Samstag, 24. August 2019

Der Gemeinderat fĂŒhrte die Leinenpflicht ein und schaffte die Mittagsruhe ab

Hunde an die Leine!

Heddesheim, 22. Februar 2013. (red/ld/zef) Die Leinenpflicht gilt fĂŒr den gesamten innerörtlichen Bereich, den Seeweg, den Badesee, sowie auf den FlĂ€chen, die an das Viernheimer Naturschutzgebiet Neuzenlache angrenzen: die SchĂ€ffertswiese, und der Rad- und Fußweg an der Werderstraße. Das beschloss gestern der Gemeinderat.  Gleichzeitig wurde die Mittagsruhe per Verordnung abgeschafft.

Von Lydia Dartsch und Ziad-Emanuel Farag

Im innerörtlichen Bereich wird die Leinenpflicht aus SicherheitsgrĂŒnden eingefĂŒhrt. Andernfalls könnte es durch aufgeschreckte Passanten oder Hunde und dem Kraftverkehr schnell zu brenzligen Situationen kommen. Infolge dessen sei es in der Vergangenheit zu Konflikten zwischen Hundehaltern und Passanten gekommen. [Weiterlesen…]

Gastbeitrag zur Biotop-Vernichtung am Badesee

Der vergitterte Blick

Dieser wichtige Lebensraum fĂŒr Tiere wurde fĂŒr den "freien Blick" abgeholzt. Bild: Kurt Klemm

 

Heddesheim, 13. Januar 2012. Der Heddesheimer VogelschĂŒtzer und Naturschutzbeauftragte des Vogelvereins, Kurt Klemm, hat sich das abgeholzte StĂŒck am Badesee selbst angeschaut und ist entsetzt. Verschiedene NaturschutzverbĂ€nde wurden von ihm alarmiert, ebenso die Untere Naturschutzbehörde. Sein Gastbeitrag ist ein dringender Appell, der Natur Schutz zu gewĂ€hren, statt sie in Form zu schneiden.

Von Kurt Klemm

Kurt Klemm zeigt Futterangebote fĂŒr Vögel in seinem Garten.

Das beste Beispiel wie man mit Artenschutzmaßnahmen nicht verfahren soll, hat sich wieder einmal unser BĂŒrgermeister Michael Kessler geleistet.

Auf seine persönliche Anordnung hin, wurde eine ca. 200 m lange Uferbewachsung am nordöstlichen Ende des Badesees abgeholzt und so dem Erdboden gleichgemacht, damit man beim Spaziergang den Badesee gittermĂ€ĂŸig einsehen kann.

Wer von denen, die angeblich als BĂŒrger unserer Gemeinde solche Forderungen an den Gemeindechef stellen, nennt sich allen ernstes „Naturfreund“?

Hier wird ein vollkommen intaktes Biotop einfach nur mal so vernichtet, um „Naturfreunden“, einen freien Blick durch eine meterhohe Gitterwand auf den See zu gewĂ€hren.

Gutachten zur Artenvielfalt

In einem Gutachten, das unser BM von dem Vogelschutzgebiet des Vogelvereins 2007 erstellen ließ, um die Vogelwelt dort genau kartiert zu haben, heißt es von dem Gutachter:

Im Verlaufe der Bestandserhebung wurden 43 Vogelarten beobachtet, von denen 22 Arten nach gĂ€ngigen Vorgaben als Brutvögel einzustufen sind. Die ĂŒbrigen 21 Arten nutzen das Gebiet als Nahrungshabitat oder als Rastgebiet wĂ€hrend des Vogelzuges.

Weiter heißt es in einem Auszug aus diesem Gutachten:

Die Verteilung der Brutreviere lĂ€sst erkennen, dass der gesamte Gehölzbestand als Bruthabitat genutzt wird Die höchste Revierdichte wurde im sĂŒdlichen Teil des Gehölzbestandes festgestellt.

Das ist genau die Stelle, wo der Übergang des Vogelschutzgebietes in diese Uferbewachsung geht, die jetzt vernichtet worden ist.

Wozu werden fĂŒr viel Geld solche Gutachten erst erstellt, um am Ende statt Lebensraumschutz, den SpaziergĂ€ngern einen vergitterten Panoramablick auf den See zu gewĂ€hren?

Zwei Sichtfenster in diesem Heckenbereich hÀtten es auch getan.

Vernichtung von Artenvielfalt

Lebensraumverlust ist die Vernichtung der Feldraine, Rodung von Hecken und Feldgehölzen, dies wiederum fĂŒhrt zu Nahrungsmangel, fehlenden Schutz-und Deckungsmöglichkeiten vor Beutegreifern, keine BrutplĂ€tze, Artenarmut.

Hinzu kommt noch der geradezu verschwenderische FlĂ€chenverbrauch, wie bei Pfenning, Edeka und die BauplĂ€tze „Mitten im Feld“, all diese Verluste kann die Natur nicht mehr kompensieren, am Ende bleibt nur noch der Verlust der Artenvielfalt. Aber ohne Artenvielfalt verliert auch der Mensch sein irdisches Dasein.

Was sind das fĂŒr Menschen, die sich einfach an der Schöpfung Gottes vergreifen, nur um sich vermeintliche Vorteile auf eine bessere Aussicht zum See zu verschaffen?

Angesichts der meterhohen GitterzĂ€une, fragte ein besorgter BĂŒrger an, ob hier angesichts der mannshohen Gitterlaufwege demnĂ€chst Gefangene aus GuantĂĄnamo einquartiert wĂŒrden.

Aber machen Sie sich bitte selbst ein Bild und urteilen sie dann ĂŒber dieses StĂŒck Rundweg am nordöstlichen Ende des Badesees. Ich freue mich auf ihre Resonanz im Heddesheimblog.

Wie grĂŒĂŸten die Gladiatoren ihren CĂ€sar oder BM noch: „Morituri te salutant“.

Zur Person:
Kurt Klemm ist parteiloser Gemeinderat und Mitglied der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen. FĂŒr seine NaturschutzaktivitĂ€ten ist er bereits mehrfach ausgezeichnet worden.

Usutu-Virus bei vier toten Amseln nachgewiesen

Vor allem drosselartige Vögel wie die Amsel sind vom Usutu-Virus bedroht und zahlreich verendet. Bild: Andreas Trepte, www.photo-natur.de, CC BY-SA 2.5

Rhein-Neckar/Dossenheim/Mannheim, 15. September 2011. (red/pm) Im Stadtgebiet Mannheim und in Dossenheim wurde bei vier toten Amseln erstmals das Usutu-Virus in Baden-WĂŒrttemberg nachgewiesen“, teilten das fĂŒr Tiergesundheit zustĂ€ndige Ministerium fĂŒr LĂ€ndlichen Raum und Verbraucherschutz und das Ministerium fĂŒr Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren mit. Der Krankheitserreger ist bei vier aus Baden-WĂŒrttemberg stammenden Proben nachgewiesen worden.

