Donnerstag, 16. August 2018

Politische PR-Berichterstattung – RNZ schweigt

"Mens agitat molem" hat die RNZ als Leitspruch - "der Geist bewegt die Materie". Fragt sich nur, welche Art von Geist gemeinst ist.

Rhein-Neckar, 22. November 2011. (red) Am 17. November 2011 hat die Redaktion auf dem Rheinneckarblog.de aufgedeckt, dass die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) politische PR-Propaganda f√ľr die CDU und Stuttgart 21 macht. Ein Text des CDU-Landtagsabgeordneten Georg Wacker war als redaktioneller Text getarnt in weiten Teilen inhaltlich und sogar wortgleich √ľbernommen worden. Wir haben die Chefredaktion damit konfrontiert und um Auskunft gebeten, ob sich die RNZ noch als unabh√§ngige Zeitung oder als Propaganda-Organ sieht. Die Frage scheint beantwortet.

Von Hardy Prothmann

Angeblich hatte den Text der Redakteur Stefan Hagen geschrieben – schlie√ülich war der Artikel mit seinem Namen gekennzeichnet. Auf R√ľckfrage bei Herrn Hagen hat dieser den Text als seinen eigenen ausgegeben. Zu dumm nur, dass am Tag vor Erscheinen der Ausgabe der mehr oder weniger gleiche Text schon beim CDU-Politiker und fr√ľheren Staatssekret√§r Georg Wacker auf dessen Homepage erschienen war.

Wir haben die Chefredaktion der RNZ um Antwort gebeten, wie es dazu kommen konnte. Seit dem 17. November hatte die RNZ Zeit, zu der brisanten Frage Stellung zu beziehen, ob sich die Zeitung als unabh√§ngig oder als parteipolitisches Propaganda-Blatt begreift. Oder, ob Herr Hagen gar als „Ghostwriter“ f√ľr Herrn Wacker arbeitet und damit tats√§chlich „seine eigenen“ Texte in der Zeitung nochmals ver√∂ffentlicht? Immerhin beharrte er darauf, dass der abgedruckte „sein Text“ sei.

Eine Antwort fehlt bis heute und wird vermutlich auch nicht mehr kommen. Doch auch eine Nicht-Antwort ist eine Antwort. Jede anst√§ndige Redaktion, die sich einem unabh√§ngigen Journalismus verpflichtet f√ľhlt, h√§tte geantwortet und diese vermeintlich unhaltbaren Vorw√ľrfe zur√ľckgewiesen oder im Falle eines Fehlers diesen eingestanden, korrigiert und die n√∂tigen Konsequenzen gezogen.

Nicht so die RNZ-Chefredaktion. Die beiden Chefredakteure schweigen. Kein Dementi, kein Eingeständnis eines Fehlers, keine Erklärung. Nur ein schwaches Wegducken.

Tats√§chlich ist es unerheblich, ob die Zeitung Parteipropaganda f√ľr die CDU oder eine andere Partei macht. Propaganda bleibt Propaganda und hat mit seri√∂sem Journalismus nichts zu tun. Da kann die Zeitung noch so stolz sein, als erste Zeitung 1945 in W√ľrttemberg-Baden gegr√ľndet worden zu sein – mit solchen miesen Methoden rangiert man sich aufs journalistische Abstellgleis ohne Chance auf Anschluss.

M√∂glicherweise versteht man aber unsere Anfrage auch nicht, weil diese Art „zu arbeiten“ mittlerweile der „publizistische Standard“ bei der RNZ ist.

Immerhin: CDU-Mann Georg Wacker „steht zu seiner Interpretation“ und hat auf einen weiteren Bericht von uns reagiert, in dem wir der CDU Weinheim unredliche Stimmungsmache vorwerfen.

Lesen Sie zum Thema:

Nachgefragt: Wie wird aus einer politischen PR-Meldung ein redaktioneller Text in der RNZ?

