Dienstag, 20. Februar 2018

Gabis Kolumne

Skateboard nein, Angeln ja?

AltersbeschrĂ€nkung fĂŒr Skateboard-Fahrer? Foto: Wikipedia / Jonni Mader.

Rhein-Neckar, 03. Dezember 2012. Dieser Tage brach ein „Shitstorm“ ĂŒber einen Brigitte-Artikel los. Eine Autorin hatte gewagt, zu erklĂ€ren, dass Skateboard-fahrende MĂ€nner jenseits der 25 ein No-Go seien. Und die Leserschaft im Netz war empört. Gabi hat sich so ihre Gedanken gemacht.

Was war passiert? Hatte die Autorin zu spitz formuliert, gar die MĂ€nnerwelt angegriffen? Ich habe den – kurzen – Artikel gelesen und bin ins GrĂŒbeln gekommen.

Wenn man jenseits von 25 nicht mehr Skateboard fahren darf, wie ist das mit Zumba, muss ich das jetzt auch sein lassen?

Im Freundeskreis haben wir neulich diskutiert, dass Frauen mit geflochtenen Zöpfen nicht Ă€lter als 20 und MĂ€nner mit langen Haaren nicht Ă€lter als 40 Jahre sein dĂŒrfen. Und danach?

Die Altersgrenzen haben sich verschoben, gehen Sie mal auf einen Spielplatz, die grauhaarigen Herren, die im Sand buddeln sind jetzt die VĂ€ter und nicht die Opas. WĂ€hrend die Blondine, die im Mini-Rock ein Kind vom Kindergarten abholt durchaus die Großmutter sein kann.

Ist das nun falsch? Wird uns nicht von der Werbung suggeriert, wir können alles, auch noch im hohen Alter?

Marathon-laufende MĂ€nner jenseits der 70 sind keine Seltenheit, noch mal Durchstarten mit 50 ist angesagt und an der Kleidung kann man schon lange nicht mehr das Alter erkennen.

Vor kurzem ist mir aufgefallen, dass die Haare meiner Freundinnen immer kĂŒrzer werden, sind wir also ab einem bestimmten Alter zum Einheitslook verdammt?

„Brigitte: Das Skateboardmagazin fĂŒr die Selbstbewuste Frau“. Quelle: www.wuv.de

In welche Richtung entwickelt sich unsere Gesllschaft? MĂŒssen wir ewig auf jung geblieben machen oder dĂŒrfen wir uns ab 50 nur noch in gedeckten Tönen kleiden?

In vielen Kommentaren war zu lesen, dass es sich dabei um einen Generationen ĂŒbergreifenden Sport handelt, also nach dem Motto „wenn der Vater mit dem Sohne“. Ist Angeln und Wandern okay und skaten nicht?

In meiner Jugend war es duchaus ĂŒblich, dass die VĂ€ter mit ihren Söhnen zum Angeln gegangen sind, das war ein verbindendes Element, auch wenn es dem Sohn vielleicht gar keinen Spaß gemacht hat, entsprach es der romantischen Vorstellung von MĂ€nnern in der Natur.

Und es sind vielleicht genau diese MĂ€nner, die nun heute lieber Skateboard fahren wollen? Das ist meiner Meinung nach vollkommen legitim.

Von mir aus können MĂ€nner auch noch mit 50 skaten und MĂ€dels jenseits der 40 rosa TĂŒtĂŒ und Zöpfe tragen, da sollte unsere Gesellschaft tolerant genug sein. Aber lasst doch der Autorin ihre Meinung, denn auch das gehört zur Toleranz.

gabi

Bundespolitiker stilisiert sich als Opfer

Ströbele weiter uneinsichtig

Alle Berliner Zeitungen (hier die Welt) berichteten im Herbst 2011 ĂŒber die Fischfutter-AffĂ€re des Herrn Ströbele. Quelle: Die Welt

 

Weinheim/Heddesheim/Berlin, 28. April 2012. (red) Der GrĂŒne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele stellt seinen Sturkopf unter Beweis. Aktuell behauptet er bei Spiegel.de, er sei Opfer eines „Shitstorms“ geworden. Und er wirft seltsame Thesen auf, das „Internet dĂŒrfe kein rechtsfreier Raum“ sein und Ă€hnlichen Quatsch. Eine Replik.

Von Hardy Prothmann

Im November haben wir exklusiv ĂŒber eine Strafanzeige berichtet: „Bundestagsabgeordneter Hans-Christian Ströbele zeigte 13-jĂ€hrigen Heddesheimer an„. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hatte uns auf Nachfrage telefonisch diese Auskunft erteilt. TatsĂ€chlich zeigte nicht Herr Ströbele selbst, sondern dessen Ehefrau Juliana Ströbele-Gregor den minderjĂ€hrigen Jungen wegen einer „gefĂ€hrlichen Körperverletzung mittels einer Waffe“ im Beisein ihres Mannes bei der Polizei Weinheim an.