Sozialministerium und Verbraucherschutzministerium betonten, dass es keinen „Grund zur Beunruhigung“ gebe. Man solle allerdings den „ungeschĂŒtzten Kontakt zu Wildvögeln vermeiden“.

Wir hatten bereits Anfang August einen Appell des Heddesheimer Vogelexperten Kurt Klemm veröffentlicht, der die Bevölkerung gebeten hat, dringend FutterplÀtze und TrÀnken zu entfernen, weil sich die Tiere dort infizieren könnten. Insbesondere seien Amsel betroffen.

„Bereits im vergangenen Jahr war der Erreger in StechmĂŒcken im Rhein-Neckar-Raum gefunden worden. „Damit ist das Virus in der Umwelt prĂ€sent. Deshalb ist weiterhin Vorsicht geboten. Tote Vögel sollten – wie sonst auch – nicht mit bloßen HĂ€nden berĂŒhrt werden. Zur Beunruhigung besteht jedoch kein Anlass, da in Europa bisher nur vereinzelt Erkrankungen beim Menschen nachgewiesen wurden. Außerdem verlĂ€uft die Erkrankung in der Regel milde und Ă€ußert sich durch Fieber und Hauterscheinungen“, erklĂ€rte das Sozialministerium.

Das Usutu -Virus (USUV) ist ein Tropenvirus, das durch StechmĂŒcken ĂŒbertragen wird und in erster Linie Erkrankungen und TodesfĂ€lle bei Amseln und anderen Wildvögeln verursacht. Nach seinem erstmaligen Auftreten in Österreich im Jahr 2001 gab es dort ein großes Vogelsterben. Bis dahin war das Virus nur in Afrika nachgewiesen worden. Aus Österreich ist bekannt, dass die Wildvögel nach einer gewissen Zeit eine Schutz gegen das Virus ausbilden. Der Erreger war am Mittwoch (14. September) bei einer toten Amsel auch im hessischen Birkenau nachgewiesen worden“, so die Ministerien.

Auf der Internetseite des Sozialministerium sind Adresse genannt, bei denen man tote Vögel abgeben kann.

Vogelexperte Kurt Klemm: „Entfernen Sie VogeltrĂ€nken und Futterstellen.“


Rhein-Neckar, 02. August 2011. (red) Verkehrte Welt: Sonst wirbt der Heddesheimer VogelschĂŒtzer Kurt Klemm fĂŒr die GanzjahresfĂŒtterung von Vögeln und dem Einrichten von TrĂ€nken. Doch aktuell geht vermutlich ein Erreger rum, der diese SammelplĂ€tze zu Todesfallen macht. Deswegen rĂ€t Klemm, dass man weder zufĂŒttert, noch trĂ€nkt.

Gastbeitrag: Kurt Klemm

Was sonst sinnvoll ist, kann aktuell tödlich sein: Futterstellen fĂŒr Vögel. Bild: privat

„Nachdem ich in den vergangenen Tagen sehr viele Anrufe von besorgten Vogelfreunden aus den Nachbargemeinden ĂŒber verendete Vögel erhielt, war mir klar, dass dieses Vogelsterben, das bereits letztes Jahr aufgetreten ist, nun auch unsere Region erfasst hat.

Bei dem infektiösen Massensterben von Wildvögeln, ist der Einzeller Trichomonas gallinae verantwortlich. Der Erreger verursacht EntzĂŒndungen des Rachens und Schlundes, außer den GrĂŒnfinken sind auch Vogelarten wie Buchfinken, Kernbeißer, Elster, EichelhĂ€her, Amseln und Haussperlinge betroffen.

Ab sofort sollten die Tierfreunde die Garten-und Singvögel nicht mehr fĂŒttern, auch die VogeltrĂ€nken sind zu entfernen, da an FutterplĂ€tzen und TrĂ€nken der Erreger, der bis zu 24 Stunden ĂŒberleben kann, sich massenhaft ĂŒbertragen kann.

Vorgefundene tote Vögel sollten sofort entsorgt und gemeldet werden.

Melden können sie die toten Vögel vorĂŒbergehend unter der Telefonnummer: 06203 – 44748.“

Gastbeitrag: Schön, wie die Disteln auf dem Pfenning-Acker blĂŒhen

Heddesheim, 29. Juni 2011. (red) Was war das eine Aufregung, als der Gemeinderat und NaturschĂŒtzer Kurt Klemm die sinnloswe Spitzung des GelĂ€ndes am Rundweg angeprangert hat. Der CDU-Fraktionssprecher Dr. Joseph Doll schrieb einen wĂŒtenden Leserbrief, BĂŒrgermeister Kessler schalt Klemm einen „missionarischen Ereiferer“ und der Landwirt und CDU-Gemeinderat Reiner Hege verteidigte als „Experte“ die Giftspritzung und machte die Distel zum Erzfeind des Bauern. Doch die wĂ€chst und gedeiht nun auf dem „Pfenning-GelĂ€nde“ – sehr zur Freude des NaturschĂŒtzers und Vogelfreunds Kurt Klemm. Denn die Distel ist eine schöne Futterpflanze.

Von Kurt Klemm

Eigentlich hĂ€tte ich es nicht fĂŒr möglich gehalten, dass sich das jetzige Plangebiet von Pfenning als ein Naturparadies aus zweiter Hand entwickeln wĂŒrde. Wer die letzten Tage an dem Gebiet vorbeikam, sah ein sich wogendes BlĂŒtenmeer der Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) auf deren BlĂŒten sich unzĂ€hlige Insekten am Nektar labten.

Aber auch fĂŒr viele Tagfalter ist der jetzige BlĂŒtenstand die wichtigste Nahrungsquelle. Selbst der in den letzten Jahren rar gewordene Stieglitz (Carduelis carduelis), auch Distelfink, genannt, holt sich dort die halbreifen Samen fĂŒr seine Brut. Ohne den halbreifen Samen der verschiedenen Distelarten wĂ€re sein ÃƓberleben nicht möglich.

Zur Zeit kann man bei der Acker-Kratzdistel drei verschiedene BlĂŒtenstĂ€nde sehen, von der BlĂŒte zum halbreifen Samen bis zum hygroskopischen Haarkelch (Pappus), der als Schirmchenflieger mit einer Sinkgeschwindigkeit von nur 26/Sekunde, bei einem gĂŒnstigem Aufwind ĂŒber 10 Kilometer fliegen kann. Die Acker-Kratzdistel, ansonsten erbarmungslos als Unkraut Nr. 1 mit Pestiziden bekĂ€mpft, lassen unsere Landwirte, zum GlĂŒck fĂŒr die Natur, dieses Jahr, speziell auf dem Pfenning-Areal, in Ruhe wachsen und gedeihen.

