Mittwoch, 20. September 2017

Gabis Kolumne

Im Buchungs-Dschungel

Rhein-Neckar, 15. April 2013. (red) Der Sommerurlaub ist bekanntlich f√ľr die Deutschen die sch√∂nste Zeit des Jahres. Doch zun√§chst muss die Reise gebucht werden. Und das ist bei der gro√üen Auswahl im Internet nicht immer ganz leicht. Gabi begab sich f√ľr uns in den Buchungs-Dschungel.
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Gabis Kolumne

Ein Pl√§doyer f√ľr das Buch – aus Papier

Ebooks mögen praktisch sein – machen sich aber nicht gut im Bücherregal, meint Gabi.

 

Rhein-Neckar, 22. Oktober 2012. Gabi möchte keine E-Books und keinen E-Book-Reader. Auch wenn die Vorteile überzeugend klingen, möchte sie sich das Buch nicht aus der Hand nehmen lassen, denn sie hat so ihre Gründe.

Ich gebe zu, dass ich mich manchmal gegen Neuerungen wehre, vor allem solche technischer Natur. Als mein Mann schon längst eine Digitalkamera hatte, habe ich noch brav Filme eingelegt und zum Entwickeln gebracht.

Ich gehörte nicht zu den ersten Handybesitzern und habe erst seit knapp einem Jahr ein Smartphone.

Habe ich mich zu den technischen Veränderungen – freiwillig oder auch liebevoll gezwungen – dann schließlich durchgerungen, nutze ich die Möglichkeiten begeistert. Und kann mir eine Leben ohne sie nicht mehr vorstellen.

Was mir aber nicht und NIEMALS ins Haus kommt, ist ein E-Book-Reader! Und dafür habe ich meine Gründe.

Fünf einleuchtende Vorteile und …

Gerade jetzt in der Zeit rund um die Buchmesse werden überall dessen Vorteile angepriesen.

Und sie scheinen auf den ersten Blick auch einleuchtend:

Vorteil 1: Endlose Lesestoffmengen, wenn man in den Urlaub fährt oder täglich mit dem Zug unterwegs ist. Das bedeutet, die Gefahr von Übergebäck beim Fliegen wird minimiert. Doch dann lass ich doch lieber ein paar Schuhe zu Hause und steck noch zwei Bücher in den Koffer.

Aber: Und wenn wir schon von Urlaub sprechen, wo lesen Sie Ihre Bücher? Also ich lese sie am Strand oder am Pool und da ist es bekanntlich sandig und feucht. Sand zwischen den Seiten oder auch ein Sonnenmilchfleck auf dem Umschlag stören mich nicht, da bekommt ein Buch Patina. Ein E-Book sieht das wohl anders.

Und apropos Sonne, es darf kein LED-Bildschirm sein, sonst sieht man bei Sonnenschein grad mal gar nix, das habe zumindest dieser Tage im Radio gehört.

Vorteil 2: Kein Mensch bekommt mit, was man liest.

Vor allem „heiße“ Literatur wie „Shades of Grey“ (meine Kolumne dazu ging wie geschnitten Brot und war zwei Wochen lang jeden Tag der bestgelesenste Artikel ūüėÄ ) sollen erst durch das E-Book erfolgreich geworden sein, da keiner sieht, was man liest, weder beim Kauf an der Kasse noch am Strand oder im Café – eine Portion Erotik quasi inkognito.

Aber: Doch auch dieses Argument verpufft bei mir, da ich keine Scheu habe, erotische Literatur zu kaufen und zu lesen – vor allen Augen.

Vorteil 3: E-Books sind günstiger, vor allem, wenn sie nicht mehr ganz aktuell sind. Viele Downloads gibt es auch kostenlos, darunter große Klassiker der Weltliteratur.

Aber genau die möchte ich nun mal im Regal stehen haben. Auch weils schön aussieht.

Vorteil 4: Man kann die Schriftgröße ändern und braucht demzufolge keine Lesebrille. Zugegeben, dieses Argument muss ich anerkennen. Ab einem bestimmten Alter schlägt die Weitsichtigkeit unweigerlich zu.

Aber da ich von Natur aus kurzsichtig bin, kann das noch eine Zeit dauern.

Vorteil 5: Die „Seiten“ eines E-Books vergilben nicht.

Das hat mich noch nie gestört. Denn schließlich sieht man auch uns das Alter an.

Was ich eindeutig anerkenne, ist der Vorteil der E-Books im Bereich der Sekundärliteratur. Das macht Sinn. Doch überzeugen konnte mich die Liste der Vorteile letztlich nicht, zumal mir auch eine ganz Reihe von Nachteilen einfallen:

… und vier überzeugende Nachteile

Nachteil 1: Ich lese gerne in der Badewanne – stundenlang. Wird mein Buch feucht, dann bekommt es Wellen, mehr passiert nicht. Und ich lese gerne abends im Bett. Kuschel mich mit Decke und Buch ein und finde das sehr gemütlich – ein elektronisches Gerät würde da nur stören.

Nachteil 2: Bin ich zum Beispiel mit dem Zug unterwegs und gerade an der spannendsten Stelle oder kurz vorm Ende geht mein Akku leer – gelitten, mehr lässt sich dazu nicht sagen.

Nachteil 3: Die Haptik und Ästhetik. Ich liebe es Bücher anzufassen, die Seiten umzublättern und mit den Fingern das Papier zu erspüren. Ich sehe gerne meinen Lesefortschritten anhand der wachsenden Seitenzahlen. Ich liebe Buchumschläge und Klappentexte und ich ordne gerne meine Bücher im Regal.

Nachteil 4: Ich verbringe gerne Zeit in Buchläden und Bibliotheken. Ich stöbere, blättere und lese an – und manchmal – psst – auch die letzte Seite. Der E-Book-Store im Internet ist dafür eindeutig kein Ersatz.

Bücher erzählen vom Leben

Bücher erzählen Geschichten, nicht nur in den Seiten, sondern auch durch die Seiten. Ich habe Romane – vor allem Liebesromane, da steht der Name meiner Großmutter drin. Und ich kann mir vorstellen, wie mein Großmutter an einer bestimmten Stelle geseufzt hat. Ich habe an meine Kinder Reclamhefte weiter gegeben, die ich schon von meinen Eltern „geerbt“ habe, in denen in Schönschrift der Mädchenname meiner Mutter geschrieben ist oder in denen mein Vater, die wichtigen Stellen unterstrichen hat.

Ich habe Bücher, da markieren Rotweinflecken die durchlesene Nacht und der Sand, der aus den Seiten rieselt, erinnert an einen vergangenen Urlaub. „In den alten Bilderbüchern meiner Tochter finde ich manchmal Krekskrümel oder Schokoladenflecken“, sagte mir kürzlich eine Freundin und wurde ganz melancholisch und ich weiß, was sie meint. Bücher erzählen vom Leben, auch vom eigenen.

Manche Bücher liest man mehrmals, das hinterlässt Spuren, nimmt man sie wieder in die Hand, kann man sich auf Spurensuche begeben. Probieren Sie das mal mit einem E-Book!

gabi

Gabis Kolumne

Vom Aussterben der Telefonzellen und der Parkuhren

√Ėffentlich Telefonieren heute - es gibt sie noch, die Telefonzelle. Aber selten in gutem Zustand.

Guten Tag!

Heddesheim, 09. Januar 2012. Vor kurzem hat Gabi einen Beitrag geh√∂rt √ľber Dinge, die quasi ausgestorben sind ‚Äď und dabei ging es nicht um Dinosaurier, sondern um die j√ľngste Vergangenheit, also um Sachen, die noch vor wenigen Jahren zum Alltag geh√∂rten. Gabi erinnert sich an Telefonzellen und Parkuhren.

Ich kann mich noch gut an den Geruch von Telefonzellen erinnern und vor allem den der Telefonh√∂rer. Der Geruch war eine Mixtur aus Mensch und Rauch. Wenn ich mich recht erinnere, gab es kleine Aschenbecher aus Metall, die aber nie genutzt wurden und √ľberall konnte man die Spuren der ausgedr√ľckten Zigaretten erkennen. Die Telefonb√ľcher waren meist zerfleddert und die Nummer, die man suchte, war meist in dem Teil, der ausgerissen war.

Systemfragen

Im Sommer war der Gestank und die Hitze in den Telefonzellen unerträglich und im Winter nicht viel besser, aber wenn man davorstand und in der Kälte darauf wartete, dass sie frei wurde, erschien der Innenraum durchaus verlockend.

