Montag, 20. November 2017

08. bis 14. Juli 2013

Diese Woche: Tipps und Termine

Rhein-Neckar, Tipps und Termine f√ľr den 08. bis 14. Juli 2013. Montags erscheinen unsere Veranstaltungstipps f√ľr die laufende Woche. Die Redaktion nimmt gerne weitere Termine und Anregungen auf. Die Kontaktm√∂glichkeiten finden Sie am Ende der Seite.

Mehr Veranstaltungen vor Ort finden Sie ins unseren Kalendern auf allen Blogseiten im Men√ľ Nachbarschaft im Men√ľ ‚ÄúTermine‚ÄĚ. [Weiterlesen…]

Open-Air auf dem Dorfplatz

Sommernachtskonzert mit den Starkenburg Philharmonikern

Heddesheim, 15. M√§rz 2013. (red/pm)¬† Aller Guten Dinge sind drei: Nach den gro√üen Erfolgen der Konzerte 2009 und 2011 mit √ľber 600 Besuchern wird es in diesem Jahr zum dritten Mal ein Sommernachtskonzert mit den Starkenburg Philharmonikern geben. Am Samstag, 13. Juli 2013, werden sie zusammen mit Solisten der Opera Classica aus Bad Schwalbach und dem Tanzforum Heddesheim auf dem Dorfplatz wieder ein Fest der Kl√§nge f√ľr die Zuh√∂rer bieten. [Weiterlesen…]

Warnstreiks bringen √Ąrger f√ľr B√ľrgerinnen und B√ľrger

Rhein-Neckar, 05. März 2012. Müllmänner, Busfahrer, Krankenschwestern, Kinderbetreuer sind von der Gewerkschaft verdi zu Warnstreiks aufgerufen werden. Die Folge: Durch den Arbeitskampf leiden die Bürgerinnen und Bürger.

Von Hardy Prothmann

Der Ärger ist kalkuliert und soll Druck ausüben. Die Gewerkschaft rechnet mit mehreren tausend Streikenden. Zehntausende, hunderttausende Bürgerinnen und Bürger werden darunter leiden müssen.

Hintergrund ist die Forderung nach mehr Geld für die fast zwei Millionen Beschäftigten beim Bund und den Kommunen. Die Gewerkschaften fordern 6,5 Prozet mehr Lohn. Die Arbeitgeber forderten, dass die Gewerkschaften ihre Forderungen nach unten anpassen sollten.

Die Gewerkschaftler fassten es als Provokation auf, dass die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt hätten. Nun reichen die Gewerkschaften diese „Provokation“ an die Bürgerinnen und Bürger weiter:

„Beim Auftakt der Tarifverhandlungen am 1. März 2012 in Potsdam haben die Arbeitgeber erneut die Chance verpasst, aus den Fehlern vergangener Tarifrunden zu lernen: Zum wiederholten Male legten sie zu Verhandlungsbeginn kein Angebot vor.“

Ob es auch ein Fehler sein könnte, die Bürgerinnen und Bürger so unter Druck zu setzen, fragen sich die Gewerkschaften nicht. Sie tun das einfach: Und eine Forderung von 6,5 Prozent mehr Gehalt ist utopisch hoch. Will man am Ende die Provokation?

Dabei haben die Verhandlungern erst am 01. März begonnen, heute, am 05. März wird schon gestreikt, die nächste Verhandlungsrunde soll am 12. März stattfinden.

Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes haben klar ein recht auf Streik, wenn die Arbeitsbedingungen unzumutbar oder im Vergleich sehr viel schlechter sind. Ist das so?

Diese Beschäftigten haben aber eine ungleich höhere Verantwortung als andere Arbeitnehmer, denn sie erhalten ihr Geld über die Steuern von uns Bürgerinnen und Bürgern.

Und diese müssen auch irgendwie rumkommen – allein erziehende Mütter ihre Kinder unterbringen können, Schulkinder müssen transportiert werden und andere ihre Arbeit erreichen.

Man muss von beiden Seiten, Gewerkschaften und Arbeitgebern, mehr Vernunft erwarten dürfen, sonst schwindet das Vertrauen in einen zuverlässigen öffentlichen Dienst.

Zeitungsstreik: Journalismus heißt, Fragen zu stellen

Heddesheim/Mannheim/Stuttgart, 03. August 2011. Die streikenden Redakteure beim MM stehen unter Druck – einerseits durch die Forderungen der Verleger. Aber ganz immens auch, weil das Produkt Zeitung nicht mehr ankommt. 1.500 Abos hat der MM im zweiten Quartal verloren. Die Auflage ist im Sinkflug. Auch das Anzeigengesch√§ft leidet. Der Vertrauensverlust der Leserinnen und Leser ist enorm. Angeblich streiken die Redakteure f√ľr „Qualit√§t“ und fordern „Solidarit√§t“. Man muss fragen, was sie damit meinen.

Von Hardy Prothmann

Dass ich insbesondere den Mannheimer Morgen massiv kritisiere, ist bekannt. W√ľrde ich in Stuttgart, in Mosbach, in Heidelberg, in Karlsruhe, in Bruschal, in Ludwigshafen oder Neustadt an der Bergstra√üe leben, w√ľrde ich mir andere Zeitungen kritisch anschauen.

Vermutlich w√ľrde ich im Sinne der Leserinnen und Leser meiner Blogs auch an anderen Orten und damit Verbreitungsgebieten von Monopol-Zeitungen viel Kritik an der Berichterstattung √ľben k√∂nnen. Denn der Lokaljournalismus befindet sich in einer tiefen Krise.

Tats√§chlich kann ich aber am besten die Zeitungen beurteilen, deren Nachrichten ich durch eigene Recherchen √ľberpr√ľfen kann. Das sind der Mannheimer Morgen, die Weinheimer Nachrichten und die Rhein-Neckar-Zeitung. Und alle kommen oft nicht gut weg, wobei klar gesagt werden muss, dass der MM besonders problematisch ist.

Meine Kritik an der Zeitung ist massiv, aber sie ist auch begr√ľndet.

Aktuell haben streikende MM-Redakteure Kommentare gel√∂scht – denn Kritik oder andere als „gewogene“ Nachrichten sind nicht erw√ľnscht. So einfach kommen die streikenden Redakteure nicht davon. Sie k√∂nnen nicht so tun, als ob sie kritisch w√§ren und gleichzeitig Informationen l√∂schen oder ignorieren.

Sie fordern Solidarit√§t, schlie√üen aber nicht gew√ľnschte Meinungen aus. Das geht so nicht.

Wer f√ľr Meinungsfreiheit und Qualit√§t der Berichterstattung vorgeblich eintritt, muss selbst auch aushalten k√∂nnen, sich der Kritik stellen und transparent informieren.

√ÉŇďber verschiedene Kontakte erhalte ich abenteuerlichste Informationen, was die MM-Redakteure von meiner inhaltlichen Kritik halten. Auf einen anonymen Kommentar habe ich dem Dumpfsinn entsprechend, aber trotzdem umfangreich geantwortet.

Die in dem anonymen Kommentar √§u√üerst dumm unterstellten „Motive“ sind haneb√ľchen.

Ich habe mich deshalb in einem Kommentar auf Facebook an einen Redakteur gewandt, von dem ich eine hohe Meinung habe und davon ausgehe, dass er sich Fragen und Kritik stellt.

Es ist der Versuch eines Dialogs. Sicher nicht ohne Provokation. Aber mit der Möglichkeit zu Antworten, die die Zeitung und alle MM-Redakteure den Leserinnen und Lesern lange und längst schuldig sind.

Der Redakteur wurde von mir ausgewählt, weil ich vor zwanzig Jahren gut mit ihm zusammen gearbeitet habe und ich seine damals kritische Haltung schätzte. Und er ist aktiv am Streik beteiligt. Man kann ihn auf Fotos sehen und er postet auf Facebook.

Seit siebzehn Jahren haben wir nichts mehr miteinander zu tun. Wie gesagt, es ist ein Experiment – ich wei√ü nicht, wie der Mann heute „tickt“, aber ich habe Hoffnung.

Denn eigentlich w√ľrde ich mir w√ľnschen, dass der MM eine st√§rkere Konkurrenz bietet, eine gr√∂√üere Herausforderung.

Der MM und meine Blogs haben eine Schnittmenge – also Menschen, die sowohl die Zeitung lesen, als auch die von mir verantworteten Blogs. Die Leserinnen und Leser, die nur meine Blogs lesen, wissen nicht, was in der Zeitung berichtet wird und umgekehrt.

Ich habe √ľberhaupt keine Probleme, auf gute Stories im MM zu verweisen – sie m√ľssen aber gut sein. Dann w√ľrde ich sogar empfehlen, die Zeitung zumindest tagesaktuell zu kaufen. Daf√ľr muss ich aber √ľberzeugt sein, dass sich das f√ľr meine Leserinnen und Leser lohnt.

Hier sind die Fragen. Der Name ist unkenntlich gemacht, weil er nicht viel zur Sache tut. Jeder mit Facebook-Zugang wird ihn schnell recherchieren können, was vollkommen O.K. ist, da er ja unter Klarnamen öffentlich sichtbar dort schreibt.

