Samstag, 23. September 2017

Nachbericht zur 1. ├ľffentlichen Redaktionskonferenz von Rheinneckarblog.de

Danke f├╝r das Lob! Danke f├╝r die Anregungen!

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Auf Tuchf├╝hlung: Unsere Redaktionsmitarbeiter zusammen mit Politikern und G├Ąsten auf dem Museumsschiff zur 1. ├ľffentlichen Redaktionskonferenz am 13. Oktober.

 

Rhein-Neckar/Mannheim, 22. Oktober 2014. (red/ld) Welche Themen interessieren Sie? Und was wollten Sie uns schon immer einmal sagen? Was k├Ânnen wir besser machen? Das wollten wir von unseren Lesern zu unserer ersten ├Âffentlichen Redaktionskonferenz wissen. Am 13. Oktober trafen wir uns in Ali M├╝llers Restaurant & Caf├ę Lounge auf dem Museumsschiff mit den Lokalpolitikern Bernd Kupfer (CDU/Mannheim), Reinhold G├Âtz (SPD/Mannheim) und Raquel Rempp (Freie W├Ąhler/Schwetzingen), die Said Azami mitbrachte: Der 31-j├Ąhrigen Afghane berichtete von seiner Flucht und ├╝ber das Leben in der Schwetzinger Fl├╝chtlingsunterkunft. [Weiterlesen…]

In eigener Sache

Besinnlichkeiten, Bescherungen, Botschaften

 

Rhein-Neckar, 24. Dezember 2012. (red) Wir w├╝nschen unseren Leserinnen und Lesern eine besinnliche Weihnachtszeit, sch├Âne Bescherungen und frohe Botschaften. Auch wenn der „Wettergott“ es nun dieses Jahr gar nicht gut mit uns gemeint hat und uns sommerlich anmutende Temperaturen von 14┬░ Grad beschert hat. Immerhin ist die Welt nicht untergegangen – sie dreht sich weiter. Wir lassen das Jahr geruhsam ausklingen. Ab der zweiten Januarwoche sind wir wieder voll im Einsatz f├╝r Sie da.

Von Hardy Prothmann

Heute Abend wird es ├╝berall Bescherungen geben – sch├Âne Geschenke, die hoffentlich Freude machen. Es wird zusammen gelacht, gefeiert, auch gestritten und gebetet, zur├╝ck- und vorgeschaut, sich erinnert. Und nat├╝rlich gut gegessen und getrunken.

Bei uns ist das ganze Jahr Weihnachten. Wir bescheren Sie, unsere Leserinnen und Leser, fast t├Ąglich und kostenlos mit „Botschaften“. Die sind leider nicht immer „froh“, sondern geben wieder, was in unserer Welt passiert. Denn das haben wir uns zur Aufgabe gemacht und das erwarten Sie selbstverst├Ąndlich von uns.

Ist das aber so selbstverst├Ąndlich, wie es scheint? Das ist es nicht. Wir erbringen eine Dienstleistung f├╝r die Allgemeinheit, die tausende von Menschen kostenlos nutzen, die aber alles andere als kostenfrei ist. Wir haben in technische Ger├Ąte investiert, haben laufende Kosten f├╝r B├╝ror├Ąume, Arbeitsmaterialien, Fahrzeuge. Der gr├Â├čte Posten sind die Honorarkosten f├╝r unsere Mitarbeiter, die sehr engagiert Informationen zusammensuchen, sortieren, verarbeiten und aufbereiten.

Umbruchszeit

W├Ąhrend wir diese journalistische Dienstleistung aufbauen und ausweiten, stellen andere diese ein. Sp├Ątestens im Jahr 2012 ist klar geworden, dass der Medienmarkt in einem entscheidenden Umbruch ist. Die Verlierer dieses Prozesses werden die gedruckten Zeitungen sein. Nur ein paar Beispiele: In Hamburg wurde die Financial Times Deutschland eingestellt, in N├╝rnberg die Abendzeitung und hier bei uns vor Ort das Stadtmagazin Meier. Diese Medien sind aus dem Meinungsmarkt verschwunden. Deren Informationen – egal, wie gut oder schlecht sie gewesen sein m├Âgen – werden fehlen.

Stabile Demokratien zeichnen sich aber durch Meinungsfreiheit aus. Bei uns ist diese grundgesetzlich durch Artikel 5 unserer Verfassung gesch├╝tzt. Um sich eine umfassende Meinung bilden zu k├Ânnen, brauchen wir alle verl├Ąssliche und umfassende Informationen, die wir gegeneinander abw├Ągen. Um eine Haltung zu entwickeln oder Entscheidungen zu treffen.

W├Ąhrend im Printbereich viele Angebote ersatzlos verschwinden, entstehen bundesweit seit einiger Zeit neue Angebote wie unseres oder von Kollegen. Einige Dutzend haben sich im Netzwerk istlokal.de zusammengefunden und suchen gemeinsam neue Wege, um einen guten, hintergr├╝ndigen Lokaljournalismus anbieten zu k├Ânnen.

Kritischer Journalismus bedroht

Wir gehen dabei jeden Tag ein hohes Risiko ein. Denn sobald jemand mit unseren Ver├Âffentlichungen nicht „einverstanden“ ist, drohen Abmahnungen und Klagen wie vor einem Jahr durch den Gr├╝nen-Politiker Hans-Christian Str├Âbele oder die vermeintliche „Tierschutz“-Organisation Peta oder der Heddesheimer B├╝rgermeister Michael Kessler – in nur drei Jahren sind wir ├╝ber ein Dutzend Mal abgemahnt worden. Das finanzielle Risiko lag dabei immer zwischen 2.000-10.000 Euro. Insgesamt haben wir bereits ├╝ber 10.000 Euro an Anwalts- und Gerichtskosten bezahlen m├╝ssen. Wie heftig es dabei zugehen kann, zeigt das Beispiel Regensburg-Digital. Unser Kollege Stefan Aigner wurde von der katholischen Kirche verklagt, weil er Zahlungen der Kirche an ein Missbrauchsopfer als „Schweigegeld“ bezeichnet hatte. Durch Spendenzahlungen von Lesern hatte er die finanziellen Mittel, um sich juristisch zu wehren. Das Hamburger Landgericht untersagte dem engagierten Journalisten zun├Ąchst diese Behauptung, das Hamburger Oberlandesgericht hob das Urteil auf und die Di├Âzese Regensburg legte dagegen Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. Die Karlsruher Richter lehnten die Beschwerde ab.

Ganz ├╝berwiegend wird kritische Berichterstattung aber anerkannt. An dieser Stelle m├Âchten wir alle die loben, die bereit sind, Kritik nicht nur auszuhalten, sondern anzunehmen und weiter den Austausch suchen. Wir stehen mit dutzenden von Beh├Ârden, mit hunderten von unseren Leserinnen und Lesern in gutem Kontakt, die uns immer wieder wertvolle Hinweise ├╝ber das Geschehen vor Ort geben, die uns Informationen zukommen lassen, die wir pr├╝fen, aufbereiten und ver├Âffentlichen.

Hochwertige Informationen sind wertvoll

├ťber dieses Engagement sind wir sehr dankbar. Ebenso ├╝ber das Vertrauen, dass uns unsere Werbekunden schenken. Die Einnahmen aus der Werbung bezahlen unsere Arbeit. Unsere Werbekunden wiederum nutzen die durch uns erzeugte Aufmerksamkeit gerne, weil sie den Medienwandel verstehen und feststellen, dass wir zwar immer wieder streitbare, aber insgesamt sehr hochwertige Informationen anbieten. Weil wir Informationen nicht langweilig verwalten, sondern einordnen und bewerten.

Im kommenden Jahr werden wir ├Ąhnlich wie unser Berliner Kooperationspartner Prenzlauerberg-Nachrichten einen Freundeskreis schaffen und eine finanzielle Unterst├╝tzung bei Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, einwerben. Wir wissen, dass der ├╝berwiegende Teil unserer Leserinnen und Leser unsere Arbeit wertsch├Ątzt und lassen uns ├╝berraschen, inwieweit das „honoriert“ wird. Sie, liebe Leserin, lieber Leser, k├Ânnen also selbst ihren Teil beitragen, um unseren kritischen Journalismus, den wir nicht aus Selbstzweck, sondern f├╝r Sie machen, zu unterst├╝tzen. In Stuttgart hat „Kontext – Die Wochenzeitung“ ├╝ber 1.000 Unterst├╝tzer gefunden, die zehn Euro und mehr im Monat (ohne Abo-Bindung) zahlen, um deren journalistische Arbeit zu finanzieren. Sicher aus der ├ťberzeugung heraus, dass kritischer Journalismus absolut notwendig ist, damit die Demokratie lebendig bleibt.

W├Ąhrend Gro├čverlage Teile ihrer Angebote einfach einstellen, wenn sie nicht genug abwerfen, bauen wir auf und investieren. Die Gesch├Ąfte entwickeln sich positiv – Ihre Unterst├╝tzung k├Ânnen wir trotzdem gut brauchen. Und die ist gut angelegt, weil wir im Gegensatz zu anderen Medien tats├Ąchlich unabh├Ąngig arbeiten.