Vor allem im Urlaub war die Telefonzelle meist die einzige M√∂glichkeit mit Zuhause zu telefonieren. In jedem Land musste man sich auf ein neues System einstellen, mal erst w√§hlen, dann zahlen, mal umgekehrt. In Italien funktionierte telefonieren zu Lire-Zeiten eigentlich nur mit „Gettoni“, die man irgendwo erwerben musste.¬† In England konnte man, wenn man schnell genug war, ein ‚ÄěGut angekommen‚Äú in den H√∂rer br√ľllen, bevor man die M√ľnzen einwerfen musste.

Und √ľberhaupt die M√ľnzen. Nie hatte man das richtige Kleingeld parat, entweder ‚Äď damals war telefonieren ja auch noch richtig teuer ‚Äď waren die Zehnpfennigst√ľcke in Nullkommanix weg oder aber man hatte eine Mark eingeworfen und der gew√ľnschte Gespr√§chspartner war nicht zu Hause und stattdessen telefonierte man mit dem Vater.

Neues Styling – alter Geruch

In meiner Erinnerung sind Telefonzellen immer noch Gelb, obwohl mit dem Wandel von der Deutschen Post AG zur Telekom irgendwann ein Umstyling in grau-pinkfarbene Häuschen erfolgte, mit schickeren Hörern und komfortabler Tastenwahl. Der Geruch blieb.

Es gibt sie auch heute noch, aber wenn ich ehrlich bin, ich wei√ü eigentlich nicht, wo hier im Ort die n√§chste Telefonzelle steht. Meist sind das nur noch Wandger√§te, die man inzwischen auch mit Geldkarten f√ľttern kann. Und auch heute sind sie selten in gutem Zustand. Ich glaube, die letzten zehn Jahre habe ich keine mehr benutzt und meine Kinder wie auch andere wahrscheinlich noch nie – die haben heute Handys.

Wirklich vermissen tue ich sie nicht, aber nat√ľrlich hatte sie auch ihre Vorz√ľge, so konnte man in der damals noch handylosen Zeit sagen: ‚ÄěIch h√§tte dich ja gerne angerufen, habe aber leider keine Telefonzelle gefunden‚Äú, und ein unangenehmes Gespr√§ch konnte man mit: ‚ÄěDu jetzt habe ich kein Kleingeld mehr‚Äú, problemlos abw√ľrgen.

√Ąhnlich wie die Telefonzellen verschwinden auch die Parkuhren immer mehr aus den Stra√üenbildern – und das ist optisch kein Verlust – beziehungsweise werden durch moderne Parkautomaten ersetzt.

Die Einf√ľhrung des Euros war der Anfang vom Ende

Als der Parkraum immer knapper wurde, f√ľhrte man in den 50er Jahren die ‚ÄěParkographen‚Äú ‚Äď eine amerikanische Erfindung ‚Äď ein. Die Einf√ľhrung des Euros 2002 war quasi der Anfang vom Ende, denn eine Umr√ľstung auf neue M√ľnzen w√§re f√ľr die Kommunen zu teuer geworden. So begann der Siegeszug der Parkautomaten und wo man fr√ľher pro Parkplatz eine Parkuhr brauchte, reicht heute ein Automat f√ľr viele.

Auch bei den Parkuhren fehlte mir st√§ndig das passende Kleingeld. Und oft konnte man nur f√ľr eine halbe Stunde M√ľnzen einwerfen, so dass man st√§ndig wieder hinrennen und nachwerfen musste. Erfreulicherweise waren Parkuhren oft kaputt und mussten dann nicht bef√ľttert werden.

Bedauere ich das ‚ÄěAussterben‚Äú von Telefonzellen und Parkuhren? Nicht wirklich, ich √ľberlasse es nostalgischen Sammlern, sich Telefonzellen oder Parkuhren in den Garten zu stellen.

Ich freue mich, dass ich ein Handy habe und keine √∂ffentlichen Telefonierm√∂glichkeiten mehr suchen muss, finde es praktisch, dass man Parkscheine auch (meist) f√ľr l√§nger als eine halbe Stunde l√∂sen kann, vermisse weder Euroschecks noch √úberweisungsformulare, genie√üe also insgesamt die kleinen Erleichterungen im Alltag. Denn letztlich fahren wir auch nicht mehr mit der Postkutsche und Kerzenlicht. Das ist romantischen Stunden im Urlaub vorbehalten.

gabi

Gabis Kolumne

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub oder wie kann man Urlaubsgef√ľhle konservieren

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 12. September 2011. Gabi ist wieder vom Urlaub zur√ľck und versucht mit konservierten Erinnerungen der Post-Urlaubs-Depression entgegenzuwirken. Oder sollte man doch gleich den n√§chsten Urlaub buchen?

Die Farben des S√ľdens.

Der Himmel ist grau – und die Landschaft und die Stimmung auch. Back in Germany. So ging es mir zumindest – und wahrscheinlich Millionen von Deutschen in den vergangenen Wochen auch- als wir nach einem Urlaub im sonnigen S√ľden den Frankfurter Flughafen anflogen.

Jetzt nur keine Post-Urlaubs-Depression bekommen, ist leichter gesagt als getan. Vor 24 Stunden hatte ich noch im azurblauen Meer bei angenehmen 30 Grad geplanscht und dann empfing mich Nieselregen √ľber der Rhein-Ebene. Willkommen zur√ľck, kann man da nur sagen.

Die widrigen Umst√§nde der R√ľckkehr verst√§rkten sich dramatisch dadurch, dass es Sonntag war und der K√ľhlschrank dementsprechend g√§hnend leer und anstelle einer mediterranen K√∂stlichkeit gab es T√ľtensuppe. Nix mit Urlaub ausklingen lassen, ab in den Keller und W√§sche waschen, denn am n√§chsten Tag war schlie√ülich Montag und wieder mein erster Arbeitstag.

In mein B√ľro zur√ľckgekehrt, erwarteten mich nicht nur die lieben Kollegen, „Na, es wird ja mal Zeit, dass du auch wieder arbeitest“, nein auch 367 Emails und ein riesiger Poststapel. Willkommen zur√ľck.

Nach der Arbeit: Gro√üeinkauf, W√§sche waschen, kochen, W√§sche aufh√§ngen, K√ľche aufr√§umen, W√§sche abh√§ngen, die private Post sichten, W√§sche zusammenlegen √Ę‚ā¨¬¶ Sie wissen wie‚Äôs weitergeht.

„Schatz, du wirkst so gestresst“

„Schatz, du wirkst so gestresst“, merkte mein Mann an, „dabei hatten wir doch gerade Urlaub“. Klar, dachte ich missmutig, du musst dich ja auch nur um deinen Job k√ľmmern. Eine Bemerkung verkniff ich mir aber, wollte ich doch nicht das zarte Pfl√§nzchen der Urlaubsharmonie zerst√∂ren.

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In diesem Jahr hatte ich mir ganz bewusst vorgenommen, die Urlaubsgef√ľhle zu konservieren: Wenn sich der warme Sand durch die Zehen schiebt, wie Salz auf der Haut schmeckt, wie der S√ľden riecht. Und vor allem die Farben: Das kr√§ftige Blau des Himmels, das T√ľrkis des Meeres, das knallige Pink der Bouganivillenb√§ume. Der Geruch von Meer, das Zirpen der Zikaden, die Melodie der Wellen und das s√ľ√üe Gef√ľhl des Nichtstuns, wenn man mit einem Buch auf einer Liege am Pool liegt und die einzige Aufgabe darin besteht, die Haut regelm√§√üig mit Sonnencreme zu versorgen. Die Freude kleine Bergd√∂rfer zu entdecken, durch enge verwinkelte Gassen zu laufen und am Hafen entlang zu schlendern.

Dies alles soll mich nun hin√ľber retten √ľber die grauen Tage, die kommen werden. Es werden wieder Zeiten kommen, wenn man gar nicht wei√ü, was man noch anziehen soll, damit es einem warm wird. Und auch f√ľr den Stress im Job und zuhause mit Haushalt und Kindern braucht man ein warmes Fell. Dann m√∂chte ich meine Erinnerungen auspacken wie kleine Geschenke, an denen ich mich erfreue.