Wir haben die „falsche Tatsachenbehauptung“ umgehend korrigiert (Ehefrau von Bundestagsabgeordnetem Hans-Christian Ströbele zeigte 13-jĂ€hrigen Heddesheimer an), nachdem uns die Staatsanwaltschaft Mannheim auf nochmaliges Nachfragen die korrekte Auskunft erteilt hatte. SelbstverstĂ€ndlich hatten wir uns auf die erste Auskunft verlassen und auch versucht, Herrn Ströbele zur Sache zu befragen, was aber erfolglos war.

Strafbewehrte UnterlassungserklÀrung

Herr Ströbele versuchte nicht, den Fehler in gutem EinverstĂ€ndnis aus der Welt zu schaffen, sondern schickte uns eine strafbewehrte UnterlassungserklĂ€rung ĂŒber einen Promi-Anwalt. Bei 10.000 Euro Vertragsstrafe sollten wir die Behauptung unterlassen, er habe den Jungen angezeigt. Kostennote fĂŒr das Schreiben: Fast 800 Euro.

Auf der Facebook-Seite „Wir gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg“ mit 350.000 Fans, wurde ein Link zu unserem Artikel gepostet. Danach brach erst unser Server kurzfristig durch die massenhaften Aufrufe zusammen – und in der Folge ein von Ströbele titulierter „Shitstorm“ ĂŒber diesen herein.

Was Hans-Christian Ströbele als „Sturm aus Scheiße“ bezeichnet, kann man auch anders deutet: Als Empörungs- und Protestwelle. Über 140.000 Mal wurde unser Artikel innerhalb weniger Tage aufgerufen. Alle Berliner Zeitungen berichteten kurz darauf ĂŒber die „FischfutteraffĂ€re“ des Herrn Ströbele, der Norddeutsche Rundfunk schickte ein Fernsehteam und berichtete in der Mediensendung Zapp ĂŒber die Auseinandersetzung. Auf der Facebookseite des Politikers kommentieren hunderte von Menschen den Vorgang und brachten ihren Missfallen zum Ausdruck.

Missfallen der Internetnutzer

Die Kommentatoren zeigten kein VerstĂ€ndnis dafĂŒr, dass Frau Ströbele mit UnterstĂŒtzung ihres prominenten Mannes einen MinderjĂ€hrigen wegen „gefĂ€hrlicher Körperverletzung“ angezeigt hatte, weil der ihr eine Fischfutterkugel an den Kopf geschossen hatte. (Die Ströbeles badeten im Sommer 2011 in einem fĂŒr Schwimmer nicht freigegebenen Teil des Weinheimer Waidsees, wo drei Jungs mit Futterschleudern und so genannten „Boilis“ Fischer anfĂŒtterten. Ob die Frau gezielt oder unabsichtlich getroffen worden ist, ist bis heute unklar.)

Noch weniger VerstĂ€ndnis hatten viele der teils zornig reagierenden Internetnutzer fĂŒr die kostenintensive Abmahnung. Ein juristischer Keulenschlag, den Politiker, Prominente, Firmen und Behörden gerne anwenden, um kritische Stimmen mundtot zu machen.

Vermutlich waren darunter auch beleidigende und bĂ¶ĂŸartige Kommentare. Der ĂŒberwiegende Teil aber war klar missfallend, aber als MeinungsĂ€ußerung in Ordnung. Wenn Herr Ströbele nun diese MeinungsĂ€ußerungen von Menschen als „Sturm aus Scheiße“ bezeichnet, unterstreicht er nur seine sture Haltung und seine Uneinsichtigkeit, sowohl gegenĂŒber dem Jungen unangemessen reagiert zu haben, als auch gegenĂŒber unserer Redaktion.

Diese harschen Handlungen durch die Ströbeles waren Anlass fĂŒr die Empörungswelle und in Zeiten des Internets verbreiten sich Nachrichten und Meinungen tatsĂ€chlich sehr viel schneller als das ĂŒber alte Medien möglich wĂ€re.

Gequatsche

Die Aussage des Rechtsanwalts Ströbele, „das Internet dĂŒrfe kein rechtsfreier Raum sein“, ist gegen sein besseres Wissen und dummes GeschwĂ€tz. SelbstverstĂ€ndlich ist das Internet kein rechtsfreier Raum. Herr Ströbele weiß das und hat dies ja auch mit seinem Abmahnversuch unter Beweis gestellt. Auch hier gelten Recht und Gesetz und VerstĂ¶ĂŸe können geahndet werden.

