Montag, 10. Dezember 2018

Ortstermin Hecke: Wieviel RĂŒckschnitt soll sein, muss sein, darf sein?

vogelpark-hecke-2318

Vogelfreunde und Gemeindebedienstete diskutieren ĂŒber die Tiefe des Einschnitts.

Heddesheim, 01. November 2011. (red) Ortstermin, Montag, 31. Oktober 2011: Acht MĂ€nner stehen vor der ewig langen Hecke am Vogelpark. Sie diskutieren. Die Hecke soll beschnitten werden – die Frage ist, wie stark der RĂŒckschnitt sein soll oder darf. Am Ende wird ein Kompromiss gefunden – der aber nur zum Teil „gefĂ€llt“.

„Hier geht es doch gar nicht so sehr um die Sicherheit, sondern vor allem darum, dass die großen landwirtschaftlichen Fahrzeuge immer mehr Platz brauchen“, sagt Kurt Klemm.

Der VogelschĂŒtzer und GrĂŒnen-Gemeinderat ist sichtlich aufgeregt. Ihm gefĂ€llt ĂŒberhaupt nicht, dass die Hecke gestutzt werden soll.

Geht es um mehr Platz fĂŒr FußgĂ€nger oder Fahrzeuge?

BĂŒrgermeister Michael Kessler sieht das anderes. Er meinte in der vergangenen Gemeinderatssitzung, es mĂŒsse fĂŒr die SpaziergĂ€nger ein Geh- und Ausweichraum geschaffen werden, weil der landwirtschaftliche Weg am Vogelpark zu schmal fĂŒr FußgĂ€nger und Fahrzeuge sei. Und dafĂŒr braucht es Platz und deswegen mĂŒsse die Hecke zurĂŒckgeschnitten werden.

Die Mitglieder des Vogelvereins diskutieren mit den Vertretern der Gemeindeverwaltung ĂŒber die tiefe des Einschnitts. Bauhofleiter Wolfgang Unverricht sagt: „Wir werden bei dem Gehölz viel Arbeit haben – nach dem ersten RĂŒckschnitt haben wir es in Zukunft leichter, wenn eine Linie steht.“

Dem halten Kurt Klemm und der 2. Vorsitzende der Vogelfreunde, Joerg Landenberger, entgegen: „Die Hecken haben fast 30 Jahre gebraucht, um sich so zu entwickeln.“ Die Vogelfreunde betonen, dass die Hecken zum einen Schutz bieten, Nistraum sind und ein reichhaltiges Nahrungsangebot bereithalten: „Deswegen haben wir hier viele BeerenstrĂ€ucher gesetzt – die Vögel brauchen dieses Futter im Winter“, sagt Kurt Klemm.

Der stellvertretende Leiter des Bauamts, JĂŒrgen Beck, sagt: „Wir schneiden mal zurĂŒck und sehen dann weiter, wie es sich entwickelt.“ Welche Meinung er hat, spielt keine große Rolle, denn er muss die Maßnahme umsetzen.

Nicht glĂŒcklich mit dem Kompromiss.

UrsprĂŒnglich sollten die Hecken nach den Vorstellungen des BĂŒrgermeisters insgesamt um eineinhalb Meter zurĂŒckgeschnitten werden. Doch in der Diskussion vor Ort findet man einen Kompromiss: Die MĂ€nner messen vom Rand der Straße aus eineinhalb Meter. Konkret bedeutet das einen RĂŒckschnitt von einem halben bis zu einem ganzen Meter fĂŒr die Hecke.

„Damit kann man leben, glĂŒcklich bin ich damit nicht“, sagt Kurt Klemm. Joerg Landenberger ergĂ€nzt: „Wir wollen natĂŒrlich nicht schuld sein, wenn es hier zu einem Unfall kommen sollte, schön mĂŒssen wir die Maßnahme nicht finden.“

In diesem Augenblick kommt ein Traktor mit HĂ€nger um die Kurve am Landgraben. Es wird ganz schön eng. Die MĂ€nner weichen links und rechts der Straße aus. Neben der Straße sieht man die Reifenspuren von landwirtschaftlichen Fahrzeugen. Offensichtlich reicht der Platz hĂ€ufig nicht aus.

vogelpark-hecke-2333

Kurt Klemm zeigt einen Nahrungsvorrat, den die Beerenhecke bietet.

Genau das kritisiert Kurt Klemm: „Die Natur muss der Technik mehr und mehr weichen. Hier geht es nicht um eine Verbesserung fĂŒr die FußgĂ€nger, sondern nur um eine fĂŒr die Landwirte.“

Viele stellen die Frage, warum man den Ausweichweg nicht auf der anderen Straßenseite umsetzt? Da sei schließlich keine Hecke. Dem BĂŒrgermeister hat das nicht gefallen, dass man dafĂŒr die drei Meter ĂŒber den Weg laufen muss. Angeblich sei das zu gefĂ€hrlich.

RĂŒckschnitt unter Beobachtung

Die Vogelfreunde weisen auf ein großes Problem hin. Sollten durch den RĂŒckschnitt Löcher in der Hecke entstehen, können Hunde ins Biotop eindringen und die Vögel stören. Das wollen sie auf alle FĂ€lle verhindern.

vogelpark-hecke-2330

Chaos an der Ecke – hier ist es eng. Der Heckenschnitt wird daran nichts Ă€ndern.

Mit dem Bauhofleiter Wolfgang Unverricht vereinbaren die MĂ€nner, dass am kommenden Donnerstag, wenn der RĂŒckschnitt beginnen soll, ein Mitglied des Vogelvereins die Maßnahme begleitet. Sicher ist: Die Vogelfreunde kĂ€mpfen um jeden Zentimeter Hecke.

Nach dem RĂŒckschnitt soll ein Schotterrasen entlang der Hecke gebaut werden. Eine 20 Zentimeter dicke Schicht wird dafĂŒr verdichtet, darauf kommt ein Schotter-Erde-Gemisch mit Rasensamen. Der Weg wird belastbar sein, aber nicht asphaltiert. Ob die SpaziergĂ€nger tatsĂ€chlich darauf laufen oder nur die landwirtschaftlichen Fahrzeuge mehr Platz haben, wird man sehen.

Wir werden darĂŒber berichten.

 

[nggallery id=197]

Nehmen Sie die VogelfĂŒtterung wieder auf, damit es keinen stummen FrĂŒhling gibt


Das Usutu-Virus hat der Amsel schwer zu schaffen gemacht.

