Freitag, 24. November 2017

Geprothmannt: ├ťber Blabla, TV-Duell und andere Blasen

Manche sagen so, manche so

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Das TV-Duell hat Chefredakteur Hardy Prothmann nicht geguckt – trotzdem weil er viel dar├╝ber, denn manche sagen so, manche so.

Rhein-Neckar/Berlin, 2. September 2013. (red) Geh├Âren Sie zu den rund 12 Millionen Fernsehzuschauern, die sich gestern Abend 90 Minuten Blabla reingezogen haben? Oder zum mehrheitlichen Rest? Vollkommen egal. Die Deutsche Presseagentur (dpa), Hauptlieferant f├╝r ├╝berall gleiche Inhalte in deutschen Tageszeitungen stellte die Sensation fest: Das TV-Duell war das meistgetwitterte Thema weltweit. Gesten. Keine Ahnung, was Twitter ist? Dann lesen Sie weiter. [Weiterlesen…]

Beh├Ârden-Fernsehen – der SWR und sein Dilemma


Guten Tag!

03. Februar 2011. Der S├╝dwestdeutsche Rundfunk (SWR) will ein TV-Duell zwischen Ministerpr├Ąsident Stefan Mappus und „seinem Herausforderer“ Nils Schmid veranstalten. Dabei zeigen Umfragewerte, dass der Gr├╝ne Winfried Kretschmann der „vermutliche Herausforderer“ ist. Doch die Umfragewerte, die sonst so gerne wichtig berichtet werden, bezeichnet SWR-Chefredakteur Michael Zei├č als „fl├╝chtig“. Die Frage ist, wovor Herr Zei├č und der SWR auf der Flucht sind.

Kommentar: Hardy Prothmann

Gr├╝nen-Spitzenkandidat will sich "duellieren" - der SWR will die "Machtverh├Ąltnisse" einhalten. Journalistische Fragen spielen f├╝r SWR-Chefredakteur Michael Zei├č nur eine "fl├╝chtige Rolle". Quelle: B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen

Wer sich ein wenig f├╝r Medien interessiert, ist nicht wirklich ├╝ber das Dilemma erstaunt, in dem sich der SWR gerade befindet und das er selbst provoziert hat.

Am 15. M├Ąrz 2011 will der SWR ein „TV-Duell“ zeigen, in dem Ministerpr├Ąsident Mappus mit dem SPD-Spitzenkandidaten Schmid diskutieren soll. Seit Monaten zeigen allerdings Meinungsumfragen, dass B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen mit ihrem Spitzenkandidaten Winfried Kretschmann vermutlich zweitst├Ąrkste Kraft im Stuttgarter Landtag werden k├Ânnten. Und deren Landesvorsitzende Silke Krebs und Chris K├╝hn beschwerten sich nun in einem offenen Brief an die Intendanten Peter Boudgoust: „Das geht an der Realit├Ąt vorbei.“

Politischer SWR-Proporz.

Der SWR sieht die Realit├Ąten anders und orientiert sich nicht an einer m├Âglichen neuen „Machtverteilung“, sondern an der bestehenden. Danach ist die CDU die st├Ąrkste Partei, gefolgt von der SPD und dann den Gr├╝nen.

Ein „Angebot“ von Mappus, in je ein Duell mit je einem der Kandidaten einzusteigen, lehnte der Sender ab, weil Mappus dann „bevorzugt“ w├╝rde.

Das klingt auf den ersten Blick vern├╝nftig, tats├Ąchlich muss man sich f├╝r dumm verkauft vorkommen.

Denn diese so „schlagkr├Ąftige“ Argument, mit dem der Sender und Herr Zei├č scheinbar so tun, als verhalteten sie sich „journalistisch einwandfrei“, ist logisch falsch.

Zu Ende gedacht, sollte man das Angebot von Herrn Mappus annehmen. Statt einem oder zwei „Duellen“ sollten drei stattfinden: Auch eines zwischen Herrn Schmid und Herrn Kretschmann.

Jeder gegen jeden w├Ąre spannender.

Jeder Kandidat h├Ątte dann mit je einem anderen Kandidat diskutiert. Das w├Ąre sogar journalistisch spannend.

Tats├Ąchlich steht das SWR-Fernsehen unter TV-Chefredakteur Michael Zei├č eher nicht f├╝r guten Journalismus, wie die ├âÔÇ×gypten-Berichterstattung, f├╝r die der SWR „federf├╝hrend“ ist, eindr├╝cklich belegt.

Der SWR zeigt sich unbeweglich wie eine Beh├Ârde, die er letztlich auch ist. Mit GEZ-Geb├╝hrengeldern fein ausgestattet, werden die politischen „Ist“-Zust├Ąnde bedient.

Es ist l├Ąngst kein Geheimnis mehr, dass die wichtigen Posten in den Sendern streng nach Parteien-Proporz besetzt sind. Einmal schwarz, einmal rot, ein bisschen gelb und gr├╝n ist bislang, wenn ├╝berhaupt besetzt, dann eher f├╝r die Berichterstattung von der Wiese.

