Montag, 18. November 2019

„Es sind die Augenblicke, die ich sammle“ – Vernissage im Alten Rathaus


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Heddesheim/Ladenburg, 10. Mai 2011 (red) Die Ausstellung, die zur Zeit im Alten Rathaus gezeigt wird, ist mit dem Titel „Sagenhafte Gegens├Ątze“ betitelt. Sagenhaft ist der Zyklus zu den Nibelungen, die die K├╝nstlerin Renate Huthoff ausstellt. Im Gegensatz dazu stehen die Objekte und Skulpturen der K├╝nstlerin Maria-Ilse L├Ârincz. Es ist ein „Mythos der Moderne“. Am Samstag wurde die Ausstellung mit einer Vernissage von der neuen Vorsitzenden des Heddesheimer Kunstvereins, der K├╝nstlerin Veronika Drop, er├Âffnet.

Von Sabine Prothmann

Die musikalische Begleitung und die einf├╝hrenden Worte kamen von dem Ladenburger Maler und Musiker Rudolf Klee, der damit der Vernissage einen weiteren kunstvollen Glanzpunkt verlieh.

Die „Edition Nibelungen“ zeigt auf neun Fotoradierungen die Geschichte der Nibelungen. Die geborene Mannheimerin, Renate Huthoff, lebt in Lampertheim und hat ihr Atelier in Worms, in der Stadt der Nibelungen. Die allgegenw├Ąrtige Pr├Ąsenz dieser Sage hat die K├╝nstlerin zu diesen Bildern veranlasst. Ausgangspunkt ist immer ein Foto, das sich weiterentwickelt, wie in dem Bild „Wie er einen Lindwurm erschlagen mit seiner Hand“.

Die Fotografie der Siegfried-Skulptur scheint lebendig zu werden und mit dem Dolch in der Hand erschl├Ągt er den schwarzen Drachen. In Rot leuchtet das Auge und die Zunge schie├čt aus dem Maul w├Ąhrend sich das Blut ├╝ber den Boden ergie├čt. Um dieses Ergebnis zu erreichen, bringt Huthoff drei Platten ├╝bereinander und mit Hilfe eines chemischen Verfahrens entstehen die Mehrfarbradierungen. In Graut├Ânen und tiefem Schwarz, akzentuiert durch intensives Rot. So tr├Ągt Kriemhild bei dem „Streit der K├Âniginnen“ ein blutrotes Kleid.

„Es sind die Augenblicke, die ich sammle.“

„Es sind die Augenblicke, die ich sammle“, sagt die K├╝nstlerin. So h├Ąlt jedes Bild einen wichtigen Augenblick der Sage fest, beginnt bei einem Foto und entwickelt eine Handlung. Dabei hat sie tief in den Archiven gegraben, sich mit den Nibelungen und der nordischen Edda besch├Ąftigt.

Und so wurde ihre „Edition Nibelungen“ auch in das Heimatjahrbuch 2011 der Stadt Worms aufgenommen.

Huthoff hat auch zwei Rotuli mitgebracht, Papierrollen, die sich aufgerollt ├╝ber je 6,70 Meter erstrecken. Mit Papier, Kohle, Filzstift, Graphit, Tusche und W├Ąscheklammern bewaffnet setzte sich die K├╝nstlerin unter alte Olivenb├Ąume in Griechenland. Spontane Zeichnungen sind entstanden, „ich erf├╝hle f├╝r mich, das Leben im Baum“, erz├Ąhlt Renate Huthoff. Bizarre Formen, mal figurativ, mal abstrakt, scheinen lebendig zu werden, sich zu wandeln.

Es ist, als wenn man auf der Erde liegt und Wolkenformationen betrachtet, sagt Rudolf Klee in seiner Einf├╝hrung.

Dazu im Gegensatz die Plastiken aus Bronze der K├╝nstlerin Maria-Ilse L├Ârincz, die im Wachsausschmelzverfahren gegossen wurden. Maria-Ilse L├Ârincz kam 2007 ├╝ber den Steinguss-Bildhauerworkshop auf dem Dilsberg zu der Bronze.