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 29. Oktober 2011. Dem Heddesheimer Vogel-Experten Kurt Klemm wurden allein in diesem Sommer rund 300 tote Amseln gemeldet, die vermutlich ĂŒberwiegend durch das Usutu-Virus eingegangen sind. Deshalb hatte der VogelschĂŒtzer im Sommer dazu aufgefordert, keine Vögel zu fĂŒttern, um eine gegenseitige Infektion an Futterstellen zu vermeiden. FinkenbestĂ€nde wurden durch einen Einzeller dezimiert.
Die Vögel, die durchgehalten haben und ĂŒberwintern, dĂŒrften infektionsfrei sein, denn der HauptĂŒbertrĂ€ger, die StechmĂŒcke, fĂ€llt als ÃƓbertrĂ€ger aus. Deshalb ruft Kurt Klemm zur VogelfĂŒtterung ĂŒber den Winter auf, denn viele Vögel finden in der freien Natur lĂ€ngst nicht mehr genug Nahrung.

Von Kurt Klemm

Der Tod vieler drosselartiger Vögel, zu der auch die Amsel gehört, hat alle Vogelfreunde tief erschĂŒttert. Kaum ein melodischer Gesang war in der Natur, vom Sommer bis jetzt, zu hören. Beim morgendlichen Gang durch den Garten herrschte eine gespenstige Ruhe, so dass ein stummer FrĂŒhling im kommenden Jahr nicht auszuschließen ist. Schuld daran ist das Usutu-Virus.

Das Usutu Virus, stammt aus Afrika und verdankt seinen Namen einem Fluss in „Swasiland“. Das Virus kann vermutlich durch infizierte Zugvögel oder durch StechmĂŒcken nach Europa gekommen sein. Nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts fĂŒr Tropenmedizin (BNI) in Hamburg wurde der Erreger bei einem Schnelltest bei einer Amsel aus Birkenau (Hessen) nachgewiesen. „Wenige Tage danach ist das Virus bei vier Amseln in Mannheim sowie in Dossenheim in Baden-WĂŒrttemberg entdeckt worden, dies bestĂ€tigte das Friedrich-Loeffler-Institut“, laut Wikipedia. „Betroffen sind auch Sperlinge und Eulen.“

Nach den Verlustmeldunge,n die ich alleine aus dem Rhein-Neckar-Kreis erhielt, wurden mehr als 300 tote Amseln aufgefunden.

Aber die aufgefundenen toten Vögel, sind nur die Spitze des Eisberges, da sich die meisten erkrankten Tiere instinktmĂ€ĂŸig im GebĂŒsch verkriechen, so dass die Dunkelziffer wesentlich höher ist. Wie hoch genau, das werden wir erst in den nĂ€chsten Jahren erfahren. Es ist offen, inwieweit sich die VogelbestĂ€nde davon erholen werden.

Auch in unseren NachbarlĂ€nder, Österreich (2001-2002), Schweiz (2006), Ungarn (2008) und Italien (2009) hat es in den vergangenen Jahren ein Massensterben unter den Amseln gegeben. Der BNI-Virologe Jonas Schmidt-Chanasit Leiter der virologischen Diagnostik, hat daher wenig gute Nachrichten: „So ein Vogelsterben kann mehrere Jahre andauern, bis die Tiere immun sind.“

Das Virus kann auch auf den Menschen ĂŒbertragen werden, so wie es 2009 in Italien erstmals der Fall war. In Deutschland ist bisher kein ĂŒbergreifen auf den Menschen festgestellt worden.

Bei den Singvögeln und hier hauptsĂ€chlich bei den GrĂŒnfinken grassierte ein Einzeller namens „Trichomonas gallinae“ und fĂŒhrte in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin zu großen Verlusten. Dieser Erreger, der von Tauben ĂŒbertragen wird, hat in diesem Jahr auch bei uns in Nordbaden neben den drosselartigen Vögeln, besonders bei unseren Finken große BestĂ€nde vernichtet.

Da beim Usutu-Virus der HauptĂŒbertrĂ€ger StechmĂŒcken sind, dĂŒrfen die Tierliebhaber ihre gefiederten Freunde wieder fĂŒttern, da vom Futterhaus keine Gefahr mehr ausgeht.

Zur Person:
Kurt Klemm ist Heddesheimer und anerkannter VogelschĂŒtzer. Der MitgrĂŒnder des Heddesheimer Vogelparks und Mitglied der Vogelfreunde setzt sich darĂŒber hinaus intensiv fĂŒr den Umwelt- und Naturschutz ein. Er ist Mitglied der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen im Heddesheimer Gemeinderat.

FĂŒr RĂŒckfragen steht Ihnen Kurt Klemm telefonisch zur VerfĂŒgung: 06203-9585824

PortrÀt Kurt Klemm

Höchste Auszeichnung: AZ-Naturschutzpreis fĂŒr die Heddesheimer Vogelfreunde

VDW-Naturschutzpreis fĂŒr Kurt Klemm

Maigrillfest der Vogelfreunde und -Pfleger in der Freizeithalle sehr gut besucht


panorama

Guten Tag!

Heddesheim, 02. Mai 2011 (che/red) Das traditionelle Maigrillfest der Vogelfreunde und -Pfleger am 01. Mai in der Freizeithalle war auch in diesem Jahr sehr gut besucht. Zahlreiche Heddesheimer ließen sich bei strahlendem Sonnenschein und frischem Wind bereits am frĂŒhen Nachmittag kĂŒhle GetrĂ€nke und deftige Speisen schmecken. Viele GĂ€ste kamen mit der ganzen Familie, auf der großen Wiese vor der Halle waren alle BĂ€nke besetzt. In der Halle schwitzen die Helfer bei der Zubereitung der Speisen und am GetrĂ€nkeausschank, auch an der Kuchentheke war der Andrang groß. Das Duo „Herbert und Franz“ spielte ab 11:00 Uhr in der Halle fĂŒr die GĂ€ste auf.

Viel Freude mit den Fotos!

[nggallery id=181]

Einen schönen Tag wĂŒnscht
das heddesheimblog

Vogelfreunde mit Maifest zufrieden

Guten Tag!

Heddesheim, 05. Mai 2010. Das Maifest ist fĂŒr die Vogelfreunde existenziell wichtig: Der erwirtschaftete Gewinn deckt einen großen Teil der Kosten des Vereins. Vorstand Werner Dostal: „Wir können zufrieden sein.“

FĂŒr rund 800 GĂ€ste hatten die Vogelfreude die Freizeithalle eingerichtet – von morgens 10:00 Uhr bis abends um 19:00 Uhr „herrschte trotz des ungĂŒnstigen Wetters reger Betrieb“, sagte Dostal: „Im Vergleich zum Vorjahr war der Umsatz nicht ganz so gut, aber unterm Strich kommen wir ĂŒber die Runden.“

Rund 50 HelferInnen waren im Einsatz: „Ohne diesen freiwilligen Einsatz könnten wir das gar nicht stemmen“, sagte Dostal und bedankte sich bei allen Helfern und den vielen GĂ€sten.