Schlechte Nachrichten vs. positive Entwicklungen

Wir nutzen zum Jahresende die „besinnliche“ Zeit, um ├╝ber das zu Ende gehende Jahr nachzudenken und das kommende Jahr vorauszudenken. Wir ziehen Bilanz, was uns gut gelungen ist, was weniger, was wir besser machen k├Ânnen. Sie unterst├╝tzen uns dabei fortw├Ąhrend, durch Kommentare, Postings auf Facebook, emails, Anfrufe und pers├Ânliche Gespr├Ąche. Daf├╝r danken wir ebenfalls sehr herzlich.

Leider besteht unsere Arbeit oft nicht aus „frohen Botschaften“ – denn wir m├╝ssen ├╝ber Missst├Ąnde berichten, damit diese bekannt und hoffentlich beseitigt werden. Wir freuen uns aber immer, wenn wir positive Nachrichten oder zufriedenstellende L├Âsungen verbreiten k├Ânnen. Und manchmal kommt beides zusammen: Die Aktivit├Ąten der rechtsradikalen NPD sind schlechte Nachrichten, der Widerstand von Gegendemonstranten dagegen sind sehr gute Nachrichten. Die Katastrophe von Fukushima war eine besonders schlechte Entwicklung, das daraus entwickelte Umdenken in Richtung Energiewende ist eine positive Wendung. Dass wir privaten Energieverbraucher geschr├Âpft werden, w├Ąhrend Stromfresserbetriebe von der Bundesregierung verschont werden, ist eine doppelt schlechte Nachricht. Wir informieren Sie ├╝ber all das und helfen Ihnen, sich ein Bild zu machen und sich eine m├Âglichst differenzierte Meinung bilden zu k├Ânnen.

Eine sehr sch├Âne Nachricht ist, dass unser Flashmob-Video, das wir im vergangenen Jahr in Weinheim produziert haben, mittlerweile fast 50.000 Menschen gesehen haben. In einer sch├Ânen, friedlichen Atmosph├Ąre singen Menschen zusammen und erfreuen sich und andere an sch├Âner Musik. In diesem Sinne w├╝nschen ich Ihnen stellvertretend f├╝r die gesamte Redaktion Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch.

Ihr

Hardy Prothmann
Chefredakteur

P.S. Bei aktuell wichtigen Ereignissen finden Sie selbstverst├Ąndlich auch in der Ferienzeit Informationen bei uns.

 

Journalist vs. katholische Kirche

Geprothmannt: Solidarit├Ąt mit Aigner

Der Regensburger Dom – Sinnbild der Meinungsverachtung und des Schweigegelds. Quelle: Regensburg-digital.de

Rhein-Neckar/Regensburg, 24. September 2012. (red) Der Regensburger Journalist Stefan Aigner ist jemand, der genau hinschaut. Jemand, der sich um Opfer kümmert. Jemand, der die längst vergessene Kunst der Sozialreportage im Lokalen wieder aufleben lässt. Jemand, dem es nicht egal ist, ob man „Streumunition“ als „intelligente Wirksysteme“ bezeichnet. Und immer wieder wird der Journalist von Konzernen verklagt: Ob von Waffenfabrikanten wie „Diel“, ob von Glaubensfabrikanten wie der „Diözese Regensburg“ oder von einer XXL-Möbelfabrikantenkette. Die katholische Kirche will Stefan Aigner exkommunizieren und geht bis vors weltlich jüngste Gericht. Der Glaubenskonzern will dem Regensburger Journalisten verbieten lassen, im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch Geldzahlungen als „Schweigegeld“ zu bezeichnen.

Von Hardy Prothmann

Die Diözese Regensburg hat die Widerwärtigkeit als Glaubensprinzip entdeckt. Der juristische Glaubenskampf eines Bischofs Müller ist an Erbärmlichkeit nicht zu überbieten. Über Jahrzehnte  hat die katholische Kirche den Missbrauch von Schutzbefohlenen „gedeckt“.

Der Skandal des mannigfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern Jugendlichen durch katholische Priester oder sonstige Angestellte dieser Kirche hat nicht nur die Glaubensgemeinde, sondern das ganze Land erschüttert. Eine glaubhafte Aufklärung durch die Verantwortlichen hat nicht stattgefunden. Die Missbrauchsopfer wurden durch diese Kirche nochmals verhöhnt und öffentlich vergewaltigt.

„Beigeschmack“

Der Regensburger Journalist Stefan Aigner hat sich vor Ort „um das Thema gekümmert“. Und Zahlungen an ein vergewaltiges Opfer als „Beigeschmack von Schweigegeld“ bezeichnet. Wie auch der Spiegel. Das Magazin formulierte härter: Schweigen gegen Geld. Von „Beigeschmack“ ist da keine Rede.

Die Diözese Regensburg hat im Zuge des „fliegenden Gerichtsstands“ dann in Hamburg gegen Spiegel und Aigner geklagt. „Fliegender Gerichtsstand“ meint – da das Internet überall ist, sucht man sich das Gericht aus, bei dem man sich die besten „Chancen“ ausrechnet. Was das über eine Gerichtsbarkeit „im Namen des Volkes“ aussagt, soll hier nicht debattiert werden.

Das Landgericht Hamburg hat erwartungsgemäß sowohl den Spiegel als auch Aigner verurteilt, die Behauptung von „Schweigegeldzahlungen“ zu unterlassen. Doch das Oberlandesgericht hat das Urteil des Landgerichts kassiert. Das passiert oft, aber nur, wenn man es sich leisten kann. Stefan Aigner konnte das, weil er rund 10.000 Euro Spendengelder einwerben konnte, um sich zu wehren. Sonst wäre er ruiniert gewesen. Im Sinne der Kirche. Denn Aigner hatte vorher versucht, eine Einigung zu erzielen. Sowas wollte das Bistum nicht. Bischof Müller steht für Inquisition.

Verfassungsbeschwerde gegen „Schweigegeld“

Gegen das Urteil des Oberlandesgericht hat die Diözese Regensburg nun laut einem Bericht von regensburg-digital.de „Verfassungsbeschwerde“ eingelegt. Bischof Müller als Verantwortlicher will also vom höchsten deutschen Gericht klären lassen, ob Zahlungen an die Familie eines von einem katholischen Priester zweifelsfrei missbrauchten Jungen als „Schweigegeld“ bezeichnet werden darf oder nicht.

Abseits jeder juristischen „Einordnung“ macht das fassungslos. Jede Scham fehlt. Jedes Schuldbewusstsein. Jede Verantwortlichkeit. Selbst wenn es kein Schweigegeld gewesen wäre, vermisst man bis heute Demut und Anstand bei der Diözese Regensburg. Vielleicht „stinkt der Kopf vom Fisch her“ hier besonders von der Person Müller, aber insgesamt ist das Verhalten der katholischen Kirche in Sachen Aufklärung in ganz Deutschland auf ungläubiges Entsetzen gestoßen.

Um auch das festzustellen: Die „ungeheuerliche“ Klage richtet sich allein gegen einen großen Verlag, den Spiegel und gegen einen freien Journalisten, Stefan Aigner. Auch das erstaunlich oder auch nicht. Die vor Ort „etablierte Presse“ hat entweder gar nicht oder im Sinne der Kirche berichtet. Eine kritische Berichterstattung hat es hier nicht gegeben. Vor Ort soll alles seinen Gang gehen wie immer, Kritik ist nur „in Maßen“ erwünscht, was sich häufig in Maßbierberichterstattung bestätigt, die Tageszeitungen bedienen teuer bezahlende Kunden gut und der Rest findet nicht statt.

Regensburg ist überall

Regensburg ist überall. Genau wie Heddesheim, Ilvesheim oder Weinheim. Was anders ist: Es gibt neue, freie und unabhängige journalistische Angebote. Die sich trauen, hintergründig zu berichten. Und immer öfter finden sie Themen, die deutschlandweit Interesse finden, während Lokalzeitungen in ihrer Instant-Bratwurst-Soße schwimmen. Im Gegensatz zu denen, die sich nichts in den Block diktieren lassen, sondern auf dem Blog anprangern, was schief läuft.

Teilen Sie diesen Artikel, informieren Sie Ihre Freunde und Bekannten über neue Möglichkeiten. Fragen Sie sich, was Ihrer Meinung nach „öffentlich“ sein muss. Informieren Sie wirklich kritische Journalisten. Helfen Sie mit Ihrem Interesse Stefan Aigner – denn der macht das nicht für sein Bankkonto, sondern aus Überzeugung. Ich halte ihn für einen ganz herausragenden Journalisten, der mit Herzblut und einer nach Artikel 5 Grundgesetz bestimmten Haltung eine Stütze unserer Demokratie ist. Einen Preis wird er für seine engagierte Arbeit vermutlich nie gewinnen. Denn er ist kein Teil des „Print-Preis-Systems“, das sich nur selbst huldigt.