Wacker steht zu Interpretation der Herrmann-Antwort

Offener Brief an die CDU Weinheim: Unredlich ist, wer falsch Zeugnis ablegt

Plagiator-Formel: Dreist, dreister, Journalist – wie Tageszeitungen tagt√§glich „beschei√üen“


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 12. April 2011. (red) Wenn Tageszeitungen √ľber die Plagiatsaff√§ren „zu Guttenberg“ und aktuell Koch-Mehrin berichten, sollten sie allergr√∂√üte Zur√ľckhaltung √ľben. Denn gerade Zeitungsredaktionen plagieren t√§glich in gro√üem Umfang. Das Schm√ľcken mit „fremden Federn“ geh√∂rt zum Tagesgesch√§ft. Ein Unrechtsbewusstsein darf als „nicht-vorhanden“ bewertet werden.

Von Hardy Prothmann

Dem Betr√ľger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist zu recht die Doktorw√ľrde aberkannt worden. Er hat schamlos und vermutlich vors√§tzlich fremdes geistiges Eigentum anderer Autoren als sein eigenes ausgegeben.

Aktuell steht die FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin in der Kritik. Auch sie soll sich bei anderen „bedient“ haben. Die Plattrom „Vroniblog Wiki“ hat schon auf 32 von 207 Seiten ihrer Doktorarbeit Plagiate entdeckt. Auch Veronica Sa√ü, Tochter von Edmund Stoiber, soll gnadenlos abgeschrieben haben. Und man kann davon ausgehen, dass weitere prominente Namen folgen werden.

Die größten und systematischen Plagiatoren sind die Tageszeitungen

Bei der Suche nach „skrupellosen Abkupferern“ wird √ľbersehen, dass t√§glich massenhaft Plagiate „unters Volk“ gebracht werden – durch Tageszeitungen. Denn die allermeisten Redakteure und freien Mitarbeiter haben √ľberhaupt keine Probleme damit, fremde Texte als ihre eigenen auszugeben.

Ein Beispiel gef√§llig? Heute haben die Weinheimer Nachrichten einen sehr umfangreichen Text auf Seite 11 ver√∂ffentlicht: „Wer versiegelt, der zahlt k√ľnftig mehr.“ Es handelt sich dabei zu fast 100 Prozent um eine Pressemitteilung der Stadt Weinheim, die kostenfrei zur Verf√ľgung gestellt worden ist. Zwar steht am Anfang des Artikels, dass die Verwaltung etwas „mitgeteilt“ hat und auch am Ende steht: „…hei√üt es abschlie√üend in der Pressemitteilung.“

Tagt√§gliches Plagiieren: Die Weinheimer Nachrichten √ľbernehmen mehr oder weniger 1:1 Pressemitteilungen, ohne diese korrekt als solche auszuzeichnen. Klicken Sie auf die Grafik, um den gesamten Text als PDF anzuzeigen.

Reichen diese „Hinweise“ aber aus, um klar zu erkennen, dass er komplette Text eine Pressemitteilung ist? Weder ein Durchschnittsleser noch ein Textprofi kann unmissverst√§ndlich erkennen, wer der wahre Urheber ist.

Kennzeichnungspflicht? Fehlanzeige!

Urheber ist in diesem Fall der Pressesprecher der Stadt Weinheim, Roland Kern – ein gelernter Journalist, der sehr flei√üig und kompetent √ľber die Aktivit√§ten der Stadtverwaltung und das Geschehen in der Stadt schreibt. Das ist sein Job und den macht er hervorragend.

Das kann man von der Redaktion der Weinheimer Nachrichten nicht behaupten. Nicht nur heute, sondern st√§ndig druckt das Blatt die Texte aus der Feder von Roland Kern oder anderen Urheber mehr oder weniger 1:1 ab. Das allein ist noch nicht „ehrenr√ľhrig“, wohl aber das Fehlen einer korrekten Quellenangabe.

Der Pressekodex des Deutschen Presserats verlangt unmissverständlich, Ziffer 1, Richtlinie 1.3:

Pressemitteilungen m√ľssen als solche gekennzeichnet werden, wenn sie ohne Bearbeitung durch die Redaktion ver√∂ffentlicht werden.

