Dienstag, 13. November 2018

Freiwillige Feuerwehren in Baden-WĂŒrttemberg

107.500 Menschen ehrenamtlich im Einsatz

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Die Feuerwehr hilft heutzutage nicht nur bei BrĂ€nden, sondern ist ein Soforthelfer in Not- und UnglĂŒcksfĂ€llen.

Rhein-Neckar, 19. November 2013. (red/fw) Damit die Feuerwehr eine hohe SicherheitsqualitĂ€t gewĂ€hrleisten kann, braucht sie viele ehrenamtlich tĂ€tige EinsatzkrĂ€fte. In Baden-WĂŒrttemberg bieten ĂŒber 107.500 Menschen in den Gemeindefeuerwehren ihre Hilfe an. [Weiterlesen…]

Ergebnisse des BĂŒrgerbeteiligungsprozesses veröffentlicht

Das neue Leitbild der Gemeinde Heddesheim

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Rund 80 BĂŒrger/innen haben bei der Entwicklung der LeitsĂ€tze mitgewirkt.

 

Heddesheim, 21. September 2013. (red/aw) Heddesheim hat 45 LeitsĂ€tze fĂŒr die Zukunft der Gemeinde veröffentlicht. Sie sind das Ergebnis des BĂŒrgerbeteiligungsprozesses, der im November 2012 gestartet worden war. Das Leitbild soll vor allem den Gemeinderat in den kommenden Jahren bei verschiedensten AnlĂ€ssen begleiten. Ins BĂŒrgerhaus kamen am Montag rund 160 BĂŒrger/innen zur PrĂ€sentation. [Weiterlesen…]

GesundheitsschÀden durch Kohlekraftwerke

Keine gesundheitlichen Auswirkungen fĂŒr unmittelbare Nachbarn

Das Großkraftwerk Mannheim ist mit seinen Emissionen bundesweit fĂŒr 71 vorzeitige TodesfĂ€lle verantwortlich. Allein fĂŒr den Block 9 rechnen Forscher mit 48 FĂ€llen. Er geht 2015 ans Netz.

 

Mannheim/Rhein-Neckar, 04. April 2013. (red/ld) Wer nahe am Kohlekraftwerk wohnt, lebt lĂ€nger. Eine Studie der UniversitĂ€t Stuttgart im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace, die gestern vorgestellt worden ist, sorgt fĂŒr Aufregung. Daraus geht hervor, dass Kohlekraftwerke mit giftigen Feinstaubemissionen die Lebenszeit der Deutschen jedes Jahr um 33.000 Lebensjahre verkĂŒrzen. Das entspricht 3.100 Menschen pro Jahr, die frĂŒhzeitig sterben. FĂŒr 71 davon ist das kohlebetriebene Großkraftwerk Mannheim verantwortlich. Die gesundheitsschĂ€dlichen Auswirkungen zeigen sich aber erst in weiter Umgebung der Kraftwerke. [Weiterlesen…]

BUND Heddesheim engagiert sich auch 2013 fĂŒr den Naturschutz

VermĂŒllte Biotope und ein zerstörtes Insektenhotel

Heddesheim, 20. Februar 2013. (red/zef) Auch fĂŒr das Jahr 2013 stehen bei der Ortsgruppe Heddesheim des Bunds fĂŒr Umwelt und Naturschutz in Deutschland große Herausforderungen an: Die Biotope sind teilweise heftig vermĂŒllt, das Insektenhotel wurde erneut zerstört. Auf der Jahreshauptversammlung stellte die Ortsgruppe die Weichen, um dies zu meistern.

Von Ziad-Emanuel Farag

Am Samstag, den 23. Februar, sĂ€ubert die BUND-Gruppe Heddesheim die Biotope. Maria Landenberger, Vorsitzende der Ortsgruppe, Ă€ußert sich hierzu optimistisch:

Gut 20 Personen aus Heddesheim haben letztes Jahr sehr viel MĂŒll aus den Biotopen entfernt. Es haben sehr viele mit angepackt, die zum Teil gar nicht Mitglied der Ortsgruppe sind. Das hat uns sehr gefreut. Auch in diesem Jahr hoffen wir wieder auf viele tatkrĂ€ftige UnterstĂŒtzung. Besonders in den LandgrĂ€ben können wir jede helfende Hand gebrauchen. Es ist erschreckend, dass jedes Jahr ÖlfĂ€sser auftauchen.

Ihre GrundstĂŒcke möchte die Ortsgruppe pflegen und so weitere FlĂ€chen unberĂŒhrter Natur schaffen. Dabei stören momentan wildwuchernde Brombeeren und Kirschen, die der restlichen Vegetation kaum Platz lassen. Hierbei soll auch das Insektenhotel wieder aufgebaut werden. Wie 2009 wurde es auch 2012 zerstört.

Der Vorstand der BUND-Gruppe Heddesheim (von links nach rechts): Dr. Klaus Wagner (stellvertretender Vorsitzender und Kassenwart) Johanna Fath und Richard Landenberger (KassenprĂŒfer) und Maria Landenberger (Vorsitzende)

Insgesamt kann man aber mit der Bilanz fĂŒr 2012 zufrieden sein: Am 26. Juli 2012 konnten am Badesee in Heddesheim ZwergfledermĂ€use in freier Wildbahn beobachtet werden. Es stand außerdem eine KrĂ€uterwanderung in Hemsbach an. Die reiche Flora und Fauna des Odenwaldes erwies sich hierfĂŒr als reichhaltiger Schatz.

Das Ganze stieß auf so eine große Resonanz, dass es in diesem Jahr auch eine fĂŒr Eltern und ihre Kinder stattfinden wird. Ebenfalls wird es eine Aktion geben, bei der Kinder zusammen mit ihren Eltern PfĂ€hle bauen, die die einzelnen GrundstĂŒcke begrenzen sollen.

Die gute Arbeit 2012 schlug sich auch in den Vorstandswahlen nieder: Maria Landenberger als erste Vorsitzende und Dr. Klaus Wagner als Kassenwart und ihr Stellvertreter wurden einstimmig wiedergewÀhlt.

 

KliBA stellt Energiebericht vor

Eisbahn frisst Energieeinsparung auf

Heddesheim, 28. Juni 2012. (red) Die gute Nachricht – die Gemeinde spart ĂŒberwiegend durch investive Maßnahmen Energie ein. Die schlechte: Die Kosten steigen trotzdem. Eisbahn und Hallenbad sind nach wie vor Energiefresser.

In der Gemeinderatsitzung vom 28. Juni 2012 berichtete Dr. Klaus Keßler, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der KliBA gGmbH,  ĂŒber den aktuell vorliegenden Energiebericht des Controllings aus dem Vorjahr ĂŒber die EnergietrĂ€ger Erdgas, Heizöl, Holzpellets, Strom und Wasser.

Der gesamte Energie- und Wasserverbrauch der Gemeinde wird von wenigen Großverbrauchern entscheidend beeinflusst. Auch Witterung und schwankende Besucherzahlen wirken sich direkt auf die Höhe des WĂ€rme-, Strom- und Wasserverbrauchs aus.

Die KliBA GmbH stellte neben den Ergebnissen aus der Kontrolle, Analyse und Dokumentation des Jahresverbrauchs  auch die im Jahr 2011 entstandenen zugehörigen Kosten und die Höhe der CoÂČ-Emissionen dar.

Konsequentes Energiecontrolling

Durch das konsequent durchgefĂŒhrte Energiecontrolling konnten seit 2003 die Verbrauchwerte aller erfassten fossilen EnergietrĂ€ger (Erdgas, Heizöl, Holzpellets, Strim und Wasser) deutlich reduziert werden. Diese Reduktion wurde bis zum Jahr 2006 konstant gehalten.

In den folgenden Jahren gelangen den Liegenschaften weitere Reduzierungen durch verschiedenartig durchgefĂŒhrte Maßnahmen der Gemeinde und durch die EinfĂŒhrung des Energiesparcontracting. Als einziger Ausreißer bildet das Jahr 2009 eine Ausnahme – hier verursachte das Blockheizkraftwerk durch eine ganzjĂ€hrige Stromproduktion und lĂ€ngerer Laufzeiten einen höheren Gasverbrauch.

Der vorjĂ€hrige Gesamtenergieverbrauch der Liegenschaften sank gegenĂŒber 2010 erneut – mit dem Verbrauch von 5.600 MWh konnte im Vergleich zum Jahr 1997 eine Einsparung von 25 Prozent erreicht werden. Die CO2-Verbrauch ist sogar um 40 Prozent zurĂŒckgegangen – das bedeutet eine Einsparung von 1.000 Tonnen CO2 pro Jahr.

Diese Reduzierung entstand vor allem durch Einsparungen im WĂ€rmebereich (76 Prozent der Gesamtenergie). Die Einsparungen wurden zur HĂ€lfte vom Rathaus und der Heizungszentrale in der Johannes-Kepler/Karl-Drais-Schule realisiert.

Auch der Stromverbrauch konnte bei nahezu allen reduziert werden, mit Ausnahme der Eisbahn, welche durch ihren Ausfall in der KĂ€ltesteuerung die Einsparungen der anderen Liegenschaften zunichte machte. In der Betrachtung der Gesamtbilanz ist daher nur eine sehr geringe Einsparung des Stroms zu verzeichnen.

Bei einem nur graduellen Anstieg von unter einem Prozent des Gesamtverbrauchs (213 mÂł) blieb der Wasserverbrauch im Vorjahr fast konstant.

Kosten steigen kontinuierlich

Die Kosten fĂŒr Energie sind jedoch trotz aller durchgefĂŒhrten Einsparungen seit 2003 kontinuierlich angestiegen. Seit einem im Jahr 2009 erstmalig aufgetretenen RĂŒckgang der Kosten gegnĂŒber dem Vorjahr wuchsen die Kosten 2010 bereits wieder erneut, und das trotz sinkenden Energieverbrauchs.

In der aktuellen Bilanz 2011 konnten die Kosten von etwa 515.000 € auf 431.000 € gesenkt werden. Diese Kostenwerte liegen sogar unter den 2006 festgestellten Energiekosten. Die Gemeinde hat langfristige BezugsvertrĂ€ge geschlossen und somit fĂŒr die entsprechenden ZeitrĂ€ume „feste“ Preise.

Eine Ursache fĂŒr die aktuelle verzeichnete starke Abnahme ist der milden Witterung im Jahre 2011 zuzurechnen, welches das wĂ€rmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1997 war. Hier wurde deutlich weniger HeizwĂ€rme verbraucht als in den Vorjahren. Das warme Wetter hat direkte Auswirkungen auf die Kosten die nicht witterungsbereinigt sind.

Als eine weitere positive Einwirkung auf die Kosten sind auch die durchgefĂŒhrten Maßnahmen zur Energieeinsparung zu sehen.

Der gesamte Gasverbrauch der Liegenschaften wurde reduziert. Im Jahr 2011 musste weniger externer und teurer Strom zugekauft werden, da das Blockheizkraftwerk (BHKW) ĂŒber die Laufzeit eines gesamten Jahres mehr Strom selbst produzierte. Auch das Heizöl im Rathaus musste aufgrund der Bevorratung nicht nachgetankt werden.

Sehr umfassend durchgefĂŒhrte DĂ€mmmaßnahmen an der GebĂ€udehĂŒlle des Rathauses haben den Heizölverbrauch so stark reduziert, dass der Verbrauch von Pellets im Bauhof den Heizölverbrauch ĂŒberwog.

Neuer Kostenfaktor Straßenbeleuchtung

Ebenfalls auf den milden Winter und den dadurch niedrigeren WĂ€rmeverbrauch von unter 1.500 Tonnen  ist der  um 40 Prozent (Vergleichsjahr 1997)  gesenkte COÂČ-Verbrauch. Durch den Bezug von Ökostrom wird dieser Wert auch in Zukunft weiter sinken.

Die Straßenbeleuchtung ging am 01. April 2012 in den Bereichen Wartung und Instandhaltung vom Eigentum der EnBW  in das Eigentum der Gemeinde ĂŒber. Diese werden ab sofort ebenfalls in den Energiebericht aufgenommen, um die VerĂ€nderungen der Kosten bzw. Einsparungpotential der Stromkosten erfassbar machen zu können.

Aus Sicht von Dr. Keßler sei es sinnvoll Anfang des kommenden Jahres FörderantrĂ€ge fĂŒr ein Klimaschutzkonzept zu stellen. Auch der Kreis habe so ein Konzept in Vorbereitung mit dem Ziel des energieautarken Kreises.

Anm. d. Red.: In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Heddesheim fĂŒhrt die KliBA GmbH seit dem Jahr 2001 ein Energiecontrolling fĂŒr die 12 ausgewĂ€hlten Liegenschaften der Kommune Heddesheim durch.

 

Wie aus dem Heddesheimblog ein Netzwerk geworden ist

Mit einer Recherche hat alles angefangen…

Das war das "erste" Heddesheimblog - als Unterseite von blogger.de

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 07. Mai 2012. (red) Vor drei Jahren ist das Heddesheimblog.de gestartet. ZunĂ€chst als privates Blog, auf dem der Journalist Hardy Prothmann als BĂŒrger seine Gedanken und Recherchen wegen einer umstrittenen Logistik-Ansiedlung veröffentlicht hat. Das Heddesheimblog hat sich in der Branche schnell einen Namen gemacht – als Zukunftsmodell fĂŒr einen modernen Lokaljournalismus. Mittlerweile ist daraus ein Blog-Netzwerk geworden – nicht nur in Nordbaden.

Von Hardy Prothmann

Im FrĂŒhjahr 2009 war aus Sicht des Mannheimer Morgens die Welt mehr als in Ordnung. Das Viernheimer Logistik-Unternehmen „Pfenning“ plante eine angebliche 100-Millionen-Euro-Investition in dem beschaulichen Dorf. Bis zu 1.000 ArbeitsplĂ€tze, Gewerbesteuer in HĂŒlle und FĂŒlle, ein glĂŒcklicher BĂŒrgermeister – die (bis dato nicht gefĂ€hrdete) Zukunft des Dorfes ist gerettet. So die Botschaft der Zeitung.

Schlechter Zeitungsjournalismus als Anlass

Mir ist selten eine so unkritische Hofberichterstattung untergekommen. Kritische Fragen? Recherchen? Nichts davon war bei dieser Jubelberichterstattung zu erkennen, geschweige denn zu erahnen.

Auch die ARD ist bereits auf das Heddesheimblog aufmerksam geworden. (Klick auf das Bild fĂŒhrt zum Artikel)

Weil ich als BĂŒrger in Heddesheim selbst vom starken Verkehrsaufkommen betroffen war, fing ich an, ein wenig zu recherchieren. Als erstes im Archiv des Mannheimer Morgens – so wie eigentlich ein Redakteur der Zeitung eine Recherche beginnen sollte. Und ich wurde fĂŒndig: Rund drei Dutzend Artikel gab das Online-Archiv her. Alle negativ ĂŒber dieses „Familienunternehmen Pfenning“, das ohne jeden Bezug zu den kritischen Berichten als „Heilsbringer“ fĂŒr Heddesheim gefeiert wurde.