 

 

 

Das Abmahnunwesen ist eine nachhaltige Bedrohung der Pressefreiheit

Offener Brief an Herrn Str├Âbele und andere Abmahner

Heddesheim/Berlin, 01. Dezember 2011. Die so genannte Fischfutter-Aff├Ąre hat weite Kreise gezogen. Die Aufmerksamkeit war und ist hoch, dutzende Zeitungen und auch das Fernsehen haben berichtet. Hinter dem Einzelfall „Str├Âbele vs. Heddesheimblog“ steckt allerdings ein Prinzip – und das verdient Aufmerksamkeit. Ein offener Brief an MdB Hans-Christian Str├Âbele (B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen) und andere Abmahner. [Weiterlesen…]

Wer hat Angst vorm „wei├čen Bus“? Falschmeldung verunsichert Eltern – die reale Bedrohung liegt im „Umfeld“

Rhein-Neckar, 26. Oktober 2011. (red) Seit ein paar Tagen „geistert“ eine Meldung durch soziale Netzwerke wie Facebook, dass vor Ort ein Mann Kinder anspreche und diese in einen „wei├čen Bus“ locken wolle. Was wie die m├Âgliche Bedrohung von Kindern durch p├Ądophile Kindesentf├╝hrer klingt, ist eine unwahre Geschichte, ein so genannter „Hoax“. Trotzdem ist die Bedrohung real – allerdings eher durch M├Ąnner im unmittelbaren „vertrauensvollen“ Umfeld der Kinder.

Von Hardy Prothmann

Egal, wie man es nennt, ob ├╝bler Scherz, Kettenbrief, Hoax, „urban legend“ – die Geschichten funktionieren immer gleich. Ein Emp├Ârungsthema wird gesucht, eine Bedrohung, irgendetwas, das viele Menschen ber├╝hrt.

So auch die Warnung, man habe vor der Schule einen wei├čen Bus gesehen, ein Mann spreche Kinder an, die Mama hat gesagt, dass der Junge mitfahren muss, weil der regul├Ąre Bus nicht kommt, etwas passiert ist und so weiter. Obligatorisch ist die Aufforderung, die Nachricht weiter zu verbreiten, „um andere zu warnen“.

Und flugs verbreitet sich das Ger├╝cht – in Zeiten des Internets rasant. Der „wei├če Bus“ ist mittlerweile in ganz Deutschland vor Schulen gesehen worden. Es gibt mittlerweile dutzende Varianten der Geschichte, deren Botschaft im Kern lautet: „Achtung, p├Ądophiler Kindersch├Ąnder hat es auf Dein Kind abgesehen.“

Schutzreflexe

Wer Angst vorm "wei├čen Bus" hat, sollte sich viel mehr vorm "wei├čen Talar" f├╝rchten. Quelle: regensburg-digital.de

Der Schutzreflex ist verst├Ąndlich. Auch ich habe die Meldung gestern gelesen und war sofort aufmerksam. Der Sohn ist mit 17 Jahren „zu gro├č“, aber da ist ja noch die Tochter, die besch├╝tzt werden muss. Als ich die Nachricht zu Ende gelesen hatte, habe ich nach Hinweisen gesucht, bei der Polizei nachgefragt. Weniger, weil ich beunruhigt war, sondern aus einem journalistischen Reflex heraus. Kann das sein? Ist da was dran? Das Ergebnis: Keine Erkenntnisse. Keine Hinweise. Damit war die Sache f├╝r mich erledigt.

Da der Bus oder vielmehr die angebliche Geschichte seine Bahnen zieht, braucht es offensichtlich doch eine „offizielle“ Entwarnung. Es gibt ihn nicht, den „wei├čen Bus“.

Den „wei├čen Bus“ gibt es nicht – wohl aber die Angst

Tats├Ąchlich gibt es gro├če ├âÔÇ×ngste – das eigene Kind in den F├Ąngen p├Ądophiler Verbrecher… Eine Horror-Vorstellung f├╝r viele Eltern. Tatsache ist aber, das sexuelle Gewaltverbrechen (mit Todesfolge) seit Jahren r├╝ckl├Ąufig sind.

Das hat vor allem mit einer erh├Âhten Aufmerksamkeit zu tun, mit Pr├Ąvention, mit guter Polizeiarbeit. Der allerschlimmste „Horrorfall“, der sexuelle Missbrauch mit Todesfolge ist die absolute Ausnahme. 2009 hat die „Polizeiliche Kriminalstatistik“ (PKS) in Deutschland zwei solcher F├Ąlle „erfasst“, 2010 keinen einzigen.

So ersch├╝tternd jedes einzelne Schicksal ist: Statistisch gesehen ist die Bedrohung, gemessen an einer Bev├Âlkerungszahl von rund 80 Millionen Menschen, nicht messbar. In krassem Gegensatz dazu steht die Angst davor.

Missbrauch in der Statistik

Schaut man auf die „kalten“ statistischen Daten, f├Ąllt vor allem der „sexuelle Missbrauch von Schutzbefohlenen“ auf. Diese T├Ąter fahren keinen „wei├čen Bus“, sondern sind meist im allt├Ąglichen „Umfeld“ der Kinder zu finden.

Es sind V├Ąter, Br├╝der, Onkel, Opas, Nachbarn, Mitarbeiter von „Jugendorganisationen“, Vereinsfunktion├Ąre, Kirchen, ├âÔÇ×rzte, Sozialarbeiter – eben alle, die „allt├Ąglich“ mit Kindern zu tun haben. Die T├Ąter sind meist m├Ąnnlich und im direkten Kontakt mit Kindern. Nicht der „b├Âse Unbekannte“, sondern der „Bekannte“ ist die reale, b├Âse Bedrohung.

Das perfide an dieser Bedrohung – es sind Personen, den man eigentlich vertraut. Von denen „man das nicht denkt“.

Hier gehen die Missbrauchszahlen in die tausende. Statistisch gesehen muss man diesen Zahlen misstrauen. Ganz im Gegensatz zu den Zahlen ├╝ber entf├╝hrte Kinder, die zu Tode kommen. Die sind sehr exakt.

Die sexuellen Missbrauchsf├Ąlle, die durch „bekannte“ Personen begangen werden, werden wegen Schamgef├╝hls, Sorgen um die „├Âffentliche“ Stellung h├Ąufig nicht angezeigt. Die Dunkelziffer ist nicht zu bemessen, man kann aber davon ausgehen, dass sie sehr hoch ist.

„Jungs“ haben es „schwerer“

Nicht nur Frauen wissen das sehr genau. Welche Frau erz├Ąhlt schon gerne, dass der Opa sie „gestreichelt“ oder sie ihre „Unschuld“ durch den „Onkel“ verloren hat? Kaum eine. Trotzdem gibt es immer mehr Frauen und M├╝tter, die sich dem Missbrauch stellen und ihn nicht einfach „abtun“.

"Echte" Missbrauchzahlen findet man als statistische Zahlen in der Polizeilichen Kriminalit├Ątsstatistik. Jeder Fall ist ersch├╝tternd - die Zahl der F├Ąlle ist aber "gering". Die Dunkelziffer hingegen hoch. Quelle: PKS

 

F├╝r „Jungs“ ist das bis heute noch viel schwerer. Als „Mann“ einen Missbrauch einzugestehen, ist auch durch „Rollenbilder“ sehr viel schwieriger. Mal ganz ehrlich? In wie vielen K├Âpfen geistert noch der Bl├Âdsinn rum, dass „Frauen genommen werden“ und „M├Ąnner nehmen“? Und was ist dann mit „M├Ąnnern“, die „(heran)genommen“ wurden? Sind das M├Ąnner oder nur einfach „Schwuchteln“?

Solche bl├Âdsinnigen Rollenbilder machen es p├Ądophilen T├Ątern einfach. Und die Scham der Opfer, der Familien und der Gesellschaft sch├╝tzt die T├Ąter zus├Ątzlich. Das ist die Perversion der Perversion.

Als eine der gr├Â├čten „Missbrauchsorganisationen“ geriet die katholische Kirche in die Kritik – die Welle der Anzeigen und „Offenbarungen“ rei├čt nicht ab. Und eine „ehrenwerte“ Haltung der katholischen Kirche, Missbrauchsf├Ąlle konsequent und ohne Kompromisse zu verfolgen, ist nicht zu erkennen. Ganz im Gegenteil – die Vertuschung hat Methode, selbst unter Einsatz juristischer Mittel.

Auch mein Kollege Stefan Aigner aus Regensburg ist so eine Art „Missbrauchsopfer“. Eineinhalb Jahre musste sich der freie Journalist gegen die Di├Âzese Regensburg wehren, die ihn verklagt hatte, weil er in einem Bericht Zahlungen an die Familie eines Missbrauchsopfers als „Schweigegeld“ benannt hatte.

Aktuell hat das Oberlandesgericht Hamburg diese Einsch├Ątzung best├Ątigt und Stefan Aigner diese Wortwahl gestattet. Die Prozesskosten von weit ├╝ber 10.000 Euro waren geeignet, den Journalisten wirtschaftlich zu ruinieren. Vergleichsversuche im Vorfeld hat die Kirche nicht angenommen. Dem Missbrauch folgte der Wille, einen kritischen Journalisten mundtot zu machen – koste es, was es wolle.

Das bekannteste Beispiel f├╝r „sexuellen Missbrauch Schutzbefohlener“ in unserer Region ist die „Odenwaldschule“. Nach einem Bericht von Spiegel online wurden hier „sexuelle Dienstleister f├╝rs Wochenende eingeteilt.“

„Schulleiter, Kirchenvertreter, Ministerien – alle reden von „Einzelf├Ąllen“ des sexuellen Missbrauchs an Schulen. Inzwischen sind es ziemlich viele Einzelf├Ąlle. Die Schulen haben einen blinden Fleck, die Beh├Ârden offenbar einen toten Winkel: Wo ist die staatliche Schulaufsicht, wenn man sie braucht?“,

fragt Spiegel online in einem weiteren Artikel.

