Montag, 21. Mai 2018

RNV-Mitarbeiter bekommen mehr Geld

Rhein-Neckar, 13. Mai 2013. (red) Der Tarifstreit zwischen RNV und ver.di ist zu Ende. Gesten Abend erzielte man eine Einigung, heute waren die Gewerkschafter zur Urabstimmung aufgerufen, um den ausgehandelten Vertrag zu bestÀtigen oder abzulehnen. Es zeichnet sich eine breite Zustimmung ab.

Die Gewerkschaft spricht von einem Erfolg und ĂŒber zehn Prozent mehr fĂŒr die Fahrer – das ist zutreffend, allerdings erhöhen sich Löhne und GehĂ€lter insgesamt nur um durchschnittlich 4,3 Prozent, wie die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH auf Anfrage mitteilte.

Heute streikten die Mitarbeiter noch, weil sich der Streik planungsmĂ€ĂŸig nicht mehr verhindern ließ, wie ein Gewerkschaftssprecher mitteilte. Ab morgen sollen Busse und Bahnen wieder geregelt fahren.

Die Details der Tarifverhandlung finden Sie auf dem Rheinneckarblog.de.

Mitarbeiter der RNV streiken heute trotzdem

Einigung im Tarifkonflikt

Mannheim/Rhein-Neckar, 13. Mai 2013. (red/pm) Im Tarifkonflikt zwischen der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) und der Gewerkschaft ver.di haben die Verhandlungspartner eine Einigung erzielt, teilte die RNV gestern Abend mit. Trotzdem geht der Streik heute weiter, weil er nach Angaben der Gewerkschaft „nicht mehr aufzuhalten war“. Aktuell stellen ver.di und die RNV GeschĂ€ftsfĂŒhrung gegenĂŒber der Belegschaft bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung die Ergebnisse vor.

Information der RNV:

Der von ver.di bereits angekĂŒndigte Streik findet dennoch ab Montag, 13. Mai 2013, mit Betriebsbeginn um 3.30 Uhr statt. Da ver.di auch nach dem Ende der Betriebsversammlung ab 15.00 Uhr wieder zum Streik aufgerufen
hat, kann der Fahrbetrieb wohl frĂŒhestens wieder am Dienstag, 14. Mai 2013, um 3.30 Uhr aufgenommen werden.

Andreas Kerber, KaufmĂ€nnischer GeschĂ€ftsfĂŒhrer der RNV GmbH, zeigte sich dennoch sichtlich erleichtert zu dem positiven Ausgang der GesprĂ€che:

Wir haben es geschafft! Und sind wirklich sehr froh, nun endlich eine Einigung gefunden zu haben – im Interesse unserer Mitarbeiter und unserer FahrgĂ€ste, die den ÖPNV dann ab Dienstag endlich wieder wie gewohnt nutzen können.

RNV Mitarbeiter streiken ab Montag

Ab Montag wieder zu Fuß

Ab Montag heißt es wieder Fahrrad fahren, laufen oder im Auto Geduld beweisen, wenn der Stadtverkehr ĂŒberlastet ist. Busse und Bahnen fahren erstmal keine. Wie lange bleibt abzuwarten.

Ab Montag heißt es wieder Fahrrad fahren, laufen oder im Auto Geduld beweisen, wenn der Stadtverkehr ĂŒberlastet ist. Busse und Bahnen fahren erstmal keine. Wie lange der Streik dauert, bleibt abzuwarten.

 

Mannheim/Heidelberg/Ludwigshafen, 10. Mai 2013. (red/ld) Die Tarifparteien trafen sich heute zu SondierungsgesprĂ€chen, um sich wieder anzunĂ€hern, wie uns die Pressesprecherin der RNV, Susann Becker, mitteilte. Trotzdem steht eines fest: Ab Montag wird wieder gestreikt. Wie lange der Streik diesmal dauern wird, ist noch offen. Die Gewerkschaft hat einen unbefristeten Ausstand angekĂŒndigt. Von den Streiks könnten auch die Teilnehmer und Helfer beim Deutschen Internationalen Turnfest betroffen sein, das in einer Woche startet. [Weiterlesen…]

Zeitungsstreik: „Finger weg vom Mantel“


Wer ist wir und bittet "um VerstĂ€ndnis"? Das ist die einzige Information heute zum Streik der Angestellten beim MM. Gehts dĂŒrftiger?