Warum steht nicht einfach am Anfang oder Ende des Textes: „Pressemitteilung der Stadt Weinheim“? Ganz einfach, weil die Redaktion so tut, als handle es sich um einen redaktionellen Text. Denn schlie√ülich zahlt der Abonnent nicht f√ľr abgedruckte Pressemitteilungen, sondern f√ľr eigene redaktionelle Inhalte. Die Art und Weise, wie die Weinheimer Nachrichten eine vermeintliche „Kennzeichnung“ vornehmen, darf eindeutig als unzureichend bezeichnet werden.

Blaue Markierungen sind Streichungen, gr√ľne Einf√ľgungen - mit minimalsten Bearbeitungen "eignen sich Redaktionen" Texte an und ver√∂ffentlichen sie als redaktionell-journalistische Leistung.

Korrekt kennzeichnen hei√üt glaubw√ľrdig sein

Auch wir veröffentlichen Pressemeldungen der Stadt Weinheim, die von Roland Kern geschrieben worden sind. Im Unterschied zu den Weinheimer Nachrichten kennzeichnen wir die Texte aber korrekt und unmissverständlich und täuschen den Lesern nicht eine redaktionell-journalistische Leistung vor.

Im Vorspann findet sich bei uns ein K√ľrzel „pm“ – das steht ausweislich unseres Impressums f√ľr „Pressemitteilung“. Weiter stellen wir √ÉŇďbernahmen in voller L√§nge eine unmissverst√§ndliche Zusatzinformatoin voran: Entweder steht „Pressemitteilung von…“ oder „Information von…“ vor einem solchen Artikel.

Manchmal ver√∂ffentlichen wir auch Texte unter dem Namen des jeweiligen Autoren. „Von Roland Kern“, steht dann vor dem Text und am Ende des Artikels informieren wir die Leserinnen und Leser dar√ľber, wer der Autor ist. „Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim“, steht dann da.

Warum wir das tun? Der erste Grund hei√üt Ehrlichkeit. Wir geben nicht etwas als unsere Leistung aus, was nicht unsere Leistung ist. Der zweite Grund: Durch die Nennung der Quelle wird deutlich, welche Interessen hier ver√∂ffentlicht werden. Der dritte Grund ist Anerkennung: Wir nennen selbstverst√§ndlich den geistigen Urheber. Der vierte Grund ist ein gesundes Misstrauen: Wir √ľbermitteln eine fremde Botschaft in Treu und Glauben – sollte ein Fehler oder gar eine T√§uschung vorliegen, ist der Urheber klar benannt.

So wie der MM-Redakteur Hans-J√ľrgen Emmerich „arbeiten“ viele: Eine Pressemitteilung wird ein wenig umgestellt und umformuliert und schwubsdiwups wird daraus ein „Redakteursbericht“. Quelle: MM

„zg“ ist ein Vielschreiber

Die Weinheimer Nachrichten stehen mit dieser Plagiatspraxis nicht alleine da. Besonders dreist sind auch Mitarbeiter des Mannheimer Morgens. Hier werden „umformulierte“ Pressemitteilungen gerne mal als „Redakteursbericht“ ver√∂ffentlicht (siehe dazu: „Ist der Mannheimer Morgen ein Sanierungsfall?„)

Einer der flei√üigsten „Mitarbeiter“ des Mannheimer Morgens ist ein Autor, der das K√ľrzel „zg“ benutzt. Das sieht auf den ersten Blick aus wie ein Autorenk√ľrzel, steht aber schlicht und ergreifend f√ľr „zugeschickt“. Das hei√üt, jeder dieser „zg“-Texte ist keine redaktionell-journalistische Leistung, sondern nur eine Text√ľbernahme. Nirgendwo weist die Zeitung darauf hin, welche Art von Urheber sich hinter „zg“ verbirgt. Andere Zeitungen verwenden andere K√ľrzel.

