Montag, 18. November 2019

HĂ€lt der Mannheimer Morgen seine Leser fĂŒr vollkommen verblödet?

Was ist der Unterschied zwischen einer Werbeanzeige und einem redaktionellen Artikel im Mannheimer Morgen zum geplanten Pfenning-Projekt?, fragt sich unser Kommentator Helle Sema. Die ernĂŒchternde Erkenntnis: Es gibt keinen.

Kommentar: Helle Sema

LÀsst sich pauschal sagen, dass der Mannheimer Morgen zu einem willfÀhrigen AnzeigenblÀttchen verkommen ist, das seinen Anzeigenkunden die redaktionellen Texte ums Maul schreibt?

Nein. Das wÀre sicher zu hart. In Bezug auf die geplannte Pfenning-Ansiedlung lÀsst sich das aber sehr wohl so sagen. Ein schönes Beispiel ist der heutige Namensartikel von Ulrich Roth, der als Urlaubsvertretung von Anja Görlitz mindestens genauso recherchefrei berichtet, was ihm die Pfenninge in die Feder diktieren.

Die Pfenning-Umsiedlung hat einen „ökologischen Aspekt“, meint Ulrich Roth.

Der Einstieg ist hochinteressant. So, wie sich das liest, ist die geplante Pfenning-Ansiedlung ein gelungenes StĂŒck Umweltschutz: 150 Lkw-Bewegungen weniger – pro Tag! Die Umsiedlung habe einen „ökologischen Aspekt“ – statt eines hingedrehten Arguments.

Wenn Herr Roth recherchiert hĂ€tte, hĂ€tte er erfahren, was das von ihm aufgeschriebene Zitat von Herrn Nitzinger bedeutet: „(…), weil wir unsere bisherigen sieben Standorte auf einen Einzigen in Heddesheim reduzieren.“ Die Pfenning-Gruppe hat weit mehr „Standorte“ in der Region. In diesem Fall sind LĂ€ger gemeint, die auf KundengelĂ€nde stehen, wie zum Beispiel bei der Rheinchemie in Mannheim. Insofern hĂ€tte Herr Roth dann auch festgestellt, dass die Aussage „auf einen Einzigen (Standort) in Heddesheim reduzieren“ nicht zutrifft.

Vielleicht ging es um GefĂ€lligkeiten…

Vermutlich hat Herr Roth aber auch gar nicht die Absicht gehabt, Zutreffendes zu berichten, sondern dem guten Anzeigenkunden „Pfenning“ einen GefĂ€lligkeitsbericht zu schreiben.

Dementsprechend noch besser ist die Berichterstattung ĂŒbers „Strafgeld fĂŒr Falschfahrten“. Pfenning verhandelt mit der Gemeinde gerade ĂŒber die Höhe des „Strafgelds“. SpĂ€testens hier hĂ€tte Herr Roth doch mal mit der Recherche ansetzen können. Wie wird denn kontrolliert, das die Anzeigen von „Falschfahrten“ ĂŒber eine „Pfenning-Hotline“ dann auch tatsĂ€chlich der Gemeinde gemeldet werden? Und noch wichtiger: Bekommen Anzeiger eine Provision? Und gibt es ab 50 Anzeigen vielleicht eine Ehrung als „Aufpasser fĂŒr die Gemeinde“?

Dann darf der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der KMP-Holding („Pfenning“), Uwe Nitzinger, sagen, wie das so lĂ€uft mit den ArbeitsplĂ€tzen, dass diese alle hochqualifiziert sind, die Firma konjunkturunabhĂ€ngig sei und die Sicherheit gegeben ist. Und Gewerbesteuer wird auch gezahlt und das „örtliche Gewerbe“ werde befruchtet. Und zu guter Letzt: „Pfenning“ fördert die Vereine. Es fehlt eigentlich nur noch ein „Hurra“ am Schluss des Textes.

HĂ€lt der Mannheimer Morgen seine Leser fĂŒr verblödet?

Ich frage mich, wie abgebrĂŒht man als Journalist sein muss, um solch einen Werbetext ohne jeglichen Skrupel im redaktionellen Deckmantel zu schreiben? Und wie sehr muss man seine Leser verachten, dass man ihnen so einen geschönten Bericht vorsetzt? Vielleicht hĂ€lt Herr Roth seine Leser ja auch nur fĂŒr vollkommen verblödet? Wenn ich den Herr Roth das nĂ€chste Mal treffe, frage ich ihn das.