Mittwoch, 20. September 2017

Gabis Kolumne

Skateboard nein, Angeln ja?

Altersbeschr√§nkung f√ľr Skateboard-Fahrer? Foto: Wikipedia / Jonni Mader.

Rhein-Neckar, 03. Dezember 2012. Dieser Tage brach ein „Shitstorm“ √ľber einen Brigitte-Artikel los. Eine Autorin hatte gewagt, zu erkl√§ren, dass Skateboard-fahrende M√§nner jenseits der 25 ein No-Go seien. Und die Leserschaft im Netz war emp√∂rt. Gabi hat sich so ihre Gedanken gemacht.

Was war passiert? Hatte die Autorin zu spitz formuliert, gar die M√§nnerwelt angegriffen? Ich habe den – kurzen – Artikel gelesen und bin ins Gr√ľbeln gekommen.

Wenn man jenseits von 25 nicht mehr Skateboard fahren darf, wie ist das mit Zumba, muss ich das jetzt auch sein lassen?

Im Freundeskreis haben wir neulich diskutiert, dass Frauen mit geflochtenen Z√∂pfen nicht √§lter als 20 und M√§nner mit langen Haaren nicht √§lter als 40 Jahre sein d√ľrfen. Und danach?

Die Altersgrenzen haben sich verschoben, gehen Sie mal auf einen Spielplatz, die grauhaarigen Herren, die im Sand buddeln sind jetzt die Väter und nicht die Opas. Während die Blondine, die im Mini-Rock ein Kind vom Kindergarten abholt durchaus die Großmutter sein kann.

Ist das nun falsch? Wird uns nicht von der Werbung suggeriert, wir können alles, auch noch im hohen Alter?

Marathon-laufende Männer jenseits der 70 sind keine Seltenheit, noch mal Durchstarten mit 50 ist angesagt und an der Kleidung kann man schon lange nicht mehr das Alter erkennen.

Vor kurzem ist mir aufgefallen, dass die Haare meiner Freundinnen immer k√ľrzer werden, sind wir also ab einem bestimmten Alter zum Einheitslook verdammt?

„Brigitte: Das Skateboardmagazin f√ľr die Selbstbewuste Frau“. Quelle: www.wuv.de

In welche Richtung entwickelt sich unsere Gesllschaft? M√ľssen wir ewig auf jung geblieben machen oder d√ľrfen wir uns ab 50 nur noch in gedeckten T√∂nen kleiden?

In vielen Kommentaren war zu lesen, dass es sich dabei um einen Generationen √ľbergreifenden Sport handelt, also nach dem Motto „wenn der Vater mit dem Sohne“. Ist Angeln und Wandern okay und skaten nicht?

In meiner Jugend war es duchaus √ľblich, dass die V√§ter mit ihren S√∂hnen zum Angeln gegangen sind, das war ein verbindendes Element, auch wenn es dem Sohn vielleicht gar keinen Spa√ü gemacht hat, entsprach es der romantischen Vorstellung von M√§nnern in der Natur.

Und es sind vielleicht genau diese Männer, die nun heute lieber Skateboard fahren wollen? Das ist meiner Meinung nach vollkommen legitim.

Von mir aus k√∂nnen M√§nner auch noch mit 50 skaten und M√§dels jenseits der 40 rosa T√ľt√ľ und Z√∂pfe tragen, da sollte unsere Gesellschaft tolerant genug sein. Aber lasst doch der Autorin ihre Meinung, denn auch das geh√∂rt zur Toleranz.

gabi

Bundespolitiker stilisiert sich als Opfer

Ströbele weiter uneinsichtig

Alle Berliner Zeitungen (hier die Welt) berichteten im Herbst 2011 √ľber die Fischfutter-Aff√§re des Herrn Str√∂bele. Quelle: Die Welt

 

Weinheim/Heddesheim/Berlin, 28. April 2012. (red) Der Gr√ľne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Str√∂bele stellt seinen Sturkopf unter Beweis. Aktuell behauptet er bei Spiegel.de, er sei Opfer eines „Shitstorms“ geworden. Und er wirft seltsame Thesen auf, das „Internet d√ľrfe kein rechtsfreier Raum“ sein und √§hnlichen Quatsch. Eine Replik.

Von Hardy Prothmann

Im November haben wir exklusiv √ľber eine Strafanzeige berichtet: „Bundestagsabgeordneter Hans-Christian Str√∂bele zeigte 13-j√§hrigen Heddesheimer an„. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hatte uns auf Nachfrage telefonisch diese Auskunft erteilt. Tats√§chlich zeigte nicht Herr Str√∂bele selbst, sondern dessen Ehefrau Juliana Str√∂bele-Gregor den minderj√§hrigen Jungen wegen einer „gef√§hrlichen K√∂rperverletzung mittels einer Waffe“ im Beisein ihres Mannes bei der Polizei Weinheim an.