Der Verein der Vogelfreunde und -pfleger feiert dieses Jahr sein 50-jÀhriges JubilÀum.

Eine erfreuliche Meldung hat Werner Dostal aus dem Vogelpark: „Beide Storchenpaare haben Junge.“ Die Störche, die dauerhaft „unterm Netz“ leben, haben zwei Junge, „beim Horst wissen wir nicht genau, wie viele es sind, man sieht aber schon, wie sie die HĂ€lse nach Futter strecken.“

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

„Die Vögel brauchen uns.“

Guten Tag!

Heddesheim, 14. April 2010. Der FrĂŒhling kommt, wenn auch regnerisch. Die Vögel zwitschern. Alles scheint wie immer zu sein. Die Natur erwacht, die Jahreszeiten nehmen ihren Lauf. Ist das so? Der Naturschutzbeauftragte der Vogelfreunde und -pfleger, Kurt Klemm, sagt: Nein. „Die Vögel brauchen uns.“

Interview: Hardy Prothmann

Herr Klemm, der FrĂŒhling ist da, die Vögel zwitschern. Finden die schon genug zu fressen?

Kurt Klemm: „In einer Feldflur wie Heddesheim, die dermaßen ausgerĂ€umt ist, gibt es so gut wie keine Wildpflanzen mehr, die manche abschĂ€tzig als „Unkraut“ bezeichnen. Diese Wildpflanzen sind die ErnĂ€hrungsgrundlage fĂŒr viele körnerfressenden Vögel. Die Vögel haben MĂŒhe, genug zum Fressen zu finden.“

Welche Vögel sind das beispielsweise?

Klemm: „Der GrĂŒnfink, der BluthĂ€nfling, Girlitz, Stieglitz. Diese Vögel sind auf halbreife SĂ€mereinen bei der Aufzucht ihrer Jungvögel angewiesen. Sie brauchen Löwenzahn, Vogelmiere, Spitzwegerich, Breitwegerich, Wiesenknopf, Wegwarte. Diese Samen sind ein prĂ€chtiges Futter, die alles enthalten, was die Jungen brauchen.“

Bild 01

Specht und Meisen im Winter werden durch "ZufĂŒtterung" unterstĂŒtzt - auch im Sommer brauchen viele Vögel "UnterstĂŒtzung". Bild: privat

Wollen Sie damit sagen, dass Gartenbesitzer kein Unkraut mehr jĂ€ten dĂŒrfen?

Klemm: „SelbstverstĂ€ndlich können die Menschen ihre Blumen und Beete pflegen, aber es ist sicherlich möglich, eine kleine naturbelassene Ecke im Garten fĂŒr unsere Vögel zur VerfĂŒgung zu stellen. Was fĂŒr die Menschen „Unkraut“ ist, ist fĂŒr die Vögel Futter, also Nahrung.“

Eine „Unkrautecke“ im Garten liefert Nahrung.

Soll oder muss man die Vögel auch in der Zeit von FrĂŒhjahr bis Herbst fĂŒttern oder werden diese dadurch vom Menschen abhĂ€ngig?

Klemm: „Man spricht nicht von FĂŒttern, sondern von ZufĂŒttern. Das ist sehr sinnvoll, damit genug Futter zur Jungenaufzucht zur VerfĂŒgung steht. Die Vögel werden dadurch nicht abhĂ€ngig. In England beispielsweise ist das ZufĂŒttern weit verbreitet. Die Folgen sind nur positiv, weil der ArtenrĂŒckgang gestoppt werden konnte und gefĂ€hrdete Vogelarten dadurch gerettet werden konnten.“

Welches Futter sollte man anbieten?

Klemm: „Auf jeden Fall kein Winterfutter, dort sind zu große tierische Fettanteile enthalten, die leicht ranzig werden können. Die Industrie hat auch durch die positiven englischen Erfahrungen ein Sommerfutter entwickelt. Das gibt es seit vier Jahren und ist im Fachhandel erhĂ€ltlich, in Heddesheim beispielsweise beim Raiffeisenmarkt.“

In vielen BaumĂ€rkten gibt es jetzt das Winterfutter sehr gĂŒnstig?

Klemm: „Damit sollen die LagerbestĂ€nde verkauft werden. Dieses Futter ist ungeeignet und ich empfehle, dieses nicht zu kaufen. Auf meine Intervention hin hat ein Marktleiter sich auf meine Argumente eingelassen und das Futter nicht mehr angeboten. Diese Einsicht fand ich sehr respektabel. Alternativ kann man sich auch Schrotfutter bei einer MĂŒhle besorgen. Das ist gĂŒnstig zu bekommen und ideal fĂŒr unsere Spatzen.“

Der Hunger treibt es rein – und die Vögel verenden daran.

Kann man auch aus dem Haushalt Reste verfĂŒttern?

Klemm: „Auf keinen Fall, alle gĂ€ngigen Lebensmittel sind fĂŒr die Vögel ungeeignet. GewĂŒrzte Lebensmittel sind das reine Gift. Vögel fressen nicht, was Menschen essen.“

Man kann doch aber immer wieder Vögel an MĂŒlleimern sehen, die fressen sogar Pommes.

Klemm: „Daran erkennt man die Not der Vögel, die so groß ist, dass sie aus schierem Hunger auch ungeeignete Nahrung aufnehmen. Was man nicht sieht, ist, wie viele daran elendig zugrunde gehen. Durch das Salz, GewĂŒrze und ranziges Fett.“

Was ist mit den Insektenfressern?

Klemm: „Hier gibt es ein dramatisches Problem, das wiederum mit dem Öko-Kreislauf zu tun hat. Viele Insektenfresser brauchen Schmetterlings- und Falterraupen. Die wiederum legen ihre Eier bevorzugt an die Brennnessel. Die aber wird mit UnkrautbekĂ€mpfungsmittel vernichtet. Und damit auch die Raupen und damit die Nahrung fĂŒr die Vögel. Das ist ein Riesenproblem.“

Wie kann man es lösen?

Klemm: „Wenn jeder Gartenbesitzer einen Quadratmeter fĂŒr Brennnessel zur VerfĂŒgung stellt, wĂ€re den Vögeln sehr geholfen. Auch Gemeinden könnten Brennnesselfelder stehen lassen und nicht immer sofort mĂ€hen. Ich kĂ€mpfe seit Jahren dafĂŒr, dass die Gemeinde sich hier einsichtig verhĂ€lt.“

klemm

Kurt Klemm hat in seinem Garten alles gemacht, damit sich der Vogel an sich, aber auch viele Insekten als Vogelfutter wohl fĂŒhlen. Bild: heddesheimblog

Soll man auch zufĂŒttern?