Denkt man zurĂŒck an das letzte Jahr, an den Rundweg hinter dem Vogelschutzgebiet, wo ebenfalls die Acker-Kratzdistel wuchs und die Gemeinde mit einer umfangreichen Giftspritzaktion Unkraut-Vernichtungsmittel ausbrachte, was riesengroße Wellen schlug, kann man sich eigentlich nur wundern.

BlĂŒhende Distelfelder freuen Kurt Klemm und geben Vögeln Futter. Bild: Kurt Klemm

Was hatten dazu unsere Landwirte im Gemeinderat fĂŒr schlimme Szenarien ausgemalt. Vielleicht können sich einige noch an meine Warntafeln zu der Unkrautspritzung erinnern. Eine Aktion, die sich dann im Nachhinein durch die Veröffentlchung hier im Blog und eine Recherche des „MM“ als vollkommen richtig erwies.

Was wurde meine Aktion damals in der Gemeinderatsitzung von unserem BĂŒrgermeister gescholten. Worte wie „missionarischer ÃƓbereifer und als RĂ€cher der Enterbten aufschwingen, waren zu hören (im Protokoll so nachzulesen).

Heute bin ich froh, wenn ich auf das Pfenning-Areal blicke. In Sachen Natur scheint da alles Friede, Freude, Eierkuchen zu sein und ich hoffe instÀndig, dass dies auch noch lange so bleibt.

Die Aufregung vom letzten Jahr, ĂŒber den Samenflug der Acker-Kratzdistel, die Pestizidspritzung, war vollkommen umsonst, angesichts der jetzigen Situation, oder?

Kurt Klemm protestierte im Oktober gegen die Distelspritzung ohne Warnung. Klicken Sie auf das Bild, um den Beitrag zu lesen.

 

Anmerkung der Redaktion:
Kurt Klemm ist Gemeinderat in der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen. Er gehört zu den MitgrĂŒndern des Vogelparks und ist der Naturschutzbeauftragte der Vogelfreunde- und Pfleger, die vor kurzem fĂŒr ihre herausragende Arbeit mit dem AZ-Naturschutzpreis ausgezeichnet worden sind.

Von Vögeln und Fischen


Guten Tag!

Heddesheim, 30. MĂ€rz 2011. Kurt Klemm, Vogelkenner und passionierter NaturschĂŒtzer war bei den Heddesheimer Sportfischern zu Gast, um einen Vortrag zu halten. Klemm, alles andere als ein trockener Theoretiker, wĂ€hlte einen ungewöhnlichen Weg, um den Fischern den Naturschutz nĂ€her zu bringen: Er zeigte einen wunderbaren Film.

Von Christiane Eisele

Es ist bereits dĂ€mmrig, als ich das Vereinsheim der Heddesheimer Sportfischer erreiche. Um die Fischer bei ihrer dem Vortrag vorangehenden Mitgliederversammlung nicht zu stören, beschließe ich, noch ein bisschen draußen zu warten.

Ich lehne mich an das GelĂ€nder des VereinsgelĂ€ndes und schaue auf den ruhigen See. Es ist die „blaue Stunde“. Das Licht wirft ein zartes Leuchten auf den See, Wasservögel tauchen nach ihrem Abendessen, in den umliegenden StrĂ€uchern und BĂ€umen singen noch einige Vögel. Ich fĂŒhle, wie ich mich entspanne.

Kurt Klemm, der noch ein bisschen Luft schnappen will, bevor er beginnt, gesellt sich zu mir. Wir beginnen ein leises GesprĂ€ch, in dessen Verlauf ich mit seiner Hilfe vieles entdecke, was mir vorher gar nicht aufgefallen ist. Da ist die Ufer-Steilwand, in der noch vor drei Jahren ein PĂ€rchen Eisvögel gebrĂŒtet hat, bis Unbekannte mit Stöcken in den Brutröhren herumstocherten und das Weibchen auf dem Gelege töteten.

Eisvogel, Haubentaucher, Blessrallen

Die NaturschĂŒtzer haben nun eine kĂŒnstliche, nicht zugĂ€ngliche Wand angelegt und hoffen, dass sich dort wieder ein Eisvogelpaar ansiedelt. Kurt Klemm erzĂ€hlt mir aus dem Leben der vor uns im See ausdauernd tauchenden Haubentaucher, der kleinen schwarzen Blessrallen mit ihrem weißen Hornschildchen auf der Stirn und von dem Stockentenpaar, das ruhig seine Bahnen ĂŒber den See zieht.

Der Vogel, der im Baum ĂŒber uns singt, ist eine Nachtigall, erfahre ich. Kurt Klemm kennt den See und seine Tiere genau, als GrĂŒndungsmitglied des Heddesheimer Sportfischervereins fĂŒhlt er sich den Fischern auch heute noch sehr verbunden und es ist ihm ein BedĂŒrfnis mit ihnen ĂŒber den Erhalt der Artenvielfalt zu sprechen und ĂŒber das, was sie dafĂŒr tun können.

Wundervoller Ausblick

In der Pause nach der Mitgliederversammlung bis zu Kurt Klemms FilmvorfĂŒhrung komme ich im liebevoll ausgebauten, gerĂ€umigen Vereinsheim mit einigen Fischern ins GesprĂ€ch. Ihre Augen leuchten, als sie mir von der Schönheit des Sees erzĂ€hlen und mir den wunderbaren Ausblick aus den großen Fenstern des Vereinsheims zeigen. Weit ĂŒber den See hinaus reicht der Blick, bis zu den beleuchteten Burgen an der Bergstraße, ein Anblick, den sie immer wieder aufs Neue genießen.

Der Film, den Kurt Klemm zeigt, ist vor einiger Zeit im WDR gelaufen: „Die Wupper – Amazonas im Bergischen Land„. Die Wupper, bis 1930 biologisch vollkommen tot durch die Einleitung von Industrie-Unrat, hat sich sich mittels eines einfachen und preisgĂŒnstigen Konzepts wieder zu einem lebendigen Biotop entwickelt: Der Renaturierung.

Eindrucksvoller Naturfilm des WDR: Die Wupper

Der Fluss und die ihn umgebende Landschaft wurde weitgehend sich selbst ĂŒberlassen, es gab kaum Eingriffe mehr, die Einleitung von AbwĂ€ssern wurde verboten. Bis heute hat sich die Flusslandschaft vollkommen erholt, in der Wupper leben beispielsweise wieder Eschen, die nur in den saubersten GewĂ€ssern zu finden sind.

