Mittwoch, 21. August 2019

Beim Heckenschnitt geht es „ganz sicher“ um eine Machtdemonstration

Heddesheim, 02. November 2011. (red) Am morgigen Donnerstag wird die Hecke um das Biotop des Vogelparks auf mehreren hundert Metern zurĂŒckgeschnitten. Angeblich geht es um die „Sicherheit“ der FußgĂ€nger. TatsĂ€chlich darf man das bezweifeln. Und andere GrĂŒnde vermuten.

Von Hardy Prothmann

Dass BĂŒrgermeister Michael Kessler „grĂŒn nicht grĂŒn ist“, braucht man kaum jemandem zu erklĂ€ren.

Der derzeit amtierende BĂŒrgermeister gilt als „Betonkopf“. BĂŒsche, StrĂ€ucher, Hecken – die Natur bedeutet Herrn Michael Kessler nicht viel. Er baut lieber oder lĂ€sst bauen, auch wenn bei seinem Lieblingsprojekt „Pfenning“ irgendwie nichts vorwĂ€rts geht.

Beton gegen Natur

Der Heddesheimer Gemeinderat Kurt Klemm ist so ziemlich das Gegenteil von Herrn Kessler. Dem Vogelfreund und NaturschĂŒtzer ist jedes Unkraut lieber als Beton.

Und der Zoff um den HeckenrĂŒckschnitt rund um das Biotop des Vogelparks ist das beste Beispiel, um diesen Systemwiderspruch zu belegen.

Kurt Klemm ist einer der GrĂŒnder des Vogelparks. Seit ĂŒber 50 Jahren haben sich die Vereinsmitglieder ehrenamtlich eingebracht und den intaktesten Flecken Natur geschaffen, den Heddesheim zu bieten hat. Eine Naturoase am Badesee. Den grĂ¶ĂŸten Teil davon darf niemand betreten. Er gehört der wilden Natur, nicht den Menschen. Als RĂŒckzug fĂŒr die wenigen Wildtiere, die Heddesheim geblieben sind. Ein Eingriff findet nicht statt.

Doch das stimmt nicht ganz. Das GelÀnde gehört der Gemeinde, der Vogelverein hat es nur gepachtet. Das GelÀnde gehört also allen Heddesheimerinnen und Heddesheimern, aber einer hat den absoluten Besitzanspruch. Michael Kessler.

Dessen Vater ist Legende im Ort, all die großen Projekte des Gemeinwohls, Sportzentrum, Schwimmbad, Badesee, sind untrennbar mit dem Namen Fritz Kessler verbunden. Seinem Sohn Michael bleibt nur die Verwaltung des Erbes. Oder das Zubetonieren der Natur.

Der GĂŒllelaster braucht den ganzen Weg - fĂŒr FußgĂ€nger ist kaum Platz. Deswegen soll die Vogelparkhecke beschnitten werden. An anderer Stelle wird es keine "Ausweichmöglichkeiten" geben. Bild: privat

Als wollte Michael Kessler sich das Erbe einvernehmen, plant er einen „umfassenden“ Rundweg um den Badesee. DafĂŒr wĂ€re er auch mitten durchs Biotop „gegangen“ – doch das wurde verhindert. So muss er den Weg um Badesee und Vogelpark herum „gestalten“.

Aktuell wird bald ein weiterer Wegeabschnitt fertig sein. Und es gab immer Streit, weil Kessler zu nah ans Biotop ran will. Er bedrĂ€ngt es geradezu. Diese NatĂŒrschĂŒtzer… was mag er ĂŒber sie denken?

Der RĂŒckschnitt der Biotop-Hecken ist wie ein Schnitt ins Fleisch der VogelschĂŒtzer-Seelen. BĂŒrgermeister Michael Kessler muss wissen, wie weh es den engagierten Vereinsmitgliedern tun muss, wenn sie wieder ein StĂŒck Natur opfern mĂŒssen.

HeckenschĂŒtze vs. HeckenschĂŒtzer

Die Hecken bieten Schutz und Nahrung – nicht nur fĂŒr Vögel. Der RĂŒckschnitt ist ein Einschnitt – nein, eigentlich ein „RĂŒckschritt“. Denn ĂŒber Jahrzehnte sind die Hecken gewachsen, in ein, zwei Tagewerken werden sie „begradigt“, „in Form“ gebracht. Aus Sicht der VogelschĂŒtzer ist es ein Schnitt ins Fleisch ihrer ÃƓberzeugung: Möglichst viel Natur der Natur zu ĂŒberlassen.

Das Argument, die FußgĂ€nger brĂ€uchten einen „Ausweg“ fĂŒr die sichere Passage, ist nur vorgeschoben. Jeder im Ort, der sich fĂŒr die VorgĂ€nge interessiert, weiß, dass Herrn Kessler die Vogelfreunde ein Dorn im Auge sind. Denn sie haben sich gegen sein Betonprojekt „Pfenning“ ausgesprochen. Und dass, obwohl einige bei der Gemeinde beschĂ€ftigt sind oder waren. Also bei ihm, dem BĂŒrgermeister, der von sich denkt und sagt, dass ihm die Gemeinde gehört.

So viel Zivilcourage muss „begrenzt“ und zurĂŒckgeschnitten werden.

Umso mehr, als ein ehemaliger „Bediensteter“ nun als ehrenamtlicher Gemeinderat im höchsten Gremium der Gemeinde mitwirkt: Kurt Klemm, der als Hausmeister fĂŒr die Gemeinde tĂ€tig war und nun im Ruhestand ist. Und einer, der es immer wieder wagt, dem BĂŒrgermeister zu widersprechen. Einer, der Fragen stellt, statt stumm abzunicken. Einer, der sich jenseits der großbĂŒrgermeisterlichsten Ideen aller Zeiten ganz anders engagiert. Mit Besinnung. Einer, der keinen RĂŒckschnitt als Fortschritt begreift.

Wer sich vor Ort selbst ein Bild macht, erkennt sofort die schwache Argumentationslage.

Wenn es wirklich darum ginge, den SpaziergĂ€ngern einen „Ausweichraum“ zu schaffen, um „gefĂ€hrliche Begegnungen“ mit Fahrzeugen auf dem Wirtschaftsweg zu vermeiden, dann mĂŒssten nicht nur die Hecken am Vogelpark weichen und ein „Schotterrasen“ neben der Fahrbahn angelegt werden.

Wenn dem so wĂ€re, mĂŒsste neben allen landwirtschaftlichen Wegen ein solcher „Schotterrasen“ angelegt werden, auf dem die SpaziergĂ€nger neben der Fahrbahn laufen könnten. Denn ausgerechnet vor Ort am Vogelpark ist mehr als genug Platz fĂŒr FußgĂ€nger, um ein Fahrzeug mit einem Schritt zur Seite passieren zu lassen.

Einsicht vs. FahrlÀssigkeit

TatsĂ€chlich mĂŒssen FußgĂ€nger sonst meistens „in den Acker treten“, wenn sie an anderer Stelle ausweichen wollen – vor allem Fahrzeugen, die hier eigentlich gar nicht fahren dĂŒrften, deren „Anlieger“-Status durchaus bezweifelt werden darf und die die Wege nutzen, um „abzukĂŒrzen“.

Auch das Argument der „Einsicht“ – also auf den landwirtschaftlichen Weg – ist durchschaubar. Wer keine Einsicht hat, schaut vorsichtig. Ob FußgĂ€nger oder Autofahrer. Tut weder der eine noch der andere das, handelt man fahrlĂ€ssig. Schafft man nun „Einsicht“, können zumindest Autos und Traktoren schneller fahren, denn sie sehen ja, ob da jemand steht oder lĂ€uft oder nicht.

Und darum scheint es zu gehen: Nicht das Spazieren zu befördern, sondern das Verkehren. Die Fahrzeuge sollen Platz bekommen.

BĂŒrgermeister Michael Kessler weiß, dass jeder „RĂŒckschnitt“ am Biotop einen Eingriff in die Seelen der VogelschĂŒtzer bedeutet. Die Heddesheimerinnen und Heddesheimer sollten das genau verstehen, sonst verstehen sie nicht, was der wahre „Antrieb“ ist.

Es geht um Macht. Und deren Demonstration. Ohne Sinn und Sinnlichkeit. Es geht gegen die Natur anderer, die nicht fĂŒr die „Macht“ sind.