Wir haben die „falsche Tatsachenbehauptung“ umgehend korrigiert (Ehefrau von Bundestagsabgeordnetem Hans-Christian Str√∂bele zeigte 13-j√§hrigen Heddesheimer an), nachdem uns die Staatsanwaltschaft Mannheim auf nochmaliges Nachfragen die korrekte Auskunft erteilt hatte. Selbstverst√§ndlich hatten wir uns auf die erste Auskunft verlassen und auch versucht, Herrn Str√∂bele zur Sache zu befragen, was aber erfolglos war.

Strafbewehrte Unterlassungserklärung

Herr Str√∂bele versuchte nicht, den Fehler in gutem Einverst√§ndnis aus der Welt zu schaffen, sondern schickte uns eine strafbewehrte Unterlassungserkl√§rung √ľber einen Promi-Anwalt. Bei 10.000 Euro Vertragsstrafe sollten wir die Behauptung unterlassen, er habe den Jungen angezeigt. Kostennote f√ľr das Schreiben: Fast 800 Euro.

Auf der Facebook-Seite „Wir gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“ mit 350.000 Fans, wurde ein Link zu unserem Artikel gepostet. Danach brach erst unser Server kurzfristig durch die massenhaften Aufrufe zusammen – und in der Folge ein von Str√∂bele titulierter „Shitstorm“ √ľber diesen herein.

Was Hans-Christian Str√∂bele als „Sturm aus Schei√üe“ bezeichnet, kann man auch anders deutet: Als Emp√∂rungs- und Protestwelle. √úber 140.000 Mal wurde unser Artikel innerhalb weniger Tage aufgerufen. Alle Berliner Zeitungen berichteten kurz darauf √ľber die „Fischfutteraff√§re“ des Herrn Str√∂bele, der Norddeutsche Rundfunk schickte ein Fernsehteam und berichtete in der Mediensendung Zapp √ľber die Auseinandersetzung. Auf der Facebookseite des Politikers kommentieren hunderte von Menschen den Vorgang und brachten ihren Missfallen zum Ausdruck.

Missfallen der Internetnutzer

Die Kommentatoren zeigten kein Verst√§ndnis daf√ľr, dass Frau Str√∂bele mit Unterst√ľtzung ihres prominenten Mannes einen Minderj√§hrigen wegen „gef√§hrlicher K√∂rperverletzung“ angezeigt hatte, weil der ihr eine Fischfutterkugel an den Kopf geschossen hatte. (Die Str√∂beles badeten im Sommer 2011 in einem f√ľr Schwimmer nicht freigegebenen Teil des Weinheimer Waidsees, wo drei Jungs mit Futterschleudern und so genannten „Boilis“ Fischer anf√ľtterten. Ob die Frau gezielt oder unabsichtlich getroffen worden ist, ist bis heute unklar.)

Noch weniger Verst√§ndnis hatten viele der teils zornig reagierenden Internetnutzer f√ľr die kostenintensive Abmahnung. Ein juristischer Keulenschlag, den Politiker, Prominente, Firmen und Beh√∂rden gerne anwenden, um kritische Stimmen mundtot zu machen.

Vermutlich waren darunter auch beleidigende und b√∂√üartige Kommentare. Der √ľberwiegende Teil aber war klar missfallend, aber als Meinungs√§u√üerung in Ordnung. Wenn Herr Str√∂bele nun diese Meinungs√§u√üerungen von Menschen als „Sturm aus Schei√üe“ bezeichnet, unterstreicht er nur seine sture Haltung und seine Uneinsichtigkeit, sowohl gegen√ľber dem Jungen unangemessen reagiert zu haben, als auch gegen√ľber unserer Redaktion.

Diese harschen Handlungen durch die Str√∂beles waren Anlass f√ľr die Emp√∂rungswelle und in Zeiten des Internets verbreiten sich Nachrichten und Meinungen tats√§chlich sehr viel schneller als das √ľber alte Medien m√∂glich w√§re.

Gequatsche

Die Aussage des Rechtsanwalts Str√∂bele, „das Internet d√ľrfe kein rechtsfreier Raum sein“, ist gegen sein besseres Wissen und dummes Geschw√§tz. Selbstverst√§ndlich ist das Internet kein rechtsfreier Raum. Herr Str√∂bele wei√ü das und hat dies ja auch mit seinem Abmahnversuch unter Beweis gestellt. Auch hier gelten Recht und Gesetz und Verst√∂√üe k√∂nnen geahndet werden.