Eindrucksvolle Bilder

Mit wunderbaren, klaren Bildern erzÀhlt der Film von dem einzigartigen Zusammenspiel der Natur, zeigt eindrucksvolle Bilder vom Leben der dort heimischen Fische, Vögel, Insekten, SÀugetiere und Pflanzen. Kurt Klemm kommentiert den Film gelegentlich, macht auf Tiere aufmerksam, denen die Fischer auch am Heddesheimer See begegnen. Als ein Eisvogel zu sehen ist, erzÀhlt ein Fischer, dass der noch am See lebende mÀnnliche Vogel eines Abends auf der Spitze seiner Angel Platz genommen hat, um von dort Ausschau nach Fischen zu halten.

Der Film kommt an, das VerstĂ€ndnis der Fischer fĂŒr das Zusammenspiel der Natur und die Bereitschaft, aktiv zum Naturschutz beizutragen, ist groß.

Nach dem Film bleibt Kurt Klemm sitzen und spricht den Film und sein Anliegen mit den Anwesenden noch einmal durch. Es ist ihm wichtig, dass die Sportfischer beispielsweise ihre AngelplĂ€tze sauber halten, sich mit leisen Schritten den GewĂ€ssern nĂ€hern und das Geschrei zeternder Vögel, die ihr Gelege schĂŒtzen wollen, verstehen und darauf RĂŒcksicht nehmen.

Leidenschaft

Eingestreute Anglerwitze, eigene Naturerlebnisse, Kochrezepte fĂŒr WildkrĂ€uter und Erfahrungen mit einer weitgehend verstĂ€ndnislosen Ortsverwaltung gegenĂŒber den BedĂŒrfnissen der hier heimischen Flora und Fauna machen seine AusfĂŒhrungen ĂŒberaus lebendig, man spĂŒrt die Leidenschaft und Begeisterung, die diesen Mann antreibt.

Bei den Sportfischern ist Klemms Anliegen an diesem Abend auf mehr als fruchtbaren Boden gefallen, denn man bittet ihn, regelmĂ€ĂŸig wiederzukommen und auch der Fischerjugend von der Natur zu erzĂ€hlen. Kurt Klemm hat sich in der Naturverbundenheit dieser Menschen nicht getĂ€uscht.

Kurt Klemm wird sich zunÀchst voraussichtlich mit einem Programm an der Jugendfreizeit der Fischer ab 30. Juli 2011 beteiligen.

„Un Ruh is“ – Pfenning lĂ€sst klammheimlich Acker umgraben, auf dem keine Nutzpflanze mehr wachsen wird

Heddesheim, 29. MĂ€rz 2011. (red) Der „gute Nachbar“, der sich so sehr auf Heddesheim freut, ist ein „seltsamer“ Nachbar. Einer, der Dinge tut, die andere nicht verstehen. Aber das ist nicht schlimm – er tut das als „Nachbar“ nur zum besten von allen. Auch wenn man das nicht versteht.

Von Helle Sema

Irgendwann vor ĂŒber einer Woche zog ein Traktor seine Runden und pflĂŒgte und pflĂŒgte.

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Rund 200.000 Quadratmeter gepflĂŒgte Erde. Zur Saat vorbereitet. Hier wachsen Logistikhallen.

In der ehemalige „Tabakgemeinde“ Heddesheim kennt man das. Der Ort ist umgeben von Feldern, die von ganz wenigen Bauern noch bestellt werden. Es gibt immer weniger Bauern, weil es immer weniger Felder gibt.

An diesem mittelschönen Tag hatte der Bauer, man sagt es sei der „Kemmet“ gewesen, viel zu pflĂŒgen. Rund 200.000 Quadratmeter. DafĂŒr sitzt man lang auf dem Trekker. Nördlich der Benzstraße. Da wo frĂŒher Tabak gepflanzt wurde und irgendwann mal „Pfenning“ oder was auch immer stehen soll.

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UngemĂŒtlich: Hier siedelt sich weder Hamster noch Vogel an.

Der Bauer zog beharrlich seine Runden und der Pflug warf die Erde auf. Dicke Schollen ließ er zurĂŒck. Unebenheit, Unruhe.

WofĂŒr, warum, weshalb?

WofĂŒr? Warum? Weshalb? In der guten Muttererde, einem der besten Böden auf Heddesheimer Gemarkung, wird nie mehr etwas wachsen. Irgendwann wird sie abgetragen und auf irgendeinen Wall geschĂŒttet.

Warum macht der Bauer sich die Arbeit? Ist er sentimental? Hat er den Acker verwechselt? Ist es eine Form von Protest? Vollkommen sinnlos, wie man lĂ€ngst weiß? Oder nur ganz lapidar ein Auftrag? Wie fĂŒhlt man sich als Bauer, wenn man einen Acker pflĂŒgt, auf dem nur noch Logistik wachsen soll?

Wir haben nicht den Bauern gefragt, der diese blödsinnige Arbeit gegen Geld gemacht hat, sondern diejenigen, die den Bauern diese blödsinnige Arbeit machen lassen. Also den guten neuen Nachbarn, der sich angeblich so sehr auf Heddesheim freut, das Unternehmen „Pfenning“.

„Verschiedene Personen haben berichtet, dass das komplette GelĂ€nde der geplanten Ansiedlung gepflĂŒgt wurde.

DafĂŒr gibt es sicherlich GrĂŒnde.

WĂŒrden Sie uns die bitte mitteilen?

Weiter sollten angeblich Mitte MÀrz die Bauarbeiten losgehen, tatsÀchlich scheinen aber die ArchÀologen bis Anfang Mai auf dem GelÀnde zu sein.

Können Sie einen Termin angeben, wann die Bauarbeiten tatsÀchlich beginnen?

Und da wir ja nicht so oft Kontakt haben, gestatten Sie mir noch die Frage, ob Sie vom RegierungsprĂ€sidium schon was zum Gleis erfahren haben oder bis wann Sie damit rechnen?“

Das war am 23. MÀrz 2011. Eine Woche spÀter haben wir noch immer keine Antwort.

Als wir ein paar Bauern fragen, welchen Sinn es macht, einen Acker zu pflĂŒgen, auf dem nie mehr etwas wachsen soll, ist die Antwort eindeutig.

Sinnlos

Wir bekommen sie sofort: „Das ist sinnlos.“

Wir fragen nach: „Naja, vielleicht gibt es irgendein Gesetz?“

Und bekommen eine Antwort: „Man muss die Äcker in Ordnung halten. Aber das ist nicht der Grund.“

Wir fragen: „Was ist der Grund?“

Es gibt eine Gegenfrage: „Was denken Sie?“

Wir sagen: „Keine Ahnung.“.

Vielleicht nistet sich sonst was ein

Die Bauern sagen: „Ist doch klar. Solange man die Möglichkeit hat, das zu machen, macht man es auch. Das ist Bauland. Sonst nistet sich vielleicht was ein, was die Bauarbeiten behindert. Jetzt nistet sich nichts mehr ein.“

Wir sagen: „Achso, ja das macht Sinn. Keine Vögel und so. Oder Hamster.“

Die Bauern sagen: „Genau. Aber das geht auch anders. Ich hĂ€tte das nicht so gemacht, denn in der aufgeworfenen Erde zu arbeiten, ist jetzt schwieriger, da kommt man nicht so leicht durch. Und Hamster? Hab ich noch nie gesehen. FrĂŒher hießen die bei uns „Konwörmer“.“

Wieso, wollen wir wissen?

