannt hat. Die katholische Kirche hat auf Unterlassung geklagt. Weil Stefan Aigner 10.000 Euro Spendengelder einwerben konnte, hat er sich auf den Prozess einlassen k├Ânnen. Das Hamburger Landgericht will das Urteil Ende Februar 2011 verk├╝nden.

Thomas Pfeiffer ist Diplom-Medienp├Ądagoge und Social Media-Experte. Er betreibt die Seite webevangelisten.de und ist Mitbegr├╝nder des Twittwoch, eines Vereins zur F├Ârderung von Social Media-Anwendungen. Der passionierte Bergsteiger unterst├╝tzt das Netzwerk istlokal.de mit seinen Expertenkenntnissen. Als politisch interessierter B├╝rger ist er zudem „Genosse“ der links-liberalen Tageszeitung die „taz“ aus Berlin.

istlokal.de wurde am 28. Dezember 2010 in Heddesheim gegr├╝ndet. Zur Zeit findet die Mitgliederwerbung statt. In K├╝rze wird der „Vorstand“ durch weitere Journalisten erweitert, die sich aktiv in das Netzwerk einbringen wollen. Geplant ist die Gr├╝ndung einer Genossenschaft sowie einer operativen GmbH, die die organisatorischen Arbeiten ├╝bernimmt.

Wir sind offen f├╝r Sponsoren, die zu uns passen und Kooperationspartner, die gerne mit istlokal.de zusammenarbeiten m├Âchten. Erste Gespr├Ąche werden mit der Fotografenagentur Freelens sowie dem Autoren-Netzwerk Freischreiber gef├╝hrt.

In eigener Sache: Wir machen Betriebsferien und w├╝nschen Ihnen sch├Âne Festtage

Guten Tag!

Heddesheim, 23. Dezember 2010. 2010 war ein aufregendes Jahr und 2011 wird sicherlich mindestens so gut werden. Denn das Leben ist aufregend – manchmal sch├Ân, manchmal weniger. Wir hoffen, dass wir Sie gut unterrichtet und auch unterhalten haben. Und freuen uns, Sie im kommenden Jahr wieder mit Nachrichten und Meinungen zu versorgen. Wir sind ab dem 10. Januar wieder f├╝r Sie da.

Das wichtigste im Leben ist Gesundheit. Das w├╝nschen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, am meisten.

Dazu aber auch sch├Âne besinnliche Tage und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2011!

Wir hoffen, dass wir Sie gut unterrichtet haben. Und freuen uns, Sie im kommenden Jahr wieder mit Nachrichten und Meinungen zu versorgen.

Unser lokaljournalistisches Angebot hat sich etabliert, bleibt aber trotzdem in Entwicklung.

Sie wirken daran mit, durch Ihre Aufmerksamkeit, Ihr Interesse, Ihre (mittlerweile 3.700) Kommentare, Ihre Informationen, die Sie uns geben. Und das ist gut so.

Herzlichen Dank daf├╝r. Genauso an die Vereine und ├Âffentliche Einrichtungen, Unternehmen und alle, die uns mit Informationen in unserer Arbeit ganz selbstverst├Ąndlich unterst├╝tzen.

Und nat├╝rlich allen Mitarbeitern in unserem kleinen Team f├╝r die leidenschaftlich getane Arbeit.

├â┼ôberall in Deutschland sind gerade im Jahr 2010 zahlreiche „Blogs“ oder „Internet-Zeitungen“ entstanden, die auf die Vorz├╝ge der Berichterstattung im Internet setzen: kostenfrei, 24 Stunden am Tag erreichbar, schnell, hintergr├╝ndig, vernetzt und multimedial.

Wir w├╝nschen den Kollegen viel Erfolg und viele Leserinnen und Leser.

Am Erfolg haben auch die Werbekunden teil, denen wir sehr herzlich f├╝r die Auftr├Ąge danken. Durch die Werbeeinnahmen wird ein Teil unserer Arbeit finanziert. Wir bitten deshalb um freundliche Beachtung der Anzeigen.

W├Ąhrend wir Betriebsferien machen, sind Sie herzlich eingeladen, unsere Artikel „nachzulesen“ – st├Âbern Sie einfach.

Oben k├Ânnen Sie ├╝ber das Men├╝ zu verschiedenen Kategorien springen, rechts unten finden Sie in der Seitenleiste Schlagw├Ârter und eine hierarchische Darstellung der Kategorien.

Wenn Sie uns ein Weihnachtsgeschenk oder eines zum neuen Jahr machen wollen, dann schreiben Sie uns, was Ihnen gef├Ąllt, was Sie vermissen, was wir besser machen k├Ânnen.

Das schlie├čen wir dann in unsere guten Vors├Ątze f├╝r 2011 ein! ­čÖé

In diesem Sinne
w├╝nschen wir Ihnen sch├Âne Tage

Ihre
Redaktion heddesheimblog

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„Pfenning“: „Man war zu sp├Ąt aufgewacht – alle Entscheidungen waren schon getroffen.“

Guten Tag!

Heddesheim, 04. November 2010. Das heddesheimblog wagt einen Blick in die Zukunft: Wir haben mit jemandem gesprochen, der in der j├╝ngeren Vergangenheit erlebt hat, wie eine Ansiedlungsentscheidung sein Lebensidyll ver├Ąndert.

Dieter Pfenning hei├čt der Mann und ist weder verwandt noch verschw├Ągert mit dem „pfenning logistics“-Chef Karl-Martin Pfenning. Die Namensgleichheit ist reiner Zufall.

Dieter Pfenning ist IT-Spezialist und wohnt in Oldendorf, im „Speckg├╝rtel“ von Hamburg. Rein zuf├Ąllig hat er bereits erlebt, was Heddesheim zum Teil noch vor sich hat. Denn vor seiner Haust├╝r entsteht ein riesiges Logistik-Zentrum.

Von Dieter Pfenning

Vor gut neun Jahren bin ich mit meiner Frau aus dem belebten Hamburger Stadtteil St. Georg raus aufs Land gezogen, nach Oldendorf. Dort wurde auch unser gemeinsamer Sohn geboren.

Zuvor hatten wir ├╝ber zwei Jahre lang gesucht, bis wir diesen sch├Ânen Ort auf dem platten Land gefunden hatten.

„Oldendorf war f├╝r mich, meine Frau und unseren Sohn ein Idyll.“ Dieter Pfenning

Ein 80-Seelen-Nest. Die Hausnummern der H├Ąuser sind in der Reihenfolge, in denen sie gebaut wurden. Hier sagen sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“.

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L├Ąndliche Idylle – aufgenommen am 11. September 2008. Bild: privat

Oldendorf liegt zwischen zwei Autobahnabfahrten – die wir schnell erreichen k├Ânnen. Ich fahre 40 Kilometer zu meinem Arbeitsplatz nach Hamburg. Eine ideale Kombination: Wohnen auf dem Land und gute Verkehrsanbindung an die Stadt.

Auch andere finden das ideal – das wusste ich damals aber nicht.

Irgendwann wurde ich durch das Ortsbl├Ąttchen auf eine geplante Speditionsansiedlung aufmerksam. Im Nachbarort Mienenb├╝ttel sollte das entstehen – wenn alles ausgebaut ist, wird es 80 Hektar gro├č sein. Auf der anderen Seite der Autobahn, in Wennerstorf sollen nochmals 45 Hektar ausgebaut werden. Lidl hat hier schon das Zentrallager Nord hingestellt. Man sagte mir, dass hier das gr├Â├čte Logistik-Zentrum Deutschlands entsteht.

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Logistik-Idylle. Aufgenommen am 30. Oktober 2010. Bild: privat

Ich machte mich kundig und fragte Leute in Mienenb├╝ttel ├╝ber die Ansiedlung. Und ich erfuhr: Hier gibt es sogar eine B├╝rgerinitiative Mienenb├╝ttel. Wie konnte das sein, dass ich zwei Kilometer weiter nichts davon erfahren hatte?

„Wieso hatte ich nichts erfahren?“

Das Gewerbegebiet wird sich direkt an Mienenb├╝ttel anschlie├čen: Wie konnte das sein, dass sich hier so wenig regt?