Es geht um Durchsetzung von Interessen – angeblich im Sinne der Gemeinde. TatsĂ€chlich im Unsinn desjenigen, der sich dafĂŒr hĂ€lt.

Oder auch um die Bedienung der Landwirtschaftslobby, die „sehr gut“ im Gemeinderat vertreten ist. Vor allem beim Abnicken.

Wer nun vermutet, dass ein Interesse das andere bedient – tja, der hat eine Meinung. Und die lĂ€sst sich nicht so leicht zurĂŒckschneiden wie eine Hecke.

Wer meint, es gehe unter dem „vorgeschĂŒtzen“ Argument der „Sicherheit“ um eine Art „Revanche der Macht“, tja, der darf diese Meinung haben und sich vor Ort selbst ein Bild machen.

Anmerkung der Redaktion:
Hardy Prothmann ist verantwortlich fĂŒr das Heddesheimblog und selbst ehrenamtlicher Gemeinderat. Er ist als partei- und fraktionsfreier Gemeinderat stĂ€ndig mit der WillkĂŒr und Missachtung des BĂŒrgermeisters Michael Kesslers konfrontiert und kritisiert diesen fĂŒr dessen Intransparenz und seine heillose Leitung des Gemeinderats – 2009 hat Hardy Prothmann als unabhĂ€ngier Kandidat die Wahlliste der FDP mit herausragendem Vorsprung gewonnen. Zur Aufstellung auf der FDP-Liste sagt er heute: „Das ist einer meiner grĂ¶ĂŸten Fehler gewesen, fĂŒr die ich mich sehr schĂ€me. Ich bin parteilos und bleibe das. Die FDP hat mich gefragt, ob ich mich auf deren Liste als Kandidat bewerben wĂŒrde. Ich kann nur betonen, dass ich nichts mit dieser Partei und schon gar nicht mit diesem seelenlosen Ortsverband zu tun habe und froh wĂ€re, nicht auf dieser Liste gestanden zu haben.“

Vogelpark: Sieben „Wonneproppen“ beringt


Beringte Jungstörche in Heddesheim - dieses Jahr gibt es sieben Jungvögel. Tolle Leistung der Vogelfreunde: "Wahre Wonneproppen", attestiert Helmut Stein. Bild: VVH

Heddesheim, 31. Mai 2011. (red) Sieben Jungstörche – so viel Nachwuchs gab es noch nie in Heddesheim. Wer die jungen Vögel noch sehen möchte, sollte sich beeilen – in zwei Wochen werden sie anfangen, erste Flugversuche zu machen und dann die Umgebung erkunden, bevor sie vermutlich auf die lange Reise nach Afrika gehen. Dank der Beringung erfahren die Storchen-Paten, wo ihre Vögel gesichtet werden: Der Heddesheimer Nachwuchs tauchte zuletzt in MĂŒnster und Offenbach auf.

Von Kurt Klemm

Am Freitag, den 27. Mai 2011, hat Helmut Stein bei den freilebenden Weißstörchen fĂŒnf Jungstörche mit den Ringnummern: 359 – 363 beringt. Die zwei Jungstörche in der Voliere haben die Ringnummern: 364 – 365.

Helmut Stein, Leiter der Vogelwelt im Mannheimer Luisenpark, befand, dass alle sieben Jungstörche dank unserer ZufĂŒtterung richtige Wonneproppen wĂ€ren. Die Jungstörche werden in etwa 2 Wochen ihren Horst verlassen und die nĂ€chste Zeit mit ErkundungsflĂŒgen der nĂ€heren Umgebung verbringen, ehe sie die lange Reise nach Afrika antreten.

Obwohl, bedingt durch den Klimawandel viele Störche die weite Reise erst gar nicht mehr unternehmen, sondern bei uns in sĂŒdlichen Gefilden ĂŒberwintern.

Von der Vogelwarte Radolfzell „Max-Plank-Institut fĂŒr Ornithologie“ Bird Ringing Centre bekamen wir Nachricht, dass zwei Störche aus unserem Horst, die 2009 und 2010 mit folgenden Ringnummern AE..204 und AE..257 beringt wurden in MĂŒnster „Zoo Rheine“ und Offenbach „Stadion“ gesichtet und abgelesen wurden.

Hat dieses Jahr "ordentlich zu tun": FĂŒnf Jungstörche hat Helmut Sterin allein im "freien" Horst beringt, zwei weitere in der Vogliere. Bild: VVH

Anmerkung der Redaktion:
Kurt Klemm ist Vogelexperte und Naturschutzbeauftragter der Heddesheimer Vogelfreunde und -pfleger.

Da hat sich der Storch ein Nest gemacht – leider an der falschen Stelle


Heddesheim, 26. April 2011 (red) Im Vogelpark hat sich etwas kurioses ereignet. Ein junger Storchenmann hat fĂŒr sich ganz alleine ein Nest gebaut – allerdings an einer ungĂŒnstigen Stelle, nĂ€mlich auf dem Netz der Großvoliere, direkt oberhalb des brĂŒtenden Storchenpaars.

Das junge MĂ€nnchen sitzt auf der Volierenstange und klappert, was das Zeug hĂ€lt. Immer wieder wirft er den Kopf zurĂŒck und balzt, um auf sich aufmerksam zu machen.

Der eifrige Jungstorch wird aber kein GlĂŒck haben, denn Störche leben monogam und die Dame unter ihm ist schon vergeben und zieht mit ihrem Mann die Brut auf, die in den nĂ€chsten Tagen schlĂŒpfen wird.

Die Vogelfreunde beobachten das mit gemischten GefĂŒhlen: „Wir freuen uns eigentlich sehr ĂŒber den neuen Storch und dass er sich bei uns niederlassen will. Leider will er aber den Horst nicht annehmen und partout auf dem Netz bauen“, sagt Werner Dostal.

Ulrich Landenberger ergĂ€nzt: „Gerade haben wir das Netz neu gemacht und der Kerl hat keine bessere Idee, als sich direkt ĂŒber den brĂŒtenden Störchen breit zu machen.“

Das Problem: Der balzenden Storch macht die brĂŒtenden Störche nervös, die öfter als ĂŒblich das Nest verlassen. Damit fehlt die WĂ€rme fĂŒr die Eier. „Wir denken schon, dass alles gut geht, aber wir wollen nicht noch mehr Unruhe reinbringen und können das Nest erst entfernen, wenn die Jungen geschlĂŒpft sind“, sagt Landenberger.

Die Vogelfreunde haben extra einen respektablen Horst auf dem benachbarten Dach gebaut und schon ein wenig mit Reisig vorbereitet: „Bis jetzt nimmt er den aber noch nicht an.“

Wer die kuriose Situation in Doppelstockbauweise anschauen will, hat dazu noch ein paar Tage Gelegenheit. Vor allem am 01. Mai freuen sich die Vogelfreunde ĂŒber einen Besuch zum Grillfest.

Sobald die Jungvögel geschlĂŒpft sind, werden sich die Vogelfreunde daranmachen und sehr sorgsam die Äste aus dem Netz entfernen, denn sonst droht es, beschĂ€digt zu werden.

Vielleicht findet sich ja bald noch eine Storchendame, die das eifrige MĂ€nnchen ĂŒberzeugen kann, in das viel komfortablere Nest auf dem Dach umzuziehen.

Unten brĂŒten die nicht mehr flugfĂ€higen "Dauerstörche" des Vogelparks, obendrĂŒber im Nest hat sich ein neuer Mitbewohner breit gemacht. Die Vogelfreunde haben das Nest abgestĂŒtzt, damit das neue Schutznetz nicht beschĂ€digt wird. Bild: Vogelfreunde

Video: Jungstörche im Vogelpark sind beringt

Guten Tag!

Heddesheim, 05. Juni 2010. (red) Das heddesheimblog zeigt im Video exklusive Bilder der Jungstörche im Vogelpark. Helmut Stein, Leiter der Vogelwelt des Luisenparks, hat unsere Kamera hoch ins Nest mit- und den Nachwuchs aufgenommen.

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Helmut Stein beringt junge Störche im Vogelpark. Bild: heddesheimblog

Wollen Sie einen Blick in die Kinderstube der Storchenfamilie werfen? Das können Sie in unserem Video. Am Mittwoch, den 2. Juni 2010 waren Helmut Stein, Leiter der Vogelwelt im Mannheimer Luisenpark und Dietmar Matt vom Naturschutzbund Deutschland, Rhein-Neckar Odenwald, in Heddesheim, um die fĂŒnf Jungstörche zu beringen.