Wohin mit meinen Recherchen? Dem Mannheimer Morgen als „Thema“ anbieten? Sicher nicht. Ich habe meine Texte zunĂ€chst bei blogger.de (siehe Foto oben) eingestellt. Der erste Text erschien am 28. Aprl 2009: „Alles gut oder alles schlecht mit Pfenning in Heddesheim?“ Und ist nach wie vor sehr lesenswert.

Großes Interesse – wachsende Zugriffszahlen

Die Zugriffszahlen gingen binnen weniger Tagen so schnell nach oben, dass die Seite oft nicht erreichbar war. Ich mietete deswegen eigenen Speicherplatz und veröffentlichte auch andere lokale Nachrichten.

Auch das fand Interesse und Anklag und nach wenigen Wochen reifte die Idee, ob es nicht möglich wĂ€re, eine eigene Lokalzeitung im Internet zu grĂŒnden. Ich hatte schon von Ă€hnlichen Projekten gehört, aber das waren oft nur „Versuche“.

Ich versuchte mit. Die erste Erfahrung war: „Mein“ Journalismus war in der nordbadischen Provinz eine Zumutung. Es enstanden schnell zwei Lager: Die einen jubelten, die anderen kotzten. Auch, weil ich kurz nach dem Start vom Heddesheimblog in den Heddesheimer Gemeinderat gewĂ€hlt worden war – diese Funktion habe ich nach einem Umzug nach Mannheim aufgeben mĂŒssen.

Auch wir sind Gegenstand von Berichterstattung - gut 300 Berichte wurden ĂŒber das Konzept und die Macher vom Heddesheimblog bereits verfasst.

Kritische Nachfragen? Meinungsstarke Kommentare? Investigative Recherchen? Das war man im Verbreitungsgebiet der Monopolzeitung Mannheimer Morgen nicht gewohnt. Die Zugriffszahlen stiegen rasant und auch bundesweit wurde das Heddesheimblog in der Journalistenbranche ein Begriff. „Was macht der Prothmann da?“, wurde gefragt. Ist das ein Ego-Projekt eines beißwĂŒtigen Journalisten oder vielleicht ein Zukunftsprojekt fĂŒr einen neuen Lokaljournalismus?

Zahlreiche Branchenberichte

Ende 2009 wĂ€hlte mich eine Jury in der Kategorie „Regionales“ auf Platz 3 unter die 100 Journalisten des Jahres 2009. Seit dem Start des Heddesheimblogs wurde ich als Redner, Seminarleiter oder Podiumsteilnehmer engagiert. Bei der Initiative Tageszeitung, dem Deutschen Journalistenverband, dem Bayerichen Journalistenverband, auf Kongresse, an Hochschulen, zu Unternehmer-Workshops.

Mittlerweile gibt es Dutzende von journalisten Studien- und Masterarbeiten, die das Heddesheimblog und andere lokale Internetmedien zum Thema gemacht haben und rund 300 Presse-Veröffentlichungen mit Bezug auf diese Form von Lokaljournalismus. Spiegel Online, FAZ, SĂŒddeutsche, taz, Welt, ARD, NDR, Tagesspiegel, Berliner Zeitung – die Liste der „bekannten“ Medien, die ĂŒber den Journalismus in der Provinz geschrieben haben, ist lang. Auch bei den Nachdenkseiten oder fefes Blog ist das Heddesheimblog Thema.

Oder das Prinzip. Das Heddesheimblog ist lĂ€ngst ĂŒber den Ort hinausgegangen. Ende 2009 kam das Hirschbergblog.de dazu, Anfang 2010 das Ladenburgblog.de, Ende 2010 das Weinheimblog.de, Anfang 2011 das Rheinneckarblog.de, das Viernheimblog.de und seit Anfang 2012 sechs weitere Gemeinden des Wahlkreises Weinheim.

Netzwerk weitet sich aus: istlokal

Mit dem Unternehmer Peter Posztos habe ich im Herbst 2011 die Firma Istlokal Medienservie UG gegrĂŒndet, weil wir unsere Erfahrungen auch anderne zur VerfĂŒgung stellen wollen. Peter Posztos macht die Tegernseer Stimme, ebenfalls eine lokale Zeitung im Internet. Seit Anfang 2012 vermarkten wir unser Produkt Istlokal OS und haben schnell neue Partner gefunden – beispielsweise in Bretten, Schweinfurt oder Weiterstadt.

DarĂŒber hinaus gibt es ein Netzwerk von weiteren lokal arbeitenden Journalisten, wie Stefan Aigner in Regensburg oder Hubert Denk in Passau. Auch Philipp Schwörbel in Berlin hat mit seinen Prenzlauer Berg Nachrichten schon viel Aufmerksamkeit erlangt.

Immer mehr Lokaljournalisten grĂŒnden Blogs und nutzen beispielsweise wie wir die Istlokal OS-Software.

 

Uns alle vereint, dass wir guten, seriösen und vor allem kritischen Journalismus anbieten wollen. Einen Journalismus, der sich traut, Fragen zu stellen und nicht nur vorgefertigte Informationen zu erhalten. Keine WohlfĂŒhl-Schwurbelei, sondern eine fĂŒr die Demokratie herausragende Aufgabe zu erfĂŒllen. Meinungen durch Informationen zu ermöglichen. Der Artikel 5 unseres Grundgesetzes ist die GeschĂ€ftsgrundlage.

Um diese Arbeit zu finanzieren, setzen wir auf Werbeeinnahmen – wie eh und je bei den Medien. Wir erzeugen Aufmerksamkeit und verkaufen diese. Das ist ein seriöses GeschĂ€ft.

Kleines, engagiertes Team

Zur Zeit arbeitet ein festes Team von sieben Mitarbeitern fĂŒr die „Rheinneckarblogs“ – dazu weitere freie Journalisten, Kolumnisten und freundschaftlich verbundene Kollegen. Im Vergleich zur Personalausstattung der anderen Medien im Berichtsgebiet sind wir sehr klein aufgestellt – im Vergleich mit anderen setzen wir aber immer wieder Themen, die Thema sind.

Im Herbst 2011 beispielsweise mit der Fischfutter-AffĂ€re. Der grĂŒne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian-Ströbele hatte uns fĂŒr einen Bericht abgemahnt. SĂ€mtliche Berliner Zeitungen berichteten ĂŒber den Skandal, viele weitere Zeitungen und auch der NDR. Insgesamt wurde unser Bericht innerhalb weniger Tage gut 140.000 Mal aufgerufen, anfangs stĂŒrzte gar der Server wegen der massiven Zugriffe ab.

Zuletzt mahnte uns der GrĂŒnen-Bundespolitiker Hans-Christian Ströbele ab - und zog die juristische Attacke wieder zurĂŒck. Quelle: Die Welt

 

Die lokalen Zeitungen Mannheimer Morgen, Weinheimer Nachrichten und Rhein-Neckar-Zeitung hielten sich „zurĂŒck“, denn aus deren Sicht gibt es uns nicht. Die Fischfutter-AffĂ€re mitten im Berichtsgebiet? Kein Thema fĂŒr die „unabhĂ€ngigen“ Printjournalisten.

Aus unserer Sicht gibt es die Zeitungen – und vor allem viel schlechten Journalismus. Was wir immer wieder thematisieren, wenn deren geschönte und klientelabhĂ€ngige „Berichterstattung“ skandalös wird. So werden umgeschriebene Pressemitteilungen als eigene Berichte ausgegeben oder noch schlimmer – Themen hĂ€ufig gar nicht berichtet, wenn sie den Zeitungen nicht „passen“. Und das betrifft beim besten Willen nicht nur uns. Was nicht berichtet wird, ist auch nicht passiert.

Juristische Attacken

FĂŒr mich persönlich hat diese Arbeit auch viele Nachteile gebracht. Seit nunmehr 21 Jahren arbeite ich als Journalist, 18 Jahre ohne jegliche juristische Streitigkeiten. In den vergangenen drei Jahren habe ich 11 Abmahnungen erhalten. Einmal habe ich eine Einstweilige VerfĂŒgung wegen widriger UmstĂ€nde „akzeptiert“, einen Vergleich geschlossen, 9 Mal konnte ich die Abmahnung abwehren. Unterm Strich haben diese Prozesse gut 20.000 Euro gekostet, weil man nicht wollte, das publik wird, was öffentlich sein sollte. Und diese Prozesse kosten auch viele Nerven.

Sehr erfreulich ist der Kontakt zu den Leserinnen und Lesern. Viele unserer Artikel entstehen, weil wir Hinweise bekommen. Beobachtungen, Gedanken, Erfahrungen von Menschen, die sich Anteil haben und nehmen an unserer Gesellschaft und nicht gleichgĂŒltig sind. Diesen möchte ich stellvertretend fĂŒr das Team danken.

Ebenfalls erfreulich ist die Zusammenarbeit mit vielen Behörden, die die Meinungsfreiheit hoch achten. Explizit möchte ich die sehr gute Zusammenarbeit mit der Polizei loben und in weiten Teilen auch mit den Feuerwehren. In unserem Berichtsgebiet sind zwei Namen erwĂ€hnenswert, BĂŒrgermeister Manuel Just in Hirschberg und BĂŒrgermeister Rainer Ziegler in Ladenburg, die sich kommunikativ sehr hervortun. Auch BĂŒrgermeister Lorenz in Dossenheim möchte ich gerne als neuen Kontakt erwĂ€hnen, der uns beim Antrittsbesuch sehr freundlich empfangen hat. In den anderen Orten beginnen wir die Arbeit erst und die Kontakte stehen noch bevor.

Den Heddesheimer BĂŒrgermeister Micheal Kessler muss ich leider nach wie vor als ausgewiesenen Feind der Pressefreiheit besonders hervorheben. Sein AmtsverstĂ€ndnis kommt in diesem Bericht sehr eindeutig zur Sprache: „Ich bin die Gemeinde.“

UnabhÀngige Berichterstattung

Wie unabhĂ€ngig wir tatsĂ€chlich arbeiten, erkennt jeder, der unsere Berichterstattung verfolgt. Wir kritisieren „GrĂŒne“ ebenso wie „Schwarze“, scheuen uns nicht vor „Rot“ oder „Geld“ oder „Orange“.  Aber auch hier bieten wir Meinungen an: Ganz verallgemeinernd stellen wir fest, dass die CDU, die SPD und die FDP in der Region unserer Berichterstattung nicht wohlgesonnen sind.

Explizit die Ladenburger und Weinheimer CDU möchten wir lobend ausnehmen – nicht weil diese mit unser Berichterstattung „zufrieden“ sind, sondern weil sie gesprĂ€chsbereit sind. In Hirschberg explizit die Freien WĂ€hler und in Weinheim explizit Herrn Carsten Labudda (Die Linke) und Weinheim Plus. Die genannten Personen und Parteien suchen den Ausstausch und die Kritik – was gut ist. Explizit muss auch der GrĂŒne Landtagsabgeordnete Uli Sckerl erwĂ€hnt werden – trotz kontrĂ€rer Meinungen haben er und seine Mannschaft sich immer korrekt auf unsere journalistischen Anfragen hin verhalten.

Mit Recherchen zum Logistik-Zentrum "Pfenning" hat das Heddesheimblog angefangen - unsere Berichte konnten den Bau des Klotzes nicht verhindern, aber zur AufklÀrung beitragen. "Das hab ich nicht gewusst", kann keiner mehr sagen.

 

Unentschieden ist noch das VerhĂ€ltnis zum Landratsamt. Nachdem wir dem stellvertretenden Landrat (Jurist) erst unter Verweis auf ein Bundesverfassungsgerichtsurteil klar machen konnten, dass wir „Presse“ sind, gibt es mittlerweile mit Stefan Dallinger (CDU) einen neuen, sehr kommunikativen (und fraktionsĂŒbergreifend gelobten) Landrat, der sich aber unser Ansicht nach noch ein wenig scheut, aktiv ĂŒber unsere Blogs mehr in Kontakt mit der Bevölkerung zu treten. Wir werden herausfinden, wie es wirklich ist.

Der Kontakt zum Mannheimer OberbĂŒrgermeister Dr. Peter Kurz basiert auf einer gemeinsamen Vergangenheit – als freier Mitarbeiter fĂŒr den Mannheimer Morgen habe ich den damaligen Stadtrat als sehr engagierte Persönlichkeit kennengelernt und ihn vor seiner Wahl zum OB portrĂ€tiert. Zuletzt hat sich dessen Engagement bei der Gegendemo zum NPD-Aufmarsch bestĂ€tigt (Hierzu unsere Reportage auf dem Rheinneckarblog: „Warten auf den rechten Pöbel„). Zu seinem Kollegen WĂŒrzner in Heidelberg besteht noch kein persönlicher Kontakt, aber das wird sich Ă€ndern.

Vernetzter Journalismus vor Ort

Die miteinander vernetztenden Ortsblogs haben ein Konzept: Wir veröffentlichen Nachrichten, die fĂŒr die Menschen vor Ort wichtig sind. Und wir zeigen auf, wie die Gemeinden miteinander vernetzt sind – auf vielfĂ€ltige Weise. Ob zu Verkehrs- oder Umweltschutzthemen, gemeinsamen VerbĂ€nden und VertrĂ€gen – unsere Gemeinden im Berichtsgebiet sind vielfĂ€ltig verbunden, ebenso die Leserinnen und Leser.

Vielleicht vermisst man die ein oder andere Nachricht – da bitten wir um Nachsicht. Unsere Redaktion arbeitet sehr engagiert und wir mĂŒssen manchmal den Mut zur LĂŒcke haben, weil wir (noch) nicht jeden Termin besetzen können.

Sicher ist es auch Zeit, sich auf wesentliche Dinge zu konzentrieren. Überbordende Berichte in den Zeitungen ĂŒber Vereinsfeste haben BedĂŒrfnisse geweckt, die fraglich sind. Was ist die Nachricht? „FĂŒrs leibliche Wohl wurde gesorgt?“ Meinetwegen: Der Satz erzĂ€hlt die gesamte Geschichte. Es gab zu Essen und zu Trinken. Und wenn das nicht reicht, ruft man auch höhrere Instanzen dazu: „Der Wettergott war den GĂ€sten gnĂ€dig, der kĂŒhle Gerstensaft floß in Strömen und die Luft war erfĂŒllt vom Duft leckerer BratwĂŒrste“.

Gegen die Bratwurst-Berichterstattung

Das ist fettigster Bratwurst-„Journalismus“ und hat mit Journalismus nichts zu tun. Ganz klar ist es wichtig und richtig ĂŒber Feste zu berichten. Wir machen das auch – bei Vereinsfesten oft nur mit kurzen Texten (Ein Fest hat stattgefunden), dafĂŒr aber mit vielen Fotos. Die erzĂ€hlen die Geschichte besser als zusammengeschwurbelte Nonsens-„Berichte“.