Die Mitglieder der Initiative waren sehr emotional. Ich habe dann einen Blog aufgesetzt, Informationen gesammelt und diese ver├Âffentlicht.

Denn eins war klar: Alle Entscheidungen waren schon in den Gremien getroffen worden. Man war zu sp├Ąt aufgewacht.

Es gab keine Gutachten, keine ernstzunehmende juristische Beratung. Klar, es wurden Einwendungen gemacht, die aber alle abgeschmettert wurden.

Alles abgeschmettert.

Aktuell ist am 25. Oktober 2010 ein Normenkontrollverfahren beendet worden – ohne Chance auf Revision. Man hatte geklagt, dass die Einwendungen nicht ausreichend ber├╝cksichtigt worden waren. Das mag sein. Da diese aber formal nicht untermauert waren, gab es auch wenig Chancen auf Erfolg mit der Klage.

W├Ąhrend der Planungsphase haben wir hier ordenlich Dampf gemacht. Plakate gemalt, Aufkleber drucken lassen – wir haben sogar eine Demo veranstaltet.

Mir war klar, dass wir wohl nicht mehr viel erreichen konnten. Eins meiner unserer Ziele war, dass wir ein Durchfahrtsverbot f├╝r Lkw ├╝ber 7,5 Tonnen durch Oldendorf erreichen. Das hat funktioniert. Die Lkw fahren zwar immer noch durch den Ort, wenn die A1 dicht ist. Aber wenigstens etwas.

Ohne R├╝cksicht auf Verluste.

Es gab viel b├Âses Blut in der Zeit. Das Gewerbegebiet geh├Ârt zu Neu-Wulmstorf, wie auch Mienenb├╝ttel. Die haben das ohne R├╝cksicht auf Verluste bei den Nachbarn durchgezogen. Die Stimmung in Mienenb├╝ttel ist nicht besonders gut, weil man erst sp├Ąt erkannt hat, dass der ganze Ort ver├Ąndert wird.

Die lokale Presse, beispielsweise das Hamburger Abendblatt als gro├če Zeitung, hat das Thema links liegen lassen. Die kleine Lokalbl├Ąttchen-Presse hat sich etwas mehr engagiert.

Heute wissen alle: Wir haben geschlafen und sind erst von einem Apparat ├╝berrollt worden, gegen den man kaum eine Chance hat und bekommen einen Verkehr, der das Leben hier von Grund auf ver├Ąndern wird.

Solange sich die „gew├Ąhlten Vertreter“ in den gesetzlich zul├Ąssigen Grenzen bewegen, kann man wenig machen. Nat├╝rlich sind die bis an jede dieser Grenzen gegangen. Das einzige, was wir tun k├Ânnen, ist beim n├Ąchsten Mal anders zu w├Ąhlen. So l├Ąuft das „Spiel“.

Kaum den Hauch einer Chance.

Wir haben aber etwas getan – wir haben f├╝r Aufmerksamkeit gesorgt. Wir h├Ątten aber viel fr├╝her viel strukturierter gegen das Projekt vorgehen m├╝ssen, um auch nur den Hauch einer Chance zu haben.

B├╝rgermeister und Verwaltungen beherrschen das Gesch├Ąft. Die machen das jeden Tag, kennen rechtliche Regelungen, Verfahrensabl├Ąufe, Fristen und all das. Auch Investoren kennen das alles. Normale B├╝rger sind dagegen fast chancenlos.

Emotionalit├Ąt oder gar schlechte Laune bringt ├╝berhaupt nichts. Hier geht es um Gesetze, Normen, Verfahren. In diesen Sprachen wird verhandelt. Ob einem das gef├Ąllt oder nicht. Wer sich dagegen auflehnt, hat immerhin die Chance Zugest├Ąndnisse zu erreichen, wie wir in Oldendorf mit dem Durchfahrtsverbot.

Wir sind der kleinste Ort der umliegenden Gemeinden und haben den gr├Â├čten Krach gemacht. Sogar das ZDF hat ├╝ber uns berichtet.

IG neinzupfenning-Vertreter war zu Besuch.

Irgendwann war auch mal jemand von der IG neinzupfenning hier bei uns mit seinem Wohnmobil und hat sich zum Lauf der Dinge und unseren Aktionen erkundigt. Wir haben informiert und dem Mann und seiner Frau Material mitgegeben. Seitdem haben wir nie mehr von diesen Menschen geh├Ârt.

├â┼ôbers Internet hat mich Herr Prothmann kontaktiert – wir haben uns ausf├╝hrlich ├╝ber die jeweiligen „Zust├Ąnde“ unterhalten.

Dabei haben wir durchaus unterschiedliche Sichtweisen – ich bin Betroffener und habe mich zusammen mit anderen gewehrt. Herr Prothmann ist Journalist und berichtet ├╝ber das Verfahren.

Zwar ist er „zuf├Ąllig“ auch zum Gemeinderat gew├Ąhlt worden, aber auch hier steht er abseits mit seiner Transparenz und seinem klugen Sachverstand.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Oldendorf und Heddesheim.

Nach dem Kontakt habe ich sehr interessiert das heddesheimblog gelesen und viele Gemeinsamkeiten im Verfahrensgang zu „unserem“ Logistik-Zentrum feststellen k├Ânnen. Die Dokumentation ist beeindruckend.

Auch hier bei uns haben die „Einheimischen“, die auch in ├â┼ôberzahl in den Gremien vertreten sind, das Sagen und nichts gegen die Ansiedlung einzuwenden gehabt. Andere Einheimische haben sich angeschlossen – man kennt sich, versteht sich und vertraut sich: Wird schon werden…

Heute sind viele dieser Verbindungen teils unrettbar zerbrochen. Ich gebe allen den Rat, die Emotionen drau├čen zu lassen und sich auf die neue Situation einzustellen, so gut das eben geht. Das ist nat├╝rlich schwer, sind die Entt├Ąuschungen doch gro├č.

Heddesheim ist in einer anderen Lage – durch die professionelle journalistische Begleitung. Ich h├Ątte mich gefreut, h├Ątte ich jemanden wie Herrn Prothmann hier vor Ort gehabt. Der beherrscht sein Handwerk – das kann ich beurteilen, weil ich selbst schon lange im Verlagsgesch├Ąft f├╝r gro├če Medien arbeite.

Emotionen m├╝ssen drau├čen bleiben.

Was mich bis heute ├Ąrgert, ist, wie hilflos man gegen├╝ber der B├╝rokratie und den Strippenziehern als B├╝rger ist. Aber wie gesagt – die Emotionen m├╝ssen drau├čen bleiben.

Ich habe meine Schl├╝sse daraus gezogen und wei├č f├╝r die Zukunft, wie wichtig es ist, gut informiert zu werden und seinen Teil dazu beizutragen. Der Lobby aus Verwaltung, Wirtschaft und Lokalmedien kann man sonst nichts entgegensetzen.

Viele wollen das wahrscheinlich nicht, weil sie sich damit arrangiert haben. Das kann ein Leben lang gutgehen – aber auch an dem Tag zur Ern├╝chterung f├╝hren, wenn man selbst dadurch einen Nachteil hat.

BI Oldendorf

Zu sp├Ąt, um noch „mitentscheiden“ zu d├╝rfen: Die homepage der B├╝rgerinitiative Oldendorf.

Den Heddesheimern w├╝nsche ich viel Erfolg bei ihrem zivilen Widerstand. Bleibt friedlich, das waren wir hier auch und das war mir und allen, die ich kenne, sehr wichtig.

„Man muss sich engagieren, sonst wird das nichts.“ Dieter Pfenning

Aber t├Ąuscht Euch nicht, was Eure „Mitwirkungsm├Âglichkeiten“ angeht. Die sind, soweit ich das ├╝berblicken kann, nur noch juristischer Natur.

Es besteht weiterhin die Chance, f├╝r Aufmerksamkeit zu sorgen. Daf├╝r muss man sich aber engagieren, sonst wird das nichts.

Das gilt f├╝r alle Ort in Deutschland. Und ebenso: Seid froh, dass ihr einen unabh├Ąngigen Journalismus im Ort habt, auch, wenn der manchmal unbequem ist. Denn das gilt nur f├╝r die wenigsten Orte in Deutschland.