Klemm: „Das kann man. Viele Meisen und Finken beispielsweise ziehen ausschließlich mit Raupen ihre Jungen groß. Wer vermutet, dass ein Nest in der Umgebung besteht, kann beispielsweise lebende MehlwĂŒrmer anbieten, das ist ein Festschmaus fĂŒr die Vogeljungen. Der Spatz wiederum ist ein nĂŒztlicher SchĂ€dlingsbekĂ€mpfer und hat sich auf BlattlĂ€use spezialisiert. Ein Nistkasten im Garten fĂŒr den Sperling ersetzt die Giftspritze.“

Der Spatz ersetzt die Giftspritze.

Wo und wie sollte man Futter anbieten?

Klemm: „Lebendfutter immer an einem trockenen, ĂŒberdachten Platz. Doch Achtung: Auch die MehlwĂŒrmer mĂŒssen gefĂŒttert werden. Wer sich dafĂŒr interessiert, kann sich fĂŒr eine Beratung an die Vogelfreunde wenden, hier erhĂ€lt man auch die WĂŒrmer zu gĂŒnstigen Preisen.“

Und was gibt es beim Körnerfutter zu beachten?

Klemm: „Ich empfehle hier nicht aus WerbegrĂŒnden, sondern aus KompetenzgrĂŒdnen den Raiffeisenmarkt. Hier gibt es alles, was der Vogelliebhaber braucht. Dazu gibt es eine kostenfrei eine gute Beratung, weil der Markt von uns, also den Vogelfreunden, gut und gerne beraten worden ist.“

Link:
Vogelfreunde und -pfleger 1960 e.V.

Video: Merino-Schafe zu Gast in Heddesheim

Guten Tag!

Heddesheim, 11. April 2010. In Heddesheim sind fĂŒr einige Wochen Schafe zu Gast – fĂŒnf Jungschafe beweiden die Streuobstwiese am Vogelpark. Hier haben sie Ruhe und können sich stĂ€rken – das mĂŒssen sie auch, denn noch vor kurzem wurden sie so schlecht gehalten, dass das VeterinĂ€ramt den alten Betrieb „zumachte.

Von Hardy Prothmann

Ungewohnter Betrieb auf der Streuobstwiese. Am Samstagmorgen fahren Michael Finkbeiner sowie Annette und Michael Pfeiffer einen HÀnger ins GelÀnde.

FĂŒnf Merino-Schafe sind darin, alle etwa ein halbes Jahr alt. Die Schafe werden einzeln vom HĂ€nger geholt, dann werden die Hufe der Tiere zurecht geschnitten.

Das ist nötig, denn die jungen Schafe sind zwar erst einige Monate auf der Welt, haben aber schon ein schlechtes Leben hinter sich. Nicht artgerecht wurden sie gehalten. Eng zusammengepfercht. Die Pfoten standen im eigenen Kot. Kein Auslauf war ihnen möglich.

schafe

Michael Finkbeiner und Annette Pfeifer bereiten ein Merino-Schaf fĂŒr die Weide vor. Bild: heddeseheimblog

Das VeterinĂ€ramt Weinheim hat einen Schafzuchtbetrieb geschlossen und die rund 60 Schafe neuen Besitzern zugefĂŒhrt. Michael Finkbeiner, Silvia Singer, Annette und Michael Pfeifer sind HobbyschĂ€fer und haben fĂŒnf Merino-Schafe ĂŒbernommen.

Eigentlich sind Merino-Schafe fĂŒr ihre sehr gute QualitĂ€t der Wolle bekannt – die Wolle der jungen Schafe ist verfilzt und dreckig: „So sehen die normalerweise nicht aus“, sagt Annette Pfeifer nĂŒchtern. Man merkt, dass die Verwaltungsangestellte sauer ist.

Und sie ist fest entschlossen, dass zu Ă€ndern. Resolut schneidet sie den Schafen die Hufe und freut sich, dass diese hĂ€rter geworden sind – das Stehen im Kot hatte sie mĂŒrbe gemacht. Die Schafe waren in einem schlechten Zustand, als die HobbyschĂ€fer vom „Fuchshof Rippenweier“ die Tiere „ĂŒbernommen“ haben.

Fuchshof heißt das private Projekt, weil die vier Hunde- und Schafliebhaber eigentlich „Coburger FĂŒchse“ zĂŒchten wollen – jetzt aber auch Merino-Schafe haben. Die „FĂŒchse“ gelten als gefĂ€hrdete Haustierrasse.

Sie schneiden das Filz am RĂŒcken weg, um danach ein Mittel direkt auf die Haut aufzubringen, das Parasiten, beispielsweise WĂŒrmer abtötet. Die Arbeit am Schaf ist anstrengend, die HobbyschĂ€fer sind engagiert und beherzt dabei.

Zwei bis drei Wochen werden die Schafe die eine HÀlfte der Streuobstwiese beweiden, danach noch einmal so lange den anderen Teil. Danach geht es zur nÀchsten Weidestelle.

TĂ€glich werden die SchafzĂŒchter, die im Hauptberuf Verwaltungsangestellte, Controller, LandschaftsgĂ€rtner und Sozialarbeiterin sind, die Schafe mit Wasser versorgen und schauen, „ob alles in Ordnung ist“.

Damit die Schafe nicht ausbĂŒchsen, haben sie die Wiese eingezĂ€unt. Auf dem Zaun liegt Strom: „Eine Lektion reicht, dann wissen die Schafe, dass sie sich davon verhalten sollten. Der untere Teil des Zaunes ist ohne Strom, damit Hasen, RebhĂŒhner, Fasane und andere bodennahe Tiere unbehelligt hindurch schlĂŒpfen können.

Hundebesitzer, die am Rand der Streuobstwiese spazieren gehen, sollten also ihre Hunde angeleint lassen, damit sich diese keinen „Schlag abholen“ – abgesehen davon sollten Hunde entweder gut geschult sein oder an der Leine gefĂŒhrt werden.

FĂŒr die HobbyschĂ€fer und den Vogelverein ist es eine „Win-Win-Situation“: Die tierischen „RasenmĂ€her“ erledigen ruhig und zuverlĂ€ssig das MĂ€hen der Wiese – die Schafe können hier gutes Futter finden und sich nach ihrem Martyrium stĂ€rken.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Eröffnung Vogelpark: „Ein Ort der Ruhe und der Natur.“

Guten Tag!