Patchwork-Journalismus РCopy&Paste ist Alltagsgeschäft

Gerne werden auch „Agenturberichte“ zusammengefasst. Das hei√üt, der Journalist bedient sich mehrerer „Quellen“ von Agenturtexten, kopiert die Inhalte irgendwie zu einem Patchwork-Artikel zusammen und schreibt seinen eigenen Namen √ľber den Text. Als „ehrlich“ kann schon gelten, wer wenigstens „Mit Material von…“ ans Ende des Artikels schreibt. Welche Teile der Texte aus welchem „Material“ stammen, ob es 10 oder 90 Prozent des Inhalts sind, ist f√ľr den Leser nicht erkennbar. H√§ufig wird die Nennung des „Materials“ auch gerne mal vergessen.

Und es sind alle Ressorts betroffen: Politik, Wirtschaft, Sport, Lokales, Kultur. Nicht nur Profis können Plagiate relativ leicht erkennen, wenn man auf folgendes achtet: Je weniger Quellen explizit genannt sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Text in Teilen oder komplett plagiiert wurde. So einfach ist das. Denn seriöse Journalisten achten sehr sorgfältig darauf, die Quellen zu benennen.

„Beispiele f√ľr Plagiate in Wissenschaft und Medien gibt es viele“, schreiben die Soziologen der Uni Bielefeld, Sebastian Sattler und Floris van Veen, in ihrem Text „Ver√∂ffentliche oder stirb“ f√ľr die Medienfachzeitschrift „Message“:

„Auffallend rar hingegen ist die Forschung zum Textklau im Journalismus. Das verwundert, f√ľhrt man sich den Schaden vor Augen: Leser werden nicht authentisch und transparent informiert, aber trotzdem zur Kasse gebeten.“

Textklau ist kaum erforscht – kein Wunder

Die Forscher wundern sich, dass es kaum Forschung zu dem Thema „Textklau im Journalismus“ gibt. Das aber ist nicht verwunderlich, wenn man wei√ü, dass viele Medien-Professuren eng mit Medien-Verb√§nden und -Verlagen verbunden sind. Wer also sollte an einem solchen Forschungsvorhaben interessiert sein? Oder anders gefragt: Wer w√ľrde ein niederschmetterndes Ergebnis ver√∂ffentlichen? Die, die es selbst betrifft? Wohl kaum.

Die Forscher folgern, dass dies der Glaubw√ľrdigkeit von Journalismus schadet. Umgekehrt gilt: Der Ehrliche ist der dumme. Wer dreist kopiert und abschreibt ist vermeintlich erfolgreicher, als derjenige, der sich nicht mit fremden Federn schm√ľckt. Und da eine Kr√§he der anderen kein Auge aushakt, wird diese Praxis des institutionalisierten Textklaus schaarenweise und vollst√§ndig unversch√§mt betrieben.

Plagiat = Raub der Seele

So werden tagt√§glich in Deutschland Zeitungen und andere Medien von „Journalisten“ gef√ľllt und von Redakteuren verantwortet, die entweder nie einen Funken Berufsehre in sich hatten oder diese im Lauf der Zeit „verloren“ haben. Ganz im Gegenteil handelt es sich um Banditen, um R√§uber, wie sich anhand der Definition von „Plagiat“ bei Wikipedia nachlesen l√§sst:

Ein Plagiat (von lat. plagium, „Menschenraub“, „Raub der Seele“[1]) ist die Vorlage fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes Werk oder als Teil eines eigenen Werkes. Dies kann sich auf eine wortw√∂rtliche √ÉŇďbernahme, eine Bearbeitung, oder auch die Darstellung von Ideen oder Argumenten beziehen.

Anmerkung:
Zur√ľck zur „Wissenschaft“: Die Arbeit an diesem Text wurde kurz von 15:00 Uhr begonnen. Zu diesem Zeitpunkt waren 32 m√∂gliche Plagiatsstellen in der Arbeit von Frau Koch-Mehrin martkiert worden. Um 17:30 Uhr fanden sich bereits 37 Stellen. ūüėČ

Dokumentation: Anfrage und Reaktion

Guten Tag!