Protokoll: Hardy Prothmann
Anmerkung der Redaktion: Ein Protokoll ist eine besondere journalistische Form. Die Grundlage ist ein Gespr├Ąch, dass Herr Pfenning und Herr Prothmann miteinander gef├╝hrt haben. Dieses Gespr├Ąch wurde zusammengefasst und als Artikel zur Freigabe vorgelegt. Herr Pfenning hat kleinere Korrekturen vorgenommen und dann dem Text zur Ver├Âffentlichung zugestimmt.

Ende 2011 stehen die Hallen, die „Pfenning“ schon heute vermietet. Ist das so? Eine Zwischenabrechnung.

Guten Tag!

Heddesheim, 21. Juni 2010. Im August 2009 pries das Logistikunternehmen seine neuen Hallen in Heddesheim f├╝r das Jahr 2010 an. Aktuell werden diese Hallen f├╝r Ende 2011 angeboten. Der erste Zeitplan hat nicht funktioniert – der zweite soll funktionieren. Vielleicht tut er das, vielleicht auch nicht. Unterm Strich ist das Projekt schon vor dem Start gescheitert, denn alle sch├Ânen Argumente sind hinfort – was bleibt, ist die realexistierende Ern├╝chterung, dass es so etwas wie eine politische oder unternehmerische Kultur in der Sache in Heddesheim nicht gibt. Oder anders. Es gibt beides – als Unkultur.

Von Hardy Prothmann

immopfenning

Ab August 2011 werden in Heddesheim Logistikhallen vermietet - so verkauft sich "Pfenning", bislang ohne eine g├╝ltige Baugenehmigung. Wei├č "Pfenning" mehr als die, die dar├╝ber zu entscheiden haben? Quelle: immowelt.de

Wie gerne h├Ątte ich Herrn Karl-Martin Pfenning geglaubt, dass er ein „Familienunternehmer“ sei und ein „Pfundskerl“ dazu. Einer, der sich sorgt. Einer, der es gut meint. Einer, dem gute Nachbarschaft wichtig ist. Einer, dem man vertrauen kann. Ein Unternehmer, der Verkehr erzeugt, aber f├╝r seinen „Standort“ diesen vermeidet. (Siehe Video-Dokumentation, wie Herr Pfenning das alles und den Spagat verspricht).

Denn damit ist Herr Pfenning hausieren gegangen. Regional verwurzelt sei er, der Familienunternehmer. 1.000 Arbeitspl├Ątze wolle er schaffen. Seinen Beitrag leisten. Viel Gewerbesteuer zahlen. Ein guter Nachbar werden. In Heddesheim.

Leider ist das alles eher nur ein M├Ąrchen. Denn es geht ums Gesch├Ąft. Beim Gesch├Ąft haben M├Ąrchen keinen Platz – au├čer, um leichtgl├Ąubige Menschen von etwas zu ├╝berzeugen.

In Heddesheim hat Herr Pfenning besonders leichtgl├Ąubige M├Ąrchenfreunde gefunden. Die glaubten an viele Arbeitspl├Ątze, hohe Gewerbesteuerzahlungen, einen Gleisanschluss und vor allem daran, dass sie durch den Familienunternehmer eine glor- und glanzreiche (eigene) Zukunft finden w├╝rden.

Die 1.000 Arbeitspl├Ątze sind eine M├Ąr, ebenso wie die „hohen Gewerbesteuerzahlungen“ und genauso der Gleisanschluss. Die M├Ąrchenfreunde im Heddesheimer Gemeinderat wollen das alles bis heute nicht wahrhaben – aber darum geht es schon l├Ąngst nicht mehr.

Es geht schon l├Ąngst darum, „sein“ Gesicht nicht mehr verlieren zu wollen, was l├Ąngst verloren ist. Auch das nur ein hohler Wunschtraum, der funktioniert wie die Lindenstra├če. Jede Woche gibt es eine neue Folge und immer etwas, was bewegt. Und immer bleibt die Hoffnung, dass es gut wird. Denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

In Heddesheim wird sie sterben, wenn das Bauvorhaben beginnt, die „bis zu“ 1.000 Arbeitspl├Ątze sich auf wenige „saisonal“ oder „konjunkturell“ begrenzte hundert Niedriglohnverdingungen reduzieren, die erhoffte Gewerbesteuerzahlung aufgrund „au├čerordentlicher Ereignisse“ doch nicht so hoch ausf├Ąllt und die Verkehrsbelastung leider „deutlich“ ausf├Ąllt.

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Karl-Martin Pfenning: Nachbar, Familie, Region... viele Worte, wenig Zeichen. Bild: heddesheimblog

Angeblich um das Wohl der Gemeinde bem├╝hte Gemeinder├Ąte werden sich in n├Ąher Zukunft keiner noch so hohlen Ausrede zu schade sein, um ihre Fehlentscheidung zu begr├╝nden. Denn sie haben weder zu Beginn, noch w├Ąhrend dieses „Ansiedlungsprozesses“ Verantwortung ├╝bernommen. Und sie werden es auch in Zukunft nicht tun. Denn, wer Verantwortung ├╝bernimmt, stellt zuerst einmal Fragen – das ist gro├čen Teilen des Heddesheimer Gemeinderats unbekannt.

Bereits im vergangenen Jahr hat die Unternehmensgruppe „Pfenning“ im Fr├╝hjahr begonnen, seine weder genehmigten, noch gebauten Hallen zu vermarkten. Ein Skandal, den nur bemerkt, wer sich Fragen stellt.

Sicher ist, es gab eine mehrheitliche Auffassung im Gemeinderat, diese Unternehmensansiedlung f├╝r Heddesheim zu wollen. Mittr├Ąger dieser Entscheidung waren die „Gr├╝nen“ – damals noch mit drei Gemeinder├Ąten vertreten.

Doch dann tauchten Fragen auf. Kritik. Sorgen.

Die Gr├╝nen haben diese aufgenommen und sind als absoluter Wahlsieger hervorgegangen. Mittlerweile stellen sie sechs Gemeinder├Ąte und sind zweitst├Ąrkste Fraktion im Gemeinderat.

Leider n├╝tzt ihnen das gar nichts, auch nicht die Unterst├╝tzung einzelner Stimmen der CDU und SPD, denn der „entscheidende“ Rest, also 12 Stimmen klammern sich an etwas, an das sie l├Ąngst nicht mehr glauben.

Der Skandal ist leicht begr├╝ndet: Jeder aufrechte Demokrat h├Ątte bemerken m├╝ssen, dass es ├╝berhaupt nicht angehen kann, dass seine vorweggenommene Entscheidung schon vermarket wird.

Als durch Recherchen des heddesheimblogs die aktive Vermarktung der weder genehmigten, noch gebauten Hallen im Sommer 2009 bekannt wurde, h├Ątten der B├╝rgermeister Kessler und der Gemeinderat, besorgt um das Wohl der Gemeinde, sich eine Frage stellen m├╝ssen: „Moment, wir sind in einem Entscheidungsprozess, oder ist der vorweggenommen? Denn bei jedem Entscheidungsprozess kann man sich daf├╝r oder dagegen entscheiden. Die Option, sich dagegen zu entscheiden, scheint man uns nicht mehr zuzutrauen. Kann das sein?“

Es kann nicht sein.

pfenningwerbung

Hallen werden vermietet - ganz klar. Quelle: "Pfenning"

Bei allem Wohlwollen gegen├╝ber einer Unternehmensansiedlung kann es einfach nicht sein, dass das Unternehmen, in diesem Fall „Pfenning“, selbstverst├Ąndlich davon ausgeht, dass alle Entscheidungen in seinem Sinne getroffen werden und man nicht den demokratischen Entscheidungsprozess abwartet, sondern vorwegnimmt. „Pfenning“ vermarktet seine Hallen, weil das Unternehmen davon ausgeht, dass das eintritt, was es will.

Und das ist der Skandal. Diese unternehmerische Unkultur, die sich mit der politischen vereint.

Das kann doch nicht sein?

Das ist so.

Allein diese Haltung ignoriert, verachtet und besch├Ądigt den Status eines jeden einzelnen Gemeinderatsmitglieds zum Stimmvieh, dessen freie Mandatstr├Ągerschaft, dessen freies Gewissen, dessen pers├Ânlicher Verantwortung keine freie Entscheidung mehr erwartet.