Ich wei√ü nicht, ob es mir diesmal gelingen wird, aber sp√§testens im n√§chsten Fr√ľhjahr wird mich die Aussicht auf den n√§chsten Urlaub wieder in freudige Erwartung stimmen. Und ich werde wieder Reisef√ľhrer und Karten studieren, auch wenn meine Familie dann m√ľde l√§chelt. Nach dem Motto jetzt ist sie wieder soweit, jetzt geht die Planung von vorne los. Denn nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub – also durchhalten und die Erinnerungen genie√üen.

gabi

Mariettas Kolumne: Der Stolz auf die Schlange ist die Verachtung des Kunden – Urlaub geht anders


Heute keine Schlange und keine 30 Minuten warten.

Von Marietta Herzberger

Wenn der Mensch viel arbeitet, braucht er ab und an ein wenig Urlaub. Die einen zieht es ins K√ľhle, die anderen an Palmenstr√§nde. Meine Freundin Susanne und ich geh√∂ren zu den anderen. Spontan entschlossen wir uns zu einem Pauschalurlaub in Zentraltunesien, in der N√§he von Monastir.

Von der Sahara…

Faszinierende W√ľste! Respekteinfl√∂√üend und fesselnd. Der n√∂tige Ausgleich f√ľr viele Monate harter Arbeit und Strapazen.
Das Hotel Karawansarei in Douz, am Rande der Sahara, war unser Quartier f√ľr eine Nacht innerhalb eines Touristen-Pauschal-Ausflugspaketes. Das Etablissement wirkte von Au√üen eher wie eine Festung und machte seinem Namen alle Ehre. Am n√§chsten Morgen wurden wir dann bereits kurz vor 5 Uhr geweckt, um rechtzeitig am Rande der Sahara einzutreffen, wo uns ein Kamelritt √ľber Sandd√ľnen in den Sonnenaufgang erwartete. Hierzu wurden wir mit unserem Bus direkt bis an die Beduinenzelte gefahren, um ja nicht zu viel Romantik aufkommen zu lassen.

Nun denn: Rauf auf die Kamele und ab in die W√ľste. Unbeschreiblich, welche Ruhe dieses weite Land fernab jeglicher Zivilisation ausstrahlt. Die beeindruckende Weite des Landes, der feine Sand, die Beduinen, die sich am Lagerfeuer vor ihren Zelten w√§rmten, dies alles √ľbte eine unglaubliche Faszination auf uns aus. Daran √§nderte auch die Tatsache nicht viel, dass wir diese Idylle mit ca. 80 weiteren Touristen teilen mussten.

Ein kurzweiliger, kaum vierst√ľndiger Ritt auf den gutm√ľtigen W√ľstenschiffen bei mittlerweise gef√ľhlten 40 Grad im Schatten brachte uns schlie√ülich an einen Kiosk.

Sieht so eine Oase aus?

Ein Kiosk? Mitten in der W√ľste? Ja, ein Kiosk mitten in der W√ľste! Egal! Wir alle d√ľrsteten nach Wasser und einem St√ľckchen Brot. Der Kamelf√ľhrer hob die Hand und rief etwas unverst√§ndliches, woraufhin alle Kamele pl√∂tzlich stehenblieben, sich erst nach vorne absenkten, um dann das Hinterteil ebenfalls zu Boden gleiten zu lassen. Susanne kippte fast vorn√ľber, blieb jedoch zum Gl√ľck mit ihrer G√ľrtelschnalle am Sattelknauf h√§ngen.

Kaum waren alle abgestiegen, gab uns der nette Beduine zu verstehen, dass wir uns hintereinander aufstellen sollten, um dem begehrten Nass inmitten der W√ľste baldig habhaft zu werden. Also standen wir in der Schlange. Wir f√ľhlten uns wie zu Hause. Es war noch keine halbe Stunde vergangen, da vernahmen wir von weit vorne einen Ruf.

„Seht!“, rief ein verdurstender Mitreisender begl√ľckt, „Seht nur!“ Mit ausgestrecktem Arm deutete er auf ein aufgestelltes Schild mit der Aufschrift:

…in die Dienstleistungsw√ľste

„TRINKEN!“, jubilierten wir und erhoben die H√§nde, „ESSEN!“, und etwas ungl√§ubig, „Badeartikel?“
In diesem Moment brach eine etwas f√ľlligere Frau vor uns in Tr√§nen aus. „Ein Pool! Ein POOL!“
Tats√§chlich! Kurz nach dem kleinen, wei√üen, in der Ferne kaum erkennbaren Geb√§ude, dem „Schwimmbad-Shop“, leuchtete etwas Blaues. Die Verlockung zeriss mich fast. Susanne heulte „Was sollen wir tun?“
„Warten!“, kr√§chzte ich selbstbeherrscht.

Die gesichtslose Masse am Anfang der Schlange konnte jedoch nicht an sich halten – zu nah war das erfrischende, k√ľhle Blau des Wassers. Kurzerhand √ľberw√§ltigten einige von ihnen den Kamelf√ľhrer, der erfolglos versuchte, den Mob in der Schlange zu halten.
„Wollen wir auch in den Pool?“, hauchte Susanne zwischen vertrockneten Lippen hervor.

„Nein“, st√∂hnte ich, w√§hrend ich mir die letzten Schwei√ütropfen von den Armen leckte. Eines stand f√ľr mich fest: Egal wie lang diese Schlange sein mochte, ich w√ľrde aushalten. TRINKEN! ESSEN! Das Kiosk – so weit es auch sein mochte – verk√∂rperte f√ľr mich die Oase schlechthin. Ich w√ľrde warten. Warten w√ľrde ich. Jawoll!

Nach zwei Stunden brach die dicke Frau vor mir zusammen. Ein mitleidiger Mitreisender trat k√ľhn aus seiner gesicherten Position und zog die Gl√ľckliche bis an den Pool. Dann st√ľrzte er wieder in die Schlange zur√ľck. Er musste sich hinten anstellen. Wir hatten eine undurchdringbare Kette gebildet. TRINKEN! ESSEN!

Langsam, sehr langsam ging es vorw√§rts. Die glei√üende Sonne lie√ü uns taumeln; an unseren F√ľ√üen rasselten die Ketten, die bei jedem Schritt den Sand der W√ľste aufwirbelten.

Da! Ein Aufschrei! Gequ√§lt blickten wir nach vorne. Von dort kam der Schrei. Vom Ort der Erl√∂sung. Dann noch ein Schrei. Und noch einer. Viele Schreie. Nein, eher Gebr√ľll. W√ľtendes, verzweifeltes Gebr√ľll einer w√ľtenden, verzweifelnden Herde. Nerv√∂s versuchten wir, einen Blick ins Get√ľmmel zu erhaschen. Mit einem Male st√ľrzten alle nach vorne. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass manche versuchten, den Kamelf√ľhrer im Pool zu ers√§ufen. Schlie√ülich l√∂ste sich die Schlange g√§nzlich auf.

Willkommen beim Schwimmbad-Shop in Viernheim.

Eben noch das letzte Glied, standen wir nun direkt vor dem „Schwimmbad-Shop“. Der letzte Schwei√ütropfen verdampfte zischend in der Luft als wir das lieblos aufgestellte Informationsschild vor den heruntergelassenen Rollladen entzifferten:

„Nur bei sch√∂nem Wetter ge√∂ffnet. Sch√∂nes Wetter ab 60 Grad.“

Entgeistert starrten wir uns an. Dann st√ľrzten wir in den Pool und halfen, den Kamelf√ľhrer zu ertr√§nken!

„MAMAA!“
Verbl√ľfft l√∂ste ich meine verkrampften Finger aus dem schwarzen Schopf des Beduinen.
„Maaaamaaa! Aufwachen!“

Etwas K√ľhles tropfte zwischen meine Schulterbl√§tter. Langsam √∂ffnete ich die Augen. Es dauerte nur Bruchteile einer Sekunde, bis ich erkannte, wo ich mich befand. Der vertraute Wildwuchs rund um das ehemalige Kinderbecken des Viernheimer Waldschwimmbades ist nicht gerade eine Augenweide, √ľberzeugte mich jedoch glaubhaft, nicht in der W√ľste verdurstet zu sein.

„Ich hab Hunger“, maulte Ella, meine Tochter, „Darf ich mir ein Fleischk√§sebr√∂tchen holen?“

„TRINKEN! ESSEN!“, fl√ľsterte ich.
„H√§?“
„Hat das Kiosk denn auf?“, fragte ich nicht grundlos. Gerade eben entdeckte ich eine Wolke am Himmel.

Shopping-Erlebnis.