Die Bauern sagen: „Halt KornwĂŒrmer, weil da, wo die GĂ€nge waren, kaum Korn gewachsen ist. FrĂŒher hieß es: Wond Ă€nner sieschd, nemschd de Schbade un Ruh is. Heute ist das anders. Aber Hamster gibt es hier nicht.“

Irgendwie klingt das gar nicht verwunderlich.

Und irgendwie klingt das so, als wenn es weder Hamster noch irgendwelches anderes Viehzeug auf dem Acker geben soll.

„Un Ruh is“

Der Bauer hat seinen „Job gemacht“, dafĂŒr Geld bekommen „un Ruh is“.

SpaziergĂ€nger, die hier langkommen und sich fragen, was hier wohl „wachsen wird“, werden sich in einigen Monate wundern.

FrĂŒher war es Tabak, der zum Wohlstand der Gemeinde Heddesheim beitrug.

Die Zeiten sind vorbei. Morgen wird es Logistik sein, die hier aus dem Boden sprießt.

Angeblich zum Wohl der Gemeinde.

Ach – und als Nachtrag an die AnwĂ€lte der Firma Pfenning, die ja schließlich auch das Feld der Abmahnungen bestellen wollen: Wir nehmen nur an, dass ein (ehemaliger) Bauer von Ihnen beauftragt wurde, das „weite Feld“ zu pflĂŒgen. Eventuell hat er ja nur den Acker verwechselt oder hat aus nostalgischen GrĂŒnden seine Runden gezogen. Quasi als nette Geste, damit der neue, gute Nachbar wegen blöder Hamster oder Vögel auch ja keinen Ärger bekommt.

So ist das in Heddesheim. Hier wird alles klammheimlich vorgepflĂŒgt. Seien Sie willkommen.

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Blöde Kurve, da kommt ein 40-Tonner kaum rum. Deswegen macht die Gemeinde die Kreuzung auch besser befahrbar. Denn bald sollen tÀglich dutzende 40-Tonner möglichst ohne Tempoverlust hier schnell durchkommen.

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Gift-Einsatz: „Der Einsatz von Herbiziden ist kontraproduktiv“

Guten Tag!

Heddesheim, 25. Oktober 2010. Die Gemeindeverwaltung Heddesheim will ĂŒberhaupt keinen Fehler in der Gift-Spritzaktion erkennen – vor kurzer Zeit wurde eine FlĂ€che, auf der eine Wildblumenwiese entstehen soll mit dem Wirkstoff MCPA gespritzt, um „Disteln“ zu bekĂ€mpfen. NABU-Sprecher Paul Hennze erklĂ€rt im Interview, warum das absolut falsch ist. Dass Bauern die Distel auf Feldern bekĂ€mpfen, findet er zwar nicht richtig, kann aber die Sicht der Bauern zumindest verstehen. Im Fall der Blumenwiese fehlt ihm jedes VerstĂ€ndnis. Der Gemeinde bietet er Beratung an.

Herr Hennze, die Gemeinde Heddesheim plant eine Wildblumenwiese auf einem ehemaligen Acker anzulegen, wird das klappen?
Paul Hennze: „Die meisten Wildblumen lieben magere Böden, die sind schwer zu finden in unserer Region. Ackerböden sind grundsĂ€tzlich hoffnungslos ĂŒberdĂŒngt.“

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Paul Henze klĂ€rt ĂŒber Naturschutz auf. Bild: privat

Sie meinen, es wird nichts mit der BlĂŒtenpracht?
Hennze: „Es gibt auch Pflanzen, die stickstoffreiche Böden lieben, beispielsweise die Brennessel und Distel. Die sind gleichzeitig hervorragende Futterpflanzen fĂŒr Raupen, die wiederum zu Schmetterlingen werden. Die Schmetterlinge bestĂ€uben andere BlĂŒtenpflanzen und Raupen und Schmetterlinge sind eine tolle Nahrung fĂŒr Vögel.“

Disteln sind nĂŒtzliche Pflanzen.

Disteln sind also nĂŒtzliche Pflanzen?
Hennze: „Auf alle FĂ€lle.“

In Heddesheim wurden die Disteln auf Anordnung des BĂŒrgermeisters auf diesem GelĂ€nde gerade totgespritzt, weil die angeblich das Hochkommen der Wildblumen behindern wĂŒrden.
Hennze: „So ein Quatsch. Wie gesagt werden nur wenige Wildblumen ĂŒberhaupt wachsen, aber nicht wegen der Disteln, sondern wegen der ÃƓberdĂŒngung. Und Disteln blĂŒhen wunderschön. FĂŒr mich klingt das schon makaber, dass man blĂŒhende Pflanzen, die zudem sehr nĂŒtzlich sind, tot spritzt, um blĂŒhende Pflanzen zu sĂ€hen.“

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Das Gift tötet die Distel - und noch jede Menge andere Pflanzen.

Gibt es weitere positive Eigenschaften der Distel?
Hennze: „Ja. Die Distel blĂŒht sehr spĂ€t, also zu einer Zeit, in der die BlĂŒte der meisten anderen Pflanzen schon vorbei ist und bietet somit weiterhin eine Nahrungsgrundlage fĂŒr Insekten. Und wenn man die Stauden stehen lĂ€sst, sind deren Samen die Nahrung fĂŒr teils schon verschwundene Vogelarten wir den Distelfink oder HĂ€nflinge.“

Vor allem die Bauern bekÀmpfen aber die Distel.
Hennze: „Das ist bedauerlich, aber aus deren Sicht zu verstehen. Ein hoher Distelbesatz in einem Weizenfeld vermindert die QualitĂ€t der Ernte und damit den Erlös fĂŒr den Bauern.“

Macht es deshalb Sinn, auch in der NĂ€he von Äckern Disteln zu bekĂ€mpfen?
Hennze: „ÃƓberhaupt nicht. Die Distel lĂ€sst sich nicht bekĂ€mpfen. Sie lĂ€sst sich nur töten, kommt aber immer wieder. Die Äcker werden dementsprechend gespritzt – ob da in der Nachbarschaft Disteln wachsen oder nicht, spielt keine große Rolle.“

MCPA tötet nicht nur die Distel, sondern auch andere KrÀuter.