Heddesheim, 27. MĂ€rz 2010. Heute öffnet der Vogelpark fĂŒr die Saison 2010. Und: Der Verein der Vogelfreunde und -pfleger 1960 e.V feiert dieses Jahr sein 50-jĂ€hriges JubilĂ€um. Im Interview mit dem heddesheimblog sprechen Werner Dostal (Vorsitzender) und Ulrich Landenberger (Kassierer) ĂŒber das Heddesheimer Vogeljahr 2010.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Dostal, Herr Landenberger: „Heute öffnet der Vogelpark und der Verein feiert dieses Jahr sein 50-jĂ€hriges JubilĂ€um. Was haben Sie fĂŒr ein Programm geplant?“
Werner Dostal: „Wir haben insgesamt acht große Veranstaltungen darunter die Jahreshauptversammlung des VDW (Verband deutscher Waldvogelpfleger- und SchĂŒtzer e. V.), unser Mai-Grillfest, das Vogelparkfest und den JubilĂ€umsabend. Da ist viel zu tun, aber wir freuen uns drauf.“

IMG_5585

Werner Dostal ist Vorsitzender der Vogelfreunde. Bild: hblog

Und der Vogelexperte, Professor Berthold hat sich angesagt?
Dostal: „Ja, auf Vermittlung von Kurt Klemm. ÃƓber den Besuch freuen wir uns natĂŒrlich sehr.“

Auch im Vogelpark ist immer etwas zu tun. Wie haben die Tiere den Winter ĂŒberstanden?
Ulrich Landenberger: „Insgesamt gut – ein, zwei Vögel aus dem Freigehege sind nicht mehr da – so ist halt die Natur. Obs einen Unfall oder eine Begegnung mit einem Bussard gab, wissen wir nicht.“

Es gab auch schon Probleme mit FĂŒchsen?
Landenberger: „Leider. Wir haben das Loch im Zaun gefunden und seit drei Jahren haben wir und die Vögel Ruhe.“

Sind die Störche schon zurĂŒck?
Landenberger: „Die sind zurĂŒck und brĂŒten schon, sowohl die „wilden“ Störche als auch unsere Störche in der Voliere, die wegen ihrer FlugunfĂ€higkeit stĂ€ndig bei uns leben. Ab Mitte bis Ende April werden die Jungen schlĂŒpfen.“

Sind die Störche die Hauptattraktion des Vogelparks?
Dostal: „Viele kommen wegen der Störche, aber natĂŒrlich machen auch unser schöner Pfau, die vorlauten Beos oder auch der „Lustige Hans“ unseren Besuchern viel Spaß. Insgesamt ist der Vogelpark ein Ort der Ruhe und der Natur, das gefĂ€llt den Besuchern.“

IMG_5582

Ulrich Landenberger ist Kassier des Vereins, kĂŒmmert sich aber vor allem um die "Verpflegung" der Vögel. Bild: hblog

Wie sieht es mit der Situation des Vereins aus?
Landenberger: „Gut bis sehr gut. Wir haben rund 250 Mitglieder und mit fĂŒnfzehn Jugendlichen eine aktive Jugendgruppe. Und viele Helfer, die sich sehr gut um den Park kĂŒmmern – ohne die könnten wir das nicht leisten.“

Sie haben aber auch einen sehr erfolgreichen ZĂŒchter im Verein, Joerg Landenberger. Wie wichtig ist das?
Dostal: „Die Arbeit von Joerg (Sohn von Ulrich Landenberger, Anm. d. Red.) fĂŒr den Verein ist sehr wichtig. Privat zĂŒchtet er zudem Prachtfinken und ist damit sehr erfolgreich. Diese Erfolge sind natĂŒrlich Werbung fĂŒr ihn und auch fĂŒr uns.“

A propos Erfolg – den braucht es auch finanziell, der Vogelpark ist teuer.
Dostal: „Wir brauchen rund 5.000 Euro im Jahr, vor allem fĂŒr Futter, aber auch fĂŒr Material. Beispielsweise mĂŒssen wir dieses Jahr ein neues Netz (600 Euro) fĂŒr die große Voliere anschaffen, weil das alte brĂŒchig wird. Neben den MitgliedsbeitrĂ€gen ist unsere Haupteinnahmequelle das Maifest. Wenn das gut lĂ€uft, sind wir sehr beruhigt.“

Sind Sie mit der Situation des TeilstĂŒcks des neuen Rundwegs um den Badesee zufrieden?
Dostal: „Ja, das wurde so umgesetzt wie ausgehandelt. Wir werden drei BĂ€ume zur Bepflanzung spenden und die Patenschaft fĂŒr deren Pflege ĂŒbernehmen.“

Apropos Patenschaft. Gibt es die Storchenpatenschaft wieder?
Dostal (lacht): „Na klar. Im Juni, zum Tag des Storchs.“

Link:
Link: Der Vogelverein im Internet

Tipp:
Alle Termine zum Vogelpark und den Vogelfreunden finden Sie in unserem Terminkalender Heddesheim. Wenn Sie rechts oben im Kalender auf „TerminĂŒbersicht“ klicken – können Sie Kalender durch Anklicken ab- und auswĂ€hlen. WĂ€hlen Sie beispielsweise alle anderen Kalender ab – sehen Sie nur noch die Termine fĂŒr den Vogelverein.

In eigener Sache: Zugriffsrekord auf das heddesheimblog

Guten Tag!

Heddesheim, 12. Januar 2010. Der Artikel „Was Meinungsfreiheit bedeutet oder wie der MM die Meinung manipuliert“ verzeichnet die bislang höchste Zugriffszahl auf einen Artikel innerhalb eines Tages: Der Text wurde bislang 3.360 3.555 Mal innerhalb eines Tages abgerufen.

Am Anfang eines Monats bringen wir die Vormonatsstatistik. Heute machen wir eine Ausnahme, denn der 12. Januar 2010 ist aus Sicht der Redaktion ein Rekordtag.

regional

Verteilung der Hauptzugriffe vom heutigen Tag. Klicken Sie fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Darstellung. Quelle: 1&1

ÃƓber 3.360 Mal (Stand: 22:00 Uhr) wurde unser Kommentar ĂŒber die manipulative Berichterstattung des Mannheimer Morgens angeklickt. Die Top-Regionen sind laut unserem Statistik-Server:

  1. Mannheim
  2. Heidelberg
  3. Kaiserslautern
  4. Karlsruhe
  5. Heilbronn
  6. Hamburg
  7. Berlin
  8. Darmstadt
  9. Aschaffenburg
  10. Stuttgart

Von hier kamen zwischen mehr als sieben bis gut zwei Prozent der Zugriffe, insgesamt addieren sich die Zugriffe der Top 10 auf gut 40 Prozent. Der Rest verteilt sich nahezu ĂŒber „ganz“ Deutschland.

Die Meldung ĂŒber unseren Artikel auf Bildblog.de ist ganz eindeutig der „Verursacher“ fĂŒr die ĂŒberwĂ€ltigende Resonanz. Wer im Rest der Republik interessiert sich sonst schon fĂŒr Heddesheim/Nordbaden mit seinen 11.500 Einwohnern?