Vielleicht ist das ein Ansatz, um einen Austausch √ľber „qualitativen Journalismus“ in Gang zu bringen. Vielleicht auch nicht.

Viele Fragen - ob es Antworten geben wird?

Ergänzung

Heute hat Thorsten Hof reagiert. Er schreibt folgendes:

Facebook informiert per email √ľber einen Kommentar - weil die streikenden MM-Redakteure sich abschotten, ist eine direkte Antwort nicht m√∂glich.

Ich h√§tte ja gerne darauf reagiert. Da aber mittlerweile nicht nur f√ľr meinen Hardy Prothmann-Account der Zugang zur „Streikmorgen“-Seite gesperrt ist, sondern die Pinnwand f√ľr alle „Nicht-Freunde“ gesperrt wurde, kann ich leider nicht auf Facebook darauf reagieren.

Die „Vorgeschichte“, die Herr Hof anspricht, meint den Kommentar „Das Drama der journalistischen Prostitution“, den ich im Februar 2010 auf dem http://heddesheimblog.de ver√∂ffentlicht habe. Thema des Textes war die Kritik an einer dauerhaft unkritischen, gef√§lligen Berichterstattung durch die Redakteurin Anja G√∂rlitz.

Gegen diesen Text ist Frau G√∂rlitz juristisch vorgegangen. Insgesamt habe ich rund 5.000 Euro Anwalts- und Gerichtskosten bezahlen m√ľssen. Ein Versuch der „g√ľtlichen“ Regelung wurde nicht unternommen.

Der Anwalt von Frau G√∂rlitz wollte zudem ein Ordnungsgeld von 3.000 Euro gegen mich durchsetzen, das Gericht hat das zur√ľckgewiesen und ein Ordnungsgeld von 300 Euro verh√§ngt.

Der Hintergrund: Zun√§chst wurde ich √ľber meine Privatadresse abgemahnt. Die weitere Post ging aber an mein Mannheimer B√ľro, dass ich damals f√ľr mehrere Wochen nicht besucht hatte. Daher hatte ich s√§mtliche Einspruchfristen verpasst und mich entschieden, aus Kostengr√ľnden die mittlerweile erlassene Einstweilige Verf√ľgung zu akzeptieren. Der Anwalt von Frau G√∂rlitz hat das Maximum an Geb√ľhren angesetzt und der Versuch mit dem Ordnungsgeld zeigen eindeutig, dass es weniger um die „Ehre“ ging als darum, einen wirtschaftlichen Maximalschaden zu erzielen.

Interessant ist die Haltung von Herr Hof schon: Ein einziger Text vor eineinhalb Jahren ist ihm Grund genug, die Haltung der MM-Redakteure zu rechtfertigen. Das zeigt sehr sch√∂n den Korpsgeist dieser Bagage (danke f√ľr den Hinweis auf den Tippfehler, ist korrigiert).

Statt mit eigenen Leistungen zu gl√§nzen, sucht man Tippfehler, baggert den Graben aus und erh√∂ht den Schutzwall auf Facebook. Auch nicht schlecht. ūüėČ

 

Streikende MM-Zeitungsredakteure: Wer oder was nicht passt, wird gelöscht

Heddesheim/Mannheim/Stuttgart, 03. August 2011. √ÉŇďberall im L√§ndle streiken Zeitungsredakteure. Durchaus mit unterschiedlichem „Berufs“ethos. W√§hrend die einen unzutreffende Informationen korrigieren, l√∂schen die anderen zutreffende Informationen, die ihnen nicht passen. Was wiederum aber zum Image dieser speziellen „Redakteure“ passt. Wer sich Gedanken macht, ob er wirklich „Solidarit√§t“ mit den streikenden Redakteuren beim Mannheimer Morgen haben kann, sollte wissen, welche Haltung diese „Journalisten“ vertreten. Schade f√ľr die gutgl√§ubigen K√ľnstler wie Xavier Naidoo, die auf die Verlogenheit hereinfallen.

Von Hardy Prothmann

Nochmal zur Erinnerung. Zeitungsredakteure sind im Ausstand, weil Berufseinsteiger nicht mehr mit rund 3.000 Euro Gehalt bei 14 Monatsgeh√§ltern und einer 35-Stunden-Woche beginnen sollen, sondern mit bis zu 25 Prozent weniger. Und andere auf das Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten sollen, was rund f√ľnf Prozent weniger bedeutet.

Ich habe heute gegen 17:30 Uhr zwei Kommentare auf der Facebook-Seite der streikenden MM-Redakteure gepostet:

Auch die ARD hat im Morgenmagazin √ľber den Streik berichtet. http://www.tagesschau.de/multimedia/video/ondemand100_id-video953858.html

Und kurz darauf:

Weitere Hintergr√ľnde zu meiner Haltung hier. http://archiv.heddesheimblog.de/2011/08/02/in-eigener-sache-reaktionen-auf-den-beitrag-im-ard-morgenmagazin/

Die Kommentare waren nur f√ľr Stunden zu sehen, bis sie getilgt worden sind.

Gegen 19:30 Uhr waren nicht nur die beiden Kommentare verschwunden, sondern scheinbar die komplette Facebook-Seite. Zumindest f√ľr mich, denn ich wurde „geblockt“. Als geblockte Person ist die Seite nicht mehr aufrufbar. Das Zeichen war ein eindeutig. Kommentare von Hardy Prothmann sind auf der Seite der MM-Redakteure offensichtlich nicht erw√ľnscht.

Kommentare gelöscht - Nutzer blockiert. So sieht Meinungsvielfalt und Transparenz in den Augen der streikenden MM-Redakteure aus.

„Gef√§llt mir sehr, toll, unterst√ľtzenswert, super“ als Kommentar bleibt erlaubt.

Die Erkl√§rung ist vermutlich einfach: In den vergangenen zwei Jahren habe ich die Zeitung immer wieder mit Verfehlungen konfrontiert. Der MM an sich ist mir egal, aber ich kritisiere schlechte Recherche, unterschlagene Meldungen oder abgepinselte Pressemitteilungen. Oder thematisiere die st√§ndige Bratwurstberichterstattung, die nichts weiter tut, als mit verschwurbelten Texten √ľber Wetterg√∂tter zu fantasieren. Schlechte Zust√§nde zu kritisieren, sollte eine journalistische Grundtugend sein. Und es darf keine „Bei√ühemmung“ gegen√ľber √§u√üerst schlechtem „Journalismus“ geben.

Das passt nat√ľrlich √ľberhaupt nicht zum Selbstbild, denn immerhin streiken die MM-Redakteure ja f√ľr „Qualit√§tsjournalismus“ (zumindest, was sie darunter verstehen) und f√ľr eine entsprechende Bezahlung.

Die MM-Redakteure behaupten sogar, dass es um die „Zukunft des Qualit√§sjournalismus“ ginge:

Auf der Blogseite liest sich das etwas ehrlicher – da gehts √ľberwiegend ums Geld und ganz zum Schluss ein bisschen um „die Demokratie“. Und angeblich streiken sie auch f√ľr „unsere Leser“.

Um was geht es? Um Demokratie? Eher doch ums Geld.

Tats√§chlich halten die streikenden MM-Redakteure aber „unseren Lesern“ missliebige Informationen vor. Oder warum l√∂schen sie sonst Kommentare, die weder beleidigend noch anst√∂√üig sind? Sondern zus√§tzliche Informationen enthalten, mit den sich Leserinnen und Leser eine eigene Meinung bilden k√∂nnen? Mal abgesehen davon, dass es in beiden verlinkten Informationen gar nicht „direkt“ um die streikenden MM-Redakteure selbst ging und ich im ARD-Interview sogar die Verlegerseite ordentlich kritisiert habe?

Oder darf√ā¬† nicht Meinung sein, was nicht der Meinung der streikenden MM-Redakteure entspricht? Oder d√ľrfen die keine Stimme haben, die man nicht leiden kann? Ist es das, was diese Redakteure mit „wir streiken f√ľr unsere Leser“ meinen? Unter Transparenz, Meinungsvielfalt? Unter „Kritik“ und streitbarem Journalismus?

MM-Streiker vs. Tagblatt-Streiker

Ganz anders der Umgang bei den Streikenden vom „Schw√§bischen Tagblatt“. Die verlinken von sich aus auf den ARD-Beitrag, allerdings mit einer fehlerhaften Information und nennen mit einen „bloggenden Ex-Redakteur“. Ich korrigiere das h√∂flich und verlinke ebenfalls zwei Texte, die aus Sicht der Zeitungsredakteure sicher nicht „angenehm“ sind.

Die Reaktion ist anständig: Der Kommentar wird frei geschaltet, der Fehler korrigiert. Auch wenn ich nicht weiß, wie die Berichterstattungsqualität des Schwäbischen Tagblatts ist, habe ich zumindest durch diese Verhalten einen positiven Eindruck gewonnen. Das ist das einzig zu erwartende Verhalten.

Die Streikenden beim Schwäbischen Tagblatt haben Kritik zugelassen.