Nach Auskunft der Gemeindeverwaltung hat die Spritzaktion nur die Disteln getötet.
Hennze: „Dann gucken Sie mal auf die Wirkung von MCPA, außer der Distel werden noch jede Menge andere KrĂ€uter abgetötet, die aus Sicht der Bauern „UnkrĂ€uter“ sind, aus Sicht des Naturschutzes aber Nutzpflanzen. Mal ehrlich: Man kann doch froh sein, wenn ĂŒberhaupt was wĂ€chst.“

Warum?
Hennze: „Durch die intensive Landwirtschaft gibt es kaum noch BlĂŒtenpflanzen. Und wo keine BlĂŒten sind, verschwinden viele Insekten, unter anderem die Biene, einer der wichtigsten BestĂ€uber. Das hat Auswirkungen auf das gesamte Öko-System. Ab Juni haben Insekten große Schwierigkeiten, BlĂŒten in ausreichender Menge zu finden, sie verhungern oder ziehen weiter.“

Die Anwendung von Herbiziden ist kontraproduktiv.

ZurĂŒck zur Wildblumenwiese. Wir lange wird es dauern, bis die Wirklichkeit wird?
Hennze: „Das kann bis zu 15 Jahre dauern. Man kann den Boden im Lauf von Jahren etwas ausmagern, indem man mĂ€ht und das MĂ€hgut beispielsweise in eine Biogasanlage gibt. Dennoch sollte man nicht die gesamte FlĂ€che auf einmal mĂ€hen, sondern im Interesse der von „Unkraut“samen lebenden Vögel (z.b.HĂ€nfling) jedes Jahr einen anderen Teil der FlĂ€che vom MĂ€hen aussparen. Man kann Sand unterpflĂŒgen und nach und nach verĂ€ndert sich die Natur von selbst. Die Anwendung von Herbiziden ist kontraproduktiv. Deren Einsatz ist ĂŒberhaupt nicht gerechtfertigt. Wenn die Gemeinde dazu Beratung benötigt, stehen wir gerne bereit, um beispielsweise einen Pflegeplan zu erstellen.“

Info:
Der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) ist eine „Nicht-Regierungsorganisation“ (NGO), die sich dem Schutz und dem VerstĂ€ndnis fĂŒr die Natur verschrieben hat. Der NABU-Bezirksverband Rhein-Neckar-Odenwald umfasst 11 NABU-Gruppen im Rhein-Neckar-Kreis und 7 NABU-Gruppen im Neckar-Odenwald-Kreis sowie die Stadtgruppen Heidelberg und Mannheim mit insgesamt rund 6000 Mitgliedern. Paul Hennze ist einer der Mannheimer Sprecher.

Internet:
www.nabu-mannheim.de
NABU Rhein-Neckar-Odenwald

Kurt Klemm „hat die Schnauze voll“

Guten Tag!

Heddesheim, 15. Oktober 2010. Kurt Klemm, Vogelfreund und NaturschĂŒtzer, hat „die Schnauze voll“. Wieder einmal hat „die Gemeinde“, respektive BĂŒrgermeister Michael Kessler, wider die Natur gehandelt, sagt er. Deswegen handelt er nun gegen die „Vergiftung“.

Von Hardy Prothmann

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Kurt Klemm protestiert gegen aus seiner Sicht unnötigen Gifteinsatz. Bild: privat

Der Gemeinderat (parteilos, Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen) Kurt Klemm ist „sauer“, so richtig sauer. Auf der Wiese hinter dem Vogelpark, wo das neue TeilstĂŒck des Rundwegs um den Badesee angelegt wurde, ist „Gift gesprĂŒht worden“, sagt er.

„Seit ewigen Zeiten prangere ich das an“, sagt Klemm. Er meint das Spritzen von „Unkrautvernichtungsmitteln“. Diese „UnkrĂ€uter“ seien wichtige Nahrungsgrundlage fĂŒr viele Insekten und die wiederum fĂŒr die Vögel. „Aber der will nichts verstehen und macht, was er will“, sagt Klemm und meint BĂŒrgermeister Michael Kessler.

Kurt Klemm hat sich deshalb zu einer privaten Protestaktion entschlossen. Auf der gespritzten Wiese hat er Warnschilder aufgestellt: „Vorsicht Gift“.

Gute WasserqualitÀt im Badesee

Guten Tag!

Heddesheim, 23. April 2010. (red/pöl) Der Heddesheimer Badesee ist „zum Baden gut geeignet“ – so das Urteil von Limno-Consult. Das Schriesheimer IngenieurbĂŒro untersucht seit 1994 die WasserqualitĂ€t im Auftrag der Gemeinde.

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Der Heddesheimer Badesee. Archivbild 2009 heddesheimblog

Das IngenierbĂŒro, vertreten durch Frau Dr. Isabel Hauser, bescheinigt dem Heddesheimer Badesee eine „ausgezeichnete, nicht zu beanstandende WasserqualitĂ€t. Der hygienische Zustand sei „zum Baden gut geeignet.“

Der See ist im Osten bis zu 26 Meter tief. GegenĂŒber dem Vorjahr ist der Pegelstand um 23 Zentimeter gefallen.

Das OberflĂ€chenwasser ist gut mit Sauerstoff angereichert, unterhalb 16 Meter nimmt der Sauerstoffgehalt aber rapide ab – wĂ€hrend der so genannten „Stagnationsphase“ sind die SauerstoffverhĂ€ltnisse im tiefen Wasser „unzureichend“, so der Bericht. Allerdings sei das ein Problem, dass 93,8 Prozent aller Baggerseen betreffe. WĂ€hrend der Stagnation findet kein vertikaler Austausch des tiefen Wassers statt – erst die „Zirkulationsphasen“ im Herbst und Winter ermöglichen beispielsweise durch Wind die Durchmischung des Wassers.

Algen waren kein Problem, da der See als „nĂ€hrstoffarm“ eingestuft wird. Die FrĂŒhjahrsuntersuchung 2009 habe ein geringes „Eutrophierungspotenzial“ (AlgenblĂŒte).

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Darstellung der Wassertiefe des Badesees. Quelle: Limno-Consult

Auch die mikrobiologischen Untersuchungen des Landesgesundheitsamts wiesen fĂŒr den Heddesheimer Badesee keine Beanstandungen auf. Die Messungen fĂŒr Escherichia coli (Darmbakterium) und intestinale Enterokokken seien „unauffĂ€llig“.

Problematisch könne eine Verunreinigung durch Kot, insbesondere der von Wasservögeln sein. Der Bademeister Bender bemĂŒhe sich mit seinem Team, vor allem GĂ€nse und Enten fernzuhalten – dafĂŒr wĂŒrde auch mal eine Runde mit dem Boot gedreht, um die Vorhut abzuschrecken, sagte Hauser.

Die guten Werte in Sachen Bakterien ließen darauf schließen, dass die BadegĂ€ste fĂŒr ihre BedĂŒrfnisse die Toilettenanlagen und nicht den See benutzten.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Kurt Klemm erhÀlt VDW-Naturschutzpreis 2010

Guten Tag!