Die gute Nachricht: Die fĂŒnf Jungvögel sind in bester Verfassung. Eine schlechte Nachricht gibt es leider auch: Vor einigen Tagen ist allerdings ein Jungvogel aus dem Netz gestoßen worden – die GrĂŒnde sind unbekannt.

Die Ringe bekommen die Jungvögel ans rechte Bein oberhalb des Gelenks. Mit einem Fernglas können Vogelbeobachter die Nummern ablesen und den Standort der Vögel melden.

Am 13. Juni 2010 ist wieder Storchentag bei den Vogelfreunden im Vogelpark. Vor allem Kinder haben Spaß, eine Patenschaft fĂŒr einen der Jungstörche zu ĂŒbernehmen. DafĂŒr gibt es eine Urkunde und Informationen, wo und wann die Vögel auf ihrer Reise in den SĂŒden und zurĂŒck gesehen werden.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Vogelfreunde mit Maifest zufrieden

Guten Tag!

Heddesheim, 05. Mai 2010. Das Maifest ist fĂŒr die Vogelfreunde existenziell wichtig: Der erwirtschaftete Gewinn deckt einen großen Teil der Kosten des Vereins. Vorstand Werner Dostal: „Wir können zufrieden sein.“

FĂŒr rund 800 GĂ€ste hatten die Vogelfreude die Freizeithalle eingerichtet – von morgens 10:00 Uhr bis abends um 19:00 Uhr „herrschte trotz des ungĂŒnstigen Wetters reger Betrieb“, sagte Dostal: „Im Vergleich zum Vorjahr war der Umsatz nicht ganz so gut, aber unterm Strich kommen wir ĂŒber die Runden.“

Rund 50 HelferInnen waren im Einsatz: „Ohne diesen freiwilligen Einsatz könnten wir das gar nicht stemmen“, sagte Dostal und bedankte sich bei allen Helfern und den vielen GĂ€sten.

Der Verein der Vogelfreunde und -pfleger feiert dieses Jahr sein 50-jÀhriges JubilÀum.

Eine erfreuliche Meldung hat Werner Dostal aus dem Vogelpark: „Beide Storchenpaare haben Junge.“ Die Störche, die dauerhaft „unterm Netz“ leben, haben zwei Junge, „beim Horst wissen wir nicht genau, wie viele es sind, man sieht aber schon, wie sie die HĂ€lse nach Futter strecken.“

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Kurt Klemm erhÀlt VDW-Naturschutzpreis 2010

Guten Tag!

Heddesheim, 19. April 2010. Kurt Klemm, Naturschutzbeauftragter der Heddesheimer Vogelfreunde, ist fĂŒr „herausragende Leistungen“ in Sachen Naturschutz und Erhalt der Vogelwelt ausgezeichnet worden.

Von Horst Pölitz

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Herbert Geitner ĂŒberreicht "Vogeluhr" an Kurt Klemm (rechts). Bild: heddesheimblog/pöl

„Der diesjĂ€hrige PreistrĂ€ger ist in Heddesheim und Umgebung eine bekannte Persönlichkeit, die sehr viel fĂŒr den Naturschutz und die Erhaltung der Vogelwelt getan hat und tut“, sagte Herbert Geitner, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbandes Deutscher Waldvogelpfleger und VogelschĂŒtzer (VDW) am Samstag, den 17. April 2010 zur Feierstunde im Vereinshaus der KleintierzĂŒchter.

„Kurt Klemm ist immer noch sehr aktiv im Naturschutz. Im Rahmen der Vereinsarbeit hat er im Kampf um das Schutzgebiet beim Vogelpark, in zĂ€hem Ringen mit der Gemeinde, einen Konsens herbeigefĂŒhrt und sogar eine Erweiterung des Schutzgebiets erreichen können.“

Geitner lobte den vielfĂ€ltigen Einsatz von Klemm: Ob Birdwatching, Informationen zur FĂŒtterung von Vögeln, die Arbeit mit Kindern, das Vogelbeobachtungsprogramm. „Kurt Klemm hat als Initiator vieler NaturschutzaktivitĂ€ten den diesjĂ€hrigen VDW-Naturschutzpreis mehr als verdient.“

Zum Preis gab es eine Vogeluhr – die speziell fĂŒr den VDW gefertigt wurde.

Der Preis wurde im Rahmen der Jahreshauptversammlung des VDW-Landesverband Baden-WĂŒrttemberg ĂŒbergeben, die dieses Jahr in Heddesheim stattfand.

Der Verein der Vogelfreunde und -pfleger hatte bereits 2005 den Naturschutzpreis des VDW erhalten.

Video: Merino-Schafe zu Gast in Heddesheim

Guten Tag!

Heddesheim, 11. April 2010. In Heddesheim sind fĂŒr einige Wochen Schafe zu Gast – fĂŒnf Jungschafe beweiden die Streuobstwiese am Vogelpark. Hier haben sie Ruhe und können sich stĂ€rken – das mĂŒssen sie auch, denn noch vor kurzem wurden sie so schlecht gehalten, dass das VeterinĂ€ramt den alten Betrieb „zumachte.

Von Hardy Prothmann

Ungewohnter Betrieb auf der Streuobstwiese. Am Samstagmorgen fahren Michael Finkbeiner sowie Annette und Michael Pfeiffer einen HÀnger ins GelÀnde.

FĂŒnf Merino-Schafe sind darin, alle etwa ein halbes Jahr alt. Die Schafe werden einzeln vom HĂ€nger geholt, dann werden die Hufe der Tiere zurecht geschnitten.

Das ist nötig, denn die jungen Schafe sind zwar erst einige Monate auf der Welt, haben aber schon ein schlechtes Leben hinter sich. Nicht artgerecht wurden sie gehalten. Eng zusammengepfercht. Die Pfoten standen im eigenen Kot. Kein Auslauf war ihnen möglich.

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Michael Finkbeiner und Annette Pfeifer bereiten ein Merino-Schaf fĂŒr die Weide vor. Bild: heddeseheimblog

Das VeterinĂ€ramt Weinheim hat einen Schafzuchtbetrieb geschlossen und die rund 60 Schafe neuen Besitzern zugefĂŒhrt. Michael Finkbeiner, Silvia Singer, Annette und Michael Pfeifer sind HobbyschĂ€fer und haben fĂŒnf Merino-Schafe ĂŒbernommen.

Eigentlich sind Merino-Schafe fĂŒr ihre sehr gute QualitĂ€t der Wolle bekannt – die Wolle der jungen Schafe ist verfilzt und dreckig: „So sehen die normalerweise nicht aus“, sagt Annette Pfeifer nĂŒchtern. Man merkt, dass die Verwaltungsangestellte sauer ist.

Und sie ist fest entschlossen, dass zu Ă€ndern. Resolut schneidet sie den Schafen die Hufe und freut sich, dass diese hĂ€rter geworden sind – das Stehen im Kot hatte sie mĂŒrbe gemacht. Die Schafe waren in einem schlechten Zustand, als die HobbyschĂ€fer vom „Fuchshof Rippenweier“ die Tiere „ĂŒbernommen“ haben.

Fuchshof heißt das private Projekt, weil die vier Hunde- und Schafliebhaber eigentlich „Coburger FĂŒchse“ zĂŒchten wollen – jetzt aber auch Merino-Schafe haben. Die „FĂŒchse“ gelten als gefĂ€hrdete Haustierrasse.

Sie schneiden das Filz am RĂŒcken weg, um danach ein Mittel direkt auf die Haut aufzubringen, das Parasiten, beispielsweise WĂŒrmer abtötet. Die Arbeit am Schaf ist anstrengend, die HobbyschĂ€fer sind engagiert und beherzt dabei.

Zwei bis drei Wochen werden die Schafe die eine HÀlfte der Streuobstwiese beweiden, danach noch einmal so lange den anderen Teil. Danach geht es zur nÀchsten Weidestelle.

TĂ€glich werden die SchafzĂŒchter, die im Hauptberuf Verwaltungsangestellte, Controller, LandschaftsgĂ€rtner und Sozialarbeiterin sind, die Schafe mit Wasser versorgen und schauen, „ob alles in Ordnung ist“.

Damit die Schafe nicht ausbĂŒchsen, haben sie die Wiese eingezĂ€unt. Auf dem Zaun liegt Strom: „Eine Lektion reicht, dann wissen die Schafe, dass sie sich davon verhalten sollten. Der untere Teil des Zaunes ist ohne Strom, damit Hasen, RebhĂŒhner, Fasane und andere bodennahe Tiere unbehelligt hindurch schlĂŒpfen können.