Denn man muss wissen:
Der „Schwimmbad-Shop“ im Viernheimer Waldschwimmbad hat nur bei sch√∂nem Wetter in Verbindung mit einer gewissen Anzahl an Schwimmbadbesuchern – welche Anzahl das ist, mag nur dem Kiosk-P√§chter bekannt sein – ge√∂ffnet. Ist es ge√∂ffnet, dann ist es in der Regel br√ľllend hei√ü und das Schwimmbad brechend voll. Was den P√§chter aber noch lange nicht dazu veranlasst, das zweite Fenster des Kiosk√ā¬ī zu √∂ffnen um dort dann evtl. Getr√§nke zu verkaufen. Nein, ein Fenster muss reichen f√ľr Essen und Getr√§nke mit einer Ein-Frau-Besetzung und einigen „Zubereitern“ im Hintergrund.

Stolz auf die Schlange?

Trotz allem scheint der P√§chter sehr gewissenhaft zu sein. An schlechten Tagen, so erz√§hlt man sich – wobei „schlecht“ durchaus individuell und gef√ľhlt sein kann – sucht er mehrmals die unmittelbare N√§he seines Kiosk auf, schaut gen Himmel, entdeckt eine Wolke, z√§hlt die Badeg√§ste ab und geht wieder.

Sollte der Himmel aufreißen und Scharen Einlass begehren, so öffnet er seine kulinarischen Pforten und bietet Fleischkäsebrötchen, Pommes und Currywurst gegen wenig Geld. Soweit, so löblich. Die Schlange nimmt er offenbar stolz zur Kenntnis, zeigt sie doch auf, wie begehrt sein Angebot ist.

Hastig wirft er Stuhl und Tisch vor die gitternen Tore des Bades, so dass jeder hungrige Platz nehmen kann. Diese herzlich lieblos gestaltete Umgebung verleitet so manch hungriges Geschöpf, die ergatterte Mahlzeit direkt auf der Liegewiese zu sich zu nehmen. Verständlich.

Wer sitzt schon gerne an hei√üen Tagen auf hei√üem Plastik direkt vor Gitterst√§ben in unmittelbarer N√§he zur Stra√üe, zu Toiletten – auch wenn es praktisch erscheinen mag, so harmonieren die gelegentlich her√ľberwehenden D√ľfte nicht wirklich mit dem Aroma von Pommes – und mit Blick auf eingez√§unten Wildwuchs?

Gem√ľtlich geht anders.

Nun, es ist vielleicht nicht nur mir ein seit Jahren existierendes Rätsel, welches wohl nie gelöst werden wird, warum die Pächter des Viernheimer Schwimmbad-Shops offenbar selbst kein Interesse an einem florienden Kiosk aufbringen wollen oder können. Verzeihen Sie mir meine offenen Worte. Niemand kann hinter die Kulissen schauen und ehrlich gesagt, möchte und muss ich das auch nicht.

Dass es auch anders geht, beweisen das Kiosk des Weinheimer Sees oder insbesondere die Gastronomie im Heddesheimer Schwimmbad. Wie sagte ein Freund neulich? „Horche mol. Kummt mol mit ins Heddesheimer Freibad. Do hoggscht wie in die Karibik uff Longschmebel mit de Fie√ü im Sond.“ Ja, denke ich mir, leider gibt es dort aber kein F√ľnzig-Meter-Becken wie im Viernheimer Waldschwimmbad.

Potential ist da – auch um die Ecke.

Potential w√§re da. Totes Kapital liegt gen√ľgend herum, √§hnlich wie die heruntergefallenen Pommes vor dem Ausgabestand, die man sich umst√§ndlich aus den Zehen pulen muss, wenn man auch nur am Kiosk vorbeil√§uft – bei sch√∂nem Wetter wohlgemerkt.

Vor kurzem war sch√∂nes Wetter. Es war warm. Nicht hei√ü, aber warm. Ein paar Wolken zogen √ľber den Himmel. Zusammen mit ein paar M√§dchen im Alter meiner Tochter schwammen wir ein paar Runden. Dann hatten die M√§dchen Hunger. Der Kiosk war geschlossen, wie so oft. Wenn Sie jetzt sagen, dann soll sich die Frau doch etwas mitnehmen, haben Sie recht.

Aber ist das im Sinne des P√§chters? K√∂nnte nicht wenigstens die Grundversorgung – eventuell in Form von Brezeln – gesichert sein? Das w√§re doch mal ein Anfang. Wir meinen es nicht b√∂se. Wir wollen doch nur ein bisschen Verl√§sslichkeit, gesicherte √Ėffnungszeiten, nett sitzen und die leckeren Fleischk√§sebr√∂tchen.

Nun, das „Maximum“ direkt neben dem Schwimmbad ist fu√ül√§ufig in 35 Sekunden zu erreichen. Dort warte ich ca. f√ľnf Minuten in angenehmer Atmosph√§re auf eine Pizza- bekomme noch einen Espresso umsonst, weil ich mich jedes Mal √ľber die „Servicew√ľste Viernheimer Waldschwimmbad-Kiosk“ √§rgere – und bin nach ungef√§hr 8 Minuten – die Zeit der Bestellaufnahme und Bezahlung mit eingerechnet – wieder auf dem Handtuch bei meinen M√§dels.

Da habe ich obendrein auch noch ca. 20 Minuten gespart. Warum? So muss niemand von uns 30 Minuten in der Schlange stehen und im g√ľnstigsten Fall f√ľr vier M√§dchen je ein Fleischk√§sebr√∂tchen erstehen. F√ľr Kaffee oder eine „T√ľte S√ľ√ües“ steht man genauso lange. Vorausgesetzt, es ist ge√∂ffnet.

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen √ľber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos √ľberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer k√§mpft, kann verlieren. Wer nicht k√§mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir w√ľnschen unseren Lesern viel Lesespa√ü mit ihren Texten!

„Und das Licht! So gem√ľtlich!“ – bei freiem Eintritt


Rhein-Neckar, 09. Mai 2011 (red) Marietta berichtet aus ihrem bewegten Alltag. Ihre Geschichten kosten keinen Eintritt und sind mitten aus dem Leben – manchmal geht die Phantasie mit ihr durch, aber viellicht auch nur wegen der Realit√§t. Doch was ist real, was phantastisch? Bei Marietta mischen sich die Sph√§ren. Im Mittelpunkt steht der Mensch und der ist immer √ľberraschend. Vor allem die eigenen Eltern. Und vor allem dann, wenn F√§sbuk auf Schwarzwald und Urlaubstr√§ume trifft.

Von Marietta Herzberger

Es ist unvermeidlich. Drei- bis viermal im Jahr hat irgendeiner im ersten bis zweiten Verwandtschaftsgrad Geburtstag und man findet sich ein. Die Lokalität wechselt dabei ständig. Mal ist es die Wohnung meiner Eltern, mal unsere, mal der Balkon meiner Eltern oder unsere Terrasse.

Gelegentlich darf es auch mal ein Restaurant sein. Das kommt bei meinen Eltern aber nur in Frage, wenn das Restaurant bekannt, der Koch gut und ebenfalls bei meinem Vater bekannt ist. Die Hauptkriterien sind grunds√§tzlich und in jedem Fall der Preis, N√§he der Gastst√§tte sowie Gr√∂√üe und Konsistenz der Schnitzel und des Kochs. Bevorzugt sind Kegelbahnen mit Anschluss an die Gastronomie und Sch√ľtzenvereine.

Wie bei de Gerda.

„Des schmeckt do fascht so gud wie bei de Gerda, sach ich. Un koschte duts beinoh nix. Do geh mer gern hi, gell Gerda!“, pflegt Hannes zu loben, wenn es geschmeckt hat, reichlich und g√ľnstig war.

Das Schicksal legte meinen diesj√§hrigen Geburtstag auf einen Dienstag. Ich mag Dienstage. Nur nicht an meinem Wiegenfeste. Die obligatorische Einfindung meiner Eltern fand auf unserer Terrasse statt. Nachdem ich morgens meine Kollegen bereits mit reichlich Kuchen und Geb√§ck begl√ľcken durfte – selbstgekauft versteht sich, denn von einer perfekten Hausfrau bin ich ungef√§hr so weit weg wie Papua Neuguinea von Toiletten mit flie√üend Wasser – schnitt ich am Nachmittag den in der Vorwoche gekauften und frisch aufgetauten K√§sekuchen an.