Heddesheim, 19. April 2010. Kurt Klemm, Naturschutzbeauftragter der Heddesheimer Vogelfreunde, ist fĂŒr „herausragende Leistungen“ in Sachen Naturschutz und Erhalt der Vogelwelt ausgezeichnet worden.

Von Horst Pölitz

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Herbert Geitner ĂŒberreicht "Vogeluhr" an Kurt Klemm (rechts). Bild: heddesheimblog/pöl

„Der diesjĂ€hrige PreistrĂ€ger ist in Heddesheim und Umgebung eine bekannte Persönlichkeit, die sehr viel fĂŒr den Naturschutz und die Erhaltung der Vogelwelt getan hat und tut“, sagte Herbert Geitner, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbandes Deutscher Waldvogelpfleger und VogelschĂŒtzer (VDW) am Samstag, den 17. April 2010 zur Feierstunde im Vereinshaus der KleintierzĂŒchter.

„Kurt Klemm ist immer noch sehr aktiv im Naturschutz. Im Rahmen der Vereinsarbeit hat er im Kampf um das Schutzgebiet beim Vogelpark, in zĂ€hem Ringen mit der Gemeinde, einen Konsens herbeigefĂŒhrt und sogar eine Erweiterung des Schutzgebiets erreichen können.“

Geitner lobte den vielfĂ€ltigen Einsatz von Klemm: Ob Birdwatching, Informationen zur FĂŒtterung von Vögeln, die Arbeit mit Kindern, das Vogelbeobachtungsprogramm. „Kurt Klemm hat als Initiator vieler NaturschutzaktivitĂ€ten den diesjĂ€hrigen VDW-Naturschutzpreis mehr als verdient.“

Zum Preis gab es eine Vogeluhr – die speziell fĂŒr den VDW gefertigt wurde.

Der Preis wurde im Rahmen der Jahreshauptversammlung des VDW-Landesverband Baden-WĂŒrttemberg ĂŒbergeben, die dieses Jahr in Heddesheim stattfand.

Der Verein der Vogelfreunde und -pfleger hatte bereits 2005 den Naturschutzpreis des VDW erhalten.

„Die Vögel brauchen uns.“

Guten Tag!

Heddesheim, 14. April 2010. Der FrĂŒhling kommt, wenn auch regnerisch. Die Vögel zwitschern. Alles scheint wie immer zu sein. Die Natur erwacht, die Jahreszeiten nehmen ihren Lauf. Ist das so? Der Naturschutzbeauftragte der Vogelfreunde und -pfleger, Kurt Klemm, sagt: Nein. „Die Vögel brauchen uns.“

Interview: Hardy Prothmann

Herr Klemm, der FrĂŒhling ist da, die Vögel zwitschern. Finden die schon genug zu fressen?

Kurt Klemm: „In einer Feldflur wie Heddesheim, die dermaßen ausgerĂ€umt ist, gibt es so gut wie keine Wildpflanzen mehr, die manche abschĂ€tzig als „Unkraut“ bezeichnen. Diese Wildpflanzen sind die ErnĂ€hrungsgrundlage fĂŒr viele körnerfressenden Vögel. Die Vögel haben MĂŒhe, genug zum Fressen zu finden.“

Welche Vögel sind das beispielsweise?

Klemm: „Der GrĂŒnfink, der BluthĂ€nfling, Girlitz, Stieglitz. Diese Vögel sind auf halbreife SĂ€mereinen bei der Aufzucht ihrer Jungvögel angewiesen. Sie brauchen Löwenzahn, Vogelmiere, Spitzwegerich, Breitwegerich, Wiesenknopf, Wegwarte. Diese Samen sind ein prĂ€chtiges Futter, die alles enthalten, was die Jungen brauchen.“

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Specht und Meisen im Winter werden durch "ZufĂŒtterung" unterstĂŒtzt - auch im Sommer brauchen viele Vögel "UnterstĂŒtzung". Bild: privat

Wollen Sie damit sagen, dass Gartenbesitzer kein Unkraut mehr jĂ€ten dĂŒrfen?

Klemm: „SelbstverstĂ€ndlich können die Menschen ihre Blumen und Beete pflegen, aber es ist sicherlich möglich, eine kleine naturbelassene Ecke im Garten fĂŒr unsere Vögel zur VerfĂŒgung zu stellen. Was fĂŒr die Menschen „Unkraut“ ist, ist fĂŒr die Vögel Futter, also Nahrung.“

Eine „Unkrautecke“ im Garten liefert Nahrung.

Soll oder muss man die Vögel auch in der Zeit von FrĂŒhjahr bis Herbst fĂŒttern oder werden diese dadurch vom Menschen abhĂ€ngig?

Klemm: „Man spricht nicht von FĂŒttern, sondern von ZufĂŒttern. Das ist sehr sinnvoll, damit genug Futter zur Jungenaufzucht zur VerfĂŒgung steht. Die Vögel werden dadurch nicht abhĂ€ngig. In England beispielsweise ist das ZufĂŒttern weit verbreitet. Die Folgen sind nur positiv, weil der ArtenrĂŒckgang gestoppt werden konnte und gefĂ€hrdete Vogelarten dadurch gerettet werden konnten.“

Welches Futter sollte man anbieten?

Klemm: „Auf jeden Fall kein Winterfutter, dort sind zu große tierische Fettanteile enthalten, die leicht ranzig werden können. Die Industrie hat auch durch die positiven englischen Erfahrungen ein Sommerfutter entwickelt. Das gibt es seit vier Jahren und ist im Fachhandel erhĂ€ltlich, in Heddesheim beispielsweise beim Raiffeisenmarkt.“

In vielen BaumĂ€rkten gibt es jetzt das Winterfutter sehr gĂŒnstig?

Klemm: „Damit sollen die LagerbestĂ€nde verkauft werden. Dieses Futter ist ungeeignet und ich empfehle, dieses nicht zu kaufen. Auf meine Intervention hin hat ein Marktleiter sich auf meine Argumente eingelassen und das Futter nicht mehr angeboten. Diese Einsicht fand ich sehr respektabel. Alternativ kann man sich auch Schrotfutter bei einer MĂŒhle besorgen. Das ist gĂŒnstig zu bekommen und ideal fĂŒr unsere Spatzen.“

Der Hunger treibt es rein – und die Vögel verenden daran.

Kann man auch aus dem Haushalt Reste verfĂŒttern?

Klemm: „Auf keinen Fall, alle gĂ€ngigen Lebensmittel sind fĂŒr die Vögel ungeeignet. GewĂŒrzte Lebensmittel sind das reine Gift. Vögel fressen nicht, was Menschen essen.“

Man kann doch aber immer wieder Vögel an MĂŒlleimern sehen, die fressen sogar Pommes.