Wir haben etwas mitgeholfen und den außergewöhnlichen Zugriff auf Twitter, Facebook sowie Wer-kennt-wen kommuniziert.

Insgesamt hat unser Statistikserver heute 46.000 Zugriffe gezĂ€hlt – durchschnittlich haben wir mit steigender Tendenz 20.-25.000 Zugriffe am Tag. TĂ€glich haben wir im Schnitt ĂŒber 2.000 Besucher. Das ist die Zahl, die wir unseren Werbekunden kommunizieren. TatsĂ€chlich geht es in Richtung 2.500 Besucher/Tag, diese Zahl verwenden wir aber erst, wenn der tĂ€gliche Zugriff deutlich darĂŒber liegt. Heute waren es ĂŒber 7.200 Besucher.

Sehr erfreut sind wir ĂŒber das enorme Interesse vor allem aus folgenden GrĂŒnden: Berichte ĂŒber „guten“ und „schlechten“ Journalismus  sorgen fĂŒr eine hohe Aufmerksamkeit. Das heißt, viele Menschen in Deutschland beschĂ€ftigen sich mit diesem Thema, was wir sehr begrĂŒĂŸen.

Viele emails von anderen anderen lokalen blogs zeigen uns, dass dort sehr genau studiert wird, was das heddesheimblog als professionelle, journalistische Plattform so treibt. Denn viele der lokalen blogs werden von Nicht-Journalisten gemacht. Und die meisten befinden sich in einer Àhnlichen Situation: Zeitungsmonopolisten bieten unkritischen Bratwurstjournalismus statt einer ordentlichen Berichterstattung. Durch das Internet und die Vernetzungsmöglichkeiten haben es diese Meinungsmonopolisten nun schwerer.

Ganz egoistisch freuen wir uns darĂŒber, dass nun sehr, sehr viele Menschen in Deutschland das heddesheimblog kennen und gerne eingeladen sind, ab und an vorbeizuschauen. Auch beim hirschbergblog und demnĂ€chst beim ladenburgblog.

Wir freuen uns aber auch fĂŒr die Gemeinde Heddesheim, die vollkommen unentgeltlich nun bundesweit bekannt ist – ohne dass ein Massaker oder ein anderes schlimmes Ereignis fĂŒr eine zweifelhafte Bekanntheit sorgte. Wer im Sommer auf der Durchreise ist: Wir haben einen wundervollen Badesee. Und einen herrlichen Vogelpark. Der ist zwar unter Vogelliebhabern schon sehr bekannt – verdient aber eine noch grĂ¶ĂŸere Fan-Gemeinde. Und 2010 feiert der Verein der Vogelfreunde 50-jĂ€hriges JubilĂ€um. Es ist das Jahr der „Heddesheimer Vögel“.

Ganz besonders freuen wir uns fĂŒr den MGV 1847 e.V. Denn kurioserweise wurde der Text ĂŒber den Ball des MĂ€nnergesangsvereins im Zuge des anderen Artikels 1.856 Mal angeklickt. So viel Aufmerksamkeit auf einen Schlag dĂŒrfte der Verein in seiner 163-jĂ€hrigen Geschichte noch nie gehabt haben.

Und wir freuen uns fĂŒr den neuen Kollegen Horst Pölitz, der den Text ĂŒber den MGV geschrieben hat. Unser freier Mitarbeiter ist im wohlverdienten Ruhestand, lernt aber seit ein paar Monaten das journalistische Handwerk und ist, wie er gerade per Mail mitgeteilt hat, fassungslos ĂŒber die Aufmerksamkeit, die sein Text gefunden hat. Wir sagen: QualitĂ€t setzt sich durch! 😉

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Storchentag 2009 – 13 neue Paten

Guten Tag,

das Wetter war nicht das Beste fĂŒr einen Ausflug in den Vogelpark. Trotzdem war zum Storchentag der des Vereins der Vogelfreunde ordentlich was los.

Vereinsmitglieder bewirteten die GĂ€ste. In einer Regenpause informierte Kurt Klemm (siehe PortrĂ€t „Der Freund der Vögel„) in einem Vortrag die Besucher ĂŒber die Heddesheimer Störche, die vor kurzem beringt wurden und nun erste Flugversuche starten.

Die „Vogeljugend“ half fleißig mit und stand den Besuchern fĂŒr AuskĂŒnfte zur VerfĂŒgung.

jugendgruppe

Die Jugendgruppe der Vogelfreunde beim Storchentag 2009. Bild: AS

Auch dieses Jahr konnten Besucher wieder eine Patenschaft fĂŒr die jungen Störche ĂŒbernehmen. Folgende Personen haben dafĂŒr mindestens zehn Euro pro Kopf und fĂŒr eine Patenschaftsurkunde ausgegeben, die die Kasse der Vogelfreunde stĂŒtzen:

Hannah Frey
Veronika + Horst Pölitz
Sophie Peter
Wolfgang Meluhn
Vera Ammon
Stefan Winkler
Hedwig Christophel
Gudrun Ripp
Heinz Schmitt
Peter Wittek
Wiltraut Wolff
Walter Wolff

Die Paten erhalten Informationen ĂŒber „ihre“ Störche, sobald diese gesichtet werden und die Ringnummern abgelesen werden.

Ein Heddesheimer Storch wurde in Kusel identifiziert. Kurt Klemm: „Warum der in Kusel gelandet ist, wissen wir natĂŒrlich nicht, wahrscheinlich gefĂ€llts ihm da. Ein Grund ist sicher auch der Klimawandel. Seit es bei uns nicht mehr so kalt ist, haben viele Zugvögel ihr Verhalten verĂ€ndert, weil sie auch hier im Winter Futter finden.“

Hier gehts zur Bildergalerie vom Storchentag

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Fotos vom Storchentag

Alle Bilder: soso

Der Freund der Vögel

Kurt Klemm ist ein leidenschaftlicher Mensch. Seine Begeisterung gilt der Natur. Seine Liebe zu den Vögeln hat er bereits als Junge entdeckt.

von Hardy Prothmann

„Ich versuche, den Menschen die Natur nĂ€her zu bringen“, sagt Kurt Klemm (62). Das klingt bescheiden, ist es auch, aber irgendwie auch nicht. Denn er versucht es nicht nur, sondern er hat Erfolg damit.

Kurt Klemm mit einem Spatz: das das Findelkind hat er groß gezogen. Bild: privat

Kurt Klemm mit einem Spatz: das "Findelkind" hat er groß gezogen. Bild: privat

1960 grĂŒndete sein Vater mit anderen den Verein der Vogelfreunde e.V. in Heddesheim. Heute, 49 Jahre spĂ€ter, unterhĂ€lt der Verein seit 1973 ein Vogelschutzgebiet. 1978 kam der Vogelpark hinzu. Mit viel MĂŒhe hat sich der Verein weiteres GelĂ€nde dazu erkĂ€mpft, eine Streuobstwiese und ein StĂŒck naturbelassen Wald zwischen dem Park und dem Badesee. Der Wald wurde vom Verein erst aufgeforstet.