Seit der „politischen Bewertung“ der „Mehrheitsverh├Ąltnisse“ durch die B├╝rgerbefragung im September 2009, als 40 Stimmen „mehr“ oder 50,35 Prozent gegen 49,65 Prozent eine „Zustimmung“ signalisieren sollte, ist „Pfenning“ im Ort nicht mehr wirklich gesehen worden.

Schon gar nicht der gute Nachbar und Familienunternehmer und „regional verwurzelte“ Herr Karl-Martin Pfenning.

Das „Ding“ war durch, die „Ja-Sager-ohne-Fragen-Fraktion“ stellte keine Fragen, hob die Hand an der richtigen Stelle und macht bis heute so weiter – aus Sturheit, Trotz, gekr├Ąnkter Ehre oder welchen nicht-bekannten Gr├╝nden auch immer. Ein Grund ist die Demonstration von Macht – koste es was es, wolle. Glaubw├╝rdigkeit, Ehre, Verantwortung. All das spielt schon l├Ąngst keine Rolle mehr.

Der B├╝rgermeister Michael Kessler h├Ątte schon l├Ąngst einen Schritt weiter sein k├Ânnen, der „100-Millionen-Euro-Kessler“ zu werden, w├Ąren ihm und seiner Verwaltung, der er die „Marschrichtung“ vorgibt, nicht Fehler unterlaufen.

Wer angebliche „100-Millionen“ Euro investiert, wird ├╝ber die Kesslerschen Fehler „not amused“ sein. Man darf vermuten, dass ein Investor, der so viele Arbeitspl├Ątze schaffen will und ganz schnell „betr├Ąchtliche“ Gewerbesteuerzahlungen zahlen m├Âchte und so viel Geld als guter Nachbar, als Familienunternehmer und als „regional-Verwurzelter“ investieren m├Âchte, mindestens „irritiert“ sein wird.

Denn diese „Irritation“ wird erhebliches Geld kosten – erst den Unternehmer und sp├Ąter jemanden anderen, von dem der Unternehmer sich das Geld wiederholen wird. Da wird der „freundliche Herr und Nachbar“ nachverhandeln und Fragen stellen, also das tun, was die „Zw├Âlfer-Fraktion“ eher nicht tut. Am Ende wird er seinen „Schaden“, weil er doch nur „Gutes“ will, bezahlt bekommen haben – um weiter „Gutes“ zu tun. „So l├Ąufts bizness“.

Dass ein Herr Pfenning mal eben ein paar hunderttausende oder mehr Euros einfach so „schie├čen“ l├Ąsst, weils in Heddesheim nicht so l├Ąuft, wie er sich das vorstellt, glauben nur die M├Ąrchenfanatiker.

All das wird am kommenden Donnerstag im Gemeinderat kein Thema sein. Schon gar nicht bei den M├Ąrchenfreunden.

Keiner der „Ja-Sager-zu-allem-Fraktion“ wird eine gewichtige Frage stellen, sondern „schmunzelnd“ die gewisse Hand der Macht heben. Ob die linke oder rechte oder die freie spielt keine Rolle. Es wird kribbeln dabei. Es werden Gef├╝hle genossen werden. Der Genugtuung. Der Rache. Der Macht. Mit Sicherheit keins der gewissenhaften Verantwortung.

Leider wird es angesichts der Tatsache, dass das „Handheben“ schon l├Ąngst anderswo beschlossen wurde, keine Frage an sich selbst geben, was der Unterschied zwischen einem freien, verantwortlichen und unabh├Ąngigen Mandatstr├Ąger und der eigenen „Realit├Ąt“ ist.

Realit├Ąten sind nicht mehr gefragt, nur Rollenspiele.

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Auch 1a-Immobilien verkauft schon "Pfenning"-Hallen. Quelle: 1a-Immobilienmarkt.de

Das Schlimme ist: Die Rollenspieler halten das Theater, dem sie sich hingegeben haben, l├Ąngst f├╝r eine Realit├Ąt.

Noch schlimmer ist: Das Rollenspiel ist die Realit├Ąt.

Fragt sich nur, ob das Publikum eine Zugabe m├Âchte.

Sp├Ątestens 2014 zur n├Ąchsten B├╝rgermeister- und Kommunalwahl wird ein neuer Spielplan aufgestellt werden m├╝ssen.

Der gute Nachbar, der Herr Pfenning, wird sich sicherlich auch dann genausowenig blicken lassen, wie jetzt schon. Denn Heddesheim ist ihm egal, mitsamt seiner B├╝rgerInnen und deren Leben.

Ob Herr B├╝rgermeister Kessler nochmal zur Wahl antritt? Wer wei├č? Vielleicht gibt es f├╝r ihn andere lukrative Angebote? Die Realisierung seiner beruflichen Chancen ist ihm grundgesetzlich garantiert.

In irgendeiner Kneipe werden sich irgendwelche Ex-Gemeinder├Ąte daran erinnern, wie sie es irgendjemandem mal so „ordentlich“ gezeigt haben und noch ein Bier bestellen.

Andere werden „ums Verrecken“ jede noch so unbedeutende Veranstaltung besuchen, um am Mythos ihrer „Bedeutung“ zu arbeiten.

Und Herr Pfenning, der regional-verwurzelte Familienunternehmer? Was macht der? Sich woanders vorstellen, als regional verankert, beispielsweise in Rum├Ąnien, wo er schon zehn, zwanzig Jahre vor Ort investiert ist?

Spannende Fragen – wir werden sie und die „Antworten“ erleben.

Der urspr├╝ngliche „Spielplan“ von „vermieteten Hallen“ im Jahr 2010 kann nicht mehr gehalten werden – die Nachspielzeit wurde auf 2011 ausgeweitet.

Es k├Ânnte sein, dass es so kommt – es kann aber auch ganz anders kommen.

Fest steht schon heute – w├Ąre der Ansiedlungswunsch der Unternehmensgruppe „Pfenning“ ehrlicher und transparenter gelaufen, h├Ątte man sich viel ├âÔÇ×rger, Frust, Streit, Zerw├╝rfnis und Kosten sparen k├Ânnen.

Doch dieser Wunsch hat etwas mit der Frage des „Stils“ zu tun.

Wer „Hauruck“ etwas durchsetzen will, muss eventuell „Ruckzuck“ lernen, dass das so nicht geht.

Der Gesch├Ąftsf├╝hrer Uwe Nitzinger, der sich immer „dialogbereit“ gab, das aber nie war, ist auf Gemeinder├Ąte getroffen, die dasselbe vorgaben. Deren Sprachlosigkeit, deren Dialogfeindschaft produziert vor allem eines: enorme wirtschaftliche Kosten und gemeindliche Sch├Ąden.

Viel unn├Âtiges Geld wurde aufgrund sturer Management- und politischer Entscheidungen verbrannt. Die politische und wirtschaftliche Kultur ohne Sinn und Verstand besch├Ądigt.

All das ist ein Grund, um Pfenning als misswirtschaftliches Prinzip grunds├Ątzlich abzulehnen – denn angesichts des erneuten Vermarktungsversuchs ist ein Wille auf Einsicht und Besserung auch nicht im Ansatz erkennbar.

Schon gar kein „nachbarschaftliches“, „famili├Ąres“ oder „verantwortliches“ Verhalten.

Es geht ums „Gesch├Ąft“ – vermutlich nur f├╝r einen Unternehmer. Im Ort g├Ąrt es schon l├Ąngst, ob es nur f├╝r einen „lukrativ“ ist.

Bislang sieht das so aus – umso mehr muss man sich die Frage stellen, was das mit dem „Wohl der Gemeinde“ zu tun haben soll.

Vorsto├č und R├╝ckzug – Bundespr├Ąsident K├Âhler ist zur├╝ckgetreten

Guten Tag!

Heddesheim/Berlin, 31. Mai 2010. Der heutige Tag geht in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ein: Bundespr├Ąsident Horst K├Âhler hat v├Âllig ├╝berraschend heute seinen R├╝cktritt erkl├Ąrt. .