Hundebesitzer, die am Rand der Streuobstwiese spazieren gehen, sollten also ihre Hunde angeleint lassen, damit sich diese keinen „Schlag abholen“ – abgesehen davon sollten Hunde entweder gut geschult sein oder an der Leine gefĂŒhrt werden.

FĂŒr die HobbyschĂ€fer und den Vogelverein ist es eine „Win-Win-Situation“: Die tierischen „RasenmĂ€her“ erledigen ruhig und zuverlĂ€ssig das MĂ€hen der Wiese – die Schafe können hier gutes Futter finden und sich nach ihrem Martyrium stĂ€rken.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Eröffnung Vogelpark: „Ein Ort der Ruhe und der Natur.“

Guten Tag!

Heddesheim, 27. MĂ€rz 2010. Heute öffnet der Vogelpark fĂŒr die Saison 2010. Und: Der Verein der Vogelfreunde und -pfleger 1960 e.V feiert dieses Jahr sein 50-jĂ€hriges JubilĂ€um. Im Interview mit dem heddesheimblog sprechen Werner Dostal (Vorsitzender) und Ulrich Landenberger (Kassierer) ĂŒber das Heddesheimer Vogeljahr 2010.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Dostal, Herr Landenberger: „Heute öffnet der Vogelpark und der Verein feiert dieses Jahr sein 50-jĂ€hriges JubilĂ€um. Was haben Sie fĂŒr ein Programm geplant?“
Werner Dostal: „Wir haben insgesamt acht große Veranstaltungen darunter die Jahreshauptversammlung des VDW (Verband deutscher Waldvogelpfleger- und SchĂŒtzer e. V.), unser Mai-Grillfest, das Vogelparkfest und den JubilĂ€umsabend. Da ist viel zu tun, aber wir freuen uns drauf.“

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Werner Dostal ist Vorsitzender der Vogelfreunde. Bild: hblog

Und der Vogelexperte, Professor Berthold hat sich angesagt?
Dostal: „Ja, auf Vermittlung von Kurt Klemm. ÃƓber den Besuch freuen wir uns natĂŒrlich sehr.“

Auch im Vogelpark ist immer etwas zu tun. Wie haben die Tiere den Winter ĂŒberstanden?
Ulrich Landenberger: „Insgesamt gut – ein, zwei Vögel aus dem Freigehege sind nicht mehr da – so ist halt die Natur. Obs einen Unfall oder eine Begegnung mit einem Bussard gab, wissen wir nicht.“

Es gab auch schon Probleme mit FĂŒchsen?
Landenberger: „Leider. Wir haben das Loch im Zaun gefunden und seit drei Jahren haben wir und die Vögel Ruhe.“

Sind die Störche schon zurĂŒck?
Landenberger: „Die sind zurĂŒck und brĂŒten schon, sowohl die „wilden“ Störche als auch unsere Störche in der Voliere, die wegen ihrer FlugunfĂ€higkeit stĂ€ndig bei uns leben. Ab Mitte bis Ende April werden die Jungen schlĂŒpfen.“

Sind die Störche die Hauptattraktion des Vogelparks?
Dostal: „Viele kommen wegen der Störche, aber natĂŒrlich machen auch unser schöner Pfau, die vorlauten Beos oder auch der „Lustige Hans“ unseren Besuchern viel Spaß. Insgesamt ist der Vogelpark ein Ort der Ruhe und der Natur, das gefĂ€llt den Besuchern.“

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Ulrich Landenberger ist Kassier des Vereins, kĂŒmmert sich aber vor allem um die "Verpflegung" der Vögel. Bild: hblog

Wie sieht es mit der Situation des Vereins aus?
Landenberger: „Gut bis sehr gut. Wir haben rund 250 Mitglieder und mit fĂŒnfzehn Jugendlichen eine aktive Jugendgruppe. Und viele Helfer, die sich sehr gut um den Park kĂŒmmern – ohne die könnten wir das nicht leisten.“

Sie haben aber auch einen sehr erfolgreichen ZĂŒchter im Verein, Joerg Landenberger. Wie wichtig ist das?
Dostal: „Die Arbeit von Joerg (Sohn von Ulrich Landenberger, Anm. d. Red.) fĂŒr den Verein ist sehr wichtig. Privat zĂŒchtet er zudem Prachtfinken und ist damit sehr erfolgreich. Diese Erfolge sind natĂŒrlich Werbung fĂŒr ihn und auch fĂŒr uns.“

A propos Erfolg – den braucht es auch finanziell, der Vogelpark ist teuer.
Dostal: „Wir brauchen rund 5.000 Euro im Jahr, vor allem fĂŒr Futter, aber auch fĂŒr Material. Beispielsweise mĂŒssen wir dieses Jahr ein neues Netz (600 Euro) fĂŒr die große Voliere anschaffen, weil das alte brĂŒchig wird. Neben den MitgliedsbeitrĂ€gen ist unsere Haupteinnahmequelle das Maifest. Wenn das gut lĂ€uft, sind wir sehr beruhigt.“

Sind Sie mit der Situation des TeilstĂŒcks des neuen Rundwegs um den Badesee zufrieden?
Dostal: „Ja, das wurde so umgesetzt wie ausgehandelt. Wir werden drei BĂ€ume zur Bepflanzung spenden und die Patenschaft fĂŒr deren Pflege ĂŒbernehmen.“

Apropos Patenschaft. Gibt es die Storchenpatenschaft wieder?
Dostal (lacht): „Na klar. Im Juni, zum Tag des Storchs.“

Link:
Link: Der Vogelverein im Internet

Tipp:
Alle Termine zum Vogelpark und den Vogelfreunden finden Sie in unserem Terminkalender Heddesheim. Wenn Sie rechts oben im Kalender auf „TerminĂŒbersicht“ klicken – können Sie Kalender durch Anklicken ab- und auswĂ€hlen. WĂ€hlen Sie beispielsweise alle anderen Kalender ab – sehen Sie nur noch die Termine fĂŒr den Vogelverein.

In eigener Sache: Zugriffsrekord auf das heddesheimblog

Guten Tag!

Heddesheim, 12. Januar 2010. Der Artikel „Was Meinungsfreiheit bedeutet oder wie der MM die Meinung manipuliert“ verzeichnet die bislang höchste Zugriffszahl auf einen Artikel innerhalb eines Tages: Der Text wurde bislang 3.360 3.555 Mal innerhalb eines Tages abgerufen.

Am Anfang eines Monats bringen wir die Vormonatsstatistik. Heute machen wir eine Ausnahme, denn der 12. Januar 2010 ist aus Sicht der Redaktion ein Rekordtag.

regional

Verteilung der Hauptzugriffe vom heutigen Tag. Klicken Sie fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Darstellung. Quelle: 1&1

ÃƓber 3.360 Mal (Stand: 22:00 Uhr) wurde unser Kommentar ĂŒber die manipulative Berichterstattung des Mannheimer Morgens angeklickt. Die Top-Regionen sind laut unserem Statistik-Server:

  1. Mannheim
  2. Heidelberg
  3. Kaiserslautern
  4. Karlsruhe
  5. Heilbronn
  6. Hamburg
  7. Berlin
  8. Darmstadt
  9. Aschaffenburg
  10. Stuttgart

Von hier kamen zwischen mehr als sieben bis gut zwei Prozent der Zugriffe, insgesamt addieren sich die Zugriffe der Top 10 auf gut 40 Prozent. Der Rest verteilt sich nahezu ĂŒber „ganz“ Deutschland.

Die Meldung ĂŒber unseren Artikel auf Bildblog.de ist ganz eindeutig der „Verursacher“ fĂŒr die ĂŒberwĂ€ltigende Resonanz. Wer im Rest der Republik interessiert sich sonst schon fĂŒr Heddesheim/Nordbaden mit seinen 11.500 Einwohnern?

Wir haben etwas mitgeholfen und den außergewöhnlichen Zugriff auf Twitter, Facebook sowie Wer-kennt-wen kommuniziert.