Wir wissen das auch und bemĂŒhen uns aus der ĂŒberzeugten Anerkennung von Recht und Ordnung immer mit viel Energie um gegenrecherchierte, geprĂŒfte Fakten. Fehler können trotzdem passieren – hier aufgrund einer behördlichen Falschauskunft.

Darauf mit der juristischen Keule zu reagieren, statt eine einvernehmliche (und unauffĂ€llige) Lösung anzustreben, ist nahezu typisch fĂŒr Leute vom Kaliber Ströbele. Und sich dann als „Opfer“ zu stilisieren, weil tausende von Menschen ihren Unmut ĂŒber ein solches Verhalten Ă€ußern, ist, mit Verlaub, erbĂ€rmlich.

Hans-Christian Ströbele zeigt sich weiter stur und uneinsichtig, wie dieses Zitat bei Spiegel online zeigt.

 

Herr Ströbele behauptet, „notfalls mĂŒsse man sich auch mit juristischen Mitteln wehren können“. Das ist eine Falschbehauptung. Es lag kein Notfall vor. Zwischen dem Veröffentlichungsdatum und der Abmahnung lagen drei Tage. Herrn Ströbele lag eine schriftliche Anfrage von uns vor – er hĂ€tte innerhalb dieser drei Tage anrufen oder zurĂŒckschreiben können, um unsere „Falschbehauptung“ zu korrigieren. Wir hĂ€tten umgehend das getan, was wir getan haben – die „irrtĂŒmliche“ Aussage korrigiert. Doch Herr Ströbele wollte es anders und hat auch in den ersten Tagen des „Shitstorms“ von seiner Seite aus die Sache weiter befeuert.

Am Ende hat er sich Ă€ußerlich der Protestwelle gebeugt und die Abmahnung gegen uns nicht weiterverfolgt. Wie man aktuell sieht, hat er aber nichts verstanden.

Anm. d. Redaktion: Die regionalen Medien hier vor Ort haben den Vorgang ĂŒbrigens konsequent verschwiegen, weil man sonst die Quelle, also unsere Blogs hĂ€tte erwĂ€hnen mĂŒssen. Seit 2009 wurden wir insgesamt elf Mal abgemahnt. Ein Mal mussten wir (aufgrund unglĂŒcklicher UmstĂ€nde) eine Einstweilige VerfĂŒgung hinnehmen, einmal wurde ein Vergleich geschlossen, neun Abmahnversuche konnten abgewehrt werden.
Ein Spendenaufruf brachte knapp 2.000 Euro zusammen. Das Geld sollte uns bei einem Verfahren gegen Herrn Ströbele helfen. Weil dieses nicht zustande kam, haben wir 1.000 Euro an „Journalisten helfen Journalisten“ gespendet und unsere Anwaltskosten bestritten. Der Rest von einigen hundert Euro wird verwendet, um einen Verein fĂŒr Meinungsfreiheit – Gegen Abmahner zu grĂŒnden.

 

„Niedriges Bildungsniveau“ bei Schlecker-Kunden? Unternehmensbrief sorgt fĂŒr Ärger und UnverstĂ€ndnis


Der neue Slogan "For you. Vor Ort." soll "niedrigere und mittlere Bildungsniveaus" ansprechen. Dazu zÀhlt Schlecker 95 Prozent seiner Kunden, so Unternehmensprecher Florian Baum in einer ersten Reaktion auf Kritik am denglischen (deutsch-englischen) Werbespruch. Foto: soso

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 29. Oktober 2011. Ein bislang nicht bekannter Briefschreiber beschwert sich bei Schlecker ĂŒber den neuen Werbe-Slogan „For you. Vor Ort“. Der Unternehmenssprecher Florian Baum antwortet auf diesen Brief und sorgt mit seiner Antwort fĂŒr das, was man gut und gerne einen Kommunikationsgau nennen kann. Danach haben die meisten Schlecker-Kunden ein „niedriges bis mittleres Bildungsniveau“. Das Unternehmen versucht sich nun in Schadensbegrenzung.

Von Hardy Prothmann

Bekannt wurde der Brief durch die Fachzeitschrift „Deutsche Sprachwelt“, die das Schreiben zugespielt bekommen und veröffentlicht hatte. Daraufhin entwickelte sich im Internet ein „Shitstorm“ – eine wĂŒtende Kettenreaktion mit Kritik am Unternehmen. (Hier Reaktionen auf Twitter.)

Wie man die Antwort von Schlecker-Sprecher Florian Baum zu werten hat, bleibt jedem selbst ĂŒberlassen. Sehr viele Kundinnen und Kunden haben sich aber mehr als geĂ€rgert.