Immerhin: Man k√∂nnte auch annehmen, dass vielleicht nur die MM-Streikenden f√ľr die „L√∂sch-Aktion“ verantwortlich sind, die die Facebook-Seite betreuen. Aber das w√§re nur eine billige Ausrede f√ľr die Gesamt-Baggage.

Wer einen Funken Ehre im Leib hat, was ich bei vielen nicht vermute, m√ľsste sofort auf diese Aktion reagieren und sein Missfallen ausdr√ľcken. Das aber ist doch mehr als unwahrscheinlich. (Ich bin fast sicher, dass sich niemand f√ľr diese „L√∂sch“-Aktion entschuldigt oder sie kritisiert.)

Leider haben die MM-Redakteure im Ausstand noch nicht verstanden, dass sie l√§ngst nicht mehr alleine „Meinungen bilden“, also nicht mehr bestimmen k√∂nnen, √ľber wen und was sie wie informieren oder was sie lieber „unterdr√ľckt“ sehen wollen.

Das Internet macht die Welt transparenter. Und zeigt, wie dumm oder hilflos manche Journalisten, die eigentlich daran mitwirken sollten, reagieren.

Absurd wird es, wenn dieser Haufen das Wort „Qualit√§tsjournalismus“ f√ľhrt. Sie stehen weder f√ľr Qualit√§t noch Journalismus noch f√ľr die Kombination aus beidem.

Ich unterst√ľtze die Forderungen der Verleger kein bisschen – aber im Fall der MM-Streikenden w√§re ich sogar mit der ein oder anderen fristlosen K√ľndigung vollkommen einverstanden.

Es wäre sicher kein allzu großer Verlust.

Denn die MM-Redakteure fordern Solidarität, die sie selbst nicht bereit sind zu geben. Dieser Kommentar wartet immer noch auf Freischaltung.

Solidarität mit dem journalistischen Prekariat, den "Freien"? Nicht bei den streikenden MM-Redakteuren.

P.S.
Das Internet l√§sst sich nicht so einfach kontrollieren, „verehrte Kollegen“, wie ihr das denkt. Und das ist gut so. Schlecht ist: Das habt ihr leider noch nicht verstanden und vermutlich werdet ihr das auch nicht verstehen.

Zeitungsstreik: Solidarität? Wieso, weshalb, warum?

Heddesheim/Mannheim/Stuttgart, 03. August 2011. Die streikenden Zeitungsredakteure fordern Solidarit√§t ein. Denn ihnen drohen Lohnk√ľrzungen und schlechtere Arbeitsbedingungen. Doch ist deren „Emp√∂rung“ wirklich nachvollziehbar? Haben sie sich „Solidarit√§t“ verdient?

Von Hardy Prothmann

Es gibt sie noch, die sehr guten Redakteure. Vereinzelt. Aber deren Einfluss ist gering. Sie haben schon l√§ngst keine Lobby mehr und im Zweifel finden die, die kritisch berichten und die Folgen tragen m√ľssen, keine Solidarit√§t bei den „Kollegen“. Der Gesamtzustand der Branche ist desolat.

Ob der Kommentar jemals frei geschaltet wird? Knapp acht Stunden nach dem Erstellen auf der MM-Streikseite wartet er immer noch auf "Freischaltung".

Es gibt genau eine Perspektive, unter der man die Empörung der streikenden Zeitungsredakteure verstehen kann: Noch verdienen die meisten Verlage satte Renditen, häufig im zweistelligen Bereich. Wenn die Arbeitgeber vor diesem Hintergrund bis zu 25 Prozent unter dem bisherigen Tarif Berufsanfänger beschäftigen wollen, dann ist das skandalös und grob sittenwidrig. Damit endet die eine Perspektive.

Honorardumping ist der Normalzustand

Die anderen sehen so aus:

Skandal√∂se „Auftragsverh√§ltnisse“ sind der „Normalzustand“, mit dem man die Einkommensituation von vielen freien Journalisten oder „Mitarbeitern“ beschreiben kann.

Deswegen hat es sich auch schon mit meiner Solidarit√§t gegen√ľber den Zeitungsredakteuren. Ich werfe den meisten von ihnen Kumpanei, Mitt√§terschaft, Honorar-Dumping, Untertanentum, Eitelkeit, √ÉŇďberheblichkeit, Weltentr√ľcktheit und Respektlosigkeit vor. Sie sind Teil eines mafiosen Systems und haben solange still gehalten, solange sie ihren Teil der Beute abbekommen haben. Jetzt sind sie im Streik, weil ihnen ihr „Anteil“ zu klein scheint.

Und ich wei√ü, wovon ich rede. Denn ich bin seit 20 Jahren freier Journalist und meine „Abnehmer“ waren √ľber 18 Jahre lang Redakteure. Mit vielen davon habe ich sehr gut zusammengearbeitet. Fr√ľher. Doch die Zeiten haben sich ge√§ndert. Die Zusammenarbeit wurde immer schwieriger – nicht unbedingt, aber auch inhaltlich. Vor allem aber wirtschaftlich.

HorrorHonorargeschichten

1994 bin ich nach drei Jahren mit meinem Universit√§tsabschluss vom lokalen in den √ľberregionalen Journalismus gewechselt. Denn nur dort waren einigerma√üen gute Honorare zu erwirtschaften.

Was ich niemals erlebt habe, war ein „Bonus“ f√ľr eine au√üergew√∂hnlich gute Arbeit, der mir einfach angeboten oder √ľberwiesen worden w√§re. Was ich ab und an erleben durfte, waren ein klein wenig h√∂here Honorare, wenn ich diese mit guten Argumenten nachgefordert hatte. Was ich meistens erlebt habe, waren „Honorare“ die ihrem Namen keine Ehre machten. Die Zeilen- oder Beitragshonorare waren niemals √ľppig, selten gut, oft „gingen sie grad so“, meist waren sie nicht akzeptabel. Jedenfalls, wenn man davon leben wollte.

Beim Mannheimer Morgen habe ich 55 Pfenning (27 Cent) die Zeile „verdient“. Brutto. Ein mittlerer zweispaltiger Bericht mit 80 Zeilen ergab demnach 44 Deutsche Mark. Rechnete man im Schnitt eine Stunde Wegstrecke, 1,5 Stunden Schreiben, 1,5 Stunden vor Ort, eine Stunden Vor- und Nachbereitung, kam man auf einen Stundenlohn von 8,80 Deutsche Mark.

In den drei Jahren beim MM habe ich rund 1.000 Artikel geschrieben. Ich war als „freier Mitarbeiter“ damit ganz gut „im Gesch√§ft“. Einwandfreie Qualit√§t wurde selbstredend immer erwartet. Alle Artikel wurden ver√∂ffentlicht. Manchmal waren 100 Zeilen bestellt, 70 wurden abgedruckt und nur 70 wurden zun√§chst bezahlt. Weil ich gut war und gebraucht wurde, hatte meine Intervention Erfolg – ich bekam die bestellten und abgelieferten Zeilen bezahlt, sollte dazu aber gegen√ľber anderen Mitarbeitern stillschweigen.

In diesen drei Jahren ist es mir in einem einzigen Monat gelungen, 1.700 Deutsche Mark zusammenzuschreiben. Der Grund: Viele Redakteure waren in Urlaub, also gab es mehr als sonst zu tun und es gab ein paar spannende Themen und viele Vereinsfeste. Damals war ich 25 Jahre alt. Im Schnitt habe ich rund 800 Mark mit meinem freien Journalismus verdient. Brutto.

„Das Thema kriegen wir nicht durch.“

Davon musste ich ein Auto unterhalten, ein B√ľro, Computer, Telefon. Irgendeine „Kostenpauschale“ stand nicht zur Disposition. Ein paar Redakteure bestellten ab und an zehn Zeilen mehr als sie f√ľr den Abdruck vorgesehen hatten. Die 5,5 Mark waren sowas wie ein „Anerkennung“, weil ich immer einsatzbereit war.

Termine kamen aus der Redaktion, die meisten Themenvorschl√§ge von mir. Meist wurden sie angenommen, aber immer wieder h√∂rte ich den Satz: „Das Thema kriegen wir nicht durch.“

Ab 1994 √§nderten sich meine Verh√§ltnisse mit einem Artikel f√ľr Die Zeit. Dort erhielt ich 2,8 Mark die Zeile und sogar ein Fotohonorar von 150 Euro. Zusammen waren das f√ľr einen „Job“ 430 Euro. Das war sensationell. Fortan konzentrierte ich mich auf gr√∂√üere Zeitungen, Wochenzeitungen, Magazine sowie √ľberwiegend den ARD-H√∂rfunk, der am l√§ngsten ganz gut bezahlte und auch heute noch akzeptable Honorare bietet.

Und ich habe oft „Angebote“ ausgeschlagen, die immer wieder angefragt wurden, weil ich den „Markt“ nicht kaputt machen wollte. Unter 350 Mark habe ich keine Magazinseite geschrieben. Niemals unter einer Mark eine Zeile (au√üer f√ľr die taz, die 70 Pfenning die Zeile zahlte).

