Mittwoch, 28. Oktober 2020

Verschlusssache XII

Satire

B├╝rgermeister K.
Ratlosplatz/Rangierbahnhof
Pfenningheim

+++Verschlusssache+++ Nicht f├╝r die ├ľffentlichkeit / Status: +++GEHEIM+++├óÔéČ┬ĘAz: 08/15-XII, +++Verschlusssache+++

Betreff: Disziplin

Sehr geehrter Herr Dr. D.,

ich muss Sie dringend bitten, sich an die Absprachen zu halten. Nat├╝rlich ist es so, dass es zwischen uns keine Geheimnisse gibt, die ich Ihnen erlaube zu wissen.

Aber bislang bin ich davon ausgegangen, dass Sie die Form wahren. Bei der verwaltungsinternen Beratung zu diesem schamlosen, infamen, ja gar taliban├Ąren Angriff der Gr├╝nen in Sachen Befangenheit haben Sie Volli nichts besseres zu tun, als sich bei der Beratung zu uns zu stellen.

Sie m├Âgen meinen, dass Ihnen das zusteht… Das tut es ja auch, aber doch nicht in aller ├ľffentlichkeit! Ein wenig sollten wir schon den Schein waren. So musste ich diesen St├Ârenfried P. wegschicken und ihm sagen, dass er im Gegensatz zu Ihnen nicht erw├╝nscht ist. Und dieser ehrlose Gesell hat doch nichts besseres zu tun, als meine unbedachte ├âÔÇ×u├čerung ├Âffentlich zu wiederholen und die ins Protokoll zu fordern!!!

Herr Dr. D. – Sie wissen, dass ich Sie sch├Ątze, vor allem, weil Sie keine unn├Âtigen Fragen stellen. Doch ich muss Sie kritisieren: Ich bin bestimmt kein guter Redner, aber mit Verlaub, Ihre Exkurse gehen ├╝ber das zumutbare Ma├č hinaus.

Als Zerm├╝rbungstaktik waren sie genial eingesetzt – aber jetzt hei├čt es Gas zu geben. Wir haben unn├Âtig Zeit verloren. Haben Sie den N. gesehen, wie nerv├Âs der wurde? Und dann holen Sie aus und verstricken sich ins Ungewisse?

Es kann nicht angehen, dass ich beim geringsten Anlass jedem von diesen St├Ârenfrieden unwirsch ├╝bers Maul fahre und Sie dann zu Exkursen ausholen, die kein Mensch mehr versteht. Aktuell hatte ich den Eindruck, dass Sie sich selbst nicht mehr verstehen und dass alle, die anwesend waren, dies auch dachten. Nicht zum ersten Mal so nebenbei bemerkt.

Schweigen, Herr Dr. D., ist oft Gold wert. Dar├╝ber sind wir uns doch einig, oder?

Der Rest Ihrer Franktion h├Ąlt sich daran – Sie haben keine Verpflichtung, das zu kompensieren.

Wie verabredet geht es jetzt Schlag auf Schlag weiter.

Ich kann keine Ãœberraschungen mehr gebrauchen.

Sicherlich werden wir nicht ├╝berrascht sein, wenn es Klagen gegen unseren Jahrhundertbeschluss gibt, der nicht so „w├╝rdig“ war, wie ich mir das erhofft hatte.

Dabei hatte ich schon die Amtskette bereit gelegt und war bereit das Deutschlandlied in einer Adaption auf Pfenning zu singen: „bl├╝h├╝he einig Pfennigland“.

Dieser rechthaberische Schmutzfink und seine instrumentalisierten Moosk├Âppe haben uns alles, aber auch alles versaut.

Ja, ich wei├č, was Sie jetzt denken. Der M. mit seinem „Knopf, den er jetzt dranmacht“, ist nur insofern hilfreich, als dass er und seine „Genossen“ wissen, wann sie die Hand zu heben haben. (Den B. ausgenommen) Man muss nur Angst haben, wenn er den Mund aufmacht. Manchmal kann ich den Schmutzfink auch verstehen, wenn der nur eine wegwischende Handbewegung f├╝r den M. ├╝brig hat.

