Freitag, 10. Juli 2020

Drucksachen – eine anschauliche „Veredlung“ von Textilien

Guten Tag!

Heddesheim, 06. November 2010. Bekanntlich gibt es in der BĂŒcherei Drucksachen. Am Mittwoch, den 03. November 2010, waren diese in der Heddesheimer GemeindebĂŒcherei von ganz besonderer Art. Rita Weins prĂ€sentierte ihre Drucksachen auf Textilien.

Von Sabine Prothmann

Mit BĂŒgelbrett und BĂŒgeleisen bewaffnet demonstrierte die gelernte Hauswirtschaftsleiterin vor knapp 30 Zuschauern (darunter zwei MĂ€nner) die „Veredlung“ von unifarbenen Textilien. Ob TischlĂ€ufer, Schal oder T-Shirt, hier bekam alles seinen „Stempel“.

Bedruckt oder entfÀrbt wird so die Stangenware zum Unikat.

Antike ornamentreiche Stempel aus Indien, Naturstempel wie BlĂ€tter oder Kartoffeln, Holzlettern aus einer Druckerei oder selbsthergestellte Stempel aus Moosgummi – der Fanatsie und KreativitĂ€t sind keine Grenzen gesetzt.

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Die Leiterin der Heddesheimer GemeindebĂŒcherei Eva Maria Wustmann ĂŒberreicht Rita Weins einen Blumenstrauß - ein gern gesehener Gast.

An diesem Abend zeigte Rita Weins (siehe unser PortrĂ€t von Juni 2009) das EntfĂ€rben der Stoffe: ZunĂ€chst wird ein Malgel aus dem Fachhandel mit dem EntfĂ€rbersalz vermischt. Mit einem Pinsel wird die Masse auf eine glatte Platte aus Glas oder auf eine Kachel gestrichen und mit einer kleinen Kunststoffwalze von dort abgenommen und auf den Stempel ĂŒbertragen. Dabei mĂŒsse darauf geachtet werden, dass das Gel gleichmĂ€ssig und ĂŒberall auf dem Stempel verteilt werde, so Weins.

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Stempel in allen Variationen.

Der Stempel wird auf die gewĂŒnschte Stelle auf den Stoff, hier konkret auf einen TischlĂ€ufer, gedrĂŒckt, Butterbrotpapier wird aufgelegt und das BĂŒgeleisen kommt zum Einsatz. „Ich habe in den vergangenen Wochen tĂ€glich gebĂŒgelt, aber kein Hemd hĂ€ngt im Schrank. Nur gut, dass mein Mann auch bĂŒgeln kann“, sagte Rita Weins lachend.

Die HobbykĂŒnstlerin hebt den Stoff in die Höhe und die Zuschauer sehen das Resultat. Da, wo der Ornamentenstempel aufgesetzt wurde, ist durch EntfĂ€rbung ein wunderschönes Muster entstanden. Rita Weins drĂŒckt weitere Stempel auf, Rosen, Ranken – ein Unikat entsteht und den Zuschauern gefĂ€llt’s.

Die gleiche Vorgehensweise zeigt sie an einem T-Shirt und einem Schal. „Machen Sie immer eine Probe, an einer nicht sichtbaren Stelle“, rĂ€t sie, denn man wisse nie, wie der Stoff reagiert. Geeignet seien vor allem Naturfasern wie Baumwolle, Seide und auch Leinen. Bei einem zu großen Anteil von Kunstfaser mĂŒsse man vorsichtig sein.

„Veredelte“ Textilien zum anschauen, anfassen und kaufen.

Nach knapp 60 Minuten ist die VorfĂŒhrung vorbei, jetzt können sich die Besucher die „veredelten“ StĂŒcke, die in der BĂŒcherei ausgestellt sind, anschauen, anfassen und kaufen. Und viele der Veranstaltungsteilnehmer tun das auch. Schals werden umgelegt, T-Shirts ĂŒbergezogen. Schon nach kurze Zeit sieht man LĂŒcken in Rita Weins Kollektion. Die Besucherinnen sind sichtlich begeistert.

