Freitag, 24. November 2017

Das aussterbende SchülerVZ wird abgeschaltet

Ausgegruschelt

Rhein-Neckar, 11. April 2013 (red/ms) In den letzten Jahren hat das SchülerVZ mehr als vier Millionen Mitglieder verloren. Nachdem die Massen zu Facebook abwanderten, sind nur noch 200.000 Benutzer bei der Seite angemeldet. Darunter sind so viele gefälschte Profile, dass das Netzwerk von vielen als „FakeVZ“ verspottet wird. Jetzt soll dem ein Ende bereitet werden. Auf der Website verkünden die Betreiber: „Wir machen’s kurz: Es ist vorbei. schülerVZ wird am 30. April 2013 geschlossen. Für immer.

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Kino-Präventionswoche in Mannheim über Gefahren Sozialer Netzwerke

Guten Tag!

Heddesheim, 24. November 2010. Bereits seit 12 Jahren veranstaltet das „Netzwerk Neue Medien Mannheim (NM)“ die sogenannte Kino-Präventionswoche. Ziel des Netzwerks ist es, Kinder, Eltern und Pädagogen Medienkompetenz zu vermittelt. Deshalb geht es jedes Jahr um ein bestimmtes Themenfeld, das Gefahren für Jugendliche beinhaltet. In diesem Jahr befasst man sich mit der „Generation Facebook“.

Von Christian Mühlbauer

Das Netzwerk Neue Medien Mannheim möchte über den Umgang mit sozialen Netzwerken aufklären. Was tun, wenn das eigene Kind immer mehr in eine digitale Welt abdriftet? Worauf sollten Eltern achten? Welche Gefahren drohen in Sozialen Netzwerken?

Kinosaal

Der Kinosaal war nahezu vollständig gefüllt

Mehrere Mannheimer Schulklassen besuchen im Laufe dieser Woche das Cineplex-Kino. Die beiden Filme sollen die Schülerinnen und Schüler für die Gefahren von Cybermobbing und Sozialer Netzwerke sensibilisieren. Auf dem Programm stehen: „The Social Network“ und „Ben X“.

Fast alle Schülerinnen und Schüler sind in „social networks“ aktiv.

„Seid ihr in sozialen Netzwerken aktiv?“, frage ich einige der Schüler am Ende der Vorstellung. Im ersten Augenblick wirken manche überrumpelt. Man tauscht blicke mit den Freunden aus, ehe zögerliche Antworten folgen. Unter den befragten Schülern antwortet die Mehrheit mit einem Ja.

Marvin (15) sagt, dass er bei „WKW“ sei (Wer-Kennt-Wen). „Sorgst du dich um deine Daten oder achtest du darauf, nichts „falsches“ zu veröffentlichen?“ Die Antwort kommt prompt: „Ich passe schon auf, was ich da schreibe und welche Bilder ich einstelle.“ Primär veröffentlicht er dort harmlose Sachen – sagt er: „Ich schreibe beispielsweise an die Pinnwand, wenn ich gerade ein Buch lese.“ Harmlose Sache? Naja, die Werbeindustrie könnte sich dafür interessieren.

Antonia (15), Schülerin einer Mannheimer Werkrealschule, ist gleich in mehreren Netzwerken vertreten. Facebook, SchülerVZ, Wer-Kennt-Wen. Die Namen der Netzwerke erfahre ich wie auf Kommando. Auch zwei Schülerinnen neben ihr erklären mir, dass sie in sozialen Netzwerken sind. Vor allem Facebook.

Interessant wird es, als ich sie nach ihren Eltern frage. Wissen die, wie „diese Sachen“ funktionieren? Antonia (15) und Klaudia (16) bejahen dies. Jaqueline (15) schüttelt jedoch energisch den Kopf, andere ebenso. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass weniger als die Hälfte der Eltern wissen, was ihre Kinder im Internet so machen.

Medienkompetenz muss vermittelt werden

„Es geht nur gemeinsam mit Eltern und Lehrer“, erklärt mir Astrid Fleck, beim Polizeipräsidium Mannheim zuständig für Präventionsarbeit, noch vor dem Film. Oftmals würden die Kinder mehr über Facebook und das Internet wissen als ihre Eltern. Eine Medienerziehung wird damit natürlich schwierig. Wie soll man Kinder im Umgang mit etwas vertraut machen, das man selbst kaum kennt?