Dazu habe ich an Zeitschriftenentwicklungen mitgewirkt, das brachte am meisten Geld, Redaktionsvertretungen gemacht, Vorträge und Seminare gehalten.

Um auf das Einstiegsgehalt eines Zeitungsredakteurs von damals rund 4.000 Mark Brutto zu kommen, musste ich rund 6.000 Mark verdienen und zus√§tzlich Geld f√ľr die „Infrastruktur“ wie Auto, Telekommunikation, Computer, Kamera. Manchmal hat das funktioniert, manchmal nicht.

Nochmal zur Verdeutlichung: Bei 55 Pfenning pro Zeile und 150 Zeilen täglich wäre ich bei einer 5-Tage-Woche auf 1.650 Mark gekommen. Rechnet man noch sechs Wochen Urlaub ein, wären rund 1.440 Mark brutto geblieben. Krank durfte man nicht werden, Nein sagen auch nicht. Und es gab damals Zeitungen, die nur 25 Pfenning pro Zeile zahlten.

Durch meinen Wechsel in die „h√∂here Honorarliga“ war ich in der gl√ľcklichen Lage, nicht jeden Mist machen zu m√ľssen, sondern mir Themen und Auftr√§ge aussuchen zu k√∂nnen.

Die meisten Kollegen versuchten, irgendwie eine Festanstellung zu bekommen. Nicht, um journalistisch interessanter arbeiten zu können, sondern um versorgt zu sein.

Doch die „T√∂pfe“ f√ľr „Honorare“ wurden zunehmend geringer. Viele Kollegen klagten nur noch, schlugen sich mehr schlecht als recht durch, auch ich hatte Einbu√üen, aber es ging noch ganz gut.

FAZ: 70 Cent pro Zeile sind „normal“

Als ich 2003 einen exklusiven Text mit einem enormen Rechercheaufwand geschrieben hatte, bekam ich 70 Euro √ľberwiesen. F√ľr einen 100-zeiligen Artikel. Also 70 Cent pro Zeile. Ich habe mich daraufhin beim Herausgeber Nonnenmacher beschwert, der mir zur√ľckgeschrieben hat, dass dies einem „durchaus √ľblichen Honorar“ entspr√§che, ich aber eine Nachzahlung von 90 Euro erhielte. Eine weitere Zusammenarbeit war nicht mehr gew√ľnscht.

Als ich 2004 zuf√§llig zum Tsunami auf der thail√§ndischen Insel Phuket war, berichtete ich 18 Tage lang f√ľr mehrere deutsche Medien. Darunter Spiegel, Spiegel Online, Spiegel TV, Focus, Handelsblatt, Zeit, tagesspiegel, Berliner Morgenpost, Welt, SWR und noch ein paar andere. In knapp drei Wochen habe ich rund 15.000 Euro Umsatz gemacht.

Ich war 16-20 Stunden im Einsatz, habe am Tag nach der Katastrophe 600 Leichen gez√§hlt, um die Zahl der Opfer absch√§tzen zu k√∂nnen, habe unter anderem eine Reportage √ľber die Arbeit der DVI-Teams (Desaster Victims Identification) geschrieben, Tage im Krankenhaus verbracht und √ľber das Leid und die Hoffnung berichtet.

5.000 Euro die Woche? Kein schlechtes „Honorar“. Doch zu welchem Preis? F√ľr welchen Einsatz? H√§tte ich ein „psychologisches“ Problem bekommen, einen Unfall erlitten – wer h√§tte f√ľr mich gesorgt? Es gibt f√ľr freie Journalisten selten eine Kostenerstattung und so gut wie nie eine Absicherung durch die „Auftraggeber“. Aber es gibt noch Jobs f√ľr alle die, die „gut“ verdienen wollen – √ľberall da, wo es gef√§hrlich ist. Denn da gehen die Redakteure nicht hin.

Tagessätze von unter 250 Euro habe ich niemals akzeptiert. Mein Normalsatz waren 350 Euro. Heutzutage sind 75 Euro kein Ausnahmefall.

Lokalberichterstattung ist Ausbeutung auf höchstem Niveau

Im „Lokalen“ sieht es am bittersten aus. Da bleiben f√ľr Freie meist nur die „Krumen“. Feste und Vereine. Eben alles das, wof√ľr sich die Redakteure meist zu schade sind. Plus Abend- und Wochenendtermine, weil die meisten Redakteure dann frei haben. H√§ufig sind das Rentner, die nicht unbedingt dazu verdienen m√ľssen oder Hausfrauen. Oder ehemalige Praktikanten wie ich, die dann f√ľr Hungerl√∂hne Zeilen schinden und anfangen, irgendwas blumig zu erdichten.

Zeitungsredakteure geben das in Auftrag, nehmen es ab und ver√∂ffentlichen diesen Schund. Diese Bratwurstberichterstattung √ľber Wetterg√∂tter, allgemeine Zufriedenheit, k√ľhlen Gerstensaft und leckere Bratw√ľrste. Sie suchen die N√§he der „M√§chtigen“ und schreiben den meisten nach dem Maul – au√üer, der Herr Verleger oder der Chefredakteur haben jemand „auf dem Kieker“ – der wird dann „runtergeschrieben“. Ansonsten dient man sich an.

Redakteure bilden den unsolidarischst-vorstellbaren Haufen

Es gibt keinen unsolidarischeren Haufen als diese Zeitungsredakteure, die sich einen Dreck drum scheren, wie es „ihren“ freien Mitarbeitern geht. Meist erlebt man Arrogantlinge, die vor Selbst√ľberheblichkeit kaum noch laufen k√∂nnen und mit ihrer Schere im Kopf st√§ndig bem√ľht sind, keinen √É‚Äěrger zu bekommen, statt „Anwalt des Lesers“ zu sein und „Missst√§nde aufzudecken“. Sie halten sich f√ľr „unabh√§ngig“ – wie wenig sie das sind, zeigt ihr Streik.

Redakteure, die es genie√üen, hoffiert zu werden, die selbstverst√§ndlich immer ihre „Extra-Wurst“ einfordern, sich auf Reisen einladen lassen, sich beschenken lassen und „Presserabatte“ einfordern. Und ihr Sal√§r gerne mal mit einer „Moderation“ aufarbeiten und gar nicht so selten in ihrer Freizeit „Berichte“ f√ľr Unternehmen oder Politiker schreiben, die sie als „Pressemitteilung“ dieser Unternehmen oder Politiker dann als „Grundlage“ f√ľr ihre „journalistischen Berichte“ verwenden.

Sie agieren dabei genauso, wie viele Chefredakteure und Redaktionsleiter, die in teure Hotels zu wichtigen Konferenzen eingeladen werden, wo Unternehmen, Politiker, Verb√§nde und Lobbyisten dann „Themenstrecken“ und Anzeigenbuchungen aushandeln. Und vor allem, √ľber was nicht berichtet wird.

Man kann vermuten, dass einige Redakteure bei Tageszeitungen journalistisch auch einfach zu inkompetent sind, um dieses Zusammenhänge verstehen zu wollen, geschweige denn zu sehen. Man liegt aber auch richtig, wenn man annimmt, dass viele dies schweigend zur Kenntnis nehmen und wissen, was sie und was sie nicht zu berichten haben.

Transparenz √ľber die Hintergr√ľnde ihrer Arbeit findet man von den Redakteuren in den Zeitungen so gut wie niemals.

Und diese Leute fordern nun Solidarität. Also einen Zusammenhalt, eine Haltung?

Arrogante Verlogenheit

Wer sich und andere √ľber Jahrzehnte selbst bel√ľgt, kann wahrscheinlich die eigene Verlogenheit irgendwann nicht mehr erkennen.

Mit dem Blick von au√üen sehe ich aber keinen Grund, mich mit diesen Leuten zu solidarisieren, von denen ich und die allermeisten freien Journalisten in Deutschland niemals „Solidarit√§t“ erfahren haben.

Und wenn Leserinnen und Leser w√ľssten, wie respektlos und despektierlich sich „Redakteure“ oft √ľber ihre Kunden auslassen – sie w√§ren entsetzt. „Die da drau√üen“ sind f√ľr viele Redakteure einfach nur dumme Leute. Solange es kaum eine M√∂glichkeit gab, die „Kontrolleure“ zu kontrollieren, mussten die Leute „glauben, was in der Zeitung steht“.

Das Internet hat das ver√§ndert – heute gibt es so viele Quellen und so viele M√∂glichkeiten sich per email, Facebook oder anderen Medien zu informieren und auszutauschen. Und es gibt viele Redakteure, die ihre Verachtungshorizont auf das Internet ausgeweitet haben, wo man angeblich „nur Dreck findet“. Und es gibt nicht wenige, die stolz darauf sind, dass sie das Internet nicht benutzen.

Darin unterscheiden sie sich nicht von denen, gegen die sie gerade streiken – die Verleger als Arbeitsgeber.

Nachtrag:
Alle Redakteure, mit denen ich gut zusammengearbeitet habe und dies weiterhin tue, schließe ich selbstverständlich aus und hoffe, dass sie ihren schweren Stand weiter halten können.