Von Hardy Prothmann

B 145 Bild-00170079

Bild - Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, B 145 Bild-00170079, Foto: Chaperon

„Meine ├âÔÇ×u├čerungen zu Auslandseins├Ątzen der Bundeswehr am 22. Mai dieses Jahres sind auf heftige Kritik gesto├čen. Ich bedauere, dass meine ├âÔÇ×u├čerungen in einer f├╝r unsere Nation wichtigen und schwierigen Frage zu Missverst├Ąndnissen f├╝hren konnten. Die Kritik geht aber so weit, mir zu unterstellen, ich bef├╝rwortete Eins├Ątze der Bundeswehr, die vom Grundgesetz nicht gedeckt w├Ąren. Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung. Sie l├Ąsst den notwendigen Respekt f├╝r mein Amt vermissen.“

Mit diesen Worten hat Bundespr├Ąsident Horst K├Âhler seinen R├╝cktritt eingeleitet – nachdem er Tage zuvor im DeutschlandRadio etwas gesagt hatte, dem ein deutlicher „imperialistischer“ Zungenschlag anhaftete:

„Meine Einsch├Ątzung ist aber, dass wir insgesamt auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Gr├Â├če mit dieser Au├čenhandelsorientierung und damit auch Au├čenhandelsabh├Ąngigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch milit├Ąrischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilit├Ąten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zur├╝ckschlagen negativ durch Handel, Arbeitspl├Ątze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.“

Die Reaktionen auf diesen Vorsto├č sieht Herr K├Âhler als „Unterstellung“ an, als „Kritik, die jeder Rechtfertigung entbehrt“.

Ist das so? Herr K├Âhler hat gesagt, was er gesagt hat und hat keinen Versuch unternommen, ein „Missverst├Ąndnis“ zu kl├Ąren. Heute tritt er zur├╝ck und zeigt, dass er keine Kritik aushalten kann oder will. Deshalb ist sein R├╝cktritt zu begr├╝├čen.

Andere Medien landauf, landab berichten ├╝ber die „gro├čen Verdienste“ des Bundespr├Ąsidenten a.D. Horst K├Âhler. Das geh├Ârt sich so. Ganz sicher hat Herr K├Âhler das h├Âchste Staatsamt ordentlich ausgef├╝llt, auch das geh├Ârt sich so.

Lenkend in Debatten einzugreifen oder Linien vorzugeben, ist ihm nicht gelungen. Es hat den Anschein, als habe er sich deshalb ein wenig beleidigt zur├╝ckgezogen – hatte er zu wenig Aufmerksamkeit?

Wenn ja, hat er diese mit seinem heutigen Schritt auf alle F├Ąlle bekommen. Er geht als der erste Bundespr├Ąsident, der zur├╝ckgetreten ist, in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ein.

Interessant ist, dass seine ├âÔÇ×u├čerung im Interview mit DeutschlandRadio einen neuen Blick auf den Afghanistan-Krieg lenken, der nicht nur die „Sicherheit Deutschlands“ verteidigen will, sondern wirtschaftlichen Interessen dienen k├Ânnte.

Ob dies zutreffend ist oder nicht, wird die Debatte dar├╝ber in der kommenden Zeit kl├Ąren. Im Abgang hat Herr K├Âhler damit vielleicht seinen ersten gro├čen, eigenst├Ąndigen Erfolg gesichert: Eine Debatte ├╝ber eine nationale Frage anzusto├čen.

Dokumentation der R├╝cktrittsrede:

„Es war mir eine Ehre, Deutschland als Bundespr├Ąsident zu dienen“
Erkl├Ąrung von Bundespr├Ąsident Horst K├Âhler

Meine ├âÔÇ×u├čerungen zu Auslandseins├Ątzen der Bundeswehr am 22. Mai dieses Jahres sind auf heftige Kritik gesto├čen. Ich bedauere, dass meine ├âÔÇ×u├čerungen in einer f├╝r unsere Nation wichtigen und schwierigen Frage zu Missverst├Ąndnissen f├╝hren konnten. Die Kritik geht aber so weit, mir zu unterstellen, ich bef├╝rwortete Eins├Ątze der Bundeswehr, die vom Grundgesetz nicht gedeckt w├Ąren. Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung. Sie l├Ąsst den notwendigen Respekt f├╝r mein Amt vermissen.
Ich erkl├Ąre hiermit meinen R├╝cktritt vom Amt des Bundespr├Ąsidenten – mit sofortiger Wirkung. Ich danke den vielen Menschen in Deutschland, die mir Vertrauen entgegengebracht und meine Arbeit unterst├╝tzt haben. Ich bitte sie um Verst├Ąndnis f├╝r meine Entscheidung.
Verfassungsgem├Ą├č werden nun die Befugnisse des Bundespr├Ąsidenten durch den Pr├Ąsidenten des Bundesrates wahrgenommen. Ich habe Herrn B├╝rgermeister B├Âhrnsen ├╝ber meine Entscheidung telefonisch unterrichtet, desgleichen den Herrn Pr├Ąsidenten des Deutschen Bundestages, die Frau Bundeskanzlerin, den Herrn Pr├Ąsidenten des Bundesverfassungsgerichts und den Herrn Vizekanzler.
Es war mir eine Ehre, Deutschland als Bundespr├Ąsident zu dienen.“

Stelllungnahmen im Video finden Sie bei Spiegel online.

Die neue Informationsbrosch├╝re – kritisch betrachtet

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Download: Klicken Sie, um die Brosch├╝re (A2572.pdf) von der Seite der Gemeinde zu laden (10 MB).

Heddesheim, 29. Mai 2010. Am Mittwoch wurde die neue Informationsbrosch├╝re „Leben in Heddesheim“ vorgestellt. Sie soll vor allem Neub├╝rgern eine Orientierung bieten. Das tut sie nur, wenn man sich ausgiebig mit ihr besch├Ąftigt. Dann fallen aber auch viele Ungereimtheiten auf.

Von Hardy Prothmann

Die perfekte Informationsbrosch├╝re ist wahrscheinlich bis heute noch nicht erfunden worden – auch nicht mit dieser neuen Brosch├╝re.

Der Heddesheimer Alexander Lenhart hat das neue Erscheinungsbild der Gemeinde im Rahmen seines Kommunikationsdesign-Studiums an der Hochschule Mannheim als Bachelor-Arbeit erstellt.

Die Farben leiten nicht zufriedenstellend.

Das hat er auf den ersten Blick ganz ordentlich gemacht. Kennzeichnend ist eine stilisierte Tabakscheune, die Hausfarbe Ocker leitet sich ebenfalls vom Tabak ab. Auf den zweiten Blick fehlt es aber an einer Kommunikation der Brosch├╝re mit dem Nutzer. Sie ist un├╝bersichtlich gestaltet. Die Farben allein geben keine Orientierung.

ibortsplan

Problem Farbgebung: Macht das alles Sinn?

Tats├Ąchlich fangen hier die Fragen an: Der Tabakanbau war ├╝ber viele Jahrhunderte pr├Ągend f├╝r den Ort, ist das aber schon lange nicht mehr. Wahrscheinlich wird schon bald ├╝berhaupt kein Tabak mehr in Heddesheim angebaut.

F├╝r meinen Geschmack w├Ąre eine gr├╝ne Farbgebung als Freizeit- und Wohngemeinde sinniger gewesen. Denn das will Heddesheim sein. Von den ├╝ber 11.000 Einwohnern sind nur siebzehn Bauern und nur einige wenige bauen noch Tabak an. Aber das ist nur eine Meinung.

Mit der Farbgebung gibt es weitere Probleme. Unter der Gemeinde Heddesheim im Farbton Ocker gibt es neun Punkte auf Seite 6. Auf Seite 5 werden viel mehr Inhalte unter der Gemeinde angegeben – auf 28 Seiten. Ein gezieltes Aufschlagen, beispielsweise von „Was erledige ich wo?“ ist nicht m├Âglich, das gibt das Inhaltsverzeichnis nicht her. Es gibt auch am Ende kein Schlagwortverzeichnis. Informativ ist das nicht, sondern m├╝hsam, weil man immer wieder durchbl├Ąttern muss, wenn man etwas sucht.