Aber im Gegensatz zu Ihnen hat der Soze nicht so viel dummes langwieriges Zeug gesagt. Herr Dr. D.: „Demographischer Wandel in Zusammenhang mit einer Jahrhundertentscheidung? Sind Sie noch bei Trost oder brauchen Sie schon Hilfe, um ├╝ber die Stra├če zu denken?“

Also, Disziplin bitte. Die Gegenseite wird zum Schlag ausholen. Wir m├╝ssen uns jetzt beeilen und Fakten schaffen.

Sobald der Mutterboden abgeschoben ist und die ersten Fundamente gesetzt sind, haben wir die Fakten geschaffen.

Darauf konzentrieren wir uns jetzt bitte.

B├╝rgermeiser K.

P.S.
Das Gleis, ob es kommt oder nicht, ist Ihr Problem. Ich habe alles daf├╝r getan, das zu ar“rangieren“. Sie haben Ihre Glaubw├╝rdigkeit daran gebunden. Selbst schuld, wenn sich irgendwann alle fragen, ob sie „Bahnhof“ verstanden haben. In der Sache kann ich Ihnen leider nicht mehr helfen.

Verschlusssache XI

Satire

B├╝rgermeister K.
Ratlosplatz/Ecke Zielstra├če
Pfenningheim

+++Verschlusssache+++ Nicht f├╝r die ├ľffentlichkeit / Status: +++GEHEIM+++├óÔéČ┬ĘAz: 08/15-XI, +++Verschlusssache+++

Betreff: Finale

Liebe Gleichgesinnte,

ich habe die Frage „Sind Sie die Gemeinde“ korrekt mit „Ja“ beantwortet.

Das Zitat „Ich bin die Gemeinde“ ist mir von diesem Schmutzfink, Stinkfink, Frechfink, wie Sie wissen, auf ├╝belste Art und Weise in den Mund gelegt worden.

Niedertr├Ąchtig und hinterh├Ąltig. Ich kann das beurteilen, ich kenne mich schlie├člich mit Politik aus.

Ich kann Seife fressen, so viel ich will, der ├╝ble Geschmack bleibt bislang. Irgendwie habe ich aber st├Ąndig Schaum vorm Maul.

Vielleicht liegts ja auch an der Seife und ich sollte mal den Hersteller wechseln. Egal.

Heute werden wir unser gro├čartiges Projekt zum Ende vom Anfang bringen. Wir beschlie├čen die Satzung.

Sie sind nat├╝rlich wie immer von mir auf das Notwendigste informiert worden – ich will Ihnen schlie├člich keine ├╝bergeb├╝hrlichen Anstrengungen zumuten.

Wie immer bin ich stolz, dankbar und dem├╝tig, dass ich auf Sie z├Ąhlen kann. Dieses Vertrauen ist viel Wert – in diesem Fall so 100 Millionen und wer wei├č, was sonst noch.

Wie Sie wissen, werde ich wird Heddesheim in die Geschichte eingehen. Das ist eine einmalige, unwiderbringliche Chance f├╝r unsere geliebte Tabakgemeinde.

Heute legen wir im Gemeinderat den Grundstein f├╝r eine 100-Millionen-Euro-Investition. So lautet schlie├člich das Versprechen der Ph├Ânix 2010 GbR – das hei├čt, wir werden wie Ph├Ânix aus der Asche alles neu schaffen k├Ânnen. Zuvor mussten wir allerdings so viel verbrennen, so viel wurde zerst├Ârt. Doch wer etwas will, zahlt auch den Preis daf├╝r. Verantwortung zu tragen ist schwer – wie uns Herr Dr. D. immer wieder eindrucksvoll beweist, wenn er die „Gemeinde“ hochh├Ąlt.

Wir wissen alle, was das bedeutet: Sie, verehrte, anst├Ąndige, respektable, verst├Ąndige, vern├╝nftige, kluge, weitsichtige und verantwortungsvolle Gemeinderatsmitglieder, ja Sie wissen, wen ich meine. Sie schaffen eine historische Chance ohne Gleichen.