Hier werden im Hintergrund mit gro├čer Wahrscheinlichkeit „Strippen“ gezogen. Oder anders: Der Kampf um die Macht in der Politik ist auch ein Kampf um die Macht im Sender.

Denn wenn die Gr├╝nen tats├Ąchlich zweitst├Ąrkste Kraft im Land werden sollten, wird sich auch beim SWR viel ver├Ąndern, sobald die Vertr├Ąge von altgedienten „beamteten“ Journalisten auslaufen. Dannn werden Posten neu besetzt. Streng nach Proporz.

Doch halt. Vielleicht auch nicht. Wenn man die Gr├╝nen ernst nimmt, k├Ânnte es dazu kommen, dass nicht der Parteiproporz, dem so gut wie alle „f├╝hrenden Journalisten“ beim SWR und anderen Sendern ihre „Funktion“ zu verdanken haben, in Zukunft entscheidet, sondern viel eher die journalistische Kompetenz und Aufrichtigkeit.

Verkorkste Verh├Ąltnisse.

Wie verkorkst es mit dem Journalismus beim SWR schon lange steht, erkennt man an der Argumentation der „Machtverh├Ąltnisse“, die man vorgeblich „abbilden“ will.

Journalismus hat nicht die Aufgabe, gegebene oder vermutete „M├Ąchte“ zu bedienen, sondern zu berichten.

Der ├Âffentlich-rechtliche Rundfunk wird f├╝r diese Arbeit mit Milliarden an Geb├╝hrengeldern finanziert, um eine unabh├Ąngige Berichterstattung zu gew├Ąhrleisten.

Der SWR-Intendant Peter Boudgoust hatte einen Vorg├Ąnger, Herrn Peter Vo├č. Der hatte 35 Jahre lang ein CDU-Parteibuch und stand zu dieser pers├Ânlichen Entscheidung und wird als Journalist und Intendant aufgrund seiner unabh├Ąngigen Haltung bis heute respektiert.

Politische Einflussnahme auf vermeintlich unabh├Ąngige Sender.

Peter Vo├č hat im Dezember 2009 sein Parteibuch nach der Kampagne gegen den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender zur├╝ckgegeben. Brender, eine ebenfalls herausragende Pers├Ânlichkeit, wurde durch den ehemaligen hessischen CDU-Ministerpr├Ąsidenten Roland Koch geschasst.

SWR-Intendant Boudgoust hat sich nicht ge├Ąu├čert und sein Chefredakteur Zei├č versteckt sich hinter dem Hinweis auf die Meinung von „Sender-Juristen“: „Die Frage aller Fragen beim Duell lautet: Wer ist die st├Ąrkste Regierungspartei – und wer ist die st├Ąrkste Oppositionspartei. Diese St├Ąrke bemisst sich nicht anhand von Umfragen, die ja immer nur ein momentanes, fl├╝chtiges Bild abgeben, sondern sie l├Ąsst sich eindeutig an Wahlergebnissen festmachen. Das ist die juristische Grundlage f├╝r unsere Entscheidung, und demnach ist es f├╝r uns ganz eindeutig, dass Ministerpr├Ąsident Mappus von der CDU hier auf den Spitzenkandidaten der SPD trifft, die auch im Landtag die Opposition anf├╝hrt.“

W├╝rde der Mann journalistisch denken, m├╝sste er die Konsequenzen aus seiner eigenen Analyse ziehen: „Erg├Ąnzend ziehen wir auch noch einen journalistischen Pr├╝fungsma├čstab an: Wir haben uns bei dieser Entscheidung durchaus auch kritisch gefragt, ob diese Rolle der st├Ąrksten Oppositionspartei inhaltlich mittlerweile wom├Âglich den Gr├╝nen zugefallen ist. Klares Ergebnis dieser Pr├╝fung: Sowohl die SPD, als auch die Gr├╝nen decken alle Politikfelder mit Positionen ab, die zum gro├čen Teil in Opposition zur Regierungslinie stehen.“

Juristische statt journalistische Bewertung.

Doch Herr Zei├č wei├č einen Fluchtweg, den der SWR ├╝ber eine Pressemitteilung streut: „Abgesehen von dem derzeitigen Umfragehoch der Gr├╝nen, das im engen Zusammenhang mit den Themen Umwelt- und Verkehrspolitik steht, ist daraus aber keine Ver├Ąnderung der Auswahl zu begr├╝nden, wie sie sich aus der juristischen Bewertung ergibt.“

Das liest sich nicht wie eine journalistische Ãœberzeugung, sondern wie ein Amtsbescheid mit Stempel.

Man muss deshalb vermuten, dass es dem SWR nicht um seine Kernaufgabe – die unabh├Ąngige journalistische Information der ├ľffentlichkeit – geht, sondern um die Einhaltung des Proporz. Deswegen spielt die FDP auch ├╝berhaupt keine Rolle. Die ist zwar mit der CDU an der Regierung beteiligt, kommt aber noch nicht einmal „theoretisch“ in Frage f├╝r ein „Duell“.