Kabarett oder Realität? Gerhard Schneider live!


Guten Tag!

Heddesheimblog, 18. September 2009. Der Heddesheimer Gerhard Schneider ist Betriebsratsvorsitzender von UPS. √ā¬†Der Mann kennt sich aus im Logistikgesch√§ft. Der Mann erkl√§rt teils kabarettistisch, aber insgesamt sehr realistisch die Situation der Arbeiter im Logistikgesch√§ft.

Das Video dauert rund neun Minuten – Sie werden viel zu lachen haben.
Das Video wurde am 16. September 2009 auf der Veranstaltung des BUND zur „Nachhaltigen Entwicklung des Heddesheimer Gewerbegebiets“ aufgenommen und ist nicht geschnitten. das heddesheimblog

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
Das heddesheimblog

Interview mit Pfenning-Gesch√§ftsf√ľher Uwe Nitzinger (gek√ľrzt. Fass.)

Wir kommen sicher nach Heddesheim

Sie lesen hier die gek√ľrzte Fassung.
Hier geht es zum kompletten Interview (1/3 länger).
In der gek√ľrzten Fassung fehlen ein paar Fragen/Antworten zu wirtschaftlichen Aspekten.

Das Heddesheim-Blog
Empfehlen Sie uns weiter!

Uwe Nitzinger, Gesch√§ftsf√ľhrer der KMP Holding GmbH, erkl√§rt im Gespr√§ch mit dem Heddesheim-Blog, wann Pfenning nach Heddesheim kommt, was das Unternehmen dort vor hat und welche Folgen die Ansiedlung f√ľr Heddesheim haben wird.

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Interview: Hardy Prothmann

Herr Nitzinger, die Pfenning Gruppe will in Heddesheim 100 Millionen Euro in ein Logistik-Zentrum investieren. K√∂nnen Sie aufschl√ľsseln, aus welchen Posten diese enorme Summe besteht?
Uwe Nitzinger: Zum jetzigen Zeitpunkt ist das noch zu fr√ľh, um ihre Frage detailliert zu beantworten. Unsere Planer haben nat√ľrlich zusammengerechnet, was sie an Kosten erwarten. Wie teuer oder g√ľnstig was am Ende ist, h√§ngt von der Konjunktur, dem Einkauf der Leistungen und √§hnlichem ab. 100 Millionen ist die angenommene Summe. Wenn es uns weniger kostet, sind wir nat√ľrlich damit zufrieden.

Bis 2013 soll erst die Hälfte gebaut worden sein. Warum?
Ich weiß nicht, woher Sie diese Zahl haben.

2. Bauabschnitt ab 2016

Aus der Zeitung.
Dann ist da etwas missverstanden worden. Bis 2013 wollen wir mit dem 1. Bauabschnitt fertig sein. Ein 2. Bauabschnitt auf dem Erweiterungsgel√§nde kann fr√ľhestens ab 2016 realisiert werden. Dieser Bauabschnitt wird auf jeden Fall nicht so gro√ü ist, wie der erste.

Aber ab 2013 wird der Firmensitz von Viernheim nach Heddesheim verlegt?
Sobald wir dort unser neues Verwaltungsgebäude beziehen können.

Sie vergrößern sich auf einen Schlag ganz enorm. Bauen Sie das Geschäft mit bestehenden Kunden aus oder haben Sie neue Kunden, die ihre Kapazitäten benötigen?
Wir haben ein starkes Bestandsgeschäft und sind intensiv dabei, neue Kunden zu gewinnen. Unser Geschäftsmodell ist die Logistik, wir bieten Kunden Lagerfläche mit entsprechender Organisation, die Verpackung und den Transport von Waren an.

So sieht Pfenning perspektivisch das geplante Logistik-Zentrum, wenn der 1. Bauabschnitt 2013 fertig ist. Bild: Pfenning-Gruppe

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Diese Waren m√ľssen ja irgendwie zu Ihnen kommen?
Sicher. Mit dem Lkw und zunehmend mit der Bahn. Nehmen Sie beispielsweise internationale Waschmittelhersteller, die gerade Werbung damit machen, dass sie den Transport ihrer Produkte um bis zu zwei Drittel von der Straße auf die Schiene bringen. Deswegen sind wir auch in Heddesheim, wegen des Gleisanschlusses.

„Wir haben zu wenig Platz“, Uwe Nitzinger

Und wegen der Fläche.
Ganz klar. Wir mussten in der Vergangenheit Auftr√§ge absagen, weil wir zu wenig Platz hatten. Und wie oft habe ich geh√∂rt: „Ich w√ľrde euch den Auftrag geben, ihr seid daf√ľr kompetent, aber ihr habt die Kapazit√§t nicht.“ Kennen Sie einen Kaufmann, der gerne auf Gesch√§fte verzichtet? Wir verbessern in Heddesheim unsere Produktionsstrukturen und unsere Wettbewerbsf√§higkeit.

Werden auf dem Gelände in Heddesheim nur Pfenning tätig sein oder auch andere Unternehmen?
Prinzipiell nur wir. Dass wir die Konkurrenz nicht aufs Gelände lassen, werden Sie verstehen. Vorstellbar ist, dass ein Unternehmen Hallen mietet, aber selbst betreibt, beispielsweise, wenn der Umgang mit den eigenen Produkten nur durch eigene Mitarbeitern erfolgen soll.

Erläutern Sie das bitte.
Es gibt vielf√§ltigste Anforderungen in der Logistik- branche. Wenn beispielsweise ein Pharmahersteller Waren in die USA liefert, ist er automatisch der √§u√üerst strengen Kontrolle der FDA (der Lebensmittelkontrollbeh√∂rde Food and Drug Administration, Red.) unterworfen. Es k√∂nnte sein, dass diese einen l√ľckenlosen Nachweis verlangt, dass nur das produzierende Unternehmen Kontakt zur Ware hat.

Andere Firmen auf dem Pfenning-Gelände

Sie planen also die Vermietung?
Nein, ich habe Ihnen ein Beispiel gegeben, was vorstellbar ist, wenn wir zum Beispiel mit unserem Gesch√§ft die Hallen tempor√§r nicht ausf√ľllen k√∂nnen sollten. Oder sollen wir die dann leer stehen lassen?

Gef√§hrliche G√ľter

In ihrem „Bauchladen“ finden sich auch gef√§hrliche G√ľter. Beispielsweise ist Waschpulver an sich harmlos, in einer gro√üen Menge aber nicht.

Genau. Wir haben gro√üe Waschmittelmengen. Dabei unterliegen wir aber auch einer strengen Kontrolle und erf√ľllen alle notwendigen Auflagen – sonst w√ľrden wir ja unsere Existenz aufs Spiel setzen. Was wir definitiv nicht lagern werden, sind radioaktives Material und Sprengstoffe. Zum Verst√§ndnis: Haarspray wird von vielen Menschen benutzt, typischerweise in einer Druckgasverpackung. In gro√üen Mengen ist das ein Gefahrstoff, wir wissen aber, wie wir damit umgehen, sonst bek√§men wir die Auftr√§ge nicht.

Auf welchen Zeitraum ist ihr Engagement in Heddesheim ausgelegt?
Das ist eine Generationsentscheidung. Wir investieren eine Menge Geld und werden dementsprechend lang bleiben. Außerdem sind wir ein Familienbetrieb. Der zieht nicht einfach weiter, wie das mit Standorten von Konzernen passiert.

Schweigende Mehrheit

Sie gehen fest davon aus, dass Sie sich in Heddesheim ansiedeln werden?
Ja.

Uwe Nitzinger Bild:Pfenning-Gruppe

Trotz der Proteste gegen ihre Ansiedlung und der kritischen Stimmung in Heddesheim?
Die Interessengemeinschaft (IG) macht in unseren Augen ordentlich Wind, aber es gibt auch den Begriff der schweigenden Mehrheit. Ich glaube nicht, dass sich die Mehrheit der Heddesheimer von bewusst falsch verbreiteten Informationen irritieren lässt.

Sie bezeichnen die Mitglieder der IG neinzupfenning als Fälscher?
Das habe ich nicht gesagt. Sie haben falsche Zahlen verbreitet und Behauptungen aufgestellt, die nicht zutreffen, wovon sich die Heddesheimer auch durch die Gutachten auf der B√ľrgerinformation √ľberzeugen konnten.

Was steht im städtebaulichen Vertrag?

Die Zahlen stimmen nicht. Woher hätte die IG aber die echten Zahlen nehmen sollen? Es wurde ja alles geheim gehalten.
Das ist so nicht richtig. B√ľrgermeister, Gemeinderat und wir haben vertraulich verhandelt. Das ist unser Recht und absolut √ľblich, damit man im gegenseitigen Vertrauen zu einem Ergebnis kommen kann.

Ein Teil des Ergebnisses ist ein ebenfalls als vertraulich eingestufter „st√§dtebaulicher Vertrag“. Was steht da drin?
Darin ist festgelegt, wie Gemeinde und Unternehmen das Grundst√ľck entwickeln werden, wer welche Aufgaben und Kosten √ľbernimmt.