Sie haben es in der Hand, die Sie nur heben m├╝ssen, um Heddesheim mit Ihrer Entscheidung auf dem Weg von der Tabak zur Feinstaubgemeinde diesen entscheidenden Schritt voranzubringen. Der Tabakanbau ist ein schweres Gesch├Ąft, die Feinstaubproduktion ist ungleich fortschrittlicher und wird wie der Tabak einfach eingeatmet. Das ist f├╝r mich die Verbindung aus Tradition und Fortschritt.

Ich wei├č, die Entscheidung ist nicht leicht. Vor allem nicht, weil dieser Schmutzfink, Stinkfink, Frechfink, dem jeder Respekt vor den gewachsenen Strukturen unserer Dorfmafiagemeinschaft abgeht, trotz aller „freundlichen Hinweise“ nicht zur R├Ąsong zu kriegen ist.

Seine erneuten Diffamierungen, es gehe nur um mich und nicht um uns alle, wissen Sie verantwortlich einzusch├Ątzen. Es geht um uns, also die Ritterrunde der 12 Edlen, um wen denn sonst? Um mich? Das ist doch richtig l├Ącherlich. Sie wissen genau wie ich, dass ich nur in Heddesheim sein kann, was ich bin: Das Ja auf die Frage, ob ich die Gemeinde bin.

Hinter jedem von uns 12 steht ein weiterer Kreis, dahinter andere Kreise und alle zusammen schaffen wir es durch jeden Kreisverkehr. Wir kennen uns mit unseren Kreisen schlie├člich aus.

Und wir haben uns noch nie, ich betone, niemals, in unseren Kreisverkehren st├Âren lassen.

Der Traditionsunternehmer und Sammler Karl-Martin Pfenning ist ein verantwortungsvoller Mann. Wie ich, so sind auch Sie seinem Charisma erlegen. Was f├╝r ein Kerl, was f├╝r ein Unternehmer! Der hat so viele Autos. Und so viele Menschen arbeiten fast umsonst f├╝r ihn – das muss Liebe sein. Das verdient Respekt.

Wie Sie wissen, handle ich aber nicht aus Bewunderung, sondern ausschlie├člich zum Nutzen. Nat├╝rlich zum Nutzen unserer Gemeinde. Herr Pfenning wird sie wohl zu nutzen wissen. Wie Sie, wie ich. Denn wir tragen schlie├člich die Verantwortung.

Wir alle k├Ânnen zufrieden auf unsere Arbeit zur├╝ckblicken. Mit unserem Weitblick haben wir niemals, ich betone, niemals, die Arbeiten an diesem gro├čartigen Projekt behindert, sondern immer nur gef├Ârdert. Denn wir sind einverstanden mit Entwicklung, w├Ąhrend die Neider uns „Verwicklungen“ unterstellen.

Davon lassen wir uns niemals, ich betone, niemals, beirren.

Ich habe alle F├Ąden gezogen, die zu ziehen waren. Sie haben sehr viel aushalten m├╝ssen. F├╝r diesen Einsatz danke ich Ihnen. Auch meinen Lakaien in der Verwaltung, die schnell gelernt haben, dass sich folgen lohnt.

Heute ist unser Tag. Genie├čen Sie ihn.

Ihr B├╝rgermeister K.

P.S. Denken Sie immer daran, dass Sie Ihren Enkeln erz├Ąhlen k├Ânnen, dass Sie selbst dabei waren, mich zum 100-Millionen-Euro-Kessler zu k├╝ren. Und ich frage Sie, wann hat man nochmal diese Chance? Das ist eine historische Ehre ohne Vorbild. Seien Sie stolz darauf.

+++Verschlusssache VIII+++


Satire

B├╝rgermeister K.
Ratlosplatz, Ecke IFOK-Stra├če
Pfenningheim

An
die noch treuen Gemeinder├Ąte 08. September 2009

+++Verschlusssache+++ Nicht f├╝r die ├ľffentlichkeit / Status: +++GEHEIM+++
Az: 08/15-VIII, +++Verschlusssache+++

Betreff: Demut, Ausdauer und Zielstrebigkeit

Liebe Gleichgesinnte,

intern war der IFOK-Dialog ein Desaster. Vor allem der Schreiberling st├Ârt den Dialog. St├Ąndig stellt der Fragen. Hat der die Frageritis?