Insgesamt hat unser Statistikserver heute 46.000 Zugriffe gezĂ€hlt – durchschnittlich haben wir mit steigender Tendenz 20.-25.000 Zugriffe am Tag. TĂ€glich haben wir im Schnitt ĂŒber 2.000 Besucher. Das ist die Zahl, die wir unseren Werbekunden kommunizieren. TatsĂ€chlich geht es in Richtung 2.500 Besucher/Tag, diese Zahl verwenden wir aber erst, wenn der tĂ€gliche Zugriff deutlich darĂŒber liegt. Heute waren es ĂŒber 7.200 Besucher.

Sehr erfreut sind wir ĂŒber das enorme Interesse vor allem aus folgenden GrĂŒnden: Berichte ĂŒber „guten“ und „schlechten“ Journalismus  sorgen fĂŒr eine hohe Aufmerksamkeit. Das heißt, viele Menschen in Deutschland beschĂ€ftigen sich mit diesem Thema, was wir sehr begrĂŒĂŸen.

Viele emails von anderen anderen lokalen blogs zeigen uns, dass dort sehr genau studiert wird, was das heddesheimblog als professionelle, journalistische Plattform so treibt. Denn viele der lokalen blogs werden von Nicht-Journalisten gemacht. Und die meisten befinden sich in einer Àhnlichen Situation: Zeitungsmonopolisten bieten unkritischen Bratwurstjournalismus statt einer ordentlichen Berichterstattung. Durch das Internet und die Vernetzungsmöglichkeiten haben es diese Meinungsmonopolisten nun schwerer.

Ganz egoistisch freuen wir uns darĂŒber, dass nun sehr, sehr viele Menschen in Deutschland das heddesheimblog kennen und gerne eingeladen sind, ab und an vorbeizuschauen. Auch beim hirschbergblog und demnĂ€chst beim ladenburgblog.

Wir freuen uns aber auch fĂŒr die Gemeinde Heddesheim, die vollkommen unentgeltlich nun bundesweit bekannt ist – ohne dass ein Massaker oder ein anderes schlimmes Ereignis fĂŒr eine zweifelhafte Bekanntheit sorgte. Wer im Sommer auf der Durchreise ist: Wir haben einen wundervollen Badesee. Und einen herrlichen Vogelpark. Der ist zwar unter Vogelliebhabern schon sehr bekannt – verdient aber eine noch grĂ¶ĂŸere Fan-Gemeinde. Und 2010 feiert der Verein der Vogelfreunde 50-jĂ€hriges JubilĂ€um. Es ist das Jahr der „Heddesheimer Vögel“.

Ganz besonders freuen wir uns fĂŒr den MGV 1847 e.V. Denn kurioserweise wurde der Text ĂŒber den Ball des MĂ€nnergesangsvereins im Zuge des anderen Artikels 1.856 Mal angeklickt. So viel Aufmerksamkeit auf einen Schlag dĂŒrfte der Verein in seiner 163-jĂ€hrigen Geschichte noch nie gehabt haben.

Und wir freuen uns fĂŒr den neuen Kollegen Horst Pölitz, der den Text ĂŒber den MGV geschrieben hat. Unser freier Mitarbeiter ist im wohlverdienten Ruhestand, lernt aber seit ein paar Monaten das journalistische Handwerk und ist, wie er gerade per Mail mitgeteilt hat, fassungslos ĂŒber die Aufmerksamkeit, die sein Text gefunden hat. Wir sagen: QualitĂ€t setzt sich durch! 😉

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Das Jahr der Heddesheimer Vögel

Guten Tag!

Heddesheim, 05. Januar 2010. Der Verein der Vogelfreunde- und pfleger 1960 e.V. feiert in diesem Jahr sein 50-jĂ€hriges JubilĂ€um. Am Sonntag, den 10. Januar, wird der Verein Gastgeber beim Neujahrsempfang der Gemeinde sein. ÃƓbers JubilĂ€umsjahr sind viele Aktionen und Angebote geplant. Das heddesheimblog dokumentiert einen Grundsatztext zum „Jahr der Heddesheimer Vögel“.

Dokumentation: Verein der Vogelfreunde und Pfleger 1960 Heddesheim e.V.

„50 Jahre Vogelverein – das sind aber auch 50 Jahre Vogel-und Naturschutz in Heddesheim.

Aus diesem Anlass möchten wir die gesamte Einwohnerschaft mit einbeziehen, unter dem Motto „Das Jahr der Heddesheimer Vögel“, um festzustellen, wie viele Vogelarten und wie hĂ€ufig diese noch in Heddesheim anzutreffen sind. Wir wĂŒrden uns freuen, wenn recht viele Einwohner mitmachen wĂŒrden.

Egal ob im Garten, am Haus oder bei ihren SpaziergÀngen in der Feldflur: Melden Sie uns unter der unten angegebenen Telefonnummer den von Ihnen endeckten Vogel. Wann, wie viele und wo sie anzutreffen waren.

Auch wenn Sie sich nicht sicher sind, was fĂŒr einen Vogel Sie gesehen haben – wir helfen Ihnen gerne weiter. Der Verein will versuchen, Sie durch entsprechende VortrĂ€ge mit der einheimischen Vogelwelt bekannt zu machen.

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Störche im Heddesheimer Vogelpark. Bild: kk

Zum Beispiel spielen bei den Vögeln deren SchnÀbel eine ganz entscheidende Rolle. Auf Grund der verschiedensten Schnabelformen unserer Gefiederten, sind Sie als Vogelbeobachter in der Lage, eine grobe Vorbestimmung vorzunehmen.

So haben körnerfressende Vögel meistens einen kurzen, krĂ€ftigen kegelförmigen Schnabel. WĂ€hrend die Insektenfresser einen lĂ€ngeren, dĂŒnnen, pinzetenartigen Schnabel besitzen.

Greifvögel und Sittiche haben einen krummen Schnabel. WÀhrend die Schreitvögel, wie der Storch und Fischreiher, mit einem langen und krÀftigen SchnÀbel ausgestattet sind.

Die Natur hat fĂŒr jede Vogelart eine bestimmte Futterart vorgesehen, die ihnen das ÃƓberleben ermöglicht.

So hat der Fichtenkreuzschnabel, der uns im Winter besucht, schon wie der Name sagt, einen gekreuzten Schnabel, der ihm ermöglicht, die Fichtensamen aus den Schuppen der Zapfen zu holen. Nur er ist deshalb durch diese Schnabelkonstruktion in der Lage, an diese Futterart zu kommen. Kein anderer Vogel kann ihm dieses Futter streitig machen.

Den krĂ€ftigsten Schnabel unter den Körnerfresser hat der Kernbeißer. Er kann damit die harten Kirschkerne knacken, wĂ€hrend der Stieglitz mit seinem langen und spitzen Schnabel an den Samen der KorbblĂŒtler, wie der Distel, ohne Probleme kommt. Das hat ihm den Beinamen Distelfink eingebracht.

Bei den Insektenfressern hat der GartenbaumlĂ€ufer einen lĂ€nglichen, leicht gebogenen dĂŒnnen Schnabel, mit dem es ihm gelingt, Insekten unter einer Rinde oder Baumspalte herauszuholen.

Die Spechte dagegen klopfen die Rinde mit krĂ€ftigen SchlĂ€gen ab und benutzen oft ihre spitze Zunge, um die darunter befindlichen KĂ€ferlarven aufzuspießen und zu verzehren.

Mit ihren krummen SchnĂ€beln sind die Beutegreifer wie der Turmfalke in der Lage, eine Maus zu zerteilen, um sie in kleinen StĂŒcken zu verzehren.

Die Schreitvögel wie Storch und Fischreiher benutzen ihre SchnĂ€bel wie einen Speer, um damit Fische, Frösche und andere Amphibien aufzuspießen.

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Ein Heddesheimer "Star" lÀsst es sich schmecken. Bild: kk

Unsere Meisen, wie die Kohl-und Blaumeisen, können mit ihren SchnĂ€bel im Sommer Insekten fangen und im Winter, wenn es keine Insekten mehr gibt, sind sie mit ihren SchnĂ€beln in der Lage, ölhaltige SĂ€mereien (Sonnenblumenkerne, Hanfsamen, NĂŒsse usw.) aufzupicken und zu fressen.

Die schwalbenartigen, wie Mehlschwalbe, Rauchschwalbe und Mauersegler haben einen großen Rachen. Indem sie ihn weit aufreißen, gelingt es ihnen, die Fluginsekten aus der Luft zu erhaschen. Diesen Luftraum macht ihnen keiner streitig, so dass fĂŒr sie immer Nahrung vorhanden ist.