Die ausgestellten Plastiken entstanden in den folgenden Jahren bei der Brandenburger Bildhauer-Sommerakademie in Strau├čberg. Die K├╝nstlerin lebt und arbeitet in Ladenburg.

Die Suche nach der Urform.

Es ist die Suche nach der Urform, die sich ver├Ąndert, sich entwickelt.

Viele der Objekte haben ein Au├čen und ein Innen. B├Âgen scheinen in das Innere des Kunstwerks zu f├╝hren und erinnern fasst an die das Gew├Âlbe einer Kathedrale, wobei der Wechsel der Form, mal rund, mal eckig wieder zu einem Bruch dieser Assoziation f├╝hrt.

Betrachtet man eine Kathedrale von Au├čen ist sie eine Skulptur, betritt man sie, erlebt man sie als Raum, erkl├Ąrt Rudolf Klee.

Es ist der Dialog von Fl├Ąche und Form und von Raum und Material, der die K├╝nstlerin antreibt. „Ich mache Skizzen und daraus entsteht das Objekt“, erst dann gibt sie ihren Plastiken Namen.

So ist auch der „Krieger“ entstanden. Das Material wurde geformt und gebogen und eine Figur mit Speer in der Hand wurde „geboren“. L├Ârincz bezeichnet das Ergebnis als die Abbildung des Prozesses.

Die sieben Bronzeplastiken und die beiden Steinguss-Objekte laden den Betrachter ein, sich auf den Weg zu machen und den Schaffensprozess zu verfolgen und zu empfinden. Sie lassen Raum f├╝r eigene Interpretationen.

„Kunst gibt nichts Sichtbares wieder, Kunst macht sichtbar.“

Beide K├╝nstlerinnen „machen sichtbar“, sagt Rudolf Klee und zitiert seinen Namensvetter Paul Klee: „Kunst gibt nichts Sichtbares wieder, Kunst macht sichtbar“ und schl├Ągt damit auch die Br├╝cke zwischen den so scheinbar unterschiedlichen Kunstwerken.

W├Ąhrend Huthoff die bildnerischen Ereignisse sichtbar mache, die Botschaft aus dem Innersten ziehe, setze L├Ârincz den Innen- und Au├čenraum in Beziehung.

Beide K├╝nstlerinnen schaffen Meisterwerke, sie beherrschen die Kunst und die Technik, so Klee. „Denn Kunst kommt von K├Ânnen, k├Ąme sie von Wollen, hie├če sie Wulst“.

Als bekennender Romantiker spielt Klee wunderbar romantische eigene St├╝cke, aber auch Teile von Rodrigos Concierto de Aranjuez und von Rachmaninoffs 2. Klavierkonzert, dem „sch├Ânsten Klavierkonzert, was ich kenne“. Und nebenbei bekommen die Besucher der Vernissage einen kleinen Exkurs in die Musiklehre. Und das Gef├╝hl drei begeisternden K├╝nstlern begegnet zu sein und einem „Gesamtkunstwerk“ beigewohnt zu haben.

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Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

Weitere Infos: Die K├╝nstlerin Veronika Drop l├Âste als Vorsitzende des Kunstvereins Martine Herm ab, die aus gesundheitlichen Gr├╝nden ihr Amt abgeben musste. Drop ist geb├╝rtige Rheinl├Ąnderin und lebt seit 30 Jahren in Heddesheim. Sie ist seit der Gr├╝ndung des Vereins, 2006, Mitglied.

Ausstellung: „Verletzte Seelen“, Small-Talk und Nachdenken ├╝ber Menschenrechte

Guten Tag!

Ladenburg/Heddesheim, 08. November 2010. Im Ladenburger Domhof (Rathaus) wurde am Sonntag, den 07. November 2010, eine Ausstellung er├Âffnet, die den Krieg thematisiert. Und die Verletzung der Menschenw├╝rde. Und die Verletzung der Seelen, jeder einzelnen. Der Heddesheimer K├╝nstler Bernd Gerstner stellt aus.

