Samstag, 11. Juli 2020

Pfenning macht angeblich „220 Millionen Euro Umsatz“

Guten Tag!

Heddesheim, 17. MĂ€rz 2010. Geht es nach der Eigendarstellung von „Pfenning“ macht das Unternehmen 220 Millionen Euro Umsatz. Geht es nach den Bilanzzahlen, macht Pfenning nur noch 170 Millionen Euro Umsatz. Dazwischen liegen 50 Millionen Euro und viele Fragen.

Von Hardy Prothmann

Der Heddesheimer BĂŒrgermeister Michael Kessler will das „bedeutende“ Unternehmen Pfenning unbedingt in Heddesheim ansiedeln.

Herr Kessler macht die Ansiedlung mit einem angeblichen Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro zur „Jahrhundertentscheidung“ fĂŒr den Ort.

Michael Kessler hebt das „Familienunternehmen“ hervor, die Investition von 100 Millionen Euro, die Gewerbesteuer, die ArbeitsplĂ€tze, die Chancen fĂŒr das lokale Gewerbe.

Vor einem Jahr ließ sich BĂŒrgermeister Kessler als „glĂŒcklich“ im Mannheimer Morgen darstellen: Immerhin hole er ein „bedeutendes Unternehmen“ nach Heddesheim.

pfenning

Auf der homepage macht "Pfenning" 220 Mio. Euro Umsatz - in der Bilanz aber nur rund 175 Mio. Euro. Klicken Sie fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Darstellung. Quelle: Pfenning

Es hĂ€ngt vom Standpunkt des Betrachters ab, was man unter „bedeutend“ versteht. Sicherlich findet Herr Kessler 220 Millionen Euro Umsatz „bedeutend“.

Die CDU oder Herr Dr. Doll findet den „demographischen Wandel“ bedeutend.

Und die Heddesheimer SPD ist froh ĂŒber jeden Niedriglohnarbeiter, der vielleicht in eine Gewerkschaft und damit in die SPD eintritt – der Gemeinderat JĂŒrgen Harbarth stellte „ordentlichen Arbeitern“ sogar seine Redezeit zur VerfĂŒgung.

Es geht also um „Bedeutung“ allerorten.

Doch was hat es zu bedeuten, dass sich ein Unternehmen mit 220 Millionen Euro Umsatz brĂŒstet? Wenn dieses Unternehmen ausweislich der eigenen Bilanz nur 175 Millionen Euro Umsatz in der Spitze gemacht hat?

Wer lĂŒgt? Die Bilanz? Das Unternehmen? Der BĂŒrgermeister?

Nach den der Redaktion vorliegenden Daten hat „Pfenning“ noch niemals 220 Millionen Euro Umsatz gemacht, sondern bewegt sich bei UmsĂ€tzen um 170 Millionen Euro.

Das ist eine stattliche Zahl. Weniger stattlich sind die „Umsatzrenditen“.

WĂ€hrend „Pfenning“ im Jahr 2007 noch 2,3 Millionen Euro Gewinn machte, sieht es 2008 ganz bitter aus: Der „Gewinn“ betrĂ€gt 21.600 Euro.

Die Gewerbesteuer aus der Bilanz abzuleiten, ist kaum möglich. FĂŒr das Jahr 2008 hatte der GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Nitzinger aber „1,8 Millionen Euro, die der Gewerbesteuer unterliegen“ genannt.

WĂ€re „Pfenning“ schon 2008 in Heddesheim gewesen, wĂ€ren nur rund 200.000 in der Kasse angekommen.

Von einer “ betrĂ€chtlichen Gewerbesteuereinnahme“ trĂ€umen angesichts dieser Zahlen nur noch Hardliner wie ein „Theoretiker“ Dr. Doll (CDU) oder ein „Bepflanzungseuphoriker“ Frank Hasselbring (FDP). Ein JĂŒrgen Merx glaubt wahrscheinlich, das Hartz IV-WĂ€hler besser sind als keine.

Die Stadt Ladenburg ist ein gutes Beispiel: WĂ€hrend 2008 noch 11,4 Millionen Euro Gewerbesteuer an die Stadt gezahlt wurde, rechnet man fĂŒr 2010 nur noch mit rund zwei Millionen Euro. Und Ladenburg hat im Vergleich zu Heddesheim viel mehr „Industrie“, da schwanken die jĂ€hrlichen BetrĂ€ge im Vergleich zu mittlerem Gewerbe erheblich.