Anzeige

Auch die Orientierung auf Seite 6 f├Ąllt schwer, ist sie doch nicht alphabetisch. Wieso der Golfclub an erster Stelle unter „Freizeit Heddesheim“ steht und die „Nordbadenhalle 1“ als Punkt 3 aufgef├╝hrt ist, die „Nordbadenhalle 2“ aber als Punkt 5 und dazwischen das „Tennisgel├Ąnde“ ist unklar und folgt einer unbekannten Logik.

Ebenso die Nennung von Punkt 6 auf Seite 6 unter Gemeinde Heddesheim: Autobahnanschluss A5 steht dort. Geh├Ârt der der Gemeinde? Wohl eher nicht.

Redaktionelle Fehler.

ibbahnhof

Der Bahnhof hei├čt k├╝nftig Heddesheim/Hirschberg - nicht so in der Informationsbrosch├╝re.

Auf Seite 18 und 19 erscheint ├ľPNV – ├Âffentlicher Personennahverkehr. Der wird auf Seite 5 genannt, auf Seite 6 steht aber unter Punkt 2 „OEG Bahnhof“ und unter Punkt 3 „DB-Bahnhof Gro├čsachsen/Hedd.“ Der DB-Bahnhof wurde per Gemeinderatsbeschluss in „Heddesheim/Hirschberg“ umbenannt, wird aber die n├Ąchsten Jahre in der Informationsbrosch├╝re den alten Namen tragen. Ein vermeidbarer Fehler, der wiederholt wird, beispielsweise auch unter „Wirtschaft und Wirtschaftsf├Ârderung“.

A propos Namen: Auch die Johannes-Kepler-Schule wird als eigenst├Ąndige Schule genannt. Im Begleittext wird zwar eine Ver├Ąnderung beschrieben – aber nicht, dass die neue Leitung bei der Martin-St├Âhr-Schule in Hirschberg liegt – denn der gemeinsame Name ist noch nicht gefunden. Daf├╝r wird vom Namen Johannes-Kepler-Schule aber reichlich Gebrauch gemacht.

Auch die Sonderstellung des B├╝rgerhauses in T├╝rkis ist nicht klar – geh├Ârt das nicht zur Gemeinde Heddesheim wie der „Dorfplatz mit Tiefgarage“?

ibf├Ârderung

Banken-Promotion: Welche Wirtschaft wird hier gef├Ârdert?

Daf├╝r erscheinen auf Seite 5 unter „Gemeinde Heddesheim“ die Eintr├Ąge „Wirtschaft, Banken“ und auch „Vereine/Verb├Ąnde/Organisationen“. Die Vereine standen fr├╝her unter Freizeit – sind die eingemeindet worden? Und die Wirtschaft sowie die Banken erscheinen auf Seite 34 und 35 unter „Wirtschaft und Wirtschaftsf├Ârderung“. Dort werden haupts├Ąchlich die Gewerbegebiete angesprochen sowie die Unterdorf- und die Oberdorfstra├če. Geh├Âren alle Unternehmen, die sich nicht dort befinden, nicht zur Wirtschaft?

Was die Kirchen unter „Familie und Soziales“ verloren haben, ist auch nicht klar. Sind diese nicht f├╝r Singles da? Und ist ein Gottesdienst eine soziale Einrichtung? Doch wohl eher ein religi├Âser Akt. Und die Schulen geh├Âren doch eher unter Bildung? Ebenso die VHS und die B├╝cherei?

Und wieso die Farbe „Rosa“ „Geborgenheit“ vermitteln soll, ist auch nicht klar, denn das tun eher dunkle, satte Farben. Rose steht heute eher f├╝r Weiblichkeit, aber auch Homosexualit├Ąt. Eindeutig ist hingegen Gr├╝n – Sport, Freizeit, Natur sind damit eindeutig assoziiert.

Der Freizeitwert wird inhaltlich auf Seite 10 unter „Wir ├╝ber uns“ erst am Ende der zweiten Spalte erl├Ąutert. Zuvor hei├čt es allerdings: „Durch die verkehrsg├╝nstige Lage an den Autobahnen… ist Heddesheim ein gefragter Wohnort mit hohem Freizeitwert.“ Wieso Autobahnen einen hohen Freizeitwert begr├╝nden, wird nicht klar.

Der wichtigste Teil, die Kontaktdaten, sind irgendwo zu finden.

Der vor allem f├╝r ├Ąltere Menschen wichtigste Teil, Kontaktdaten zu Verwaltung und anderen Einrichtungen erscheint erst ab Seite 20. Wenigstens wird hier eine alphabetische Ordnung unter „Was erledige ich wo?“ angeboten. Das gilt auch f├╝r „Vereine, Verb├Ąnde und Organisationen“ auf den Seiten 28-33.

Leider sind auch redaktionell einige Fehler zu finden. So leitet immer noch Pfarrer Heiner Gladbach die katholische Kirchengemeinde St. Remigius – das aber hat l├Ąngst „kommissarisch“ Regionaldekan Klaus Rapp ├╝bernommen. Und die Leiterin der Hans-Thoma-Grundschule, Frau Gertrud Junghans, hei├čt in der Brosch├╝re „Getrud“.

Wieso statt „Uhr“ das Zeichen „h“ verwendet wird, ist unklar, ebenso ist es kein einheitliches Auftreten, wenn die Gemeinde im Internet unter heddesheim.de firmiert, die Volkshochschule aber unter vhs.heddesheim.net.

Unter „Freizeit“ steht auf Seite 50 der Punkt 2 „Freibad mit Badesee“, gefolgt von Punkt 14 „Hallenbad“ , gefolgt von Punkt 6 „Kunsteisbahn“ und von Punkt 1 „Golfclub“. Hat das Methode? Und wenn ja, welche?

ibgericht

Auch der Dialekt hat ein Recht auf richtige Schreibweise.

Unvermittelt taucht auf Seite 64 (die Seitenzahl fehlt, wie sehr oft im Heft) unter Heddesheimer Traditionen nun wieder in Ocker ein „traditionelles Gericht“, die „vaschlubbde Aija“ auf. Sch├Ân im Dialekt geschrieben – mal abgesehen davon, ob die „Transkription“ tats├Ąchlich zutreffend ist, in dem kurzen Text sind gleich zwei Fehler: einmal wird „unn“ mit drei „n“ geschrieben, ein anderes mal steht „und“ im Text, „danach“ hei├čt einmal „danoch“ und einmal „nodad“… Weiter findet sich „ck“, was vermutlich eher ein „gg“ sein m├╝sste und auslautendes „t“, was eher ein „d“ sein sollte. Als „Noigeplaggde“ will ich mich hier aber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

ibgewerbe

Unterst├╝tzungsbed├╝rftiges Gewerbe...

Auf der gef├╝hlten Seite 66 (keine Seitenzahl) steht dann: „Bitte unterst├╝tzen Sie unsere Gewerbetreibenden…“ Es gibt in der Brosch├╝re viele Formulierungen, die leider dem gestelzten Beamtendeutsch entspringen, aber muss das sein: „Bitte unterst├╝tzen Sie…“? Sind die Gewerbetreibenden notleidend? Und was machen Betriebe wie die „Viernheimer Stadtwerke“ darunter, die sicherlich kein Heddesheimer Betrieb sind?

Und hier wundere ich mich als Unternehmer umso mehr, als auch ich gerne die „kostenlose Verteilung“ der Brosch├╝re mit einer Anzeige unterst├╝tzt h├Ątte. Immerhin ist das heddesheimblog die einzige eigenst├Ąndige journalistische Redaktion im Ort, ist eine Unternehmensneugr├╝ndung, deutschlandweit in der Branche bekannt und gilt vielen als Modell f├╝r die Zukunft des Lokaljournalismus. Es gab keine Information ├╝ber die Werbem├Âglichkeit, keine Anfrage. Der Grund: unklar.

Optimaler Einblick?

Vielleicht sollte ich mich deswegen an die kommunale „Wirtschaftsf├Ârderung“ wenden. Wo war die noch einmal zu finden? Irgendwo zwischen Seite 10 und 37. Das wei├č ich aber nur, weil ich die ganze Brosch├╝re durchgebl├Ąttert habe. Nur bl├Âd, dass ich mir die Seitenzahl nicht gemerkt habe.