Bitte glauben Sie nun nicht, meine Eltern w√§ren mir auch nur im Ansatz zuwider. Nein, im Gegenteil. Ich liebe sie, wie eine Tochter ihre Eltern nur lieben kann. Mit all ihren kleinen Fehlern und liebenswerten Macken, welche im Alter bisweilen zutage treten. Ich trenne sie nur strikt von meinem Freundeskreis, der an meinen Geburtstagen zu einem anderen Zeitpunkt geladen wird. Aus Kostengr√ľnden und um unertr√§gliche Gespr√§chsspitzen zu vermeiden.

Es klingelt. Der Hund √∂ffnet die T√ľr. Das Kind st√ľrzt hinterher. Mein Mann br√ľllt: „Deine Eltern sind da!“

Schnell lege ich noch Servietten neben die Teller und bearbeite den K√§sekuchen leicht mit den F√§usten. Wirkt authentischer. Dann haste ich ebenfalls zur T√ľr. Es ist ein heiteres Willkommen. K√ľsschen links, K√ľsschen rechts. Die stets selbstlose Ella will wissen, ob Opa auch ihr Geschenke mitgebracht hat, w√§hrend der Hund an Oma Gerda hochspringt und versucht sie abzulecken.

„Der Kuche iss awer gud.“

Mein Mann hilft seinem Schwiegervater Hannes aus der Jacke. Bei Gerda hat das der Hund schon erledigt. Ella versucht ihre Oma in ihr Zimmer zu ziehen, um ihr die neue Bettw√§sche zu zeigen. Das Ganze spielt sich auf ungef√§hr 1,5 qm Flur ab. Schlie√ülich hat jeder sein K√ľsschen auf der Wange, die Jacke an der Garderobe, Geburtstagsw√ľnsche an mich √ľbermittelt und mir das j√§hrliche Geldgeschenk nebst S√∂hnlein Brillant √ľberreicht.

Ella ist sauer, weil keiner ihre Bettw√§sche bewundern will. Ich seufze. Auch das geht vor√ľber und wir an den Tisch.

„Der Kuche iss awer gud“, lobt mich Papa, „Hoscht den selwer gebagge?“

Mein Mann springt f√ľr mich in die Bresche: „Schmeckt der wie gekauft, Hannes?“
„Ah n√§√§, isch froog jo nur.“

„Noch Kaffee?“

„Noch Kaffee?“, l√§chele ich meine Mutter an.

„Nee Kind“, winkt sie ab, „du wei√üt doch, so sp√§t am Nachmittag√Ę‚ā¨¬¶dann schlaf ich wieder nicht.“

„Die vertr√§gt des nimmer, die Gerda. So iss des hald, wemmer ald werd“, sinniert Hannes.

Gerda nickt bedeutungsschwer: „Na ja, man muss schon auf die Ern√§hrung achten. Auch wenn man nicht wei√ü, wie lange man noch lebt√Ę‚ā¨¬¶“

Gro√ües Kino: „Wie war denn euer Urlaub?“

Meine Tochter Ella verdreht die Augen und kaut Käsekuchen.

„Wie war denn euer Urlaub?“, wechselt mein Mann galant das Thema.

Ich habe einen guten Ehemann. Er ersp√ľrt negative Schwingungen sofort und steuert dagegen. Anders als ich. Ich steuere immer direkt drauf zu. Wir erg√§nzen uns. Aber ich schweife ab√Ę‚ā¨¬¶

Der Blick, das Licht - 20 Jahre. Urlaub ist was sch√∂nes. Jeder hat eine andere Vorstellung davon. Marietta zahlt f√ľr die Extra-Vorstellung noch nicht mal Eintritt. Bild: wikipedia/Arminia

Leider ist Gegensteuern auch nicht immer die beste Wahl. Unwissentlich gibt er damit den Startschuss f√ľr Hannes gef√ľrchtete Monologe.

„Mama?“, mein cleveres Kind erkennt die Situation pfeilschnell und versuchte, sich zu retten, „Darf ich raus, spielen gehen? Ich bin satt.“

„Klar“, sage ich neidvoll und entlasse sie mit einem huldvollen Wink in die Freiheit.

„Also des h√§dds bei uns frieher net gewwe“, entr√ľstet sich Hannes mit erhobenem Zeigefinger, „Mir h√§wwe am Tisch sitze bleiwe misse, bis√Ę‚ā¨¬¶“

„Wo wart ihr in Urlaub?“ Mein Mann beugt sich nach vorne und schaut meinen Vater interessiert an. Wie macht er das nur? Ich lehne mich zur√ľck, schaue alles andere als interessiert und atme tief.

„Ja, wo war mer in Urlaub?!“, kl√§fft mein Vater ungl√§ubig, „Do wo mer immer sin. Seid zwonzisch Johr jetz schun.“

Bes√§nftigend schiebt sich meine Mutter dazwischen: „Ach Hannes, lass doch“, und zu uns gewandt, „Beim H√§userwirt im Schwarzwald. Ihr wisst doch, der mit nur einer Ferienwohnung.“

Wir nicken eifrig und haben nicht den Hauch einer Ahnung.

Hannes haut begeistert mit der Hand auf den Tisch: „Also des iss √§ suber Wohnung!“ Kurze Pause. „Awwer pass uff! Die derfter net in F√§sbuk oder im Innerned oder so zeige, gell! Sunschd griehe mer die vielleicht nimmer, wenn die donn jeder will!“ Wieder eine kurze, dieses Mal jedoch mahnende Pause. Das Gewicht der Worte soll sich setzen.

„Die hot alles, die Wohnung√Ę‚ā¨¬¶√É‚Äě Kisch mit Gscherrspielmaschien unn e riese Schlofzimmer mit √§m riese Bett. „Jo, allerdings…“, Hannes schaut meinen Mann taxierend an, „fer disch kenns e bissl eng werre, so um do so uff die Seit ons Bett zu kumme mit deiner Gree√ü und deiner Breit√Ę‚ā¨¬¶“.

„Wie? Ich bin doch noch gar nicht breit!?“ Mein Mann ist sichtlich belustigt. Ich bin peinlich ber√ľhrt und r√ľhre meinen Kaffee um. Das mache ich bereits seit Beginn des Gespr√§chs.

„Ja n√§, ich m√§hn doch so vom Zugang zum Bett her und so. Isse bissl eng, aber mir reicht des.“

„Achso√Ę‚ā¨¬¶“, allgemeines Nicken. Nur nicht n√§her drauf eingehen.

Er f√§hrt fort mit seiner Lobeshymne: „Ach, un des Wohnzimmer. So √§ gro√ües Wohnzimmer. Net altmodisch. Eher√Ę‚ā¨¬¶modern. Un √§ Leddersofa, eschd Kunschtledder. So √§ gro√ües Ums-Eck-Sofa. Do hoscht viel Blatz unn√Ę‚ā¨¬¶“

„Ach und das Licht“, mischt sich schw√§rmend meine Mutter ein, „Wenn man da das Licht anmacht, das ist ja so gem√ľtlich, so gem√ľtlich. Da kann man abends sitzen √Ę‚ā¨¬¶ach, so gem√ľtlich.“

Suttereng

Hannes pflichtet ihr begeistert bei: „Die Terrass! Die Terass. So schee. Wonn du do drausse hogscht√Ę‚ā¨¬¶“

„Ja, so gem√ľtlich! Und das Licht!“ Mutters Augen gl√§nzen.

„M√∂chte jemand ein Bier?“, fragt mein Mann. Ich nicke benommen. Eigentlich trinke ich kein Bier. Aber die Kaffetasse ist leer und Bier ist besser als gar kein Alkohol.

„Des iss so schee, wonn du do hoggscht. Okay, die Aussicht iss net so toll, weil do de Parkplatz direkt vor de Terass iss√ā¬ł aber√Ę‚ā¨¬¶“

„√Ę‚ā¨¬¶das Licht. So gem√ľtlich“, erg√§nzt Mama.

Prost, ein Bier aufs Licht!

Hannes nippt am seinem Bier: “ Also√Ę‚ā¨¬¶die Wohnung√Ę‚ā¨¬¶so was Guudes.“

„Und das Licht!“

„In de Kisch steht√ā¬īn riese Tisch. Do konscht dro sitze.“ Hannes wackelt leicht mit dem Kopf: „Un die Leit, die am Fenschder vorbei laafe, die stere net.“
Gerda nickt zustimmend.