Und frech ist er auch. Als ich seinen Fragestil kritisierte: „Was ist denn das f├╝r ein Stil?“, antwortete er: „Mein Stil.“ Ist das frech? Muss ich mir das bieten lassen?

Die es wissen m├╝ssen, sagen Ja.

Also beuge ich mich dem Prozess, ├Ąhm, Dialog. Ich bei├če mir auf die Zunge, auch wenns weh tut.

Die Idee, damit Einfluss zu nehmen, ist praxiserprobt erfolgreich. In st├Ądtischen Umgebungen.

Im l├Ąndlichen, wie bei uns, ist es wichtig, davon zu reden, dass man im Dialog ist. Und man ist gut oder schlecht im Gespr├Ąch.

Wir m├╝ssen jetzt alles tun, um dazu keine Fragen aufkommen zu lassen, was die 35.000 Euro f├╝r die Ausputzer gebracht haben. Wir wollen uns entwickeln! Die Chance ist einmalig! Das sind die Botschaften, an die wir glauben.

Sicher gibt es Risiken. Aber k├Ânnen wir uns erlauben, nur auf dem sicheren Weg zu gehen? Man muss auch Risiken eingehen.

Unsere „Strafgeld-Vereinbarung“ stellt sicher, dass wir keinen Verkehr in Heddesheim sp├╝ren werden – und wenn klingelt es in der Kasse. Der Heddesheimer versteht das: Kleinvieh macht auch Mist. Das verstehen wir alle. Und der Verkehr kommt sowieso, wenn das f├╝r uns 200.000 bringt, ist das gut.

Das sind Erfolge. Reden Sie darüber. Ãœber die Erfolge. Das muss man doch auch mal so sehen. Wir sind immer noch die, die die Entscheidungen treffen. Zeigen Sie Zuversicht. Aber seien Sie zurückhaltend, wie ich.

Es gr├╝├čt Sie aus der Ferne

Ihr B├╝rgermeister K.

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+++Verschlusssache+++ IV

Satire

An die Vorstandskollegen
Parteizentralplatz
Pfenningheim

Endspurt mit Schwung
nur f├╝r den internen Gebrauch
+++Verschlusssache+++

Liebe Parteifreunde,

wir waren mal wieder herausragend. So wie all die Jahre zuvor. Was w├Ąre Pfenningheim ohne unseren beharrlichen Einsatz? Wir k├Ânnen stolz auf unsere Leistung sein.

Deswegen hat die KP es ja auch hierzulande nie zu etwas gebracht. Was die nie kapiert haben, ist, dass Gemeinwohl mehr ist als das Wohl f├╝r alle. Gemeinwohl ist das Wohl f├╝r alle, die es gestalten und das sind wir. Aber ich will nicht theoretisch werden.

Ganz praktisch: Den Herrn F. haben wir jetzt ├Âffentlich diskreditert. Wurde auch Zeit, dem T├Ąuscher das Handwerk zu legen.
Der Herr P.├é┬áhat sich selbst der├é┬áL├Ącherlichkeit ausgesetzt. Der hat sich doch erdreistet, Fragen zu stellen. Das ist seit 1657 nicht mehr vorgekommen. Unsere treuen W├Ąhler haben reagiert, wie sie es gewohnt sind. Wer f├╝r uns lacht, f├╝r den wird es gut. Daf├╝r stehen wir.

Aber Achtung: Die sozialen Bindungen sind mittlerweise so desolat, dass wir weiter daran arbeiten m├╝ssen. Drau├čen ist alles asozial, drinnen, also bei uns, gibt es das Gef├╝hl der lachenden Gemeinschaft. Und mal ehrlich? Wer hat Recht? Der, der lacht oder der der anstrengende Fragen stellt?

Glauben Sie mir, die Menschen wollen einfach keine Fragen stellen und schon gar keine Antworten h├Âren. Sie wollen wissen, wo es langgeht und daf├╝r sind wir da, daf├╝r bin ich da.