Also bl├Ąttere ich noch einmal, angefangen beim „Inhaltsverzeichnis – f├╝r einen optimalen Einblick in unsere Gemeinde“ auf der gef├╝hlten Seite 5, denn auch hier fehlt die Seitenzahl, ebenso wie ein Hinweis auf die Inserenten ab Seite 67.

Wer will, kann der Gemeinde eine R├╝ckmeldung (modern „Feedback“) geben:

„Um ein Feedback zu bekommen, sind die Leserinnen und Leser der neuen Brosch├╝re dazu aufgerufen, ihre Meinung an die Gemeinde zu ├╝bermitteln. Bitte senden Sie uns dazu bitte eine E-Mail an├é┬ábroschuere@heddesheim.de. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen.“

Wof├╝r die Anregungen allerdings gut sein sollen, verr├Ąt die Gemeinde nicht. Die Brosch├╝re ist gedruckt.

Link:
Wer m├Âchte, liest beim Mannheimer Morgen nach, wie dort ├╝ber die Informationsbrosch├╝re berichtet wurde. Denn es ist immer besser, sich aus mehr als einer Quelle zu informieren…
Und weils so sch├Ân ist, noch ein Text: Informationen satt…

Journalismus? Was ist das?

Guten Tag!

Heddesheim, 10. Februar 2010. Der Kommentar „Kein „Kinderlachen“ f├╝r das heddesheimblog“ regt auf. Oder regt sein Inhalt auf? Welcher? Der dargestellte oder wie die Darstellung eingeordnet wird? Oder dass ├╝berhaupt dargestellt und eingeordnet, also berichtet wird? Oder eine „Darstellung“, die nicht so ist, wie „man das will“? Und wer hat was davon? Und wer regt sich auf? Das sind viele Fragen – die alle mit Journalismus zu tun haben.

Von Hardy Prothmann

Mitte August 2009 sprach mich vor dem Edeka-Markt in Heddesheim eine ├Ąltere Dame an und sagte: „Herr Prothmann, ich versuche ja mit der Zeit zu gehen und bin im Internet. Und ich lese jeden Tag interessiert Ihr heddesheimblog. Ihr letzter Kommentar war, wie soll ich das sagen, ganz sch├Ân heftig. D├╝rfen Sie das so schreiben, wie Sie das geschrieben haben? Im Mannheimer Morgen gibt es auch Kommentare, aber die sind nicht so heftig wie Ihre.“

Die Dame benannte diesen Kommentar: High Noon in Heddesheim – Ist dieser B├╝rgermeister noch zu halten?

Ich habe mit der Dame daraufhin ein langes Gespr├Ąch gef├╝hrt und ihr erkl├Ąrt, warum ich einen Kommentar so schreiben „darf“. Und was, und warum und wie ich es geschrieben habe.

Die W-Fragen und das Interesse

Was, wann, wo, wer, wie und warum? Diese Fragen sind die „Grundausr├╝stung“ f├╝r Journalismus. Aber auch f├╝r die Polizei, f├╝r die Feuerwehr, f├╝r Krisenmanager, f├╝r Wissenschaftler, f├╝r Politiker. Eigentlich f├╝r alle Menschen, die sich berufsm├Ą├čig f├╝r was auch immer interessieren m├╝ssen.

Genau darum geht es im Journalismus. Um das Interesse.

Inter-esse ist lateinisch und hei├čt ungef├Ąhr: Dazwischen (inter) sein (esse).

Die Geschichte der Menschheit ist gleichzeitig die Geschichte des „Journalismus„. Angefangen bei den H├Âhlenmalereien ├╝ber die Erfindung des Buchdrucks bis hin zum Internet. „Jour“ ist das franz├Âsische Wort f├╝r Tag. Im Journalismus geht es ums „Tagesgesch├Ąft“, ├╝ber das berichtet wird.

Was ist passiert? Wor├╝ber reden die Menschen? Was betrifft die Menschen? Was m├╝ssen/sollten sie wissen?

Journalismus ist die professionelle Umsetzung des Alltags in Informationen, ob in Text, Bild oder Ton.

Tiere – Titten – Tote

Die „Bild“ ├╝bersetzt Alltag mit TTT. Tiere-Titten-Tote. Diese Themen liebt das Boulevardblatt – weil die Leser sie lieben und die Zeitung kaufen.

Die FAZ kommt konservativer daher und hat dahingehend beste Beziehungen zur Wirtschaft und Politik. Dort wird die Zeitung geliebt, weil sie so staatstragend daherkommt und ├╝berwiegend auf TTT verzichtet.

Die S├╝ddeutsche Zeitung ist da vielseitiger und hat die FAZ l├Ąngst bei der Auflage deutlich wiederholt. Die Berliner taz ist unter den ├╝berregionalen Zeitungen die bissigste und gilt als verkappte Journalistenschule. Viele fr├╝here „tazler“ haben sp├Ąter woanders Karriere gemacht. Die tagesschau ist scheinbar neutraler.

Das ├Âffentlich-rechtliche SWR3 und der Privatsender RPR konkurrieren um den H├Ârermarkt. Ihre Information: Unterhaltung und gute Laune. Radio ist ein sehr emotionales Medium. Deswegen hat das ├Âffentlich-rechtliche Deutschlandradio auch vergleichsweise wenige H├Ârer: Es ist zwar das „journalistisch“ mit Abstand informativste Radio von allen was „wichtige“ Nachrichten und Hintergr├╝nde angeht – aber es ist anstrengend.

Guter oder schlechter Journalismus
ist eine moralische Unterscheidung

Damit sind wir mitten im Thema. Was ist Journalismus? Was ist „guter“ und was ist „schlechter“ Journalismus?

Die erste Antwort: „Gut“ oder „schlecht“ sind moralische Fragen, die nur jeweils moralisch beantwortet werden k├Ânnen.

Gut oder schlecht l├Ąsst sich aber relativ einfach in zutreffend oder nicht-zutreffend ├╝bersetzen. „Gut“ w├Ąre demnach „zutreffend“ und „schlecht“ w├Ąre „nicht-zutreffend“.

Die Bild-Zeitung berichtet h├Ąufig „nicht-zutreffend“, also „schlecht“. Trotzdem oder gerade deswegen ist sie die nach Auflage „gr├Â├čte“ und erfolgreichste Tageszeitung Europas.

TTT – Tiere-Titten-Tote sind das Erfolgsrezept der Boulevard-Zeitung, die jeder „wichtige“ Mensch, angefangen von der Kanzlerin bis hin zum „Volk“ jeden Tag als erstes liest.

Denn, was in der Bild steht, findet statt. Es ist Tagesthema. Der Bild gelingen auch immer wieder geniale Schlagzeilen, beispielsweise: „Wir sind Papst!“

Ebenfalls zum Axel-Springer-Verlag geh├Ârt die Zeitung „Die Welt“ – ein ├╝berwiegend anerkannt seri├Âses Blatt. Beide Zeitungen bedienen unterschiedliche Zielgruppen und damit M├Ąrkte.

Journalismus ist also auch eine Form der Wirtschaft und betreibt Wertsch├Âpfung. Die Ausgangsmaterialien sind Informationen, die zu neuen Informationen zusammengef├╝gt und „verpackt“ werden: Als TV- oder H├Ârfunksendung, als Printprodukt oder als elektronisch verteilte Information im Internet.

Was muss, kann, sollte berichtet werden? Und vor allem wie?

Au├čer TTT gibt es die Liebe, die Menschenrechte, den Fu├čball, die Di├Ąt, die Schule, den Verein, die Finanzanlage und noch viele andere Themen mehr.

Was, wann, wo, wie, wer und warum? Ohne Journalismus w├╝ssten wir alle nur wenig von dem, was um uns herum passiert.

Aber es gibt ganz bewusst kein Gesetz, dass vorschreibt, wie, wann in welchem Umfang wor├╝ber berichtet wird. Daraus ergibt sich die Medienvielfalt mit ihren unterschiedlichsten Angeboten.

L├Ąnder ohne Pressefreiheit, also ohne Journalismus, sind meist primitive Kulturen oder Diktaturen. Meist beides.