Die reale Bedrohung ist nicht der „wei├če Bus“, sondern das Umfeld.

F├╝r Eltern und ihre Kinder muss klar sein, dass nicht der „wei├če Bus“ die echte Bedrohung darstellt – die tats├Ąchliche Bedrohung liegt aber tats├Ąchlich vor Ort im vermeintlich vertrauensw├╝rdigen Umfeld.

Der beste Schutz der T├Ąter ist die Scham, die viele empfinden. Der beste Schutz vor den T├Ątern und auch nach einer Tat ist die Anzeige und notfalls auch die ├ľffentlichkeit – damit anderen nicht dasselbe „Schicksal“ widerf├Ąhrt.

Daf├╝r braucht es sicherlich Mut. Mehr, als eine dubiose Meldung weiter zu verbreiten, die nur das Angstthema sch├╝rt.

Wer wirklich etwas gegen Missbrauch tun will, darf einen solchen nicht verschweigen. Der Missbrauch darf kein „Tabu“-Thema sein. Und es gibt mittlerweile durch Polizei und Beh├Ârden umfangreiche Hilfen.

Auch privat sollte das Thema kein Tabu mehr sein. Hier gilt es, den Opfern Mut zu machen und sie frei von jeder Schuld zu halten.

Wer Opfer eines Missbrauchs geworden ist, hat trotzdem jedes Recht, mit W├╝rde behandelt zu werden. Die T├Ąter sind die Schuldigen. Wenn die Gesellschaft das begreift, wird es weniger Opfer und damit auch weniger T├Ąter geben.

Und irgendwann verschwindet vielleicht auch die ├╝bertragene Angst vor „wei├čen Bussen“.

In eigener Sache: istlokal.de – Verein zur F├Ârderung des Lokaljournalismus gegr├╝ndet


Rhein-Neckar/N├╝rnberg, 12. Mai 2011 (red) Zusammen mit rund 20 anderen (hyper-)lokalen Nachrichten-Blogs und -Zeitungen im Internet haben wir am Samstag, den 07. Mai 2011 in N├╝rnberg den Verein istlokal.de gegr├╝ndet. Bundesweit ist dies der erste Zusammenschluss von verlagsunabh├Ąngingen Lokaljournalisten, die im Internet ihre Nachrichten pr├Ąsentieren.

Verein zur F├Ârderung des Lokaljournalismus.

├»┬╗┬┐Auf Initiative der Jounalisten Stefan Aigner (regensburg-digital.de), Hardy Prothmann (u.a. heddesheimblog) und Peter Posztos (tegernseerstimme.de) hat sich am vergangenen Wochenende der Verein „istlokal.de“gegr├╝ndet, der einen unabh├Ąngignen Lokaljournalismus f├Ârdern will. Unsere Blogs zu Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg, Weinheim, Viernheim und Rheinneckar sind Gr├╝ndungsmitglied. Der Verein wird seinen Sitz in Berlin haben.

Am vergangenen Samstag trafen sich in N├╝rnberg 21 Betreiberinnen und Betreiber von lokaljournalistischen Angeboten, darunter auch der Herausgeber Hardy Prothmann, um die Gr├╝ndung des Vereins in die Wege zu leiten. Acht Stunden lang wurde ├╝ber die Organisationsform und die Ziele beraten. Einstimmiges Ergebnis war, dass ein eingetragener Verein gegr├╝ndet werden soll. Um die daf├╝r notwendigen Schritte einzuleiten und wurde ein Gr├╝ndungsvorstand gew├Ąhlt.

Im Internet erreichbar http://istlokal.de.

Die Planung f├╝r die Gr├╝ndung lief seit Ende Dezember 2010. Istlokal.de ist als Unternehmerverband konzipiert, nimmt aber ausdr├╝cklich auch „nicht-kommerzielle“ Angebote auf, um B├╝rgerinnen und B├╝rgern mit ihren Publikaitonen zu unterst├╝tzen, aber auch deren Wissen zu nutzen.

Die Mitglieder bleiben f├╝r ihre Angebote selbst verantwortlich. Istlokal.de erarbeitet gemeinschaftliche oder im Auftrag L├Âsungen in den Bereichen Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht. Seit einigen Wochen tauschen die Mitglieder schon Artikel und Informationen aus. ├â┼ôber ein geschlossenes Forum wird technische Hilfe geleistet, Fragen zu Recht diskutiert und Vermarktungskonzepte entworfen.

Bundesweit ist dies der erste Zusammenschluss dieser Art. Istlokal.de wird vermutlich mit rund 40 Mitgliedern starten, die alle ein Ziel haben: zuverl├Ąssige und unabh├Ąngige lokale und regionale Berichterstattung zu bieten. Daf├╝r will der Verein auch Lobbyarbeit betreiben, weil Meinungsfreiheit und -vielfalt ein hohes Verfassungsgut sind.

Pressemitteilung: istlokal.de gegr├╝ndet

Ziel: F├Ârderung des unabh├Ąngigen Online-Lokaljournalismus├»┬╗┬┐

 

Zur konstituierenden Sitzung der Vereinsgr├╝ndung istlokal.de fanden sich am 07. Mai 2011 insgesamt 21 BetreiberInnen von lokaljournalistischen Angeboten in N├╝rnberg ein.

Die TeilnehmerInnen aus ganz Deutschland tagten von 11 Uhr bis 19 Uhr. Auf der Tagesordnung standen die Wahl zwischen einer Vereins- oder Genossenschaftsgr├╝ndung, sowie die inhaltlichen Ziele der Vereinigung und Aufgabenformulierungen f├╝r die k├╝nftige Arbeit.

Die Mitglieder einigten sich auf die Gr├╝ndung eines Vereins istlokal.de. Ziel ist die F├Ârderung des Lokaljournalismus. Auf diesem Weg sollen Alternativen zu den traditionellen Lokalmedien vorangetrieben und gef├Ârdert werden, um die Medienlandschaft in Deutschland zu bereichern.
Als Sitz des Vereins einigte man sich auf Berlin. Angestrebt sind weitere Dependenzen in den einzelnen Bundesl├Ąndern.

Mit istlokal.de entsteht ein Verband f├╝r unabh├Ąngige journalistische Angebote im Internet. Mitglieder k├Ânnen Betreiber lokal- und regionaljournalistischer Angebote werden, die entweder ein publizistisches Internetangebot betreiben oder betreiben wollen. Daneben k├Ânnen auch weitere publizistische Angebote wie Zeitschriften, Zeitungen oder Radio- und Fernsehdienste angeboten werden.

Diese Angebote m├╝ssen demokratische und rechtsstaatliche Ziele verfolgen. Angebote, die in welcher Form auch immer abh├Ąngig von traditionellen Medienh├Ąusern sind, k├Ânnen nicht Mitglied werden.

Auf Vorschlag der Gr├╝ndungsmitglieder wurden Hardy Prothmann als 1. Vorsitzender sowie Stefan Aigner als 2. Vorsitzender vorgeschlagen. Die Wahl erfolgte einstimmig.
Ka-Jo Sch├Ąfer wurde als Kassenwart vorgeschlagen. Die Wahl erfolgte einstimmig.
Als Beisitzer wurden Christoph von Gallera vorgeschlagen, der 13 Stimmen erhalten hat sowie Oliver Sigrist, der 19 Stimmen erhalten hat.

In der n├Ąchsten Zeit wird die Satzung des Vereins erarbeitet. Einigkeit bestand dar├╝ber, dass der Verein k├╝nftig drei Arten von Mitgliedschaften anbietet: F├Ârdermitglieder, nicht-kommerzielle Mitglieder und kommerzielle Mitglieder.

Die Gr├╝ndungsmitglieder vor Ort waren:

Aigner, Stefan,├é┬áAlthaus, Peter,├é┬áBa├č, Alexander,├é┬áFeldkeller, Klaus,├é┬áGallera von Christoph,├é┬áGreschner, Steffen,├é┬áHornstein, Christofer,├é┬áH├╝mmler, Thomas,├é┬áKnoke, Marlies,├é┬áLevermann, J├Ârg,├é┬áPosztos, Peter,├é┬áProthmann, Hardy,├é┬áSch├Ąfer, Ka-Jo,Semmler, Martin,├é┬áSchw├Ârbel, Philipp,├é┬áSigrist, Oliver,├é┬áStascheit, Dirk,├é┬áStenzel, Ralph,Stingl, Armin,├é┬áStoffel, Carsten,├é┬áWenzl, Michael.

Weitere rund 20 Interessenten konnten aus terminlichen Gr├╝nden nicht teilnehmen.

In eigener Sache: Protest gegen Hamburger Urteil zu „Schweigegeld“


Guten Tag!

Rhein-Neckar/Hamburg/Regensburg, 14. M├Ąrz 2011. (red) Heute wurde dem Regensburger Journalisten Stefan Aigner per Urteil untersagt, Zahlungen der Kirche an die Eltern eines Missbrauchsopfers als „Schweigegeld“ zu bezeichnen. Das Netzwerk istlokal.de, zu dem auch unsere Blogs geh├Âren, protestiert dagegen und fordert eine „Unterlassung“ durch die Kirche.