„Wisster, die Wohnung liegt im Suttereng, do kenne die Leit net so nei gucke, wonn se vorbei laafe. Auch net ins Schlofzimmer. Awwer mer sinn jo Friehuffsteher!“
Fr√ľhaufsteher? Was? Habe ich etwas verpasst? Kurz eingenickt?

„Wieso Fr√ľhaufsteher?“, frage ich perplex.

Vom Vogel, vom Fr√ľhaufsteher und Brieftr√§ger.

„Ah, weil uns donn de Brieftr√§ger net steert.“

Nun ist auch mein weiser, stets jeder Situation gewachsener Mann irritiert: „Brieftr√§ger?“

„Ei jo, weil doch die Briefk√§schde direkt am Schlofzimmer sin, so vun ausse, verschdehscht?“

Gerda l√§chelt erhaben: „Ja, wenn der Brieftr√§ger morgens um sechs Uhr die Briefe einwirft, dann sind wir ja schon lange wach.“

„De friehe Vogel,√Ę‚ā¨¬¶kennt er doch, des Sprichword, gell?“

M√ľde l√§chle ich meinen Vater an. Was will ich eigentlich? Andere zahlen f√ľr so was Eintritt.

„Und das Licht! So gem√ľtlich!“

„Gerda, mir packens. Danke fer den leckere Kuche und des Bier“, sagt mein Vater und dr√§ngt seine Frau. Ella zeigt ihr noch schnell die Bettw√§sche, mein Mann r√§umt auf.

„Un ja ned ins F√§sbuk stelle, sonschd gibt’s √É‚Äěrscher“, sagt mein Vater noch. „Nein, Papa, bestimmt nicht.“

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen √ľber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos √ľberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer k√§mpft, kann verlieren. Wer nicht k√§mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir w√ľnschen unseren Lesern viel Lesespa√ü mit ihren Texten!

Gabis Kolumne

Wie Wohlf√ľhlen und Lust zusammenpassen

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Guten Tag

Heddesheim, 20. September 2010. Unsere Kolumnistin Gabi ist aus dem Urlaub zur√ľck und schreibt √ľber die zweitsch√∂nste Sache der Welt: Essen. Und dar√ľber, wie Lust und Wohlf√ľhlen zusammen.

Wo haben Sie Ihren Urlaub verbracht? In Italien, Spanien oder in der T√ľrkei? Haben Sie Ihre Pasta und Pizza, ihre Tapas und Mezze genossen? Oder haben Sie dabei Kalorien gez√§hlt und sich √ľber die mehrfach unges√§ttigten Fetts√§uren des Oliven√∂ls den Kopf zerbrochen?

Ich kann nur sagen, ich habe jede Nudel geliebt, die Pizza mit Leidenschaft verspeist und die in √Ėl gebratenen Zucchinis und Auberginen haben mich zutiefst begl√ľckt.

Was angeblich alles ungesund ist.

Wer kennt sie nicht die Schlagzeilen, die uns immer wieder erschrecken und uns das Vergn√ľgen am Essen so richtig verderben: Essen nach 18 Uhr ist ungesund und macht dick, Eier sind eine Cholesterinfalle, H√ľhnerbr√ľste sind mit Hormonen angereichert, Schweinefleisch ist sowieso ungesund, im Rindfleisch lauert BSE, in Fisch Schwermetalle und in Nudeln die dick machenden Kohlenhydrate..

Was bleibt ist Rohkost, die wiederum ihre Vitamine nur mit Fett entfaltet. Dann w√§ren wir wieder bei dem leidigen Thema Fette. Die gute Butter ist schon lange auf der Abschussliste, also nahmen wir Oliven√∂l, aber auch das ist in Verruf gekommen und jetzt hei√üt es. Raps√∂l sei das ges√ľndeste.

Vor nicht allzu langer Zeit waren f√ľnf kleinere Mahlzeiten am Tag angesagt, doch die neueste Erkenntnis lautet, h√∂chstens alle vier Stunden soll man eine Mahlzeit zu sich nehmen, damit sich der Blutzuckerspiegel wieder abbauen kann.

Eigentlich esse ich richtig gerne, ich liebe Pasta, Fleisch und Saucen Рalles ein No-Go, wenn man gesund und kalorienbewusst leben möchte.

Was f√ľr‚Äôs Essen gilt, gilt nat√ľrlich auch f√ľr alles Fl√ľssige. Nicht mehr als zwei bis drei Tassen Kaffee t√§glich, am besten nicht nach 15 Uhr und dazu reichlich viel Mineralwasser, denn der deutschen liebster Muntermacher entziehe dem K√∂rper Fl√ľssigkeit.

Studien √ľber Studien.

„Gott sei dank gibt es neue Erkenntnisse“, erz√§hlte mir eine Freundin ganz erleichtert. Denn Kaffee ist viel besser als sein Ruf, auch 5 bis 7 Tassen t√§glich seien nicht sch√§dlich, ganz im Gegenteil, so meine Freundin, habe man festgestellt, dass Kaffeetrinker seltener an Krebs erkranken. Ob das wirklich so ist, kann ich Ihnen nicht sagen, aber so schmeckt auch die 8. Tasse gleich noch mal besser.

Ein weiteres Streitthema ist seit Jahren der t√§gliche Genuss von Alkohol. So las ich k√ľrzlich: „Im Rotwein enthaltene Polyphenole wirken entz√ľndungshemmend und beugen Krebs und Herzerkrankungen vor.“ Na, prima, dann kann das t√§gliche Viertele ja kaum schaden. Suchtexperten dagegen warnen davor, denn das regelm√§√üiges Trinken und sei‚Äôs auch nur ein Glas, f√ľhre zur Abh√§ngigkeit.

Aber auch unter den Teetrinkern gibt es die unterschiedlichsten Erkenntnisse, denn schlie√ülich ist Tee nicht gleich Tee. So hat vor allem der Gr√ľne Tee in den letzten Jahren einen Siegeszug angetreten und alle, die ihrem K√∂rper etwas Gutes tun wollten, haben ihn konsumiert und den Schwarzen Tee verp√∂nt.

Schokolade macht dick und verursacht Pickel, aber sie ist nun mal auch verdammt lecker, beruhigt die Nerven und von der gl√ľcklich machenden Wirkung der Kakao-Bohnen haben schon die Azteken gewusst.

Von Negativ-Schlagzeilen lange unbehelligt waren die Gummib√§rchen. Ganz im Gegenteil, die Gelatine sch√ľtzt sogar vor Gelenkrheuma und Osteoporose und das alles fettfrei. In Verruf kamen die bunten Fruchtgummis in Zeiten des Rinderwahns, denn pl√∂tzlich war man sich nicht sicher, ob in der Gelatine auch tierische Abfallprodukte und damit BSE lauert.

Essen, worauf man Lust hat.

Und dann endlich: Vor Kurzem habe ich einen Artikel in einer Frauenzeitschrift gelesen, der das thematisiert hat, was ich so lange schon gehofft habe zu h√∂ren: Man soll das essen, worauf man Lust hat, so oft und so viel. Wichtig sei es dabei nur auf den K√∂rper zu h√∂ren und nicht auf die neuesten Ern√§hrungsratgeber. Alles sei erlaubt, so lange sich unser K√∂rper dabei wohl f√ľhle.

Ich war am vergangenen Wochenende auf zwei Geburtstagen eingeladen und habe mit Genuss und Freude meinen Nachtisch und Kuchen verspeist – und vor allem ohne schlechtes Gewissen und das kann nur gut tun.

gabi

In eigener Sache: Wir sind ab dem 6. September 2010 wieder f√ľr Sie da

Heddesheim, 16. August 2010. Das heddesheimblog macht Betriebsferien. Ab dem 6. September 2010 sind wir wieder f√ľr Sie da. Aktuell, informativ, hintergr√ľndig, unterhaltend und meinungsstark.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir w√ľnschen auch Ihnen einen erholsamen Urlaub – egal ob zu Hause oder irgendwo auf dieser Welt.

Auch wir gehen in die Sommerpause und machen Betriebsferien. Ab dem 6. September 2010 werden wir wieder f√ľr Sie da sein.

Aktuell, informativ, hintergr√ľndig, unterhaltend und meinungsstark, so wie Sie uns kennen.

Im Gegensatz zu den Zeitungen bieten wir ein offenes Archiv an: Sie können die Zeit also nutzen, um Artikel nachzulesen. Oder sich durch unsere vielen Fotostrecken zu klicken.