Von Anna Ewald

„Die W├╝rde des Menschen ist unantastbar. Eigentlich. In vielen Kriegen wurde aus einer unantastbaren W├╝rde eine antastbare gemacht. Verletzte Seelen bleiben nach diesen Kriegen ├╝brig“, er├Âffnet Reinhard Christmann die Ausstellung „Verletzte Seelen“ des Heddesheimer K├╝nstlers Bernd Gerstner. Die Sinnlosigkeit der Kriege solle erinnert und verdeutlicht werden.

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Der K├╝nstler Bernd Gerstner.

Die amnesty international (ai) Gruppe Ladenburg/Schriesheim veranstaltet gemeinsam mit der Organisation „Wir gegen Rechts“ diese Ausstellung im Domhof in Ladenburg. Sie hat am 07. November 2010 begonnen und ist jeden Samstag und Sonntag von 11-17 Uhr oder nach Vereinbarung bis zum 05. Dezember 2010 ge├Âffnet.

Rund 70 Besucher kommen zur Vernissage in den Domhof, um die 38 Kunstwerke zu betrachten, an denen Bernd Gerstner seit 2006 gearbeitet hat. Nicht nur Bilder, auch Skulpturen werden ausgestellt.

„Der gr├Â├čte Feind der Menschenrechtsverletzung ist die ├ľffentlichkeit.“

├â┼ôberall im Raum stehen Menschen, die sich die Kunst anschauen. Viele sehen nachdenklich aus. Sie versuchen die Gewalt der Kriege zu begreifen. Andere halten „Small Talk“. Jugendliche und junge Erwachsene sind nicht anwesend.

Alle werden ruhig, als der Ladenburger K├╝nstler Rudolf Klee beginnt, Keyboard zu spielen. Er spielt eine d├╝stere und ergreifende Melodie. Passend zu den „Verletzten Seelen“.

Reinhard Christmann ist Gruppensprecher der ai Gruppe Ladenburg/Schriesheim. Er schildert die aktuelle Menschenrechtslage beispielsweise in Myanmar (Burma), in denen Menschenrechte nicht beachtet werden (Anm. d. Red.: In der „Rangliste“ 2010 von „Reporter ohne Grenzen“ zur Lage der Pressefreiheit liegt Myanmar auf Platz 174 von 175 (Vorjahr: 171).)

„Der gr├Â├čte Feind der Menschenrechtsverletzung ist die ├ľffentlichkeit“, betont er. Jeder solle helfen, indem er an die ├ľffentlichkeit geht. Er betont, dass nur so eine Verbesserung erreicht werden k├Ânne. Es liegen Listen aus, in die sich G├Ąste eintragen k├Ânnen, f├╝r mehr Menschenrechte und gegen deren Verletzung.

Krieg hinterl├Ąsst k├Ârperliche und seelische Sch├Ąden.

Markus Wittig von „Wir gegen Rechts“ schlie├čt sich den Ausf├╝hrungen Christmanns an. Auch Herr Wittig erinnert an Kriege. Zum Beispiel die „Schlacht an der Somme“ im Ersten Weltkrieg. Mit ├╝ber einer Millionen Toten gilt sie als „verlustreichste Schlacht dieses Krieges“. Verloren haben alle. Auch die ├â┼ôberlebenden. Die Sch├Ąden sind grausam. K├Ârperliche und seelische. Um eben diese bleibenden seelischen Sch├Ąden geht es in dieser Ausstellung, die zum Nachdenken auffordert.

Der K├╝nstler Bernd Gerstner m├Âchte nicht einfach nur Bilder ausstellen. Die Betrachter sollen sich mit dem ernsten Thema selbst auseinandersetzen. Sie sollen sich mit der Frage besch├Ąftigen, warum Menschen, trotz so vieler „verletzter Seelen“, Krieg immer noch als L├Âsung sehen, sagt Kunsthistorikerin Dr. Kurtzer in ihrer Einf├╝hrung in die Bilder.

Jeder geht mit Krieg anders um.

Ihrer Meinung nach brauchen diese Bilder eine Erkl├Ąrung, obwohl Bernd Gerstner es lieber gehabt h├Ątte, weniger Worte zu verwenden, wie er mir sp├Ąter sagt. Jeder geht mit Krieg anders um.

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Installation Todesengel.