Sie, liebe Leserinnen und Leser, können aktiv daran teilhaben, das „Produkt“ Journalismus zu bewerten. Bringen Sie sich ein – schreiben Sie uns und anderen, was gefĂ€llt und was nicht. Journalismus muss man nicht hinnehmen, man kann seit dem Internet daran teilhaben. Sie können Kommentare schreiben und viel einfacher als frĂŒher die Redaktion direkt erreichen, sich mit Hinweisen, VorschlĂ€gen und Kritik einbringen. Jedenfalls bei uns.

Wir freuen uns ĂŒber die Beliebtheit unserer Montagskolumnen, der ausgewĂ€hlten Tipps & Termine und der regen Teilnahme ĂŒber Kommentare auf den Blogs oder bei unseren Facebook-Seiten.

Herzlichen Dank an die Leser und Kunden

Nach drei Jahren Heddesheimblog & Co, möchte ich Ihnen sehr herzlich genau dafĂŒr danken. FĂŒr UnterstĂŒtzung und Kritik – beides gab es zuhauf.

Hardy Prothmann ist seit 21 Jahren als Journalist tÀtig und seit drei Jahren als "Blogger".

FĂŒr die Zukunft wĂŒnsche ich mir noch mehr kritische Anteilnahme, weil wir alle gemeinsam mit unserem Interesse fĂŒr etwas einstehen, was ein absolutes Privileg ist: Freiheit, vor allem Meinungsfreiheit. Ohne diese ist Demokratie nicht möglich. Da ich viel im Ausland gelebt habe und auch von dort berichtet, weiß ich unser freiheitliche Grundordnung uneres Heimatlandes sehr zu schĂ€tzen.

Deswegen freue ich mich mit Ihnen und dem Team, wenn Sie uns weiter gewogen bleiben, uns mit Interesse und Informationen unterstĂŒtzen. Den anderen „Heddesheimblogs“, egal, ob am Tegernsee, im Prenzlauer Berg, in Regensburg, in Weiterstadt oder Bretten oder Schweinfurt oder in vielen anderen Orten wĂŒnschen wir viel Erfolg, immer den richtigen journalistischen Riecher und einen erfolgreichen Aufbau ihrer Angebote.

In diesem Sinne möchte ich mich bei allen Mitwirkenden bedanken, selbstverstĂ€ndlich sehr besonders bei meiner Frau und der Familie, fĂŒr das Engagement, das VerstĂ€ndnis, das Interesse und die aktive Teilnahme.

Im ersten Interview zum „Heddesheimblog“ hat mich der Kollege Thomas Mrazek gefragt, warum ich das mache, was meine Motivation ist?

Meine Antwort: Ich habe den Spaß meines Lebens.

Das gilt bis heute.

Herzlichst Ihr

Hardy Prothmann

Nehmen Sie die VogelfĂŒtterung wieder auf, damit es keinen stummen FrĂŒhling gibt


Das Usutu-Virus hat der Amsel schwer zu schaffen gemacht.

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 29. Oktober 2011. Dem Heddesheimer Vogel-Experten Kurt Klemm wurden allein in diesem Sommer rund 300 tote Amseln gemeldet, die vermutlich ĂŒberwiegend durch das Usutu-Virus eingegangen sind. Deshalb hatte der VogelschĂŒtzer im Sommer dazu aufgefordert, keine Vögel zu fĂŒttern, um eine gegenseitige Infektion an Futterstellen zu vermeiden. FinkenbestĂ€nde wurden durch einen Einzeller dezimiert.
Die Vögel, die durchgehalten haben und ĂŒberwintern, dĂŒrften infektionsfrei sein, denn der HauptĂŒbertrĂ€ger, die StechmĂŒcke, fĂ€llt als ÃƓbertrĂ€ger aus. Deshalb ruft Kurt Klemm zur VogelfĂŒtterung ĂŒber den Winter auf, denn viele Vögel finden in der freien Natur lĂ€ngst nicht mehr genug Nahrung.

Von Kurt Klemm

Der Tod vieler drosselartiger Vögel, zu der auch die Amsel gehört, hat alle Vogelfreunde tief erschĂŒttert. Kaum ein melodischer Gesang war in der Natur, vom Sommer bis jetzt, zu hören. Beim morgendlichen Gang durch den Garten herrschte eine gespenstige Ruhe, so dass ein stummer FrĂŒhling im kommenden Jahr nicht auszuschließen ist. Schuld daran ist das Usutu-Virus.

Das Usutu Virus, stammt aus Afrika und verdankt seinen Namen einem Fluss in „Swasiland“. Das Virus kann vermutlich durch infizierte Zugvögel oder durch StechmĂŒcken nach Europa gekommen sein. Nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts fĂŒr Tropenmedizin (BNI) in Hamburg wurde der Erreger bei einem Schnelltest bei einer Amsel aus Birkenau (Hessen) nachgewiesen. „Wenige Tage danach ist das Virus bei vier Amseln in Mannheim sowie in Dossenheim in Baden-WĂŒrttemberg entdeckt worden, dies bestĂ€tigte das Friedrich-Loeffler-Institut“, laut Wikipedia. „Betroffen sind auch Sperlinge und Eulen.“

Nach den Verlustmeldunge,n die ich alleine aus dem Rhein-Neckar-Kreis erhielt, wurden mehr als 300 tote Amseln aufgefunden.

Aber die aufgefundenen toten Vögel, sind nur die Spitze des Eisberges, da sich die meisten erkrankten Tiere instinktmĂ€ĂŸig im GebĂŒsch verkriechen, so dass die Dunkelziffer wesentlich höher ist. Wie hoch genau, das werden wir erst in den nĂ€chsten Jahren erfahren. Es ist offen, inwieweit sich die VogelbestĂ€nde davon erholen werden.

Auch in unseren NachbarlĂ€nder, Österreich (2001-2002), Schweiz (2006), Ungarn (2008) und Italien (2009) hat es in den vergangenen Jahren ein Massensterben unter den Amseln gegeben. Der BNI-Virologe Jonas Schmidt-Chanasit Leiter der virologischen Diagnostik, hat daher wenig gute Nachrichten: „So ein Vogelsterben kann mehrere Jahre andauern, bis die Tiere immun sind.“

Das Virus kann auch auf den Menschen ĂŒbertragen werden, so wie es 2009 in Italien erstmals der Fall war. In Deutschland ist bisher kein ĂŒbergreifen auf den Menschen festgestellt worden.

Bei den Singvögeln und hier hauptsĂ€chlich bei den GrĂŒnfinken grassierte ein Einzeller namens „Trichomonas gallinae“ und fĂŒhrte in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin zu großen Verlusten. Dieser Erreger, der von Tauben ĂŒbertragen wird, hat in diesem Jahr auch bei uns in Nordbaden neben den drosselartigen Vögeln, besonders bei unseren Finken große BestĂ€nde vernichtet.

Da beim Usutu-Virus der HauptĂŒbertrĂ€ger StechmĂŒcken sind, dĂŒrfen die Tierliebhaber ihre gefiederten Freunde wieder fĂŒttern, da vom Futterhaus keine Gefahr mehr ausgeht.

Zur Person:
Kurt Klemm ist Heddesheimer und anerkannter VogelschĂŒtzer. Der MitgrĂŒnder des Heddesheimer Vogelparks und Mitglied der Vogelfreunde setzt sich darĂŒber hinaus intensiv fĂŒr den Umwelt- und Naturschutz ein. Er ist Mitglied der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen im Heddesheimer Gemeinderat.

FĂŒr RĂŒckfragen steht Ihnen Kurt Klemm telefonisch zur VerfĂŒgung: 06203-9585824

PortrÀt Kurt Klemm

Höchste Auszeichnung: AZ-Naturschutzpreis fĂŒr die Heddesheimer Vogelfreunde

VDW-Naturschutzpreis fĂŒr Kurt Klemm

„Ich suche stĂ€ndig nach innovativen Produkten.“

Sonderveröffentlichung

Herr Dufek, warum machen Sie bei der diesjÀhrigen Leistungsschau des BdS mit?
Peter Dufek: „Damit wir unsere Leistungen und uns persönlich vorstellen können. NatĂŒrlich kennen uns schon viele Heddesheimer, wir sind ja seit 1998 in Heddesheim, aber es Ă€ndert sich auch immer etwas.“

Was meinen Sie?
Dufek: „Die technischen Lösungen und Angebote. Vor zwanzig Jahren waren Solaranlagen noch etwas ganz besonderes. Heute sind sie fast Standard oder sogar ein Muss.“

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Installateur- und Heizungsbauermeister Peter Dufek ist seit August 1999 selbststĂ€ndig in Heddesheim und fĂŒhrt ein fĂŒnfköpfiges Team.

Stellen Sie innovative Produkte aus?
Dufek: „Ja. Beispielsweise ganz neue Heizkörper von Vogel&Noot, die sich durch eine enorme VielfĂ€ltigkeit auszeichnen.“

Neue Heizkörper und eine umweltfreundliche Pumpe.

Das heißt?
Dufek: „In diesem Fall ist nicht die technische Neuerung besonders, sondern das Design – da ist fĂŒr jeden Geschmack etwas dabei. Ein tolles Produkt.“

Und technisch?
Dufek: „Hier stellen wir eine LuftwĂ€rmepumpe aus, die kaum Strom braucht und damit enorm umweltfreundlich arbeitet.“

Und von den Leistungen?
Dufek: „Neben den rein handwerklichen Leistungen suche ich fĂŒr unsere Kunden immer nach neuen Lösungen im Markt. Die Produkte mĂŒssen technisch zuverlĂ€ssig und umweltfreundlich sein sowie ein sinnvolles Preis-LeistungsverhĂ€ltnis haben – egal ob Gas, Wasser, SanitĂ€r oder im Heizungsbereich.“

A propos Heizung. Das ist im Moment doch kein Thema mehr?
Dufek: „Aber klar ist das ein Thema. Im Sommer sollten die Wartungsarbeiten gemacht werden, damit die Heizung im Winter auch störungsfrei arbeitet.“

Heizung ist gerade im Sommer ein Thema – im Winter sollte sie funktionieren.

Was sollte gemacht werden?
Dufek: „Ich empfehle meinen Kunden, ihre Heizungen jedes Jahr zu warten. Einerseits mĂŒssen die feuerungstechnischen Komponenten ĂŒberprĂŒft und eingestellt und andererseits der Brenner gereinigt werden.“

Reicht das nicht alle paar Jahre?
Dufek: „Der Glaube, dass man sich hier Geld sparen kann, ist ein Irrtum. Reinigung und Wartung kosten je nach Heizung rund 100-120 Euro netto. DafĂŒr hat der Kunde die Garantie, dass die Heizung auch lĂ€uft. Exakt eingestellte Heizungen verbrauchen weniger, hier spart sich der Kunde also das Geld zurĂŒck und tut auch etwas fĂŒr die Umwelt. Kommt es mangels Wartung zu einem Ausfall, sind die Kosten meist viel höher.“

Sie bieten seit Mai 2009 auch eine Abholtheke an. Wie hat sich das Angebot entwickelt?
Dufek: „Sehr gut. Es hat sich schnell herumgesprochen, dass Kunden bei uns einerseits Kleinteile bekommen, aber auch eine fachlich kompetente Beratung zu Gas, Wasser, SanitĂ€r und Heizungen.“

Link: Dufek-Heizung

BUND Jahreshauptversammlung

Guten Tag!

Heddesheim, 26. Februar 2010. (red/pöl) Die BUND Ortsgruppe Heddesheim hatte zur Jahreshauptversammlung am 23. Februar 2010 ins BĂŒrgerhaus eingeladen. Neue Vorsitzende ist Maria Landenberger.

Der stellvertretende Vorsitzende Dr. Klaus Wagner berichtete von den AktivitĂ€ten im Jahr 2009. Die „Aktion saubere Flur“, sprich MĂŒll einsammeln, wurde von vielen BĂŒrger/innen und SchĂŒlern angenommen. Der Bauhof stellte hierfĂŒr drei Fahrzeuge, MĂŒllsĂ€cke und Handschuhe kostenlos zur VerfĂŒgung.

Wenig aktive zur Zeit beim BUND. Bild: hlbog/pöl

Wenig aktive zur Zeit beim BUND. Bild: hlbog/pöl

Das „Highlight“ war die Die „72 Stundenaktion“ der Heddesheimer Firmlinge und Ministranten, fĂŒhrte zu einem Geschenk an den BUND, sagte Wagner. Die Organisation lag in den HĂ€nden der katholischen Kirche. Der BUND ĂŒbernahm die Planungsarbeiten, Material Materialbeschaffung sowie Anleitung der Jugendlichen. Es wurden eine zwei Trockenmauern mit Schautafel und ein Insektenhotel hergestellt. Im SpĂ€tsommer wurde die Informationstafel des Insektenhotels beschmiert. Die Tafel an der Trockenmauer wurde von Vandalen verwĂŒstet.

In der zweiten JahreshĂ€lfe steigerten sich die AktivitĂ€ten zur geplanten Ansiedlung der Spedition „Pfenning“. Hier wurde eine Informationsveranstaltung in Zusammenarbeit mit der „IG neinzupfenning“ und dem Ortsverein BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen durchgefĂŒhrt. „Im Mitteilungsblatt wurden ĂŒber ein Dutzend Artikel ĂŒber die nachhaltige Entwicklung im Gewerbegebiet veröffentlicht“, so Richard Landenberger, der Vorsitzende im Verbund Rhein-Neckar-Odenwald des BUND.

Die jĂ€hrlich durchgefĂŒhrten Pflegearbeiten im Biotop wurden wegen Meinungsverschiedenheiten mit der Gemeinde nicht durchgefĂŒhrt. „Die Gemeinde wollte von unserer „72 Stundenaktion“ zweiundsiebzig Punkte auf das Ökokonto buchen. Unsere Arbeit hĂ€tte die Zerstörung der Natur an anderer Stelle erlaubt“, sagte Wagner. Mittlerweile sei das geklĂ€rt und der BUND wolle weiter mit der Gemeinde zusammenarbeiten

Gerda HĂ€rdle hat an der SchmetterlingszĂ€hlung des BUND teilgenommen und diese am Biotop beobachtet. „Um Grundschulkindern die Lebensweise von Amphibien im Biotop nĂ€her zu bringen, haben wir die GĂ€nswiesen in Hemsbach besucht. Die ins Auge gefasste zweite BĂŒrgerphotovoltaikanlage auf dem Dach der Johannes-Kepler-Schule haben wir nicht durchgefĂŒhrt, da die Stadtwerke Viernheim sich dafĂŒr angeboten haben“, sagte Wagner.

„Am 07. MĂ€rz werden wir unsere Aktion „Saubere Flur 2010″ um 9:00 Uhr starten. Die Ortsgruppe feiert dieses Jahr ihr 25-jĂ€hriges JubilĂ€um. Es ist eine Picknickaktion angedacht“, sagte Dr. Klaus Wagner.

Zur 1. Vorsitzenden wurde einstimmig Maria Landenberger gewĂ€hlt, nachdem Thomas Wurm wegen eines Wegzugs in die Pfalz nicht mehr zur VerfĂŒgung stand. Die Wahl des stellvertretenden Vorsitzenden und Kassier Dr. Klaus Wagner erging ebenfalls einstimmig.