Von Hardy Prothmann

Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Abmahnungen und Prozesse gegen Journalisten und teils auch Privatpersonen wegen missliebiger Meinungs├Ąu├čerungen.

Unternehmen, Politiker, Organisationen, Privatpersonen und die katholische Kirche bedienen sich dabei h├Ąufig des Instruments des „fliegenden Gerichtsstands“ – will man einen Journalisten mundtot klagen, wendet man sich ans Hamburger Landgericht. Dort gilt die grundgesetzlich garantierte Meinungs- und Pressefreiheit nicht viel.

Drei Prozesse in drei Jahren – immer wegen Meinungs├Ąu├čerungen

F├╝r Stefan Aigner ist es der dritte Prozess in drei Jahren – ein Waffenhersteller und ein M├Âbelhaus hatten ihn bereits wegen seiner kritischen Kommentare verklagt. Den Prozess gegen das M├Âbelhaus hat er gewonnen, beim Waffenhersteller zog er seine Meinung z├Ąhneknirschend zur├╝ck – weil der Waffenhersteller die Prozesskosten ├╝bernommen hat. Stefan Aigner war finanziell nicht in der Lage, sich die Prozesskosten von mehreren tausend Euro leisten zu k├Ânnen.

Stefan Aigner: Ehrlich, aufrichtig, kritisch. Die katholische Kirche will ihn mundtot klagen. Bild: pro

Als ihn die Di├Âzese Regensburg verklagte, weil er in einem Kommentar „Entsch├Ądigungszahlungen“ an Eltern eines von einem katholischen Priester missbrauchten Jungen als „Schweigegeld“ bezeichnet hatte, rief er zu Spenden auf. 10.000 Euro sind innerhalb von vierzehn Tagen zusammengekommen.

Selbst die Mutter des Kindes bezeichnete gegen├╝ber dem Bayerischen Rundfunk sp├Ąter die Zahlung als „Schweigegeld“ – f├╝r die Kirche kein Anlass, von der Klage abzusehen. Auch die Bereitschaft Aigners, die betreffende Passage umzuformulieren, fand kein Geh├Âr. Aigner sollte offensichtlich einer „selbstgerechten Strafe“ zugef├╝hrt werden.

Noch skandal├Âser ist, dass der betreffende Priester versetzt wurde und an der neuen Arbeitsstelle wieder Kinder missbraucht hat – Aufkl├Ąrung und Schutz geht anders

H├Ątte die Kirche verloren, zahlt diese die jetzt angefallenen 8.000 Euro aus der Portokasse. F├╝r Stefan Aigner, mit Herzblut Journalist, ist so ein Betrag geeignet, die wirtschaftliche Existenz zu zerst├Âren. Das ist der Di├Âzese Regensburg bekannt – wenn nicht, wei├č sie es sp├Ątestens beim Lesen dieser Zeilen.

„Gott sei Dank“ Dank der Spender konnte Aigner den Prozess f├╝hren – er wollte nicht klein beigeben. Das Urteil vor dem Hamburger Landgericht ist keine ├â┼ôberraschung – die Hamburger Kammer ist f├╝r pressefeindliche Urteile bekannt, deswegen wird auch hier gerne durch den „fliegenden Gerichtsstand“ geklagt. Weshalb sonst sollte die Di├Âzese Regensburg gegen einen Regensburger Journalisten in Hamburg klagen?

Auch gegen mich selbst wurde schon drei mal innerhalb von eineinhalb Jahren juristisch vorgegangen.

  • Der Heddesheimber B├╝rgermeister Michael Kessler forderte eine Unterlassung und zog diese Forderung wieder zur├╝ck – das Geld f├╝r die teuren Heidelberger Anw├Ąlte zahlt die Staatskasse.
  • Die f├╝r Heddesheim zust├Ąndige Redakteurin des Mannheimer Morgen, Anja G├Ârlitz, erwirkte eine Einstweilige Verf├╝gung gegen mich, die ich ausschlie├člich aus Kostengr├╝nden akzeptiert habe – Kostennote: knapp 5.000 Euro.
  • Der CDU-Ortsvereinsvorsitzende Dr. Josef Doll verlangte im November 2010 eine Unterlassung, hat diesen Anspruch aber offenbar fallengelassen.

Vor kurzem informierte mich ein Weinheimer Anwalt, dass er schon mehrfach Unterlassungsklagen gegen die von mir verantwortete Berichterstattung pr├╝fen sollte, seinen Mandanten aber (klugerweise) davon abgeraten hat.

Missliebige Berichterstatter werden weggeklagt.

Wie sehr die katholische Kirche versucht hat, in hunderten von F├Ąllen die sexuellen ├â┼ôbergriffe und Missbr├Ąuche an Kindern durch ihre Priester zu vertuschen und zu verschweigen ist hinl├Ąnglich bekannt. Insbesondere die Di├Âzese Regensburg ist bislang eher nicht durch einen offensiven ├Âffentlichen Umgang mit dem „Thema“ aufgefallen.

Es ist eine Farce, wenn eine Kirche, die sich Barmherzigkeit und Gnade auf die Fahnen schreibt, so wenig f├╝r Aufkl├Ąrung tut und gleichzeitig so viel, um missliebige Kritiker mundtot zu klagen.

Und es ist bedauerlich, dass die Hamburger Pressekammer den Ruf hat, als willf├Ąhriger Vollstrecker nicht f├╝r, sondern gegen die Meinungs- und Pressefreiheit zu urteilen.

Ganz sicher kann nicht jede ├âÔÇ×u├čerung von der Meinungsfreiheit gedeckt sein – Beleidigungen oder Unterstellungen, die jeder Grundlage entbehren, muss sich niemand gefallen lassen. Ob aber die Tatsache des hundertfachen Kindesmissbrauchs durch katholische Priester eine Grundlage sind oder keine, entscheidet jeder frei f├╝r sich.

Zu nah dran.

Ob Journalisten in Zukunft noch dar├╝ber ├Âffentlich berichten, darf zunehmend bezweifelt werden. Die „Schere im Kopf“, also die Eigenzensur, wird durch solche Urteile erst richtig scharf gemacht. Jeder ├╝berlegt genau, ob er seine Existenz aufs Spiel setzt, nur, weil er eine Meinung ├Ąu├čert. Im Zweifel l├Ąsst man kritische ├âÔÇ×u├čerungen „lieber“ weg.

So verfahren viele Lokalzeitungen, die den „M├Ąchtigen“ nach dem Mund schreiben – kritischer Journalismus findet hier kaum noch statt, daf├╝r aber immer mehr von unabh├Ąngigen Journalisten. Die haben aber keine gro├čen Verlage mit gro├čen Rechtsabteilungen im R├╝cken, daf├╝r tragen sie das volle Risiko, mit allen Mitteln bek├Ąmpft zu werden.

Aus meiner Sicht zeigt sich die Kirche, in diesem Fall die Di├Âzese Regensburg, als uneinsichtig und demokratiefeindlich. In der eigenen Presseerkl├Ąrung gibt es kein Wort des Bedauerns gegen├╝ber der Opfer, sondern ausschlie├člich Worte des Triumphs – man hat dem „Blogger“ Stefan Aigner gezeugt, was „Wahrheit“ ist.

Stefan Aigner wird in die zweite Instanz gehen und hofft auf weitere Spenden, die ihm dies erm├Âglichen. Stefan Aigner ist deswegen kein Held, aber er ist ein mutiger Journalist, der sich nicht zensieren l├Ąsst und dessen Recherchen und Artikel immer wieder f├╝r „Aufregung“ sorgen.

Stefan Aigner ist ein vorbildlicher Journalist.

Verantwortlich daf├╝r ist nicht Stefan Aigner, der nur macht, was immer weniger Journalisten leisten: Unabh├Ąngige Recherche, aufrichtige Berichterstattung und das mit einer unerschrockenen Haltung. Er arbeitet f├╝r seine Leserinnen und Leser und nicht f├╝r Lobbyisten – wie lange er und andere das noch d├╝rfen, fragen sich zu Recht auf die „Webevangelisten„.

Ich bin durch Stefan Aigner erst durch das Internet aufmerksam geworden – ohne Internet h├Ątte er nicht ver├Âffentlichen k├Ânnen und sicher nirgendwo in der „etablierten“ Presse seine Artikel unterbekommen, denn da will man keinen ├âÔÇ×rger.

Stefan Aigner will auch keinen ├âÔÇ×rger, ├Ąrgert sich aber wie ich und andere ├╝ber Missbrauch gleich welcher Art, ├╝ber Dumping-L├Âhne, ├╝ber Amigo-Wirtschaft und Mauscheleien in Verwaltungen. Um unsere Arbeit noch besser machen und uns und andere sch├╝tzen zu k├Ânnen, haben wir zusammen das Netzwerk istlokal.de gegr├╝ndet, dem sich seit Mitte Januar bereits 46 „Blogger“ angeschlossen haben. Unser Ziel: Die F├Ârderung des kritischen Lokaljournalismus und der Meinungsfreiheit.

Deswegen unterst├╝tze ich gerne den Spendenaufruf und hoffe, dass die n├Ąchste Instanz dieses „Schweigegeld“-Urteil aufhebt und die Meinungs- und Pressefreiheit damit st├Ąrkt. Alles andere w├Ąre unertr├Ąglich.