Sind dort auch Vertragsstrafen definiert, falls es nicht zu einer Bebauung kommt?
Davon ist mir nichts bekannt.

„Chance genutzt“

Im Mannheimer Morgen hieß es, Sie seien auf die Heddesheimer Gemarkung aufmerksam geworden, weil Edeka das geplante Fleischwerk nun doch nicht dort, sondern in Rheinstetten ansiedelt. Soll man das glauben, dass Sie nicht schon länger alle geeigneten Flächen im Blick hatten?
Die korrekte Darstellung ist: Als klar wurde, dass Edeka dieses sehr gute Gel√§nde doch nicht in Anspruch nimmt, hat sich f√ľr uns eine Chance ergeben. Die haben wir genutzt. Und wir schaffen Arbeitspl√§tze.

Ist das so? Soweit ich verstanden habe, wechseln rund 400 Mitarbeiter von Viernheim nach Heddesheim, 250 weitere kommen aus der Region hinzu. Macht 650. Sie sprechen von bis zu 1000 Arbeitsplätzen, davon sind je 250 Subunternehmer und Leiharbeiter, verbleiben 500. Wo sind die fehlenden 150 hin?
Es ziehen √ľber 500 Mitarbeiter um. Vor Ort werden neue Arbeitspl√§tze geschaffen, weil eine Reihe von Mitarbeitern, beispielsweise im Stahl- Kompetenzzentrum nicht nach Heddesheim wechseln. Das w√§re Unsinn, weil die am Ort des Kunden t√§tig sind. Deswegen ist auch die Annahme falsch, wir w√ľrden st√§ndig Lkw von Heddesheim nach Mannheim und zur√ľck schicken. Von Hallen, die wir nur gemietet haben, ziehen wir Mitarbeiter am neuen Standort zusammen. Wie genau die Mitarbeiterzahlen sind, werde ich Ihnen nicht sagen, weil die Konkurrenz sich daf√ľr auch interessiert.

Zum Verkehr kommen wir bitte gleich. In den Jahren 2000-2002 standen ihre Firma und Sie pers√∂nlich stark in der Kritik, wie Sie mit ihren Mitarbeitern umgehen. Auch heute noch werden Sie von der Gewerkschaft verdi √§u√üerst kritisch betrachtet. Der Vorwurf lautet, ihre Leute m√ľssten mehr f√ľr weniger Geld arbeiten und es g√§be keine √ÉŇďberstundenregelungen.
Das ist Unfug und eine unverschämte Behauptung. Es trifft zu, dass wir uns nicht an die Tarifverträge binden. Aber wir haben Boni und Prämien und bezahlen unsere Mitarbeiter nach Leistung. Schauen Sie sich nur mal die Zahlen zu unserer Betriebszugehörigkeit an: Viele sind 10, 20, 30 Jahre im Unternehmen.

Weshalb beschäftigen Sie dann im Verhältnis gesehen eine so große Zahl von Leiharbeitern?
Die brauchen wir je nach Zyklus. Das sind Leiharbeiter, die wir leihen, wenn wir sie benötigen. Mit den Zeitarbeitsfirmen, die uns diese Leute stellen, arbeiten wir langfristig zusammen.

„Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapitel“, Uwe Nitzinger

Sie werben mit ihren Auszubildenden. Wie viele Stellen bieten Sie f√ľr welche Berufe an?
Weit √ľber 20. Vom Fachlageristen, √ľber Kaufleute f√ľr Speditions- und Logistikdienstleistungen bis hin zum BA-Studium f√ľr Logistik.

Die meisten Ausbildungsplätze sind im Lagerbereich?
Ja. Da brauchen wir auch die meisten Leute.

Die man leicht ersetzen kann?
Daran ist uns √ľberhaupt nicht gelegen. Unser gr√∂√ütes Kapital sind unsere Mitarbeiter, deswegen wollten wir auch in der Region bleiben, die gleichzeitig aber auch ein idealer Standort wegen der EU-Osterweiterung ist. Es dauert, bis ein Mitarbeiter mit den komplexen Abl√§ufen in einem Logistik-Zentrum vertraut ist. Das ist qualifizierte Arbeit, die dort geleistet wird.

Kommen wir zum Verkehr. Sie sagen, der √ľberwiegende Teil der Waren kommt aus und geht in die Ferne. Wie definieren Sie Ferne?
Das ist alles, was weiter als die Region ist. Beispielsweise kommt Waschmittel aus D√ľsseldorf, das dann f√ľr ein Handelslager in Offenburg weiter transportiert wird. Das wird das Hauptgesch√§ft.

Lkw-Verkehr durch Heddesheim

Sind Sie bereit, eine Vereinbarung mit der Gemeinde zu schließen, dass möglichst wenig Verkehr durch Heddesheim läuft?
Dar√ľber sind wir gerade im Gespr√§ch. Seri√∂serweise kann ich nicht ganz ausschlie√üen, dass einige Lkws durch Heddesheim fahren. Nur nicht ann√§hernd in der Gr√∂√üenordnung, wie von der IG behauptet. Die wollen das einfach nicht verstehen.

Im Mannheimer Morgen zu sehen, wurde mitten in der Diskussion ein Pfenning-Laster in der Ortsmitte fotografiert√Ę‚ā¨¬¶
Dann schauen Sie sich den mal an: Das ist ein „City-Sattel“ gewesen. Solche Lkw werden f√ľr die Nahversorgung eingesetzt. Die Leute wollen doch auch im Laden was kaufen k√∂nnen, oder?

K√∂nnen Sie denn die Zahl von 3 Lkw pro Stunde in Spitzenzeiten √ľber die Ringstra√üe halten, wenn die 2. Ausbaustufe fertig ist oder sind es dann doppelt so viele?
Es werden nicht doppelt so viele sein, weil sich die Bebauung und damit die gelagerten Waren nicht verdoppeln. Aber es werden mehr sein, hier auch wieder im Fernverkehr. Seriös kann ich das heute noch nicht sagen, wir reden gerade vom Jahr 2016.

Pfenning-Lkw vor Edeka Tiefk√ľhl-Zentrum Bild:pro

Zur√ľck zum Anfang: Wer ist denn auf wen zugegangen, B√ľrgermeister Kessler auf das Unternehmen oder umgekehrt?
Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil ich das nicht mehr wei√ü. Wir haben aber nach Aufnahme der Verhandlungen sp√§ter auch den Gemeinderat bei uns gehabt, dem wir das Projekt vorgestellt und erl√§utert haben, dass gerade der Gleisanschluss f√ľr uns einen enormen Vorteil bietet.

Kritischer Gemeinderat?

Wurden kritische Fragen gestellt?
Selbstverständlich haben die Gemeinderäte uns Fragen gestellt, beispielsweise zur Verkehrsbelastung, das war ein zentraler Punkt.

In Heddesheim wundert man sich, dass die Gr√ľnen geschlossen zugestimmt haben. Mussten Sie bei den Gr√ľnen eine st√§rke √ÉŇďberzeugungsarbeit leisten als bei den anderen?
Wenn Sie mir sagen, wie man einen Gr√ľnen erkennt? Ich habe an den Fragen nicht unterscheiden k√∂nnen, wer zu welcher Partei geh√∂rt.

In Heddesheim wird mittlerweile hitzig √ľber das F√ľr und Wider ihrer Ansiedlung gestritten. Gab es Fehler in der Kommunikation?
Das m√ľssen Sie die fragen, die sich so aufregen. Wir haben uns nichts vorzuwerfen bei der Kommunikation. Die Stimmung ist nicht von uns aufgeheizt worden. Wir w√ľnschen uns einen konstruktiven Dialog mit den Heddesheimer B√ľrgern. Das heutige Gespr√§ch mit Ihnen ist hierf√ľr ein Beispiel.

Dann hat der B√ľrgermeister Fehler gemacht?
Ich war noch nie B√ľrgermeister und bin in der Kommunalpolitik nicht zuhause. Das kann und will ich nicht beurteilen. Ich kann aber nicht erkennen, dass der B√ľrgermeister in der Kommunikation Fehler gemacht h√§tte.

Interview: „Pfenning ist ein Tarif-Fl√ľchtling“

Eines der wichtigsten Argumente, mit denen B√ľrgermeister Kessler und die Gemeinderatsfraktionen f√ľr die Pfenning-Ansiedlung werben, sind die Arbeitspl√§tze.

Das Heddesheim-Blog hat bei verdi Hessen nachgefragt, welche Erfahrungen die Gewerkschaft mit dem Unternehmen gemacht hat und wie Pfenning als Arbeitgeber eingestuft wird.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Winhold, das Unternehmen pfenning logistics liegt in ihrem Gewerkschaftsgebiet. Wie ist Ihnen das Unternehmen bekannt?
Winhold: Wir vertreten immer wieder unsere Mitglieder bei arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen mit Pfenning. Zudem ist die Firma Pfenning ein Tarif-Fl√ľchtling. Pfenning ist aus dem hessischen Tarifvertrag f√ľr die Speditions- und Logistikbranche ausgestiegen.