Der BUND hat in der Vergangenheit mehrere aktive Mitglieder wegen Wegzugs verloren und hofft auf neue Aktive.

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Das heddesheimblog

Anm. d. Red.: Der Artikel wurde auf Grund der Anmerkungen korrigiert, bzw. ergÀnzt.

Feuerwerk: Feinstaub, LĂ€rm und Treibhausgas

Guten Tag!

Heddesheim, 31. Dezember 2009. Bleigießen, ein GlĂ€schen Sekt und das Feuerwerk um Mitternacht gehören fĂŒr die meisten BĂŒrgerinnen und BĂŒrger in Deutschland traditionell zum letzten Abend des Jahres. Jeder kennt aber auch die Situation, wenn um Mitternacht die Luft „zum Schneiden“ ist, die Augen brennen und es im Hals kratzt. Wenn wir Feuerwerkskörper abbrennen, steigt die Belastung der Luft mit Schadstoffen explosionsartig an.

Zu großen Teilen besteht der Feuerwerksqualm aus Feinstaub (PM – Particulate Matter, PM10 – Staubteilchen mit einem Durchmesser <10”m). Es ist erwiesen, dass Feinstaub negativ auf den Gesundheitszustand wirkt.

Bis zu 100 Mal höhere Belastung mit Feinstaub

feuerwerk

Schönes Spektakel bringt Feinstaub, LĂ€rm und MĂŒll. Bild: Umweltbundesamt

Beispielhafte Auswertungen des Umweltbundesamtes fĂŒr den Jahreswechsel 2005/2006 zeigen, dass am ersten Tag des neuen Jahres die Luftbelastung mit gesundheitsgefĂ€hrdendem Feinstaub vielerorts so hoch ist wie sonst im ganzen Jahr nicht. PM10-Stundenwerte von bis zu 4000 ”g/m³ (4000 ”g/m³ = 4000 Mikrogramm PM10 pro Kubikmeter Luft) sind in der ersten Stunde des neuen Jahres in GroßstĂ€dten keine Ausnahme. Im stadtnahen, lĂ€ndlichen Bereich erreichen die PM10-Stundenwerte zwar nicht derartige Spitzen, doch ein drastischer Anstieg ist auch hier festzustellen.

In Deutschland werden zu Silvester rund 10.000 Tonnen Feuerwerk abgebrannt. Dabei werden große Mengen Feinstaub freigesetzt.

Pikant: Keine der 39 StĂ€dte, die 2009 eine Umweltzone haben, verbietet die Knallerei. Dabei sind Umweltzonen eingerichtet worden, um die Feinstaub-Belastung in der Luft zu senken. Dabei ist die Luft an keinem Tag im Jahr so hoch mit Feinstaub belastet wie am 1. Januar. Das Umweltbundesamt berichtet, dass zwischen Mitternacht und ein Uhr frĂŒh die Belastung bis zu hundert mal höher ist als normal.

Die rund 10.000 Tonnen Feuerwerk der Deutschen belasten zudem die AtmosphĂ€re mit verschiedenen Treibhausgasen, deren Klimawirkung rund 2.300 Tonnen Kohlendioxid entspricht. Diese Zahl hat die Landwirtschaftliche Versicherungsanstalt MĂŒnster nach Angaben des Versicherungskonzerns Allianz ermittelt.

10.000 Tonnen Knaller = 550 FlĂŒge MĂŒnchen/New York und zurĂŒck

Dies entspreche 25 Gramm CO2 pro Kopf der Bevölkerung oder 550 ÃƓberseeflĂŒgen von MĂŒnchen nach New York und wieder zurĂŒck. Da jeder Einwohner in Deutschland pro Jahr rechnerisch rund zwölf Tonnen CO2 freisetze, falle der Beitrag durch das Silvester-Feuerwerk allerdings vergleichsweise gering aus.

Bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Allianz erklĂ€rten 77 Prozent der Befragten, ihnen falle zum Thema Silvester-Feuerwerk vor allem Geldverschwendung ein. Rund 71 Prozent fĂŒrchten sich vor Verletzungen, 63 Prozent halten die MĂŒllberge fĂŒr problematisch und etwas mehr als die HĂ€lfte denken an SachbeschĂ€digungen. Die deutschen Versicherungen zahlen laut Allianz jĂ€hrlich rund 40 Millionen Euro fĂŒr mehr als 22.000 SachschĂ€den, die in der Weihnachtszeit und der Silvesternacht entstehen.

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Einzelheiten zur BUND-Informationsveranstaltung


Guten Tag!

Heddesheim, 11. September 2009. Der BUND hat per Pressemitteilung Einzelheiten ĂŒber die Informationsveranstaltung am 16. September 2009 bekannt gegeben.

So werden vier Hauptredner auftreten: Richard Landenberger (Vorsitzender BUND Rhein-Neckar-Odenwald) wird zusammen mit Kurt Fleckenstein (Landschaftsarchitekt, IG neinzupfenning), GĂŒnther Heinisch (Gemeinderat der GRÃƓNEN) und Michael Bowien (Gemeinderat der SPD) ĂŒber die Folgen der Ansiedlung der Pfennig-Gruppe fĂŒr Mensch, Natur und Umwelt informieren.

Richard Landenberger vom BUND kritisiert vor allem den enormen FlĂ€chenverbrauch von 20 Hektar, zu dem es bei der Ansiedlung des Logistikdienstleisters kommen wĂŒrde. Die damit einhergehende FlĂ€chenversiegelung hĂ€tte auch weitreichende Folgen fĂŒr das örtliche Ökosystem und den Wasserhaushalt. Zudem ziehe der FlĂ€chenverbrauch eine massive Erhöhung der Verkehrsbelastung fĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger mit sich.

Dr. Kurt Fleckenstein wird zur „Belastung von Siedlung und Landschaft“ reden. Michael Bowien widmet sich in seinem Vortrag einem möglichen Leitbild fĂŒr die Gemeinde. GĂŒnther Heinisch spricht ĂŒber das geplante „Pfenning“-Projekt aus Sicht der GrĂŒnen.

Als Schwerpunkt sollen bei dem BĂŒrgerabend die Möglichkeiten einer nachhaltigen Entwicklung des Gewerbegebiets ohne weitere Logistikansiedlung aufgezeigt werden. In diesem Zusammenhang ist die Bildung einer Arbeitsgruppe geplant.

Termin und Ort: Mittwoch, 16. September 2009, 19:00 Uhr, BĂŒrgerhaus
Die Veranstaltung ist kostenlos und richtig sich an alle BĂŒrger

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Rhein-Neckar Energie GmbH gegrĂŒndet


Guten Tag!

Rhein-Neckar-Kreis, 12. August 2009. Die VR Abfallverwertungsgesellschaft und die MVV Energiedienstleistungen haben heute in Mannheim die GrĂŒndung der gemeinsamen Tochtergesellschaft Rhein-Neckar Energie GmbH (RNE) bekannt gegeben. Das GeschĂ€ftsmodell der RNE ist eine möglichst klimaschonende Energieversorgung in der Region.

Die Rhein-Neckar Energie GmbH hat grĂ¶ĂŸere Biomasse- und Energieeinsparprojekte im Fokus und wirbt fĂŒr sich damit, die CO2-Bilanz der Metropolregion verbessern zu wollen.

Das in Sinsheim ansĂ€ssige Unternehmen will sich auf grĂ¶ĂŸere umweltfreundliche Biomasseheizkraftwerke und auf ressourcenschonende Energieeinsparcontracting-Projekte konzentrieren. DarĂŒber hinaus will es die Gemeinden der Metropolregion Rhein-Neckar dabei unterstĂŒtzen, zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umzustellen und damit einen lokalen und regionalen Beitrag zur Senkung des CO2-Ausstoßes zu leisten.

GefĂŒhrt wird die RNE von je einem Mitarbeiter von AVR und MWW sowie zwei Prokuristen. ArbeitsplĂ€tze schafft die RNE also zunĂ€chst keine. AuftrĂ€ge werden an die Abteilungen der beiden „MĂŒtter“ weitergegeben. Die MVV hĂ€lt 50,1 Prozent, die AVR 49,9 Prozent an der RNE.

„Klimaschutz ist eine weltweite und damit auch regionale und lokale Herausforderung“, sagte der Vorstandsvorsitzende der MVV Energie, Dr. Georg MĂŒller. „Genau das ist der Ansatz der RNE – wir wollen fĂŒr unsere Kunden innovative, umweltschonende Technika anbieten.“

Der Landrat des Rhein-Neckar-Kreises, Dr. JĂŒrgen SchĂŒtz, zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats der AVR, sagte: „Die Frage nach einer effizienten und umweltfreundlichen Energieversorgung wird uns alle immer mehr beschĂ€ftigen mĂŒssen. Ich freue mich, dass die AVR in der MVV einen kompetenten Partner gefunden hat.“

Alfred Ehrhard, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der AVR und der RNE Rhein-Neckar Energie GmbH, sagte: „Abfall ist eine Ressource, gerade wenn es sich um Bioabfall handelt. Beispielsweise GrĂŒnschnitt, StraßenbegleitgrĂŒn oder LandschaftsabfĂ€lle wie Holz. Von der Sammlung, Aufbereitung, Lagerung bis hin zum Transport kennen wir uns bestens mit dem umweltschonenden Brennstoff Biomasse aus.“ Und weiter: „Die Beteiligung am Markt fĂŒr die Nutzung regenerativer Energien ist die logische Weiterentwicklung der Abfallwirtschaft zur Rohstoffwirtschaft und das Erkennen von Abfall als Wirtschaftsgut und Rohstoff.“

Michael Blichmann, GeschĂ€ftsfeldleiter der MVV Energiedienstleistungen GmbH und ebenfalls GeschĂ€ftsfĂŒhrer der RNE Rhein-Neckar Energie GmbH, sagte: Wir bringen unser bundesweit erworbenes Know-how bei der technischen Konzeption und der Projektentwicklung, bei Planung, Bau und Betrieb von Biomasse- und Biogasanlagen sowie bei Energieeinspar-Projekten in die RNE ein.

ZunĂ€chst will sich die RNE nur auf den Rhein-Neckar-Kreis konzentrieren. „Die StĂ€dte Mannheim und Heidelberg bleiben zunĂ€chst außen vor“, sagte Alfred Ehrhard auf Nachfrage des heddesheimblogs. BestĂ€tigt wurde ebenfalls auf Nachfrage, dass die beiden Unternehmen schon seit sechs Monaten Projekte vorbereiten und mit möglichen Kunden im Kontakt stehen. In Sinsheim gibt es mit einem Krankenhaus bereits einen Vertrag ĂŒber das Energiecontracting (Konzept und Kontrolle bei der Energieeinsparung).

ÃƓberlegt wird auch, ob das Sinsheimer Biomassewerk von der NRE ĂŒbernommen und betrieben werden soll: „Dazu brauchen wir aber noch ein FernwĂ€rmenetz“, sagte Ehrhard.

Georg MĂŒller sagte: „Was wir hier vorhaben, hat nichts mit der bekannten, klassischen Versorgung mit Energie zu tun, sondern orientiert sich an den BedĂŒrfnissen des Kunden. Nicht der Kunde nimmt, was wir bieten, sondern wir passen uns dem Kunden an.“ Die MVV Energiedienstleistungen betreibt bundesweit bereits ĂŒber 30 Biomassewerke.

Redaktion heddesheimblog

Gastbeitrag: Was „nachhaltig“ bedeutet

Guten Tag!

Heddesheim, 11. August 2009. red. Richard Landenberger ist Vorsitzender des Regionalverbands des BUND Rhein-Neckar-Odenwald und Mitglied der BUND Ortsgruppe Heddesheim. In seinem Gastbeitrag versucht Richard Landenberger den Begriff der Nachhaltigkeit fĂŒr die Leserinnen und Leser konkret vor Ort verstehbar zu machen.

Von Richard Landenberger

In den Diskussionen der vergangenen Wochen ist der Begriff „Nachhaltigkeit“ oft aufgetaucht. Viele wissen nicht so recht, was sie damit anfangen sollen, da dieser Begriff oft ins Gegenteil verbogen wird.

FĂŒr den BUND ist die Nachhaltigkeit eine der SĂ€ulen seiner Politik. Wie diese nachhaltige Politik aussehen sollte, hat er in seinen beiden Studien „ZukunftsfĂ€higes Deutschland“ (1996 zusammen mit Misereor herausgegeben) und „ZukunftsfĂ€higes Deutschland in einer globalisierten Welt“ (2008 zusammen mit Brot fĂŒr die Welt und eed herausgegeben) beschrieben. Wobei hier der Begriff ZukunftsfĂ€higkeit gleichbedeutend mit Nachhaltigkeit zu verstehen ist.

Wer die Reden unserer Bundespolitiker verfolgt wird erkennen, dass sowohl BundesprĂ€sident Köhler als auch Bundeskanzlerin Merkel in ihren Reden auf die Begrifflichkeiten dieser Studien zurĂŒckgreifen. Dass zwischen ihren Worten und Taten Welten liegen, ist dabei das große Problem.

Die Nachhaltigkeit beinhaltet das Ziel, Natur und Umwelt fĂŒr die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Dies umfaß den Erhalt der Artenvielfalt, den Klimaschutz, die Pflege von Kultur- und LandschaftsrĂ€umen in ihrer ursprĂŒnglichen Gestalt sowie generell einen schonenden Umgang mit der natĂŒrlichen Umgebung.

Da unsere Erde durch die Zerstörung der Natur am meisten gefĂ€hrdet ist und aus dieser Zerstörung die sozialen und ökonomischen Probleme der Zukunft geprĂ€gt werden, muß eine ökologische Politik den Vorrang haben. Die sozialen und wirtschaftlichen Probleme werden durch Vorrang der Ökologie mit am besten gelöst.

Dabei haben die Kommunen große Möglichkeiten fĂŒr eine nachhaltige Entwicklung zu sorgen. Der BUND Baden-WĂŒrttemberg hat Forderungen fĂŒr eine zukunftsfĂ€hige kommunale Umwelt- und Naturschutzpolitik erhoben.

Neben Forderungen und VorschlÀgen zum Verkehrsbereich, zum Energiebereich und anderen Bereichen steht hier Reduzierung des FlÀchenverbrauchs an erster Stelle.

Wenn die Perspektiven unserer Gemeinde ernsthaft diskutiert werden sollten, dann mĂŒssen alle Vorhaben auf ihre Nachhaltigkeit ĂŒberprĂŒft werden.

„Die Pressemitteilung ist lĂŒckenhaft und falsch“


Guten Tag!

Heddesheim, 1. August 2009. Der freie Journalist Hardy Prothmann nimmt fĂŒr das heddesheimblog am so genannten „Dialog„-Kreis teil. Diesem Kreis gehören etwa 20 Personen an, die bis auf einen BĂŒrger alle persönliche, geschĂ€ftliche oder politische Interessen verfolgen.

