Dienstag, 19. Januar 2021

Die Gemeinde Heddesheim pr├Ąsentiert sich neu im Internet – als Kopie


Guten Tag!

Heddesheim, 31. Januar 2011. Irgendwann in den fr├╝hen Morgenstunden ist der neue Internetauftritt der Gemeinde Heddesheim online gegangen. Was auf den ersten Blick ganz h├╝bsch aussieht, ist leider nur die Kopie einer Vorlage, die von der Firma hitcom new media als Standardl├Âsung verkauft wird. Das funktioniert so ├Ąhnlich wie bei Douglas, wo man ein Produkt verschiedenartig und doch immer gleich verpacken lassen kann.

Von Hardy Prothmann

Die erste gro├če ├â┼ôberraschung in Sachen neuer Internetauftritt war der Gemeinderat Reiner Hege (CDU): „Das ist eine gelungene Homepage“, bewertete der Landwirt die Pr├Ąsentation der neuen Website voller Zuversicht und outete sich damit unerwarteterweise als Internetexperte.

Die zweite Ãœberraschung war, dass die Seite laut Gemeinderatsunterlage bereits am Freitag online gehen sollte, aber ohne Nennung von Gründen erst heute online ging.

B├╝rgerfreundlich ohne B├╝rger zu fragen.

Die dritte ├â┼ôberraschung war die Aussage, dass man eine „b├╝rgerfreundliche“ Seite geschaffen h├Ątte. Als ich nachfragte, wieviele B├╝rgerinnen und B├╝rger denn in den Planungsprozess mit einbezogen worden waren, entstand erst eine Pause, dann polterte B├╝rgermeister Michael Kessler: „Die Gemeindeangestellten sind auch B├╝rger.“ Damit war dieser Punkt auch gekl├Ąrt.

Gibt es weitere ├â┼ôberraschungen? Einige. Beispielsweise f├╝r die Besucher, vor allem, wenn sie nicht sehr gut sehen k├Ânnen oder Probleme haben, Kontraste zu erkennen. Die „Hausschrift“ ist tendenziell zu klein und je nach Rubrik auch farbig. Vor allem die „Hausfarbe“ Ocker ist tendenziell sehr schlecht zu lesen.

Die ockerfarbene Schrift l├Ąsst sich nicht gut lesen - die Men├╝f├╝hrung ist zumindest "├╝berraschend".

Auch ist eine Farbf├╝hrung, die man aus der Neub├╝rgerbrosch├╝re ├╝bernommen hat, leider kein geeignetes Mittel zur Orientierung, um sich auf der Seite zurechtzufinden. Online funktioniert anders als Print.

Wer ├╝ber die sechs Rubriken Aktuelles, Unsere Gemeinde, Rathaus, Bildung&Soziales, Freizeit, Wirtschaft&Bauen nicht zurechtkommt, wird das anhand von Ocker, Pink, Gr├╝n und Blau erst recht nicht schaffen.

Sieht fast aus wie Heddesheim, das Angebot der Gemeinde Grenzach-Whylau. Kein Wunder, beide Angebote sind Standardl├Âsungen.

Der hitcom new media-Gesch├Ąftsf├╝hrer Steffen Hemberger erkl├Ąrte in der Gemeinderatssitzung, der Auftritt umfasse rund 5.500 Seiten. Das ist mehr als erstaunlich, weil diese Information garantiert falsch ist. Der Auftritt basiert auf dem Content-Management-System ceasy. Das funktioniert so: Es wird eine Art Folie programmiert und je nachdem, was man anklickt, werden die Inhalte dynamisch aus einer Datenbank abgerufen und f├╝llen diese „Seite“, die so aber gar nicht existiert.

Die Sortierung der Rubriken ist leider auch nicht b├╝rgerfreundlich gelungen. So erscheinen die ├ľffnungszeiten unter Punkt 5 unter Rathaus. Eine wesentliche Information, wenn „man aufs Rathaus“ muss – leider nicht sofort erreichbar.

Die „Dienstleistungen A-Z“ sind sicherlich sinnvoll, wenn man eine bestimmte sucht. Ganz sicher gibt es einige Dienstleistungen, die viel h├Ąufiger als andere in Anspruch genommen werden. Die k├Ânnte man auf einen Blick darstellen. Die Liste der Mitarbeiterinnen steht sogar an Punkt 8. Warum so weit hinten? An Punkt vier stehen Satzungen und Ortsrecht. Ob die so oft aufgerufen werden?