Was bedeutet das?
Pfenning nimmt nicht mehr an den Tarifvertr√§gen teil, die wir alle zwei Jahre f√ľr die Branche aushandeln. Pfenning zahlt schlechter bei deutlich h√∂herer Wochenarbeitszeit.

Woher wissen Sie das?
Mir liegen dazu einzelne Arbeitsvertr√§ge vor, aus denen ich schlie√üe, dass dies bei Pfenning √ľblich ist. Die Arbeitszeit im Bereich Lager liegt den Vertr√§gen zufolge bei 42 Stunden, unsere tarifliche Arbeitszeit aber bei 38 Stunden. Das hei√üt, √ÉŇďberstunden werden, wenn √ľberhaupt, erst ab der 42ten Stunde bezahlt.

Was hei√üt, „wenn √ľberhaupt“?
Pfenning fordert nach meinen Informationen vor allem im Lagerbereich teils massiv √ÉŇďberstunden ein. √ÉŇďber entsprechende Verg√ľtungen habe ich keine Informationen.

Pfenning √ľbt unzul√§ssig Druck auf seine Mitarbeiter aus

Gibt es weitere arbeitsrechtliche Auffälligkeiten bei Pfenning?
Ja. Uns ist bekannt, dass Vorgesetzte oder Mitarbeiter der Personalabteilung ohne Anwesenheit eines Arztes beispielsweise versuchen, Mitarbeiter zu Aussagen zu bewegen, wie es um ihre Gesundheit bestellt ist und welche Gesundheitsprognose sie f√ľr sich sehen. Das ist ein absolutes Unding. F√ľr den Mitarbeiter kann das ernste Konsequenzen haben, wenn er von sich aus eine negative Gesundheitsprognose angibt. Das ist eine b√∂se Falle. Pfenning √ľbt hier unzul√§ssig Druck auf die Mitarbeiter aus, √ľber die Gespr√§che werden Protokolle angefertigt.

Welche Konsequenzen sind das?
Beispielsweise eine K√ľndigung.

Schlechter Stil

Ist das rechtlich zulässig?
Ganz sicher nicht. Kein Arbeitnehmer kann zu solchen Aussagen gezwungen werden. Problematisch ist es, wenn ein Mitarbeiter durch geschickten Druck dazu gebracht wird. Das ist mehr als ein schlechter Stil.

Wie verhält sich ein Arbeitgeber korrekt?
Wenn der Arbeitgeber Zweifel an einer Arbeitsunf√§higkeitsbescheinigung oder dem gesundheitlichen Zustand eines Mitarbeiters hat, kann er das beispielsweise arbeitsmedizinisch √ľberpr√ľfen lassen.

Haben Sie sich bei Pfenning √ľber diese Zust√§nde beschwert?
Selbstverst√§ndlich √ľber unsere Mitglieder.

Wie war die Reaktion?
Pfenning hat nicht reagiert.

Info:
Thomas Winhold ist Gewerkschaftssekret√§r f√ľr Post, Spedition und Logistik bei verdi Hessen.

Was heißt bedeutend?

Nun, dem Wortsinn nach, dass man etwas oder jemanden deutet.

Der Duden setzt „bedeutend“ mit „au√üergew√∂hnlich“ gleich und definiert:
au|√üer|ge|w√∂hn|lich : a) nicht in, von der gew√∂hnlichen, √ľblichen Art; vom √ÉŇďblichen, Gewohnten abweichend; ungew√∂hnlich:
√ā¬© Duden – Deutsches Universalw√∂rterbuch. 4. Aufl. Mannheim 2001.

Machen Sie sich selbst ein Bild von der Bedeutung des Unternehmens pfenning logistics GmbH, der Vorgängerfirmen und der verbundenen
Unternehmen.

Anmerkung:
Sofern nicht anders gekennzeichnet finden Sie hier Datum, Schlagzeile und Unterschlagzeile sowie eine kurze Zusammenfassung von Texten aus dem Mannheimer Morgen und dessen Regionalausgaben √ľber Unternehmen der Pfenning-Gruppe.
Fett gedruckt sind die originalen Schlagzeilen der Zeitung. In Anf√ľhrungszeichen stehen direkte Zitate aus den Artikeln.

Wer die Originale auf der homepage des Mannheimer Morgen nachlesen will braucht eventuell einen Abonnenten-Zugang oder alternativ den Morgenweb-Schl√ľssel aus der tagesaktuellen Ausgabe.

30. Dezember 2000
„Sylvester-Kracher“ schockt Mitarbeiter
Zum Jahreswechsel verkauft sich die Pfenning Spedition GmbH an die Profi-Log Spedition GmbH, Werftallee 13, 18119 Rostock. „Die Herren Nitzinger und Dollner sind nicht mehr Gesch√§ftsf√ľhrer der Pfenning Spedition√Ę‚ā¨¬¶“ (Herr Nitzinger ist heute Gesch√§ftsf√ľhrer von pfenning logistics, Anm. von H. Prothmann). 130 Besch√§ftige sind betroffen, die Verwirrung ist gro√ü. Nitzinger teilt mit, dass die Pfenning Spedition GmbH keine Betriebsadresse mehr in Viernheim habe, eine Betriebsversammlung sei daher „illegal“. Besch√§ftigten, die ihre Arbeit bei der Mannheimer Niederlassung der Profi-Log antreten w√ľrden, „behalten ihre sozialen Anwartschaften“, droht er unverhohlen allen, die das nicht tun.

30. Dezember 2000
Schock-Nachricht vom Chef
Die Journalistin Ruth Weinkopf versucht verzweifelt den „bisherigen“ Firmenchef Karl-Martin Pfenning, einen seiner Gesch√§ftsf√ľhrer oder die Firma Profi-Log in Rostock oder Mannheim telefonisch zu erreichen. Weder die Auskunft, noch andere Firmen an den neuen Standorten kennen Profi-Log oder die neu gegr√ľndete PF United Logistics in Viernheim.

3. Januar 2001
Profi-Log legt Fehlstart hin
Verwirrspiel um ehemalige Spedition Pfenning geht weiter

Ein privater Sicherheitsdienst hindert rund 30 Besch√§ftigte der ehemaligen Viernheimer Pfenning Spedition GmbH daran sich mit Vertretern der Gewerkschaft √ĖTV in der Kantine zu treffen.
Mitarbeiter, die in Mannheim ihre Arbeit an der neuen Betriebsstelle aufnehmen wollten, wurden wieder nach Hause geschickt. Das Arbeitsgericht Darmstadt erl√§sst eine einstweilige Verf√ľgung und untersagt den ehemaligen Mitarbeitern, ihre Arbeit in Mannheim aufzunehmen, bevor nicht die Verhandlungen √ľber einen Interessenvergleich abgeschlossen sind. Uwe Nitzinger, Gesch√§ftsf√ľhrer der Pfenning Logistik GmbH, nennt als Gr√ľnde f√ľr den Verkauf der Firma „markpolitische Aspekte“.

3. Januar 2001
Sicherheitsdienst verwehrt Beschäftigten Zutritt
Gespannte Atmosphäre bei ehemaliger Pfenning Spedition / Betriebsratsvorsitzender will wegen Tätlichkeiten Anzeige erstatten

Der Betriebsrat ruft zur Betriebsversammlung auf, die ehemalige Gesch√§ftsf√ľhrung bezeichnet dieses Treffen per Aushang als „illegal“. Der Betriebsratsvorsitzende Hans-Dieter Mai gibt an, von Sicherheitsleuten „in den Bauch geboxt“ worden zu sein, „so dass er zu Boden ging“. Er sei ein zweites Mal geschubst worden, zu Boden gegangen und auf den Hinterkopf gefallen. „Ich habe Kopfschmerzen und √ÉŇďbelkeit“, wird Mai zitiert. Mitarbeiter durften nach eineinhalb Stunden dann doch zur Betriebsversammlung, aber nicht an ihre Arbeitspl√§tze. √ĖTV-Sprecherin Monika Hettwer bezeichnet das Vorgehen der Firma als „sensationell“ und „menschenverachtend“.
√Ę‚ā¨¬¶
„Sie spielte damit auf Vorkommnisse vor knapp zehn Jahren an. Damals, im April 1991, war ein Werkstattleiter wegen eines Warnstreiks ausgerastet und hatte mit einem Truck den Tisch der Gewerkschaft niedergewalzt. √Ę‚ā¨¬¶ Entlassen hat die Spedition damals einen Betriebsrat√Ę‚ā¨¬¶ Er musste sp√§ter nach einem Beschluss des Arbeitsgerichts Darmstadt wieder eingestellt werden. Zuvor hatte ihm sein Arbeitgeber schon mehrfach – ebenfalls erfolglos – gek√ľndigt. Der Mann ging schlie√ülich von alleine.“