Der Mannheimer Morgen hat ĂŒber den „zweiten Dialogkreis“ einen Artikel geschrieben und schreibt zum Schluss des Textes: „Am Ende der Sitzung verfassten die Teilnehmer eine gemeinsame Pressemitteilung, mit der sich Hardy Prothmann inhaltlich nicht einverstanden erklĂ€rte.“

Das heddesheimblog veröffentlicht hier die kommentierte Pressemitteilung und listet darin die GrĂŒnde auf, warum Hardy Prothmann nicht bereit war, dieser zuzustimmen.

Kommentar: Hardy Prothmann

Wie der „Dialog“ ablĂ€uft, bestimmt die IFOK, ein von der Gemeinde Heddesheim teuer bezahltes PR-Unternehmen. Das angebliche Ziel dieser GesprĂ€chsrunde steht in der Pressemitteilung:

„Ziel des Dialogkreises ist es, Fakten zu diskutieren und zu sammeln, an die BĂŒrger zurĂŒckzugeben und ihnen somit eine Entscheidungsgrundlage in der Frage der geplanten Ansiedlung des Logistik-Unternehmens Pfenning zu geben.“

Diese Behauptung ist nichts anderes als eine massive TĂ€uschung der Öffentlichkeit. Egal, wie viele Fakten die BĂŒrger haben – die BĂŒrger haben nichts zu entscheiden – sie können sich nur eine Meinung bilden. Allein der Gemeinderat entscheidet ĂŒber das Projekt.

Bei der zweiten Sitzung zeigte sich der Moderator Andreas Ingerfeld heillos ĂŒberfordert. Manche GesprĂ€chsteilnehmer ließ er ĂŒber zehn Minuten am StĂŒck reden. Bei anderen ließ er zu, dass diese mehrfach in ihrer Wortmeldung unterbrochen wurden.

Außerdem durften BefĂŒrworter des Projekts nach Belieben und nicht in der Reihenfolge der Wortmeldungen das Wort ergreifen. Es handelte sich also nicht um einen moderierten, sondern um einen chaotischen „Dialog“.

Die vorgelegte Pressemitteilung ist ebenfalls als TĂ€uschung der Öffentlichkeit zu bewerten. Entscheidende Teile und Aussagen des „Dialogs“ fehlen, Nebenaspekte werden hervorgehoben.

Dieser „Dialog“ wird nicht kontrovers, sondern chaotisch gefĂŒhrt

ÃƓber das Chaos und die Anfeindungen wĂ€hrend der Veranstaltung wird nur ein Wort verloren: „Kontrovers“ sei die Diskussion gewesen. Der Inhalt des Textes informiert nicht im Ansatz darĂŒber, wie heftig es teilweise zuging.

Es steht auch nichts darin, wie der BĂŒrger Heinz Franke durch den BĂŒrgermeister und Herr Nitzinger angegriffen wurde. Herr Franke hat GrĂ¶ĂŸe gezeigt und Haltung bewahrt.

Der Mannheimer Morgen schreibt: „Am Ende der Sitzung verfassten die Teilnehmer eine gemeinsame Pressemitteilung, mit der sich Hardy Prothmann inhaltlich nicht einverstanden erklĂ€rte.

Diese Information ist nur fast richtig. TatsĂ€chlich richtig ist: Eine Mitarbeiterin der IFOK hat die Pressemitteilung verfasst, die an zwei oder drei Stellen von den zitierten Personen ein wenig verĂ€ndert wurde. Und das nach ĂŒber drei Stunden Sitzung, gegen 21:45 Uhr – die meisten wollten nur noch nach Hause. Im Krimi unterschreibt in dieser Situation fast jeder ein „GestĂ€ndnis“.

Fatal ist, dass mit dieser „gemeinsamen Pressemitteilung“ nach außen so getan wird, also herrschte eine „ÃƓbereinkunft“ ĂŒber die Inhalte. Der Tag wird kommen, an dem „interessierte Kreise“ diese „gemeinsamen Pressemitteilungen“ verwendet werden, um zu beweisen, dass es diese „ÃƓbereinkĂŒnfte“ gab.

Jeder, der dann nicht mehr zustimmen will – macht sich unglaubwĂŒrdig. Das ist Teil der Strategie dieses „Dialogs“.

Ebenfalls nur fast zutreffend ist: Ich war nicht nur nicht einverstanden, ich habe die Pressemitteilung abgelehnt.

Warum, hat mich der Mannheimer Morgen nicht gefragt, obwohl die Autorin, Frau Görlitz, dafĂŒr ausreichend Gelegenheit gehabt hat.

Lesen Sie dazu auch:
Kommentar: Der Dialog ist keiner – weil er nicht gewĂŒnscht ist
Bericht: Zweites „Dialog“-GesprĂ€ch – Erregte Diskussion II
Bericht: Zweites „Dialog“-GesprĂ€ch – Erregte Diskussion I
Bericht: Das „Pfenning“-Projekt aus Sicht des Planers
Bericht: Zweites „Dialog“-GesprĂ€ch mit neuen Programmpunkten

Geplante Chemie-Lager fallen unter „Störfall“-Verordnung

Guten Tag!

Heddesheim, 26. Juli 2009. In der Gemeinderatssitzung vom Donnerstag, den 23. Juli 2009, wurde nochmals der Bebauungsplan-Entwurf zur geplanten Pfenning-Ansiedlung vorgestellt.
Dabei wurden einige Fachbegriffe und Gesetze zitiert. Das
heddesheimblog hat nachgelesen. Ein Fachbegriff heißt ĂŒbersetzt „Störfall-Verordnung“.

Wie der Planer Ulrich StĂŒdemann vom Architekten-BĂŒro Sartorius in Bensheim erlĂ€uterte, fallen 5000 Quadratmeter im „Sondergebiet 1“ unter die „besonders strengen“ Vorschriften des 4. BImSCHV. Ausgeschrieben liest sich das so: „Vierte Verordnung zur DurchfĂŒhrung des Bundesimmissionsschutzes“.

SchÀdliche Umwelteinwirkungen und erhebliche Nachteile

Der rechtliche Beistand der Gemeinde, Dr. Thomas Burmeister, erklĂ€rte hierzu, dass auch die Lagerung von „ParfĂŒm“ ab einer gewissen GrĂ¶ĂŸenordnung unter diese Regelung fĂ€llt.

In der 4. BImSCHV heißt es unter:
„(2) Das Genehmigungserfordernis erstreckt sich auf alle vorgesehenen
1. Anlagenteile und Verfahrensschritte, die zum Betrieb notwendig sind, und
2. Nebeneinrichtungen, die mit den Anlagenteilen und Verfahrensschritten nach Nummer 1 in einem rĂ€umlichen und betriebstechnischen Zusammenhang stehen und die fĂŒr

a) das Entstehen schÀdlicher Umwelteinwirkungen,
b) die Vorsorge gegen schÀdliche Umwelteinwirkungen oder
c) das Entstehen sonstiger Gefahren, erheblicher Nachteile oder erheblicher BelĂ€stigungen von Bedeutung sein können.“

FĂŒr weitere geplante 35.000 Quadratmeter gibt es ebenfalls „besonders strenge Vorschriften“, die fallen unter 12. BImSCHV. Ausgeschrieben liest sich das so: „Zwöfte Verordnung zur DurchfĂŒhrung des Bundesimmissionsschutzes“.

Die Störfall-Verordnung beruht auf der
Seveso-II-Änderungsrichtlinie

Der rechtliche Beistand der Gemeinde, Dr. Thomas Burmeister, erklĂ€rte hierzu wie auch schon Vertreter der „Pfenning-Gruppe“, der BĂŒrgermeister und verschiedene GemeinderĂ€te der CDU und FDP, aber auch SPD, dabei handele es sich um „haushaltsĂŒbliche Waschmittel“, nur eben in grĂ¶ĂŸeren Mengen.


Das Bundesministerium fĂŒr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit schreibt dazu am 12. August 2008:

„Die Bundesregierung verstĂ€rkt die Vorsorge vor StörfĂ€llen in der Industrie. Gleichzeitig sollen mögliche Auswirkungen von IndustrieunfĂ€llen auf die Umwelt noch weiter begrenzt werden. Zur Umsetzung der so genannten Seveso-II-Änderungsrichtlinie wurden die Störfall-Verordnung und das Bundes-Immissionsschutzgesetz geĂ€ndert.“

Das Bayerische Landesamt fĂŒr Umwelt erlĂ€utert, was die 12. BImSCHV regelt:

„Die Störfall-Verordnung enthĂ€lt Vorschriften zur Verhinderung von StörfĂ€llen und zur Begrenzung ihrer Auswirkungen auf Menschen, Umwelt und SachgĂŒter. Die Vorschriften gelten fĂŒr Betriebsbereiche und bestimmt immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedĂŒrftige Anlagen, wenn die dort vorhandenen gefĂ€hrlichen Stoffe bestimmte in der Verordnung genannte Mengenschwellen ĂŒberschreiten. Je nach Art und Menge dieser vorhandenen Stoffe ergeben sich fĂŒr den Betreiber sog. Grundpflichten, wie z.B. die Erstellung eines Konzepts zur Verhinderung von StörfĂ€llen, oder sog. erweiterte Pflichten, wie die Erstellung eines Sicherheitsberichtes oder fĂŒr die Behörde die Erstellung externer Alarm- und GefahrenabwehrplĂ€ne.“

Störfall-Verordnung vs „handelsĂŒbliche Waschmittel“

WĂ€hrend also den Heddesheimern weiterhin erklĂ€rt wird, dass die geplanten Chemie-Lager der „Pfenning-Gruppe“ eigentlich harmlos seien, weil sie „handelsĂŒbliche Waschmittel“ und unter anderem ParfĂŒm dort lagerten, fallen beide Lager unter schĂ€rfste Umweltgesetze.

Das Wort „Störfall-Verordnung“ ist in der Diskussion um die geplante Pfenning-Ansiedlung in Heddesheim noch nicht gefallen – wird aber sicherlich ab sofort nicht mehr aus der Diskussion wegzudenken sein.

Interessant sind auch die ZustĂ€ndigkeiten: FĂŒr diese Lager sind das Landratsamt, die Landesregierung und die Gewerbeaufsicht zustĂ€ndig. Informationen ĂŒber den Zustand und die Wartung einer solchen „Anlage“ erhalten die zustĂ€ndigen Behörden.

Der Heddesheimer Gemeinderat und die Verwaltung hĂ€tten keinerlei Kontroll- oder Einflussmöglichkeiten auf diese als „hochgefĂ€hrlich“ eingestuften Pfenning-Lager nach ihrer Genehmigung.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog

Wachstum, Wettbewerb, Finanzen, Verkehr

Die FDP hat eine ordentliche Vorstellung ihrer Kandidaten vollzogen. Rund 60 Personen verfolgten die PrĂ€sentation – konzentriert und aufmerksam. FDP-Chef Frank Hasselbring zeigt sich dialogbereit in Sachen Pfenning – aber auch kenntnislos.

von Hardy Prothmann

Die AtmosphĂ€re im „Pflug“ war konzentriert. Die Dekoration mit Servietten auf den Tischen pflichtschuldig auf gelb-blau ausgerichtet. Vorne das Podium des Vorstands, davor in zwei langen Reihen die Tische fĂŒr die GĂ€ste, abgeschlossen von der Theke.

FDP-Chef Frank Hasselbring (64) ĂŒbernahm die Vorstellung des Parteiprogramms, das er als „umfangreiches Wahlprogramm“ bezeichnete und als „Fortschreibung der FDP-Politik“ verstanden wissen wollte.

„Wir brauchen Wachstum“, Frank Hasselbring.

Kernaussage: „Die Ausgaben steigen, deswegen brauchen wir Einnahmen und die erhalten wir ĂŒber Wachstum.“ Bis 2012 erwartet er Mindereinnahmen von drei Millionen Euro fĂŒr die Gemeinde auf Grund von SteuerschĂ€tzungen.

Die Nachbarkommunen wie Ladenburg oder Leutershausen und andere stehen im „Wettbewerb um neue BĂŒrger, Handel, und Gewerbe“, sagte Hasselbring. DafĂŒr mĂŒsse Heddesheim attraktive Angebote machen, um jungen Familien, aber auch Alleinerziehenden Möglichkeiten zu bieten, Familie und Beruf unter „einen Hut zu bekommen“.

Und fĂŒr das Verkehrsproblem wolle sich die FDP besonders einsetzen, durch eine erneute VerkehrszĂ€hlung und den Einsatz fĂŒr die Umgehungsstraße, sagte Hasselbring, der Punkt fĂŒr Punkt das Wahlprogramm des FDP-Ortsverbands vorstellte und erlĂ€uterte.

Kandidaten prÀsentieren sich

Gespannt wartete das Publikum auf die Vorstellung der Kandidaten. 16 der 22 Kandidaten prĂ€sentierten sich, mal wortgewandter, mal nervöser – ihre Schwerpunkte und Interessen machten sie aber deutlich. FĂŒr die nicht-anwesenden Kandidaten verlas Frank Hasselbring vom Blatt deren Botschaften.

Sympathien zog die erst 18 Jahre alte Luisa Gerstner auf sich, als sie sich nach einem guten Start verhaspelte, aber gut durch diese LĂŒcke kam. Sie will sich vor allem fĂŒr die Jugend einsetzen und fordert eine bessere Nahverkehrsanbindung zum Beispiel nach Ladenburg.
Der Grund ist klar: FĂŒr die Jugend gibt es zu wenig Angebote in Heddesheim. Und sie wĂŒnscht sich einen „Jugendgemeinderat“ aus allen Schichten, um im Ort Differenzen zu ĂŒberbrĂŒcken. Diese utopische Forderung wurde mit Wohlwollen zur Kenntnis, aber nicht wirklich ernst genommen.

Markus Schulz hatte in der konzentrierten AtmosphĂ€re die Lacher auf seiner Seite, weil er solide Finanzen fĂŒr die Gemeinde forderte und gleichzeitig seine Leidenschaft fĂŒrs Pokerspiel beschrieb. Der „frisch-diplomierte“ Kaufmann kam „gut rĂŒber“.

Fast alle Kandidaten forderten „solide Finanzen“, „Jugendarbeit“ und „Verkehrsberuhigung“ als wichtigste Aufgaben.

Als Frank Hasselbring zu einem „wichtigen“ Thema ĂŒberleitete, war der Saal hellwach: „Pfenning“, dachte jeder. Aber erst ging es um die Kreistagswahl.

Doch dann war es da, das Thema.