Spendenkonto:

„Verein zur F├Ârderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V..
Volksbank Regensburg (BLZ 750 900 00)
Kontonummer: 63363
BIC: GENODEF1R01
IBAN: DE14750900000000063363

Die Spenden und Kosten werden regelm├Ą├čig offen gelegt. Bitte geben Sie bei der ├â┼ôberweisung an, ob Sie mit der Ver├Âffentlichung Ihres Namens auf der Spenderliste einverstanden sind.“

In eigener Sache: rheinneckarblog istlokal.de


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 25. Januar 2011. Ende 2010 haben die Journalisten Stefan Aigner und Hardy Prothmann sowie der Diplom-Medienp├Ądagoge Thomas Pfeiffer das Netzwerk istlokal.de gestartet. Das Netzwerk unterst├╝tzt journalistische Angebote im Internet, die lokal oder regional informieren.

Von Hardy Prothmann

Die lokale Berichterstattung bietet die exklusivsten Nachrichten der Welt. Was vor Ort passiert, betrifft die Menschen, die dort leben. Egal ob in M├╝nchen, Berlin, K├Âln, Stuttgart, auf dem platten Land oder in einem Ballungsraum. Oder in New York, Los Angeles, Paris, London, Mailand, Barcelona.

In den vergangenen zwei Jahren sind in vielen Orten Deutschlands lokale „Blogs“ oder digitale Internet-Zeitungen entstanden und auch 2011 werden viele neue Angebote dazukommen. Mal sind es politisch engangierte B├╝rger, mal Journalisten, die das „nebenbei“ machen. Aber immer mehr Angebote werden mit dem Anspruch der Herausgeber betrieben, von dieser Arbeit auch leben zu k├Ânnen.

Kritischer Zustand des Journalismus.

Jeder, der ein kommerzielles Angbot betreibt, steht dabei vor denselben Problemen: Der lokale und regionale Werbemarkt im Internet ist noch nicht befriedigend entwickelt, noch nicht einmal ausreichend.

Das Portal von istlokal.de bietet vernetzten Journalismus.

Aus gutem Grund. Die Presselandschaft in Deutschland ist ├╝berwiegend monopolisiert. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es fast nur noch „Einzeitungskreise“ – sprich, es gibt keinen journalistischen Wettbewerb mehr vor Ort. Die Monopolzeitungen bestimmen, ├╝ber wen was wann wie berichtet wird.

Wozu das f├╝hrt, zeigt das Beispiel Stuttgart21 deutlich. Die Stuttgarter Zeitung hat kaum kritisch berichtet – aus gutem Grund. Wie der stern mit dem Hintergrundbericht „Fahrt auf schw├Ąbischem Filz“ offenlegte, geh├Ârt die Zeitung zur S├╝dwestdeutschen Medienholding (SWMH), die vor einiger Zeit die S├╝ddeutsche Zeitung gekauft hat.

„Fahrt auf schw├Ąbischem Filz.“

Ein schwerer finanzieller Brocken, der das Unternehmen in Schwierigkeiten brachte. Ãœber die Landesbank Baden-Württemberg nahm man ein Schuldscheindarlehen über 300 Millionen Euro auf, so der Bericht.

Darin hei├čt es: „Die LBBW war hierf├╝r ein idealer Partner. Vorsitzender ihrer Tr├Ągerversammlung ist Ministerpr├Ąsident Mappus. In ihrem Verwaltungsrat hat die Politik das Sagen. Vorsitzender ist der CDU-Landtagsabgeordnete Peter Schneider, Pr├Ąsident des baden-w├╝rttembergischen Sparkassenverbands. Mitglieder des Verwaltungsrats sind unter anderem der Stuttgarter OB Wolfgang Schuster, die CDU-Landesminister Wolfgang Reinhart (Berlin/Europa) und Willi St├Ąchele (Finanzen), die Unternehmer Heinz D├╝rr und Dieter Hundt und Claus Schmiedel, Chef der SPD-Fraktion im Landtag. Der hielt Stuttgart 21 bis vor kurzem f├╝r „menschenfreundlich, umweltfreundlich und relativ schnell realisierbar.“

Solche Verbindungen lassen vermuten, dass eine objektive Berichterstattung nicht mehr gegeben ist.

Der stern berichtet ├╝ber die Verfilzung von Medien, Politik und Wirtschaft.

Zur├╝ck zum Werbemarkt – der wird von Zeitungen dominiert. Und jede Anzeige, die von Print nach Online abwandert, ist ein Verlust, der die Zeitungen trifft. Die haben folglich ├╝berhaupt kein Interesse, den Online-Werbemarkt zu entwickeln. Denn Online-Anzeigen sind g├╝nstiger, sprich, bringen den Zeitungen weniger Einnahmen.

Dramatische Entwicklung.

Und wer sich online informiert, auch durch Werbung, braucht keine Zeitung mehr – die teils dramatisch zur├╝ckgehenden Auflagen- und Abozahlen zeigen deutlich, unter welchem wirtschaftlichem Druck Zeitungen stehen.

Mit dramatischen Folgen f├╝r die B├╝rgerinnen und B├╝rger: Die Berichterstattung wird zunehmend flacher, da die Zeitungsverlage in den vergangenen Jahren hunderte Journalisten entlassen haben. Es gibt Regionen in Deutschland, ├╝ber die ├╝berhaupt keine Berichterstattung mehr stattfindet. Die ungepr├╝fte ├â┼ôbernahmen von „PR-Artikel“ ist an der Tagesordnung.

Wer aufmerksam die Zeitung liest, stellt fest, dass der ├╝berwiegende Teil der Artikel nicht mehr redaktionell vor Ort erarbeitet wird, sondern au├čerhalb der Zeitung. Ob als Agenturmeldung oder PR-Text.

Und es gibt jede Menge Lokalredakteure, die eine Pressemitteilung ein wenig umschreiben und dann unter ihrem Namen als eigenen Artikel ver├Âffentlichen. Das ist Betrug am Leser. Und der findet t├Ąglich ├╝berall statt.

Journalismus ist wichtig f├╝r die Demokratie.

Und es schadet der Glaubw├╝rdigkeit des Journalismus, der eigentlich die „4. Macht“ im Staate sein soll. Durch kritisches Pr├╝fen von Informationen, durch Recherche von Hintergr├╝nden und Verbindungen, durch eine objektive Berichterstattung. Diese Aufgabe ist enorm wichtig, um eine Demokratie stabil zu halten.

Engagierte B├╝rger und freie Journalisten gr├╝nden deshalb ihre eigenen Medien – aus Frust ├╝ber die unzul├Ąngliche „Lobby“-Berichterstattung der Zeitungen, die oft mehr verschweigen, denn berichten. Aus der ├â┼ôberzeugung heraus, dass dort immer weniger echter Journalismus stattfindet.

Die Alternative hei├čen Blog oder Internet-Zeitung – die Namensgebung spielt keine Rolle, sondern der Inhalt. Hier finden Dokumentation und kritische Berichte statt.

Vielf├Ąltige Herausforderungen.

„B├╝rgerjournalisten“ stehen dabei vor der Herausforderung, wie sie diese journalistische T├Ątigkeit wahrnehmen. Journalismus ist ein Handwerk, das man lernen kann und muss. Ohne Kenntnisse in Sachen Recherche, Schreiben und auch Medienrecht werden wichtige Informationen nicht gefunden oder es drohen Abmahnungen von denen, die sich durch die Berichte „gest├Ârt“ f├╝hlen – sei es die Kirche, seien es Unternehmen oder Politiker oder ├âÔÇ×mter.

Hardy Prothmann ist verantwortlicher Redakteur f├╝r die Angebote des rheinneckarblogs. Bild: sap

Professionelle Journalisten brauchen Einnahmen, von denen sie leben k├Ânnen und mit denen sie ihre Arbeit finanzieren. Also Werbeeinnahmen. Manche gr├╝nden auch F├Ârdervereine, die die Arbeit ├╝ber Mitgliedsbeitr├Ąge und Spenden finanzieren.

Das Netzwerk istlokal.de will eine Genossenschaft gr├╝nden, in der unabh├Ąngige Internet-Medien, die lokal und/oder regional berichten, sich organisieren. Um journalistische Aus- und Fortbildung anzubieten. Um sich bei technischen L├Âsungen zu unterst├╝tzen, um sich rechtlich wehren zu k├Ânnen und nat├╝rlich, um den lokal-regionalen Onlinewerbemarkt voranzubringen.

Wir stehen dabei in Konkurrenz zu den Tageszeitungen. Journalistisch und auch gesch├Ąftlich.

Vernetzter Journalismus.

Wo es schon teils herausragende lokale Angebote gibt, k├Ânnen Sie auf unserer Seite istlokal.de nachschauen. Wenn Sie selbst ein Angebot planen, k├Ânnen Sie sich gerne an uns wenden. Wenn Sie schon ein Angebot in Betrieb haben, schlie├čen Sie sich uns an. Die notwendigen Informationen finden Sie auf unserer Website.

istlokal.de wird seine Mitglieder, egal ob hauptberufliche Journalisten oder B├╝rgerjournalisten, unterst├╝tzen. Zum einen zur F├Ârderung der Presse- und Meinungsfreiheit, zum anderen als „Unternehmer“-Verband f├╝r professionelle Journalisten. Und wir sind ├╝berzeugt davon, dass wir auch die Wirtschaft, die Vereine, die Forschung und andere Bereiche der Gesellschaft mit einem verantwortungsvollen Journalismus unterst├╝tzen.