Fest steht, dass die Unternehmensgruppe „Pfenning“ angeblich 220 Millionen Umsatz macht, aber ausweislich der GeschĂ€ftszahlen seit 2005 nicht mal im Ansatz an diese „Marke“ gekommen ist.

175 Millionen Euro Umsatz bei minimalen „Gewinnen“ ist die konkrete Zahl, die erwirtschaftet wurde.

Ganz konkret muss sich der Heddesheimer Gemeinderat fragen lassen, wie er ein Unternehmen beurteilt, dass mal so eben seinen echten Umsatz um mindestens 25 Prozent „hochjazzt“.

Ganz konkret ist die geplante Unternehmensansiedlung „Pfenning“ in Heddesheim ein „Va banque“-Spiel mit mindestens soviel Risiko wie ein Einsatz beim Roulette in der Spielbank.

Man kann viel gewinnen. Aber auch verlieren.

Irgendwie gewinnt die „Bank“ immer.

Doch wer ist die „Bank“? Heddesheim oder Pfenning oder irgendwelche Investoren?

BĂŒrgermeister Michael Kessler muss sich dringend fragen lassen, ob er die Bilanzdaten der Unternehmensgruppe „Pfenning“ kennt.

Er muss ich fragen lassen, was er davon hĂ€lt, dass „Pfenning“ behauptet, 220 Millionen Euro Umsatz zu machen.

Er muss „Pfenning“ fragen, wie diese angeblichen 220 Millionen Euro Umsatz mit den tatsĂ€chlichen 175 Millionen Euro Umsatz in der Bilanz in Verbindung stehen.

Herr Kessler muss sich fragen lassen, ob er all diese „Fragen“ immer noch so „glĂŒcklich“ sieht.

Wenn BĂŒrgermeister Kessler schon am Fragen ist, kann er sich gerne auch nach Arbeits- und AusbildungsplĂ€tzen erkundigen – und ob die auch mindestens 20 Prozent ĂŒber den „tatsĂ€chlichen“ Fakten liegen.

Das Unternehmen „Pfenning“ beweist ein ums andere Mal, dass die eigenen Angaben nicht nur nicht glaubwĂŒrdig sind, sondern mehr und mehr den Eindruck machen, dass man es mit einem „unkalkulierbaren“ Investor zu tun hat, wobei unklar bleibt, wer Investoren sein könnten.

Der Heddesheimer BĂŒrgermeister Michael Kessler betont ein ums andere Mal die „IntegritĂ€t“ des Unternehmens „Pfenning“.

Sind „Pfenning“ und BĂŒrgermeister Kessler in ihrer gegenseitigen „BestĂ€tigung“ glaubwĂŒrdig?

DarĂŒber entscheiden die BĂŒrgerInnen und deren gesunder Menschenverstand.

Denn Eines ist sicher: Die Transparenz, also eine ordentliche, offene Investitionsentscheidung liegt nicht vor. Es wird „geheimt“, was das Zeug hĂ€lt.

Und noch etwas ist sicher: 220 Millionen Euro Umsatz hat irgendwer gemacht, aber ganz sicher nicht die Unternehmensgruppe Pfenning.

„Pfenning“ in „schwieriger Situation“

Guten Tag!

Heddesheim, 14. Dezember 2009. Das Handelsblatt berichtete am vergangenen Donnerstag unter der ÃƓberschrift „Pfenning kritisiert Lkw-Hersteller“ ĂŒber die nach Aussage von Karl-Martin Pfenning „schwierige Lage im Logistikgewerbe“. Danach erwartet „Pfenning“ einen UmsatzrĂŒckgang von 220 auf 200 Millionen Euro im Jahr 2009.

kmp

Karl-Martin Pfenning: "Schwierige Lage." Archivbild: hblog

„Pfenning warnt gleichwohl vor einer lĂ€ngeren Nachfragekrise im Lkw-Markt. „Der Unternehmer braucht erstens die wirtschaftlichen Möglichkeiten, einen neuen LKW ĂŒberhaupt kaufen zu können, zweitens die Chance, den alten gewinnbringend verwerten zu können und drittens die Möglichkeit, sein Anlagevermögen in einer wirtschaftlich vertretbaren Frist abschreiben zu können“, sagt er. Keine der drei Bedingungen sei derzeit gegeben.“ Quelle: Handelsblatt, 10.12.2009

Den vollstĂ€ndigen Text des Berichts im Handelsblatt lesen Sie hier: „Pfenning kritisiert Lkw-Hersteller“

Zum Logistikmarkt: „Spediteure hoffen auf die Wende.“

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das heddesheimblog