Das ist ein Naturschutzgebiet.“ Kurt Klemm

Die Gemeinde nennt das GelĂ€nde „Naherholungsgebiet“. Kurt Klemm sagt: „Das ist ein Naturschutzgebiet.“ Dieser Unterschied ist ihm sehr wichtig.

Kurt Klemm als Junge mit einer KrÀhe auf dem Arm. Bild: privat

Kurt Klemm als Junge mit einer KrÀhe auf dem Arm. Bild: privat

Das heddesheimblog trifft Kurt Klemm im Vogelpark. „Sehen Sie unsere Storchenkinder? Die sind jetzt drei Wochen alt. In zwei, höchstens drei Wochen werden sie flĂŒgge und das erste Mal ihr Nest verlassen“, sagt Kurt Klemm. Weiter erzĂ€hlt er, dass die Jungstörche, solange sie noch im Netz hocken, „beringt“ werden mĂŒssen: „Die Jungen bekommen dann eine Nummer und zum Tag des Storchs können die Heddesheimer Kinder dann eine Patenschaft fĂŒr den Storch erhalten. Sie erfahren dann, wie es ihrem Storch so geht und wo er gesichtet wird.“

Drei Junge hat das Paar, die werden bald beringt. Bild: pro

Drei Junge hat das Paar, die werden bald "beringt". Bild: pro

Allerdings mĂŒssen die Paten Geduld haben: „Wenn die Jungstörche groß genug sind und ihre lange Reise nach Afrika antreten, werden sie wahrscheinlich erst in drei Jahren wieder zurĂŒckkommen, dann sind sie geschlechtsreif und suchen sich hier einen Partner.“

Faszinierende Vogelwelt

Kurt Klemm fĂŒhrt durch den Park. Zu jedem Vogel hat er mindestens eine Geschichte zu erzĂ€hlen. Manche Vögel hat der Verein angeschafft, andere wurden gebracht, manchmal verletzt in der Natur gefunden, oft aber abgegeben von ehemaligen Besitzern, die mit den Tieren ĂŒberfordert waren.

„Guten Tag“, begrĂŒĂŸen uns die Mittelbeos. „Hallo.“ Beos sind die „SprachkĂŒnstler“ unter den Vögeln und können erstaunlich echt andere Stimmen imitieren: „Was wenige wissen, fast alle Vögel sind sogenannte Spötter. Selbst ich falle manchmal drauf rein, wenn ich vermeintlich einen Pirol höre und in Wirklichkeit ist es ein Star, der den Pirol nachahmt.“

Der prachtvollste Heddesheimer: der Pfau im Vogelpark. Bild: pro

Der prachtvollste Heddesheimer: der Pfau im Vogelpark. Bild: pro

Plötzlich lacht der „lachende Hans“, der eigentlich in Australien lebt: „Die Aborigines sagen ĂŒber den Hans, dass er die Aufgabe hat, den Menschen gute Laune zu bringen. Außerdem verehren sie ihn, weil er Giftschlangen frißt.“ Kurt Klemm hofft, dass zutrifft, was er vermutet: „Wenn mich nicht alles tĂ€uscht, hat das PĂ€rchen ein Nest gebaut und brĂŒtet.“

Intensive Beziehungen zwischen Mensch und Tier

Kurt Klemms Augen leuchten – sie sind halt seine Leidenschaft, die Vögel. „Hier haben wir den Tschilp. Den Spatz habe ich aufgepĂ€ppelt. Wir versuchen zwar, Wildvögel wieder auszuwildern. Bei dem Piepmatz hat das nicht geklappt. Der ist nun schon drei Jahre bei uns und will einfach nicht mehr weg.“ Vögel können intensive Bindungen an den Menschen entwickeln. Umgekehrt gilt das auch, wenn man sich Kurt Klemm anschaut.

„Kennen Sie die? Das ist ein ganz ungewöhnlicher Vogel, die Streifengans. Die hĂ€lt den absoluten Höhenrekord. Bei ihren Wanderungen ĂŒberfliegt sie den Himalaya und schafft ĂŒber 9000 Höhenmeter, weil sie es irgendwie hinkriegt, ihr Blut zu verdĂŒnnen und dadurch in der Lage ist, da oben noch zu atmen.“ Kurt Klemm schĂŒttelt den Kopf: unvorstellbar, aber so faszinierend ist die Natur.

WĂ€hrend der Brutzeit werden die Störche mit EintageskĂŒken versorgt. Bild: pro

WĂ€hrend der Brutzeit werden die Störche mit "EintageskĂŒken" versorgt. Bild: pro

Jetzt kommt Ulrich Landenberger, im Hauptberuf Schulhausmeister, auch seine Leidenschaft gilt den Vögeln. Und mit ihm kommt der Papa Storch angeflogen. Die beiden MĂ€nner lachen: „Guck ihn Dir an, wahrscheinlich hat er schon mein Auto erkannt und weiß genau, dass es Futter gibt“, sagt Landenberger.
Er hat einen Eimer mit „EintageskĂŒken“ dabei. Er fĂŒttert KĂŒken und manchmal Fische in der Brutphase zu, „damit die kleinen Störche auch genug von ihren Eltern bekommen, falls die Jagd mal nicht so erfolgreich ist“, sagt er.

Ulrich Landenberger bringt die Beute fĂŒr die Störche: EintageskĂŒken.

Ulrich Landenberger bringt die "Beute" fĂŒr die Störche: EintageskĂŒken. Bild: pro

Und tatsĂ€chlich, kaum sind die (toten) KĂŒken in einem speziellen Eimer gelandet, kommen die Störche zum Fressen: „Wir mussten uns diese Lösung mit dem Eimer ausdenken, weil sonst die KrĂ€hen und die Elstern sich ĂŒber die KĂŒken hermachen wĂŒrden“, sagt Landenberger. Der Eimer ist hoch und mit einem Deckel verschlossen. In der Mitte gibt es ein Loch, sodass nur die Störche mit ihren langen SchnĂ€beln die „Beute“ am Boden erreichen können.