F├╝r das erste Halbjahr 2011 ist eine Informationsveranstaltung geplant. Wir werden Sie ├╝ber unsere Fortschritte zeitnah informieren.

Hintergrund:

Hardy Prothmann ist verantwortlich f├╝r das rheinneckarblog und betreibt zudem die lokalen Angebote heddesheimblog.de, hirschbergblog.de, ladenburgblog.de und weinheimblog.de. F├╝r seine Arbeit wurde er 2009 und die „100 Journalisten des Jahres“ durch eine unabh├Ąngige Jury der Fachzeitschrift „MediumMagazin“ auf Platz 3 in der Kategorie „Regionales“ gew├Ąhlt.

Er arbeitet seit 1991 als freier Journalist. W├Ąhrend des Studiums von 1991-1994 f├╝r den Mannheimer Morgen, ab 1995 ├╝berregional f├╝r fast alle gro├čen Medien sowie die ARD. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von netzwerk recherche und Mitglied des Frankfurter Presseclubs. Im Mai 2009 startete er das heddesheimblog.de.

Stefan Aigner ist freier Journalist in Regensburg. Er betreibt die Seite regensburg-digital.de und ist bundesweit durch seine kritische Berichterstattung bekannt geworden, die ihm schon drei Prozesse eingebracht hat. Aktuell hat ihn die Di├Âzese Regensburg verklagt, weil er die Zahlung von Geldern an die Eltern eines Missbrauchsopfers in Anlehnung an einen Spiegelbericht als „Schweigegeld“ benannt hat. Die katholische Kirche hat auf Unterlassung geklagt. Weil Stefan Aigner 10.000 Euro Spendengelder einwerben konnte, hat er sich auf den Prozess einlassen k├Ânnen. Das Hamburger Landgericht will das Urteil Ende Februar 2011 verk├╝nden.

Thomas Pfeiffer ist Diplom-Medienp├Ądagoge und Social Media-Experte. Er betreibt die Seite webevangelisten.de und ist Mitbegr├╝nder des Twittwoch, eines Vereins zur F├Ârderung von Social Media-Anwendungen. Der passionierte Bergsteiger unterst├╝tzt das Netzwerk istlokal.de mit seinen Expertenkenntnissen. Als politisch interessierter B├╝rger ist er zudem „Genosse“ der links-liberalen Tageszeitung die „taz“ aus Berlin.

istlokal.de wurde am 28. Dezember 2010 in Heddesheim gegr├╝ndet. Zur Zeit findet die Mitgliederwerbung statt. In K├╝rze wird der „Vorstand“ durch weitere Journalisten erweitert, die sich aktiv in das Netzwerk einbringen wollen. Geplant ist die Gr├╝ndung einer Genossenschaft sowie einer operativen GmbH, die die organisatorischen Arbeiten ├╝bernimmt.

Wir sind offen f├╝r Sponsoren, die zu uns passen und Kooperationspartner, die gerne mit istlokal.de zusammenarbeiten m├Âchten. Erste Gespr├Ąche werden mit der Fotografenagentur Freelens sowie dem Autoren-Netzwerk Freischreiber gef├╝hrt.

In eigener Sache: heddesheimblog beim 15. Mainzer MedienDisput

Guten Tag!

Heddesheim, 27. November 2010. Am Donnerstag, den 25. November 2010, war das heddesheimblog auf dem 15. MainzerMedienDisput vertreten. Hardy Prothmann war als Teilnehmer der Diskussionsrunde „David gegen Goliath – die digitale Steinschleuder“ geladen. Man stellte sich der Frage, welche Perspektive lokaljournalistische Onlineangebote haben und ob sie eine Konkurrenz zum etablierten Printmedienmarkt sind.

Von Christian M├╝hlbauer

Der rheinland-pf├Ąlzische Ministerpr├Ąsident Kurt Beck er├Âffnete die Veranstaltung und forderte mehr „Staatsferne“ in den Aufsichtsratsgremien der ├Âffentlich-rechtlichen Sender.

Die aktuelle Debatte ├╝ber eine gesetzliche Einschr├Ąnkung von Berichten in Zusammenhang mit m├Âglichen Terror-Akten kommentierte er: „Ich halte solche ├â┼ôberlegungen f├╝r inakzeptabel. Die Medien in Deutschland berichten ganz ├╝berwiegend so, dass man erkennt, dass sich die Journalistinnen und Journalisten ihrer Verantwortung bewusst sind.“

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Von Links: Alfons Pieter, Peter Schink, Dr. Christian St├Âcker, Thomas Mrazek, Stefan Aigner, Hardy Prothmann. Bild: Christian M├╝hlbauer

Zu den geladenen G├Ąsten des „Panel 4“ geh├Ârten Alfons Pieper (wir-in-nrw.de), Peter Schink (Blog Age), Dr. Christian St├Âcker (Stellv. Ressortleiter Spiegel Online, Netzwelt), Stefan Aigner (Regensburg Digital) sowie Hardy Prothmann (heddesheimblog). Die Moderation wurde von Thomas Mrazek (Vorsitzender DJV Fachausschuss Online) durchgef├╝hrt.

Gegen die Hofberichterstattung.

Nach einer kurzen Einf├╝hrung stellten die Teilnehmer ihre Projekte sowie ihre Sicht auf die aktuelle Lage dar. Der fr├╝here stellvertretende Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, Alfons Pieper (69), betreibt das wir-in-nrw.de-Blog erst seit Dezember 2009.

Sein Team umfasse 6-7 professionelle Journalisten, die alle anonym schreiben, „weil sie als Printjournalisten angestellt sind“. Ausl├Âser f├╝r die Schaffung des Blogs war die „Hofberichterstattung in Nordrhein-Westfalen“.

Die Berichterstattung hatte den fr├╝heren nordrhein-westf├Ąlischen Ministerpr├Ąsidenten J├╝rgen R├╝ttgers enorm unter Druck gesetzt.

Direkt im Anschluss stellte Hardy Prothmann seine lokalen Blogs zu Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg und ab kommender Woche Weinheim, vor. Wie er erkl├Ąrte, habe er das lokaljournalistische Angebot im Mai 2009 ins Leben gerufen. Aufh├Ąnger sei damals das Logistikzentrum „Pfenning“ gewesen, welches sich in der Gemeinde Heddesheim ansiedeln wolle.

Bei seiner Recherche fand er heraus, dass es in den Jahren zuvor zahlreiche negative Berichte ├╝ber „Pfenning“ gab. Nachdem sich das Unternehmen in Heddesheim ansiedeln wollte, blieben diese jedoch aus. Unzufrieden mit der „Hurra-Berichterstattung“ des Mannheimer Morgen nahm er die Berichterstattung selbst in die Hand.

Stefan Aigner aus Regensburg macht seinen Lokaljournalismus auf „regensburg-digital.de“ schon seit drei Jahren. Urspr├╝nglich war das Projekt aus einem Anzeigenblatt hervorgegangen. Inzwischen betreibt Aigner das Projekt in Eigenregie, unterst├╝tzt durch einen Kulturverein, ├╝ber den Aigner Spenden erh├Ąlt.

Unabh├Ąngig, mutig, unterfinanziert.

Mrazek merkte insbesondere den Untertitel des Blogs an: „Unabh├Ąngig, mutig, unterfinanziert“. Wie schlecht es um die Einnahmen bestellt ist, legte Aigner ebenfalls offen: „Ich lebe nur unwesentlich ├╝ber HartzIV-Niveau, aber ich komme zurecht.“

Ihm folgte die Vorstellung von Dr. Christian St├Âcker, stellvertretender Ressortleiter Netzwelt bei Spiegel Online. Gleich zu Beginn vermittelte er seine Kernbotschaft: „Die deutsche Bloggerszene ist eine Bereicherung f├╝r die Medienlandschaft.“ Dabei betonte er, dass es durchaus Blogs mit journalistischem Anspruch geben w├╝rde. „Blogs werden jedoch keinen Journalismus ersetzen, da sie sich nicht an Standards gebunden sehen“, so St├Âcker.

Es folgte Peter Schink. Schink war unter anderem f├╝r den Relaunch von Welt Online verantwortlich. Dar├╝ber hinaus ist er aktiver Blogger und betreibt eines der ├Ąltesten deutschen Blogs. Als Vertreter der Blogosph├Ąre warf er einen Blick auf die Stellung von Blogs im gegenw├Ąrtigen Mediensystem. „Was ist anders, wenn ein einzelner etwas publiziert statt eines Verlags?“, war seine Frage an die anwesenden Zuh├Ârer.

Hardy Prothmann hielt den beiden entgegen, dass „kleine Blogs“ oft kritischer als „gro├če Medienh├Ąuser“ berichten, weil die „Abh├Ąngigkeiten“ fehlten. Zudem w├╝rden viele Redaktionen nur vom Schreibtisch aus arbeiten und nicht drau├čen bei den Menschen sein. Standards wie Recherche, sichere Fakten, Quellenschutz und andere professionelle journalistische Qualit├Ąten finden selbstverst├Ąndlich bei guten Blogs statt – oft besser als in „Monopolredaktionen“.