Mannheim/Rhein-Neckar, 28. Juni 2011. (red) ÃƓberall in Baden-WĂŒrttemberg streiken zur Zeit Redakteure, Drucker und Verlagsangestellte. Der Grund: Die schamlose Forderung der Verleger, TarifvertrĂ€ge nicht nur nicht zu erhöhen, sondern im Gegenteil deutliche Einkommenseinbußen zu aktzeptieren. Die Zeitungsbranche  ist einer massiven Krise. Den Streik werden die Verleger gewinnen – wenn nicht, werden die Redaktionen umgebaut und die Verlage wĂ€hlen die Tarifflucht.

Von Hardy Prothmann

Beim „Mannheimer Morgen“ ist es der Tag der VolontĂ€re, freien Mitarbeiter und Praktikanten: Sie dĂŒrfen endlich einmal ihr Können unter Beweis stellen, wĂ€hrend 65 der 80 gestandenen Redakteure im Streiklokal sitzen und das weitere Vorgehen beraten. Vier Druckseiten dĂŒnner ist das Blatt am Freitag. Horst Roth, Chefredakteur und Mitglied der GeschĂ€ftsleitung, Ă€rgert sich ĂŒber den Ausstand: „Bei jedem Streik stehen wir in der ersten Reihe.“

So beginnt ein Bericht auf Spiegel Online am 30. Januar 2004. ÃƓber 2.000 der damals noch 14.000 Zeitungsredakteure waren damals im Ausstand. Die Forderungen der Gewerkschaften dju (Deutsche Journalisten-Union in ver.di) und DJV (Deutscher Journalistenverband) sind fast bescheiden zu nennen: Sie wollen, dass die ManteltarifvertrĂ€ge fĂŒr Redakteure, Drucker und Verlagsangestellte nicht angetastet werden. Also so eine Art Nullrunde.

20-25 Prozent weniger fordern die Verleger

Ganz anders die Verleger: Sie wollen neue tarifliche Regelungen und 20-25 Prozent weniger zahlen. Ein Redakteur steigt heute mit rund 3.200 Euro Brutto ein, nach zehn Jahren verdient er etwa 4.500 Euro brutto. Ein Beruftseinsteiger hat heutzutage typischerweise ein Studium hinter sich und eine ein bis dreijÀhrige Volontariatszeit, meist kommen ein bis zwei Jahre Praktika und freie Mitarbeit hinzu. Das bedeutet eine knapp zehnjÀhrige Ausbildung mit einem aus Verlegersicht angemessen Einstiegsgehalt von dann 2.400 Euro brutto.

2004 zitiert Spiegel online einen Redakteur der SĂŒddeutschen Zeitung:

Rainer Olbert, Nachrichtenredakteur der „SĂŒddeutschen Zeitung“, der wie 180 seiner Kollegen im SĂŒddeutschen Verlag die Arbeit niederlegte, lĂ€sst das Argument des FAZ-Betriebsrats nicht gelten: „Die Zeitungsverleger dĂŒrfen die schwierige wirtschaftliche Lage nicht dazu nutzen, einen Horrorkatalog aufzustellen.“ Hinnehmbar sei eine Lohnerhöhung, die nur die Inflation ausgleiche, inakzeptabel sei aber, Leistungen zu kĂŒrzen, sagt er.

Wie mĂŒssen die Arbeitnehmer in Verlagen heute die Lage sehen, wenn die Forderungen 2004 schon der „Horror“ waren? Als Super-Horror? Als Lohn-Gau?

