Mittwoch, 20. September 2017

Steuer-CDs zwingen immer mehr Schwarzgeldbesitzer zur Ehrlichkeit

50 Millionen Euro mehr nach Selbstanzeigen

Mannheim/Rhein-Neckar, 11. Februar 2014. (red/jsc) Seit die „SteuersĂŒnder-CDs“ auf dem Markt sind, steigt die Zahl der Selbstanzeiger. Über 2.100 FĂ€lle sind es in unserer Region seit Februar 2010. Oder mehr als 500 FĂ€lle pro Jahr. Steuerbetrug ist ab 50.000 Euro eine Straftat – wer sich rechtzeitig selbst anzeigt und konsequent alles offenlegt, entgeht aber der Strafverfolgung. Insgesamt wurden den hiesigen Steuerbehörden ĂŒber 260 Millionen Euro Kapital angezeigt, das zuvor nicht bekannt war. Über 50 Millionen Euro Steuergeld sind davon in die Staatskasse geflossen. [Weiterlesen…]

Am 01. Februar lĂ€uft der elektronische Zahlungsverkehr ĂŒber SEPA

„Enormer Aufwand“ fĂŒr zwei Ziffern mehr

Foto: Deutsche Bundesbank

FĂŒr Privatpersonen sind es zwei Ziffern mehr zu merken. FĂŒr Gemeindekassen, Unternehmen und Vereine bedeutet die Umstellung auf SEPA einen hohen Aufwand. Foto: Deutsche Bundesbank

 

Rhein-Neckar,09. Januar 2014. (red/ld/al) WĂ€hrend sich Privatpersonen kĂŒnftig nur zwei neue Ziffern fĂŒr ihre IBAN merken mĂŒssen, hatten Gemeindeverwaltungen, Unternehmen und Vereine in den vergangenen Monaten mehr Aufwand. Grund ist SEPA – die Vereinheitlichung des EU-weiten elektronischen Zahlungsverkehrs. Stichtag ist der 01. Februar. Sie sind vorbereitet. [Weiterlesen…]

Immer lĂ€cheln – vor allem beim Finanzamt

Auch optisch keine Freude: Service Center Seite des Mannheimer Finanzamts.

„So romantisch wie eine deutsche SteuerklĂ€rung“, so bewerten Reisende auf Tripadvisor.de ein Hotel im italienischen Bardolino. Sie begrĂŒnden ihre Aussage mit Regelungsoverkill, sodass der Eindruck entstehe, dass die HotelgĂ€ste stören.

Wie GĂ€ste in besagtem Hotel, scheinen auch Steuerzahler in FinanzĂ€mtern zu stören. Zwar gibt es in den meisten sogenannte Servicecenter, in denen die Steuerzahler ihre SteuererklĂ€rungen abgeben können und dort – so das Konzept – Service, Beratung und Freundlichkeit erwarten können.

Spiegelneuronen bei Finanzbeamten

Freundlich sind die Finanzbeamten vor allem dann, wenn man ihnen freundlich strahlend und mit einer leicht devoten Haltung begegnet. Dann passiert das biologisch Unvermeidliche: Die Spiegelneuronen sorgen dafĂŒr, dass auch der Finanzbeamte lĂ€chelt.

Die Spiegelneuronen sind Nervenzellen im Gehirn, die dafĂŒr sorgen, dass unsere GefĂŒhle auf den anderen ĂŒberspringen also ansteckend sind. 1995 entdeckte der Italiener Giacomo Rizzolatti mit seinem Team die Spiegelneuronen.

Wehe denjenigen, die einen Finanzbeamten wĂŒtend gegenĂŒber treten. Die Wut ĂŒber Steuernachzahlungen, das nicht verstehbare Deutsch von Steuervorschriften sowie ĂŒber das System und die Euro- und Wirtschafts- und Finanzkrise – ĂŒberhaupt senden kluge Steuerzahler an ihre Steuerberater per Mail.

Die Steuerberater können diese dann ungelesen löschen. So ist gesagt, was gesagt werden muss und niemand lÀuft Gefahr sich an Wut anzustecken.

Devote Haltungen erleichtern das Steuerzahlen

Ausdauernd so lange LĂ€cheln bis das LĂ€cheln endlich beim Finanzbeamen angekommen ist, ist wohl die einzige Möglichkeit eine entspannte AtmosphĂ€re herzustellen. Denn das reichlich fließende Geld von uns Steuerzahlern macht die Finanzbeamten offensichtlich auch nicht glĂŒcklicher.

Da können die deutschen Steuerzahler noch so viel zahlen, wie die 527,3 Milliarden Euro im Jahr 2011 und damit immerhin 38,5 Milliarden Euro mehr wie im Jahr 2010. Im Jahr 2012 wird ĂŒbrigens von einem Anstieg der Steuereinnahmen von 21,4 Milliarden Euro ausgegangen.

Selbst wenn wir sie bei Verwaltungsarbeiten unterstĂŒtzen und Briefe vom Finanzamt, die mit diesem vorwurfsvoll strafenden Unterton die schon lĂ€ngst fĂ€llige Einkommenssteuer unter Fristsetzung einfordern mit dem höflichen Hinweis beantworten, dass die bereits vorliegt und vermutlich falsch zugeordnet wurde, da das Finanzamt offensichtlich unsere Steuernummer verwechselt hat, gibt es kein freundliches Feedback in der Art: Oh, das tut uns leid. Danke fĂŒr den Hinweis.

Stattdessen erhalten wir unsere ohnehin schon bekannte Steuernummer mit dem eindringlichen Vermerk, dass diese in Zukunft zu verwenden sei. Vermutlich hat der Staat all seine Finanzbeamten entlassen und Roboter eingestellt. Und vermutlich empfiehlt die deutsche Regierung der griechischen ebenfalls auf Roboter umzustellen.

Genaugenommen gibt es eigentlich nur eine Spielart, mit denen die Finanzbeamten Steuerzahler glĂŒcklich machen können: Mit der RĂŒckzahlung bereits eingezahlter Steuergelder.

Sobald ein Vorauszahlungsbescheid beim Steuerzahler eintrifft, in dem es heißt: „Als Vorauszahlungen auf die Einkommenssteuer und den SolidaritĂ€tszuschlag werden festgesetzt und sind zu entrichten fĂŒr alle Kalendermonate 2012 – Einkommenssteuer 0,00 Euro, SolidaritĂ€tszuschlag 0,00 Euro“, bedeutet dies: Du bist raus. Existenzieller Exitus. Einnahmenausfall. Auch nicht gerade eine Nachricht vom Finanzamt, die glĂŒcklich macht.