Deshalb bietet man diese Kinopräventionswochen an. Eine dazugehörende Abendveranstaltung für Eltern am vergangenen Montag war restlos ausgebucht, sagt Frau Fleck. Ist das nicht eigentlich ein Zeichen dafür, dass sich Eltern sehr wohl für das interessieren, was ihre Kinder da so im Netz treiben? Das waren einige hundert Eltern, insgesamt werden 1.200 Schüler sich die Filme anschauen. 100 Prozent der Eltern wären 2.400 Menschen.

„The Social Network“ sowie „BenX“ – digitale Schicksale

Petra Schwarzweller

Die Medienpädagogin und FSK-Prüferin Petra Schwarzweller führte die Diskussion

Der erste Film zeigt die Gründungsjahre des Sozialen Netzwerks „Facebook“. Der Student Mark Zuckerberg hat die Idee, auf einer Website Bilder von zwei Frauen zu vergleichen. Die Benutzer können wählen, welche davon attraktiver ist. Um genügend Bildmaterial zu erhalten, hackt er sich in die Datenbanken der Universitäts-Wohnheime. Dort kopiert er sämtliches Bildmaterial aus den Jahrbücher.

Parallel veröffentlicht er auf seinem Blog wiederkehrend Beleidigungen an seine Ex-Freundin Erica Albright. Seine abwertendes Verhalten gegenüber Dritten wird zunehmend zum Problem und zieht sich durch den gesamten Film. Die Schlussszene zeigt ihn in einem Raum. Er schickt eine Freundschaftsanfrage an seine Ex-Freundin Erica Albright, die er öffentlich gedemütigt hat. Im Sekundentakt lädt er die Website neu, in der Hoffnung, dass Erica die Anfrage bestätigt.

Es ist die traurige Erfolgsgeschichte über den Gründer der zur Zeit erfolgreisten Community-Plattform der Welt, in der sich 500 Millionen Menschen in Freundesnetzwerken zusammenschließen, während er allein zurückbleibt.

Der zweite Film „BenX“ ist weitaus ernster und beinhaltet am Ende gar eine unerwartete Wendung. Es geht um den Jugendlichen Ben. Dieser leidet an dem Asperger-Syndrom. Eine Form des Autismus.

Infolge seiner Erkrankung wird er von seinen Mitschülern immer wieder gemobbt, gedemütigt, geschlagen. Ein Videoclip davon wird online veröffentlicht. Ben plant ab diesem Augenblick seinen Selbstmord und flüchtet sich derweil in die Welt des Computerspiels „Archlite“. Dort ist er mit der Spielerin „Scarlite“ befreundet.

Zwischen beiden kommt es beinahe zu einem Treffen, an dessen Ende sich Ben vor einen Zug werfen will. Scarlite kann ihn jedoch davon abhalten. Um weiteren Mobbing-Attacken zu entgehen, plant Ben nun gemeinsam mit Scarlite eine andere Version des „Endgames“. Das Ende soll hier nicht erzählt werden – der Film ist so spannend und gut, dass man sich ihn selbst anschauen sollte.

Eine irritierende Anschlussdiskussion

Am Ende beider Filme folgte eine kurze Diskussionsrunde mit der Medienpädagogin und FSK-Prüferin Petra Schwarzweller.

Insbesondere bei Ben X irritiert mich, dass während der Diskussionsrunde oftmals gelacht wird. Amüsant war der Film nämlich keinesfalls. Vielmehr bedrückend und ernst. „Man überzeichnet damit die eigene Unsicherheit. Sobald das im Klassenverbund, also in kleineren Gruppen gemacht wird, hört das auf“, erklärt mir Frau Schwarzweller später.

Es mangelt den Kindern von heute also nicht am Einfühlungsvermögen: „Es scheitert eher daran, dass man in der Gruppe „cool“ sein will.“ Gerade hier können Eltern viel erreichen – im Gespräch mit ihren Kindern.

Dass die Kinder und Jugendlichen von heute übrigens im realen Leben allzu freizügig mit persönlichen Daten wären, kann ich nicht feststellen. Alle befragten Schüler zögerten, ehe sie ihren Vornamen, Alter und Schulzugehörigkeit nannten.

Ich kann nur hoffen, dass sie sich diese Vorsicht im scheinbar anonymen Internet bewahren.

Anmerkung der Redaktion:

Christian Mühlbauer absolviert ein redaktionelles Praktikum bei uns in der Zeit vom 22. November – 10. Dezember 2010. Herr Mühlbauer studiert an der Fachhochschule Ansbach „Ressortjournalismus.“

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