Gerhard Vohs, Mannheimer ver.di-SektretĂ€r im Fachberich 8 (Medienbetrieben, Journalismus, Kulturellen Einrichtungen, Bildender und Darstellender Kunst, Literatur und Musik, Druckindustrie, Papier, Pappe und Kunststoffverarbeitenden Betrieben, Betrieben der industriellen Dienstleistung) bringt die Forderung auf den Punkt: „Finger weg vom Mantel“.

Heißt, keine KĂŒrzungen bei Urlaubsgeld – momentan erhalten Redakteure 14 MonatsgehĂ€lter bei einer 35-Stunden-Woche. „2007 und 2008 waren Spitzenjahre fĂŒr die Verlage, 2009 bis heute konnten die Zeitungen wohl nicht in gleichem Maße vom Aufschwung profitieren wie die erzeugende Industrie, aber immer noch wird gut verdient.“

Zweistellige Umsatzrenditen bei Verlagen

Wie gut, lĂ€sst sich nicht genau sagen, weil die Verlage sich nicht in die Karten schauen lassen. Mitte der Neunziger galten Umsatzrenditen von ĂŒber 20 Prozent noch fast als „normal“, mittlerweile mĂŒssen sich viele Verlag mit „nur noch“ zehn bis fĂŒnfzehn Prozent „zufrieden geben“.

Auch wenn das Produkt nicht vollwertig ist - der Abonnent zahlt trotzdem. Quelle: Impressum MM

Um die Gewinne hoch zu halten werden die Redaktionen immer mehr ausgedĂŒnnt – redaktionelle Inhalte werden mit Pressemitteilungen und Vereintexten gefĂŒllt. Freie Mitarbeiter fĂŒhlen die Zeilen fĂŒr einen Hungerlohn. Am ĂŒbelsten wird den meist freien Fotografen mitgespielt, die technisch immer auf der Höhe der Zeit sein mĂŒssen und nur noch Minimalsthonorare erhalten, wenn nicht freie Mitarbeiter ohne Fotografiekenntnisse die Bilder vor Ort gleich mitmachen.

Der dumme ist der Kunde

Laut Gerhard Vohs sind rund 80 Prozent der 80 Redakteure beim Mannheimer Morgen gestern und heute im Ausstand. Bei der Rhein-Neckar-Zeitung haben sich die Kollegen nicht angeschlossen, dort sei man „verunsichert“. Vohs sagt: „Die Stimmung ist fast ĂŒberall in Baden-WĂŒrttemberg so, dass wir vielleicht sogar eine ganze Woche in den Streik gehen könnten, das wird dann bitter, weil keine vorgefertigten Texte mehr da sind und nur noch echte Notausgaben erscheinen könnten.“

In den Zeitungen selbst wird kaum ĂŒber die Streik berichtet, die die eigene Branche betreffen.

Egal, wie die Verhandlungen ausgehen – die Abonnenten zahlen unabhĂ€ngig vom Produkt und den Inhalten den vollen Preis. Auch hier zeigen die Verleger sich knallhart. Wem das nicht gefĂ€llt, kann natĂŒrlich das Abo kĂŒndigen. Bei den Tarifverhandlungen haben dju und DJV meist klein beigegeben – zu groß ist der Druck im Arbeitsmarkt. Abo-KĂŒndigungen aber fĂŒrchten die Verleger, denn die Auflage diktiert immer noch die unverschĂ€mten Anzeigenpreise.

Ausgliedern als ultima ratio

Landauf- landab haben viele Verlage schon vorgemacht, wie sie damit umgehen, wenn die Gewerkschaften nicht spuren. Dann werden Redaktionen kurzerhand entlassen und neue GmbHs gegrĂŒndet, bei denen die Redakteure sich dann mit teil 40-prozentiger Einkommenseinbußen wieder verdingen können.

Wer nicht spurt, fliegt raus und kann sicher sein, nirgendwo anders einen Job zu erhalten – es sei denn, zu noch schlechteren Bedingungen.