Denn Journalismus ist eine demokratische Dienstleistung und erf├╝llt in einer Demokratie eine wichtige Aufgabe: Journalismus ├╝bt durch die „Ver├Âffentlichung“ Kontrolle aus. Das bekannteste Beispiel d├╝rfte die „Watergate„-Aff├Ąre sein, die Pr├Ąsident Nixon zum R├╝cktritt zwang. Zwei Journalisten hatten durch die Hilfe eines „Informanten“ den politischen Skandal ├Âffentlich gemacht.

Journalismus hat also eine „W├Ąchterfunktion“.

Vergleichbar mit der eines Steuerberaters: Es wird „Buch gef├╝hrt“. ├â┼ôber Einnahmen und Ausgaben.

Vergleichbar mit der Polizeiarbeit: Es wird ermittelt.

Vergleichbar mit dem Gericht: Es wird aber be- und nicht gerichtet. Es wird nicht ver- aber geurteilt.

Vergleichbar mit einem Kaffeekranz oder Stammtisch: Es wird ├╝ber vieles geschw├Ątzt.

Meinungsfreiheit ist eine Grundvoraussetzung f├╝r Demokratie

Und das ist mit dem Artikel 5 in unserem Grundgesetzes verankert: Alle Menschen in Deutschland d├╝rfen eine Meinung haben und diese ├Âffentlich ├Ąu├čern. Eine Zensur von staatlicher Seite findet nicht statt.

├ľffentlichkeit ist der Kern einer jeden Demokratie. Auch wenn das nicht jedem passt und es manchmal schwerf├Ąllt andere Meinungen auszuhalten: Rechtsradikale d├╝rfen schreiben: Ausl├Ąnder raus Linksradikale d├╝rfen meinen: Soldaten sind M├Ârder.“ Beides sind extreme ├âÔÇ×u├čerungen und bewegen sich am ├Ąu├čersten Rand, aber eben noch im Bereich des Zul├Ąssigen.

Nicht erlaubt sind Diffamierungen oder Beleidigungen oder falsche Tatsachenbehauptungen – Journalismus muss sich hier wie alle an Recht und Gesetz halten.

Journalismus ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Denn Journalismus beeinflusst wie die PR, wie die Politik, wie die Werbung oder Lobbyismus oder unser aller Tun in vielf├Ąltigen Funktionen die ├ľffentlichkeit.

Mit Meinungen, mit Fakten, mit Emotionen. Mit „sch├Ânen“ Geschichten, aber auch mit den weniger sch├Ânen Geschichten des Alltags.

├ľffentlichkeit ist ein hohes Gut. Sie schafft transparente M├Ąrkte, Werbung f├╝r Produkte, politische Debatten, kulturellen Austausch, sportlichen Wettkampf und: Bildung.

Deshalb ist eine „positive“ ├ľffentlichkeit den meisten Menschen und Unternehmen wichtig – denn die bringt Erfolg. Gesch├Ąftlich, politisch, pers├Ânlich, kulturell und sportlich.

Journalismus ist ein Informationsangebot

Es gibt kein Gesetz, was Journalismus ist oder sein sollte. Es gibt den Artikel 5 und es gibt in den Bundesl├Ąndern „Pressegesetze„. Danach sind staatliche Beh├Ârden und Institutionen verpflichtet, Journalisten Ausk├╝nfte zu erteilen. Das ist wichtig, sonst k├Ânnte ├╝ber das „├ľffentliche“, also die ├âÔÇ×mter, die durch die Steuerzahler bezahlt werden, nicht berichtet werden.

Und b├Ârsennotierte Unternehmen m├╝ssen ihrer Ver├Âffentlichungspflicht nachkommen.

Sonst ist niemand verpflichtet, Journalisten eine Information zu geben. Weder ein Gesch├Ąftsf├╝hrer, noch ein Sportler, noch ein K├╝nstler und schon gar nicht ein Privatmensch. Umgekehrt gibt es auch keine Pflicht f├╝r Journalisten, irgendetwas zu ver├Âffentlichen oder so, wie das jemand m├Âchte. B├╝rger k├Ânnen aus vielen Informationsangeboten w├Ąhlen und sich informieren, sie m├╝ssen aber nicht.

Trotzdem erscheinen jeden Tag hunderte von Zeitungen, jeden Monat tausende von (Fach-)Zeitschriften, es gibt hunderte Radio- und Fernsehsender in Deutschland. Hinzu kommt das Internet – das neue Medium, das sind mit rasender Geschwindigkeit zum weltweiten Hauptmedium entwickelt, wenn es das nicht schon bereits ist.

Das Internet ist ein hochgradig demokratisches Medium, denn es erlaubt eine einfache und grenzenlose Ver├Âffentlichung von Meinungen durch jeden B├╝rger – au├čer in Diktaturen wie dem Iran beispielsweise.

F├╝r den oben genannten „heftigen“ Kommentar h├Ątte ich dort mit harten Strafen rechnen m├╝ssen. In unserem Land nicht. Hier d├╝rfen ich und jeder andere das grunds├Ątzlich und im Speziellen, wenn zutreffende Tatsachen berichtet und Meinungen ge├Ąu├čert werden.

Der B├╝rgermeister ist immer noch im Amt und ich in Freiheit. Auch wenn das eine oder das andere dem einen oder anderen nicht passt.

Diese Kommunen machen bei auftragsboerse.de mit

Guten Tag!

Heddesheim, 23. Dezember 2009. Handwerker aufgepasst: Ab Januar stellen 65 Kommunen der Metropolregion Rhein-Neckar ihre ├Âffentlichen Ausschreibungen unter einer einheitlichen Plattform ins Internet. Das heddesheimblog listet die teilnehmenden Kommunen auf. Die Gemeinde Heddesheim nimmt nicht teil. Selbstverst├Ąndlich k├Ânnen aber Heddesheimer Handwerker und Unternehmen sich um Ausschreibungen in der Metropolregion Rhein-Neckar bewerben.

auftragsboerse.de bietet einen kostenlosen Zugriff auf Ausschreibungsunterlagen: „Ab sofort steht unter „auftragsboerse.de“ die neue einheitliche regionale elektronische Vergabeplattform der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) zur Verf├╝gung. Unternehmen k├Ânnen dort, neben Informationen zu den aktuellen ├Âffentlichen Ausschreibungen von 65 Kommunen aus der MRN, auch die Vergabeunterlagen kostenlos online abrufen, danach am Computer bearbeiten und via Internet an die ausschreibende Stelle ├╝bermitteln.

auftragsboerse

Einheitliche und kostenfreie Angebote k├Ânnen Firmen und Handwerker bei auftragsboerse.de ab Januar abgeben.

Kommunen, die ab 1.1.2010 dabei sind
Bad Bergzabern Verbandsgemeinde
Bobenheim-Roxheim
B├Âhl-Iggelheim
Br├╝hl
Deidesheim Verbandsgemeinde
Dossenheim
Dudenhofen Verbandsgemeinde
Edingen-Neckarhausen
Frankenthal
Freinsheim Verbandsgemeinde
F├╝rth
Gr├╝nstadt-Land Verbandsgemeinde
Heidelberg
Hemsbach
Heppenheim
Hirschberg
Hockenheim
Jockgrim Verbandsgemeinde
Kreis Bergstra├če
Ladenburg
Lambrecht Verbandsgemeinde
Lambsheim
Lampertheim
Landau
Landkreis Bad D├╝rkheim
Landkreis Germersheim
Laudenbach
Lindenfels
Ludwigshafen
Mannheim
Mutterstadt
Neckarsteinach
Neuhofen
Neulu├čheim
Neustadt
Plankstadt
Rauenberg
Reilingen
Rhein-Neckar-Kreis (Bau und Verm├Âgen)
Rhein-Neckar-Kreis (Kreisverwaltung)
Rhein-Pfalz-Kreis
Rimbach
R├Âmerberg
Sandhausen
Schifferstadt
Schriesheim
Schwetzingen
Sinsheim
Speyer
St. Leon-Rot
Verband Region Rhein-Neckar
Viernheim
Walldorf
Weinheim
Wiesloch
Worms

Kommunen, die im Laufe des Jahres dazu sto├čen:
Altlu├čheim
B├╝rstadt
Eberbach
Elztal
Eppelheim
Ilvesheim
Leimen
Malsch
Nu├čloch
Wilhelmsfeld
W├Ârth

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog