Mittwoch, 20. November 2019

Gegenseitiges Abschreiben und Agenturh├Ârigkeit sind kein Journalismus

Wenn die Medien Amok laufen

amoklauf

Der Sender RNF war schnell mit „Amoklauf“ bei der Hand.

Dossenheim/Weinheim/Heidelberg/Rhein-Neckar, 21. August 2013. (red) Das Drama von Dossenheim ersch├╝ttert die Menschen in der Region. Ein 71-j├Ąhriger Mann hatte zwei M├Ąnner erschossen, f├╝nf weitere Personen verletzt und sich dann selbst get├Âtet. Angeblich sollen die Feuerwehren von einem „Amoklauf“ sprechen. Doch das ist falsch. [Weiterlesen…]

Das Medienblog pushthebutton.de rangiert unter den 50 Top-Blogs

Heddesheim, 18. September 2011. (red) Der Dienst Virato.de hat die Top-50-Blogs in Deutschland nach dem SMQ-Index ver├Âffentlicht. SMQ├é┬á(Social-Media-Quotient) ist die durchschnittliche Social-Media-Verbreitung (Facebook, Twitter) pro Artikel/Blogbeitrag einer Quelle.

„Diese Top 50 zeigen somit deutsche Blogs (oder blog├Ąhnliche Websites) an, die sehr beliebt sind und deren Content sehr oft von Usern ├╝ber soziale Netzwerke geshared wird. Andere bekannte Blogs, die man evtl. auch unter diesen Top 50 erwarten k├Ânnte, haben wahrscheinlich einen niedrigeren SMQ, da sie auch Artikel publizieren, die nicht so oft geshared werden und somit den Durchschnitt f├╝r die jeweilige Quelle herunterziehen“, schreibt Virato.de.

Das Blog pushthebutton.de des Journalisten Hardy Prothmann liegt deutschlandweit auf Platz 32, eingebettet zwischen dem lawblog.de von Udo Vetter, der dieses Jahr den Grimmepreis gewonnen hat und Ulrike Langer mit medialdigital.de, einer der renommiertesten Medienjournalistinnen in Deutschland. Auf Platz eins liegt der-postillon.com, Platz zwei belegt der Blog von Extra3 (NDR) und Platz drei das Nachrichtenportal gulli.com.

Hardy Prothmann betreibt sein Medienblog seit 2010, fr├╝her bei posterous.com, seit Fr├╝hjahr 2011 als eigenst├Ąndiges Blog. Die eingesetzte Software ist WordPress, das angepasste Theme „Magazine Premium“ des kanadischen Entwicklers C. Bavota.

Vor allem die medienkritischen Beitr├Ąge in Bezug auf Zeitungen werden in der Branche intensiv diskutiert und sich mehrfach von bildblog.de empfohlen worden. Zuletzt sorgte ein Artikel ├╝ber Leichenbilder des Regionalsenders Rhein-Neckar-Fernsehen f├╝r gro├čes Aufsehen.

Hardy Prothmann betreibt in Nordbaden und S├╝dhessen insgesamt sechs Lokalblogs f├╝r St├Ądte und Gemeinden sowie das Regionalblog rheinneckarblog.de. Bundesweit findet sein Projekt gro├če Beachtung und ist schon dutzendfach nachgeahmt worden. Im Dezember 2009 wurde er von der gr├Â├čten unabh├Ąngigen Fachzeitschrift f├╝r Journalisten unter die Top 100 auf Platz 3 in der Kategorie „Regionales“ gew├Ąhlt.

Zusammen mit dem Gmunder Kollegen Peter Posztos (tegernseerstimme.de) gr├╝ndet er zur Zeit das Unternehmen istlokal.de, das Lokaljournalisten bei ihrer Arbeit unterst├╝tzen wird. Die Beratungsgebiete sind Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht. Im Netzwerk von istlokal.de befinden sich zur Zeit rund 70 lokale und regionale Internetzeitungen und Blogs, darunter die prenzlauerberg-nachrichten.de, regensburg-digital.de, ruhrbarone.de und pottblog.de.

Auszug aus der Top-50-Liste des Social Media Quotient (SMQ) bei virato.de

 

Faktencheck: RNF zeigte nicht nur einmal Leichenbilder als „Rohmaterial“


Mannheim/Rhein-Neckar, 12. September 2011. (red) Am Freitag haben wir das Rhein-Neckar-Fernsehen kritisiert, weil der├é┬áRegionalsender unbearbeitete Aufnahmen von einer Leichenbergung nach einem Unfall auf der A5 im Online-Portal rnf.de ver├Âffentlicht hat. RNF-Projektleiter Ralph K├╝hnl hat sich umfassend durch Kommentare dazu ge├Ąu├čert und behauptet, es handle sich um einen Fehler. Unsere Recherche zeigt, dass es wohl kein Fehler war. Die Ver├Âffentlichung wurde sogar angek├╝ndigt. Und es ist kein Einzelfall.

Von Hardy Prothmann

Am Donnerstag hat der Regionalsender Rhein-Neckar-Fernsehen „Rohmaterial“ von fast 12 Minuten L├Ąnge im Internet ver├Âffentlicht. Also die Bilder, die ein Kameramann vor Ort nach einem Unfall auf der A5 aufgenommen hat.

In einer Szene, die fast zwei Minuten dauert, sieht man, wie die Bestatter die Leiche eines Unfallopfers in einen Sarg hieven. Der nachrichtliche Aussagegehalt ist gleich Null – kein seri├Âser Sender w├╝rde eine solche Szene in dieser L├Ąnge ausstrahlen, wenn ├╝berhaupt nur ein „Schnittbild“ von ein paar Sekunden L├Ąnge.

Wir haben daraufhin einen kritischen Kommentar geschrieben und diesen Vorgang als eine Art Trash-TV bezeichnet – weil es gegen jeden journalistischen Standard verst├Â├čt, unbearbeitetes Material, egal, ob Ton, Text oder (Bewegt-)Bild zu ver├Âffentlichen.

Erhebliche Zweifel an der Glaubw├╝rdigkeit der Darstellung

F├╝r den Sender hat Projektleiter Ralph K├╝hnl den Vorgang umfangreich kommentiert (siehe Kommentare hier am Ende des Artikels) und hat uns wiederum vorgeworfen, wir h├Ątten unzureichend journalistisch gearbeitet – eine einfache R├╝ckfrage h├Ątte die Vermutung entkr├Ąftet, dass das Rhein-Neckar-Fernsehen das „rohe“ Material absichtlich ins Netz gestellt h├Ątte. Es liege ein Fehler vor. Ein nicht-redaktioneller Mitarbeiter habe eine „Nummer“ vertauscht, dadurch sei das Material ohne Absicht ver├Âffentlicht worden und zudem nur f├╝r rund 2,5 Stunden sichtbar gewesen.

Wir haben erhebliche Zweifel an dieser Darstellung, denn die von uns recherchierten Fakten ergeben ein anderes Bild.

Rekonstruktion des Ablaufs:

Wir schildern den Ablauf, soweit wir diesen rekonstruieren k├Ânnen:

Am 08. September kommt es gegen 05:00 Uhr auf der A5 zu einem Unfall (siehe Bericht auf unserem Rheinneckarblog.de). Irgendwann sp├Ąter treffen Reporter ein. Auch das RNF ist vor Ort und macht Aufnahmen. Der Kameramann kehrt in den Sender nach Mannheim zur├╝ck und ├╝berspielt die Aufnahmen von der Kamera ins Redaktionssystem.

Am 08. September 2011 „sendet“ RNF eine erste Meldung auf Facebook:

Erste Hinweis auf das "Rohmaterial" auf der Facebook-Seite vom RNF.

Ein knappe Stunde sp├Ąter schreibt Ralph K├╝hnl selbst, erkennbar am K├╝rzel ^rk, einen Beitrag, mit dem Hinweis:

„Die Fakten vom Unfall├é┬á auf der A5 haben wir bereits auf rnf.de gestellt.“

"Fakten zum Unfall"?

Die „Fakten“ zum Unfall also. Was meint er damit wohl? Hat er nichts von den „ersten Bildern bei rnf.de“ gewusst? Soll man ihm das glauben?

Hatte die Redaktion keine Kenntnis von dem Rohmaterial?

Um 12:46 Uhr schreibt Andreas Etzold, wie K├╝hnl „Projektleiter“ und zudem Jugendschutzbeauftragter (sic!) einen Hinweis auf den „Sendebeitrag“, der in der Abendsendung ausgestrahlt werden soll. Hat auch er ├╝bersehen, dass das Rohmaterial online auch f├╝r Kinder und Jugendliche (es ist Ferienzeit) einsehbar ist?

Ralph K├╝hnel kommentiert sp├Ąter unseren Bericht, am 10. September 2011 um 00:30 Uhr:

„Das Material, das im obigen Artikel beschrieben ist, stand am Donnerstag Morgen f├╝r ca. zweieinhalb Stunden auf der Startseite von rnf.de. Das h├Ątte nicht passieren d├╝rfen.“

Diese Information konnten wir nicht ├╝berpr├╝fen. Denn wir erfahren erst am Abend des 08. September 2011 durch einen Hinweis vom „Rohmaterial“, klicken auf den Link und sehen uns das Material an.

Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache: Redaktionell unbearbeitetes Material wird uns gezeigt – wir sehen die Leichenszenen, pr├╝fen die Erreichbarkeit und gehen von der Homepage auf das Videoportal bei rnf.de und k├Ânnen den Beitrag dort aufrufen. Wir leeren den Cache unseres Computer und machen den Versuch an einem zweiten Computer – tats├Ąchlich l├Ąsst sich der Beitrag hier wie dort abrufen.

Stellt sich eine Recherchefrage wie Herr K├╝hnl das einfordert? Und ob wir gegen 21:00 Uhr abends noch jemandem im Sender erreicht h├Ątten, wissen wir nicht. Wir meinen nicht, dass eine „Recherche“ notwendig ist – der Vorgang ist eindeutig, wir stellen diesen dar und ordnen ihn als das ein, was er ist, skandal├Âs. Am 9. September 2011, um 00:21 Uhr geht unser Text online.

Unser Artikel zu den „Leichenbildern“ bei RNF findet immer mehr Interesse

Am folgenden Tag wird unser Beitrag von Bildblog.de verlinkt – die Zugriffe steigen rasant an. Bundesweit lesen medieninteressierte Menschen unseren Artikel. Am Vormittag ist das „Rohmaterial“ immer noch bei rnf.de zu finden, auch am Nachmittag. Wir wundern uns ├╝ber die Kaltbl├╝tigkeit des Senders. Sp├Ąter best├Ątigen uns Leserinnen und Leser, dass der Film auch noch am fr├╝hen Freitagabend an diesem 09. September zu sehen war, ein Leser sah ihn auf seinem Handy.

Am 10. September, um 12:02 Uhr kommentiert Herr K├╝hnl: „H├Ątten wir, wie uns in dem Hauptartikel vorgeworfen wird, mit dem langen Video einen Effekt erzielen wollen, dann h├Ątten wir es entsprechend promoted und es nicht im Video-Portal versteckt. Dann h├Ątten wir vielleicht in Hauptsendung „RNF Life“ in der Moderation gesagt: „Wenn Sie mehr spektakul├Ąre Bilder von dem Unfall bei Heppenheim sehen wollen, dann klicken Sie jetzt ins Video-Portal auf rnf.de. Dort haben wir den gesamten Rohschnitt f├╝r Sie hinterlegt.“ Das haben wir aber nicht.“

RNF weist Sensationslust zur├╝ck

Anscheinend wei├č Herr K├╝hnl nicht mehr, was er selbst noch vor Fertigstellung des „Sendebeitrags“ in Facebook gepostet hat: „Die Fakten zum Unfall haben wir bereits auf rnf.de gestellt. ^rk“

Herr K├╝hnl erkl├Ąrt weiter irgendwas von „im Cache-Speicher“ und anderes Zeugs. Tatsache ist, dass wir und alle unsere Kontakte den Film nicht bei youtube oder ├╝ber Google gesehen haben, sondern direkt ├╝ber die rnf.de-Seite.

Es entwickelt sich eine lange Debatte mit vielen Kommentaren zu unserem Artikel.

Behauptungen werden aufgestellt

Darin behauptet Ralph K├╝hnl erst einen technischen Fehler, dann soll ein „nicht-redaktioneller Mitarbeiter“ im ├â┼ôbereifer das „Rohmaterial“ online gestellt haben. Sehr schnell versucht sich Herr K├╝hnl darin, unsere Arbeit zu kritisieren, um vom eigentlichen Thema, dem skandal├Âsen Zur-Schau-Stellung eines Unfalltoten abzulenken.

Auch auf direkten Weg nimmt er Kontakt zu uns auf und teilt uns mit, dass ein Mitarbeiter den Fehler gemacht hat. Die sehr lange email, in der es auch um andere Dinge geht, sollen wir aber „vertraulich“ behandeln.

Wir sichern keine Vertraulichkeit zu, beantworten die email und damit war der Fall f├╝r uns erledigt.

Am folgenden Tag, den 11. September 2011, erhebt Herr K├╝hnl wieder massive Vorw├╝rfe gegen unsere Arbeit. Wir antworten entsprechend.

Rohes Material: Beitr├Ąge mit „(no comment)“ sind Originalaufnahmen

Dann surfen wir nochmals auf der Seite von rnf.de, um eine Information zu ├╝berpr├╝fen.

Wir trauen unseren Augen nicht. Im Videoportal von rnf.de stehen zwei weitere Beitr├Ąge direkt untereinander, wieder ist einer mit „(no comment)“ gekennzeichnet. Der erste Beitrag ist ein Sendebeitrag vom 07. September 2011, wenn auch durch Amateurvideoaufnahmen von schlechter Qualit├Ąt.

F├╝r jeden Geschmack etwas: Sendebeitrag und "Rohmaterial" stehen untereinander.

Der zweite Film zeigt wiederum in der L├Ąnge von 01:34 Minuten nichts anderes als Bestatter, die in ein Haus gehen, mit der Leiche wieder herauskommen, diese verfrachten und davonfahren. Man h├Ârt vermutlich den Kameramann, der vermutlich telefoniert, als die Leiche aus dem Haus getragen wird: „Moment, jetzt kommen sie gerade. Ich kann nicht.“

„Moment, jetzt kommen sie gerade. Ich kann nicht.“

Angeblich dient dieses „Rohmaterial“ als Angebot an andere Sender, die dem Rhein-Neckar-Fernsehen die Bilder abkaufen k├Ânnen. Tats├Ąchlich verwendet das RNF im Beitrag zu dem t├Âdlichen Schusswechsel im Mannheimer Stadtteil Neckarau selbst gerade mal zehn Sekunden. Und auch diese wohl entweder in Ermangelung anderen Bildmaterials oder eben in vollem Bewusstsein, so etwas der ├ľffentlichkeit zeigen zu wollen. Beides ist journalistisch eine Bankrotterkl├Ąrung.

(Siehe unseren Beitrag dazu hier.)

Klicken Sie auf das Bild, um den Film zu sehen.

Angeblich kann man dieses „Rohmaterial“ nicht sehen – vermutlich, folgt man Herrn K├╝hnl, hat der „nicht-redaktionelle Mitarbeiter“ auch hier eine „Zahl verwechselt“. Eventuell hat sich auch dieser Beitrag in irgendeinem „Cache“ (Zwischenspeicher) verfangen und ist nun in den unendlichen Untiefen des Internet noch erreichbar. Ob Herrn K├╝hnl wohl noch eine andere Erkl├Ąrung einf├Ąllt?

F├╝r unseren Geschmack ist das ein wenig viel „angeblich, vermutlich, eventuell“.

„Das versendet sich.“ – Aber nicht mehr in Zeiten des Internet

Fr├╝her, also vor dem Internet, sagten TV- und Radio-Journalisten bei solchen „Fehlern“: „Das versendet sich.“ Man rechnete damit, dass nur wenige Menschen einen Beitrag speichern konnten, am n├Ąchsten Tag neue Themen das Interesse bestimmten und man somit fein raus war, weil die fehlerbehaftete Arbeit vergessen wurde.

Das Internet bietet aber gute Kontrollm├Âglichkeiten. Und die werden Herrn K├╝hnl und seinen Aussagen nun zum Verh├Ąngnis – denn durch unsere Recherche gibt es begr├╝ndete Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Behauptungen.

Mal untertellt, dass der Sender diese Beitr├Ąge nicht absichtlich ver├Âffentlicht, dann ist es ein Schlamperladen, dem zu viele Fehler passieren. Tats├Ąchlich muss man davon ausgehen, dass es absichtlich „passiert“ – wieso sonst w├╝rden die Redakteure „Bilder und Fakten“ anpreisen, bevor der Sendebeitrag fertig ist?

Wir werden den Sender wiederum nicht dazu befragen – wir sparen uns die M├╝he, denn wir gehen davon aus, dass wir keine vertrauensw├╝rdigen Antworten erhalten.

Die Verwendung der Leichenbilder im Beitrag ├╝ber die Schie├čerei in Neckarau zeigt, dass der Sender selbst keine Skrupel hat, solches „Material“ zu verwenden und auch im Fernsehen in ungeb├╝hrlicher L├Ąnge ├╝ber die absolut notwendige „Dokumentation“ hinaus zu zeigen. Einen Nachrichtenwert haben solche Bilder nicht. In der l├Ąnge auch keinen dokumentarischen. Sie dienen einzig und allein dazu, die Sensationsgier zu stillen.

Bedauerlich ist, dass das Rhein-Neckar-Fernsehen vermutlich davon ausgeht, dass dessen Zuschauerinnen und Zuschauer solche Bilder sehen wollen.

Was das Rhein-Neckar-Fernsehen vom eigenen Publikum denkt – dar├╝ber kann sich jeder selbst seine Meinung bilden.

 

Das Rhein-Neckar-Fernsehen zeigt ungeschnittene Opferbilder und diskreditiert sich damit zum Trash-TV


Fast zwei Minuten lang zeigt das Rhein-Neckar-Fernsehen, wie Bestatter einen Sarg bereitstellen, die Leiche des Opfers hineinwuchten, den Sarg schlie├čen und Rausstehendes reinstopfen. Muss das sein? Quelle: RNF

Mannheim/Heppenheim/Rhein-Neckar, 09. September 2011. (red) Ein schwerer Unfall auf der A5 bei Heppenheim fordert ein Todesopfer. Medien berichten. Die ├ľffentlichkeit will wissen, was passiert. Das Rhein-Neckar-Fernsehen (RNF) zeigt fast zw├Âlf Minuten lang ungeschnittenes Videomaterial – darunter fast zwei Minuten die Leiche, die von Bestattern in einen Sarg gewuchtet wird. Ist das noch „Journalismus“ oder nur noch voyeuristischer Trash? Die Frage muss man nicht stellen – wer so verantwortungslos handelt, hat mit verantwortlichem Journalismus l├Ąngst nichts mehr zu tun. Noch nicht einmal der Anschein wird noch gewahrt. Man h├Ąlt ohne Sinn und Verstand drauf und hofft auf „Quote“.

Erg├Ąnzung:

Der RNF-Mitarbeiter Ralph K├╝hnl hat gegen├╝ber unserer Redaktion den Vorgang folgenderma├čen erkl├Ąrt: „Mit dem Einstellen des Rohschnitts ins Netz ist einem nicht-redaktionellen Mitarbeiter der Gaul durchgegangen. Dar├╝ber gab es hier im Sender bereits gestern Diskussionen, die sicherlich dazu f├╝hren, dass ein solcher Fall nicht mehr eintritt.“ Weiter hat Herr K├╝hnl erkl├Ąrt, man habe nach Kenntnis des Fehlers das „Rohmaterial“ um einen ausf├╝hrlichen Text erg├Ąnzt und damit best├Ątigt, dass die Redaktion auch nach Kenntnis der Ver├Âffentlichung das Rohmaterial nicht sofort gel├Âscht hat. Es bleibt jedem selbst ├╝berlassen, welche Meinung man sich aus diesen Informationen bilden mag.
Der Sender hat mittlerweile (wie von uns vorgeschlagen, siehe Kommentar 10. September 2011 um 16:56 Uhr) eine Entschuldigung unter dem Sendebeitrag ver├Âffentlicht.
In den Kommentaren finden Sie weitere Informationen.

Von Hardy Prothmann

Als ich die Bilder vom Unfall auf der A5 vom Donnerstag auf dem Internet-Portal von RNF sehe, bin ich fassungslos. Nicht dar├╝ber, dass ich eine Leiche sehe. Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich viel Leid sehe, Zerst├Ârung und auch den Tod sehen muss. Hinschauen muss. Auch Polizisten, ├âÔÇ×rzte, Sanit├Ąter, Feuerwehrleute, Gutachter sind damit leider immer wieder konfrontiert.

Aber wir arbeiten professionell, jeder tut, was er tun muss. Und als Journalist berichtet man f├╝r die ├ľffentlichkeit dar├╝ber, was passiert ist. Aber als verantwortlicher Journalist achtet man darauf, zwischen dem ├Âffentlichen und dem privaten Interesse zu unterscheiden.

Es ist absolut zul├Ąssig, in Bild, Ton oder Schrift ├╝ber Opfer zu berichten. Es ist aber geboten, dies im Zweifel mit dem geb├╝hrenden Abstand zu tun. Auch wir haben ├╝ber den Unfall auf der A5 berichtet, bei dem ein Mann ums Leben gekommen ist. Auch auf unseren Bildern sieht man, dass eine Leiche am Boden liegt und von einem Tuch abgedeckt wird. Unser Bilder sind aus der Distanz aufgenommen und dokumentieren den tragischen Unfall, das „Ereignis“.

Die Bewegtbilder, die beim RNF zu sehen sind, zeigen, wie Bestatter einen Sarg herbeitragen und das Opfer versuchen, ihn dahin zu hieven. Das klappt nicht beim ersten Mal. Der Leichnam st├Â├čt an den Sarg, die Anstrengung der Bestatter ist deutlich zu sehen. Als es endlich gelingt, die Leiche in den Sarg zu hieven, l├Ąsst sich der Deckel nicht schlie├čen. Der Leichensack wird reingestopft. Die M├Ąnner transportieren Sarg und Leiche ab.

Man k├Ânnte nun aus Sicht des RNF argumentieren: „Wir zeigen, wie es ist.“ Aber ist das ein Argument? Was ist mit der W├╝rde des Toten? Was mit den Gef├╝hlen der Familie?

„Vollkommen egal“, k├Ânnte man als Hardcore-Dokumentarfilmer sagen: „Wir zeigen, wie es ist.“

Zeigen, was man vor die Linse bekommt. Was sagt dieses Bild aus? Quelle: RNF

Aber auch die h├Ąrtesten Hardcore-Dokumentarfilmer stellen sich immer die Frage, ob das, was sie zeigen, gezeigt werden „muss“. Was ist der Erkenntnisgewinn? Was tragen die Bilder zur Aufkl├Ąrung der ├ľffentlichkeit bei? Warum sind sie wichtig? Tragen sie zur F├Ârderung der Meinungsfreiheit bei?

Die Bilder des RNF sind ersch├╝tternd. Sie zeigen, dass der Sender ├╝berhaupt keinen Wert auf journalistische Selbstkontrolle legt. Hier wird nur Voyeurismus bedient, irgendwelche redaktionell-journalistische Gedanken oder auch nur ein Rest von Anstand sind auch im Ansatz nicht zu erkennen.

Das ist Trash-TV in Reinkultur – mit der Kamera auf alles draufhalten, was die H├Ąarchen auf den Armen aufstellen l├Ąsst. Klar – RNF ist ein dr├Âger Provinzsender, der eher nicht durch guten, kritischen Journalismus auff├Ąllt. Aber mit diesem Film zeigt der Sender eine Verantwortungslosigkeit, die die zust├Ąndige Lizenzbeh├Ârde auf den Plan rufen muss.

Selbst die Spritze muss gro├č im Bild erscheinen - warum? Quelle: RNF

Auch Privatsender haben Standards der Berichterstattung zu erf├╝llen und m├╝ssen die Lizenz verlieren, wenn sie diese nicht einhalten. Ein Privatsender, der ungeschnittenes Videomaterial ├╝ber eine menschliche Trag├Âdie ├╝ber zw├Âlf Minuten L├Ąnge einfach so ins Internet stellt, ist daf├╝r ein Kandidat.

Ob Herr Bert Siegelmann die Gr├Â├če hat, sich im regul├Ąren Programm f├╝r diese Verfehlung zu entschuldigen und daf├╝r zu sorgen, dass der Sender journalistische Standards einzuhalten, darf getrost bezweifelt werden.

Muss man die Arbeit der Bestatter in voller L├Ąnge zeigen? Quelle: RNF

Einen sp├Ąter zusammen geschnittenen „Beitrag“ spricht der lispelnde Senderchef selbst ein – wieder sind Bilder zu sehen, die man nicht zeigen muss, au├čer, wenn man es „n├Âtig“ hat.

Was das RNF hier zeigt, macht mich fassungslos. Als Mensch. Als Journalist macht es mich w├╝tend, weil diese miese Form von „Journalismus (No comment)“ auch mich und andere Kollegen besch├Ądigt, die ihren Beruf mit der gebotenen Verantwortung aus├╝ben.

Mir geht es wie jedem anst├Ąndigen Menschen. F├╝r eine solche „Arbeit“ empfinde ich nur Verachtung – die einzig richtige Reaktion, weil man keine Spur von Achtung bei diesem „Bericht“ des RNF feststellen kann.

Es ist besch├Ąmend, wie das RNF im Wunsch nach Aufmerksamkeit jegliche Selbstkontrolle verliert. Tats├Ąchlich habe ich kein Mitleid mit diesen „Kollegen“ – die m├╝ssen selbst in den Spiegel schauen und man darf nur hoffen, dass sie bei dem, was sie sehen, eventuell noch eine Spur von Scham empfinden.

Medien brauchen Informanten – manche aber nur f├╝r die Sensation

Guten Tag!

Heddesheim/Rhein-Neckar, 06. Juli 2010. Kreisbrandmeister Peter Michels ist sauer – zu Recht. Entweder haben Angeh├Ârige der Feuerwehr widerrechtlich Informationen an Medien weitergegeben und/oder die Feuerwehr wurde abgeh├Ârt – beides ist nicht in Ordnung. Die Antwort auf die Frage, warum das passiert, ist einfach: Es geht um die Sensationsgier bei manchen Medien.

Kommentar: Hardy Prothmann

Man darf gespannt sein, ob die Zuschauer des Rhein-Neckar-Fernsehens (RNF) dar├╝ber informiert werden, dass der Provinzsender entweder „Informanten“ bei der Feuerwehr hat oder die Feuerwehr selbst abh├Ârt.

Man darf vermuten, dass dies eher nicht passiert, denn entweder h├Ątte der Sender durch das Abh├Âren eine strafbare Handlung begangen oder sich systematisch informieren lassen, was eine Anleitung zu einer Straftat sein k├Ânnte.

Die Integrierte Leitstelle der Feuerwehren in Ladenburg jedenfalls hat sich gewundert, wie schnell gewisse Medien, das Rhein-Neckar-Fernsehen und gro├če Tageszeitungen der Region, bei Eins├Ątzen vor Ort waren.

Deshalb setzte die Integrierte Leitstelle in Ladenburg einen fingierten, also falschen Einsatzbefehl, ab und wenige Minuten sp├Ąter meldete sich das RNF telefonisch und wollte weitere Informationen haben, kurz darauf meldete sich eine Zeitung.

Damit war klar: Entweder waren die betreffenden Medien aus den Reihen der Feuerwehr informiert worden oder h├Âren ab.

Medien und Journalisten sind oft auf „Hinweise“ von Informanten angewiesen. Durch das Zeugnisverweigerungsrecht haben sie die M├Âglichkeit, diese „Informationsquellen“ zu sch├╝tzen.

Das macht dann Sinn, wenn solche „Hinweise“ Recherchen ausl├Âsen, durch die Hintergr├╝nde ans Licht der ├ľffentlichkeit kommen, die sonst niemals bekannt geworden w├Ąren. Jeder Journalist, der seinen Beruf ernst nimmt, baut sich solche Netzwerke auf, die ihn mit Informationen versorgen.

Auch in unserem Fall sind wir durch einen Informanten auf das Thema aufmerksam geworden. Uns wurde der interne Brief des Kreisbrandmeisters an die Feuerwehren zugespielt.

Die Motivation, Informationen weiterzugeben, kann vielf├Ąltig sein. Manchmal sind die Motive Rache, Eifersucht, Missgunst. In den meisten F├Ąllen, in denen mir Informationen zugespielt wurden, ist die Motivation der Informanten aber eine ehrenhafte gewesen: Sie wollten Missst├Ąnde ├Âffentlich machen – aus Sorge um die Firma, die Beh├Ârde, das Allgemeinwohl.

In der Branche nennt man Informanten „Whistleblower“. Leider werden Informanten immer noch als „Petzen“ oder als „Verr├Ąter“ verunglimpft. Je brisanter die Information, je gr├Â├čer die Folgen f├╝r „bestimmte“ Personen, umso gr├Â├čer ist der Hass und die Wut auf die vermeintlichen „Verr├Ąter“. Selbst dann, wenn der „Verrat“ dazu dient, Systeme der Korruption, Mobbing, Geldw├Ąsche oder andere schlimme Sachen aufzudecken, bleibt in den Augen vieler Menschen eine Schuld beim „Verr├Ąter“ haften. Deswegen ist es gut und richtig, dass Journalisten ihre Informanten sch├╝tzen k├Ânnen, damit diese keine Nachteile erfahren.

Im vorliegenden Fall geht es aber nicht um Fragen des Allgemeinwohls oder der Integrit├Ąt einer Firma oder einer Beh├Ârde.

Im vorliegenden Fall geht es schlicht und einfach um Sensationsgier.

Es geht darum, die besten Bilder von lodernden Flammen zu machen. Oder Opferbilder, Blut, Chaos, Zerst├Ârung exklusiv zu haben, um damit Auflage zu machen.

Das Kalk├╝l ist einfach: Je sensationeller die Bilder, umso gr├Â├čer wird das Interesse sein.

Wenn Medien sich nur noch um die Sensation bem├╝hen und nicht mehr um die Information, muss sich kein Journalist und keine Redaktion wundern, wenn es viele Menschen gibt, die das anekelt. Die das nicht mehr wollen. Auch wenn es genug Menschen gibt, die gerade diese Sensation interessiert.

Journalisten und Redaktionen entscheiden selbst ├╝ber ihre Haltung, ihren Umgang mit den Themen. Und ├╝ber ihre Methoden.

Der Kreisbrandmeister Peter Michels ist an einem offenen Umgang mit den Medien interessiert – auch im vorliegenden Fall war er noch nach Dienstschluss f├╝r uns erreichbar. Aber er ist zu recht sauer.

Weil er sich hintergangen f├╝hlt – vielleicht denkt er gerade dar├╝ber nach, was es bedeutet, dass er an einem guten Verh├Ąltnis zu den Medien interessiert ist, manche Medien aber das gute Verh├Ąltnis zu ihm egal ist.

Es w├Ąre bedauerlich, wenn sich bei Herrn Michels das Gef├╝hl einschleicht, dass er Medien nicht mehr vertrauen kann. Denn das Ergebnis w├Ąre eine „verbrannte Erde“, ein gest├Ârtes Verh├Ąltnis. Weil einzelne sich schlecht verhalten, m├╝ssen oft alle darunter leiden. Den gr├Â├čten Schaden nimmt dabei die ├ľffentlichkeit, die nicht mehr offen informiert w├╝rde. Vor allem Boulevardmedien sind bekannt daf├╝r, „verbrannte Erde“ zu hinterlassen.

Winnenden und Erfurt sind daf├╝r leider „eindr├╝ckliche“ Beispiele.

Der Kritik, dass die Feuerwehren Daten unverschl├╝sselt ├╝bertr├Ągt, wird sich der Kreisbrandmeister stellen. Zur Ehrenrettung der Feuerwehren muss man feststellen, dass der „Datenschutz“ bei der Einf├╝hrung der Systeme noch keine wahrgenommene Bedeutung hatte.

Heute ist das anders. Der Datenschutz ist ein zu recht wichtiges Thema. Von den Feuerwehren kann und muss man erwarten, dass sie das Manko der unverschlüsselten Ãœbertragung schnell beheben.

Und von manchen Medien sollte man erwarten k├Ânnen, dass sie innehalten und ├╝berlegen, ob das, was sie tun, tats├Ąchlich „in Ordnung“ ist.

Leider kann man davon ausgehen, dass sich die „├╝blichen Verd├Ąchtigen“ dar├╝ber keine Gedanken machen werden. Ihr Gesch├Ąft ist die Sensation. Was anderes kennen sie nicht und wollen es auch nicht kennen.

Das beste Korrektiv daf├╝r sind die Menschen selbst. Sie sind mit daf├╝r verantwortlich, welche Medien sie nutzen. Fehlt die Akzeptanz f├╝r die Sensationsgier, dann werden die Medien sich neu orientieren oder wegen Misserfolgs eingestellt.

Ungesch├╝tzter Datenverkehr: Datenschutzskandal bei Feuerwehr und Rettungsdiensten

Guten Tag!

Heddesheim/Rhein-Neckar, 06. Juli 2010. In einem „Brandbrief“ weist der Kreisbrandmeister Peter Michels die Feuerwehren darauf hin, dass „Informationen zu den Rettungseins├Ątzen abgefangen werden und per SMS an Personen au├čerhalb der Feuerwehr“ weitergeben werden. Auf eine fingierte Meldung hin meldete sich als erstes das Rhein-Neckar-Fernsehen.

Von Hardy Prothmann

Der interne Brief hat es in sich: Die Feuerwehr vermutet „Lecks“ in den eigenen Reihen. Sprich: Mitglieder der Feuerwehr informieren „Dritte“, also Medien, aktuell und exklusiv ├╝ber Eins├Ątze. Vielleicht sogar gegen Geld oder andere Gef├Ąlligkeiten.

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Kreisbrandmeister Michels ist stinksauer. Entweder gibt es Informanten innerhalb der Feuerwehren oder der Datenfunk wird abgeh├Ârt. Bild: Feuerwehr

Kreisbrandmeister Michels schreibt: „Dieser Tage haben wir die Information erhalten, dass Alarmierungen f├╝r die Kreisf├╝hrung abgefangen werden und per SMS letztlich auch an Personen au├čerhalb der Feuerwehr weitergeben werden. Dies war der Anlass, dass wir ├╝ber die Leitstelle einen fingierten Alarm haben aussenden lassen. Bereits innerhalb der ersten f├╝nf Minuten, gab es eine erste R├╝ckmeldung in der Integrierten Leitstelle. Ca. weitere f├╝nf Minuten sp├Ąter meldete sich eine weitere Person aus dem Bereich der Presse.“

Ein Skandal erster G├╝te, denn es wird gleich gegen mehrere Gesetze versto├čen und Schutzpflichten werden verletzt, wie der Kreisbrandmeister auflistet: ├é┬ž 201 StGB (Verletzlichkeit der Vertraulichkeit des Wortes), ├é┬ž 203 StGB (Verletzung von Privatgeheimnissen), ├é┬ž 331 StGB (Vorteilsnahme), ├é┬ž 332 StGB (Bestechlichkeit), ├é┬ž 353 b StGB (Verletzung des Dienstgeheimnisses und einer besonderen Geheimhaltungspflicht), ├é┬ž 358 StGB Nebenfolgen.

Kreisbrandmeister Peter Michels best├Ątigt uns das Problem auf Nachfrage und sagt: „Wir haben mit unserem Schreiben die Feuerwehren auf die gesetzlichen Bestimmungen aufmerksam gemacht. Bei weiteren Verst├Â├čen solcher Art m├╝ssen die Betroffenen mit einer Strafanzeige rechnen.“

Pikant: Als erstes meldete sich das Rhein-Neckar-Fernsehen bei der Einsatzstelle und wollte weitere Informationen ├╝ber den Einsatz haben: „Das kann ja wohl gar nicht sein“, emp├Ârt sich Michels: „Ich habe ├╝berhaupt nichts gegen die Arbeit der Medien, aber ich habe sehr wohl etwas dagegen, dass Informationen, die an die Feuerwehr gerichtet sind, an Dritte weitergegeben werden.“

Ob das „Leck“ in den eigenen Reihen zu finden ist oder der Funkverkehr durch das Rhein-Neckar-Fernsehen abgeh├Ârt wurde, konnte die Integrierte Leitstelle bislang nicht herausfinden. Nach Informationen der Redaktion hat sich auch eine gro├če Zeitung aus dem Raum diese Informationen beschafft.

Das Problem: Die sensiblen Daten k├Ânnten verschl├╝sselt ├╝bertragen werden, wenn alle Beteiligten ├╝ber dieselben Ger├Ąte verf├╝gen w├╝rden. Tun sie aber nicht – damit man sich „versteht“, muss unverschl├╝sselt ├╝bertragen werden.

Deswegen ist es auch ein Datenschutzskandal der Rettungsdienste und Feuerwehren. Denn die Funkdaten werden ├╝berwiegend unverschl├╝sselt ├╝bertragen und k├Ânnen mit geringem Aufwand von jedem „mitgeh├Ârt“ werden – das verst├Â├čt zwar gegen das Gesetz, aber diesen Versto├č erm├Âglichen die Rettungsdienste selbst durch die ungesch├╝tzte ├â┼ôbertragung der Daten. Eine koordinierte Anschaffung der Ger├Ąte h├Ątte dies verhindert.

Was das in der Konsequenz bedeutet, zeigt ein Beispiel aus ├ľsterreich. Auf der Internetseite heise.de wird die Problematik der ungesch├╝tzten Daten├╝bertragung eindr├╝cklich geschildert:

„Ein ├ľsterreicher hatte in der Gegend von Tirol einen handels├╝blichen Funkscanner mit der Soundkarte seines Rechners gekoppelt und mit frei im Internet erh├Ąltlicher Software das v├Âllig unverschl├╝sselte POCSAG-Signal der Pager in einer Datenbank mitprotokolliert. Bei rund 400.000 Eins├Ątzen pro Jahr im Bundesland Tirol kamen innerhalb weniger Tage unz├Ąhlige Datens├Ątze mit zum Teil sehr sensiblen Informationen zusammen.

Ein Alarmierungsdatensatz der Tiroler Leitstelle umfasst nicht nur den Namen der jeweiligen Einheit und ein Einsatzstichwort, wie es im analogen BOS-Funknetz ├╝blich war, sondern die Leitstelle ├╝bertr├Ągt bei Rettungseins├Ątzen auch den vollst├Ąndigen Namen des Patienten, den genauen Einsatzort, das etwaige Transportziel sowie einen Code f├╝r eine detaillierte Erstdiagnose, der sich anhand einer von der Leitstelle ver├Âffentlichten Liste, problemlos entschl├╝sseln l├Ąsst. So steht etwa Code 26A22 f├╝r ein Penisproblem, 25A2 f├╝r eine Selbstmordgef├Ąhrdung, 23C5 f├╝r eine Kokainvergiftung, 4B2S f├╝r eine starke Blutung nach Sexualdelikt, 12C1E f├╝r eine schwangere Epileptikerin mit Krampfanfall und so weiter. Die Feuerwehr verwendet ├Ąhnlich detaillierte Codes.“

Auch im Rhein-Neckar-Kreis werden Adresse, Name sowie Einsatzstichworte ├╝bermittelt: Dabei erf├Ąhrt man, ob es sich beispielsweise um ein internistisches, gyn├Ąkologisches Problem handelt, erf├Ąhrt Informationen zur Dringlichkeit. BET hei├čt beispielsweise Behandlung (BE) und „T“ steht f├╝r „terminiert“. Oft werden hier auch weitere Informationen ├╝bertragen.

Ob die verungl├╝ckte Person damit einverstanden ist, dass medizinische Details und andere Informationen an die ├ľffentlichkeit gelangen, interessiert dabei nicht. Es geht darum, als erster vor Ort zu sein und „exklusive Bilder“ machen zu k├Ânnen, es geht um Sensationsjournalismus.

Auch bei den Feuerwehren werden diese Informationen im Klartext ├╝bermittelt. Noch – zur Zeit laufen vorbereitende Arbeiten zur Digitalisierung des Funks, der dann k├╝nftig verschl├╝sselt ├╝bertragen werden soll. Auf dem K├Ânigsstuhl wird eine Station auf dem ehemaligen AFN-Mast errichtet, weitere Basisstationen werden im Gebiet Rhein-Neckar-Kreis, Heidelberg und Mannheim im Laufe des n├Ąchsten Jahres errichtet.

Bis das neue System l├Ąuft, ist es offen – dass hei├čt, jeder, der technisch ein wenig versiert ist, kann mit einer Investition unter 100 Euro in entsprechende Ger├Ąte mith├Âren.

Absurd: Zwar wird k├╝nftig irgendwann, voraussichtlich in eineinhalb bis zwei Jahren, die Kommunikation der BOS, also der Beh├Ârden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, verschl├╝sselt ├╝bertragen. Aber im Gegensatz zu Hessen, wo eine Alarmierung ├╝bers digitale Funknetz angestrebt wird, bleibt Baden-W├╝rttemberg beim POCSAG – das kann theoretisch auch verschl├╝sselt werden, aber nur, wenn alle Empf├Ąnger darauf abgestimmt w├Ąren. Das ist nur bedingt m├Âglich, deshalb m├╝ssten neue Ger├Ąte angeschafft werden, das kostet Geld – ob es zur Verf├╝gung gestellt wird, bleibt abzuwarten.

RNF-Bericht ├╝ber B├╝rgerveranstaltung


Guten Tag!

Heddesheim, 23. September 2009. Der Sender RNF hat einen Beitrag ├╝ber die B├╝rgerveranstaltung vom 18. September 2009 gebracht.

Hier geht es zum Beitrag: B├╝rger kritisieren Speditions-Neubau

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

„Unvertretbares Risikopotenzial“


Leserbrief: Karlheinz M├╝hl

Guten Tag Herr Siegelmann,

zu Ihrer Moderation zum Thema Pfenning Ansiedlung in Heddesheim, erlaube ich mir – wie angeregt – folgende Ausf├╝hrungen zu machen.

Warum Widerstand erst jetzt?

In Heddesheim wird die sogenannte Basisdemokratie praktiziert. Der Fl├Ąchennutzungsplan wurde streng geheim erstellt, so rasch wie nur m├Âglich in das erforderliche Genehmigungsverfahren gegeben, da man genau wusste, ist das Genehmigungsverfahren in die Wege geleitet, besteht nach den Vorschriften der Gemeindeordnung keine M├Âglichkeit mehr, rechtlich relevante Schritte gegen die getroffene Entscheidung in die Wege zu leiten.

Gehandelt wurde nach dem Motto: „Entscheidung der Verwaltung (B├╝rgermeister) und des Gemeinderates haben die B├╝rger gef├Ąlligst zu akzeptieren. Sinngem├Ą├če Ausf├╝hrungen von Herrn Dr. Doll, CDU-Fraktion-Vorsitzender und Gemeinderatsmitglied in Heddesheim. Siehe hierzu auch Belehrungsartikel im Gemeindeblatt Heddesheim.

Ansiedlungsproblematik

Die Verkehrssituation in Heddesheim ist katastrophal, wird durch die Ansiedlung weiter zunehmen, eine L├Âsung vor 2020 ist nicht in Sicht und kann mit noch so zahlreichen Gutachten und Basar-Einrichtungen nicht wegdiskutiert werden.

Die Aussage von Herrn Nitzinger, die Mitarbeiter aus Viernheim k├Ânnten ihren Arbeitsplatz ja per Fahrrad erreichen, l├Ąsst man besser kommentarlos.

Es handelt sich hier um ein Projekt, das eindeutig in die Kategorie Industrieansiedlung – wenn auch nicht produziert wird – geh├Ârt und deren Ansiedlung in Heddesheim vollkommen fehl am Platze ist.

Der Spedition-Logistik-Branche, geht es derzeit „ja so gut“, dass bundesweit tausende von LKW stillgelegt werden mussten. Das bedeutet doch, dass ein sehr gro├čes ├â┼ôberangebot in diesem T├Ątigkeitsbereich vorhanden ist.

Der Mannheimer Morgen hat am 26.05.09 in dem Artikel „Wie die Krise Transport und Logistik-Unternehmen trifft“, ausf├╝hrlich berichtet.

Hiervon d├╝rfte auch die Fa. Pfenning nicht ausgenommen sein. Nach eigenen Angaben sind bereits heute R├Ąumlichkeiten (Unternehmen mit 40 Besch├Ąftigten) weiter- bzw. untervermietet.

Zur Auftragslage f├╝hrte Herr Nitzinger aus, mal sehen, vielleicht arbeiten wir in einer Schicht, vielleicht auch in zwei Schichten oder sogar vielleicht in drei Schichten.

Sehen so pr├Ązise Angaben aus?

Die Bewerber, wer dies neben der Fa. Pfenning und Herrn Martin Pfenning auch sein m├Âge, treten mit der Aussgae auf den Plan: „Wir“ investieren 100 Mio Eur, in Worten: Einhundert Millionen. Bei einer solchen Gr├Â├čenordnung muss schon erlaubt sein, nach dem Finanzierungsmodell zu fragen.

In dieser Sache h├Ąlt man sich sehr bedeckt. Sollte diese Meinung vertreten werden, das geht die ├ľffentlichkeit nichts an, sollte man sich nicht wundern, wenn Zweifel an der Bonit├Ąt aufkommen w├╝rden.

Gewerbesteuer die gro├če Unbekannte und was steckt hinter der Geheimniskr├Ąmerei? Gewerbesteuer f├Ąllt an, wenn gro├če Gewinne erzielt werden. Soweit bekannt, soll die Phoenix GbR bereits Eigent├╝merin der Gewerbefl├Ąche sein. Die Phoenix GbR wird die Fl├Ąche nach den bisher grafisch dargestellten Pl├Ąnen bebauen und den gesamten Komplex an Pfenning-Logistics und weiterer Tochterfirmen verpachten.

Nachdem es steuerrechtlich zul├Ąssig ist, durch die H├Âhe der angesetzten Pacht, Miete und Nutzungszahlungen die Gewinne der auf dem Gel├Ąnde angesiedelten Unternehmen entscheidend zu beeinflussen, werden Gewinnausweisungen die der Gewerbesteuer unterliegen, nur in sehr geringem Umfang – wenn ├╝berhaupt – erfolgen.

Es ist davon auszugehen, das die Vertr├Ąge der Grundst├╝cksgesellschaft so gestaltet werden, dass die Einnahmen aus den Pacht- und Mietverh├Ąltnisse ebenfalls keiner Gewerbesteuer unterliegen. Nur nebenbei, Kleingewerbe und Handwerksbetriebe haben solche M├Âglichkeiten nur in besonderen Ausnahmef├Ąllen.

Sicherheit

Durch die Nutzung von vierzig Tausend Quadratmeter als Chemielager und der damit zwangsl├Ąufig verbundenen zahlreichen Gefahrguttransporten, wird die Bev├Âlkerung und die zahlreichen kleinen und gro├čen Besucher unserer Freizeiteinrichtungen (Eisstadion, Badesee usw.) einem Risikopotential ausgesetzt, das nicht zu vertreten ist.

Wo mit Chemikalien umgegangen wird und gelagert werden, sind St├Ârf├Ąlle nicht auszuschlie├čen. Ich habe noch nie davon geh├Ârt und auch keine Ausf├╝hrungen dar├╝ber gefunden, dass Giftwolken von einem Wohngebiet oder Freizeiteinrichtungen Halt machen. Diese sind gerade mal 700 Meter entfernt.

Es w├Ąre schon interessant zu erfahren, wie viele Personen aus dem Bef├╝rworterkreis sich ├╝ber Chemielager St├Ârf├Ąlle, z.B. bei der BASF-Werksfeuerwehr und deren Auswirkungen auf die Gesundheit bei der Berufsunfall-Klinik Ludwigshafen informiert haben bzw. sich noch informieren werden.

Folgekosten der Chemielageransiedlung, Anschaffung eines Chemiel├Âschzuges, Schutzanz├╝ge und Schulungen f├╝r die Feuerwehr spielen f├╝r die Gemeinde offensichtlich keine Rolle. Zu diesem Thema noch eine Randbemerkung: Baugenehmigungen f├╝r 18 Meter hohe Lagerhallen werden erteilt, ein Drehleiter-Fahrzeug steht der Feuerwehr nicht zur Verf├╝gung.

L├Ąrmbel├Ąstigung

Es wird rund um die Uhr gearbeitet. Bedeutet: n├Ąchtlicher LKW und PKW-Verkehr (Schichtarbeiter). Das Unternehmen erh├Ąlt Bahnanschluss – im Hallenbereich bis zu drei Gleise – Der G├╝terverkehr der Bahn rollt ├╝berwiegend nachts. Somit erfolgen auch n├Ąchtliche Rangier- und Entlade-Arbeiten auf dem Gel├Ąnde der Fa. Pfenning und Co.. F├╝r die Bewohner im ├Âstlichen Teil von Heddesheim und den Bewohnern des Gewerbegebietes, ├╝bersteigt diese zus├Ątzliche L├Ąrmbel├Ąstigung jegliche Zumutbarkeitsgrenze. Eine weitere Tatsache, die daf├╝r spricht, dass diese Ansiedlung nicht in eine Wohngemeinde wie Heddesheim, sondern einen Industrie-Park geh├Ârt.

Arbeitspl├Ątze

Leider ist es heute gang und g├Ąbe f├╝r Forderungen aller Art, das volkswirtschaftliche Kapital „Arbeit“ als Druckmittel einzusetzen und mit dem Arbeitsplatzproblem Erpressungsversuche zu unternehmen. Auch die Gemeindeverwaltung/B├╝rgermeister und Teile des Gemeinderates bedienen sich hier dieser Mittel.

Paradebeispiel daf├╝r, die Fragestellungen zur B├╝rgerbefragung. Insbesondere die Frage 3, die eindeutig als Suggestivfrage zu bewerten ist. Zu pr├╝fen w├Ąre noch, ob eine solche Suggestivfrage nach dem Kommunalwahlrecht in ├Âffentlichen Auseinandersetzung ├╝berhaupt zul├Ąssig ist.

Fazit: Diese Ansiedlung bringt nach meiner Meinung der Gemeinde Heddesheim und ihren Bewohnern mehr Nach- als Vorteile und daher kein „roter Teppich“ f├╝r die Bewerber.

Dokumentation: „Streit in Heddesheim“ – Vollst├Ąndige Abschrift RNF-Sendung „Zur Sache“

Guten Tag!

Heddesheim, 18. August 2009. Auf vielf├Ąltigen Wunsch unserer Leser stellen wir die komplette Abschrift der RNF-Sendung „Zur Sache“ zum Thema „Streit in Heddesheim“ online.

Die Sendung „Zur Sache“ des Regionalsenders RNF zum Thema „Streit in Heddesheim“ hat f├╝r viel Aufregung gesorgt, vor allem bei Gegnern des geplanten „Pfenning-Projekts“.

Grund der berechtigten Aufregung: Die unverhohlen tendenzielle Moderation des Senderchefs Bert Siegelmann, der keine Gelegenheit auslie├č, die Unternehmensgruppe Pfenning zu loben und die Gegner zu diskreditieren.

Die Abschrift der einst├╝ndigen Sendung hat acht „Arbeitsstunden“ an Zeit gekostet und wurde von drei Autoren vorgenommen: besten Dank an dieser Stelle f├╝r die unentgeltliche Unterst├╝tzung!

Danach wurde das Protokoll nochmals mit der Sendung verglichen. Die Redaktion gibt das Protokoll frei, da keine wesentlichen Fehler zu entdecken waren. Sollten Sie einen finden, bitten wir um Hinweise unter: redaktion (at) heddesheimblog.de.

Wir ver├Âffentlichen das Protokoll wie immer unter dem Aspekt der gr├Â├čtm├Âglichen Transparenz. Urspr├╝nglich hatte die Redaktion nur Zitate im Wortlaut extrahiert, um den Leserinnen und Lesern einen (trotzdem sehr umfangreichen) ├â┼ôberblick zu geben.

Weil aber viele Leserinnen und Leser anscheinend „Schwarzbrotliebhaber“ sind, ver├Âffentlichen wir die kompletten 18 Seiten. „Schwarzbrot“ nennt man in der Journalisten-Branche solche Texte, an denen Leser schwer zu kauen haben… weil sie anstrengend sind.

Als dann – viel Spa├č beim Durchkauen!

Download: RNF „Zur Sache“: „Der Streit in Heddesheim um Investitionen und Arbeitspl├Ątze“

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

„Wie ma den Pfenning-Karre ausm Dreck ziehe konn und den Mischel am beschde glei mit“ – wei├č K. Eulenspiegel

Satire

Ihr Leit, ihr Leit, des wird jo immer doller mit unserm Hellese -womit ausnahmsweis emol net die Schwarzkiddel-Fragzion gem├Ąnt ist. Jetzt simma also schun im Fernseh, wenn ach bloos im RundumNixFernseh, kortz RNF. Isch heb mer die Sendung├é┬á├é┬ájo zweemol ageglotzt, so uglaablisch fand isch die – awwer do muss isch e bissl weider aushole.

Also do hock isch neilisch mol widder bei meim Duzfreund Kessler. Bin eigendlisch bloos zuf├Ąllisch uff n Schoppe vorbeikumme,├é┬ádo sitzt der Mischel schun mit dem Nitzinger und dem Siegelmann zsamme und die sinn was am Ausbaldowern.

Als alder Kumbel├é┬áhewwisch mit an de Disch gederft. Es ging, wie mir schnell klar worre is, um die Frog, wie ma den Pfenning-Karre ausm Dreck├é┬áziehe kann und den Mischel am beschde glei mit. Der Siegelmann hot sich erscht e bissel dumm gschdellt, bis de Nitzinger├é┬á├é┬ágsacht hot: bass uff, in dere Sach hot de Karl-Mardin jetzd die Schpendierhosse a, do is fer eiern Schuppe e komplett neie├é┬á├é┬áTechnik drin (do klemmts). Do kennder endlisch emol Fernseh wie die gro├če mache. Uff ├Ąmol werd der Siegelmann kreadiv und gschpr├Ąchisch.