Eine schwierige Situation

Auf die Frage, wie es um die Finanzierung und Akzeptanz der Angebote stehe, redeten alle Teilnehmer Tacheles. Das gr├Â├čte Problem sei, so Alfons Pieper, dass man „keine Rechtsabteilung in der Hinterhand“ habe. Eine Klage oder einen Prozess k├Ânne man faktisch nicht riskieren. Auch wenn man monatlich inzwischen 2,5 Millionen Seitenaufrufe erhalten w├╝rde. Das wir-in-nrw-Blog ist aber auch nicht-kommerziell angelegt.

Wie riskant die Situation sein kann, verdeutlichte Stefan Aigner. Er wurde bereits mit drei Klagen ├╝berzogen. Zwei davon konnte er gewinnen. Ein Prozess steht noch aus. Auf den juristischen „Streit“ mit der Erzdi├Âzese konnte er sich jedoch nur durch Spenden einlassen. „Momentan reicht es f├╝r 1,5 Instanzen“, so Aigner.

Aigner hatte in einem Missbrauchsfall durch einen katholischen Priester an einem Jungen eine sp├Ątere Geldzahlung als „Schweigegeld“ bezeichnet. Die Kirche will ihm das juristisch untersagen lassen. Die Prozesse wolle man grunds├Ątzlich durchfechten. Schlie├člich hat ein Gericht bei einem der beiden vorangegangenen Prozesse schon festgestellt, dass „Wahrheit grunds├Ątzlich nicht rechtswidrig“ ist.

Auch Hardy Prothmann hatte schon mehrere „Klage“-Drohungen: „Das ist schon erstaunlich – als ich noch f├╝r gro├če Medien berichtet habe, gab es keine einzige Klage, jetzt versucht man mich und andere damit einzusch├╝chtern.“

Ein Blick in die Zukunft

Das nach wie vor konkrete Problem ist und bleibt also die Finanzierung. Prim├Ąr w├╝rde diese bisher ├╝ber Werbung erm├Âglicht.

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Hardy Prothmann gibt im Anschluss an seine Podiumsdiskussion einer Journalsitensch├╝lerin ein Interview. Bild: Christian M├╝hlbauer

Wie es zuk├╝nftig mit lokaljournalistischen Blogs weitergehe, konnte man nicht abschlie├čend beantworten. Professioneller, journalistisch ausgebildeter Nachwuchs sei jedenfalls vorhanden. Vielleicht kommen in der Zukunft Zusammenschl├╝sse von journalistischen Blogs in Form von Netzwerken zustande. Man m├╝sse aber auch festhalten, so Peter Schink, dass die deutsche Blogosph├Ąre im Vergleich zu anderen L├Ąndern nicht gut entwickelt sei.

Auch die Frage der Refinanzierung werde sich ├╝ber kurz oder lang l├Âsen lassen, wie Dr. St├Âcker festhielt. So sei „viel Luft f├╝r Werbung“, wenn man den Anzeigenmarkt Print mit dem Anzeigenmarkt Online vergleiche.

Hardy Prothmann merkte an, dass Online-Werbung oft noch erkl├Ąrungsbed├╝rftig sei, sich der Trend aber eindeutig weg vom Print hin zu Online entwickle: „Printwerbung ist im Vergleich zu Onlinewerbung extrem teuer und wenig erfolgreich – online tr├Ągt weiter, ist schneller, flexibler und kann einfach mehr.“

Hinweis:
Der MainzerMedienDisput wurde 1996 erstmalig veranstaltet und wird von der rheinland-pf├Ąlzischen Staatskanzlei, der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Landeszentrale f├╝r Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz getragen. Die Medienpartner des Disputs sind der S├╝dwestrundfunk (SWR) und das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF).

Anmerkung der Redaktion:

Christian M├╝hlbauer absolviert ein redaktionelles Praktikum bei uns in der Zeit vom 22. November – 10. Dezember 2010. Herr M├╝hlbauer studiert an der Fachhochschule Ansbach „Ressortjournalismus.“

Kunst, Beuys, Business

Guten Tag!

Heddesheim, 05. November 2010. Der Heddesheimer K├╝nstler Dr. Kurt Fleckenstein hat zur Zeit eine Ausstellung in Regensburg, die die die „zunehmende Automatisierung, das allerorten reduzierte Service-Angebot“ thematisiert. Aus Regensburg berichtet Stefan Aigner.

Von Stefan Aigner

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Kurt Fleckenstein bei der Er├Âffnung in Regensburg.

Kunstwerke sind es nicht – die Plakate, die da an den W├Ąnden im neuen Ausstellungsraum des Neuen Kunstvereins h├Ąngen – in einer ehemaligen Sparkassen-Filiale im Einkaufszentrum in Regensburg-K├Ânigswiesen Nord. Wie bei einem Ableger des Finanzunternehmens sieht es dort nach wie vor aus, obwohl weder das Original-Logo noch das Wort „Sparkasse“ auftauchen.

„Beratung inklusive“ hei├čt die Installation des Heddesheimers Kurt Fleckenstein, der damit die „zunehmende Automatisierung, das allerorten reduzierte Service-Angebot“ thematisieren will. Passend – direkt neben der Sparkassen-Filiale, wo nur noch Automaten stehen, und einer vollautomatisierten Packstation der Post.

„Auf den Spuren von Joseph Beuys“ wandle Fleckenstein damit, meint Kunstvereins-Vorsitzender Reiner R. Schmidt in seiner Laudatio. Als studierter Landschaftsarchitekt zeige Fleckenstein ein Gesp├╝r f├╝r „das Verh├Ąltnis von Raum und Mensch“ und habe hier eine „soziale Plastik im BeuysÔÇÖschen Sinne“ entworfen.

Wie sieht sie nun aus, diese „soziale Plastik“: Das Sparkassen-Logo wurde leicht verfremdet, die Mitte des Raums durchzieht ein roter Empfangsteppich, der zu einem ausladenden Beratungstisch f├╝hrt, an dem Mitglieder des Kunstvereins im adretten Business-Outfit die Vernissagen-Besucher ├╝ber Anlagem├Âglichkeiten in Kunst informieren. An den frisch gestrichenen W├Ąnden h├Ąngen Fotos im Sparkassen-Design.

Die Spr├╝che zu den gekauften Fotos hat Fleckenstein selbst getextet – erst auf den zweiten, manchmal erst dritten Blick und manchmal ├╝berhaupt nicht f├Ąllt auf, dass Text und Bild nicht wirklich f├╝r eine gute Finanzberatung werben. Das Urteil dazu reicht von „reflektiert, mit sehr viel Kritik und sehr viel Ironie“, wie Reiner Schmidt meint, bis hin zu einem „die Idee ist ganz originell“ oder „recht witzig“ von einigen G├Ąsten. In Kombination mit prominenten Besuchern entfaltet das eine oder andere Plakat aber doch noch etwas Hintersinn, etwa als die SPD-Landtagsabgeordnete Margit Wild geraume Zeit nachdenklich bei dem Spruch „Was auch passiert, wir passen uns an“ verweilt und schlie├člich halblaut murmelt: „Das k├Ânnte ein Wahlplakat meiner Partei sein.“

„Leichte Dissonanzen“ mit der Sparkasse habe es im Vorfeld der Ausstellung gegeben, erz├Ąhlt Fleckenstein, an anderer Stelle spricht er gar davon, dass er mit einer Unterlassungsklage rechne und sich darauf freue, das Thema vor Gericht zu er├Ârtern – nichts von alledem ist eingetreten.

Im Gegenteil: Die Sparkasse, von der das Projekt, wie allseits betont, nicht gesponsert wurde, hat die Installation sogar als Werbetr├Ąger f├╝r sich entdeckt und Vorstand Dr. Rudolf Gingele als „├â┼ôberraschungsgru├čredner“ vorbei geschickt, um Lob zu spenden.

Im ersten Moment sei man doch „etwas verwundert“ gewesen, bekennt Gingele. Stein des Ansto├čes war, wie zu erfahren ist, das Foto eines ├Ąlteren Flintenweibs, Untertitel „Die behandeln mich mit Respekt“ – doch sp├Ąter sei man dann doch „deutlich positiv ber├╝hrt“ gewesen und habe „mit leichtem Stutzen“ festgestellt: „Das ist wirklich Kunst.“ Gingele hebt die „sympathische und intellektuelle Art“ der Installation hervor und als er bekennt: „Ich f├╝hle mich etwas verfremdet“ gibt es Gel├Ąchter und h├Âflichen Applaus.

Es gibt auch keine Grund f├╝r die Sparkasse, der Installation ablehnend gegen├╝ber zu stehen: Sie tut nicht weh, ist recht gef├Ąllig und man fragt sich doch, warum nicht das Design „Hypovereinsbank“ gew├Ąhlt wurde – diese hatte eine solche Verfremdungsaktion abgelehnt, wie bei der Er├Âffnung mehrfach erw├Ąhnt wird, und w├Ąre vielleicht eher f├╝r eine Kl├Ąrung des Themas vor Gericht zu haben gewesen. Die Installation ist noch bis zum 20. November zu sehen.

Der Bericht ist eine ├â┼ôbernahme von „regensburg-digital.de„.
Dort finden Sie auch weitere Fotos.