Die Kunstwerke sind aus nat├╝rlichen Materialien, Gerstner verwendet unter anderem Erdfarben und Sand. Fundst├╝cke aus dem Ersten Weltkrieg wurden mit „eingebaut“.

Manche Kunstwerke finde ich eher ausdruckslos, wahrscheinlich, weil ich sie nicht richtig verstehe. Von anderen kann ich mich fast gar nicht mehr losrei├čen.

Eines dieser Kunstwerke ist die Installation „Der Todesengel“. Es ist ein wei├čer Arztkittel, von dem Blut auf einen Spiegel tropft. Aus dem Blut auf dem Spiegel bildet sich ein Gesicht. Das des KZ-Arztes Dr. Josef Mengele.

Der „Todesengel“.

„Der Todesengel“ steht f├╝r alle KZ-├âÔÇ×rzte des Naziregimes, die grausame Menschenversuche durchgef├╝hrt haben“, sagt die Kunsthistorikerin Kurzer.

Von Konzentrationslagern (KZ) handelt die Bilderfolge „Auschwitz“. Das KZ Auschwitz (O├ůÔÇ║wi├äÔäócim) ist das Symbol, das „Musterbeispiel“ f├╝r alle Konzentrationslager, in denen Menschenverachtung an der Tagesordnung waren.

Vier dunkle K├Ąsten h├Ąngen an der Wand. Alle mit unterschiedlichen Motiven. Eins zeigt Kinder, die ihre t├Ątowierten Lagernummern zeigen. Ein anderes das „typische“ Bild von Auschwitz. Gleise, die in das Lager hinein f├╝hren. „Arbeit macht frei“ als ├â┼ôberschrift. Stacheldraht verdeutlicht, dass es aus diesem Schicksal kein Entrinnen gibt. Das letzte verdeutlicht die Not der internierten Menschen, vor allem das der Kinder.

Noch ein weiteres Kunstwerk ber├╝hrt mich, denn es ist schlicht, aber ausdrucksstark. Ledersohlen auf dem Boden, mehrere, die sich immer weiter aufl├Âsen. Es sind Ledersohlen von Soldaten. Es symbolisiert, wie der Titel schon sagt, die „Letzten Schritte“ eines Soldaten. Wohin, erf├Ąhrt man nicht. Woher sie kamen, auch nicht.

Manche halten Small-Talk, manche sind sehr nachdenklich.

Zum Abschluss spielt Rudolf Klee, dem laut Reinhard Christmann „die gesamte Ausstellung zu verdanken ist“, noch einmal Keyboard. Wieder eine schwere Melodie. „Passend“ zum Krieg. Zu verletzten Seelen.

Dann steht er auf und tr├Ągt unerwartet zwei politikkritische Gedichte vor. Eins ist sehr zynisch dem ehemaligen US-Pr├Ąsident George W. Bush gewidmet.

Manche Kunstwerke lassen sich nur schwer verstehen. So wie Kriege. Die Besucher gehen irgendwann nach Hause. Manche halten Small-Talk, manche sind sehr nachdenklich. Ãœber Krieg. Und verletzte Seelen.

Link:
Weitere Informationen zur Ausstellung und begleitenden Veranstaltungen.

Weitere Fotos zur Ausstellung finden Sie auf ladenburgblog.de.

Anmerkung der Redaktion: Anna Ewald (16) ist Gymnasiastin in Schriesheim, interessiert sich sehr f├╝r Politik und Medien und absolviert ein schulbegleitendes Praktikum bei uns. Dabei lernen junge Menschen bei uns, was Journalismus ist: Handwerk, ├ľffentlichkeit und verantwortliche Meinung.
Wir legen dabei einen besonderen Wert auf den eigenen Blick dieser jungen Menschen. Sie berichten aus ihrer subjektiven Perspektive, was sie mit wem zu was wie erleben. Wir unterst├╝tzen sie dabei journalistisch und redaktionell.
Hier finden Sie eine Ãœbersicht aller Texte von Anna Ewald auf dem ladenburgblog.
Wer Interesse an einem Praktikum hat, kann sich gerne formlos bewerben – allerdings sind erst ab April 2011 wieder Pl├Ątze frei.

Der Augenblicker: Rudolf Klee stellt im Alten Rathaus aus

Guten Tag!