Heddesheim, 23. April 2010. Wir dokumentieren unsere Recherchefragen an die Gemeinde und die Antworten, die die Gemeinde geschickt hat.

Dokumentation:

Am Donnerstag, den 15. April 2010, hat die Redaktion des heddesheimblogs eine email an die Gemeinde gesandt. Wir wollten gerne wissen:

„Mit Frist 12:00 Uhr, 16. April 2010 l√§uft die Offenlage des Bebauungsplanentwurfs „N√∂rdlich der Benzstra√üe“ ab.

Wir w√ľrden gerne wissen, wie viele Einw√§nde eingegangen sind.
Nach Möglichkeit unterteilt in private und Träger öffentlicher Belange.
Ebenso interessiert uns eine grobe Einteilung nach Themengebieten, also beispielsweise Verkehr, Umwelt usw.

Wir fragen explizit nicht nach dem Inhalt, sondern nach den Zahlen und der ungefähren Thematisierung.

Au√üerdem w√ľrden wir gerne wissen, bis wann die Verwaltung damit rechnet, die Einw√§nde in den Plan eingearbeitet zu haben.“

Wir haben die email bewusst so abgesendet, dass immerhin der Freitag noch f√ľr eine Antwort m√∂glich w√§re. Tats√§chlich kam diese auch, am Freitag, den 16. April 2010, um 11:36 Uhr:

„…wir werden in der kommenden Woche eine Pressemitteilung zur Anzahl der Einw√§nde ver√∂ffentlichen, die Ihnen dann ebenfalls auf dem √ľblichen Weg zugeht.“

Am Donnerstag, den 22. April 2010 verschickte die Gemeinde Heddesheim folgende Pressemitteilung:

„Presseinformation zu Einwendungen im Bebauungsplanverfahren Gewerbegebiet „N√∂rdlich der Benzstra√üe“

Heddesheim, 22.04.2010. Nach dem Ende der √∂ffentlichen Auslegung des Bebauungsplanentwurfs zum Gewerbegebiet „N√∂rdlich der Benzstra√üe“ in der Zeit vom 15. M√§rz bis 16. April 2010 zog man im Rathaus eine erste Bilanz der eingegangenen Einwendungen. Insgesamt nahmen im Bauamt etwa 30 B√ľrgerinnen und B√ľrger Einsicht in die Planunterlagen.

Bis zum Ende der Offenlage haben ca. 240 verschiedene Personen Einwendungen abgegeben. Bei den rund 240 verschiedenen Personen handelt es sich um ca. 160 Haushalte bzw. um ca. 130 verschiedene Anschriften. Aus diesem Personenkreis wurden insgesamt 910 Einwendungen bei der Verwaltung abgegeben.

Bei den Einwendungen ging es vor allem um das Thema Verkehr, aber auch um die Themen Artenschutz, Ausgleichsma√ünahmen oder Chemie. Viele Einwendungen liegen mehrfach und in gleichem bzw. √§hnlichem Wortlaut von verschiedenen B√ľrgern vor.

Derzeit werden die Einwendungen gesichtet und sorgf√§ltig gepr√ľft. Eine Aussage zum Zeitpunkt der Behandlung im Gemeinderat ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht m√∂glich.“

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
Das heddesheimblog

Wie aus einer Pressemeldung ein „Artikel“ wird und wer hinter dem K√ľrzel „zg“ steckt

Guten Tag!

Heddesheim, 03. April 2010. Aufmerksame Zeitungsleser wundern sich √ľber einen sehr flei√üigen Autoren, der anscheinend f√ľr den Mannheimer Morgen, die Weinheimer Nachrichten, die Rhein-Neckar-Zeitung und viele andere Zeitungen arbeitet. Sein K√ľrzel: zg.

Von Hardy Prothmann

pm

Kein Journalist hat f√ľr diesen Artikel nennenswert recherchiert - eine Pressemitteilung wurde ein wenig umgeschrieben und fertig ist ein "redaktioneller Artikel" im Mannheimer Morgen, der so tut als ob. Die durchgestrichenen Passagen fallen weg, die unterstrichenen Stellen sind Einf√ľgungen oder Umstellungen. Klicken Sie, um das gesamte Dokument und die Ver√§nderungen zu sehen.