Was die andern nicht wissen, ist, dass der ├╝berwiegende Teil unserer Mitglieder nichts zu lachen hat, woran wir auch nichts ├Ąndern werden. Sie lachen deswegen ├╝ber alles, wenn ich es ihnen erlaube und sind dankbar.

Lachen ist Lebensfreude und Lebensfreude, haben die meisten keine mehr, au├čer mit uns. Bis zum bitteren Ende.

Herr K. hat sich mit dem Abend sehr zufrieden gezeigt und stand noch lange bei uns.

Was die Deppen bei den anderen nicht kapieren: Nicht in der Jugend liegt die Zukunft, sondern bei den Alten. Die werden bald die Mehrheit ausmachen und die m├╝ssen wir erreichen.

Noch nie war die Gelegenheit so g├╝nstig: Je ├Ąlter, desto vertrauensseliger sind unsere Anh├Ąnger.

Das m├╝ssen wir nutzen.

Deshalb: Vergessen Sie nie, die Angst zu sch├╝ren.

Die Angst w├Ąchst mit dem Alter und mit dem Alter die Angst.

Deswegen muss es richtig sein, sie zu sch├╝ren.

Mit allen Mitteln.

Das ist unser Kapital.

Und das ist die Wahrheit.

Wer das nicht versteht, hat wie Frau L. keinen Platz mehr unter uns.

Ihr

Dr. D.

stellvertretend f├╝r den Vorstand, Kopie an die Sozen und die „Freiheitlichen“

+++Verschlusssache+++ III

Satire

An den B├╝rgermeister K.
Ratlosplatz
Pfenningheim

Betreff: Ihre Anfrage
Int. Z. 08/15, Gutachten, nur f├╝r den internen Gebrauch bestimmt
empfohlen als +++Verschlusssache+++

Sehr geehrter Herr K.,

haben Sie besten Dank f├╝r Ihren an uns vergebenen lukrativen Auftrag.

Weisungsgem├Ą├č haben wir eine Pers├Ânlichkeitsanalyse aufgrund der uns vorhandenen Daten erstellt. Eine ausf├╝hrliche Expertise mit ├╝berzeugenden Grafiken und Bildern lassen wir Ihnen dieser Tage auf dem Ihnen bekannten Weg zukommen. Hier die Zusammenfassung:

Herr B. ist ein kleiner Mann. Vermutlich strebt er deshalb Gr├Â├če an. Deswegen will er auch „repr├Ąsentativ“ sein. Daf├╝r spricht auch, dass er gerne bedeutungsvolle W├Ârter wie „systemisch“ verwendet.
Allerdings ist er nicht zu untersch├Ątzen. Seine Aussage, „alle systemischen und vern├╝nftigen Gr├╝nde sprechen dagegen“, hat eine innere Logik:
„Ein System (von griechisch ├ĆĂĺ├Ć┬Ź├ĆĂĺ├ĆÔÇ×├Ä┬Ě├Ä┬╝├Ä┬▒, altgriechische Aussprache s├â┬Żstema, heute s├â┬şstima, „das Gebilde, Zusammengestellte, Verbundene“; Plural Systeme) ist eine Gesamtheit von Elementen, die so aufeinander bezogen sind und in einer Weise wechselwirken, dass sie als eine aufgaben-, sinn- oder zweckgebundene Einheit angesehen werden k├Ânnen und sich in dieser Hinsicht gegen├╝ber der sie umgebenden Umwelt abgrenzen.“

Das wiederum entspricht n├Ąmlich den Tatsachen, wenn Sie das Gremium, also den GR, als System einer „Einheit“ betrachten, die auf sich bezogen ist und sich gegen├╝ber der Umwelt, also den Proletariern, abgrenzt. Diese Einheit, systemisch betrachtet, zu gef├Ąhrden, w├Ąre nicht „vern├╝nftig“, wenn das System selbstreferentiell die Vernunft an sich darstellt.