„Wir stehen Pfenning positiv gegenĂŒber“

„Wir stehen der Ansiedlung von Pfenning positiv gegenĂŒber“, sagte Frank Hasselbring und erlĂ€uterte die GrĂŒnde: Mehr ArbeitsplĂ€tze, wenn auch erst mittelfristig, Synergien fĂŒr Handel und Gewerbe, positive Wirkung auf die Finanzen der Gemeinde. Sein Appell: „Wir mĂŒssen etwas tun.“

Nach der Wiedergabe der bekannten FDP-GrĂŒnde fĂŒr eine Pfenning-Ansiedlung wird er konkret: „Wir werden Sorge tragen, dass der Verkehr nicht durch die Ortsmitte lĂ€uft. Wir erwarten eine Vereinbarung mit dem Unternehmen Pfenning darĂŒber.“

Danach prĂ€sentiert er, wie in der Kandidatenrunde zuvor abgesprochen, die Haltung der Kandidaten zum Thema. Die FDP-Kandidaten befĂŒrworten eine Ansiedlung der Firma Pfenning, Ausnahme: Siglinde Gerstner (Listenplatz 4) und ihre Tochter Luisa (Listenplatz 18) haben Vorbehalte, Dieter Matz (Listenplatz 16) erwartet weitere Informationen, Katharina Wenz (Listenplatz 22) „kann sich dafĂŒr nicht erwĂ€rmen“, Hardy Prothmann (Listenplatz 11) gibt keine Stellungnahme ab, weil er als Journalist zum Thema berichtet.

„Ohne schriftliche Zusage sind Aussagen nichts wert“

Damit war die Fragerunde eröffnet: Keine Fragen wurden zu Jugend, Alter, Förderung des Dorfplatzes oder anderen Themen gestellt. Pfenning war, wie zu erwarten, das Thema.

Die IG Pfenning, reprĂ€sentiert durch einen ihrer Sprecher, wollte wissen: „Investiert die Firma Pfenning wirklich in diesen Standort, oder ist sie nicht nur Mieter?“ Die Antwort darauf blieb unklar.

Den interessantesten Auftritt an diesem Abend hatte eine FDP-WĂ€hlerin, die sich nicht zufrieden zeigen wollte mit den Antworten auf ihre Fragen an die Partei, beispielsweise zum Verkehr: „Haben Sie das schriftlich, dass keine Pfenning-Lkw durch den Ort fahren? Weil, wenn die Zusage nicht schriftlich ist, ist sie auch nichts wert.“ Sie setzte nach, versuchte eine Antwort zu bekommen, es gelang ihr nicht.

Ein anderer WÀhler möchte wissen, ob der FDP bekannt ist, dass speziell im Logistik-Transportbereich nur 1- bis 1,5 Prozent des Umsatzes an Gewerbesteuer zu erwarten seien (das wÀren 2,2-3,3 Mio. Euro, basierend auf den letzten Pfenning-Umsatzangaben von ca. 220 Mio. Euro, d. Red.). Auch das wurde dankbar zur Kenntnis genommen.

Was steht im stÀdtebaulichen Vertrag?

Großes Interesse fand der „stĂ€dtebauliche Vertrag.“. Bei einer Frage zu den vertraglichen Bindungen leitete FDP-Chef Hasselbring an BĂŒrgermeister Kessler ĂŒber: „DafĂŒr bin ich heute nicht da“, sagte Michael Kessler.

Peinlich wurde es fĂŒr Frank Hasselbring, als nach weiteren Inhalten dieses „Letter of intent“ gefragt wurde, was denn da drin stehe: „Das hat die Rechtsaufsicht geprĂŒft“, sagte Hasselbring. „Welche Rechtsaufsicht und wer ist der Vertragspartner?“, wollte jemand wissen. Erst ruderte Frank Hasselbring um die Antwort, dann sagte er: „Die Rechtsaufsicht der Gemeinde und Vertragspartner ist Pfenning Logistics.“ Die Unentschiedenheit seiner Haltung beförderte den Eindruck des Nicht-Wissens.

Vorwurf: Unverantwortlicher Umgang

Die FDP-WĂ€hlerin, die einen sehr gut vorbereiteten Eindruck machte, sagte schließlich: „Scheinbar scheint alles in trockenen TĂŒchern zu sein. Aber es geht hier um so wichtige Dinge, dass ich nicht verstehen kann, dass es nur unklare Antworten gibt. Ich habe den Eindruck, dass hier mit dem ganzen Thema unverantwortlich umgegangen wird.“

PrĂŒfung versprochen

Diesen Eindruck wollte Frank Hasselbring vermeiden. Zu fast allen Fragen versprach er deshalb: „Das werde ich prĂŒfen. Darauf können Sie sich verlassen.“

Und: „Wir haben uns bei der Pfenning-Ansiedlung nicht festgelegt. Es gibt nur einen „Letter of intent, eine AbsichtserklĂ€rung. Die KlĂ€rung der nĂ€heren UmstĂ€nde sehe ich noch vor uns.“

Nach der Fragerunde beendet Frank Hasselbring die Kandidatenvorstellung.
Erleichtert, dass es „gut“ gelaufen ist.
Keine AusfÀlle, sondern eine solide PrÀsentation und eine sachliche Diskussion bestimmten den Abend.

Und es wurden ZugestĂ€ndnisse gemacht. „Wir werden das prĂŒfen“, sagte Frank Hasselbring zu fast jeder MeinungsĂ€ußerung.
Vor der Wahl oder nach der Wahl hat er dabei allerdings offen gelassen.

Die BĂŒrgerinitiave zeigt sich im GesprĂ€ch danach zufrieden: „Der Abend ist gut gelaufen, zum ersten Mal wurden ZugestĂ€ndnisse gemacht. Wir hoffen, dass die gezeigte GesprĂ€chsbereitschaft der FDP ehrlich ist.“

Die „sauberste Lösung“

Es gibt Lösungen, es gibt saubere Lösungen und es gibt die saubersten Lösungen. Die „sauberste Lösung“ glauben die Heddesheimer GrĂŒnen gesucht und gefunden zu haben.

Kommentar: Hardy Prothmann

Sie haben sich eindeutig positioniert: Ohne BĂŒrgerentscheid, oder zumindest BĂŒrgerbefragung, so haben sie öffentlich und unmissverstĂ€ndlich erklĂ€rt, werden sie alle weiteren Zustimmungen in Sachen Pfenning verneinen.

Die GrĂŒnen mĂŒssen sich angeschissen fĂŒhlen

Dass die GrĂŒnen nicht nur eine saubere Lösung suchen, sondern gleich die „sauberste“, muss heißen, dass sie sich selbst ziemlich angeschissen fĂŒhlen mĂŒssen. Nicht von den BĂŒrgern – die haben sich nur ĂŒber den Gestank beschwert. Sondern von sich selbst.

Das geht auch in Ordnung. Das kann jedem in jedem Alter passieren, das mal was nicht hÀlt.

Vermisst habe ich Ehrlichkeit. Ein: Es tut mir oder zumindest „uns“ leid. Stattdessen mussten sie noch mal sagen, dass es „Chancen gibt“ und dass sie „Bauchschmerzen hatten“ und dass es „gewichtige GrĂŒnde“ fĂŒr ihre Zustimmung zu einem fĂŒr GrĂŒne eigentlich nicht denkbaren Projekt gab.

Die Sturheit ist noch nicht ĂŒberwunden

Das ist schwach und zeigt nur eins: Die Sturheit ist noch nicht ĂŒberwunden. Die GrĂŒnen wollen noch nicht einsehen, dass sie einen kapitalen Fehler gemacht haben: NĂ€mlich, ihre GlaubwĂŒrdigkeit auf®s Spiel gesetzt zu haben. Ohne Not.

Ob ohne Verstand, sei dahingestellt. Jeder Mensch hat schon kapitale Fehler gemacht, wenn der Mensch aber „Partei“ wird, wird der Weg zur Einsicht schmaler.

Der WĂ€hler Thomas Wurm hat sich nach der Veranstaltung noch mal an den PC gesetzt und ganz aus dem Bauch heraus mit Verstand seinen Kommentar geschrieben.
Er zitiert darin den Altkanzler Adenauer, der nun nicht wirklich zu den GrĂŒnen passt, aber es gibt Weisheiten, die haben keine Farbe: „Werfen Sie mir doch nicht vor, dass ich heute klĂŒger bin als gestern.“

KlĂŒger sein heißt, aus Fehlern zu lernen

Das Zitat ist außerordentlich gut gewĂ€hlt. Denn Adenauer wird auch gerne so zitiert: „Was interessiert mich mein GeschwĂ€tz von gestern?“. Doch geschwĂ€tzig wollen sie nicht sein, die Heddesheimer GrĂŒnen. Sie wollen ernst genommen werden, eben keine SchwĂ€tzer sein, schon gar keine WendehĂ€lse. Und auf keinen Fall einen Fehler begangen haben. Deswegen ist das Zitat von Herrn Wurm gut gewĂ€hlt: KlĂŒger sein, heißt, aus Fehlern zu lernen.

Das hat auch der Ă€ltere Herr vermisst, dessen Frage ich berechtigt fand. Bevor er nach Hause ging, haben wir uns noch etwas unterhalten. Sein Gesicht und seine Augen erzĂ€hlen, dass er viel erlebt, viel gesehen und viel gehört hat: „Das mit der BĂŒrgerbefragung, dass ist doch nur fĂŒr die GefĂŒhle. Wirklich zĂ€hlen tut es nicht, solange die anderen die Mehrheit haben“, sagte er.

Das mit den „saubersten Lösungen“, hat ihn nicht ĂŒberzeugt. Er wĂŒnscht sich anstĂ€ndige Lösungen, denn bei denen ist auch das GefĂŒhl gut.

WofĂŒr BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen stehen

ist interessant zu lesen. In deren Wurfsendung zur Gemeinderatswahl 2009.

Sie erinnern sich: Die Fraktion von BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen (3 Sitze) hat geschlossen fĂŒr eine Ansiedlung der Firma Pfenning gestimmt.

In seiner Wahlinformation schreibt der Ortsverband kein Wort davon. Na ja, nicht ganz: Im Titel steht Mit/Macher. Vielleicht soll man das als „Mitmacher“ lesen.

Auf der ersten Seite der Wurfsendung zeigen die GrĂŒnen, sorry, BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen (Die GrĂŒnen) ein Ortsschild, so wie es an Straßen fĂŒr motorisierten Verkehr steht: Heddesheim, Herzlich Willkommen!, steht da. Die GrĂŒnen begrĂŒĂŸen also uns Auto-, Bus- und Lkw-Fahrer. Das freut uns.

Verkehr / Nachverkehr
„Zu Fuß oder mit dem Fahrrad gut erreichbare GeschĂ€fte, kombiniert mit einer optimierten Verkehrslenkung sind die Grundlage fĂŒr eine nachhaltige Verbesserung der Verkehrssituation in Heddesheim.“

Bei nĂ€herer Betrachtung könnte das heißen: Wir fordern Fahrradwege, verbreiterte BĂŒrgersteige und Einbahnstraßen. Und natĂŒrlich: Wirtschaftsförderung.

Und das alles „nachhaltig“. Die FahrrĂ€der und FußgĂ€nger sollten natĂŒrlich nur mit Reifen und Schuhen aus Naturkautschuk unterwegs sein.
Herr Gerwien (Polizist) wird biologisch (nicht gentechnisch) nachgezĂŒchtet und lenkt den Verkehr an allen wichtigen Punkten optimiert. Damit es nicht zu unschönen Situationen kommt, beispielsweise, wenn zwei Lkw sich in der Ortsmitte treffen.

„Wir fordern den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, zum Beispiel durch die Einrichtung einer Verbindung Viernheim-Heddesheim-Ladenburg. Die Buslinie zur Bergstraße sollte auch an Wochenenden und in den Abendstunden regelmĂ€ĂŸig verkehren.“
Hm. Die Viernheimer fahren also nach Ladenburg wegen der schönen Altstadt und die Ladenburger nach Viernheim wegen des RNZ.
Und wer liegt in der Mitte? Richtig, Heddesheim. Die Viernheimer und die Ladenburger sorgen hier also fĂŒr viel Durchgangsverkehr. Die geforderte Buslinie wĂŒrde die Situation entschĂ€rfen. Das ist ein echt guter Vorschlag.

Wichtig fĂŒr Die GrĂŒnen ist die Demokratie.
Sie fordern: „Mehr Transparenz bei BeschlĂŒssen des Gemeinderats und deren Veröffentlichung im Ortsblatt gehören dazu!“

Das heißt, Obama hat auch Heddesheim erreicht, zumindest die GrĂŒnen. Der „Change“ ist nahe.

Die GrĂŒnen wollen nicht mehr „nicht-öffentlich“ abstimmen und sie wollen im Amtsblatt keine 6-Seiten-Postulation des BĂŒrgersmeisters, sondern These und Antithese. Ob die Forderung so weit geht, dass auch BĂŒrgerinitiativen hier zu Wort kommen sollten, kann man leider nicht herauslesen.

Das ist noch nicht alles:
„Natur und Umwelt brauchen unseren Schutz. Deswegen hat die Bewahrung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt fĂŒr uns höchste (!, d. Verf.) PrioritĂ€t. Wir stehen fĂŒr Klimaschutz, einen schonenden Umgang mit unseren Ressourcen und die konsequente BegrĂŒnung (!, d. Verf. ) der Gemeinde Heddesheim.“

Damit löst sich das RÀtsel. Es ist nÀmlich so:
Die GrĂŒnen haben die Pfenning-Ansiedlung unterstĂŒtzt. Warum? Weil Pfenning dann fĂŒr AusgleichsflĂ€chen sorgen muss. Also fĂŒr eine „konsequente BegrĂŒnung“ Heddesheims.
Wenn dann alles „konsequent begrĂŒnt“ wurde, erreichen die GrĂŒnen die Mehrheit im Gemeinderat, setzen sofort die Transparenz im Gemeinderat durch, jagen alle Klimakiller zum Teufel und siedeln in den Hallen Schwalben und Bienen an.
Die Schwalben siedeln außen, die Bienen innen. Heddesheim wandelt sich von der Tabakgemeinde zur Logistikgemeinde und dann zur Honiggemeinde.

Warum die GrĂŒnen ernst meinen, was sie meinen, lesen wir hier nach:
„Gewerbeentwicklung muss – wo sie angebracht ist – stets schonend erfolgen und darf nicht auf Kosten Heddesheims oder seiner BĂŒrgerinnen und BĂŒrger gehen.“

Diese Aussage hat es in sich. Sie erinnern sich: Die GrĂŒnen-Fraktion hat sich geschlossen fĂŒr eine Pfenning-Ansiedlung ausgesprochen. Das heißt, sie muss „angebracht“ gewesen sein, denn darauf achten Die GrĂŒnen.
Sie wird „schonend“ erfolgen, dass heißt, die GrĂŒnen werden darauf pochen, dass die Bauarbeiten mit SchalldĂ€mpfern erfolgen und die Lkw mit gerĂ€uschfreien Reifen und mit Bio-Gas, besser noch Elektro-Motoren fahren oder wenigstens Bio-Diesel tanken.

Aber die wichtigste Information ist: Das alles „darf nicht auf Kosten Heddesheims oder seiner BĂŒrgerinnen und BĂŒrger gehen“.

Noch mal zur Erinnerung, weil das wirklich nicht vergessen werden sollte: Die GrĂŒnen fordern in ihrem Wahlprospekt genau das Gegenteil von dem, was Die GrĂŒnen-Fraktion beschlossen hat.

Wer soll das verstehen? Fragt:

Das Heddesheim-Blog

Interview mit Pfenning-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Nitzinger: Wir kommen sicher nach Heddesheim!