Heddesheim, 20. Juni 2010. Rudolf Klee ist ein beeindruckender K├╝nstler und so ist auch seine Kunst. Im Alten Rathaus ist eine eindrucksvolle Ausstellung des Ladenburgers ├╝ber 40 Jahre k├╝nstlerisches Schaffen zu sehen. Unser Tipp.

Von Sabine Prothmann

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Rudolf Klee: ausdrucksstark. Bild: heddesheimblog

„Kunst kommt von K├Ânnen“, sagte der Ladenburger Vollblutk├╝nstler Rudolf Klee. „K├Ąme es von Wollen, m├╝sste es ja schlie├člich Wulst hei├čen“.

Und sein K├Ânnen konnten die gut 40 Besucher bei der Er├Âffnung seiner Ausstellung am gestrigen Sonntag im Alten Rathaus in Heddesheim bewundern.

Und sein K├Ânnen erstreckt sich nicht nur in seinen 38 Zeichnungen, Radierungen, Malereien, Lithografien und seinen f├╝nf Plastiken, die der K├╝nstler in der Ausstellung des Heddesheimer Kunstvereins unter dem Titel „Vier Jahrzehnte – Malerei und Graphik“ zeigte, sondern auch in seinen Gedichten und Improvisationen am Klavier.

„Es geschieht, nichts ist geplant, ich m├Âchte die Dinge in ihrem Ursprung begreifen“, erkl├Ąrte Rudolf Klee.

Was der Ausstellungsbesucher sofort begreift, ist die Ausstrahlung, die Authentizit├Ąt dieses K├╝nstlers.

Die breit gef├Ącherte Vielseitigkeit von Rudolf Klee, die Kreativit├Ąt, die au├čer der bildenden, auch die literarische und musikalische Kunst mit einschlie├čt, betonte Martine Herm, 1. Vorsitzende des Kunstvereins, in ihrer Begr├╝├čung. Was treibt ihn an? „Wir wollen eintauchen in die Welt des Rudolf Klee.“

Die Einf├╝hrung in sein Werk wollte der K├╝nstler selbst geben.

Und er nahm seine Besucher mit auf eine Reise durch seine Kunst, sein Empfinden, sein Erleben.

Aus drei T├Ânen lie├č er am Klavier eine Improvisation entstehen. „Drei T├Âne nehme ich heraus und spiele mit ihnen.“ Drei T├Âne, drei Striche, drei Worte – das kann der Anfang sein, f├╝r eine wunderbare Melodie, ein Bild oder ein Gedicht. „Ich machÔÇÖ halt Dinge, die mich ber├╝hren.“

Der 1936 in Bingen geborene Klee ist in Viernheim aufgewachsen. In seiner Jugend verbrachte er viel Zeit als Organist und Messdiener in der Kirche. Er beobachtete die Schatten, die entstanden durch das Licht, das durch die Kirchenfenster fiel. „Ich tr├Ąumte von Glas und Edelsteinen.“ Dann habe er ein Bild des Kubisten Lionel Feininger gesehen und er wusste: „Kubismus t├Ârnt mich an.“

Beim Ausstreichen der Farbrollen, die er f├╝r Lithographien verwendete, entstanden Farbbahnen und kubistische Elemente. In die er wiederum zeichnete, wie in dem Bild „Gesetzestafel“.

Der Besuch von Kursen zu Radierungen lie├č f├╝nf kleine Kunstwerke entstehen. Technisch perfekt, au├čergew├Âhnlich durch ihre Titel, durch ihren Wortwitz, direkt durch ihre gesellschaftliche Kritik.

Wenn ein Keim aus einer Nuss treibt wird das bei Klee zum „Kernreaktor“. Wenn die Richter anstelle von K├Âpfen Pilze tragen, ist der Namen Pilzgericht nicht weit und der Galgen wird zur Richtschnur.

Die Freiheit ist f├╝r ihn ein hohes Gut, „sie wird uns geschenkt“, und er m├Âchte sich nicht zu sehr einengen lassen.

In der Zeichnung „Traumb├╝hnenlandschaft“, befindet sich ein Fenster – das dem Beschauer in seinen Bildern immer wieder begegnet – als Symbol f├╝r unsere Gedanken, die entfliehen, die raus gehen.