Hot a inzwische jeder schun de zwedde Schoppe vor sisch ghabt. „Also“, seggt der Chef-Babbler vum RundumNixFernseh, „mir mache e Sendung aus unserer Serie ‚Zur Sache‘, und damit die Leit des fer objekdiv halte, lade mer verschiedene Gescht dezu ei: de Nitzinger nadirlisch und disch, Mischel, des is klar, und ├Ąner vun de Metropol-Region, und dann, des muss sei,
├Ąner vun de Griene.“

„Ha“, seggt de Mischel, „m├Ąnscht net, des is e bissl arg blumb-├Ąseidisch un fallt uff?“ „Ach was“, wischt der Chef-Babbler des vum Disch, mit Euro-Zeiche in de Aache, „bass uff, der Clou kummt doch erscht noch. Du, Mischel, geescht bei dere Sendung mol sch├Ą in Deckung, sagscht net zuviel, br├Ąsendierschd dich als Awalt der verkehrsbeuruigde Birger, greifscht a sunscht e paar Fomulierunge vun de Penning-Gegner uff und machschd se dir zu eigen, sowas wie ‚Nadirlisch derf ├Ą neies├é┬áProjekt unsen Ort net erdrigge‘ oder so, und gibscht sogar emol dem Nitzinger├é┬á bissel Kontra. Dodefir bring isch als Moderador ├é┬á-weesch, der derf alles, zumal, ├Ąh, wenner, ├Ąh, Moderador un Senderchef is, haha! Also, ├Ąh, isch bring alles, ├é┬áwas normal dei Sach w├Ąr, un dodemit is es gsacht oder so ergendwie,“ schdeht uff un fuchtelt begeischdert mit de Arme, „un a noch als scheinbar neutrales Argument, aawwer du bischd aus der Schusslinie! Klor, gell? Kumm, schenk noch ├Ąner ei!“

Alle hawwe gl├Ąnzende Aache, awwer bevor de Schoppe nochemol gfillt worre is, hawwisch misch verabschied. Hab uff’m H├Ąmweg noch vor misch hi gelacht und zu mir gsacht: Gott, hawwe die gsoffe, und morge is wieder alles vergesse.

Bis isch dann am Wocheend die Sendung gsehe hab. Mein liewer Mann, was e perfekdie Umsetzung fun dere Frog, Wie ma den Pfenning-Karre ausm Dreck ziehe konn!

M├Ąnt

Eiern

K. Eulenspiegel ├Ąxklusif fers heddesblok

Zitate aus der RNF-Sendung

Guten Tag!

Heddesheim, 15. August 2009. Das heddesheimblog dokumentiert wesentliche Zitate der Teilnehmer der RNF-Sendung „Zur Sache“ mit dem Titel „Streit in Heddesheim“. Die Zitate sind nicht bearbeitet, sondern w├Ârtlich.

Dokumentation: heddesheimblog

Michael Kessler, B├╝rgermeister

„Da wohnen auch Menschen, aber ich m├Âchte nochmal zum Thema Verkehr, weil das ja das emotional zentralste Thema ist. Um das zu verstehen muss man wissen, dass wir in Heddesheim seit vielen Jahr ein Verkehrsproblem haben. Wir sitzen wie die Spinne in einem Netz im Zentrum und auf Heddesheim zu laufen eben aus verschiedenen Richtungen klassifizierte Stra├čen in die Ortsmitte hinein und treffen sich am Rathaus. Das sind alles Landes- und Kreisstra├čen. Und wir haben, gerade in den letzten vier, f├╝nf Jahren sp├╝rbar einen deutlichen Zuwachs an Schwerlastverkehr in Heddesheim.

Ich denke, es is, da haben die B├╝rger ein Anrecht drauf, das war auch immer in den Diskussionen im Gemeinderat ein ganz wichtiges Ziel und auch gegen├╝ber der Firma Pfenning ne Argumentation, dass wir mit dieser Ansiedlung auf keinen Fall weiteren Verkehr im Ortskern haben wollen und wir dies durch verschiedene Ma├čnahmen erreichen m├╝ssen.

„Heddesheim hat ein Verkehrsproblem.“
B├╝rgermeister Michael Kessler

Das gibts verschiedene Aktivit├Ąten der Gemeinde in den letzten Jahren. Das wurde leider immer abschl├Ągig beschieden. Es ist schwierig, weil es keine Umfahrungsm├Âglichkeit gibt um Heddesheim herum, das w├Ąre sehr weitr├Ąumig zu erzielen ├╝ber die Autobahnen. Der andere L├Âsungsweg ist die Umgehungstra├če in Heddesheim, die seit vielen Jahren nat├╝rlich auch Thema ist, gemeindepolitisch und da gibt es gute Signale, dass wir im Laufe des n├Ąchsten Jahres in eine Planungsphase kommen, die Planfeststellungsphase und insofern schon in die (sucht nach Worten) mittlere Zukunft schauen k├Ânnen, dies zu realisieren.

Es w├Ąre f├╝r eine Gemeinde unserer Gr├Â├čenordnung finanziell gar nicht darstellbar ein solches Gel├Ąnde selbst zu erschlie├čen und St├╝ck f├╝r St├╝ck parzelliert zu ver├Ąu├čern, es w├Ąren rie├čige Aufwendungen notwendig, die zwischen 10 und 15 Millionen liegen, der Vorteil einer solchen Ansiedlung eines kompakten Unternehmens liegt auch darin, dass wir keine eigene Infrastruktur aufbauen m├╝ssen, sondern, dass die gesamte innere Erschlie├čung durch das Unternehmen erfolgt und am Ende sogar noch etwas in der Kasse der Gemeinde ├╝brig bleibt.

├╝ber nat├╝rlich m├╝ssen wir das diskutieren, wir k├Ânnen nicht, ich sage im Sinne der Region, bei uns Gewerbeansiedlungen in einer Gr├Â├če umsetzen, die unseren Ort erdr├╝ckt. Das w├Ąre sicherlich falsch, also es muss passen zu unserem Ort und sie hatten die Kleinteiligkeit angesprochen. F├╝r mich war es ├╝berraschend aus dem Gutachten heraus, dass eine Kleinteiligkeit, h├Âhere Verkehrsbelastungen nach sich bringt, die auch gar nicht steuerbar sind, denn dann haben sie keinen Ansprechpartner. Mit der Firma Pfenning gibt es einen Ansprechpartner der gegen├╝ber uns signalisiert hat, dass er bereit ist Vereinbarungen einzugehen, die dies ausschliesst. Und in sofern bin ich guten Mutes dass wir eine Regelung hinriegen, die verl├Ąsslich, f├╝r unsere B├╝rger verl├Ąsslich nachweisen kann, dass ein Schwerlastverkehr und das ist das Hauptproblem in Heddesheim, dass ein Schwerlastverkehr durch Heddesheim, ausgehend von Firma Pfenning, nicht erfolgt.

Also ich sage ihnen mal unseren gesamten Gewerbesteuerkuchen eines Jahres. Der betr├Ągt schwankungsbereinigt, rund 2 Millionen Euro. Also Heddesheim ist eine relativ gewerbesteuerschwache Kommune, wenn ich in die Nachbarschaft schaue.

R├╝ckblickend ist man immer schlauer, ist ganz klar. Es gab gewisse Zw├Ąnge in der Abfolge. Es gab die Standortsuche, die zwischen verschiedenen Gemeinden ablief. Insofern war nat├╝rlich lange Zeit Vertraulichkeit notwendig im Rahmen dieser Suche, das kennen Sie. Auch V├Âgele war so ein Thema. Sicher w├Ąre es r├╝ckblickend vielleicht besser gewesen nach der Bekanntgabe dieser Standortentscheidung vielleicht noch mal breiter die Absichten und Konsequenzen aus dieser Ansiedlung mit dem B├╝rger zu diskutieren an dieser Stelle und nicht erst zu warten bis im April diese B├╝rgerversammlung stattfand.

wir haben ja jetzt ein Dialogverfahren gestartet um mehrere einzubinden, haben auch von Verwaltungsseite, denke ich breit informiert, im Mitteilungsblatt ein breite Informationsschrift, die auch heute noch wenn manÔÇÖs liest im Grund G├╝ltigkeit hat. Es sind nicht viele neue Erkenntnisse seit dem April auf dem Markt und insofern erhoffe ich mir, dass dieser Dialogprozess, aber auch dann noch mal die B├╝rgerversammlung im September Klarheit bringt und und die Strukturen aufzeigt, die warum die Anfrage der Firma Pfenning f├╝r uns so wichtig ist, warum es f├╝r unsere Gemeinde ein Schritt nach vorne ist und die Qualit├Ąten die sie geschildert haben, die Heddesheim ohne Zweifel hat mit seinen vielen ├Âffentlichen Einrichtungen.“

Andreas Schuster, Gemeinderat B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen

„Also ich denke zun├Ąchst Mal das ein entscheidender Punkt sicher ist, dass das Ganze kommunikativ nicht so aufbereitet wurde wie es wie es sollte. Wir haben hier die Situation, dass die B├╝rger den Eindruck bekommen, sie werden von der Entwicklung abgeh├Ąngt. Die haben viele Vorbehalte, die ich zu vielen Aspekten auch nachvollziehen kann gegen├╝ber das Projekt. Es ist eine sehr gro├če Investition. Wir reden hier ├╝ber eine gro├če Fl├Ąchenversiegelung. Wir haben das ganz gro├če Thema Verkehr, was die B├╝rger sehr be├Ąngstigt und die Kommunikation lief aber weitestgehend an den B├╝rgern vorbei.

Nur weil ich das auch f├╝r Logistik ausgeschrieben habe, hei├čt das nicht, dass das die einzige logische Konsequenz ist, genau in dieser Gr├Â├če, genau dieses Unternehmen, in dieser Form da hin zu bringen. Also, da ist durchaus in der Entwicklung ein Spiel und wie Sie v├Âllig richtig sagten, dass Ganze wird dann konkret, wenn die Pl├Ąne gemacht werden.

Wir reden hier ├╝ber zwei verschiedene Sachen. Wir reden einmal ├╝ber die Nutzung des Gel├Ąndes. Die Nutzung des Gel├Ąndes ist verabschiedet und so vereinbart. Und an der Nutzung des Gel├Ąndes als Gewerbefl├Ąche r├╝ttelt auch keiner mehr. Das ist eine Vereinbarung, die getroffen wurde.
Nur, was ich auf diese Fl├Ąche tue, kann ganz unterschiedlich aussehen. Eine M├Âglichkeit ist es, einen gro├čen Logistikdienstleister dorthin zu stellen. Es gibt aber eine Vielzahl von M├Âglichkeiten. Der Fl├Ąchennutzungsplan schreibt nicht vor, wie viele Unternehmen oder welche Unternehmen sich da drauf setzen.
Momentan wird auch jetzt in der Diskussion quasi der Umkehrschluss gezogen, das ist als Gewerbegebiet ausgewiesen, also kann nur das Projekt Pfenning die einzige M├Âglichkeit sein. So ist das aber nicht.

Dieser Verkehr flie├čt aus diesem Gewerbegebiet hinaus und beeinflusst nat├╝rlich – Sie leben ja nicht in einer Blase, die an die Autobahn angekn├╝pft ist – dieser Verkehr wird langfristig und mittelfristig bereits auch schon die gesamte Region betreffen.

Sie haben ja selbst gesagt, gibt es gewisse Schwankungen, die damit eingespielt sind und f├╝r denjenigen, der in Heddesheim wohnt oder der dort in der Gegend, sag ich mal, verhaftet ist, sind ist ja auch nicht nur der Regelfall, der ja auch im gewissen Masse hypotetisch ist, auch ein Gutachten ist nicht in der Lage in die Zukunft zu sehen, auch nicht der Regelfall,nur das, was ihm Sorgen macht, sondern er fragt sich nat├╝rlich auch, was passiert denn zum Beispiel, wenn Stau ist auf der A5, was passiert denn, wenn zum Beispiel es tats├Ąchlich zu einer ├â┼ôberlastung in dem Kreisels kommt, der dort dann dort irgendwann gemacht ist.

was passiert zum Beispiel, in gewissen Sto├čzeiten, Sie werden mir sicher Recht geben, wenn ich sage, dass die LKWs nicht genau exakt ├╝ber den Tag verteilt zu allen Zeiten kommen. Morgens kommt der Verkehr der Arbeitnehmer noch hinzu, die dort hinkommen, genauso gut in den Feierabendstunden, was ist in solchen Situationen, wir haben in vielen anderen Beispielen, die es auch gibt, genau dann n├Ąmlich so einen ├â┼ôberlastungsfall, wo die Leute sich dann eine Alternative suchen. Und der LKW-Fahrer, der ein festes Ziel hat und einen feste Zeitvorgabe hat, der wird im Zweifelsfall wird der den Weg des geringsten Widerstands gehen und wird seine Ladung ans Ziel bringen wollen.

„Das Thema spaltet die B├╝rger, das geht durch Vierteil, durch Familien durch.
Und viele f├╝hlen sich abgeh├Ąngt.“ Andreas Schuster, Gemeinderat

Wir haben auch Kontakt aufgenommen mit vielen Herstellern von Navigationssystemen und stellen fest, dass bei sehr vielen Systemen, dieser Ortskern, wie in anderen F├Ąllen, gar nicht ausgenommen wird, das hei├čt, er wird in die normale Routenplanung eines Navigationssystems eingepflegt und wird dementsprechend befahren. Das k├Ânnen Sie mit Ihrem eigenen Navigationssystem gerne mal probieren.

Niemand bezweifelt dass dieser Standort aus Perspektiven des Unternehmens geeignet gut geeignet ist. Und es bezweifelt auch niemand, dass aus der Perspektive von einer Entfaltung eines B├╝rgermeisters, der bestrebt ist, solche Unternehmen in die Region zu holen, das es ein sehr attraktives Angebot ist. Sie haben eben mal kurz den B├╝rger ins Spiel gebracht. Der ist dann wieder ziemlich schnell abgesoffen.

Aber eins ist ganz klar, ich bin dort gew├Ąhlt worden, auch vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion, um ein gewisses Klientel zu vertreten. Um die Meinungen dieses gewissen Klientels zu vertreten. Sie haben vollkommen Recht, das ist nicht die einzige Aufgabe, man muss abw├Ągen, man muss nat├╝rlich aber auch die Bedeutung f├╝r die Gemeinde f├╝r die Zukunft immer im Blick behalten. Aber das ist die Aufgabe. Und wenn ich mir einen zentralen Punkt daraus rausgreife, dann ist das ganz klar, dass ich versuche das besser zu machen, was vielleicht in der Vergangenheit nicht optimal gelaufen ist. Sie haben es schon angesprochen Herr Kessler, dass n├Ąmlich die B├╝rger in dieser Diskussion nicht nur unzureichend informiert, sondern auf die eine andere Weise abgeh├Ąngt worden sind. So f├╝hlen sie sich zumindest.

wir haben momentan eine so eine gro├če Diskussion seit Anfang des Jahres, die hat es glaube ich in Heddesheim, solange ich dort wohne, nicht gegeben, die spaltet die B├╝rger wirklich ganz tief in zwei Lager. Das geht mitten durch Viertel durch, das geht durch Familien durch und diese Unzufriedenheit, diese Angst muss man irgendwie auffangen.

Deswegen war ich prinzipiell, bin ich daf├╝r, dass der Dialogprozess fortgef├╝hrt wird. Ich beobachte aber auch, dass er nat├╝rlich in seiner Form von den B├╝rgern angegriffen wird und was da durchschimmert, ist einfach ein gewisses, ist einfach ein gewisses Misstrauen, das entstanden ist und zwar nicht von heute auf morgen gegen├╝ber der Vorgehensweise und nat├╝rlich auch gegen├╝ber dem Unternehmen Pfenning.

Also jeder, der, sag ich mal Ihr Unternehmen per se versucht zu diskreditieren oder Personen angreift, dass ist nat├╝rlich, dar├╝ber m├╝ssen wir nicht diskutieren, dass ist v├Âllig unsachlich. Aber die m├Âglichen Folgen, die sich f├╝r die Leute die dort wohnen, abzeichnen, f├╝r die B├╝rgerinnen und B├╝rger, machen den Leuten Angst.“

Uwe Nitzinger, Gesch├Ąftsf├╝hrer KMP Holding GmbH („Pfenning“)

„Es ist in der Tat unser Wunschstandort nach Pr├╝fung mehrerer Standorte unter Anlegung der unterschiedlichsten Kriterien, die wir f├╝r eine solche Ansiedlung haben, kam unterm Strich Heddesheim als der optimal geeignete Standort heraus und deswegen k├Ąmpfen wir daf├╝r, dass wir das, was wir dort vorhaben dort auch umsetzen k├Ânnen.

Also wir sehen uns durchaus in der Lage durch organisatorische Ma├čnahmen den Verkehr auch auf der Ringstra├če auf Null zu bringen, indem wir mit unseren Fahrern entsprechend reden, die entsprechende Vereinbarungen reingeschrieben bekommen, genauso wie mit unseren Subunternehmern.
Und wir k├Ânnen uns durchaus vorstellen, da sind wir ja auch mit dem B├╝rgermeister im Gespr├Ąch, wie so etwas handhabbar ist, dass wir uns auch gewissen Regularien unterwerfen, wenn das Thema Verkehr so ein Thema ist – haben wir auch erst lernen m├╝ssen im Zuge der Planungen, dass Verkehr ein Thema ist in Heddesheim, habs dann auch selbst erlebt.

„Heddesheim ist f├╝r uns der optimale Standort.“
Uwe Nitzinger, „Pfenning“

Punkt Eins, was passiert bei Stau, die LKWs haben ein Navi im Auto, in der Regel auf den Modus dynamische Route geschaltet, das hei├čt, wie komme ich am schnellsten an mein Ziel. Am schnellsten komme ich an mein Ziel, wenn ich die Fernstra├čen nutze und, wenn ich den Vorschl├Ągen folge. Die Vorschl├Ąge, wenn ich nach Stuttgart fahren will, f├╝hren bestimmt nicht durch Heddesheim, sondern die f├╝hren im Zweifel, wenn ├╝berhaupt, wenn sie ├╝berhaupt von der Autobahn runtergelotst werden, an einer parallelen Verkehrsf├╝hrung an der Autobahn vorbei. Also, da wird keiner durch Heddesheim fahren, um dann nach Stuttgart zu kommen.

das Thema neu und alt, diese Diskussion f├╝hren wir nicht. Weil Arbeitsplatz ist Arbeitplatz und das Vorhandensein eines Arbeitsplatzes hat einen Wert. Sie m├╝ssen auch ber├╝cksichtigen, wir werden hier rund 650 Arbeitspl├Ątze bekommen, davon werden, na 500, 500 eigene sein, 300 je nachdem welche Gesch├Ąfte wir in die Anlage bekommen und ein Teil wird sicher Subunternehmer sein und ein Teil werden wir auch mit Leasingpersonal haben, weil wir Gesch├Ąfte haben, die eine starke Saisonalit├Ąt aufweisen, aber es sind trotzdem Arbeitspl├Ątze.

Die 1.000 Arbeitspl├Ątze, die wir dort schaffen wollen sind abh├Ąngig von der Anzahl der Schichten die man arbeitet, einschichtig, zweischichtig, dreischichtig. Das ist das was wir bei dem was wir uns vorstellen k├Ânnen an Zielkunden, an Gesch├Ąften, die wir f├╝r diese Kunden abwickeln, dort abbilden k├Ânnen maximal, mehr wird nicht gehen.

Man kann sich ├╝berlegen, an die Randlagen der Metropolregion zu gehen. Von der Logistik her sind die Kernlagen eigentlich besetzt. Da muss man nicht sein, da ist alles schon voll. Also Frankfurt, M├╝nchen, Stuttgart, Berlin, Hamburg. Das ist gerade der Charme dieser Unterzentren, dass dort Entwicklungsm├Âglichkeiten sind. Da k├Ânnte Karlsruhe eine Rolle spielen. Da k├Ânnte, weiter im Norden, Darmstadt eine Rolle spielen, aber eigentlich, ganz ehrlich gesagt wollen wir eigentlich schon hier bleiben.

Und lassen sie mich doch eines, da m├╝ssen wir in der Argumentation schon klar sein. Wen st├Ârt es das. Wenn wir sagen, wir k├Ânnen sicherstellen, dass durch diese Ansiedlung kein zus├Ątzlicher Verkehr entsteht? Dann sind es doch diejenigen, die im Gewerbegebiet jetzt schon wohnen und die k├Ânnen nicht „amused“ (am├╝siert, d. Red.) sein, das kann ich nicht verstehen. Aber kann es sein, das einzelne Interessen einiger eine solche Ansiedlung blockieren? Dass die die Erhaltung und Schaffung zus├Ątzlicher Arbeitspl├Ątze blockieren, das kann man ernsthaft nicht wollen.

wir haben den Nachteil, wir produzieren eine Dienstleistung, die kann man nicht auf den Tisch stellen, die ist nicht so hoch, so breit, die hat ne Farbe und riecht und man kann sagen: Gef├Ąllt mir oder gef├Ąllt mir nicht. Da ist zu einem Gro├čteil vertrauen erforderlich. Das ist ja auch das, was wir unseren Kunden verkaufen. Ein Leistungsversprechen. Und wir arbeiten daran, dass man von Seiten der Gemeinde uns auch so in die Pflicht nehmen kann, mit Restriktionen, dass die B├╝rger uns auch wirklich glauben, nachf├╝hlbar glauben k├Ânnen, dass das, was wir sagen auch der Wahrheit entspricht.“

Dr. Felix Gress, Gesch├Ąftsf├╝hrer Metropolregion Rhein-Neckar GmbH

„Ich muss ehrlich gestehen, meinerseits bin ich nat├╝rlich zun├Ąchst mal froh, das ein wichtiges Unternehmen, dass auch eine Wertsch├Âpfung f├╝r die Region erbringt, in der Region bleibt. Das Unternehmen h├Ątte ja auch woanders hin gehen k├Ânnen.

Kann sagen, wir sind ein Logistikstandort oder ein Standort f├╝r nat├╝rliche Energien oder was auch immer und das kann man auch diskutieren und ich finde, da sollten die B├╝rger auch sehr stark mitzusprechen haben. Das ist ihre Gemeinden, sie m├╝ssen entscheiden, was sie da m├Âchten. Aber an jedem Einzelfall die Grundsatzfrage wieder hochzuziehen halte ich f├╝r extrem gef├Ąhrlich und zwar deswegen, weil die, weil das Signal an Investoren kein positives ist. Wir k├Ânnen ja Herrn Nitzinger fragen, ob er die gleiche Prozedur noch mal durchlaufen wollte in einer anderen Gemeinde (Niztinger lacht im Hintergrund) oder ob er sich eine Investition nicht einfacher w├╝nschen w├╝rde

Ich muss auch ehrlich sagen, wenn zu mir ein solches Weltklasse – Unternehmen k├Ąme, ja und ich h├Ątte einen so klaren Plan von einer Gemeinde, ich w├╝rde, das ist der Traumstandort, w├╝rde ich als erstes fragen: Heddesheim, bei dieser N├Ąhe zur Autobahn, bei dieser Infrastruktur die vorhanden ist, w├╝rde das nicht eine sinnvolle Investition f├╝r gem├Ą├č ihren Pl├Ąnen ein einfach sein?

Aber die haben Sie ja festgelegt und daf├╝r sind wir ja dankbar, weil nicht viele Gemeinden so wie Sie, sich da so ein relativ klares Profil f├╝r ihr Gewerbe auch gegeben haben. Damit haben wir Verl├Ąsslichkeit und Chancen die Investoren auch in diese Region zu bringen und zur Wertsch├Âpfung beizutragen.“

Bert Siegelmann, Moderator und RNF-Chef

„Aussenstehende reiben sich ein wenig verwundert die Augen, ist das nun eine Provinzposse ist das eine Kommunikationspanne oder nur der Wunsch einiger B├╝rger im Gr├╝ng├╝rtel der Gro├čstadt Mannheim am liebsten noch ungest├Ârt wohnen zu wollen?

Na gut, in einer anderen Gemeinde, in der Sie so einen Plan kommen, w├Ąren Sie wahrscheinlich schon Ehrenb├╝rger (Nitzinger lacht)r, aber hier haben Sie erkennbar in Stacheldraht gegriffen

Herr Kessler, tue Gutes und sprich dar├╝ber ist so ein alter Spruch. Entweder ist da am Anfang die falsche Tonart gefunden worden oder irgendwas anderes muss geschehen sein, nach diesem ja einstimmigen, nicht-├Âffentlichen Beschluss zun├Ąchst mal… wie auch immer, Sie haben Begeisterung ges├Ąt und Sie haben Skepsis geerntet. Das muss sie kneifen.

Na gut. Herr Schuster, die Gr├╝nen haben diese Skepis dieses, dieses (sucht nach Worten) „Aufbegehren“ in Heddesheim in politischen Einfluss geschickt umgem├╝nzt, erfolgreich umgem├╝nzt, deswegen sitzen Sie jetzt hier auch am Tisch, die Gr├╝nen hier am Tisch und nicht die B├╝rgerinitiative auch noch, weil Sie sehen selbst dieser Tisch hat nur eine begrenzten, begrenzte Zahl von Pl├Ątzen.

Was ist den aus Ihrer Sicht zu Beginn der Diskussion so schief gelaufen, dass nun ein Investor, der am Ende an die 1000 Arbeitspl├Ątze, 100 Millionen und Gewerbesteuern ohne Ende bringen will, dass der fast unter Beifall angegiftet werden darf?

„Das is ja, man kennt ja Pfenning, des is ja, da kommt ja keiner von sonstwo her.“
Bert Siegelmann, Moderator

Fahren die, das ist ja die Sorge, fahren die nun hier durch Heddesheim durch (zeigt auf Tisch, was der Zuschauer nicht sehen kann) oder fahren die dahinten an die Autobahn direkt weg. Nach meinem Verst├Ąndnis ist es ja wohl eher so, dass Speditioner, der die Republik und dar├╝ber hinaus bedient, dass der m├Âglichst guckt, aus den St├Ądten raus zu bleiben..

Dann Pardon, dass ich da insistiere, aber dann verstehe ich nicht, dass Sie jetzt kommen und sagen, dass m├╝ssen wir pr├╝fen, ob das ├╝berhaupt ortsbildvertr├Ąglich, weil ob das jetzt die Firma pfenning logistics ├╝berbaut oder ob das jetzt f├╝nfe ver-├╝berbauen. Am Schluss siehts ├╝berbaut aus, das ist doch klar.

Deswegen frag ich Sie mal: Ist das so, welle Alternative zu dem Arbeitgeber, der 1000 Arbeitspl├Ątze und Gewerbesteuer und Investition bringt – haben Sie den aktuell und k├Ânnen Sie sichs auch leisten zu sagen: N├Â, wollen wir nicht, uns gehts gut genug. Kann ja sein.

Und da sind jetzt genau die Punkte angekommen, wo man sagen muss, da m├╝sste man jetzt mal das Fenster ├Âffnen und l├╝ften, weil das kann ja eigentlich nicht ne Diskussion sein, mit der wir 1000 Arbeitspl├Ątze in der Entwicklung und einen solchen, so ein Pfund, was da eine Gemeinde anananan Land gezogen hat oder ziehen k├Ânnte

Wenn es aber nun dazu kommt, dass man sagt, ok, erkennbar scheinen die 11.000 Heddesheimer der Meinung zu sein, sie wollen so was nicht haben, dann sp├Ątestens m├╝ssten sie sehr schnell aktiv werden, m├╝ssten sagen m├╝ssen mal schauen, dass man dieses Unternehmen hier halten kann.

Die Frage, Herr Kessler ist doch im Grunde die, das hat vorhin Herr Gress auch gesagt, wie man jetzt auseinander h├Ąlt, das was man sich grunds├Ątzlich mal beschlossen hat und wozu man jetzt auch bitte stehen sollte, weil sonst jegliche raumordnerische Planung ja ├╝berhaupt keinen Sinn mehr macht

Weil die B├╝rgerinitiative hats ja leicht, Sie haben ja vorhin gesagt, die sin ├Ą bissl, die gehen da etwas nassforsch ran, mit der Argumenta, das is sozusagen das gute Recht, das ist so. Aber daf├╝r sitzen sie ja auch nicht im Gemeinderat in dieser Form so wie jetzt die Gr├╝nen. Wie ver├Ąndert sich, wie gehen Sie mit diesem m├Âglichen Spagat um?

Die IFOk hat in anderen Bereichen, ist ja auch ein regionales Unternehmen, gute Expertisen und auch f├╝r die schwierigen Sachen und auch was die Region, was die regionale Bildung anging damals. Ok. Gut. Jetzt sitzen da zwanzig oder wieviel drin (zu Schuster), Sie ja auch, es werden mit Sicherheit aus der Sicht der Kritiker wieder die falschen zwanzig sein.

Das is ja, man kennt ja Pfenning, des is ja, da kommt ja keiner von sonstwo her.“

Sendungskritik II – Wie haben sich die RNF-G├Ąste „geschlagen“?

Guten Tag!

Heddesheim, 15. August 2009. Haben die G├Ąste der RNF-Sendung „Zur Sache“ ├╝berzeugt? Wer ist gut, wer schlecht r├╝bergekommen? Hat es sich gelohnt, sich diese eine Stunde f├╝rs Zuschauen Zeit zu nehmen?

Kommentar: Hardy Prothmann

Obwohl der Titel der RNF-Sendung „Zur Sache“ vom Freitag „Streit in Heddesheim“ lautete, hat sich Gott sei Dank niemand „geschlagen“.

Einen Kampf gab es trotzdem – um die Meinungen.

Auch, wenn das vielen „Pfenning“-Kritikern nicht gefallen mag: der Gesch├Ąftsf├╝hrer Uwe Nitzinger hat sich und sein Anliegen, die Ansiedlung des Logistikunternehmens „Pfenning“ in Heddesheim, sehr gut verkauft. Er hat pr├Ązise und klar gesprochen. Was er sagte, hatte Hand und Fu├č. Dass er sich f├╝r die Ansiedlung einsetzt, darf ihm niemand ernsthaft vorwerfen und diese Aufgabe hat er sehr professionell gel├Âst. Was mich nicht verwundert hat – als Interviewpartner habe ich Herrn Nitzinger so kennengelernt.

Kritisch k├Ânnte man anmerken, dass er seinen Bart besser ein wenig gestutzt h├Ątte – so wirkte er trotz korrektem ├âÔÇ×u├čeren ein wenig „stachelig“. Auch die get├Ânten Brillengl├Ąser haben den Zuschauer den Blick in die Augen von├é┬áHerrn Nitzinger├é┬áverstellt, was sicherlich Sympathiepunkte kostet.

Und das ist wichtig beim Fernsehen. In eine Fernsehsendung geht man nicht, um sich sachlich auszutauschen, sondern, um sich zu pr├Ąsentieren und Sympathiepunkte zu sammeln. Fernsehen ist von allen Medien das emotionalste.

Ebenfalls sehr gut hat sich Andreas Schuster „verkauft“. Und zwar als Sympathietr├Ąger. Offener, direkter Blick in die Kamera, gewinnendes L├Ącheln und engagierte Rede zeichneten seine Vorstellung aus. Auch seine Botschaft er gut zum Ausdruck gebracht: Nicht ohne die B├╝rger. ├âÔÇ×u├čerlich war alles korrekt. Kritisch muss man anmerken, dass er vielleicht ein wenig zu sympathisch war und etwas k├Ąmpferischer h├Ątte sein k├Ânnen.

Der B├╝rgermeister Michael Kessler hat ebenfalls einen ordentlichen Auftritt hingelegt. Er hat seine Unterst├╝tzung f├╝r das „Pfenning-Projekt“ klar gemacht, aber sehr deutlich auch Position f├╝r die Gemeinde bezogen. Das muss er tun, weil er erkannt hat, dass seine bisherige b├╝rgerferne Haltung nicht gut in der Gemeinde ankommt. ├â┼ôberrascht hat mich das wenig telegene Auftreten. Herr Kessler ist es gewohnt, fotografiert zu werden und l├Ąsst sich auch sehr gerne fotografieren. Warum er w├Ąhrend seiner Redezeiten so viel auf den Tisch statt in die Kamera geschaut hat, wei├č ich nicht. Dadurch kam er zwar korrekt, aber doch auch unsicher r├╝ber.

├â┼ôber Herrn Gress, Gesch├Ąftsf├╝hrer der Metropolregion GmbH, braucht es nicht viel Worte. Er hat auch korrekt gesprochen, aber der Zuschauer wunderte sich ├╝ber sein Dauergrinsen. War das Unsicherheit oder Selbstgef├Ąlligkeit? Sympathisch geht anders.

├â┼ôber den Moderator Siegelmann ist hier an anderer Stelle schon genug geschrieben worden. Er hat den Kampf gegen seine Eitelkeit schon l├Ąngst verloren, ist fast nicht in der Lage einen auch nur halbwegs geraden Satz zu formulieren und irgendjemand sollte ihm mal sagen, dass er den Finger vom Mund wegnehmen soll, damit man vielleicht die Chance hat zu verstehen, was er sich immer wieder in den Bart murmelt.

Sendungskritik I – Fragen zur RNF-Sendung

Guten Tag!

Heddesheim, 15. August 2009. War die Sendung fair oder unfair? Waren die G├Ąste gut ausgesucht oder nicht? War es eine Pfenning-Werbesendung, ja oder nein? Die Zuschauer der RNF-Sendung „Zur Sache“ haben hier im heddesheimblog schon dazu kommentiert. Wir haben uns die Sendung genau angeschaut und analysiert.

Von Hardy Prothmann

Waren die G├Ąste gut ausgesucht? Und wer hat sie ausgesucht? Gab es Absprachen?

Die wichtigste Frage in diesem Zusammenhang lautet: War der Moderator gut ausgesucht? Diese Frage ist eindeutig mit Nein zu beantworten, weil dessen unverhohlen positive Einstellung („Top-Unternehmen, Top-Steuerzahler, Traditionsfirma, Investor, Arbeitgeber“) gegen├╝ber der Unternehmensgruppe „Pfenning“ jede kritische Frage an den „Pfenning“-Vertreter von vorne herein ausschloss.

Wer die G├Ąste ausgesucht hat, ist nicht bekannt. Vermutlich die Redaktion. Ob es Absprachen gab, ist auch nicht bekannt. Vermutlich ja, weil dies besonders dann auff├Ąllig wurde, wenn der Moderator Bert Siegelmann Fragen an den „Pfenning“-Gesch├Ąftsf├╝hrer Uwe Nitzinger stellte, ebenso wie an den Gesch├Ąftsf├╝hrer der Metropolregion GmbH, Dr. Felix Gress.

Waren die G├Ąste gut ausgesucht? Bei zwei G├Ąsten stellte sich die Frage nicht: B├╝rgermeister Michael Kessler und „Pfenning“-Gesch├Ąftsf├╝hrer Uwe Nitzinger mussten selbstverst├Ąndlich eingeladen werden.

Andreas Schuster war eine gute Wahl, er hat das Anliegen der B├╝rger auf Information verst├Ąndlich „r├╝bergebracht“ und immer wieder darauf verwiesen, dass es Sorgen und ├âÔÇ×ngst gibt und einen Streit im Dorf, f├╝r den nicht die B├╝rger, sondern die Gemeinde verantwortlich ist.

Der Gast Gress fand wenn, dann nur als Unterst├╝tzter der Siegelmann├é┬┤schen These statt: „Die Provinzler m├╝ssen verr├╝ckt sein, dass sie Pfenning gegen├╝ber kritisch eingestellt sind.“

War die Sendung fair oder unfair?

Fair und unfair sind Kategorien, die auf dem Sportplatz mit Regeln gemessen werden. Die Frage lautet besser: Hat die Sendung die Zuschauer umfassend informiert?

Das ist eindeutig mit Nein zu beantworten. 40 Prozent der Sendezeit, also die Redezeit des Moderators Siegelmann kann man als Laudatio auf die Firma Pfenning zusammenfassen und als R├╝ge an die „Provinzler“ in Heddesheim, die nicht wissen, wann Ihnen jemand gut will.

Weitere 30 Prozent pro Pfenning kann man hinzurechnen, wenn man die Aussagen von Nitzinger, Gress und B├╝rgermeister Kessler „einer“ Seite, also Pfenning, zurechnet.

Der B├╝rgermeister hat allerdings einen Teil seiner Wortbeitr├Ąge den B├╝rgern gewidmet und sich f├╝r eine B├╝rgerbefragung positioniert. Musste er auch, denn das haben er und der Gemeinderat vor kurzem beschlossen.

So ergibt die Verteilung Pro und Kontra der geplanten „Pfenning“-Ansiedlung rund 75 Prozent Pro-Sendezeit und 25 Prozent Kontra-Sendezeit.

War das eine Pfenning-Werbesendung?

Vielleicht war das durch den Sender so geplant. Ganz sicher nicht geplant war eine journalistisch einwandfreie Informationssendung, sonst h├Ątte sich der Moderator besser informiert und mehr zur├╝ckgehalten.

Dadurch, dass Herr Schuster sind souver├Ąn den ihm zustehenden Teil der Redezeit sicherte und die Position der B├╝rger vertreten konnte, d├╝rften seine Aussagen bei den B├╝rgern gut angekommen sein.

Die Lobhudelei des Moderators f├╝r „Pfenning“ war schon fast peinlich, was sicherlich auch viele Zuschauer bemerkt haben d├╝rften.

Sollte also eine Werbesendung geplant gewesen sein, d├╝rfte der Schuss nach hinten losgegangen sein. Auch die arrroganten Wortbeitr├Ąge von Herr Gress haben sicherlich die Zuschauer irritiert.

Der B├╝rgermeister hat sich zwar zum Projekt bekannt, aber sich deutlich mit lobenden Worten zur├╝ckgehalten, sondern die Position der Gemeinde eingenommen, zwei Mal sogar Herrn Nitzinger korrigiert und insgesamt klar gemacht, dass „Pfenning“ nur unter Auflagen nach Heddesheim kommen k├Ânnte.

Quantitative Sendungsanalyse II

Guten Tag!

Heddesheim, 14. August 2009. Es gibt qualitative und quantitative Sendungsanalysen. Das heddesheimblog bieten seinen Leserinnen und Lesern beides. Die Redaktion hat sich die RNF-Sendung „Zur Sache“ angeschaut und analysiert. Teil 2

Bei der quantitativen Betrachtung geht es um folgende Fragen:

1. Wie viele Wortmeldungen hatten die einzelnen Teilnehmer der Gespr├Ąchsrunde?
2. Wie viele Worte haben Sie dabei benutzt?
3. Wie hoch war damit ihr Anteil bei der Sendezeit?

In diesem Teil stellen wir die Ergebnisse tabellarisch dar.

Wortmeldungen Anzahl W├Ârter Prozentualer Anteil an Sendezeit
Bert Siegelmann
Moderator
55 3895 41 Prozent
Andreas Schuster
B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen
32 1949 21 Prozent
Uwe Nitzinger
„Pfenning“
32 1628 17,5 Prozent
Michael Kessler
B├╝rgermeister
24 1324 14,2 Prozent
Dr. Felix Gress
Metropolregion
10 493 5,3 Prozent

Grundlage f├╝r die Auswertung ist ein von der Redaktion erstelltes Wortmanuskript ├╝ber 18 DIN-A4-Seiten. Eine andere Methode w├Ąre, die Redezeiten ├╝ber eine Stoppuhr zu messen.

In der Medienwirkungsforschung sind solche Analysen ein wichtiges Instrument, um zu erkennen, welcher „Spieler“ die „Fernsehrunde“ gewonnen hat. Umgekehrt wird bei Sendungen wie den Rededuellen der Kanzlerkandidaten deshalb peinlich genau darauf geachtet, dass jeder dieselbe Redezeit bekommt.

Nicht erfasst in unserer Analyse wurden „├Ąhs“. Die geh├Âren zur gesprochenen Sprache dazu. Festzustellen ist aber, dass der Moderator deutlich mehr „├Ąhs“ benutzte als seine Gespr├Ąchspartner – und damit einen noch h├Âheren Anteil am „gesprochenen Wort“ haben d├╝rfte. Am „├Ąh“-freisten sprach Herr Nitzinger.

Aus redaktioneller Sicht des Senders ist dieses Ergebnis eine Katastrophe. Der Moderator Siegelmann, der eigentlich nur an- und abmoderieren soll, die Personen vorstellen und mit Fragen die Diskussion lenken und bei Bedarf einordnen soll, zieht ├╝ber 40 Prozent der Sendezeit auf sich. Angemessen w├Ąren 10-15 Prozent, h├Âchstens 20 Prozent.

Umgekehrt fand der Gast Gress fast nicht statt: f├╝nf Prozent der Sendezeit muss die Frage erlauben, warum er eigentlich eingeladen wurde.

Andreas Schuster liegt mit seinem Anteil auf Platz 2. In der Sendung redete er wortreicher als Uwe Nitzinger, der eben so viele Wortmeldungen wie Schuster hatte, aber k├╝rzere S├Ątze gesprochen hat.

B├╝rgermeister Michael Kessler kam nicht richtig zu Wort. Als B├╝rgermeister und damit zentraler Akteur zum Thema der Sendung h├Ątte sein Wert deutlich ├╝ber 20 Prozent liegen m├╝ssen.

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog

Quantitative Sendungsanalyse I

Guten Tag!

Heddesheim, 14. August 2009. Es gibt qualitative und quantitative Sendungsanalysen. Das heddesheimblog bieten seinen Leserinnen und Lesern beides. Die Redaktion hat sich die RNF-Sendung „Zur Sache“ angeschaut und analysiert. Teil 1

Bei der quantitativen Betrachtung geht es um folgende Fragen:

1. Wie viele Wortmeldungen hatten die einzelnen Teilnehmer der Gespr├Ąchsrunde?
2. Wie viele Worte haben Sie dabei benutzt?
3. Wie hoch war damit ihr Anteil bei der Sendezeit?

In diesem Teil beantworten wir die ersten beiden Fragen.

siegelmann1

Omnipr├Ąsent: Moderator Bert Siegelmann f├╝hrt mit Abstand bei allen drei Analysepunkten. Quelle: RNF

Der Gewinner bei allen drei Fragen ist der Moderator Bert Siegelmann. Bereinigt um die vielen „├Ąhs“ hat Herr Siegelmann insgesamt 3895 Worte gesagt (mit „├Ąhs“ 5895).