Sie können auch gerne mit uns in Kontakt treten (redaktion (at) heddesheimblog.de) und uns Themenvorschläge machen, die wir dann ab September aufgreifen.

Und wir haben eine gro√üe Bitte an alle LeserInnen: Schicken Sie uns bitte die links zu Homepages, die Sie h√§ufig besuchen. Egal, ob Nachrichtenseiten, Vereine, andere Blogs, √É‚Äěmter – uns interessiert, was Sie interessiert. Wir werden die eingegangen Zuschriften ohne Namensnennung aufbereiten. Sicher finden Sie dadurch durch andere LeserInnen neue Informationsangebote, die auch Sie interssieren.

Eine sch√∂ne Zeit w√ľnscht
Das heddesheimblog

Petry bewegt Dich: Und der Tag geh√∂rt Dir…

Guten Tag!

Heddesheim, 05. August 2010. F√ľr viele Menschen, f√ľr viele Familien ist der August der Ferienmonat – endlich ausspannen. Vom Job, von der Schule. „Ist das gut so, ist das gesund?“ fragt unser Kolumnist Matthias Petry. Entspannung ist sicher gut, aber ohne Spannung nichts. Deswegen pl√§diert Matthias Petry f√ľr Bewegung. Denn die h√§lt uns und unsere Welt eben in… Bewegung.

Von Matthias Petry

Aktiv in den Ferien

August, Sommerferien, Urlaub – die sch√∂nste Zeit des Jahres. Jetzt mal richtig lang ausschlafen und tags√ľber faulenzen. Das haben wir uns redlich verdient, nachdem wir doch das ganze Jahr schuften. Endlich ich – Zeit f√ľr mich!

Die F√ľ√üe hochlegen und nichts tun – ob zu Hause oder am Urlaubsort – das ist echte Erholung. Am Baggersee, Strand oder Hotelpool liegen, ab und zu die Zehen ins Wasser, dann kurz mal zum Kiosk laufen, dann wieder aufs Handtuch. Super!

Abends auf die eigene Terrasse, dann Fernseher und ab ins Bett. Oder Abendessen im Hotel, dann Animationsprogramm anschauen, dann Fernseher im Hotelzimmer und ab ins Bett. Und das jeden Tag Рwie schön!

Urlaub steht f√ľr abschalten – vom Alltag, unser K√∂rper aber will und braucht Bewegung.

An dieser Stelle muss die Frage erlaubt sein: Ist das gesund? Was hat unser K√∂rper von der freien Zeit? Ignorieren wir seine Bed√ľrfnisse damit im Urlaub nicht genauso, wie wir das im Alltag tun? Wo bleibt da die Bewegung, die wir doch so dringend brauchen?

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"Beweg Dich, so wie es Dir gefällt", sagt Matthias Petry. Auch im Urlaub, denn unser Körper will bewegt werden. Bild: local4u

Jetzt steht uns endlich freie Zeit zur Verf√ľgung. Einen Teil davon k√∂nnten wir gut f√ľr Bewegung nutzen. Doch das bleibt meist aus. Wir sind zwar im Urlaub, unseren K√∂rper haben wir aber leider im Alltag zur√ľckgelassen. Das ist traurig.

F√ľr unseren K√∂rper macht es keinen Unterschied, ob wir auf dem Balkon im Liegestuhl sitzen oder am Schreibtisch vor unserem B√ľro-PC, ob wir im Mietauto √ľber eine Insel kurven oder im eigenen Auto zur Arbeit. Er wird in allen F√§llen zu wenig bewegt.

Machen Sie aktiv Urlaub.

Unser K√∂rper leidet, wenn er nicht gefordert wird. Die R√ľckenschmerzen sind auch auf Mallorca dieselben, das √ÉŇďbergewicht macht auch auf den Malediven zu schaffen und die Laune ist auch nicht die beste, wenn die Liege am Pool auf Kreta belegt ist.

Da muss ein neues Konzept her – eine neue Strategie, die den K√∂rper im Urlaub mehr einbezieht: Bewegung! Den Urlaub aktiv verbringen – die Zeit hat man daf√ľr. Und erst die M√∂glichkeiten – unz√§hlige. Man muss sie nur nutzen.

Pool, Meer und Baggersee sind zum Schwimmen da – tun Sie√ā¬īs! Leihen Sie sich ein Fahrrad und kein Auto! Machen Sie ausgiebige Spazierg√§nge vor allen Mahlzeiten – am besten barfu√ü am Strand oder in Wanderschuhen den Berg hinauf.

Was bietet das Animationsprogramm im Hotel? Gut, es muss nicht Wasserball um 13 Uhr in der Mittagshitze sein – auch Minigolf k√∂nnen Sie gegebenenfalls auslassen. Aber vielleicht gibt√ā¬īs ja eine gute Morgengymnastik oder Beachvolleyball in den Abendstunden?

Yoga, Minigolf, Tanzen, Aerobic – ganz egal, nutzen Sie Bewegungsangebote!

Ausprobieren ist angesagt – wenn nicht jetzt, wann dann? Nordic Walking, Aerobic, Yoga – meistens gibt√ā¬īs doch f√ľr jeden etwas passendes. Und wenn doch nicht, dann wenigstens abends tanzen gehen, wenn die Musik in der Lobby aufspielt.

Sie werden sehen: Bewegung macht Spa√ü – Sport wertet den Urlaub auf. Es ist ein gutes Gef√ľhl, wenn man vor dem Fr√ľhst√ľck eine halbe Stunde schwimmen war. Oder beim Abendessen richtig reinhauen kann, weil man am Nachmittag mit dem Rad unterwegs war.

Schwerer heimkommen als ankommen ist in jedem Fall schlecht Рdagegen sind Bewegung und Sport ein gutes Mittel. Im Urlaub schmeckt das Essen meist noch besser als zu Hause Рgenießen lässt sich das trotzdem: Wenn man aktiv bleibt.

Mit Sport schmecken die Köstlichkeiten noch besser.

Nat√ľrlich ist das leichter gesagt als getan. Mit der Motivation ist das so eine Sache. Wenn das Unterbewusstsein st√§ndig Signale sendet wie: „Bleib√ā¬ī sitzen“, „schlaf dich aus“, „kannst auch morgen noch anfangen“, „heute ist doch so sch√∂nes Wetter“.

H√∂ren Sie da nicht hin. Fangen Sie sofort an. Absolvieren Sie jeden Tag ein Programm – probieren Sie unterschiedliche Aktivit√§ten aus. √ÉŇďbertreiben Sie nicht. Powern Sie sich nicht aus – beenden Sie jede Aktivit√§t mit einem guten Gef√ľhl. Bleiben Sie konsequent.

Belohnen Sie sich – aber erst nach Ihrer Leistung. Setzen Sie sich kleine, realistische Ziele: jeden Tag 50 Meter mehr schwimmen, f√ľnf Minuten l√§nger spazieren oder eine Bauch√ľbung dazu. Dann wird das auch was.

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub Рsoweit klar. Trotzdem verpuffen die gesundheitlichen Verbesserungen wieder schnell, wenn man nach vierzehn Tagen Aktivurlaub wieder in den bewegungsarmen Alltagstrott verfällt.

Sport hilft beim Abschalten.

Zu Hause gilt es, an den Urlaubsleistungen anzukn√ľpfen. Die Motivation hochzuhalten. Bewegung in den Alltag einzubauen. Wie das gelingen kann, l√§sst sich in der Juliausgabe (siehe Link) nachlesen. Bleiben Sie am Ball – jetzt nicht abrei√üen lassen.

Vielleicht haben Sie auch an einer Sportart, die Sie im Urlaub ausprobiert haben, Gefallen gefunden. Dann sollten Sie schauen, wo Sie diese zu Hause weiterbetreiben können: im Sportverein, im Tennisclub, bei der Volkshochschule oder im Fitness-Studio oder auch gerne, wenn sie die Treppe statt dem Aufzug benutzen, ein wenig mehr laufen.

Bewegen Sie sich. Es lohnt sich ganz sicher ūüôā

Ich w√ľnsche Ihnen einen aktiven Urlaub, wo auch immer Sie diesen verbringen!

Zu Hause gilt es, an den Urlaubsleistungen anzukn√ľpfen. Die Motivation hochzuhalten. Bewegung in den Alltag einzubauen. Wie das gelingen kann, l√§sst sich in der Juliausgabe nachlesen. Bleiben Sie am Ball – jetzt nicht abrei√üen lassen.