Die HobbykĂŒnstlerin Rita Weins zeigte in der GemeindebĂŒcherei aber auch weitere Kunstwerke: bedruckte Karten und Bilder und abstrakte Arbeiten mit Acryl auf Leinwand. Eine beeindruckende Vielfalt.

Zur Person:
Rita Weins wurde 1965 in Dorweiler im HunsrĂŒck geboren. Nach der Schule machte sie eine Ausbildung zur Hauswirtschaftsleiterin. Seit der Ausbildungszeit autodidaktisches Arbeiten mit Seide und anderen Textilien. Außerdem freies Arbeiten mit Acryl auf Leinwand, vorwiegend im Bereich Drucken, Seit 2000 Mal- und DruckvorfĂŒhrungen. 2004 erste Ausstellung in der GemeindebĂŒcherei Heddesheim. Weitere Ausstellungen in Weinheim bei Art Werk und Waldmichelbach bei Casa Mia. Rita Weins gibt Kurse in Kleingruppen im Hausatelier. Rita Weins lebt seit 17 Jahren in Heddesheim.

Viel Freude mit den Fotos:
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Rita Weins: Als KĂŒnstlerin macht sie Druck

Rita Weins ist KĂŒnstlerin. Aber keine abgehobene, sondern eine ganz praktische. Deswegen lĂ€sst sie andere auch an ihrer Kunst teilhaben und gibt Kurse. Die Teilnehmer nehmen am Ende ihre eigene Kunst mit nach Hause – zum Anziehen, zum Dekorieren – ganz praktisch eben.

PortrÀt: Hardy Prothmann

Rita Weins ist eine fröhliche Frau. Der Grund dafĂŒr ist ein einfacher: „Seit ich Kind bin, entdecke ich die Welt ĂŒber das Handwerk und die Kunst. Wenn ich neue Stoffe oder Techniken entdecke, habe ich einfach Spaß daran, meine Ideen zu verwirklichen.“

„Sich selbst zu verwirklichen ist einfach wunderbar.“ Rita Weins

Sie sagt, ein bisschen sei das wie eine Sucht, diese Suche nach Verwirklichung. Aber eine ohne Nebenwirkungen. Außer der Freude, die sie sich und anderen damit bereitet.

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Rita Weins: Kunst bringt Freude. Bild: pro

Seit fĂŒnfzehn Jahren lebt Rita Weins in Heddesheim. Mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern (18 und 16 Jahre alt). Der Sohn wird im Herbst das Haus verlassen, um eine Ausbildung zu starten – eine kreative.

Rita Weins hat auch frĂŒh angefangen, nicht nur auszuprobieren, sondern sich systematisch mit Kunst zu beschĂ€ftigen – aus beruflichen GrĂŒnden. Sie ist gelernte Hauswirtschaftsleiterin: „Ich habe damals Kurse in kreativem Gestalten gegeben und bin so zur Seidenmalerei gekommen. Seitdem hat mich das nicht mehr los gelassen.“

Die Autodidaktin malt am liebsten auf Wildseide: „Der Stoff fasziniert mich und die vielen Möglichkeiten, ihn zu bearbeiten, ob mit Radierungen, Druck oder Acryl.“

Ausstellung in Heddesheim

2004 hat sie in der Heddesheimer BĂŒcherei ausgestellt: „Die Ausstellung hat mich in Heddesheim bekannt gemacht, dafĂŒr bin ich dem BĂŒcherei-Team sehr dankbar.“

Mittlerweile kann sie sich ĂŒber AuftrĂ€ge nicht beklagen: „Ich habe als freischaffende KĂŒnstlerin zwei Standbeine. Das eine ist die Malerei. Meistens arbeite ich im Auftrag, der Kunde sagt mir also, was er sich vorstellt, wir besprechen das und dann geht es ans Werk.“

FĂŒr die Kunden keine allzu kostspielige Angelegenheit. Rita Weins Werke kosten je nach GrĂ¶ĂŸe und Material 300-700 Euro. In Waldmichelbach hat sie im „Casa mia“ einen Ausstellungsraum.