Und gerade diese Spezialisierung auf geeignete Nahrung ermöglicht unseren Vögel die Arterhaltung und somit die Bereicherung der Artenvielfalt.

Aber auch die Stimme und besonders der Gesang unserer Vögel sind wesentliche Unterscheidungsmerkmale der vielfÀltigen Arten.

Bald werden Sie auch feststellen, dass Gesang nicht gleich Gesang ist.

Viele Vögel sind ausgezeichnete Spötter, die den Gesang anderer Vogelarten nachahmen können.

Ein bestes Beispiel sind Gelbspötter oder Blaßspötter. Aber auch unser Star kann uns mit seiner Nachahmung der Vogelstimmen gehörig auf den Leim fĂŒhren. Doch auch hier macht ÃƓbung den Meister und mit unserem Gehör sind wir durchaus in der Lage, mit der Zeit zu unterscheiden, ob ein Buchfink singt oder ob ein Spatz tschilpt oder eine Schwalbe zwitschert.

Wussten Sie, dass unsere Vögel die einzigen Lebewesen auf der Erde sind, die Federn tragen und in allen Klimazonen unserer Erde vertreten sind? Diese reicht vom kalten Nordpol, bis zur heißen Sahara.

Die Eulenvögel haben zum Beispiel kleine gezackte Schwungfedern an ihren FlĂŒgeln, um damit völlig gerĂ€uschlos durch die Nacht zu fliegen.

Die Federn dienen den Vögeln aber auch zum Schutz gegen WitterungseinflĂŒsse: KĂ€lte, NĂ€sse und Hitze. Sie besitzen ein breites Farbenspektrum, das sowohl zur Tarnung gegen Feinde, als auch als Mittel der visuellen Kommunikation dient.

An dem Federkleid der Vögel können wir aber auch die vielen Arten bestimmen.

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Mittelspecht und Kohlmeise frĂŒhstĂŒcken gemeinsam. Bild: kk

Auf all diese Dinge sollten Sie einmal bei einem Naturspaziergang, am Haus oder im Garten achten. Sie werden erleben, wie schnell Sie sich mit diesen Dingen auskennen und es Ihnen riesig Spaß bereitet, je mehr Sie sich mit der Natur befassen.

Vielleicht probieren Sie es auch einmal mit der ganzen Familie und beziehen Ihre Kinder und Verwandten mit ein.

Aber auch als gute Nachbarn können Sie sich austauschen.

NatĂŒrlich brauchen Sie Ihre Beobachtungen nicht tĂ€glich bei uns melden. Es reicht wöchentlich oder monatlich oder wie Sie gerade Zeit haben.

Wie Sie an diesen Beispielen sehen, kann eine Vogelbeobachtung in der freien Natur und der frischen Luft durchweg spannend, unterhaltend und lehrreich sein. Der Vogelverein zĂ€hlt auf Sie und wĂŒrde sich ĂŒber Ihre Teilnahme riesig freuen.

Geben wir unserer Natur und ganz besonders den gefiederten Freunden ein faire Chance, in dem wir im Feld, im Garten und in den öffentlichen Anlagen kleine Flecken unberĂŒhrter Natur ein Jahr lang stehen lassen.

Sie werden sehen, dass in den kleinsten Dingen die Natur ihre allergrĂ¶ĂŸten Wunder vollbringt.

Unter diesen Telefonnummern können Sie ihre Vogelbeobachtungen melden:
06203/ 44748
06203/ 44272
06203/ 45106

Kurt Klemm“

Anmerkung der Redaktion:
Kurt Klemm ist seit seiner Jugend Mitglied im „Vogelverein“ und seit der Kommunalwahl 2009 parteiloser Gemeinderat in der Fraktion von BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen. Von 1974-1980 war er Vorstand des Vereins. Seit 1988 ist Werner Dostal Vorsitzender des Vereins.

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Jeden Samstag im Einsatz fĂŒr den Vogelpark

Guten Tag!

Heddesheim, 31. Oktober 2009. Heddesheim hat ein kleines Juwel am Badesee – den Vogelpark. Die Tiere mĂŒssen tĂ€glich versorgt werden – am Wochenende trifft sich eine kleine Mannschaft von meist zehn MĂ€nnern, die die Anlage und die Volieren pflegen.

heddesheimblog

Die Arbeit muss gemacht werden – aufschieben können die MĂ€nner nichts, denn die Tiere sind auf ihre FĂŒrsorge angewiesen. Und die Besucher freuen sich ĂŒber gepflegte Rabatten, Wege und Volieren.

ÃƓberwiegend verantwortlich fĂŒr den hervorragenden Zustand der Anlage ist eine Mannschaft von rund zehn MĂ€nnern, die sich jeden Samstag im Vogelpark trifft, um alle notwendigen Arbeiten vorzunehmen:

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von links: Jeffery Gehlert, Horst TÀubert, Ulrich Landenberger, Jörg Landenberger, Sergey Zheryakov, Sigbert Helfrich, Georg Klemm, Andre Peter, Werner Maas (genannt "Chef"), Benno Kubitz.

Ein außerordentliches Engagement ĂŒbernimmt Ulrich Landenberger, der ĂŒberwiegend zustĂ€ndig fĂŒr die FĂŒtterung der Tiere ist: Er ĂŒbernimmt seit Jahren tĂ€glich diese Aufgabe. Sicher gibt es viele Geschichten zu erzĂ€hlen, warum er und die anderen MĂ€nner sich so einbringen.

Eine ist die von Sergey Zheryakov, der aus Russland nach Deutschland gekommen ist und zunÀchst als 1-Euro-Jobber im Vogelpark mitarbeitete. Heute hat er eine Anstellung und hilft immer noch jeden Samstag. Unentgeltlich, weil ihm die Gemeinschaft gefÀllt.

Eine der frei lebenden GĂ€nse hat eine „Liebesbeziehung“ zu Benno Kubitz aufgebaut – sobald er das Gehege betritt, kommt sie um zum „Schmusen“ – aber nur bei ihm. Warum sich die Gans „ihren“ Benno ausgesucht hat, weiß niemand – aber es ist wirklich herzig zu sehen, welche Beziehung der Vogel zu Benno Kubitz hat.

Jörg Landenberger ist passionierter und prĂ€mierter VogelzĂŒchter. Jeder der MĂ€nner hat seinen Grund, warum er sich hier im Vogelpark engagiert.

Zusammen haben sie in den vergangenen Wochen die Anlage fit fĂŒr den Winter gemacht: Die Volieren bleiben offen – dahinter befinden sich die Winterquartiere fĂŒr die Vögel, die vor dem Frost schĂŒtzen – gerade Exoten sind ĂŒberlebensnotwendig darauf angewiesen. Alle Reparaturarbeiten ĂŒbernehmen die MĂ€nner selbst.

Der Heddesheimer Vogelpark ist ein besonderer: Es geht nicht um die Ausstellung möglichst exotischer Vögel – obwohl es die gibt, wie beispielsweise den „Lachenden Hans“, der eigentlich in Australien zu Hause ist – es geht um eine möglichst schonende Heimat fĂŒr Vögel, die beim Verein abgegeben werden.

Weil die Halter ĂŒberfordert waren oder andere Menschen verletzte Tiere gebracht haben, die hier eine ruhige Heimat finden. So auch zwei Störche, die wegen ihrer Verletzungen nicht mehr nach Afrika ziehen können, aber ein wunderbares Leben in der Voliere haben.

Der Verein der Vogelfreunde und -pfleger 1960 e.V. wird im kommenden Jahr 50 Jahre alt. Von Anfang an kĂŒmmerten sich engagierte Vogelfreunde um den Aufbau und den Unterhalt des Vogelparks – einer heute mittelgroßen Anlage, die aber durch ihren gepflegten Zustand ein Ort der Ruhe und der NĂ€he zur Natur ist.

Das angrenzende Feuchtbiotob wird 25 Jahre alt, die benachbarte Streuobstwiese ist zehn Jahre alt, beide befinden sich in der Pflege des Vereins.

Mehrere Preise haben die Vogelfreunde fĂŒr ihre Anlage schon erhalten, zuletzt 2005 den Naturschutzpreis des Verbands Deutscher Waldvogelpfleger und VogelschĂŒtzer e.V.