Ein gro├čes Vorbild f├╝r Rudolf Klee ist der K├╝nstler Horst Jansen, „f├╝r mich ist er der gr├Â├čte Zeichner des vorangegangenen Jahrhunderts. Er konnte alles.“

Somit begann in den 70er Jahren seine „Jansenphase“. Jansen zeichnete das Selbstportrait von Casper David Friedrich und Klee kopierte, f├╝gte hinzu, ver├Ąnderte, sein „Friedrich nach Jansen“ entstand. Seine Bilder in dieser Schaffensperiode bezeichnet Klee als phantastischen Realismus. Schuhe werden zu „Der Redner und seine Meute“. Das Gesicht von Strau├č verwandelt sich in „Metamorphose“ zu dem Gesicht von D├╝rers Mutter. In einem Landschaftsbild finden wir ein Selbstportrait von Rembrandt, in einer Traumlandschaft das Gesicht eines alten Mannes von Leonardo Da Vinci und doch bleibt es immer ein Klee.

„Jede Landschaft hat ein Gesicht“ – und so entstehen immer wieder Landschaftsbilder mit eindringlichen Portraits verwoben, so wird das melancholische Gesicht mit der Herbstlandschaft zu einer Einheit.

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Exponat. Bild: heddesheimblog

„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“, zitiert Rudolf Klee seinen ber├╝hmten Namensvetter Paul.

Die n├Ąchsten Bilder, die er dem Betrachter erschlie├čt, sind betitelt mit „Morgen im Feld“, „Abend am Feldrand“ und „Nocturne“. Zarte Violettt├Âne, leuchtendes Rot,n├Ąchtliches Blau – „Ich bin ein romantischer Mensch“. Und:“Auch Kitsch ist erlaubt“. Aber: „Kunst ist alles, was ehrlich ist, was vom Herzen kommt“ und grenzt sich dabei ab von Kitsch, bei dem Form und Inhalt nicht ├╝bereinstimmen.

Hat er zun├Ąchst seinen Landschaftsbildern noch Gesichter zugesellt, geht er in seiner n├Ąchsten Phase ein Schritt weiter. „Jedes Portrait beginnt mit dem Auge“ und so reduziert er die Gesichter auf den „Augenblick“ und zitiert Goethe „alle Macht geht vom Auge aus“ und noch weiter „verweile doch du Augenblick, du bist so sch├Ân“ als drohenden Niedergang.

Der Augenblick als Zeiteinheit, als Moment, der Augenblick als Wesen. Die Bilder sind betitelt mit „Vor dem Augenblick“, „Dem Augenblick begegnen“ oder auch „Im Tanz mit dem Augenblick“.

In ├ľlbilder zeichnet und schreibt er Schriften, denn „ich schreibe alles mit der Hand, ich bin ein Fossil, ich habe kein Computer, kein Handy“.

Rudolf Klee m├Âchte die Dinge im Ursprung begreifen, durch die Virtualit├Ąt des Computers gehe f├╝r ihn das Begreifbare verloren.

Die Ausstellungser├Âffnung beschlie├čt er mit seiner Poesie mit seiner Musik. Wenn er an George W. Bush das Gedicht „Vom Wert der Ehre“ schreibt und diesem Liszts Pr├ęlude zur Seite stellt, wenn er in „Entr├╝stung“ von „entr├╝stet euch“ spricht und in „Ein Gebet“ dazu auffordert „lass uns frei sein wie ein Kind“, passiert es, dass der Betrachter und Zuh├Ârer G├Ąnsehaut bekommt. Denn das, was Rudolf Klee mit seiner Kunst, seinen Zeichnungen und Gem├Ąlden, seinen Gedichten und seiner Musik zeigt, ist glaubhaft, kommt von Innen und l├Ąsst den Besucher „froh nach Hause gehen“.

Die Ausstellung „Vier Jahrzehnte – Malerei und Graphik“ mit Arbeiten von Rudolf Klee ist noch bis 18. Juli 2010 Im Alten Rathaus, sonntags von 14:00 bis 17:00 Uhr, zu sehen.

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