Als Kursleiterin macht Rita Weins ordentlich „Druck“.

Das zweite Standbein sind Kurse, die sie entweder zu Hause oder in Mannheim gibt: „Zu Hause ist die Zahl auf drei bis vier Teilnehmer begrenzt. In Mannheim gebe ich die Kurse im Kreativshop „Jeromin“. Da sind es dann bis zu acht Teilnehmer.“

FrĂŒher hat sie auch in der VHS Kurse gegeben: „Dort waren die Bedingungen fĂŒr kreatives Arbeiten aber nicht ideal. Es dauert seine Zeit, bis die Teilnehmer „sich eingerichtet haben“ und einen Bezug zum Material haben.

Drei Stunden sind eine gute Zeit fĂŒr die EinfĂŒhrung und manchmal braucht es auch lĂ€nger.“ Ganz feste Zeiten sind deshalb ungeeignet fĂŒr die kreative Arbeit. Auch die Zahl der Teilnehmer war zu groß: „Ich möchte schließlich auf jeden eingehen können und je mehr Teilnehmer es sind, umso weniger ist das möglich.“

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Nach dem Drucken muss gebĂŒgelt werden, damit der Stoff entfĂ€rbt wird. Bild: pro

In den Kursen lernen die Teilnehmer den kreativen Umgang mit Druckstempeln: „Der Textildruck ist ein wunderbarer Einstieg in die Welt des kreativen Gestaltens“, sagt Rita Weins.

„Mir ist dabei wichtig, dass die Teilnehmer ihre eigenen Ideen finden und verwirklichen. Wenn Sie dann nach drei bis vier Stunden wieder nach Hause gehen, haben sie selbst gestaltete T-shirts, Tischdecken, BezĂŒge dabei, an denen sie sich freuen können. Das ist einfach Klasse, wenn die Menschen mit „ihrem“ eigenen „StĂŒck“ nach Hause gehen.“

WĂ€hrend sie erzĂ€hlt, strahlen ihre Augen und dann… muss sie es zeigen. Sie ist eben eine „praktische“.

Alte Techniken, antike Stempel

In ihrem Werkraum prĂ€sentiert sie teils antike indische Stempel, die aus Ebenholz gearbeitet sind – jeder fĂŒr sich ein kleines Kunstwerk. „Die kosten natĂŒrlich mehr Geld, als die modernen Stempel aus Silikon“, sagt Rita Weins.

„Mit den Silikonstempeln kann man auch wunderbar arbeiten, die antiken StĂŒcke sind natĂŒrlich aber einfach schöner und es gefĂ€llt mir, dass sie von der langen Geschichte der Druckkunst erzĂ€hlen.“

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Antike indische Stempel sind selbst Kunstwerke. Bild: pro

Rund 50 Euro kostet eine Erstausstattung mit Stempeln, EntfĂ€rber und Stoffen. Rita Weins hat ĂŒberwiegend Frauen in den Kursen: „Aber ich hatte auch schon reine MĂ€nnerkurse. Viele der Teilnehmer wollen ihre FĂ€higkeiten erweitern, weil sie als PĂ€dagogen oder Lehrer kreativ mit ihren SchĂŒlern arbeiten.“

So wie Rita Weins: „Besonders freue ich mich, wenn ich irgendwo eine „alte Technik ausgraben“ kann und sie selbst lerne.“

So wie ihr Faible fĂŒr Filz. Den Stoff hat sie vor einigen Jahren fĂŒr sich entdeckt und probiert seitdem eifrig das neue (alte) Material aus. Dabei entwickelt sie durchaus Forschergeist: „Filz ist als Kunstmaterial nicht mehr so bekannt, das reizt mich einfach.“

Bildergalerie

Fotogalerie Rita Weins

Alle Fotos: Hardy Prothmann