Heute schließt der Park fĂŒr die Winterpause und öffnet wieder am 1. April. GerĂŒchteweise hat das heddesheimblog in Erfahrung gebracht, dass ein letzter Besuch noch am 1. November möglich sein könnte…

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Link: Der Vogelverein im Internet

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Storchentag 2009 – 13 neue Paten

Guten Tag,

das Wetter war nicht das Beste fĂŒr einen Ausflug in den Vogelpark. Trotzdem war zum Storchentag der des Vereins der Vogelfreunde ordentlich was los.

Vereinsmitglieder bewirteten die GĂ€ste. In einer Regenpause informierte Kurt Klemm (siehe PortrĂ€t „Der Freund der Vögel„) in einem Vortrag die Besucher ĂŒber die Heddesheimer Störche, die vor kurzem beringt wurden und nun erste Flugversuche starten.

Die „Vogeljugend“ half fleißig mit und stand den Besuchern fĂŒr AuskĂŒnfte zur VerfĂŒgung.

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Die Jugendgruppe der Vogelfreunde beim Storchentag 2009. Bild: AS

Auch dieses Jahr konnten Besucher wieder eine Patenschaft fĂŒr die jungen Störche ĂŒbernehmen. Folgende Personen haben dafĂŒr mindestens zehn Euro pro Kopf und fĂŒr eine Patenschaftsurkunde ausgegeben, die die Kasse der Vogelfreunde stĂŒtzen:

Hannah Frey
Veronika + Horst Pölitz
Sophie Peter
Wolfgang Meluhn
Vera Ammon
Stefan Winkler
Hedwig Christophel
Gudrun Ripp
Heinz Schmitt
Peter Wittek
Wiltraut Wolff
Walter Wolff

Die Paten erhalten Informationen ĂŒber „ihre“ Störche, sobald diese gesichtet werden und die Ringnummern abgelesen werden.

Ein Heddesheimer Storch wurde in Kusel identifiziert. Kurt Klemm: „Warum der in Kusel gelandet ist, wissen wir natĂŒrlich nicht, wahrscheinlich gefĂ€llts ihm da. Ein Grund ist sicher auch der Klimawandel. Seit es bei uns nicht mehr so kalt ist, haben viele Zugvögel ihr Verhalten verĂ€ndert, weil sie auch hier im Winter Futter finden.“

Hier gehts zur Bildergalerie vom Storchentag

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Fotos vom Storchentag

Alle Bilder: soso

Der Freund der Vögel

Kurt Klemm ist ein leidenschaftlicher Mensch. Seine Begeisterung gilt der Natur. Seine Liebe zu den Vögeln hat er bereits als Junge entdeckt.

von Hardy Prothmann

„Ich versuche, den Menschen die Natur nĂ€her zu bringen“, sagt Kurt Klemm (62). Das klingt bescheiden, ist es auch, aber irgendwie auch nicht. Denn er versucht es nicht nur, sondern er hat Erfolg damit.

Kurt Klemm mit einem Spatz: das das Findelkind hat er groß gezogen. Bild: privat

Kurt Klemm mit einem Spatz: das "Findelkind" hat er groß gezogen. Bild: privat

1960 grĂŒndete sein Vater mit anderen den Verein der Vogelfreunde e.V. in Heddesheim. Heute, 49 Jahre spĂ€ter, unterhĂ€lt der Verein seit 1973 ein Vogelschutzgebiet. 1978 kam der Vogelpark hinzu. Mit viel MĂŒhe hat sich der Verein weiteres GelĂ€nde dazu erkĂ€mpft, eine Streuobstwiese und ein StĂŒck naturbelassen Wald zwischen dem Park und dem Badesee. Der Wald wurde vom Verein erst aufgeforstet.

Das ist ein Naturschutzgebiet.“ Kurt Klemm

Die Gemeinde nennt das GelĂ€nde „Naherholungsgebiet“. Kurt Klemm sagt: „Das ist ein Naturschutzgebiet.“ Dieser Unterschied ist ihm sehr wichtig.

Kurt Klemm als Junge mit einer KrÀhe auf dem Arm. Bild: privat

Kurt Klemm als Junge mit einer KrÀhe auf dem Arm. Bild: privat

Das heddesheimblog trifft Kurt Klemm im Vogelpark. „Sehen Sie unsere Storchenkinder? Die sind jetzt drei Wochen alt. In zwei, höchstens drei Wochen werden sie flĂŒgge und das erste Mal ihr Nest verlassen“, sagt Kurt Klemm. Weiter erzĂ€hlt er, dass die Jungstörche, solange sie noch im Netz hocken, „beringt“ werden mĂŒssen: „Die Jungen bekommen dann eine Nummer und zum Tag des Storchs können die Heddesheimer Kinder dann eine Patenschaft fĂŒr den Storch erhalten. Sie erfahren dann, wie es ihrem Storch so geht und wo er gesichtet wird.“

Drei Junge hat das Paar, die werden bald beringt. Bild: pro

Drei Junge hat das Paar, die werden bald "beringt". Bild: pro

Allerdings mĂŒssen die Paten Geduld haben: „Wenn die Jungstörche groß genug sind und ihre lange Reise nach Afrika antreten, werden sie wahrscheinlich erst in drei Jahren wieder zurĂŒckkommen, dann sind sie geschlechtsreif und suchen sich hier einen Partner.“

Faszinierende Vogelwelt

Kurt Klemm fĂŒhrt durch den Park. Zu jedem Vogel hat er mindestens eine Geschichte zu erzĂ€hlen. Manche Vögel hat der Verein angeschafft, andere wurden gebracht, manchmal verletzt in der Natur gefunden, oft aber abgegeben von ehemaligen Besitzern, die mit den Tieren ĂŒberfordert waren.

„Guten Tag“, begrĂŒĂŸen uns die Mittelbeos. „Hallo.“ Beos sind die „SprachkĂŒnstler“ unter den Vögeln und können erstaunlich echt andere Stimmen imitieren: „Was wenige wissen, fast alle Vögel sind sogenannte Spötter. Selbst ich falle manchmal drauf rein, wenn ich vermeintlich einen Pirol höre und in Wirklichkeit ist es ein Star, der den Pirol nachahmt.“

Der prachtvollste Heddesheimer: der Pfau im Vogelpark. Bild: pro

Der prachtvollste Heddesheimer: der Pfau im Vogelpark. Bild: pro

Plötzlich lacht der „lachende Hans“, der eigentlich in Australien lebt: „Die Aborigines sagen ĂŒber den Hans, dass er die Aufgabe hat, den Menschen gute Laune zu bringen. Außerdem verehren sie ihn, weil er Giftschlangen frißt.“ Kurt Klemm hofft, dass zutrifft, was er vermutet: „Wenn mich nicht alles tĂ€uscht, hat das PĂ€rchen ein Nest gebaut und brĂŒtet.“

Intensive Beziehungen zwischen Mensch und Tier

Kurt Klemms Augen leuchten – sie sind halt seine Leidenschaft, die Vögel. „Hier haben wir den Tschilp. Den Spatz habe ich aufgepĂ€ppelt. Wir versuchen zwar, Wildvögel wieder auszuwildern. Bei dem Piepmatz hat das nicht geklappt. Der ist nun schon drei Jahre bei uns und will einfach nicht mehr weg.“ Vögel können intensive Bindungen an den Menschen entwickeln. Umgekehrt gilt das auch, wenn man sich Kurt Klemm anschaut.

„Kennen Sie die? Das ist ein ganz ungewöhnlicher Vogel, die Streifengans. Die hĂ€lt den absoluten Höhenrekord. Bei ihren Wanderungen ĂŒberfliegt sie den Himalaya und schafft ĂŒber 9000 Höhenmeter, weil sie es irgendwie hinkriegt, ihr Blut zu verdĂŒnnen und dadurch in der Lage ist, da oben noch zu atmen.“ Kurt Klemm schĂŒttelt den Kopf: unvorstellbar, aber so faszinierend ist die Natur.

WĂ€hrend der Brutzeit werden die Störche mit EintageskĂŒken versorgt. Bild: pro

WĂ€hrend der Brutzeit werden die Störche mit "EintageskĂŒken" versorgt. Bild: pro

Jetzt kommt Ulrich Landenberger, im Hauptberuf Schulhausmeister, auch seine Leidenschaft gilt den Vögeln. Und mit ihm kommt der Papa Storch angeflogen. Die beiden MĂ€nner lachen: „Guck ihn Dir an, wahrscheinlich hat er schon mein Auto erkannt und weiß genau, dass es Futter gibt“, sagt Landenberger.
Er hat einen Eimer mit „EintageskĂŒken“ dabei. Er fĂŒttert KĂŒken und manchmal Fische in der Brutphase zu, „damit die kleinen Störche auch genug von ihren Eltern bekommen, falls die Jagd mal nicht so erfolgreich ist“, sagt er.