Gott hab sie selig - die alte Website der Gemeinde Heddesheim.

Und die exklusivste Information, amtliche Mitteilungen der Gemeinde, findet man nur schwer zwischen Gemeindenachrichten, die zu allem m├Âglichen verfasst werden. Dazu gibt es kleine Fotos, die die Orientierung nicht wirklich erleichtern.

Das ist auch kein Wunder. Denn anders, als Steffen Hemberger behauptet hat, handelt es sich keineswegs um eine individuelle Programmierung f├╝r die Gemeinde Heddesheim, sondern nur um eine optische Anpassung die auf einer Standardl├Âsung basiert. Sicher, hier und da weichen Men├╝punkte ab, aber insgesamt entspricht der Auftritt beispielsweise dem der Gemeinde „Grenzach-Wyhlen“.

Ma├čgeschneidert? Von wegen.

Da hitcom new media L├Âsungen von der Stange verkauft, kann man nicht erwarten, nach den individuellen Bed├╝rfnissen der Gemeinde eine „ma├čgeschneiderte“ L├Âsung zu erhalten.

Der Aufbau der Startseite ist auch wenig ├╝berzeugend. Wo ist der Unterschied zwischen „Neuigkeiten aus unserer Gemeinde“ und „Aktuelle Nachrichten“? M├╝sste nicht die Meldung „Neue Internetseite online“ bei Nachrichten statt Neuigkeiten stehen? Wie neu ist eine „Neuigkeit“, die vom 13. Januar ist und am 31. Januar 2011 immer noch angezeigt wird? Und was ist an der „Energieberatung“ eine „Aktuelle Veranstaltung“? Ist das nicht eher ein Termin?

Ein guter Service sind die Lagepl├Ąne – sofern sie angeboten werden. Bei vielen Vereinen fehlt das. Was in der Vorstellung als „eine Schnittstelle zur elektronischen Fahrplanauskunft Baden-W├╝rttemberg“ angepriesen wurde, ist nichts anderes als ein einfacher Link, den k├Ânnen Sie auch hier klicken: Elektronische Fahrplanauskunft Baden-W├╝rttemberg. (Diese „Schnittstellenprogrammierung“ hat uns 5 Sekunden gekostet.)

Es gibt einige Formulare, die man ausdrucken kann, um sie dann „per Post“ oder sogar pers├Ânlich auf die Gemeinde zu bringen. Ganz ehrlich? Was soll das? Da kann man sich das Geld sparen, gerade, wenn man einen teuren Tintenstrahldrucker hat und gleich „aufs Rathaus“ gehen.

Ganz h├╝bsch. Und weiter?

Der neue Internetauftritt ist um einiges besser als der alte – der ├╝brigens auch schon vor zehn Jahren f├╝rchtlich h├Ą├člich war. Ein echter „Wurf“ ist nicht gelungen. Man kann davon ausgehen, dass der Auftrag einiges gekostet hat – ob man mit dem Ergebnis zufrieden sein kann, ist eine andere Frage.

Sehr gespannt darf man sein, was die Pr├Ąsenz als „Facebook„-Seite sein soll. Bislang ist hier eher wenig an Informationen zu finden und man darf vermuten, dass sich hier auch nicht viel tun wird. Vermutlich werden Inhalte von der Homepage hierherkopiert und das wars.

Alles andere w├╝rde eigenverantwortliches Handeln durch Gemeindeangestellte voraussetzen. Und das w├Ąre dann doch sehr ├╝berraschend.

Auch wenig ├╝berraschend ist, dass die Seite auf die Internetangebot des Mannheimer Morgen, der Rhein-Neckarzeitung und der Weinheimer Nachrichten verweist, weiterhin haber nicht auf das heddesheimblog mit st├Ąndig aktuellen Nachrichten verlinkt. Das hat das heddesheimblog mit der Polizei gemein. Auf die wird auch nicht verlinkt.

Anmerkung der Redaktion: Hardy Prothmann ist f├╝r das heddesheimblog verantwortlich sowie partei- und fraktionsfreier Gemeinderat in Heddesheim.