Es gibt in Deutschland einen Vielschreiber, der niemals unter seinem Namen auftritt, sondern nur mit dem K√ľrzel „zg“.

„zg“ ist vielseitiger Schreiber: Vereine, Sport, Politik, Kultur, Wirtschaft, Verb√§nde – kein Thema ist vor ihm sicher. Er berichtet einfach zu allem und jedem.

Noch verwunderlicher ist: „zg“ schreibt f√ľr jede Menge Zeitungen – auch f√ľr solche, die miteinander „konkurrieren“, wobei die Konkurrenz meist nur in den Au√üenbezirken an den R√§ndern der Erscheinungsgebiete stattfindet.

Und „zg“ ist meistens bestens informiert und liefert immer Informationen „aus erster Hand“.

So auch heute wieder im Mannheimer Morgen. Hier berichtet „zg“ √ľber den genehmigten Antrag zur gemeinsamen Werkrealschule von Hirschberg und Heddesheim.

Wer genau hinschaut und die Pressemitteilung der Gemeinden zum Thema kennt, stellt fest: So flei√üig ist „zg“ gar nicht. Mit ein paar K√ľrzungen, Umstellungen und marginalen Einf√ľgungen macht „zg“ flugs aus einer Pressemitteilung einen „eigenen“ Artikel.

„zg“ ist das K√ľrzel f√ľr „zugesandte“ Texte.

Das R√§tsel um den Vielschreiber „zg“ ist schnell gel√∂st. Es gibt ihn nicht. Das K√ľrzel „zg“ steht f√ľr „zugeschickt“ oder „zugesandt“.

Das bedeutet: Alle „Artikel“ (und das sind jede Menge), die das K√ľrzel „zg“ tragen, sind nicht von Journalisten der jeweiligen Redaktion verfasst worden, sondern in den meisten F√§llen Pressemitteilungen oder Vereinsnachrichten, die ein wenig „aufgeh√ľbscht“ werden und dann so tun, als seien sie eigenst√§ndige redaktionelle Leistungen der Zeitung.

K√∂nnte man auch sagen, hier t√§usche jemand eine eigene redaktionelle Leistung vor? So weit will ich nicht gehen (in Zeiten, in denen man ganz schnell f√ľr Meinungs√§u√üerungen abgemahnt wird, muss man vorsichtig sein). Immerhin werden die „zg“-Texte ja ein bisschen bearbeitet, was aus Sicht von Zeitungen dann doch eine redaktionelle „Leistung“ darstellt. Das ist eben Ansichtssache.

Der Schein der Vielfalt.

Leider, leider, werden aber die Leserinnen und Leser nicht √ľber dieses Verfahren aufgekl√§rt und k√∂nnen nicht erkennen, ob sie einen eigenst√§ndig recherchierten Artikel oder eine umgeschriebene Pressemitteilung vor sich haben.

Das wollen die Zeitungen nicht. Sie wollen etwas anderes erreichen: Sie suggerieren eine gro√üe Vielfalt von „eigenen“ Autoren, die aber keine eigenen sind. Es sind „als ob“-Autoren.

So auch im Text √ľber die Werkrealschule, in den die Redaktion besonders dreist noch eingef√ľgt hat: „…in einer Pressemitteilung“, obwohl der Text selbst zu gesch√§tzten 90 Prozent aus eben dieser Pressemitteilung besteht. (Klicken Sie auf das Bild, um sich selbst ein Bild zu machen.)

Korrekt w√§re, wenn die Zeitungen einfach dr√ľber oder drunter „Pressemitteilung von xy“ schreiben w√ľrden – dann w√ľssten die Leser Bescheid, wie sie den Text einzuordnen haben.

Zeitungen tauschen aber auch gerne Artikel untereinander aus. Beispielsweise schreibt im Mannheimer Morgen √ľber Hirschberg h√§ufiger ein Autor, der mit „hr“ zeichnet.