Natur pur: das Biotop der Vogelfreunde

Jetzt geht es weiter ins „Biotop“, einem Feuchtgebiet hinter dem Vogelpark. Kurt Klemm redet unaufhörlich, kann zu jeder Pflanze, an der wir vorbei kommen, etwas erzĂ€hlen: „Wir lassen das tote Holz liegen. Denn darin entwickeln sich Insekten, die wiederum sind die Nahrung fĂŒr die Vögel.“

Kennt sich aus: Kurt Klemm im Feuchtgebiet. Bild: pro

Kennt sich aus: Kurt Klemm im Feuchtgebiet. Bild: pro

Wir kommen am Seeufer an, hier hat die Jugendgruppe der Vogelfreunde Bruthöhlen fĂŒr den Eisvogel, den Vogel des Jahres 2009, Bruthöhlen gebaut: „Unsere Jugend ist wirklich klasse, die sind sehr aktiv“, sagt Klemm.

Irgendwelche Idioten schaden dem Eisvogel

„Vor zwei Jahren haben irgendwelche Idioten im geschlossenen Teil des Sees mit einem Stock ein Eisvogelweibchen erschlagen und die Brut zerstört. Dabei ist auch das Ufer abgerutscht, wo sie gebrĂŒtet haben, deswegen haben wir das hier gebaut. Allerdings zu spĂ€t fĂŒr die diesjĂ€hrige Brutzeit. Wir hoffen, dass im nĂ€chsten Jahr der Eisvogel kommt.“

Die Vogelfreunde-Jugend hat fĂŒr den Eisvogel Bruthöhlen gebaut. Bild: pro

Die Vogelfreunde-Jugend hat fĂŒr den Eisvogel Bruthöhlen gebaut. Bild: pro

Dann erzĂ€hlt er, dass die Eisvögel „SchachtelbrĂŒter“ sind. Sie haben immer zwei Brutröhren, das Weibchen legt ihre Eier in die eine und 14 Tage spĂ€ter nochmal welche in die zweite Höhle: „Das ist eine ÃƓberlebensstrategie. Viele Eisvögel kommen nicht durch einen strengen Winter. Weil die Eltern sich die Aufzucht teilen, gibt es mehr Jungvögel und das sichert den Fortbestand.“ Natur ist eben nicht nur schön, sondern auch gnadenlos.

ÃƓberall ist Kuckucksspucke

Nach dem Biotop geht es in die Streuobstwiese. Das GelĂ€nde hat der Verein ebenfalls von der Stadt gepachtet und „renaturiert“ es seit 1999. „Mittlerweile wachsen hier wieder verschiedenste Pflanzen, die wichtig fĂŒr den ökologischen Kreislauf sind“, sagt Kurt Klemm und erklĂ€rt unaufhörlich redend, welcher Vogel welche GrĂ€ser und Beeren frisst und freut sich ĂŒber die „Kuckucksspucke“, Nester, die ĂŒberall bevozugt an Disteln hĂ€ngen. Dort kleben sie und sind durch die Distel geschĂŒtzt: In den Nestern entwickelt sich die Blutzickade. Die heißt so, weil ihre Farbe eben „blutrot“ ist und ist das Insekt des Jahres 2009.

In den weißen Spucke-Tropfen entwickelt sich die Blutzickade, das Insekt des Jahres 2009. Bild: pro

In den weißen "Spucke"-Tropfen entwickelt sich die Blutzickade, das Insekt des Jahres 2009. Bild: pro

„Es gibt zu wenig naturbelassene Wiesen. Die Bauern mĂŒssen auch ihr Brot verdienen, das ist ganz klar. Aber dadurch, dass sie die Wiesen wegen der Heugewinnung mĂ€hen, zerstören sie zwangslĂ€ufig auch viele Nester der Insekten“, sagt Klemm. Und rauben Schutzraum: „Wir haben in Heddesheim auch Feldrehe, das wissen nicht viele. Ich vermute, dass die auch gerne hier auf der Wiese vorbeikommen.“ Deswegen wird hier nur einmal im Jahr gemĂ€ht und zwar Ende August.  Dann ist die Brutzeit vorbei.

Dankbar fĂŒr „LĂ€rchenfenster“

Besonders freut er sich, wenn die Bauern seiner Bitte folgen, und auf ihren Feldern ein wenig Natur unberĂŒhrt lassen: „Rainer Hege bin ich sehr dankbar, weil er ungefĂ€hr ein Dutzend „LĂ€rchenfenster“ stehen gelassen hat“, sagt Kurt Klemm, der sich besonders darĂŒber freut, dass die Vögel diese BrutrĂ€ume sofort „bezogen“ haben. Die Fenster sind unbewirtschaftete, ein paar Quadratmeter große Stellen auf den Äckern, wo die Jungvögel Raum haben, sich zu entwickeln.

Hier auf der Streuobstwiese gibt es viele Angebote: „Sitzwarte“ fĂŒr die Greifvögel, ein weiterer Horst fĂŒr Störche, eine Trockenmauer fĂŒr Eidechsen, Bienenstöcke, Nester fĂŒr Hornissen und Erdhummeln. „Die sind noch nicht angenommen worden“, sagt Kurt Klemm. „Bei den Hornissen- und Hummelnestern werden wir nachhelfen mĂŒssen und den Imker fragen, ob er uns Völker da rein setzen kann.“

Vier Bienenvölker leben auf der Streuobstwiese. Hornissen und Erdhummeln sollen sich hier auch ansiedeln. Bild: pro

Vier Bienenvölker leben auf der Streuobstwiese. Hornissen und Erdhummeln sollen sich hier auch ansiedeln. Bild: pro

Umgeben ist die Wiese mit vielen BeerenstrĂ€uchern. „Das ist unglaublich wichtig fĂŒr die Vögel. Das ist alles Nahrung. Der Holunder, der Sanddorn, der Feuerdorn und der Weißdorn beispielsweise. Ohne ein solches Angebot kommen die Vögel nicht durch den Winter.

Nach drei Stunden ist der Rundgang mit Kurt Klemm zu Ende. Und er hat wieder mal erreicht, was ihm das Wichtigste auf der Welt ist: Die Natur den Menschen nÀher zu bringen. Mit Leidenschaft.

Die Vogelfreunde im Internet: hier.

Zur Person:
Kurt Klemm (62) ist ein gebĂŒrtiger Hellesemer, verheiratet und hat einen Sohn. Der gelernte Dreher arbeitete spĂ€ter als Kontrolltechniker und war die vergangenen 32 Jahre Angestellter der Gemeinde Heddesheim. 20 Jahre lang verwaltete er die Nordbadenhalle. Sein frĂŒheres Hobby Marathonlauf ĂŒbt er nicht mehr aus, aber die Fotografie ist immer noch „sein liebstes Hobby“. NatĂŒrlich sind seine Lieblingsmotive die Vögel und andere Tiere.

Anmerkung der Redaktion:
Kurt Klemm ist Kandidat fĂŒr die Gemeinderatswahl auf der Liste von BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen. Rainer Hege ist Kandidat auf der Liste der CDU.
Dieser Artikel steht in keinem Zusammenhang mit der Kommunalwahl 2009.