Klemm: „Daran erkennt man die Not der Vögel, die so groß ist, dass sie aus schierem Hunger auch ungeeignete Nahrung aufnehmen. Was man nicht sieht, ist, wie viele daran elendig zugrunde gehen. Durch das Salz, GewĂŒrze und ranziges Fett.“

Was ist mit den Insektenfressern?

Klemm: „Hier gibt es ein dramatisches Problem, das wiederum mit dem Öko-Kreislauf zu tun hat. Viele Insektenfresser brauchen Schmetterlings- und Falterraupen. Die wiederum legen ihre Eier bevorzugt an die Brennnessel. Die aber wird mit UnkrautbekĂ€mpfungsmittel vernichtet. Und damit auch die Raupen und damit die Nahrung fĂŒr die Vögel. Das ist ein Riesenproblem.“

Wie kann man es lösen?

Klemm: „Wenn jeder Gartenbesitzer einen Quadratmeter fĂŒr Brennnessel zur VerfĂŒgung stellt, wĂ€re den Vögeln sehr geholfen. Auch Gemeinden könnten Brennnesselfelder stehen lassen und nicht immer sofort mĂ€hen. Ich kĂ€mpfe seit Jahren dafĂŒr, dass die Gemeinde sich hier einsichtig verhĂ€lt.“

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Kurt Klemm hat in seinem Garten alles gemacht, damit sich der Vogel an sich, aber auch viele Insekten als Vogelfutter wohl fĂŒhlen. Bild: heddesheimblog

Soll man auch zufĂŒttern?

Klemm: „Das kann man. Viele Meisen und Finken beispielsweise ziehen ausschließlich mit Raupen ihre Jungen groß. Wer vermutet, dass ein Nest in der Umgebung besteht, kann beispielsweise lebende MehlwĂŒrmer anbieten, das ist ein Festschmaus fĂŒr die Vogeljungen. Der Spatz wiederum ist ein nĂŒztlicher SchĂ€dlingsbekĂ€mpfer und hat sich auf BlattlĂ€use spezialisiert. Ein Nistkasten im Garten fĂŒr den Sperling ersetzt die Giftspritze.“

Der Spatz ersetzt die Giftspritze.

Wo und wie sollte man Futter anbieten?

Klemm: „Lebendfutter immer an einem trockenen, ĂŒberdachten Platz. Doch Achtung: Auch die MehlwĂŒrmer mĂŒssen gefĂŒttert werden. Wer sich dafĂŒr interessiert, kann sich fĂŒr eine Beratung an die Vogelfreunde wenden, hier erhĂ€lt man auch die WĂŒrmer zu gĂŒnstigen Preisen.“

Und was gibt es beim Körnerfutter zu beachten?

Klemm: „Ich empfehle hier nicht aus WerbegrĂŒnden, sondern aus KompetenzgrĂŒdnen den Raiffeisenmarkt. Hier gibt es alles, was der Vogelliebhaber braucht. Dazu gibt es eine kostenfrei eine gute Beratung, weil der Markt von uns, also den Vogelfreunden, gut und gerne beraten worden ist.“

Link:
Vogelfreunde und -pfleger 1960 e.V.

Anzeige gegen „Vogelmörder“

Guten Tag!

Heddesheim, 06. August 2009. In Heddesheim ist „Anzeige gegen Unbekannt“ erstattet worden: Im Gebiet der Holunderstraße soll jemand gezielt Vögel erschießen und damit das Jagdschutz- und das Naturschutzgesetz verletzen – mal ganz abgesehen von den Vögeln, die an den Verletzungen elendig zugrunde gehen.

Von Hardy Prothmann

Kurt Klemm mag sich gar nicht mehr beruhigen: „Wie kann jemand nur so grausam sein? Ich verstehe das nicht, das ĂŒbersteigt mein Vorstellungsvermögen.“

Vor ihm liegt der Kadaver einer Waldohreule. Das „Mord“-Opfer muss höllische Schmerzen gehabt haben: „Die Kugel ging seitlich durch die Leber und hat nach dem Austritt noch den FlĂŒgelknochen zerschmettert.“

Ein Familienmitglied, ein JĂ€ger, hat die Waldohreule seziert, um den Schusskanal zu bestimmen: „Der Schuss hat die Eule nicht sofort getötet – sie ist schlicht und ergreifend elend krepiert.“

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Schuss durch die Leber in den FlĂŒgel. Die Eule hatte keine Chance und ist elendig krepiert. Klicken Sie auf das Bild, der Pfeil zeigt den Schusskanal. Bild: privat

Der Jungvogel hatte so wenig Chancen wie der Geschwistervogel, der kurze Zeit vorher abgeschossen worden war. Damit ist diese Brut der Waldohreulen ausgelöscht.

Waldohreulen gelten als nĂŒtzliche Greifvögel, die vor allem Jagd auf MĂ€use machen. Wenn die Jungvögel das Nest nach etwa 7-8 Wochen verlassen, rufen sie lautstark nach ihren Eltern und dem Futter: „Das kann schon stören“, sagt Kurt Klemm, „aber nach drei Wochen ist der „Spuk“ vorbei.“ Dann suchen sich die Jungvögel eigene Reviere, teilweise hunderte Kilometer entfernt.

Der „Vogelmörder“ schießt aber nicht nur auf Eulen, sondern auch auf Amseln, GrĂŒnfinken, TĂŒrkentauben – fast wahllos, so scheint es. Und das anscheinend schon seit Jahren.

Bislang hatte die Person, die Anzeige erstattet hat, versucht, „Ärger zu vermeiden“. Weil in den vergangenen Wochen aber viele Vögel abgeschossen worden war, Ă€nderte sich diese Haltung und es wurde „Anzeige gegen Unbekannt“ erstattet.

Jetzt muss der Heddesheimer Polizeiposten versuchen, den „Vogelmörder“ ausfindig zu machen.

Nach Angaben des JĂ€gers soll es sich um ein Luft- oder Gasdruckgewehr handeln, dass so genannte „Diabolos“ verschießt, eine „4,5 Millimeter-Munition“.

Diese Art von Munition wird von Herstellern auch gerne so angebriesen:
„H&N Crow Magnum
Schwere prĂ€zise Kugel, glatt, aufgrund der augeprĂ€gten Hohlspitze besonders gut fĂŒr die SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung geeignet.“

Da nicht anzunehmen ist, dass jemand KĂ€fer oder Raupen erschießen will und grĂ¶ĂŸere Wildtiere damit nicht zu erlegen sind, kann es bei den „SchĂ€dlingen“ nur um Vögel handeln.

Diese Waffen haben auch keine große Reichweite – der SchĂŒtze muss also in der NĂ€he des „Tatorts“ geschossen haben.

Dokumentation:
Videos einer Waffendemonstration
(ErgĂ€nzung: Klicken Sie beispielsweise bei der „Walther Leveraction CO2 Winchester“ auf „Weitere Informationen“)

Redaktion heddesheimblog