Uwe Nitzinger, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der KMP Holding GmbH, erklĂ€rt im GesprĂ€ch mit dem Heddesheim-Blog, wann Pfenning nach Heddesheim kommt, was das Unternehmen dort vor hat und welche Folgen die Ansiedlung fĂŒr Heddesheim haben wird.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Nitzinger, die Pfenning Gruppe will in Heddesheim 100 Millionen Euro in ein Logistik-Zentrum investieren. Können Sie aufschlĂŒsseln, aus welchen Posten diese enorme Summe besteht?
Uwe Nitzinger: Zum jetzigen Zeitpunkt ist das noch zu frĂŒh, um ihre Frage detailliert zu beantworten. Unsere Planer haben natĂŒrlich zusammengerechnet, was sie an Kosten erwarten. Wie teuer oder gĂŒnstig was am Ende ist, hĂ€ngt von der Konjunktur, dem Einkauf der Leistungen und Ă€hnlichem ab. 100 Millionen ist die angenommene Summe. Wenn es uns weniger kostet, sind wir natĂŒrlich damit zufrieden.

Bis 2013 soll erst die HĂ€lfte gebaut worden sein. Warum?
Ich weiß nicht, woher Sie diese Zahl haben.

2. Bauabschnitt ab 2016

Aus der Zeitung.
Dann ist da etwas missverstanden worden. Bis 2013 wollen wir mit dem 1. Bauabschnitt fertig sein. Ein 2. Bauabschnitt auf dem ErweiterungsgelĂ€nde kann frĂŒhestens ab 2016 realisiert werden. Dieser Bauabschnitt wird auf jeden Fall nicht so groß ist, wie der erste.

Aber ab 2013 wird der Firmensitz von Viernheim nach Heddesheim verlegt?
Sobald wir dort unser neues VerwaltungsgebÀude beziehen können.

So sieht Pfenning perspektivisch das geplante Logistik-Zentrum, wenn der 1. Bauabschnitt 2013 fertig ist. Bild: Pfenning-Gruppe

So sieht Pfenning perspektivisch das geplante Logistik-Zentrum, wenn der 1. Bauabschnitt 2013 fertig ist. Bild: Pfenning-Gruppe

Sie vergrĂ¶ĂŸern sich auf einen Schlag ganz enorm. Bauen Sie das GeschĂ€ft mit bestehenden Kunden aus oder haben Sie neue Kunden, die ihre KapazitĂ€ten benötigen?
Wir haben ein starkes BestandsgeschÀft und sind intensiv dabei, neue Kunden zu gewinnen. Unser GeschÀftsmodell ist die Logistik, wir bieten Kunden LagerflÀche mit entsprechender Organisation, die Verpackung und den Transport von Waren an.

Diese Waren mĂŒssen ja irgendwie zu Ihnen kommen?
Sicher. Mit dem Lkw und zunehmend mit der Bahn. Nehmen Sie beispielsweise internationale Waschmittelhersteller, die gerade Werbung damit machen, dass sie den Transport ihrer Produkte um bis zu zwei Drittel von der Straße auf die Schiene bringen. Deswegen sind wir auch in Heddesheim, wegen des Gleisanschlusses.

„Wir haben zu wenig Platz“, Uwe Nitzinger

Und wegen der FlÀche.
Ganz klar. Wir mussten in der Vergangenheit AuftrĂ€ge absagen, weil wir zu wenig Platz hatten. Und wie oft habe ich gehört: „Ich wĂŒrde euch den Auftrag geben, ihr seid dafĂŒr kompetent, aber ihr habt die KapazitĂ€t nicht.“ Kennen Sie einen Kaufmann, der gerne auf GeschĂ€fte verzichtet? Wir verbessern in Heddesheim unsere Produktionsstrukturen und unsere WettbewerbsfĂ€higkeit.

Beschreiben Sie bitte, wie Sie und ihre Kunden zusammenkommen?
Oft ĂŒber Ausschreibungen. Ein Produzent, eine Handelskette hat ein Logistik-Problem und gibt die Daten in den Markt. Dann bewirbt man sich darum. Das können kurzfristige Aufgaben sein, wir sind natĂŒrlich an langfristigen VertrĂ€gen interessiert. Wie wir das regeln, ĂŒberlĂ€sst uns der Kunde, er will sich darauf verlassen, dass seine Waren zuverlĂ€ssig dahin kommen, wo er sie braucht.

Welchen Vorlauf benötigt ein langfristiges GeschÀft?
Oft bis zu einem Jahr. Das fĂ€ngt mit dem Regalbau an, hier haben Sie einen Vorlauf von bis zu zwölf Wochen, das sind Spezialanfertigungen. Wenn das steht, muss die EDV fĂŒr die Warenwirtschaft installiert werden, Sicherheitsanlagen, Bewachung fĂŒr hochwertige GĂŒter. Je nach Produkt mĂŒssen gewisse Auflagen erfĂŒllt und Genehmigungen erteilt werden.
Wir stehen beispielsweise gerade in Verhandlungen mit einem Lebensmittelkunden. Der braucht ab 2011 KapazitÀten und ist sehr an uns interessiert.

„Privatinvestoren investieren in das GelĂ€nde

Das GelÀnde, auf dem Sie in Heddesheim bauen wollen, gehört nicht der Firma, sondern wird von der Phoenix 2010 GbR, an der Herr Karl-Martin Pfenning beteiligt ist, gekauft. Warum?
Das ist ein ganz normaler Vorgang. Privatinvestoren investieren in das GelĂ€nde und Unternehmen mieten das dann. Das finden Sie ĂŒberall.

Wird sich die Firmierung der KMP Holding GmbH Àndern, beispielsweise in eine Aktiengesellschaft?
Nein. Wir bleiben eine GmbH. Die KMP Holding ist die Mutter fĂŒr mehrere Unternehmen die Lagerhaltung, Kommissionierung, Transport und Verpackung von Waren sowie Mehrwertdienstleistungen betreiben.

Was sind Mehrwertdienste?
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: In Mannheim haben wir ein Kompetenzzentrum Stahl. Hier kaufen wir Stahl und Bleche und bearbeiten diese fĂŒr einen Kunden. Wir sind dort Teil der Fertigungskette, wenn Sie so wollen „eine verlĂ€ngerte Werkbank“.

Werden auf dem GelÀnde in Heddesheim nur Pfenning tÀtig sein oder auch andere Unternehmen?
Prinzipiell nur wir. Dass wir die Konkurrenz nicht aufs GelÀnde lassen, werden Sie verstehen. Vorstellbar ist, dass ein Unternehmen Hallen mietet, aber selbst betreibt, beispielsweise, wenn der Umgang mit den eigenen Produkten nur durch eigene Mitarbeitern erfolgen soll.

ErlÀutern Sie das bitte.
Es gibt vielfĂ€ltigste Anforderungen in der Logistik- branche. Wenn beispielsweise ein Pharmahersteller Waren in die USA liefert, ist er automatisch der Ă€ußerst strengen Kontrolle der FDA (der Lebensmittelkontrollbehörde Food and Drug Administration, Red.) unterworfen. Es könnte sein, dass diese einen lĂŒckenlosen Nachweis verlangt, dass nur das produzierende Unternehmen Kontakt zur Ware hat.

Andere Firmen auf dem Pfenning-GelÀnde

Sie planen also die Vermietung?
Nein, ich habe Ihnen ein Beispiel gegeben, was vorstellbar ist, wenn wir zum Beispiel mit unserem GeschĂ€ft die Hallen temporĂ€r nicht ausfĂŒllen können sollten. Oder sollen wir die dann leer stehen lassen?

Sie arbeiten fĂŒr mehrere Kunden. WĂ€re eine Spezialisierung nicht besser?
Auf keinen Fall. ÃƓberlegen Sie mal, wo wir in der momentanen Krisensituation stĂŒnden, hĂ€tten wir uns zum Beispiel nur auf das AutomobilgeschĂ€ft konzentriert? Wir haben ein Multi-User-Konzept. FrĂŒher wurden wir gefragt, was wir mit dem „Bauchladen“ wollen, heute gucken die, denen die AuftrĂ€ge wegbrechen, mit Neid auf uns.

GefĂ€hrliche GĂŒter

In ihrem „Bauchladen“ finden sich auch gefĂ€hrliche GĂŒter. Beispielsweise ist Waschpulver an sich harmlos, in einer großen Menge aber nicht.
Genau. Wir haben große Waschmittelmengen. Dabei unterliegen wir aber auch einer strengen Kontrolle und erfĂŒllen alle notwendigen Auflagen – sonst wĂŒrden wir ja unsere Existenz aufs Spiel setzen. Was wir definitiv nicht lagern werden, sind radioaktives Material und Sprengstoffe. Zum VerstĂ€ndnis: Haarspray wird von vielen Menschen benutzt, typischerweise in einer Druckgasverpackung. In großen Mengen ist das ein Gefahrstoff, wir wissen aber, wie wir damit umgehen, sonst bekĂ€men wir die AuftrĂ€ge nicht.

Auf welchen Zeitraum ist ihr Engagement in Heddesheim ausgelegt?
Das ist eine Generationsentscheidung. Wir investieren eine Menge Geld und werden dementsprechend lang bleiben. Außerdem sind wir ein Familienbetrieb. Der zieht nicht einfach weiter, wie das mit Standorten von Konzernen passiert.

Bevor Sie Heddesheim gewĂ€hlt haben, hatten Sie sich fĂŒr einen Standort in Viernheim an der A6/61 interessiert. Stimmt es, dass Sie nur deswegen nicht dorthin gegangen sind, weil die Verhandlungen mit den EigentĂŒmern zu lange gedauert hĂ€tten? Das ist doch mit Geld zu lösen.
Nein. Das war nicht der entscheidende Grund. Sicherlich hĂ€tte die Gemeinde uns unterstĂŒtzen können. Die mögliche Nutzung des GelĂ€ndes ist aber nicht so gut wie in Heddesheim, das liegt am GrundstĂŒckszuschnitt. Außerdem wurde uns vermittelt, dass wir uns von politischer Seite keine große Hoffnung machen sollten, dass es schnell zu einem Bebauungsplan kommen könnte. Wir wollen und mĂŒssen aber expandieren und sind deshalb nach Heddesheim gegangen.

Schweigende Mehrheit

Sie gehen fest davon aus, dass Sie sich in Heddesheim ansiedeln werden?
Ja.


Uwe Nitzinger Bild:Pfenning-Gruppe

Trotz der Proteste gegen ihre Ansiedlung und der kritischen Stimmung in Heddesheim?
Die Interessengemeinschaft (IG) macht in unseren Augen ordentlich Wind, aber es gibt auch den Begriff der schweigenden Mehrheit. Ich glaube nicht, dass sich die Mehrheit der Heddesheimer von bewusst falsch verbreiteten Informationen irritieren lÀsst.

Sie bezeichnen die Mitglieder der IG neinzupfenning als FĂ€lscher?
Das habe ich nicht gesagt. Sie haben falsche Zahlen verbreitet und Behauptungen aufgestellt, die nicht zutreffen, wovon sich die Heddesheimer auch durch die Gutachten auf der BĂŒrgerinformation ĂŒberzeugen konnten.

Was steht im stÀdtebaulichen Vertrag?

Die Zahlen stimmen nicht. Woher hÀtte die IG aber die echten Zahlen nehmen sollen? Es wurde ja alles geheim gehalten.
Das ist so nicht richtig. BĂŒrgermeister, Gemeinderat und wir haben vertraulich verhandelt. Das ist unser Recht und absolut ĂŒblich, damit man im gegenseitigen Vertrauen zu einem Ergebnis kommen kann.

Ein Teil des Ergebnisses ist ein ebenfalls als vertraulich eingestufter „stĂ€dtebaulicher Vertrag“. Was steht da drin?
Darin ist festgelegt, wie Gemeinde und Unternehmen das GrundstĂŒck entwickeln werden, wer welche Aufgaben und Kosten ĂŒbernimmt.

Sind dort auch Vertragsstrafen definiert, falls es nicht zu einer Bebauung kommt?
Davon ist mir nichts bekannt.

„Chance genutzt“

Im Mannheimer Morgen hieß es, Sie seien auf die Heddesheimer Gemarkung aufmerksam geworden, weil Edeka das geplante Fleischwerk nun doch nicht dort, sondern in Rheinstetten ansiedelt. Soll man das glauben, dass Sie nicht schon lĂ€nger alle geeigneten FlĂ€chen im Blick hatten?
Die korrekte Darstellung ist: Als klar wurde, dass Edeka dieses sehr gute GelĂ€nde doch nicht in Anspruch nimmt, hat sich fĂŒr uns eine Chance ergeben. Die haben wir genutzt. Und wir schaffen ArbeitsplĂ€tze.

Ist das so? Soweit ich verstanden habe, wechseln rund 400 Mitarbeiter von Viernheim nach Heddesheim, 250 weitere kommen aus der Region hinzu. Macht 650. Sie sprechen von bis zu 1000 ArbeitsplÀtzen, davon sind je 250 Subunternehmer und Leiharbeiter, verbleiben 500. Wo sind die fehlenden 150 hin?
Es ziehen ĂŒber 500 Mitarbeiter um. Vor Ort werden neue ArbeitsplĂ€tze geschaffen, weil eine Reihe von Mitarbeitern, beispielsweise im Stahl- Kompetenzzentrum nicht nach Heddesheim wechseln. Das wĂ€re Unsinn, weil die am Ort des Kunden tĂ€tig sind. Deswegen ist auch die Annahme falsch, wir wĂŒrden stĂ€ndig Lkw von Heddesheim nach Mannheim und zurĂŒck schicken. Von Hallen, die wir nur gemietet haben, ziehen wir Mitarbeiter am neuen Standort zusammen. Wie genau die Mitarbeiterzahlen sind, werde ich Ihnen nicht sagen, weil die Konkurrenz sich dafĂŒr auch interessiert.

Zum Verkehr kommen wir bitte gleich. In den Jahren 2000-2002 standen ihre Firma und Sie persönlich stark in der Kritik, wie Sie mit ihren Mitarbeitern umgehen. Auch heute noch werden Sie von der Gewerkschaft verdi Ă€ußerst kritisch betrachtet. Der Vorwurf lautet, ihre Leute mĂŒssten mehr fĂŒr weniger Geld arbeiten und es gĂ€be keine ÃƓberstundenregelungen.
Das ist Unfug und eine unverschÀmte Behauptung. Es trifft zu, dass wir uns nicht an die TarifvertrÀge binden. Aber wir haben Boni und PrÀmien und bezahlen unsere Mitarbeiter nach Leistung. Schauen Sie sich nur mal die Zahlen zu unserer Betriebszugehörigkeit an: Viele sind 10, 20, 30 Jahre im Unternehmen.

Weshalb beschĂ€ftigen Sie dann im VerhĂ€ltnis gesehen eine so große Zahl von Leiharbeitern?
Die brauchen wir je nach Zyklus. Das sind Leiharbeiter, die wir leihen, wenn wir sie benötigen. Mit den Zeitarbeitsfirmen, die uns diese Leute stellen, arbeiten wir langfristig zusammen.