4. Januar 2001
Angestellten erneut Zutritt verweigert
Auch der Viernheimer B√ľrgermeister Matthias Baa√ü schaltet sich nun in das „Verwirrspiel um die fr√ľhere Spedition Pfenning“ ein. Er stellt den protestierenden Besch√§ftigten einen Raum im „Forum f√ľr Senioren“ f√ľr Betriebsversammlungen zur Verf√ľgung. Der Betriebsratsvorsitzende wird mit Mitteilung von Uwe Nitzinger seiner Funktion enthoben.
B√ľrgermeister Baa√ü kritisiert die Informationspolitik des Unternehmens und verlangt umfassende Aufkl√§rung. „Zur neugegr√ľndeten Firma Profi-Log machte Nitzinger auch dem B√ľrgermeister gegen√ľber keine weiteren Angaben.“ Der Zeitung erkl√§rt Nitzinger, „von einer Zusammenarbeit mit der in Viernheim neugegr√ľndeten Pf united logistics GmbH, mit der der bisherige Eigent√ľmer nichts mehr zu tun habe, verspreche er sich einschneidende Verbesserungen im Dienstleistungs- und Servicebereich, man stehe vor einem „Quantensprung“ im Speditionsgesch√§ft.“

5. Januar 2001
Politik appelliert an Spedition
„Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Michael Meister appellierte gestern an die Unternehmensleitung: „im Sinn der der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Unternehmens der Firma Pfenning, das Verwirrspiel der vergangenen Tage zu beenden.““
„Der Bundestagsabgeordnete respektiert „die Freiheit unternehmerischer Entscheidungen, die im Rahmen der geltenden rechtlichen Bestimmungen erfolgen. Aber das Wohl des Unternehmens und das Wohl der Arbeitnehmer sind keine Gegens√§tze, sie bedingen einander.“
„Der Fraktions- und Parteivorsitzende der Viernheimer CDU, Martin Ringhof, erinnerte daran, dass das deutsche Wirtschaftssystem auf dem der sozialen Marktwirtschaft beruhe. Das Verhalten der Arbeitgeber (Pfenning, Anm. H. Prothmann) vertrage sich weder hiermit noch mit den Grunds√§tzen einer christdemokratischen Wirtschaftspolitik.“
Die Gr√ľnen kritisieren die „Wildwest-Manieren“ der Spedition.

9. Januar 2001
Unternehmerische Willk√ľr
„Mit Sorge beobachten die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) die wachsende Tendenz, wie sich gewisse Kreise versuchen unter strenger Wahrung ihrer Eigeninteressen und der Missachtung der Rechte anderer aus ihren Pflichten zu stehlen. Ein solch gravierendes Beispiel unternehmerischer Willk√ľr liefert derzeit die Gesch√§ftsleitung der Spedition Pfenning in Viernheim.“
Hans Winkler, 1. Vorsitzender KAB

12. Januar 2001
Termin vor Arbeitsgericht geplatzt
Pfenning Gesch√§ftsf√ľhrung ignoriert Vorladung

„Die Vorg√§nge um die Pfenning Spedition GmbH, Viernheim, nehmen immer groteskere Z√ľge an. Zu einer Verhandlung, die f√ľr gestern vor dem Arbeitsgericht Darmstadt anberaumt war, erschien kein Vertreter der Gesch√§ftsf√ľhrung. Begr√ľndung: Man sein nicht zust√§ndig, das Unternehmen verkauft.“
„Weiterhin nebul√∂s bleibt die Firma Profi-Log Spedition GmbH, an die die Pfenning Spedition GmbH nach Angaben der Gesch√§ftsf√ľhrung verkauft worden sein soll.“
„Das Gremium (√ĖTV, Anm. Hardy Prothmann) fordert die Verantwortlichen in einem Schreiben auf, bei einer Betriebsversammlung am kommenden Montag endlich Klarheit √ľber die Eigentumsverh√§ltnisse zu schaffen.“

13. Januar 2001
Pfenning meldet sich zu Wort
Speditionschef macht Gewerkschaft f√ľr Unruhe verantwortlich

„Pfenning gibt nur einen Fehler zu: Der Sicherheitsdienst h√§tte dem Betriebsratsvorsitzenden √Ę‚ā¨¬¶ nicht den Zutritt zum Betrieb verbieten d√ľrfen. Die Bewachung√Ę‚ā¨¬¶begr√ľndet Pfenning mit versicherungsrechtlichen Anforderungen.“
„Scharfe Angriffe richtet der Firmenchef gegen die √ĖTV-Gewerkschaftssekret√§rin Monika Hettwer: „Sie versteht es meisterlich, das Feuer zu sch√ľren“, so Pfenning. √Ę‚ā¨¬¶ Hettwer l√§sst dieser Angriff kalt: „Es ist meine Aufgabe, Missst√§nde zu bek√§mpfen, das tue ich.“

16. Januar 2001
Trauerspiel
Unser Redaktionsmitglied Dirk Pohlmann kommentiert den Fall Pfenning Spedition
„Pfenning Holding, Pfenning, Logistik, Pfenning Spedition, Log-Sped, Profi-Log, Profi-Consult, PF United Logistics: Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollst√§ndigkeit und ist dennoch bereits un√ľbersichtlich.“

16. Januar 2001
Jetzt will der Landrat vermittelnd eingreifen
Streit um en Verkauf der Pfenning Spedition GmbH geht weiter / Wieder Solidaritätsbekundungen in der Lilienstraße

„Mir geht‚Äôs um Transparenz und darum, die Firmenpolitik offen zu legen“, betonten Hofmann (der Landrat, Anm. Hardy Prothmann). „Es muss Klarheit √ľber den k√ľnftigen Status herrschen. Schlie√ülich m√ľssen die betroffenen Arbeitnehmer ihre Familien ern√§hren.“
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„Die Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht berichtete von eigenen Recherchen in Rostock. Dort sei die Firma Profi-Log weder im Handelsregister eingetragen noch sei sie dem Speditionsfachverband oder der IHK bekannt.“

16. Januar 2001
Keine Bewegung im Streit um Pfenning
Gesch√§ftsf√ľhrungen und Gewerkschaft bleiben unvers√∂hnlich / Politik gibt Vermittlung auf

„Die Positionen im Streit um die Viernheimer Pfenning-Gruppe bleiben unver√§ndert, einen Einigung scheint weiter entfernt denn je.“

23. Februar 2001
Pfenning-Fahrer gehören zur PF
Arbeitsgericht Darmstadt gibt Gewerkschaft Recht

„Das Darmst√§dter Arbeitsgericht hat ein Machtwort gesprochen: Die Arbeitnehmer der fr√ľheren Pfenning Spedition GmbH haben einen Besch√§ftigungsanspruch gegen die Firma PF United Logistics Spedition GmbH. Es liegt ein Betriebs√ľbergang von der Pfenning Spedition auf die PF United vor.“

23. November 2001
Paukenschlag bei Pfenning
Pf United Logistics stellt Antrag auf Insolvenzverfahren

„Genau ein Jahr nach der Aff√§re um den Verkauf der Pfenning Spedition GmbH gibt es in der Viernheimer Logistik-Gruppe einen neuen Paukenschlag: Die pf United Logistics GmbH hat gestern einen Antrag auf Er√∂ffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Betroffen sind nach Angaben des Unternehmens 53 Arbeitnehmer.“
√Ę‚ā¨¬¶
„Die pf United begr√ľndete gestern ihre wirtschaftlichen Schwierigkeiten mit Kundenverlusten auf Grund der „spektakul√§ren Aktionen der √ĖTV und des Betriebsrates“.

23. Juni 2006
Meterhohe Flammen schießen aus der Lagerhalle
Großbrand auf dem Gelände der Spedition Pfenning / Millionenschaden, aber keine Verletzten / Brandursache unklar

„Mit einem Inferno aus Rauch und Flammen k√§mpfte die Feuerwehr in der Nacht zum Freitag: Bis zu 25 Meter hoch schossen die Stichflammen aus einer Lagerhalle in Viernheim. Sie wurden durch den Brand v√∂llig zerst√∂rt.“
√Ę‚ā¨¬¶
„Zeitweise drohte das Feuer auch auf zwei Tanks mit Fl√ľssiggas und auf ein benachbartes Unternehmen √ľberzugreifen, das Aluminium und Altpapier gelagert hat. Das konnten knapp hundert Einsatzkr√§fte aber verhindern. Als besonders kritisch beschreiben Einsatzkr√§fte den Augenblick, als sich kurz dach ihrem Eintreffen gro√üe Mengen brennbarer Stoffe durch Sauerstoffzufuhr auf einen Schlag entz√ľndeten.“

17. November 2007
Umstieg von Zug auf LKW
„Der Streik der Lokomotivf√ľhrer trifft nicht nur Urlaubsreisende und Berufspendler, der nach und nach eskalierende Ausstand beschert auch den Spediteuren jede Menge Mehrarbeit. Der Frachtverkehr verlagert sich zunehmend von der Schiene auf die Stra√üe√Ę‚ā¨¬¶“
„Betroffen ist auch die Viernheimer Spedition Pfenning Logistics, die Waren eines Hauptkunden (Henkel, Anm. Hardy Prothmann) normalerweise per Zug geliefert bekommt. „Da das derzeit nicht m√∂glich ist, wurde der gesamte Transport auf LKW umgestellt, so Sprecherin P√©lagie Mepin.“