Insgesamt hat er 55 Mal das Wort ergriffen, war also im Schnitt in jeder gesendeten Minuten├é┬ápr├Ąsent.

schuster

Andreas Schuster (Heddesheimer Gemeinderat B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen) belegt Platz 2. Er hat zwar die gleiche Anzahl an Wortmeldungen wie der Pfenning-Gesch├Ąftsf├╝hrer, aber gut 300 W├Ârter mehr gesagt. Quelle: RNF

Andreas Schuster (B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen) hat die Sendung genutzt, um seine Botschaften loszuwerden. 32 Mal ergriff er das Wort und sagte 1949 W├Ârter.

nitzinger

Uwe Nitzinger liegt bei den Wortmeldungen gleich auf mit Andreas Schuster, sagte aber 300 W├Ârter weniger. Quelle: RNF

Uwe Nitzinger, Gesch├Ąftsf├╝hrer der KMP Holding GmbH („Pfenning“), liegt knapp hinter Andreas Schuster. Nitzinger ergriff ebenfalls 32 Mal das Wort, sagte aber nur 1628 W├Ârter. Das ist Platz 3.

kessler

B├╝rgermeister Michael Kessler kommt sowohl mit seinen Wortmeldungen als auch mit den gesagten W├Ârtern nur auf Platz 4. Quelle: RNF

Michael Kessler, B├╝rgermeister der Gemeinde Heddesheim, belegt Platz vier. Er hatte 24 Wortmeldungen und sagte 1324 W├Ârter.

gress

Dr. Felix Gress war fast nicht pr├Ąsent in der Sendung "Zur Sache". Er belegt weit abgeschlagen den letzten Platz. Quelle: RNF

Dr. Felix Gress ist das Schlusslicht und belegt Platz 5. Der Gesch├Ąftsf├╝hrer der Metropolregion Rhein-Neckar-GmbH kam 10 Mal zu Wort und sagte 493 W├Ârter.

Wer ist die Provinz?

Sabine Prothmann lebt seit 13 Jahren wieder in Heddesheim. Schon als Kind lebte sie hier in der Provinz und bekam die Kommunalpolitik aus erster Hand mit: ihr Gro├čvater war ├╝ber viele Jahre Gemeinderat.

Gastbeitrag: Sabine Prothmann

Herr Siegelmann, ich lebe hier in der Provinz und vielleicht bin ich sogar provinziell. Na und? Das st├Ârt mich im Gegensatz zu Ihnen ├╝berhaupt nicht.

Possen findet man in der Comedia delÔÇÖArte und im Wiener Vorstadttheater. Hier hatte das Volk die Freiheit auf kom├Âdiantische Art den „Herrschern“ den Spiegel vorzuhalten und in die Politik einzugreifen. Anders als bei den Volksst├╝cken, die der Zensur vorzulegen waren, konnten die Possen nicht im Vorfeld kontrolliert werden.

Wenn also Herr Siegelmann von einer „Provinzposse“ spricht, sollten wir Provinzler uns als B├╝rger eigentlich geschmeichelt f├╝hlen.

Wenn aber unser B├╝rgermeister von Herrn Siegelmann „auf seine kleine Welt“ angesprochen wird, „die er nicht mehr versteht“, und Herrn Kessler am Ende der Sendung fragt, ob man im Heddesheimer Rathaus hochn├Ąsig gewesen sei, werde ich ├╝ber die Hochn├Ąsigkeit dieses Herrn Siegelmann so richtig ├Ąrgerlich.

Wenn der Chef des RNF-Fernsehens seine Zuschauer auf diese Art und Weise beleidigt, sollte er sich fragen, aus welcher und f├╝r welche Region er eigentlich sendet.

Die Diskussion um die Kommunikationspanne „auf diesem Niveau“, scheint laut Siegelmann, selbst f├╝r Heddesheim, unw├╝rdig zu sein. Was will er uns damit sagen? Das wir unter seinem „Niveau“ sind?

Kein Mensch hat geglaubt, dass diese Diskussionsrunde im RNF zur Kl├Ąrung wichtiger Fragen f├╝hren w├╝rde, aber wir haben immerhin die Zusage, dass die Unternehmensgruppe Pfenning den Verkehr von der Ringstra├če fernhalten kann und wird.

Falls sich die Heddesheimer bei der B├╝rgerbefragung f├╝r Pfenning aussprechen sollten, h├Ątte der Protest der IG neinzupfenning etwas erreicht, was die Gemeinde vers├Ąumt hat.

Herrn Gress von der Metropolregion und seine Arroganz gegen├╝ber uns B├╝rgerinnen und B├╝rgern hat in dieser Runde wirklich keiner gebraucht.

Herr Siegelmann, bleiben Sie doch bitte sch├Ân mit ihrem gro├čen Gro├čstadtfernsehen in Mannheim und lassen Sie uns – von Ihnen ungest├Ârt – in der kleinen Gemeinde im Gr├╝ng├╝rtel der bedeutenden Gro├čstadt Mannheim leben.

Provinzposse oder Kommunikationspanne?

Kommentar: Hardy Prothmann

Der Senderchef Bert Siegelmann fragte sich zur Diskussion um die geplante Pfenning-Ansiedlung, ob es sich beim Heddesheimer Streitthema um eine „Provinzposse oder eine Kommunikationspanne“ handelt?

Die Frage ist gut.

Vor allem, wenn Herr Siegelmann sie sich selbst stellt.

Seine „Moderation“ der Sendung war so unertr├Ąglich, dass sich jeder Zuschauer, „wo auch immer er zugeschaut hat“ (Herr Siegelmann denkt, dass man ihn europaweit sieht), einfach nur fragen konnte: Ist das, was dieser Regionalsender dem Zuschauer bietet einfach nur eine „Provinzposse oder eine Kommunikationspanne“?

Lesen Sie auch: ├âÔÇ×h, Bert – ├Ąh, der ├Ąh, ├Ąh, ├Ąh Siegelmann oderoderoder was auch immer

Link zur Sendung: „Streit in Heddesheim“

├âÔÇ×h, Bert, ├Ąh – der ├Ąh, ├Ąh, ├Ąh Siegelmann oderoderoder was auch immer

Guten Tag!

Heddesheim, 15. August 2009. Der private Fernsehsender RNF hat eine Sendung, die nennt er „Zur Sache“. Die Sendung ist das Aush├Ąngeschild des Lokalsenders, der schon lange „im Gesch├Ąft“ ist, den aber trotzdem au├čerhalb des „Sendegebiets“ niemand kennt. Das hat Gr├╝nde.

Essay: Helle Sema

Der wichtigste Grund, warum es ein kleiner Fernsehsender mehr oder weniger niemals in die Schlagzeilen bedeutender Medien schafft (heute ist eine Ausnahme), ist seine strukturell bedingte Begrenztheit.

Die hat viele Ursachen.

Es gibt, salopp gesagt, keine „gescheite“ Redaktion, die ein Thema, selbst wenn es das „Top-Thema“ ist, ordentlich vorbereitet. Deswegen stellt der Moderator st├Ąndig sachlich falsche Fragen – die auch manchmal einfach nur bl├Âd sind.

Er k├Ânnte sich ja auch selbst vorbereiten, aber wenn er der Chef ist – wie das aber oft bei kleinen, vollkommen unbedeutenden TV-Stationen ist – f├╝hlt er sich als Chef sehr wichtig, er ist ja immerhin Chef und sind Chefs nicht per se wichtig? Und wer wichtig ist, ist grunds├Ątzlich vorbereitet. Auf was auch immer.

Aber das sind „strukturelle Probleme“.

Fernsehen – selbst provinzielles – braucht aber auch Technik. Es gibt bei TV-Sendern in aller Regel eine Regie, die „regelt“ die Bilder, also das, was der Zuschauer sehen kann.

Bei regionalen Provinzsendern sind das oft auch nur Reglerschieber, die vielleicht nur Aushilfskr├Ąfte sind, weil sie fast nie den richtigen Schieber finden, um ein ordentliches Bild zu erzeugen. Vielleicht hat das RNF eine Regie – die muss aber w├Ąhrend der gesamten Sendung auf Toilette gewesen sein.

Und es gibt Kameraleute. Kameramann/- frau war mal ein angesehener Ausbildungsberuf. Ob kleine, provinzielle Sender das Geld haben, um ordentlich ausgebildete Kameraleute zu bezahlen, ist nicht immer ganz klar.

Und dann gibt es auch die Grafik. Das sind Leute, die bereiten Bilder f├╝r die Sendung vor. So was gibt es nicht bei vielen, kleinen, privaten, ums ├â┼ôberleben k├Ąmpfenden TV-Sendern.

Zumindest bei der RNF-Sendung „Zur Sache“ muss man sich fragen, wo eigentlich das Problem ist: Bei den Kameras, bei der Regie, beim Moderator und Senderchef Bert Siegelmann (der vielleicht vorhandenen „Grafik“) oder bei allen zusammen?

Wie ein Moderator, der sprachlich nicht nur schwach, sondern bei jedem Eignungstest f├╝r Moderatoren durchfallen w├╝rde, sich ├╝ber Jahre halten kann, ist nur verst├Ąndlich, wenn man wei├č, dass er der Senderchef ist und auf dem besten Weg, den ├âÔÇ×h-Award zu gewinnen.

Andererseits ist ein Moderator immer so gut wie die Zielgruppe, die er erreichen will. Intellektuelle Moderatoren erreichen intellektuelle Zielgruppen, die meistens klein sind, „beliebte Moderatoren“ erreichen die Massen und verdienen viel Geld und provinzielle Moderatoren erreichen die Provinz und die Kellertreppe darunter – zumindest konnte man beim Auftritt des Herrn Siegelmann schon den Eindruck haben, dass das Thema Heddesheim f├╝r ihn als Mannheimer schon etwas „unter Niveau“ war.

Wenn so ein provinzieller Moderator dann gezwungen ist, sich in den abgelegensten Keller der Provinz zu begeben, zum Beispiel nach Heddesheim, dann packt er an Vorurteilen aus, was er in seinem provinziellen Leben so an Vorurteilen gesammelt hat.

Der Beweis ist die „Moderation“ des Herrn Siegelmann zum Thema: „Der Streit in Heddesheim um Investitionen und Arbeitspl├Ątze.“ Das hat Herrn Siegelmann ordentlich durcheinander gebracht. So durcheinander, dass er kaum einen Satz zu Ende bringen konnte und viele, viele ├âÔÇ×hs benutzen musste, um seine Verzweiflung ob der ersch├╝tternden Zust├Ąnde in der Provinz Herr zu werden.

Dabei will Herr Siegelmann „Meinungsf├╝hrer“ in der Region sein.

Region, dass ist der Zusammenschluss von Provinzen und da Herr Siegelmann der Meinungsf├╝hrer ist, ist er der Entwickler, der ├âÔÇ×h-Mann und sein Team ist ein ├âÔÇ×h-Team.

Vom Dialekt ins Denglische ├╝bersetzt klingt das wie A-Team und A-Man. Also Top. Top als Wort mag Herr Siegelmann sowieso. Und irgendwie ist er als A-Mann f├╝r Provinz-TV auch nicht zu toppen.

Dokumentation:

RNF ├╝ber die Sendung „Zur Sache“:

„Dieses (Fehler im Original, d.Red.) einst├╝ndige Diskussionsrunde im RNF-Studio A hat sich l├Ąngst zum Meinungsf├╝hrer in der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar entwickelt. 3 bis 4 G├Ąste er├Ârtern – meist unter der Gespr├Ąchsleitung von RNF-Programmchef Bert Siegelmann – ein Thema von regionaler Bedeutung: Ohne Unterbrechungen, ohne optische Ablenkung, ohne Filmzuspielungen! Die Sendung vertieft, erl├Ąutert, erkl├Ąrt Sachverhalte und wird jeweils am Freitag live produziert und am Wochenende f├╝nf mal ausgestrahlt. Dies sichert ihr eine hohe Verbreitung und erstklassige Aufmerksamkeit. „Zur Sache“ geht es heftig, mal lustig – am runden Studiotisch wurden schon Wahlen gewonnen – und verloren, Projekte bef├Ârdert und begraben├óÔéČ┬ŽUm dabei sein zu k├Ânnen, wurden auch schon Urlaube und Sitzungen verschoben! Wer in der Metropolregion mitreden will, schaut sich „Zur Sache“ an.“

Programmhinweis: RNF-Sendung „Zur Sache“ widmet sich „Pfenning“-Thema

Guten Tag!

Heddesheim, 13. August 2009. Das Rhein-Neckar-Fernsehen (RNF) hat morgen, am Freitag, den 14. August 2009 um 15:00 Uhr, die Diskussion um das in Heddesheim geplante „Pfenning-Projekt“ im Programm.

In der Diskussionssendung „Zur Sache“ wird Senderchef Bert Siegelmann folgende G├Ąste begr├╝├čen:

  • Dr. Felix Gress, Gesch├Ąftsf├╝hrer der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH
  • B├╝rgermeister Michael Kessler
  • Uwe Nitzinger, Gesch├Ąftsf├╝hrer der KMP Holding GmbH (Pfenning)
  • Andreas Schuster, Heddesheimer Gemeinderat von B├╝ndnis90/Die Gr├╝nen.

Das Thema der Sendung hei├čt: „Der Streit in Heddesheim um Investitionen und Arbeitspl├Ątze.“

Im Anschluss an die Sendung bietet das heddesheimblog ab 16:30 Uhr einen Chat an.

Die Sendung wird vom RNF zu folgenden Sendezeiten wiederholt:
Samstag 10:00 Uhr, 17:00 Uhr, 21:30 Uhr
Sonntag 18:00 Uhr, 22:00 Uhr

Einen sch├Ânen Tag w├╝nscht
Das heddesheimblog