Wir wissen das auch und bem√ľhen uns aus der √ľberzeugten Anerkennung von Recht und Ordnung immer mit viel Energie um gegenrecherchierte, gepr√ľfte Fakten. Fehler k√∂nnen trotzdem passieren – hier aufgrund einer beh√∂rdlichen Falschauskunft.

Darauf mit der juristischen Keule zu reagieren, statt eine einvernehmliche (und unauff√§llige) L√∂sung anzustreben, ist nahezu typisch f√ľr Leute vom Kaliber Str√∂bele. Und sich dann als „Opfer“ zu stilisieren, weil tausende von Menschen ihren Unmut √ľber ein solches Verhalten √§u√üern, ist, mit Verlaub, erb√§rmlich.

Hans-Christian Ströbele zeigt sich weiter stur und uneinsichtig, wie dieses Zitat bei Spiegel online zeigt.

 

Herr Str√∂bele behauptet, „notfalls m√ľsse man sich auch mit juristischen Mitteln wehren k√∂nnen“. Das ist eine Falschbehauptung. Es lag kein Notfall vor. Zwischen dem Ver√∂ffentlichungsdatum und der Abmahnung lagen drei Tage. Herrn Str√∂bele lag eine schriftliche Anfrage von uns vor – er h√§tte innerhalb dieser drei Tage anrufen oder zur√ľckschreiben k√∂nnen, um unsere „Falschbehauptung“ zu korrigieren. Wir h√§tten umgehend das getan, was wir getan haben – die „irrt√ľmliche“ Aussage korrigiert. Doch Herr Str√∂bele wollte es anders und hat auch in den ersten Tagen des „Shitstorms“ von seiner Seite aus die Sache weiter befeuert.

Am Ende hat er sich äußerlich der Protestwelle gebeugt und die Abmahnung gegen uns nicht weiterverfolgt. Wie man aktuell sieht, hat er aber nichts verstanden.

Anm. d. Redaktion: Die regionalen Medien hier vor Ort haben den Vorgang √ľbrigens konsequent verschwiegen, weil man sonst die Quelle, also unsere Blogs h√§tte erw√§hnen m√ľssen. Seit 2009 wurden wir insgesamt elf Mal abgemahnt. Ein Mal mussten wir (aufgrund ungl√ľcklicher Umst√§nde) eine Einstweilige Verf√ľgung hinnehmen, einmal wurde ein Vergleich geschlossen, neun Abmahnversuche konnten abgewehrt werden.
Ein Spendenaufruf brachte knapp 2.000 Euro zusammen. Das Geld sollte uns bei einem Verfahren gegen Herrn Str√∂bele helfen. Weil dieses nicht zustande kam, haben wir 1.000 Euro an „Journalisten helfen Journalisten“ gespendet und unsere Anwaltskosten bestritten. Der Rest von einigen hundert Euro wird verwendet, um einen Verein f√ľr Meinungsfreiheit – Gegen Abmahner zu gr√ľnden.

 

„Niedriges Bildungsniveau“ bei Schlecker-Kunden? Unternehmensbrief sorgt f√ľr √Ąrger und Unverst√§ndnis


Der neue Slogan "For you. Vor Ort." soll "niedrigere und mittlere Bildungsniveaus" ansprechen. Dazu zählt Schlecker 95 Prozent seiner Kunden, so Unternehmensprecher Florian Baum in einer ersten Reaktion auf Kritik am denglischen (deutsch-englischen) Werbespruch. Foto: soso

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 29. Oktober 2011. Ein bislang nicht bekannter Briefschreiber beschwert sich bei Schlecker √ľber den neuen Werbe-Slogan „For you. Vor Ort“. Der Unternehmenssprecher Florian Baum antwortet auf diesen Brief und sorgt mit seiner Antwort f√ľr das, was man gut und gerne einen Kommunikationsgau nennen kann. Danach haben die meisten Schlecker-Kunden ein „niedriges bis mittleres Bildungsniveau“. Das Unternehmen versucht sich nun in Schadensbegrenzung.

Von Hardy Prothmann

Bekannt wurde der Brief durch die Fachzeitschrift „Deutsche Sprachwelt“, die das Schreiben zugespielt bekommen und ver√∂ffentlicht hatte. Daraufhin entwickelte sich im Internet ein „Shitstorm“ – eine w√ľtende Kettenreaktion mit Kritik am Unternehmen. (Hier Reaktionen auf Twitter.)

Wie man die Antwort von Schlecker-Sprecher Florian Baum zu werten hat, bleibt jedem selbst √ľberlassen. Sehr viele Kundinnen und Kunden haben sich aber mehr als ge√§rgert.