In einer Antwort auf eine Kritik am neuen Werbe-Slogan „For you. Vor Ort“ schreibt Baum, dass er persönlich die Kritik verstehen kann. Immerhin ist er „Geisteswissenschaftler“ und fĂŒhlt sich dem „Sprachgebrauch der Latinitas verpflichtet“ – sprich, persönlich wĂŒrde er so einen Slogan nicht verwenden.

Aus Unternehmenssicht aber schon. Und dafĂŒr liefert er eine BegrĂŒndung, die wenig schmeichelhaft fĂŒr die Kundinnen und Kunden ist:

„Das Motto sollte die durchschnittlichen Schlecker-Kunden, die niederen bis mittleren Bildungsniveaus zuzuordnen sind, ansprechen.“

Und weiter:

„Die Zielgruppe unseres Werbeslogans sind auch nicht die vielleicht 5 Prozent der Bevölkerung, zu denen Sie und Ihre Mitunterzeichner gehören (nĂ€mlich promovierte Akademiker, Philologen und andere reflektierte Sprachverwender) – sondern die ĂŒbrigen 95 Prozent.“

Wie soll man das verstehen? Dass die „ĂŒbrigen 95 Prozent“ nicht reflektiert mit der Sprache umgehen? Oder das Schlecker die 5 Prozent gar nicht im Blick hat und auch nicht als Kunden gewinnen will, weil denen der „denglische“ Werbeslogan zu blöd ist?

Die Financial Times Deutschland schrieb: „Schlecker hĂ€lt die eigenen Kunden fĂŒr blöd.“ Ein Schluss, den wohl viele aus dem arroganten Schreiben des Unternehmenssprechers Baum Ă€hnlich gezogen haben dĂŒrften. Das Handelsblatt formuliert: „Schlecker nennt Kunden ungebildet.“

Das dachten viele nach dem Brief von Schlecker, der fĂŒr viel Empörung gesorgt hat.

Anstatt sich klar zu entschuldigen und Druck aus der Debatte herauszunehmen, legt Schlecker auf seinem Unternehmens-Blog nach kritischen Presseberichten und Protesten aus der Bevölkerung nach:

„Und ja, wir stehen zu diesem Motto, wie wir auch zu einer unserer wichtigsten Zielgruppen stehen: Menschen mit einfachem bis mittlerem Bildungsniveau.“

Vollkommen unverstĂ€ndlich, wie ich meine. Denn Schlecker verknĂŒpft das „Bildungsniveau“-Thema ohne Not mit den eigenen Kundinnen und Kunden. Und lĂ€sst auf den ersten Fehler den zweiten folgen. Und selbst ein richtiger Ansatz, um aus dem Desaster rauszukommen, wird wieder mit der VerknĂŒpfung „Bildungsniveau-Dummheit“ verwendet:

„Wer will, mag unser Unternehmensmotto diskutieren, gut finden oder fĂŒr dĂŒmmlich halten. Unsere Mitarbeiter, die zum ĂŒberwiegenden Teil schon seit 15 und mehr Jahren im Unternehmen arbeiten, wie auch unsere Kunden sind es ganz sicher nicht.“

Die andauerende VerknĂŒpfung von Bildungsniveau und Dummheit in bezug auf die eigenen Kundinnen und Kunden ist das Problem dieser Kommunikationspanne, durch die viele unterstellen, Schlecker habe keine besonders gute Meinung von der eigenen Klientel.

Eine positive Formulierung dieser Art hÀtte Schlecker und der Klientel sicher mehr gedient:

„Wie achten und schĂ€tzen unsere Kundinnen und Kunden als gute Menschen. Wer bei uns einkauft, ist schlau – denn wir bieten gute Ware zu gĂŒnstigen Preisen. For you. Vor Ort.“

Das ist aber der „Unternehmenskommunikation“ und dem „Geisteswissenschaftler“ Florian Baum nicht eingefallen. Was man auch indirekt als Beweis anfĂŒhren könnte, dass eine akademische Bildung und eine Zugehörigkeit zur „Latinitas“ nicht unbedingt vor Dummheit schĂŒtzt.

Diese Aussage sorgte fĂŒr jede Menge VerĂ€rgerung.

Vielleicht sollte sich Schlecker zuallererst einen neuen Unternehmenssprecher suchen, der die Kundenansprache besser beherrscht.

Wer den Brief nachlesen möchte, findet ihn beim Facebook-Account von „Deutsche Sprachwelt.“

Weitere Infos:

Siehe auch einen Bericht des Mediendienstes „meedia“ zum Thema.

Werben und Verkaufen

Scilogs: For you – verbohrt

Stelllungnahme von Schlecker