Herr W. hingegen ist ein schwer einzusch├Ątzender Fall. Nach langen internen Debatten m├╝ssen wir „mit Bauchschmerzen“ feststellen, dass es sich bei seiner Weltanschauung um einen wahrscheinlich fast aussichtslosen Fall von Determinismus handelt, was aber durchaus zu ihren Gunsten ist:
„Dem Determinismus liegt die Annahme zugrunde, dass alle Ereignisse, die geschehen, eine zwangsl├Ąufige und eindeutige Folge aus vorangegangenen Ereignissen sind (seine Partei hatte schon immer das Sagen, d. Verf.). Wenn der gesamte Zustand eines Systems zu einem beliebigen Zeitpunkt definiert ist und die darin geltenden Gesetze eindeutig sind – d. h. dass sie bei identischen Anfangsbedingungen immer das gleiche Ergebnis hervorbringen -, so ist der Zustand des Systems zu jedem zuk├╝nftigen Zeitpunkt festgelegt.“

Herrn W. ├╝ber diese Einsichtsgrenze zu bringen, halten wir f├╝r ein nahezu aussichtsloses Unterfangen, weil er das D in seinem Parteinamen eben „deterministisch“ definiert und als „demokratisch“ ├╝bersetzt. Aber es ist ja auch nicht gew├╝nscht, dass er den „Grenzsprung“ wagt.

Herr M. hingegen ist einfach nur eitel, das zeigt sein ├âÔÇ×u├čeres ohne jeden Zweifel. Sie ben├Âtigen keine besonderen Strategien, um ihn bei der Stange zu halten. Loben Sie ihn und alles ist gut. Seine Zeit ist abgelaufen, was er allerdings noch nicht wei├č. Danach kommt ein Ersatz:
Eitelkeit hat auch die abweichende, urspr├╝ngliche, aber heute veraltete Bedeutung: Verg├Ąnglichkeit, Nichtigkeit, Leere und Vergeblichkeit (vgl. engl. idle oder dt. etwas vereiteln). Insbesondere im Barock war das Lebensgef├╝hl der Vergeblichkeit (siehe z.B. das Barocksonett Es ist alles eitel) jedes irdischen Strebens eine der zentralen Motive der Literatur.

Soviel zu den „Leadern“ der Gruppen. Die Einzelmitglieder ben├Âtigen keiner differentiellen Betrachtung. Ihr Herdentrieb ist ordentlich ausgepr├Ągt, Widerst├Ąnde sind nicht zu erwarten.

Haben Sie nochmals besten Dank f├╝r ihr Vertrauen in unsere Arbeit.

Mit freundlichen Gr├╝├čen

Lauterwein und Partner

Anhang:
Rechnung
Analyse zur internen Verwendung
Spesenabrechnung

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+++Verschlusssache+++ II

Satire

Die Fraktionsvorsitzenden im
Pfenningheimer Gemeinderat e.V. (eingeschworene Vereinigung)

An
den Herrn B├╝rgermeister K.

Nicht f├╝r die ├ľffentlichkeit / Status: +++GEHEIM+++
Az: 08/15/2, +++Verschlusssache+++

Ihr Betreff: Geschlossenheit und Nachrichtensperre

Sehr verehrter Herr B├╝rgermeister K.,

wir wissen um das Problem und haben auch schon die notwendigen Schritte eingeleitet. Sozialem Druck ist auf Dauer niemand gewachsen. Das wissen wir am besten. Deswegen haben wir die Maschen enger gezogen. Denn eines ist klar: Wer nicht f├╝r uns ist, ist gegen uns.

Das wird ab sofort jedem klargemacht. Ohne Ansehen der Person. Vor dem Gesetz, also uns, sind schlie├člich alle gleich.
Wir wissen, wie sehr Sie um unser aller Wohl besorgt sind. Ihre Entscheidung, keine Informationen an diesen Schmierfink zu geben, haben Sie ja bereits in die Tat umgesetzt und jegliche Interviewanfragen verweigert.

Wie so oft, bewundern wir Sie dabei f├╝r ihre Geschicklichkeit. Das Argument, dass der angeblich so unabh├Ąngige Journalist ja ein Kandidat sei, ist gerissen f├╝r alle gut nachzuvollziehen.

Wir wollen schlie├člich das Beste f├╝r alle – auch wenn viele zu beschr├Ąnkt versaut verdorben bescheuert aufgewiegelt sind, um das zu verstehen.