Mit sportlichen Gr√ľ√üen
Matthias Petry

Zur Person:
Matthias Petry ist Sportwissenschaftler und als Dozent im Gesundheitsbereich t√§tig. Matthias Petry gibt Antworten auf Fragen rund um Sport, Fitness und Gesundheit und m√∂chte dazu motivieren, dass Menschen wieder mehr Bewegung in ihren Alltag einbauen und dadurch schrittweise ges√ľnder werden.

Gabis Kolumne

Wer navigiert mich sicher in den S√ľden?

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Guten Tag!

Heddesheim, 27. Juli 2010. Ein Navi an Bord ist heute schon fast Standard. Meist kommt man damit wunderbar ans Ziel. Meist, sagt Gabi, die immer noch ein „Backup“ dabei hat: eine Stra√üenkarte.

… und Mutter navigierte.

Erinnern Sie sich bitte. Wie war das damals als Sie als Kind mit Ihren Eltern in Urlaub gefahren sind, sagen wir mal nach Italien in den 70er Jahren? Sie sa√üen mit Ihren Geschwistern hinten, nat√ľrlich unangeschnallt und ohne Kindersitz, und Ihre Mutter sa√ü auf dem Beifahrersitz w√§hrend der Vater fuhr. Und was machte die Mutter? Richtig, sie navigierte

Jahrzehntelang w√ľnschte sich mein Vater zu Weihnachten den neuesten Shell-Autoatlas und mit diesem Unget√ľm auf dem Schoss lenkte ihn meine Mutter durch Schweizer Serpentinen und italienische Bergd√∂rfer. Das war romantisch, das war eindeutig mehr reisen als rasen.

„Bei der n√§chsten Gelegenheit bitte wenden.“

Aber bevor ich nun in nostalgische Schw√§rmerei ausbreche, meist kam es schon kurz nach dem Grenz√ľbertritt in Basel zum ersten Krach. „Kannst du mir mal sagen, wo wir eigentlich sind?“, raunzte mein Vater. Und „diese Ausfahrt gibt es bei mir auf der Karte nicht“, schnauzte meine Mutter zur√ľck. Man hielt an der n√§chsten Parkm√∂glichkeit, zerrte weitere Karten aus dem Seitenfach der Autot√ľr und stritt sich dar√ľber, wohin man nun fahren sollte, wessen Schuld es sei. Dies endete regelm√§√üig damit, dass meine Mutter fuhr und sich mein Vater √ľber ihren Fahrstil und das schlechte Kartenmaterial beklagte.

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Digital oder analog? Am besten beides, sagt Gabi.

In den 80er Jahren war ich zum ersten Mal allein mit K√§fer und Freunden in S√ľdfrankreich unterwegs. Nat√ľrlich mieden wir die Autobahn, da uns es an Geld f√ľr die Maut mangelte. Ich habe gelernt die Schilder mit „Toutes directions“ zu hassen und zu erkennen, dass es kein Problem ist – auch ohne Stau – zwei Stunde zu brauchen, um eine gr√∂√üere franz√∂sische Stadt zu durchqueren – trotz Michelin-Karte.

Doch das ist jetzt Vergangenheit, vorbei die Zeiten, dass man verzweifelt die Stra√üenkarte, die immer zu gro√ü und sperrig war, faltete und drehte, vorbei die Diskussionen, ob man eine Ausfahrt verpasst, eine Abzweigung √ľbersehen hatte. Heute dr√∂hnt es beharrlich aus einem kleinen Kasten: „Bei der n√§chsten Gelegenheit wenden – bitte wenden – jetzt wenden“.

So weit so gut, dieses Problem hätten wir gelöst, denken wir Menschen des 21. Jahrhunderts. Straßenkarten sind Reliquien einer längst vergangenen Epoche, Anfahrtsbeschreibungen können wir getrost zu Hause lassen.

„Diesen Job wollte ich auch nicht haben.“

Meine Gro√ümutter fuhr vor einigen Jahren – da war sie schon √ľber 90 – mit meiner Kusine in deren neuen Auto. Stolz pr√§sentierte diese ihr GPS. W√§hrend „die zweite Ausfahrt bitte rechts abfahren“ und „biegen sie bei der n√§chsten M√∂glichkeit links ab“ ert√∂nte, wurde meine Oma immer ruhiger und irgendwann meinte sie: „Diesen Job wollte ich auch nicht haben, das muss ja unheimlich anstrengend sein, wenn die Dame dir immer erkl√§ren muss, wo du hinfahren sollst.“

Auch wir haben seit ein paar Jahren ein Navigationsger√§t, dass immer wei√ü, wo wir sind und wohin wir wollen. „Blech-Else“, wie das GPS von unseren Kindern liebevoll genannt wird, leitete uns in den S√ľden Frankreichs, an die italienische Riviera, nach Paris – „Blech-Else“ war eine treue Begleiterin in jedem Urlaub.

Vergangenes Jahr fuhren wir dann nach Holland, erste Station Amsterdam. Tolle Stadt, aber das ist heute nicht mein Thema. Um es kurz zu machen, in Amsterdam wurde unser Auto aufgebrochen. Geklaut wurden das Radio und unser Navigationssystem. Dumm gelaufen, denn wir wollten noch an die K√ľste. Stra√üenkarte – Fehlanzeige. Zu unserem Ferienh√§uschen fanden wir mit Hilfe des Reisef√ľhrers, nicht digital, sondern aus festem Papier, noch relativ problemlos. Bei der R√ľckreise machten wir einen Schwenker √ľber Belgien und schauten uns Br√ľgge und Gent an, das ging noch gut. Von da an wurde es schwieriger. Schlie√ülich sind wir √ľber Luxemburg zur√ľck gefahren – ein Blick auf die Karte gen√ľgte, zu Hause nat√ľrlich, um fest zu stellen, dass wir einen Umweg von mindestens 200 Kilometern gemacht hatten.

Es war klar, ein Ersatz f√ľr „Blech-Else“ musste angeschafft werden. In den Pfingstferien fuhren wir nach √Ėsterreich. Unser nagelneues GPS lenkte uns pflichtgetreu an den Urlaubsort, alles war Bestens. Von dort hatten wir einen Abstecher zu Freunden in die Schweiz geplant.

Ich will doch nicht nach Montenegro

„Nee, du brauchst mir keine Anfahrtsbeschreibung geben, wir haben ein Navi“, hatte ich meiner Freundin am Telefon erkl√§rt. „Alles kein Problem“, so dachte ich zumindest. Wir starteten in √Ėsterreich und stellten fest, dass unser Navi √ľber Karten von Litauen und Montenegro verf√ľgte, aber, Sie k√∂nnen es sich denken, die Schweiz existierte im Kartenmaterial unseres GPS nicht. Und, wie k√∂nnte es anders sein, wir hatten keine Stra√üenkarte im Auto und unsere Freunde waren auch nicht telefonisch zu erreichen. Wir sind dort angekommen und wir haben mehr von der Schweiz gesehen als geplant – und das war auch echt sch√∂n. Nichts desto trotz, in zwei Wochen fahren wir nach Italien und ich habe schon mal vorsorglich eine Stra√üenkarte gekauft, man wei√ü ja nie.

gabi

Anmerkung der Redaktion: Gabi macht jetzt Urlaub und kommt wieder am 13. September 2010.

Das heddesheimblog w√ľnscht einen sch√∂nen Urlaub!

Guten Tag!

Das heddesheimblog w√ľnscht seinen Lesern einen sch√∂nen Urlaub! Ob daheim oder im Ausland – Sie m√ľssen nicht auf das heddesheimblog verzichten, denn auch im Ausland gibt es Internetcomputer und damit f√ľr Sie auch die Nachrichten und Informationen des heddesheimblogs – 24 Stunden am Tag verf√ľgbar.


Und wenn Sie uns aus dem Urlaub Fotos schicken wollen – gerne. Sie schicken uns die Bilder an redaktion (at) heddesheimblog.de und schreiben uns ein paar Zeilen dazu: mindestens wo das Motiv aufgenommen wurde.

Sie können uns gerne auch einen Urlaubstipp senden, beispielsweise ein schönes Ausflugsziel, ein tolles Restaurant Рwas Sie anderen Urlaubern, die vielleicht in derselben Gegend sind, empfehlen möchten.

Also, eine gute Zeit, erholen Sie sich gut und kommen Sie gesund nach Hause

Ihr heddesheimblog