Ausgeschrieben ist das Hans-Peter Riethm√ľller, Redakteur bei den Weinheimer Nachrichten. Umgekehrt erscheint in den Weinheimer Nachrichten auch mal „ag√∂“, richtig Anja G√∂rlitz vom Mannheimer Morgen.

Und im Mannheimer Morgen gibt es auch mal die Kombination WN/ag√∂ – das ist dann eine Text√ľbernahme der Weinheimer Nachrichten mit „redaktioneller Bearbeitung“ durch ag√∂.

Auch durch diese Praxis wird so getan als ob. Korrekt w√§re ein Hinweis, dass hier Artikel aus anderen Zeitungen √ľbernommen wurden. Wie Redaktionen ihre Leserinnen und Leser √ľber die Inhaltsstoffe informiert, die im Produkt Zeitung drin sind, entscheiden die Redaktionen selbst.

Umgeschriebene Pressemitteilungen sind gängige Praxis.

F√ľr Recherche bleibt keine Zeit – schlie√ülich muss „zg“ jede Menge „Artikel schreiben“. Diese Praxis, umgeschriebene Pressemitteilungen als eigene Artikel zu verkaufen, ist Gang und G√§be in deutschen Zeitungsredaktionen. Journalisten, die eigentlich bei einer Nachrichtenagentur angestellt sind, werden so schnell auch mal zu „Von unserem Mitarbeiter xy“.

Das heddesheimblog arbeitet anders: Nat√ľrlich √ľbernehmen wir wie jede Redaktion manchmal Informationen aus Pressemitteilungen und anderen Informationsquellen. Das machen wir in den allermeisten F√§llen durch die Nennung der Quelle deutlich. Die Informationen f√ľgen wir neu und eigenst√§ndig zusammen und erg√§nzen sie durch eigene Recherche. Das Ergebnis ist ein echter redaktioneller Artikel und nicht eine Mogelpackung, die so tut als ob.

Dar√ľber hinaus verlinken wir zu Informationsquellen oder dokumentieren die Originalpressemitteilungen – dadurch erm√∂glichen wir eine gro√üe Transparenz f√ľr unsere Leserinnen und Leser.

Zum Vergleich können Sie hier nachlesen, wie wir zum selben Thema berichtet haben.

Ab 13. Juni 2010 „Public Viewing“ zur WM in der Freizeithalle

Guten Tag!

Heddesheim, 18. Januar 2010. Fortuna, ATB, TG und die Gemeinde Heddesheim werden zur Fu√üball-Weltmeisterschaft 2010 in S√ľdafrika ein „Public Viewing“ in der Freizeithalle anbieten.

Pressemitteilung der Gemeinde Heddesheim

„Nachdem der Ball in der Fu√üball-Bundesliga zur R√ľckrunde nun wieder rollt, naht auch mit gro√üen Schritten die Weltmeisterschaft 2010 in S√ľdafrika: Der Fu√üballverein Fortuna, der Arbeiter-Turnerbund und die Turngemeinde sowie die Gemeinde Heddesheim veranstalten w√§hrend der WM im Sommer ein „Public Viewing“ in und an der fu√üballerisch dekorierten Freizeithalle in Heddesheim. Die Leinwand wird vor Wind und Wetter gesch√ľtzt in der Freizeithalle aufgebaut. Vor der Freizeithalle finden die Besucher Essen und Trinken in einem Biergarten. Dabei sorgen die Vereine f√ľr die Getr√§nke, das Catering √ľbernimmt der Partyservice Muth.

Das Public Viewing beginnt mit dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft gegen Australien am Sonntag, 13. Juni, um 20:30 Uhr. Danach werden nat√ľrlich die deutschen Spiele sowie weitere Spiele unter der Woche und an den Wochenenden gezeigt. Ab dem Achtelfinale soll immer ge√∂ffnet sein. Die Tage, an denen das Public Viewing w√§hrend der Gruppenphase stattfindet, werden in K√ľrze bekanntgegeben.“

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
Das heddesheimblog