Heute Abend├é┬ágibt es die einmalige Gelegenheit, dem Heuchler sein Fell abzuziehen. Doch was tun? Wir mutma├čen, dass er sich gut vorbereitet hat.

Sie wissen doch immer, was zu tun ist, also werden wir das auch tun. F├╝r ein einig Pfenningheim.

Es gr├╝├čen Sie herzlichst

Ihre Fraktionsvorsitzende und alle auf Linie gebrachten vom Guten, Wahren, Sch├Ânen ├╝berzeugten Kandidaten. Wir sagen: F├╝r ein einig Pfenningheim. Wir wissen, was gut ist. Wir sind f├╝r alle da. Wir.

Dr. D.
J.M.
F.H.

F├╝rs Protokoll: Nicht unterzeichnet hat R.E. Das kostet ihn was.

Wir haben ├╝brigens folgende Botschaft abfangen k├Ânnen: Was hat das zu bedeuten?
„Quid ergo dicendum ? Quod Deo quidem substantialis est Filii productio, nec tamen de Deo substantialiter praedicatur. Nihil enim substantialiter praedicari potest, nisi quod per se et absolute praedicabitur. Sed Patris productio ad aliam refertur personam. Pater namque respectu filli pater dicitur. ‚Pater‘ ergo non per se, sed alterius personae respectu de Deo praedicabitur. Non ergo substantialiter … Si quis ergo quaesierit, an Deo substantialis sit paternitas et consimilia, nec concedendum esse hoc nec negandum putamus, ne forte vel ipsa negatio falsitatis periculum incurrat, vel concessio propter novitatem verborum intellectum in aliquo pravum constituat.“

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Satire

B├╝rgermeister K.
Rathausplatz
Pfenningheim

An
die Gemeinder├ĄtInnen 18. Mai 2009

Nicht f├╝r die ├ľffentlichkeit / Status: +++GEHEIM+++
Az: 08/15, +++Verschlusssache+++

Betreff: Geschlossenheit und Nachrichtensperre

Liebe Gemeinder├Ątinnen und Gemeinder├Ąte,

wie Sie wissen, haben wir ein Problem in unserer Gemeinde. Seit einigen Wochen treibt sich hier ein sogenannter Journalist herum und macht die Leute verr├╝ckt. Leider ist „dieses Problem“ nicht zu ├╝bersehen, erreicht dieser Schmierfink doch zum Teil sein Ziel. Wir m├╝ssen deswegen Geschlossenheit zeigen. F├╝r ein einig Pfenningheim.

Deshalb bitte ich Sie, meine lieben Gemeinder├Ątinnen und Gemeinder├Ąte, um Haltung. Lassen Sie sich nicht beirren oder gar verr├╝ckt machen.

Die Journalisten schreiben eh nur dummes Zeug. Mit ihnen zu reden hat ├╝berhaupt keinen Sinn. Erstens verstehen sie nicht, was man ihnen sagt und zweitens, egal ob sie es verstehen oder nicht, schreiben sie nur Bl├Âdsinn.

Das allerletzte ist, dass sie auch noch behaupten, sie w├╝rden informieren. Das Gegenteil ist der Fall. Manipulation, Desinformation, Agitation: Nur das haben diese Berufsn├Ârgler und Wadenbei├čer im Sinn. Hauptsache, sie kriegen Aufmerksamkeit. Nur darum geht es ihnen in Wirklichkeit.

Deswegen sollte man sie ignorieren. Einfach ├╝bersehen. Irgendwann geben sie dann auf. Haben eh keine Steherqualit├Ąten, sonst w├Ąren sie auch nicht Journalisten geworden, sondern was Anst├Ąndiges, zum Beispiel B├╝rgermeister. Verdammtes Pack.

Aus dem Dorf jagen, k├Ânnen wir ihn leider nicht. Aber wir k├Ânnen ihn aushungern. Geben Sie deshalb auf keinen Fall Interviews, geben Sie keine Informationen heraus und warnen Sie die Leute vor diesem Wortverdreher.

Es gr├╝├čt Sie herzlichst

Ihr B├╝rgermeister K.

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