Ulrich Landenberger bringt die Beute fĂŒr die Störche: EintageskĂŒken.

Ulrich Landenberger bringt die "Beute" fĂŒr die Störche: EintageskĂŒken. Bild: pro

Und tatsĂ€chlich, kaum sind die (toten) KĂŒken in einem speziellen Eimer gelandet, kommen die Störche zum Fressen: „Wir mussten uns diese Lösung mit dem Eimer ausdenken, weil sonst die KrĂ€hen und die Elstern sich ĂŒber die KĂŒken hermachen wĂŒrden“, sagt Landenberger. Der Eimer ist hoch und mit einem Deckel verschlossen. In der Mitte gibt es ein Loch, sodass nur die Störche mit ihren langen SchnĂ€beln die „Beute“ am Boden erreichen können.

Natur pur: das Biotop der Vogelfreunde

Jetzt geht es weiter ins „Biotop“, einem Feuchtgebiet hinter dem Vogelpark. Kurt Klemm redet unaufhörlich, kann zu jeder Pflanze, an der wir vorbei kommen, etwas erzĂ€hlen: „Wir lassen das tote Holz liegen. Denn darin entwickeln sich Insekten, die wiederum sind die Nahrung fĂŒr die Vögel.“

Kennt sich aus: Kurt Klemm im Feuchtgebiet. Bild: pro

Kennt sich aus: Kurt Klemm im Feuchtgebiet. Bild: pro

Wir kommen am Seeufer an, hier hat die Jugendgruppe der Vogelfreunde Bruthöhlen fĂŒr den Eisvogel, den Vogel des Jahres 2009, Bruthöhlen gebaut: „Unsere Jugend ist wirklich klasse, die sind sehr aktiv“, sagt Klemm.

Irgendwelche Idioten schaden dem Eisvogel

„Vor zwei Jahren haben irgendwelche Idioten im geschlossenen Teil des Sees mit einem Stock ein Eisvogelweibchen erschlagen und die Brut zerstört. Dabei ist auch das Ufer abgerutscht, wo sie gebrĂŒtet haben, deswegen haben wir das hier gebaut. Allerdings zu spĂ€t fĂŒr die diesjĂ€hrige Brutzeit. Wir hoffen, dass im nĂ€chsten Jahr der Eisvogel kommt.“

Die Vogelfreunde-Jugend hat fĂŒr den Eisvogel Bruthöhlen gebaut. Bild: pro

Die Vogelfreunde-Jugend hat fĂŒr den Eisvogel Bruthöhlen gebaut. Bild: pro

Dann erzĂ€hlt er, dass die Eisvögel „SchachtelbrĂŒter“ sind. Sie haben immer zwei Brutröhren, das Weibchen legt ihre Eier in die eine und 14 Tage spĂ€ter nochmal welche in die zweite Höhle: „Das ist eine ÃƓberlebensstrategie. Viele Eisvögel kommen nicht durch einen strengen Winter. Weil die Eltern sich die Aufzucht teilen, gibt es mehr Jungvögel und das sichert den Fortbestand.“ Natur ist eben nicht nur schön, sondern auch gnadenlos.

ÃƓberall ist Kuckucksspucke

Nach dem Biotop geht es in die Streuobstwiese. Das GelĂ€nde hat der Verein ebenfalls von der Stadt gepachtet und „renaturiert“ es seit 1999. „Mittlerweile wachsen hier wieder verschiedenste Pflanzen, die wichtig fĂŒr den ökologischen Kreislauf sind“, sagt Kurt Klemm und erklĂ€rt unaufhörlich redend, welcher Vogel welche GrĂ€ser und Beeren frisst und freut sich ĂŒber die „Kuckucksspucke“, Nester, die ĂŒberall bevozugt an Disteln hĂ€ngen. Dort kleben sie und sind durch die Distel geschĂŒtzt: In den Nestern entwickelt sich die Blutzickade. Die heißt so, weil ihre Farbe eben „blutrot“ ist und ist das Insekt des Jahres 2009.

In den weißen Spucke-Tropfen entwickelt sich die Blutzickade, das Insekt des Jahres 2009. Bild: pro

In den weißen "Spucke"-Tropfen entwickelt sich die Blutzickade, das Insekt des Jahres 2009. Bild: pro

„Es gibt zu wenig naturbelassene Wiesen. Die Bauern mĂŒssen auch ihr Brot verdienen, das ist ganz klar. Aber dadurch, dass sie die Wiesen wegen der Heugewinnung mĂ€hen, zerstören sie zwangslĂ€ufig auch viele Nester der Insekten“, sagt Klemm. Und rauben Schutzraum: „Wir haben in Heddesheim auch Feldrehe, das wissen nicht viele. Ich vermute, dass die auch gerne hier auf der Wiese vorbeikommen.“ Deswegen wird hier nur einmal im Jahr gemĂ€ht und zwar Ende August.  Dann ist die Brutzeit vorbei.

Dankbar fĂŒr „LĂ€rchenfenster“

Besonders freut er sich, wenn die Bauern seiner Bitte folgen, und auf ihren Feldern ein wenig Natur unberĂŒhrt lassen: „Rainer Hege bin ich sehr dankbar, weil er ungefĂ€hr ein Dutzend „LĂ€rchenfenster“ stehen gelassen hat“, sagt Kurt Klemm, der sich besonders darĂŒber freut, dass die Vögel diese BrutrĂ€ume sofort „bezogen“ haben. Die Fenster sind unbewirtschaftete, ein paar Quadratmeter große Stellen auf den Äckern, wo die Jungvögel Raum haben, sich zu entwickeln.

Hier auf der Streuobstwiese gibt es viele Angebote: „Sitzwarte“ fĂŒr die Greifvögel, ein weiterer Horst fĂŒr Störche, eine Trockenmauer fĂŒr Eidechsen, Bienenstöcke, Nester fĂŒr Hornissen und Erdhummeln. „Die sind noch nicht angenommen worden“, sagt Kurt Klemm. „Bei den Hornissen- und Hummelnestern werden wir nachhelfen mĂŒssen und den Imker fragen, ob er uns Völker da rein setzen kann.“

Vier Bienenvölker leben auf der Streuobstwiese. Hornissen und Erdhummeln sollen sich hier auch ansiedeln. Bild: pro

Vier Bienenvölker leben auf der Streuobstwiese. Hornissen und Erdhummeln sollen sich hier auch ansiedeln. Bild: pro

Umgeben ist die Wiese mit vielen BeerenstrĂ€uchern. „Das ist unglaublich wichtig fĂŒr die Vögel. Das ist alles Nahrung. Der Holunder, der Sanddorn, der Feuerdorn und der Weißdorn beispielsweise. Ohne ein solches Angebot kommen die Vögel nicht durch den Winter.

Nach drei Stunden ist der Rundgang mit Kurt Klemm zu Ende. Und er hat wieder mal erreicht, was ihm das Wichtigste auf der Welt ist: Die Natur den Menschen nÀher zu bringen. Mit Leidenschaft.

Die Vogelfreunde im Internet: hier.

Zur Person:
Kurt Klemm (62) ist ein gebĂŒrtiger Hellesemer, verheiratet und hat einen Sohn. Der gelernte Dreher arbeitete spĂ€ter als Kontrolltechniker und war die vergangenen 32 Jahre Angestellter der Gemeinde Heddesheim. 20 Jahre lang verwaltete er die Nordbadenhalle. Sein frĂŒheres Hobby Marathonlauf ĂŒbt er nicht mehr aus, aber die Fotografie ist immer noch „sein liebstes Hobby“. NatĂŒrlich sind seine Lieblingsmotive die Vögel und andere Tiere.

Anmerkung der Redaktion:
Kurt Klemm ist Kandidat fĂŒr die Gemeinderatswahl auf der Liste von BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen. Rainer Hege ist Kandidat auf der Liste der CDU.
Dieser Artikel steht in keinem Zusammenhang mit der Kommunalwahl 2009.

So eine Bienenhitze

Flucht vor die HaustĂŒr: Heddesheimer Bienen ist es im Stock zu warm. Bild: pro

Flucht vor die "HaustĂŒr": Heddesheimer Bienen ist es am 25. Mai im Stock viel zu heiß gewesen. Bild: pro