In einer Antwort auf eine Kritik am neuen Werbe-Slogan „For you. Vor Ort“ schreibt Baum, dass er pers√∂nlich die Kritik verstehen kann. Immerhin ist er „Geisteswissenschaftler“ und f√ľhlt sich dem „Sprachgebrauch der Latinitas verpflichtet“ – sprich, pers√∂nlich w√ľrde er so einen Slogan nicht verwenden.

Aus Unternehmenssicht aber schon. Und daf√ľr liefert er eine Begr√ľndung, die wenig schmeichelhaft f√ľr die Kundinnen und Kunden ist:

„Das Motto sollte die durchschnittlichen Schlecker-Kunden, die niederen bis mittleren Bildungsniveaus zuzuordnen sind, ansprechen.“

Und weiter:

„Die Zielgruppe unseres Werbeslogans sind auch nicht die vielleicht 5 Prozent der Bev√∂lkerung, zu denen Sie und Ihre Mitunterzeichner geh√∂ren (n√§mlich promovierte Akademiker, Philologen und andere reflektierte Sprachverwender) – sondern die √ľbrigen 95 Prozent.“

Wie soll man das verstehen? Dass die „√ľbrigen 95 Prozent“ nicht reflektiert mit der Sprache umgehen? Oder das Schlecker die 5 Prozent gar nicht im Blick hat und auch nicht als Kunden gewinnen will, weil denen der „denglische“ Werbeslogan zu bl√∂d ist?

Die Financial Times Deutschland schrieb: „Schlecker h√§lt die eigenen Kunden f√ľr bl√∂d.“ Ein Schluss, den wohl viele aus dem arroganten Schreiben des Unternehmenssprechers Baum √§hnlich gezogen haben d√ľrften. Das Handelsblatt formuliert: „Schlecker nennt Kunden ungebildet.“

Das dachten viele nach dem Brief von Schlecker, der f√ľr viel Emp√∂rung gesorgt hat.

Anstatt sich klar zu entschuldigen und Druck aus der Debatte herauszunehmen, legt Schlecker auf seinem Unternehmens-Blog nach kritischen Presseberichten und Protesten aus der Bevölkerung nach:

„Und ja, wir stehen zu diesem Motto, wie wir auch zu einer unserer wichtigsten Zielgruppen stehen: Menschen mit einfachem bis mittlerem Bildungsniveau.“

Vollkommen unverst√§ndlich, wie ich meine. Denn Schlecker verkn√ľpft das „Bildungsniveau“-Thema ohne Not mit den eigenen Kundinnen und Kunden. Und l√§sst auf den ersten Fehler den zweiten folgen. Und selbst ein richtiger Ansatz, um aus dem Desaster rauszukommen, wird wieder mit der Verkn√ľpfung „Bildungsniveau-Dummheit“ verwendet:

„Wer will, mag unser Unternehmensmotto diskutieren, gut finden oder f√ľr d√ľmmlich halten. Unsere Mitarbeiter, die zum √ľberwiegenden Teil schon seit 15 und mehr Jahren im Unternehmen arbeiten, wie auch unsere Kunden sind es ganz sicher nicht.“

Die andauerende Verkn√ľpfung von Bildungsniveau und Dummheit in bezug auf die eigenen Kundinnen und Kunden ist das Problem dieser Kommunikationspanne, durch die viele unterstellen, Schlecker habe keine besonders gute Meinung von der eigenen Klientel.

Eine positive Formulierung dieser Art hätte Schlecker und der Klientel sicher mehr gedient:

„Wie achten und sch√§tzen unsere Kundinnen und Kunden als gute Menschen. Wer bei uns einkauft, ist schlau – denn wir bieten gute Ware zu g√ľnstigen Preisen. For you. Vor Ort.“

Das ist aber der „Unternehmenskommunikation“ und dem „Geisteswissenschaftler“ Florian Baum nicht eingefallen. Was man auch indirekt als Beweis anf√ľhren k√∂nnte, dass eine akademische Bildung und eine Zugeh√∂rigkeit zur „Latinitas“ nicht unbedingt vor Dummheit sch√ľtzt.

Diese Aussage sorgte f√ľr jede Menge Ver√§rgerung.

Vielleicht sollte sich Schlecker zuallererst einen neuen Unternehmenssprecher suchen, der die Kundenansprache besser beherrscht.

Wer den Brief nachlesen m√∂chte, findet ihn beim Facebook-Account von „Deutsche Sprachwelt.“

Weitere Infos:

Siehe auch einen Bericht des Mediendienstes „meedia“ zum Thema.

Werben und Verkaufen

Scilogs: For you – verbohrt

Stelllungnahme von Schlecker