Und ihre Subunternehmer? Sind das Deutsche oder AuslÀnder?
Haben Sie was gegen AuslÀnder?

Absolut nicht. Die Frage zielt auf die VertrĂ€ge. AuslĂ€ndische Subunternehmer sind sicherlich gĂŒnstiger als deutsche.
Dazu mĂŒssen Sie wissen, dass diese im innereuropĂ€ischen Verkehr bis jetzt noch nicht fahren dĂŒrfen. Viele Fahrer haben tatsĂ€chlich einen Migrationshintergrund, sind aber bei den Subunternehmern angestellt, die mit uns die VertrĂ€ge haben.

Das heißt, nicht jeder Laster, der den Schriftzug Pfenning trĂ€gt, ist auch ein solcher?
Wir haben viele eigene Fahrzeuge und achten bei unseren Subunternehmern darauf, dass die Zugmaschinen zu uns passen. Die HĂ€nger sind meist von uns.

„Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapitel“, Uwe Nitzinger

Sie werben mit ihren Auszubildenden. Wie viele Stellen bieten Sie fĂŒr welche Berufe an?
Weit ĂŒber 20. Vom Fachlageristen, ĂŒber Kaufleute fĂŒr Speditions- und Logistikdienstleistungen bis hin zum BA-Studium fĂŒr Logistik.

Die meisten AusbildungsplÀtze sind im Lagerbereich?
Ja. Da brauchen wir auch die meisten Leute.

Die man leicht ersetzen kann?
Daran ist uns ĂŒberhaupt nicht gelegen. Unser grĂ¶ĂŸtes Kapital sind unsere Mitarbeiter, deswegen wollten wir auch in der Region bleiben, die gleichzeitig aber auch ein idealer Standort wegen der EU-Osterweiterung ist. Es dauert, bis ein Mitarbeiter mit den komplexen AblĂ€ufen in einem Logistik-Zentrum vertraut ist. Das ist qualifizierte Arbeit, die dort geleistet wird.

Kommen wir zum Verkehr. Sie sagen, der ĂŒberwiegende Teil der Waren kommt aus und geht in die Ferne. Wie definieren Sie Ferne?
Das ist alles, was weiter als die Region ist. Beispielsweise kommt Waschmittel aus DĂŒsseldorf, das dann fĂŒr ein Handelslager in Offenburg weiter transportiert wird. Das wird das HauptgeschĂ€ft.

Lkw-Verkehr durch Heddesheim

Sind Sie bereit, eine Vereinbarung mit der Gemeinde zu schließen, dass möglichst wenig Verkehr durch Heddesheim lĂ€uft?
DarĂŒber sind wir gerade im GesprĂ€ch. Seriöserweise kann ich nicht ganz ausschließen, dass einige Lkws durch Heddesheim fahren. Nur nicht annĂ€hernd in der GrĂ¶ĂŸenordnung, wie von der IG behauptet. Die wollen das einfach nicht verstehen.

Im Mannheimer Morgen zu sehen, wurde mitten in der Diskussion ein Pfenning-Laster in der Ortsmitte fotografiertñ€©
Dann schauen Sie sich den mal an: Das ist ein „City-Sattel“ gewesen. Solche Lkw werden fĂŒr die Nahversorgung eingesetzt. Die Leute wollen doch auch im Laden was kaufen können, oder?

Können Sie denn die Zahl von 3 Lkw pro Stunde in Spitzenzeiten ĂŒber die Ringstraße halten, wenn die 2. Ausbaustufe fertig ist oder sind es dann doppelt so viele?
Es werden nicht doppelt so viele sein, weil sich die Bebauung und damit die gelagerten Waren nicht verdoppeln. Aber es werden mehr sein, hier auch wieder im Fernverkehr. Seriös kann ich das heute noch nicht sagen, wir reden gerade vom Jahr 2016.

Pfenning-Lkw vor Edeka TiefkĂŒhl-Zentrum Bild:pro

Pfenning-Lkw vor Edeka TiefkĂŒhl-Zentrum Bild:pro

Wie steht es mit den Verhandlungen mit der Bahn? Dauern die an oder stehen Sie vor einem Abschluss?
Die sind in trockenen TĂŒchern. Die Bahn hat da ganze Arbeit geleistet. Sie können sich vorstellen, wie kompliziert eine Lösung ist, wenn Sie wissen, dass immer nur kurze Zeitfenster bleiben, um die ZĂŒge auf die Strecke zu bringen, weil auf der Linie der ICE entlang rauscht. Wir werden drei Gleise haben, eins zu den Hallen, eins fĂŒr die leeren Waggons und eins fĂŒr die Loks zum Rangieren.

Wer bezahlt das und wie teuer ist der Bau?
Wir. Das kostet uns rund 2,5 Millionen Euro.

„Schönheit liegt im Auges des Betrachters“, Uwe Nitzinger

Zum Bau: Herr Fleckenstein hat im Mannheimer Morgen die MonstrositÀt der Hallen kritisiert. Finden Sie Lagerhallen schön?
Das hÀngt vom Auge des Betrachters ab. Es gibt aber durchaus interessante Architekturen. Abgesehen davon findet hier ein GeschÀft statt, das den Leuten Arbeit gibt. Das finde ich schön.

Man könnte ja auch KĂŒnstler dran setzen, die die Hallen verschönern.
Dazu gibt es ÃƓberlegungen.

ZurĂŒck zum Anfang: Wer ist denn auf wen zugegangen, BĂŒrgermeister Kessler auf das Unternehmen oder umgekehrt?
Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil ich das nicht mehr weiß. Wir haben aber nach Aufnahme der Verhandlungen spĂ€ter auch den Gemeinderat bei uns gehabt, dem wir das Projekt vorgestellt und erlĂ€utert haben, dass gerade der Gleisanschluss fĂŒr uns einen enormen Vorteil bietet.

Kritischer Gemeinderat?

Wurden kritische Fragen gestellt?
SelbstverstÀndlich haben die GemeinderÀte uns Fragen gestellt, beispielsweise zur Verkehrsbelastung, das war ein zentraler Punkt.

In Heddesheim wundert man sich, dass die GrĂŒnen geschlossen zugestimmt haben. Mussten Sie bei den GrĂŒnen eine stĂ€rke ÃƓberzeugungsarbeit leisten als bei den anderen?
Wenn Sie mir sagen, wie man einen GrĂŒnen erkennt? Ich habe an den Fragen nicht unterscheiden können, wer zu welcher Partei gehört.

In Heddesheim wird mittlerweile hitzig ĂŒber das FĂŒr und Wider ihrer Ansiedlung gestritten. Gab es Fehler in der Kommunikation?
Das mĂŒssen Sie die fragen, die sich so aufregen. Wir haben uns nichts vorzuwerfen bei der Kommunikation. Die Stimmung ist nicht von uns aufgeheizt worden. Wir wĂŒnschen uns einen konstruktiven Dialog mit den Heddesheimer BĂŒrgern. Das heutige GesprĂ€ch mit Ihnen ist hierfĂŒr ein Beispiel.

Dann hat der BĂŒrgermeister Fehler gemacht?
Ich war noch nie BĂŒrgermeister und bin in der Kommunalpolitik nicht zuhause. Das kann und will ich nicht beurteilen. Ich kann aber nicht erkennen, dass der BĂŒrgermeister in der Kommunikation Fehler gemacht hĂ€tte.

Nachgefragt

Die Umgehungsstraße kommt – frĂŒhestens 2016

Heddesheim, 07. Mai 2009. (red) In der Diskussion um das Pfenning-Projekt wird immer wieder die Umgehungsstraße genannt, die Heddesheim entlasten soll. BĂŒrgermeister Kessler sagt: „Wir sind auf einem guten Weg.“  Ins Detail geht BĂŒrgermeister Kessler dabei nicht. Das Heddesheim-Blog wollte es genau wissen und hat beim RegierungsprĂ€sidium Karlsruhe nachgefragt.

Harald Protz, Leiter des Referats Straßenplanung, erklĂ€rt im Interview die einzelnen Schritte und welche Bedingungen erfĂŒllt sein mĂŒssen, bis die Umgehungsstraße tatsĂ€chlich fertig sein wird.

Was Harald Protz im GesprĂ€ch mit dem Heddesheim-Blog nicht klĂ€ren kann, ist die Finanzierung und die Bauzeit, weil das zum jetzigen Zeitpunkt unwĂ€gbare Faktoren sind. Der Abschluss des Planfestellungsverfahrens fĂ€llt in die Zeit der Landtagswahlen – danach gibt es einen neuen Landeshaushalt, wie dort welche Mittel verteilt sein werden, ist unklar. Die Bauzeit der Umgehungsstraße dĂŒrfte etwa drei Jahre betragen.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Protz, wie ist denn der Stand der Dinge bei der Landesstraße L541 SĂŒdwest-Umgehung Heddesheim?
Zur Zeit lĂ€uft eine Fortschreibung der Verkehrsuntersuchung. Wir werden hierzu diesen Sommer, sobald die Baustelle in Hirschberg abgeschlossen sein wird und reprĂ€sentative VerhĂ€ltnisse vorliegen, eine Verkehrsbefragung durchfĂŒhren.
Die Fertigstellung des Verkehrsgutachtens soll bis zum Ende des Jahres erfolgen.

Sind weitere Studien anhÀngig?
Wir haben noch eine UmweltvertrĂ€glichkeitsstudie erstellt, in der zunĂ€chst eine Raumanalyse und danach in einem zweiten Schritt die mit den angedachten Varianten verbundenen Eingriffspotentiale nach verschiedenen SchutzgĂŒtern (Wasser, Boden, Klima, Naherholung, Flora, Fauna…) genau untersucht wurden.
In der Folge haben wir uns fĂŒr die Variante „ortsferne SĂŒdumgehung“ entschieden. Derzeit fĂŒhren wir noch eine artenschutzrechtliche Untersuchung durch. Die technische Planung liegt soweit vor. Der landschaftspflegerische Begleitplan, in dem die Kompensationsmaßnahmen fĂŒr die mit dem Straßenbau einhergehenden Eingriffe festgelegt werden, ist bereits in Bearbeitung.

Was folgt als nÀchster Schritt?
Sobald uns die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung vorliegen, werden wir die vorhandenen Unterlagen zu einem sogenannten Vorentwurf zusammenstellen und diesen dem Innenministerium in Stuttgart zur (verwaltungsinternen) Genehmigung vorlegen. In einem nĂ€chsten Schritt geht es darum, fĂŒr das Projekt das Baurecht zu erlangen. Hierzu werden wir als VorhabenstrĂ€ger bei der Planfeststellungsbehörde die Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens beantragen.

Planfestellungsentwurf bis 2011

Jetzt werden auch die BĂŒrger einbezogen?
Genau. Der Planfeststellungsentwurf wird in der Gemeinde offen gelegt und den betroffenen TrĂ€gern Öffentlicher Belange zugesandt, das heißt, der Öffentlichkeit zugĂ€nglich gemacht. Jetzt hat jeder Betroffene die Möglichkeit, das Projekt zu prĂŒfen und EinwĂ€nde vorzubringen oder Anregungen zu machen. Dann folgt ein Erörterungstermin, bei dem die eingegangenen Stellungnahmen besprochen werden.

Je nach EinwÀnden muss der Entwurf dann also geÀndert werden?
Das kommt auf die Art der der Einwendungen an. Möglicherweise erhalten wir in der Folge des Erörterungstermins zunĂ€chst  „Hausaufgaben“, d.h. die Auflage, bestimmte Sachverhalte zusĂ€tzlich oder noch eingehender als bisher zu ĂŒberprĂŒfen. Werden die EinwĂ€nde seitens der Planfeststellungsbehörde als berechtigt erachtet, werden wir unsere Planungen selbstverstĂ€ndlich entsprechend anpassen. Sofern sie nicht berechtigt sind, werden sie verworfen.

Wenn aber jemand denkt, dass seine EinwÀnde doch berechtigt sind, kann er klagen?
Sollte sich ein Betroffener in seinen Rechten verletzt sehen, dann hat er grundsÀtzlich die Möglichkeit, den Planfeststellungsbeschluss zu beklagen.

Was gibt es bei der AusfĂŒhrungsplanung zu beachten?
Hier wird die vorhandene Planung (Vorentwurf bzw. Planfeststellungsunterlagen) noch weiter verfeinert, so dass auf der Grundlage dieser PlĂ€ne die Straße ausgeschrieben und gebaut werden kann. Sobald die erforderlichen Haushaltsmittel bereit stehen, wird dann unser Baureferat das Straßenbauprojekt ausschreiben, und nach PrĂŒfung und Auswertung der eingegangenen Angebote den Zuschlag erteilen.

Jede Menge Arbeit. Bis wann rechnen Sie mit der Einleitung des Planfestellungsverfahrens?
Wir werden, sofern alles nach Plan verlÀuft, im vierten Quartal 2010 den Antrag auf Einleitung des Planfeststellungsverfahrens stellen. Bei optimalem Verlauf könnte das Verfahren dann bis Ende 2011 abgeschlossen sein.

Finanzierung noch offen

Jetzt stellt sich die Frage nach der Finanzierung. Steht die schon?
Nein. Dazu kann ich derzeit noch keine Äußerung treffen. Die Finanzierung wird zum einen von dem insgesamt zur VerfĂŒgung stehenden Budget und zum anderen von der Anzahl und den jeweiligen Kosten der sonstigen dann anhĂ€ngigen Landesstraßenprojekte
abhÀngen.

Wenn das Projekt abgeschlossen sein wird, was passiert dann mit der ehemaligen L541, die durch Heddesheim fĂŒhrte?
Im Rahmen eines Umstufungskonzeptes wird noch geklĂ€rt, in welche Kategorie diese Straße dann abzustufen sein wird. Die Umstufungen werden im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens fixiert werden. Es ist bislang vorgesehen, die vorhandene  Ortsdurchfahrt im Zuge der L 541 zur Gemeindestraße abzustufen.

Durchfahrtverbot unrealistisch

In Heddesheim fordern viele Durchfahrtverbote fĂŒr Lkw ĂŒber 7,5 Tonnen. Könnten Sie ein solches Verbot auch fĂŒr Landesstraßen erlassen?
Ein solches Verbot wĂŒrde eine verkehrsrechtliche Anordnung darstellen und könnte nur durch die Verkehrsbehörde beim Landratsamt erlassen werden. Eine solche Sperrung ist prinzipiell zwar möglich, sie hĂ€ngt aber von den Randbedingungen des jeweiligen Einzelfalls ab.
GrundsĂ€tzlich ist aber zu bedenken, dass Landesstraßen in erster Linie ĂŒberregionale Verkehre abwickeln sollen. Diese Funktion ist oftmals ausschlaggebend, weswegen dann auch bei nachvollziehbarem Anliegen der BĂŒrger keine abweichende VerkehrsbeschrĂ€nkungen verfĂŒgt werden können.

Info:

Harald Protz ist Leiter des Referats Straßenplanung beim RegierungsprĂ€sidium Karlsruhe.